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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

AC£S LIBRARY 

Verhandlungen 

der kaiserlich-königlichen 

zoologisch - botanischen Gesellschaft 

in Wien. 

Herausgegeben von der Gesellschaft, 

Redigiert von 

A. Handlirsch und Dr. V. Pietschmann. 

Jahrgang 1912. 
LXII. Band. 

Mit 2 Porträts, 2 Tafeln, 2 Kartenskizzen und 88 Abbildungen im 

Texte. 



Ausgegeben wurde : 

Heft 1. S. (1)— (32), 1—32 am 10. April 1912. 

2. S. (33)-(64), 33-64 „ 30. April 1912. 

„ 3/4. S. (65)— (128), 65—128 „ 28. Juni 1912. 

„ 5/6. S. (129)— (190), 129—208 „ 30. September 1912. 

7. S. (191)— (206), 209-256 „ 25. Oktober 1912. 

„ 8/9. S. (207)— (222), 257—384 „ 16. Dezember 1912. 

„ 10. S. (223)- (237), 385— 447 „ 20. Februar 1913. 



Wien, 1912. 

Für das In- und Ausland besorgt durch Alfred H Öl der, 

k. u. k. Hof- und Universitäts-Buchhändler, 
Buchhändler der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 



Adresse der Redaktion: Wien, III/3, Mechelgasse 2. 



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Dran v «'" 4dolx BolihftOMO, 

| Ii I Hof un.l Ulilv»r«tUU M.irh.lrurk. i in Wh r. 



Protektor: 

Seine k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog 

Rainer. 



Leitung der Gesellschaft 

Präsident (gewählt bis Ende 1913): 
P. T. Herr Prof. Dr. Richard Wettstein Ritter v. Westersheim. 

Vizepräsidenten (gewählt bis Ende 1913): 

P. T. Herr Prof. Dr. Karl Grobben. 
„ „ Dr. Franz Ostermeyer. 

Generalsekretär (gewählt bis Ende 1913): 
P. T. Herr Konservator Josef Brunn thaler. 

Redakteur (gewählt bis Ende 1913): 
P. T. Herr Kustos Anton Handlirsch. 

Rechnungsführer (gewählt bis Ende 1913): 

P. T. Herr Oberrechnungsrat i. P. Julius Hunger byehler Edler 
v. Seestätten. 

Ausschußräte (gewählt bis Ende 1913): 

P. T. Herren: Heinrich Braun, Ingenieur, Stadtrat; Dr. Karl 
Brunner v. Wattenwyl, k.k. Hofrat; Dr. Alfred Burgerstein, k. k. 
Universitäts-Professor; Theodor Fuchs, k. k. Hofrat; Dr. August 
Gin zb erger, k. k. Universitäts -Adjunkt; kais. Rat Dr. Eugen v. 
Haläcsy; Dr. Heinrich Freiherr v. Handel-Mazzetti, Assistent; 
Dr. August Edler v. Hayek, städt. Bezirksarzt; Franz Heik er tin- 
ger; Dr. Karl Holdhaus, k. u. k. Assistent; Dr. Josef Hockauf, 

Z. B Ges. 62. Bd. a 



732828 



Leitung der Gesellschaft. 



k. k. Universitäts-Professor; Dr. Karl Ritter v. Keissler, k. u. k. 
Kustos Adjunkt: Dr. Ludwig Linsbauer, k. k. Professor; Prof. Dr. 
Ludwig Lorenz v. Liburnau, k. u. k. Kustos; Prof. Dr. Emil Edler v. 
Marenzeller, k. u. k. Kustos; Dr. Hans Molisch, k. k. Univer- 
sitäts-Professor; Ferd. Pfeiffer Ritter v. Wellheim, Inspektor; 
Dr. Paul Pfurtscheller, k. k. Professor; Dr. Theodor Pintner, 
k. k. Universitäts-Professor; Ernest Preißmanu, k. k. Regierungs- 
rat: Dr. Karl Rechinger, k. u. k. Assistent; Dr. Karl Schima, 
k. k. Hofrat; Rudolf Schrödinger; Friedrich Siebenrock, k. u. k. 
Kostos; Dr. Franz Spaeth, Magistratsrat a. D.; Prof. Dr. Stadel- 
mann, Dr. Rudolf Stur an y, k. u. k. Kustos; Dr. Fritz Vi erhap per, 
Privatdozent; Dr. Franz Werner, k. k. Universitäts- Professor; Dr. 
Karl Wilhelm, Hochschul-Professor; ferner die Obmänner der Sek- 
tionen. 

Redaktions- Comit^. 

Obmann: Herr Kustos Anton Handlirsch, Schriftführer: Herr 
Dr. Viktor Pietschmannj P. T. Herren: Prof. Dr. Alfred Bürger- 
st ein. Josef Brunnthaler, Dr. L. v. Lorenz, Prof. Dr. Theodor 
Pintner, Dr. Karl Rechinger, Dr. Fr. Vierhapper, Dr. Alex. 
Zahlbruckner und die Schriftführer der Sektionen. 

Blbliotheks-Comitä. 

P. T. Urnen: Josef Brunnthaler, Dr. Alex. Zahlbruckner. 

Sektion für Botanik. 

< »biimim : Herr Kustos Dr. Alex. Zahlbruckner. — Obmann- 
SteD?ertreter: Ben Rudolf Schrödinger. — Schriftführer: Herr 

Di Ahlum Bdier v. llayck. 

Sektion für Koleopterologle. 

•"»in;. im: Herr Direktor L. (Janglbancr. — Obmann-Stell- 
rfcrlwter: Herr Dr. K. Boldhaus. — Schriftführer: Herr F. Hei- 
ke rt in ^cr. 

Sektion für Eryptogamenkunde. 

Obmann: Ben Kustof Dr, AI. Zahlbruckner. — Obmann« 
Steflrertieteri Ben Prof Dr. \ Iktor Schiffner. Schriftführer: 

Herr JoHel liru n n! baler. 



Leitung der Gesellschaft. (3) 

Sektion für Lepidopterologie. 

Obmann: Herr Prof. Dr. H. Rebel. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr Zentralinspektor Johann Prinz. — Schriftführer: Herr Dr. 
Egon Galvagni. 

Sektion für Paläozoologie. 

Obmann: Herr Prof. Dr. 0. Abel. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr Kustos Anton Handlirsch. — Schriftführer: Herr Rudolf 
Lohr. 

Sektion für Zoologie. 

Obmann: Herr Prof. Dr. K. Grobben. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr Kustos Dr. L. v. Lorenz. — Schriftführer: Herr Dr. V. 
Pietschmann. 

Gresellschaftslokale : 

Wien, III/3, Mechelgasse 2. — Täglich (mit Ausnahme der Sonn- 
und Feiertage) von 3 — 7 Uhr nachmittags geöffnet, Freitag bis 8 Uhr. 

Kanzlistin: Frau Grete Ferlesch (XVII., Veronikagasse 29). 



Alle Zuschriften und Zusendungen sind zu richten an die: 
„K. k. zoologisch-botanische Gesellschaft' '/ohne spezielle Adres- 
sierung an einen Funktionär der Gesellschaft. 



a* 



(4) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologi« 



Bericht der Sektion für Lepidopterologie. 



Versammlung am 1. Dezember 1911. 

Vorsitzender: Herr Zentralinspektor J. Prinz (in Vertretung von Prof. 

Rebel). 

I. Herr Dr. Zerny legt an Stelle des am Erscheinen ver- 
hinderten Prof. Kebel mit referierenden Bemerkungen neue Lite- 
ratur vor: 

Oberthür, Ch., Etudes de Lepidopterologie compar6e, Fase. 5. 
Rennes, 1911. 

Lepidopterorum Catalogus. Herausgegeben von Aurivillius 

und H.Wagner. Berlin, 1911. — Hepialidae. 
Nachruf für Dr. Max Wiskott. Sep.-Abdr. aus der Deutschen 

entomolog. National-Bibliothek, II, 1911. 
Tarati, Ilm. Lepidopteres nouveaux ou peu connus. Paris, 

L91 1. „Extrait d. Bulletin d. 1. Soc. entom. de France", 

Ann. 1911. 

Derselbe. Lepidoptera aus Sardinien. Berlin, 1911. (Sep.-Abdr. 
aus der Zeitschrift für wissenschaftl. Insektenbiologie, 
iid. VII. 1911.) 

Derselbe. Lcpidotteri de) Museo Zoologico della R. Universita 
di Napoli. lEstratto dalF Annuario del Museo Zoologico 
dclla B. Universitä di Napoli. N. S. Vol. III. 1911.) 

II. Im Vorsitzende ij; i » > t bekannt, daß für 1912 wieder eine 
Wahl der Funktionäre der Sektion zu erfolgen habe. 

Au! Antrag des Herrn Ministerialrates Schima werden die 
bisherigen Funktionäre per acolamationem wiedergewählt. 

I" Ben Poehc legi mit kurzem Referate seine Anträge an 
«lie Wo mimkl ati i rkommiarioi] dei VI, [nternationalen Zoologenkon- 

- •' - 'i' i' Anw esenden zur I intcrHehrifl vor. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(5) 



IV. Herr Dr. Scbima weist eine Serie bemerkenswerter For- 
men von Pieris napi L. heuriger Ausbeute vor und macht hiezu 
nachstehende einleitende Bemerkungen: 

In meinem „Beitrag zur Kenntnis von Pieris napi L." (in diesen 
„Verhandlungen", 1910, p. 268—303) habeich (p. 270), die vielfache 
Benennung nicht genügend scharf abgegrenzter Formen beklagend, 
bemerkt, daß sich allerdings schon Stimmen gegen mißbräuchliche 
Massenbenennung neuer Formen vernehmen lassen und daß ins- 
besondere Stichel in der Berliner Entom. Zeitschrift. Bd. 53, 1908. 
1. Heft, p. 61 ff. den Versuch macht, eine ganze Reihe von Namen 
zusammenzuziehen. Ich fügte damals bei, daß Stichel hiebei in 
einigen Punkten aber doch zweifellos übers Ziel schieße und wohl 
auch — irregeführt durch ungenaue, nicht genug scharfe Beschrei- 
bung einer oder der anderen Aberration — deren Xamen auf eine 
andere Form anzuwenden scheine, als dem Autor vorgeschwebt 
habe. Ich habe ausdrücklich hervorgehoben, daß diese Bemerkung 
keineswegs ein Vorwurf sein solle, der Versuch Stichels mir viel- 
mehr sehr sympathisch sei. Trotzdem scheine ich mit dieser Be- 
merkung bei Herrn Stichel gewaltigen Zorn erregt zu haben. Denn 
in einer Arbeit: „Kritische Sichtung der Variationsstufen von Pieris 
napi L."' (Berliner Entom. Zeitschrift, Bd. 55, 1910, p. 233—251) 
richtet er gegen mich die „freundschaftliche Gegenkritik", daß ich 
trotz meines Protestes, als Anhänger des Varietätenunwesens zu 
gelten, „das vorhandene Machwerk noch verstärke, so daß in 
mehreren Punkten keine Formen-, sondern Einzelwesen-Benennungen 
Platz greifen". 

Form und Ton einer Polemik sind schließlich Sache des 
guten Geschmackes, worüber man bekanntlich nicht streiten soll. 
Meines Wissens haben schon namhaftere Lepidopterologen als ich, 
vielleicht sogar als Herr Stichel, Benennungen ursprünglich nach 
einem einzelnen Exemplar aufgestellt. Übrigens bin ich in der an- 
genehmen Lage, zur Entkräftung dieses einen Vorwurfes des Herrn 
Stichel ein heuer am 2. Juli 1911 in Mödling erbeutetes typisches 
Stück der allerdings ursprünglich von mir nach einem vereinzelten 
Exemplar benannten ab. confluens vorzuweisen; es hat kreideweiße 
Grundfarbe. Jenes, nach dem ich den Xamen aufgestellt habe, 
hatte tief ockergelbe Grundfarbe, und ich sagte damals, es sei mir 



(6) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



nicht bekannt, ob diese Zeichnungsanomalie auch mit weißer Grund- 
farbe vorkomme. Stichel bemerkt hiezu (p. 249, Nr. 2): „Daß die 
Form mit weißer Grundfarbe vorkommt, lehrt uns Fig. 9, Taf. 32 
bei Verity; dort ist die Zeichnung im Apex noch etwas verstärkt, 
so daß Schima den Charakter, d.i. die Verbindung der Median- 
flecke, anscheinend gar nicht beachtet hat, denn er ist bemüht, 
dieses Bild in den Rahmen der gänzlich verfehlten Bestimmung 
sabellicae einzuzwängen. Es ist dies eigentlich ein ganz günstiges 
Ergebnis, denn sonst würde uns für die weiße confluens vielleicht 
noch ein neuer Name erblühen." Dem gegenüber stelle ich fest, 
daß meine Diagnose für ab. confluens lautet: „Maculis duabus ala- 
rum anteriorum magnis confluenübus" • daß ich also nur dieses Zu- 
sammenfließen der beiden Medianflecke als das wesentliche Merk- 
mal dieser Form ohne Rücksicht auf die Grundfarbe angesehen und 
ausdrücklich hervorgehoben habe; daß nicht ich die Abbildung bei 
Verity welche übrigens tatsächlich eine wenn auch verschwom- 
men« Kontinenz der beiden Medianflecke zeigt) unter die ganz ver- 
fehlte Bestimmung sabellicae einzuzwängen suche, sondern daß 
Verity diese Abbildung für sabellicae Steph. ausgibt. Überdies 
habe ich ausdrücklich (p. 301) gesagt, daß auch gleichzeitiges Vor- 
kommen mehrerer durch eine Namensgebung ausgezeichneter Aber- 
rationsrichtungen an einem und denselben Exemplar zu beobachten 
ist (z. Ii. mpunetata sowohl bei napi als bei napaeae), mich jedoch 
selbstverständlich, ohne einer Ermahnung Stichels zu bedürfen, 
einer Namensgebung für solche Kombinationen, die gewiß lächerlich 
uiirc enthalten. Auch ich stand also auf dem von Stichel pole- 
misierend hervorgehobenen Standpunkte, daß der Name confluens 
für beide Grundfarben, weiß und gelb, zu gelten habe. 

Btichel behauptet ferner (p. 240), ich sei der Ansicht, daß 
Hlbeüieae Steph. nach der Plugzeit eine napaeac-Form sein dürfte. 
Ich habe p. '2 ( .);>) gesagt: „Die (von Stephens angegebene) Flugzeit 
1 Juni in England! ließe darauf schließen, daß es sich um eine 
Prflhjahrtforni bandelt" , bin aber im übrigen allerdings auf Grund 
der voneinander lehr abweichenden Angaben verschiedener Autoren 
zur Auflassung gekommen (p. 208), daß sabellicae zu jenen Aber- 
r»ÜOIIiriehtungen gehören dürfte, die in beiden Generationen vor- 
komme,,. Zun gleichen Ergebnil kommt nunmehr St ichel (p. 242). 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(7) 



Meine Bemerkung-, daß Stichel in seiner Arbeit vom Jahre 
1908 mit der Zusammenziehung von Benennungen zum Teile doch 
zu weit gehe, bezog sich unter anderem darauf, daß er sabellicae 
Steph. und meta Röber zusammenzog. Über diesen Punkt hat mir 
seinerzeit Herr Röber geschrieben; ich halte mich nicht für be- 
rechtigt, seine Worte hier wiederzugeben, kann aber sagen, daß 
seine Ansicht mit der meinigen vollkommen übereinstimmte und 
daß der Vergleich des mir von Herrn Röber seinerzeit freundlichst 
zur Verfügung gestellten „Originals" seiner meta (als „Type" war 
es nicht bezeichnet) und seiner Abbildung bei Seitz (Taf. 21) mit 
den verschiedenen Abbildungen von sabellicae meine Ansicht voll- 
kommen rechtfertigt, daß einerseits meta Röber keineswegs mit 
sabellicae Steph. übereinstimmt und daß anderseits Herr Röber 
unter meta dieselbe Aberration versteht wie Wagner. Herr Röber 
hat dieser letzteren von mir brieflich geäußerten Annahme in seiner 
Korrespondenz mit mir keineswegs widersprochen. Es scheint mir 
also nicht ganz konsequent, wenn Stichel einerseits mir vorwirft, 
daß ich das „Varietätenunwesen unterstütze", ferner, daß ich seine 
Zusammenziehung verschiedener Benennungen zu weitgehend finde, 
anderseits aber für die Verschiedenheit von meta Röber und meta 
Wagner eintritt. 1 ) Im übrigen widerruft Stichel selbst in seiner 



l ) Stichel stützt diese Verschiedenheit darauf, daß meta Röber gelb 
(Röber sagt: „mit leicht gelbem Anfluge auf der Oberseite"), meta Wagner 
dagegen von rein weißer Grundfarbe sei. Er sagt (p. 243): „Verity bildet 
diese Form (meta Wagner) Taf. 32, Fig. 48 auch richtig und sehr schön ab, 
die von Wagner beschriebene Form existiert also." Das habe ich doch nie 
bestritten; ich kenne die Type Wagners, besitze selbst Stücke dieser Form 
und habe nur konstatiert, daß sie in ausgesprochenen Stücken sehr selten ist, 
im Handel aber meist Übergänge dafür gelten. Stichel schreibt weiter: „Soll 
es jetzt nicht begründet sein, den Färbungsunterschied als Analyse zu be- 
nützen, so wäre eine Trennung bei den verdunkelten Formen überhaupt un- 
möglich, es sei denn, man steigerte: etwas schwärzlich, mehr schwärzlich, viel 
mehr schwärzlich, fast ganz schwärzlich, ganz schwärzlich. Wenn nun bei 
meta Wagner . . . Stücke bis zu dottergelber Grundfarbe der Oberseite vor- 
kommen, so ist dies eben nicht mehr das, was Wagner als meta beschreibt 1 "'. . . . 
Gewiß, darum habe ich letztere Form auch flavometa benannt. Im übrigen 
weiß ich nicht, gegen was und wen sich diese ironisierende Kritik richtet; 
denn wenn Stichel weiter bemerkt (p. 243, Nr. 4), man könnte „gelbe Ver- 
färbung der Grundfarbe und Verstärkung der Zeichnung nicht in einen Topf 



(8) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Arbeit vom Jahre 1910 (p. 244), die im Jabre 1908 vorgenom- 
mene Znsammenziebung von meta Wagner mit nigrans Verity. 

AVenn Herr Stieb el ferner (p. 246) sagt, daß sich zwischen 
flava Kane, 1 ) interjecta Röber, radiata Röber und lutescens Schima 
bestimmte Grenzen nicht festlegen lassen, so verweise ich dies- 
bezüglich auf das von mir (p. 300) Gesagte, daß alle von mir be- 
sprochenen Formen durch die mannigfaltigsten Übergänge mitein- 
ander verbunden sind und daß die Mannigfaltigkeit der Natur sich 
nicht in die Kategorien unserer an Benennungen so reichen deskrip- 
tiven Literatur einzwängen läßt. Gewiß haben infolge dessen viele 
solche Benennungen nur relativen Wert; diese Auffassung war aber 
schon meiner Arbeit deutlich zu entnehmen und sie gilt nicht bloß 
für die Formen von Pieris napi L., sondern in viel weiterem 
Umfange. 

Wenn ich noch bemerke, daß Stichel in einer „Analytischen 
Übersicht der benannten europäischen Formen" (p. 248) bis auf 
wenige Punkte zu gleichen Ergebnissen kommt wie ich, könnte 
man sich eigentlich über die von ihm in mehreren Fußnoten ge- 
machten Ausfälle, als ob es mir nur um Vermehrung von „Indivi- 
dnennamen" zu tun gewesen wäre, einigermaßen wundern. Man 
könnte vielleicht sogar meinen, daß bei so scharfer Polemik etwas 

werfen, . . . weiß und gelb sind zwei getrennte Begriffe, die man sachlich noch 
auseinander halten kann" . . ., so habe ich gegen diese Auffassung gewiß nicht 
verstoßen. Ich habe die Zeichnungsaberration von confluens ohne Rücksicht 
auf die Grundfarbe, also für weiße und gelbe Grundfarbe giltig, hervorgehoben, 
und daß «Ii»; Z ei c h n u n g s aberratio!! der Formen radiata Höher und meta 
Wagner in den Original beschreibungen gerade an weiße oder „noch weniger 
gelbe" (irundf'arbe als bei interjecta Röbcr geknüpft wurde, ist doch nicht 
Mine Sebald, wenngleich dieser Umstand zur Folge haben mußte, daß die 
dottergelben Formen lutescens und jlavometa nicht mehr unter jene Formen 
mbfUtnierl werden konnten, [ob habe speziell bei Besprechung der ab. flava 
Kam- |, 277 u. 278, Nr. 1) gesagt: „Um wieviel einfacher wäro es doch, wenn 
•" ; "> W den Prinzip* Kanes (für alle gelben Formen einfach die gemeinsame 
Beaeiehnnnf fiava m verwenden) geblieben wäre! Ks würde dann genügen, 

W Jtdei einsehen Ait Und Aberrationsrichtung zu konstatieren, daß sie auch 
mit gelber ( irnndlarbe. also als f. (Iura, vorkomme." 

1 Dil Kane „//a?vi" als einen Sammelnamen für alle gelben Formen 
■WH BVJ '."Ii n'i],nmc und napi, sondern auch von brasaicac gemeint hat, 
glaube n h in meine, Arbeit (p. L'7711'j nachgewiesen zu haben. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(9) 



aufmerksameres Lesen dessen, wogegen man polemisiert, am Platze 
gewesen wäre. Trotz mancher in der neuen Arbeit Stichels noch 
zu berichtigender Punkte will ich eine weitere Auseinandersetzung 
mit ihm unterlassen und möchte nur noch konstatieren, daß die 
Unterschiede zwischen den von mir seinerzeit neu besprochenen 
Xcqn-Formen für Jedermann auf den ersten Blick ganz unvergleich- 
lich schärfer faßbar und erkennbar sind als die Unterschiede zwischen 
gewissen Parnassierformen, deren Namen wir niemand anderen ver- 
danken als Herrn Stichel. Es würde mich nur freuen, Herrn 
Stichel, falls ihn seine Wege einmal nach Wien führen sollten, 
hievon durch den Augenschein an der Hand meines Materials zu 
überzeugen. 

Außer der bereits erwähnten ab. confluens mit weißer Grund- 
farbe habe ich heuer unter andern am 29. Juni 1911 in Mödling eine 
ausgesprochene ab. meta Wagner und gleichzeitig ein 9 von napaeae 
mit zwei kleinen, aber scharf ausgeprägten tiefschwarzen Median- 
flecken gefangen, bei dem aber der Apikaifleck ganz ähnlich wie 
bei var. lencotera Steph. von rapae L. nur ganz schwach angedeutet 
ist; ferner am 23. Juli bei Gutenstein eine besonders charakteristische 
flavometa mit breiter schwarzer, durch keinerlei helle Strahlen durch- 
brochener Saumbinde auf den Vorderflügeln, welche bis in die beiden 
Medianflecke reicht, und mit der für meta Wagner und flavometa 
charakteristischen breiten Bestäubung der Rippenenden auf der 
Oberseite der Hinterflügel. 

Das Interessanteste meiner heurigen Ausbeute an JVapi-Formen 
bilden jedoch drei ex ovo von einem im Mai gefangenen 9 ge- 
zogene d und ebensoviele 9 der Sommergeneration (geschlüpft 24. bis 
29. Juni 1911). Die cf sind von rein weißer, die 9 von lichtgelber 
Grundfarbe (strohgelb, etwa wie lichte Exemplare der ab. sidfurea 
im Sinne Röbers); die sonst schwarzen Zeichnungen differieren 
im Umfang nicht von normalen Stücken, sind aber durchwegs nur 
ganz blaß angedeutet, bei den cT infolge Durchscheinens der weißen 
Grundfarbe also blaß grau, bei den g bräunlichgrau. Die Tiere 
machen im Vergleiche zu allen anderen Stücken, die ich jemals ge- 
sehen habe, einen ganz auffallenden absonderlichen Eindruck und 
ich hätte ebenso wie Herr Professor Rebel, der ähnliche Stücke 
gleichfalls noch nie gesehen hatte, an eine durch die künstliche 



(10) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



Zucht hervorgerufene Anomalie gedacht, wenn ich nicht ein ganz 
analoges 9 am 15. Juli 1911 in Mödling in der freien Natur ge- 
fangen hätte. Eines der c? zeigt übrigens noch eine ganz besondere 
Merkwürdigkeit: an der Stelle des Medianfleckes auf beiden Vorder- 
flügeln fehlt oberseits die sonst schwarze Beschuppung gänzlich, 
der Eindruck des Fleckes wird nur durch seine von der Unterseite 
durchscheinende graue Beschuppung hergestellt, und wenn man das 
Tier gegen das Licht hält, sieht man an Stelle der Medianflecke 
durchscheinende Fenster. Merkwürdig ist, daß auch bei einem der 
gezogenen 9 im vorderen Medianfleck des linken Vorderflügels sich 
eine kleine in analoger Weise diaphane Stelle findet. Unterseits 
sind alle diese sieben Stücke ziemlich normale napaeae, nur sind 
sowohl die Flecke als auch die Rippenbestäubung bloß leicht an- 
gedeutet. Wie gesagt halte ich die diaphanen Stellen dieser zwei 
Stücke nur für eine allerdings merkwürdige Zufälligkeit. Wenn ich 
mich einer Benennung dieser sehr auffallenden Form enthalte, so 
geschieht dies nicht aus Furcht vor einer „freundschaftlichen Kritik" 
des Herrn Stichel, sondern, weil ich doch vorerst wiederholte Be- 
obachtung dieser Form in der Natur abwarten möchte. 

Y Herr Fritz Wagner demonstriert hiezu einschlägiges von 
Rückbeil aus Turkestan erhaltenes Material von Pieris napi und 
macht besonders auf die große Ähnlichkeit mit Modiinger Stücken 
aufmerksam. 

VI, Herr Fritz Prei Becker demonstriert eine von ihm im 
Jahre L910 auf dem Höchstein in den Niederen Tauern (Obersteier- 
mark erbeutete Form von Gnophos caelibaria H.-S. sowie die 
vom ihm im Jahre 1911 auf dem Zirbitzkogel in den Seetaler 
Alpen gefangene reiche Serie von Gnophos operaria IIb. var. 
höfnen UM. samt entsprechendem Vcrgleichsmateriale und bemerkt 
liiezu folgendes: 

Bei meinem dreimaligen Besuche dos Gipfelkegels des Höch- 
rtein (2544m) am 81, Juli and in den ersten Augusttagen 1910 
leheuehte Ich von Steinböcken und Felsen wiederholt eine Gm* 

/-A- Ait auf. von welcher ich jedoch des sehr steilen und schwie- 
rigen] Verfolgen tUieUieflenden Terrains wegen nur zwei schöne 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(ii) 



Stücke erhaschen konnte. Sie erwies sich als caelibaria H.-S. und 
ist, was eben von Interesse sein mag, der Form zirbitzensis Piesz. 
zuzurechnen, von welcher sie — soweit sich nach den zwei vor- 
liegenden Exemplaren beurteilen läßt — nur durch etwas erheb- 
lichere Durchschnittsgröße — ein Stück mißt 15, das andere 17 mm 
Vorderflügellänge, während bei zirbitzensis vom Zirbitzkogel das 
Durchschnittsmaß 14 mm (Extrema 13, beziehungsweise 15 mm) be- 
trägt — und die nur ganz schwache dunkle Beschattung im Saum- 
felde der Vorderflügel, welche den Verlauf der Wellenlinie andeutet, 
abweicht. 

Nach diesem Funde zu schließen, dürfte caelibaria nicht nur 
in den Seetaler Alpen (Zirbitzkogel), sondern auch in den Niederen 
Tauern in der Form zirbitzensis auftreten, was nach der gleichen 
Gesteinsbeschaffenheit und der verhältnismäßig nahen Nachbarschaft 

— die beiden Gebirgszüge trennt nur das obere Murtal — nicht 
Wunder nimmt. 

Am 12. und 13. Juli 1911 — es waren zwei trübe, sehr kühle 
Tage mit spärlichen Sonnenblicken — gelang es mir, auf dem Zir- 
bitzkogel die interessante operaria-Form höfneri Rbl. in weit über 
100 <$ und 10 9 zu fangen. Während Herr Hofrat Pieszczek 
dort die cf seinerzeit teils von der Unterseite von Steinplatten auf- 
gescheucht, hauptsächlich jedoch durch Lichtfang an einem aus- 
nehmend warmen Abende erbeutet hatte, saßen die Tiere diesmal, 
zum überwiegenden Teile erst ganz frisch geschlüpft, auf dem Gras- 
boden und auf der Oberseite oder an den Seitenwänden von in 
die Erde eingebetteten Steinblöcken und -platten und waren ohne- 
weiters mit dem Giftglase abzunehmen. Auch die (den 9 der Stamm- 
art völlig gleichenden) 9 — bisher nur in einem Stücke gefunden 

— hatten dieselben Ruheplätze. Dieses Vorkommen sowie der weitere 
Umstand, daß trotz eifrigens Suchens unter lose liegenden Stein- 
platten und Steinen keine Puppen oder Puppenhülsen dieser Gno- 
pJws- Art zu entdecken waren, berechtigen wohl zu dem Schlüsse, 
daß die Raupen von operaria-höfneri wenigstens in der Regel 
sich nicht wie jene von caelibaria- zirbitzensis unter losen Steinen, 
sondern im bewachsenen Erdboden oder in den zwischen diesem 
und den eingebetteten Steinblöcken sich findenden Fugen ver- 
wandeln. 



(12) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Höfneri kommt übrigens, wie ich feststellen konnte, nicht 
nur in der Nähe des Zirbitzkogelgipfels und auf dem Hauptkamme 
der Seetaler Alpen überhaupt, sondern auch auf den gegen Juden- 
Ii arg streichenden Seitenkämmen desselben bis in die oberen Rand- 
gebiete der Waldzone hinein (ca. 1600 m), natürlich entsprechend 
früher, vor; sie gleicht hierin der Stammform. 

Aus der vorliegenden Serie von cT, in welcher alle von Hof- 
rat Pieszczek im Jahresberichte 1909 des Wiener entomologischen 
Vereines angeführten Färbungsvariationen vertreten sind, möchte 
ich ein bis auf die dichte dunkle Sprenkelung und die verloschenen 
Mittelnionde nahezu zeichnungsloses (helleres) Exemplar hervor- 
heben, welches übrigens wie ein ziemlicher Bruchteil der anderen 
Stücke die Stammform an Größe nicht übertrifft. 

Schließlich sei noch erwähnt, daß ein von Dr. Galvagni auf 
dem Hochturm (Trenchtling) in Obersteiermark, einem ca. 2000 m 
hohen Kalksteinbergkamme östlich des Präbühelsattels, gefangenes 
operana-Männchen durch schmutzigere Färbung und dichtere Spren- 
kelung manchen liö fner i-Stücken sehr nahe kommt. 

VII. Herr Prof. H. Rebel sendet einen Nachtrag zur Lepido- 
pterenfauna von Korfu ein. 1 ) 

Herr Dr. H. Ritt. v. Woerz hat im Oktober 1910 Lepidopteren 
auf Korfu, namentlich durch Lichtfang, erbeutet und dieselben Herrn 
Dr. K. Schawerda übergeben. Letzterer hat bereits im vorigen 
Sektionsbericht eine sehr interessante Eule (Lupernia bischofii H.-S.) 
von dort angeführt und mir die Erledigung des restlichen Teiles 
der Ausbeute anvertraut. Er widmete einige wertvolle Belegstücke 
dem Hofmuseum (M. C). 

Außerdem finden hier einige Arten Erwähnung, welche aus 
einer kleinen, zumeist aus Tagfaltern bestehenden Ausbeute her- 
rühren, die Herr Hauptmann Job. Polatzek im Mai und Juni des 
Jahres I >'.»f) auf Korfu gemacht und dem Hofmuseum erst kürzlich 
zur Auswahl überlassen hat. 

Die beiden Sammler sind in der nachstehenden Liste nur mit 
W. <v. Woerz) und 1'. (Polatzek) bezeichnet. 



! Vgl Dr. Ii Bebe), Beitrag tut Lepidopterenfauna der Ionischen Inseln \ 
in dies* R YerbAndlnnfes H ] Jahrg. r.no, p. 418— 481. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(13) 



Pieridae. 

1. Vieris hrassicae L. 9. Juni (P.) große frische Stücke (d\ 9). 

2. Leptidia sinapis L. var. diniensis 9 B. und ab. erysimi Bkk. 
schon vom 27. Mai ab (P.). 

3. Colias edusa F. ab. faillae Stef. (W. sec. Schaw.), 9 ab. 
helice Hb. 27. Mai und 9 ab. helicina Obth. 12. Juni (P.). 

4. Gonepteryx cleopatra L. 27. Mai bis 12. Juli in tadellos 
frischen Stücken (P.). 

Nymphalidae. 

5. Pyrameis cardui L. (W.) 

6. Melitaea didyma 0. var. meridionalis Stgr. 27. Mai bis 
12. Juni auch ab. cf graeca Stgr. (P.) 

7. Tararge aegeria var. intermedia Tutt. (W. sec. Schaw.) 

8. Pararge megaera var. fo/ssa B. (W. sec. Schaw.) 

9. Epinepltele ida Esp. 27. Mai bis 29. Juni (P.). 

10. Coenonymplia pamphilus L. 4. Juni. Ein großes 9 der 
Stammform (P.). 

Lycaenidae. 

11. Chrysophanus plüaeas L. (W.) 

12. Lycaena argus L. (aegon). Ein kleines 9 am 4. Juni (P.). 

13. Lycaena astrarclie Brgstr. 9. Juni (P.). 

14. Lycaena icarus Rott, mehrfach (P. u. W.). 

Hesperiidae. 

15. Adopaea thaiimas Hufn. 9. Juni, große Stücke, d", 9 (P.). 

16. Adopaea actaeon Rott. 11. Juni, 9 (P.). 

Sphingidae. 

17. Macroglossnm stellatarum L. (W.) 

Noctuidae. 

18. Agrotis saucia Hb. Ein defektes $ mit stark rötlichen 
Vorderflügeln (W.). 

19. Luperina bischoffii H.-S. (W., vgl. Schaw., im Sektions- 
bericht vom 3. November 1911.) Neu für Griechenland. 

20. ITadena solieri B. 2 cT (W.). 



(14) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



21. Aporopliyla aiistralis B. cT (W.). 

22. Aporopliyla nigra Hw. cT (W.). 

23. PoZm serpentina Tr. 9 (W.). 

24. Brotolomia meticulosa L. (W. sec. Schaw.) 

25. Caradrina exigaa Hb. (W.). 

26. Caradrina quadripunctata F. (W.). 

27. Amphipyra effusa var. sciaphila Stgr. cf sehr blaß, nur 
mit Spuren der Vorderflügelzeichnung (W., M. C). 

28. Pseudophia lirhaca Cr. 29. Juni (P.). 

29. Hypena obsitalis Hb. (W.) 

30. Hypena lividalis Hb. (W.) 

Greometridae. 

31. Acidalia rirgularia Hb. Ein cT der Stammform und mehrere 
Stücke der var. canteneraria B. (W.) 

32. Acidalia imitaria Hb. (W.) 

33. Codonia pupillaria Hb. mehrfach, auch ab. nolaria Hb. (W.) 

34. Rhodostrophia calabraria Z. 23. Mai verflogenes 9 (P.). 

35. Chesias spartiata Hrbst. 9. Neu für Griechenland (W., M. C). 

36. Larentia fluviata Hb. 7. Juni (P.), mehrere c? (W.). 

37. Larentia sociata Bkh. (W.) 

38. TephroclysHa phoeniceata Rbr. (W.) 

39. Tepliroäystia pumilata Hb. (W.) 

40. Jlemerophila japygiaria Costa cT (W.). Neu für Grie- 
chenland (M. C). 

11. Boarmia gemmaria Brahm d\ 2. Juni (P.). 

Zygaenidae. 

42. Zygaena filipendulae L. 27. Mai bis 9. Juni mehrfach in 
glüflen Stlickcn (P.). 

43. Zygaena ephialtes L. Stammform, vorwiegend jedoch ab. 
medusa r.-ill , einzeln auch ab. coronillae Esp. (P.) 

44. rno DKiuHii LecL 6. Juni und 18. Juli 2 d\ (P.) 

Py ralldae« 

4f>. IIy/>xo))iff/ia coslnlis F. (W.) 
16« Ercto omaiaUs Dap. (W.) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(15) 



47. Mecyna polygonaUs var. gilvata F. (W.) 

48. Pionea ferrugalis Hb. (W.) 

VIII. Zum Schlüsse zeigt Herr Dr. Karl Schawerda inter- 
essante Lepidopteren aus Sardinien, wie Epinephele niirag, Coeno- 
nympha Corinna, Dianthoecia nisus, Garadrina selinoiües, Cleoj)hana 
baetica sardoa und Boarmia bastelicaria aus einer von Conte Emilie 
Turati erhaltenen Sendung vor. 



Bericht der Sektion für Zoologie. 

Versammlung am 10. November 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. L. Lorenz v. Liburnau. 

Herr Prof. K. Grobben spricht „Über die Krebsgruppe 
der Anaspidacea." (Mit Demonstrationen.) 

Hierauf hält Herr Dr. Franz Mai dl seinen Vortrag: „t her 
einen interessanten Fall von Gynandromorphie bei einer 
Holzbiene", der an anderer Stelle in dieser Zeitschrift zum Ab- 
druck gelangt. Anschließend an den Vortrag demonstrierte der Vor- 
tragende einen Fall von Entwicklungshemmung bei einer 
Blattwespe. 

Es handelte sich um ein Q von Clavellarla amerinae L., 
welches von Herrn Dr. H. Zerny seinerzeit aus bei Lilie nfeld 
(N.-O.) gefangenen Larven gezogen worden war. Das Tier war 
ganz normal ausgebildet bis auf den Kopf, der kein Imago-, sondern 
ein veritabler Larvenkopf war, und zwar steckte nicht etwa unter 
der bloßen Larven hülle ein Imagokopf, sondern mußte auch 
der innere Bau eines Larvenkopfes vorhanden gewesen sein, denn 
der zum Vergleich gezeigte stark quere Kopf einer normalen Cla- 
vellaria hätte mit seinen großen keulenförmigen Fühlern und 
seinen stark entwickelten Schläfen in dem kleinen runden Larveu- 
kopf gar keinen Platz gehabt, oder es hätten sich die erwähnten 
Teile des Imagokopfes wenigstens unter der eventuellen Hülle ab- 



(16) 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



zeichnen müssen. Leider konnte sich Herr Dr. H. Zerny nicht 
erinnern, ob er das Tier noch in lebendem oder schon totem Zu- 
stande in dem Zuchtglas gefunden. Das Tier scheint jedoch lebens- 
fähig gewesen zu sein, denn es war sonst vollkommen ausgebildet 
und ausgefärbt und auch mit vollständig entfalteten, bereits steif 
gewordenen Flügeln versehen. Über die mögliche Ursache der Miß- 
bildung ließ sich nur sagen, daß vermutlich die abnormen Verhält- 
nisse der Aufzucht oder eine zufällige Verletzung beim Fangen, die 
Entwicklung des Kopfes gehemmt haben dürfte. Der Vortragende 
wies zum Schlüsse darauf hin, daß dieser Fall ein gutes Beispiel 
für eine monströse Bildung abgebe, über deren begriffliche Um- 
grenzung seinerzeit ein Diskussionsabend in der Gesellschaft statt- 
gefunden habe. 



Versammlung am 13. Dezember 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. L. Lorenz v. Liburnau. 

Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung. Zunächst wurde die 
Wahl der Funktionäre für das kommende Vereinsjahr vorge- 
Dommen. Die bisherigen Mandatare wurden per acclamationem 
wiedergewählt. 

Sodann hielt Prof. Dr. Th. Pintner den angekündigten Vor- 
trag: „Einiges über Rhynchobothrien." 

Hierauf sprach Dr. K. Toldt jun. über: 

Epidermisstreifen, Haarreihen und Wildzeichnung in der 
Iinl wickiung der Hauskatze. 1 ) 

Dk Ilaare der Säugetiere treten bekanntlich in der Ontogenie 
zuerst als schwache, scheibenförmige Fpidermisverdickungen auf, 

Diese VerbältniiM habe Ich bereiti Beinerzeit (Ann. d. k. k. naturhist. 
Bofmueeumi, Bd. XXIV, p,219, Wien, v.no) kurz angedeutet. Der vorliegende 
Vortragsbcriehj itelli den Auszug eines Kapitels einer Abhandlung dar, welche 
demnicll I antei dem Mteli „Beitrüge zur Kenntnis den Haarkleides der Säuge- 
tiere" In -i w. Bpengeli Zoolog, Jahrbüchern erscheinen wird. Derselben 
• n.'i raen die Abbildungen Flg. 2, B und 5 entnommen, während die Fig. 1 und 4 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(17) 



welche äußerlich an der Haut der Embryonen als lichte Pünktchen 
oder Flecken erscheinen: dabei sind sie — abgesehen von den jüngsten 
hier in Betracht kommenden Embryonen, bei welchen zunächst nur 
an gewissen Körperstellen einzelne Haaranlagen vorhanden sind 
(vgl. z. B. Keibels Xormentafeln zur Entwicklungsgeschichte der 
Wirbeltiere » — ziemlich gleichmäßig über den ganzen Körper ver- 
teilt. In manchen Fällen finden sich jedoch stellenweise auch ein- 
zelne besonders kräftige Anlagen in längeren oder kürzeren Reihen 
angeordnet. Das gilt namentlich von den sehr früh auftretenden 
Spürhaaranlagen des Gesichtes, insbesondere von jenen an der Ober- 
lippe; die nachstehenden Betrachtungen beziehen sich jedoch nicht 
auf diese, sondern auf die allgemeine Körperbehaarung. Auch die 
gewöhnlichen Körperhaare — insbesondere die stärkste Sorte, die 
Leithaare — treten mitunter in Reihenstellung auf und Maurer 
(1895) hat diese Erscheinung bekanntlich für seine Theorie von 
der Ableitung der Haare von den gleichfalls vielfach in Reihen 
angeordneten Hautsinnesorganen niederer Wirbeltiere verwertet. Im 
übrigen hat man diese Verhältnisse wenig beachtet und es scheint 
bisher auch keine andere Art des ersten Auftretens der Haar- 
anlagen bekannt zu sein. 

Xun hat vor einiger Zeit Herr Prof. F. Höchst etter beob- 
achtet, daß sich bei allen in seinem Besitze befindlichen, in Pikrin- 
säure-Sublimat fixierten Hauskatzenembryonen in der Größe von 
ungefähr 30 — 40 mm Scheitel-Steiß-Länge an der Nackenhaut zarte, 
schwach erhabene, opake Längsstreifen vorfinden. Da Prof. Ho eil- 
st etter vermutete, daß sie mit der Entwicklung der Behaarung im 
Zusammenhang stehen, machte er mich hierauf aufmerksam und 
überließ mir sein reichhaltiges, vorzüglich konserviertes Material an 
Katzenembryonen zur Untersuchung. Für dieses freundliche Ent- 



neu beigefügt wurden. Die genannte Abhandlung, auf welche bezüglich der 
näheren Details, der einschlägigen Literaturangaben etc. verwiesen sei, enthält 
außerdem folgende Kapitel: Die Ausbildung der Leithaare der Säugetiere in 
bezug auf deren Lebensweise: Bemerkungen über die verschiedenen Furchungs- 
arten bei den Säugetierhaaren: über lineare Pigmentierung der Haare: eigen- 
artige Beschaffenheit des Oberhäutchens der Borstenstacheln von Platacan- 
thomys lasiurus Blyth; ein interessanter Pilz in den Haargebilden von Za- 
glossus (Proech idna). 

Z. B. Ges. 62. Bd. b 



(18) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



gegenkonimen erlaube ich mir, Herrn Prof. Hochstetter auch an 
dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. 1 ) 

Die genauere Betrachtung- dieser vom Scheitel bis zur Schulter 
ziehenden Streifen ergab bald, daß sie durch mehr weniger starke 
Verdickungen der Epidermis hervorgerufen werden und sowohl in 
bezug auf die Zahl und Anordnung als auch hinsichtlich des Grades 
ihrer Ausbildung mit den dunkeln Nackenstreifen übereinstimmen, 
welche am Felle verschiedener Wildkatzenarten (so z. B. der euro- 
päischen Wildkatze) und auch mancher unserer 
Hauskatzen vorkommen. Die größte Zahl der 
Streifen beträgt sieben, und zwar liegt einer in 
der Mittellinie des Nackens und je drei spiegel- 
bildlich gleiche beiderseits von diesem (Fig. 2). 
Der mittlere und jederseits der äußerste Streifen, 
welcher entlang der medialen Ohrmuschelbasis 
verläuft, sind am schwächsten ausgebildet und 
fehlen am Felle, besonders der erwachsenen 
Tiere, oft ganz. Bei Embryonen von ca. 40 mm 
Scheitel-Steiß-Länge sind diese Streifen gleich- 
falls zarter als die anderen und nicht kontinuier- 
lich; sie stellen vielmehr nur eine Reihe von 
Strichelchen oder Pünktchen dar. In früheren Ent- 
wicklungsstadien (Scheitel-Steiß-Länge 29 mm) 
gilt das auch von den kräftigeren inneren und 
seitlichen Streifenpaaren (Fig. 1); desgleichen 
setzen sie sich noch in den späteren Stadien an 
ihren Enden in eine Reihe isolierter Pünktchen fort. Somit entstehen 
die kontinuierlichen Streifen aus Verschmelzung von ursprünglich 
isolierten hintereinander liegenden Epidermisverdickungen verschie- 
dener Lüiifre. Diese Verhältnisse erscheinen wohl als ein Beweis dafür, 
daß am Teile nicht die Längsstreifung die ursprüngliche Zeichnung 
darstellt Eimer , sondern die Liingsrcihen von Flecken (Werner). 

Bei genauerem Zusehen ergibt sich, daß bei den Embryonen 
von ca. 40 mm Scheitel-Steiß-Länge die Haut auch an anderen 

') Herrn Dr. 0. Bise, welcher mir gleichfalls eine Anzahl Katzen- 
MBbrjOBM freundHelifJ i« Verfügung .stellte, «raren «liebe Streifen auch be- 

P-ith aufcH'alkn 




Fig. 1. Kopf eines 
Hauskatzen-Embryo 
von 29 mm Seheitel« 
Steiß-Länge. 

Die in Wirklichkeit opa- 
ken Epiderniisverdickun- 
gen sind am Nacken 
ii'- h ni' ht zu kontinuier- 
lichen Leisten vereinigt. 
\Vaiit'' , n/.«'i'-hniing be- 
reits teilweise ange- 
deutet. 
* , der natürlichen Größe. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(19) 



Körperstellen längere oder kürzere Epidermisverdickungen aufweist, 
welche in einer der dunkeln Fellzeichnung der Wildkatze ähnlichen 
Weise angeordnet sind (Fig. 2). So sehen wir, daß entlang des 
Rückens kräftige, mehrfach unterbrochene Verdickungen eine Längs- 
streifung hervorrufen und daß von derselben 
zartere Reihen von Verdickungen schräg gegen 
den Bauch herab verlaufen; stärkere Querstrei- 
fen ziehen seitlich vom Halse zur Kehle hinab 
und auch die Ringelung an den Extremitäten 
und zum Teile auch am Schwänze erscheint 
durch entsprechend angeordnete Pünktchen mar- 
kiert. Desgleichen bildet an der Stirne eine 
Anzahl Pünktchen eine eigenartige Zeichnung 
und besonders deutlich sind die Streifen der 
Wangenzeichnung ausgeprägt; letztere erkennt 
man zum Teile bereits in früheren Stadien ganz 
deutlich (Fig. 1). 

Im weiteren Entwicklungsverlauf ver- 
wischen sich diese Verhältnisse, da die ganze 
Epidermis an Stärke zunimmt und allenthalben 
eigentliche, isolierte Haaranlagen auftreten. Am 
Nacken findet man zunächst in der Richtung 
der einzelnen Streifen eine Reihe kräftiger, eng 
hintereinander folgender Haaranlagen und bald 
tritt zwischen je zwei solchen ursprünglichen 
Reihen noch eine weitere hinzu, welche aus 
etwas schwächeren (jüngeren) Anlagen besteht; 
zwischen allen diesen Reihen sind weiterhin 
noch zahlreiche zarte Haaranlagen zerstreut 
{ Fig. 3). Diese Verhältnisse sind fallweise mehr 
oder weniger deutlich erkennbar und verwischen 
sich bald infolge des stetigen Flächen- und Dickenwachstums der 
Haut, sowie durch die weitere Ausbildung der Anlagen der ver- 
schiedenen Haarsorten noch mehr. 

Schnittpräparate lehren, daß die histologischen Verhältnisse 
im Entwicklungsverlaufe der ursprünglichen Nackenstreifen, abge- 
sehen von ihrer Kontinuität, fast ganz jenen der ersten Stadien der 

b* 




Fig. 2. Hauskatzen- 
Embryo von 40 mm 
Scheitel -Steiß -Länge, 
etwas schräg von der 
Seite. 

Die Epidermiszeichnung 
erstreckt sich mehr we- 
niger deutlich über einen 
großen Teil der Körper- 
oberfläche. 
% der natürlichen Größe. 



(20) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Sil 




einzelnen Haaranlagen entsprechen; auffallend ist nur die besondere 
Breite der einzelnen Streifen. An denselben ist anfangs die Epider- 
mis ihrer ganzen Breite nach ziemlich gleichmäßig verdickt, und zwar 
hauptsächlich an ihrer inneren Fläche; beiderseits erfolgt allmählich 
der Übergang in die noch zarte allgemeine Epidermis. Die Verdickung 
gegen die Cutis zu schreitet nun entlang der Mittellinie des Streifens 
rascher fort als an den seitlichen Partien; diese bleiben somit in der 
Entwicklung etwas zurück und werden bald 
von der übrigen Epidermis an Dicke erreicht. 
Die ganze Epidermis erscheint nun bis auf die 
mediane, nach innen vorspringende Verdickung 
der Streifen, welche zunächst eine annähernd 
kontinuierliche Leiste darstellt, ziemlich aus- 
geglichen. Die Leiste selbst löst sich, wie 
aus den übereinstimmenden Dimensionsverhält- 
nissen hervorgeht, bald in die ersten reihen- 
förmig angeordneten eigentlichen Haaranlagen 
auf, und zwar befinden sich dieselben nun im 
„Stadium des Haarzapfens" (Stöbr). Die bald 
nachfolgenden weiteren Reihen sowie die zahl- 
reichen zarten Haaranlagen entstehen ohne vor- 
hergehende Streifenbildungen. 

Aus allen diesen Verhältnissen ergibt sich 
für die gesamte Behaarung des Nackens fol- 
gender Entwicklungsverlauf. Die ganze Breite 
eines Epidermisstreifcns entspricht jener eines 
späterhin dunkeln Fellstreifens und die noch 
mit einer dünnen Epidermis versehenen Zwischenfelder jenen der 
lichten Fellstreifen. Die Differenzierung der Epidermisstreifen mit 
der bald auftretenden mittleren Verdickung (Leiste) erfolgt relativ 
frllli. Dann entstehen aus der Leiste die Reihen der ersten Haar- 
anlagen, welche jenen der stärksten Ilaare (Leithaare) der dunkeln 
Fellf träfen entsprechen, Die bald darauf erscheinenden Zwischen- 
reihen gehören dagegen den mitunter gleichfalls dunkeln Leit- 
haaren der lichten Pelletreifen an. Die dann allenthalben auftre- 
tenden zarteren llaaranlagen werden zu Grannenhaaren (beziehungs- 
weise Zwiechenformen), und zwar jene im Bereiche der ursprüng- 



Fig. 3. Nackenpaitie 
eines Hauokatzen-Em- 
bryo von 80 mm Schci- 
tel-Steiß-Länge. 

Mit deutlichen Länßsrei- 
bm -tiirkercr Ilaare, deren 
BpftttO eben die Haut 

durchbrochen haben. 

der natürlichen (irülie. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(21) 



liehen Epidermisstreifen zu solchen der dunkeln Fellstreifen und die 
in den Zwischenfeldern zu Grannenhaaren der lichten Fellstreifen. 
Auch die ursprünglichen isolierten Strichelchen und Pünktchen 
dürften in ihrer ganzen Ausdehnung- nicht einer einzelnen Haar- 
anlage, sondern einem Gebiet von mehreren solchen entsprechen. 

In der weiteren Entwicklung des Haarkleides sind diese Ver- 
hältnisse nur mehr teilweise erkennbar. Die stärksten Haare, die 
Leithaare und die Zwischenformen zu den Grannenhaaren, sind 
relativ spärlich und lassen nur noch andeutungsweise eine Reihen- 
stellung erkennen ; zwischen diesen zerstreut finden sich in größerer 
Zahl die Grannenhaare von verschiedener Stärke sowie die zahl- 
reichen Wollhaare. 

Das Auftreten von Epidermisstreifen in der Entwicklung der 
Behaarung der Säugetiere ist bisher, wie es scheint, noch nicht 
bekannt gewesen. Diese Entwicklungsweise erinnert ganz an jene 
der Milchdrüsen und Zähne. Hier wie dort treten streifenförmige 
Verdickungen der Epidermis, beziehungsweise des Epithels auf, 
deren mittlere Partie sich zu einer „Leiste" oder „Linie" ver- 
stärkt; aus dieser entwickeln sich weiterhin die Einzelgebilde, die 
Haare, beziehungsweise die Milchdrüsen und Zähne. 

Hiezu sei noch bemerkt, daß bei kleineren Katzenembryonen 
(Scheitel-Steiß-Länge 22 mm) in der Mittellinie des Bauches ein 
vom Nabel bis zur Brust reichender kontinuierlicher Streifen vor- 
handen ist, in welchem weiterhin (Scheitel-Steiß-Länge 31 mm) in 
kurzen Abständen hintereinander kleine Knötchen auftreten (Fig. 4) ; 
in älteren Stadien (Scheitel- Steiß-Länge 40 mm) sind die Verbin- 
dungsbrücken zwischen diesen verschwunden, aber die nun isolierten 
Pünktchen stehen noch streng in einer Reihe. Diese Verhältnisse 
sowie die auch bei der Katze in früher Entwicklung am Bauche 
auftretenden relativ großen, fraglichen epithelialen, beziehungsweise 
hyperthelialen Bildungen (Fig. 4) habe ich nicht weiter verfolgt: 
ich kann daher auch nicht beurteilen, ob sie mit der bald mehr 
bald weniger deutlichen Fleckung des Bauchfelles der Wildkatze 
in einem den vorhin geschilderten Verhältnissen ähnlichen Zu- 
sammenhang stehen. 

Die Haarreihen am Nacken älterer Katzenembryonen hat be- 
reits Ryder (1888) gesehen und unter anderem auch auf ihre über- 



(22) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



einstimmende Lage mit den dunkeln Fellstreifen gewisser Katzen 
Inngewiesen. Näher ist er darauf nicht eingegangen und seine 
allerdings nur kurze Mitteilung ist fast ganz unbeachtet geblieben. 
Später (1895) hat auch Maurer diese Reihen beobachtet und ab- 
gebildet, aber mit der Fellzeichnung nicht in Zu- 
sammenhang gebracht. Neuere Abhandlungen über 
die Entwicklung der Haare und Schweißdrüsen 
bei der Katze (Backmund, 1904) und über die 
Physiognomik des embryonalen Katzengesichtes 
(Fleischmann, bzw. Pohlmann, 1910) enthalten 
über diese Verhältnisse nichts. 

Auch die späteren Entwicklungsstadien der 
Hauskatze, in welchen die ursprüngliche Haarver- 
teilung kaum mehr zu erkennen ist, erscheinen 
für die Fellzeichnung von besonderem Interesse, 
wenn man die Innenfläche der Haut untersucht. 
So lange nämlich die Haut noch nicht zu dick ist 
— also bei älteren Embryonen (ca. 90 mm Scheitel- 
Steiß-Länge) mit eben aus der Haut hervortreten- 
den Haarspitzen bis zu ca. 2 — 3 wöchigen Kätzchen 
mit schon ziemlich dichter Behaarung — tritt die 




Fig. 4. 
Hauskatzen-Em- 
bryo von 31 mm 
Selieitel-Steiß- 

Länge. 

Vor rlem Nabel ein 
medianer Kpidermis- 
rtNÜ mit /arten rund- 
lichen V<T-!;ii kiinpon. 

fit- von dem 
fellion jr zwei Mileh- 
drltaenanbgen sowie 
epithelialeWrdick in- 
l>en /.wfifclli&fter Art. 
1t der natlirl GMfie, 



Zeichnung an der Hautinnenfläche besonders deut- 



lich hervor. Die Hautzeichnung beruht in diesen 
Fällen, wie z. B. auch beim Hermelin und beim 
Puchs, nicht auf einer verschiedengradigen Pigmen- 
tierung der Haut selbst, sondern wird durch die ver- 
schieden starke Pigmentierung der Haare — an der 
Innenfläche hauptsächlich durch die durchschim- 
meraden Zwiebeln - hervorgerufen. Eine Stelle, 
an der vorherrschend stark pigmentierte Haarzwie- 
beln beisammenliegen, erscheint an der Hautinnen- 
fläche dunkel; je schwächer die Pigmentierung der Mehrzahl der 
Haarzwiebeln ist, desto lichter die betreffende Stelle. Da die 
Haarzwiebeln dick sind und eng beisammen liegen, kommen an 
der Innenfläche noch relativ geringe Differenzen in der Pigmen- 
tienmgfintentitäl der Behaarung zum Ausdrucke, und zwar auch 
dann, wenn sie äußerlich, wo die Barten Hau rspitzen gegen die 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(23) 



Felloberfläche zu voneinander 
siüd. Gleichzeitig entsprechen 
fläche dem eigent- 
lichen Umfange der 
Zeichnung. 

Bei Embryo- 
nen, bei welchen die 
Haarspitzen eben 
erst die Hautober- 
fläche durchbrochen 
haben und die äußer- 
lich noch fast nackt 
und ziemlich einheit- 
lich licht erscheinen, 
ist die Wildzeich- 
nung an der Hautin- 
nenfläche noch häu- 
fig mehr oder weni- 
ger deutlich wahr- 
zunehmen (Fig. 5); 
je besser sie in die- 
sem Stadium ausge- 
prägt ist, desto deut- 
licher wäre sie offen- 
bar jeweils auch in 
der vorgeschritte- 
neren Behaarung 
zum Ausdrucke ge- 
kommen. 

Desgleichen er- 
scheint die Zeich- 
nung naturgemäß 
auch bei einem be- 
reits etwas dichte- 
ren Haarkleid an der 
Innenfläche der Haut 
wahrnehmbar ist, z. B 



divergieren, nicht mehr erkennbar 
die Verhältnisse an der Hautinnen- 




Fig. 5. Innenseite der Haut eines Hauskatzen-Embryo 
von 92 mm Scheitel-Steiß-Länge. 

Die Haare haben erst vor kurzem die Hautoberfläche durch- 
brochen, welche ziemlich einheitlich licht erscheint; gleichwohl 
ist an der Innenfläche die Wildzeichnung stellenweise sehr 
deutlich erkennbar. — Vi der natürlichen Größe. 



besonders deutlich, wenn sie schon äußerlich 
wenn das Fell am Nacken die dunkeln Streifen 



(24) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



der Wildzeichnung zeigt. Diese Streifen heben sich aber innen stets 
auch bei vorherrschender Domestikationsfärbung ganz deutlich durch 
einen dunkleren Ton ab, wenn der Nacken äußerlich ganz einheit- 
lich gelb, grau oder sogar schwarz gefärbt ist. Das gilt auch für 
kleine Flecke auf im übrigen weißem Nacken, soweit sie im 
Bereiche eines Streifens liegen. In weißem Gebiete sieht man auch 
an der Hautinnenfläche nichts von der Streifung, doch fand ich 
sie hier noch an durchsichtig gemachten Hautstücken von größeren 
Embryonen schwach angedeutet; an solchen von ausgetragenen 
Tieren konnte ich sie auch so nicht mehr nachweisen. 

Ein gänzlich abweichendes Verhalten fand ich bei drei aus 
einem Uterus stammenden Katzenembryonen von 96 mm Scheitel- 
Steiß-Länge, bei welchen die Haarspitzen eben erst die Haut durch- 
brochen haben. Innen ist ein großer Teil der Nackenhaut ein- 
heitlich dunkel ; doch fallen in ihm einzelne Reihen besonders 
kräftiger, ganz weißer Haarbälge auf. Hier ist die Domestikations- 
färbung auch im dunkeln Gebiete besonders stark zur Geltung 
gelangt, während die Wildzeichnung fast ganz unterdrückt erscheint; 
an dieselbe gemahnen noch die Reihen der kräftigen, hier aller- 
dings weißen Haare und interessanterweise konnte ich gerade bei 
diesen Embryonen in dem an die dunkle Partie angrenzenden 
lichten Teil der Nackenhaut die Wildstreifen noch an durchsichtig 
gemachten Hautpräparaten angedeutet finden. Zwei andere Embryo- 
nen aus demselben Uterus sind außen gleichmäßig licht, zeigen aber 
an der Hautinnenfläche noch deutliche Spuren der Nackenstreifen. 

Im ganzen ließen sich also an meinem Material folgende 
für die Nackenzeichnung der Hauskatzen in betracht kommende 
Verhältnisse feststellen: 

L Die Epidermisstreifen kommen in relativ früher Entwick- 
lungsstufe hei allen Individuen vor, desgleichen etwas später bald 
mein bald weniger deutlich die Haarreihen. 

^- Bei alteren Embryonen, beziehungsweise Jungen ist die 
WHdttreifhng mitunter sowohl nullen als innen vorhanden. 

8. En Fällen ron Domestikatkmsfärbung des Felles sind an 
einheitlich dunkeln Nackenpartien, beziehungsweise Nackenneckcia 

die Streifen meistens noch an der Hautinnenfläche deutlich kon- 
Htatierbar. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(25) 



4. An ganz lichten (weißen) Stellen ist die Streifung auch 
an der Hautinnenfläche nicht nachweisbar, jedoch allenfalls an 
durchsichtig gemachten Hautstücken. 

5. In einem Falle erscheinen bei Embryonen die dunkeln 
Nackenflecke an der Hautinnenfläche einheitlich dunkel; dagegen 
finden sich hier Reihen von kräftigen weißen Haarbälgen, auch ist 
im angrenzenden lichten Gebiet die Wildstreifung noch an aufge- 
hellten Präparaten angedeutet. 

Wenn man zunächst von den letzten zwei Fällen absieht, 
ergibt sich, daß die Epidermis an den später dunkel behaarten 
Hautstellen in relativ frühen Embryonalstadien im Wachstume vor- 
auseilt, beziehungsweise die Haare zuerst zur Entwicklung ge- 
langen. In bezug auf die einzelnen Haare ist es eine bei den 
Säugetieren ziemlich weit verbreitete Erscheinung, daß die stärksten 
und längsten Haare dunkel sind und ontogenetisch frühzeitig auf- 
treten. Doch gilt das keineswegs allgemein. So sind beispielsweise 
oft gerade die zuerst erscheinenden kräftigen Haare ganz licht, 
oder die dunkeln Haare, beziehungsweise Haarstrecken sind sehr 
oft schwächer als die lichten. Letzteres gilt auch von den Haaren 
der dunkeln und lichten Nackenstreifen der Katzen; auch sind 
hier in den lichten Streifen die stärksten Haare oft dunkel. Bei 
größeren Fellpartien mit vorwiegend dunklen Haaren scheint es 
allerdings sehr häufig zuzutreffen, daß die Haare an solchen Haut- 
stellen früher angelegt werden, als an jenen mit späterhin lichten 
Haaren. Inwieweit diesbezüglich eine Gesetzmäßigkeit besteht, 
kann erst durch weitere vergleichende Untersuchungen festgestellt 
werden. 

Ziehen wir nun auch die Fälle mit lichtem (weiß behaartem) 
Nacken, bei welchen die Wildzeichnung kaum mehr festzustellen 
ist, sowie die abweichenden Verhältnisse bei den erwähnten drei 
Embryonen heran, so zeigt sich, daß trotz der engen Beziehung, 
welche zwischen der embryonalen Epidermiszeichnung und der 
später noch sehr oft konstatierbaren dunklen Wildzeichnung des 
Felles infolge ihrer übereinstimmenden Anordnung besteht, dieselben 
doch nicht unbedingt aneinander gebunden sind. Man kann dies 
etwa mit der theoretischen Schlußfolgerung in Übereinstimmung 
bringen, zu welcher Haacke (1895 und 1906) hinsichtlich der 



(26) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Vererbung der Zeichnung durch Züchtungsversuche bei verschie- 
denen Haustieren gelangt ist. Haacke nimmt an, daß hiebei 
hauptsächlich zwei Faktoren, welche in den feinsten Struktur- 
verhaltnissen der Haut gelegen sein müssen, in betracht kämen, 
die „Träger der Pigmentvererbung" und der „Pigmentbildungs- 
mechanismus". Erstere seien stets vorhanden, während die Pigment- 
auslösung häufig aus unbekannten Ursachen eine Störung erfahre. 
Je nach dem Grade derselben käme die Zeichnung nur teilweise 
oder gar nicht zur Ausbildung. Bei der Katze erscheinen nun die 
Epiderinisdifferenzierungen gewissermaßen als die sichtbaren Träger 
der Pigmentvererbung. Denselben folgt in bezug auf die Anordnung 
die spätere Wildzeichnung des Felles, welche jeweils dem Grade 
der Tätigkeit des Pigmentbildungsmechanismus entsprechend, in 
größerem oder geringerem Umfange, beziehungsweise mehr oder 
weniger deutlich zum Ausdrucke gelangt. Über die Domestikations- 
zeichnung habe ich keine weiteren Untersuchungen angestellt, 
doch sei besonders hervorgehoben, daß gleichzeitig neben der- 
selben die Wildzeichnung in verschiedenem Grade viel öfter er- 
halten ist, als es nach der rein äußerlichen Betrachtung der Felle 
den Anschein hat. 

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen sind also 
erstens, daß in relativ frühen Embryonalstadien der Hauskatze 
Epidermisdifferenzierungen auftreten, welche sich hinsichtlich der 
Anordnung mit der dunklen Wildzeichnung des Katzenfelles decken; 
zweitens, daß sieh im Entwicklungsverlaufe des * Haarkleides 
Vorgänge abspielen können (Epidermisstreifen, beziehungsweise 
Bpidermisleisten und aus diesen hervorgehende, in entsprechen- 
den lleiben angeordnete Einzelanlagen von Haaren), welche an 
jene in der Entwicklung der Milchdrüsen und Zähne erinnern; 
drittens, »laß bei größeren Hanskatzenfeten und jungen Tieren 
Spuren der Wildzeiebnung viel häufiger vorkommen, als bisher 
bekannt war. 

Gleichwie derartige Untersuchungen für die Vererbung der 
S&agetierzeichnung von Interesse sind, können sie auch für die 
Abstainniiingsgesebiclitc der I laussäugeticre von Bedeutung werden. 
Diesbezüglich lei hervorgehoben, daß die Epidermiszeichnung der 
HauHkatzeneinbryonen besonders mit der dunkeln Fellzeichnung 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(27) 



der europäischen Wildkatze [Felis catus (ferus) L.] übereinstimmt. 
So ist bei beiden namentlich die Längszeichnung des Nackens und 
Rückens kräftig ausgebildet; bei der nubischen Falbkatze (F. libyca 
maniculata Crtschm.) ist dieselbe hauptsächlich nur bei jungen Tieren 
mehr oder weniger deutlich ausgebildet, bei den Erwachsenen da- 
gegen häufig beinahe ganz verschwommen. Bekanntlich hat man seit 
einiger Zeit fast ausschließlich die nubische Falbkatze, beziehungs-* 
weise einzelne ihrer Unterarten als die Stammform unserer Haus- 
katzen betrachtet. Jedoch hat neuerdings Pocock (1907) darauf 
hingewiesen, daß bei einem Teil derselben (der Form F. domestica 
torquata F. Cuv.) doch auch die europäische Wildkatze im Spiele 
gewesen sein dürfte. Wenn es sich nun herausstellen sollte, daß 
bei der Falbkatze auch die embryonale Epidermiszeichnung am 
Nacken und Rücken nicht stark entwickelt ist, würden diese Ver- 
hältnisse einen wichtigen Beweisgrund für die Ansicht Pococks 
bilden. Ferner ist es jetzt wahrscheinlich, daß auch bei Embryonen 
anderer Haussäugetiere die entsprechende Wildzeichnung des Felles 
in ähnlicher Weise wie bei den Hauskatzen vorgebildet ist und 
tatsächlich hat inzwischen mein verehrter Freund Prof. S. v. Schu- 
macher bereits gefunden, daß auch bei den Feten unserer flaus- 
schweine die Haare an den den dunklen Fellstellen der Frischlinge 
entsprechenden Hautpartien früher angelegt werden als an jenen 
der lichten. Der Zustand, in welchem bei diesen Embryonen die 
Haaranlagen nur an den späterhin dunkelhaarigen Stellen, und 
zwar in ziemlich gleichmäßig dichter Anordnung vorhanden sind, 
während die übrige Haut noch homogen erscheint, erinnert einiger- 
maßen an die Pterylen und Apterien der Vogelhaut. Eine Publi- 
kation darüber wird in Bälde aus dem histologisch-embryologischen 
Institute der Wiener Tierärztlichen Hochschule erscheinen. 

Nachtrag. Wie mir Herr Dr. K. R. v. Frisch kürzlich mit- 
teilte, beobachtete er gelegentlich bei zwei ungefähr 8 cm langen 
Tigerembryonen an der noch unbehaarten Hautoberfläche eine 
lichte Zeichnung, welche hinsichtlich ihrer Anordnung mit der Fell- 
zeichnung des Tigers übereinstimmte. Sie wurde dadurch hervor- 
gerufen, daß die später dunkel behaarten Hautstellen mit in Reihen 
angeordneten, rundlichen Erhebungen, offenbar epidermoidalen Ver- 
stärkungen, versehen waren. 



(28) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Schließlich demonstrierte Herr Dr. Otto Pesta farbige Ab- 
bildungen von Decapoden aus Samoa und gab sodann eine kurze 
Notiz: „Ein Fall monströser Mißbildung beim europäischen 
Hummer." 

Gelegentlich einer Durchsicht noch unbearbeiteten Decapoden- 
materiales des k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien hat sich 
ein Exemplar von Astacus gammarush. (synon.: Homarus vulgaris 
M.-Edw.) gefunden, dessen große Scheere in auffallender Weise ver- 
bildet ist. Der Körper des Tieres, eines Männchens, mißt ca. 20 cm 
in der Länge (vom Rostrum bis zum Telson gerechnet) und 5 cm 




in der Breite; die Gesamtlänge jedes der ersten Scheerenfüße be- 
trägt 18 cm. Es handelt sich demnach um ein verhältnismäßig 
kleines Exemplar. Dasselbe stammt aus der Adria (Lesina) und 
wurde im .Ja lue 1907 von Herrn Gregor Buoch ich dem Museum 
eingeschickt. Die Mißbildung betrifft den beweglichen Finger der 
rechten großen Scheere (sogenannte „Knackscheere"). Statt dieses 
Fingers entspringt dem Gelenke ein Gebilde, das sich aus drei 
halben Scheeren zusammensetzt. 

Zwei derselben (a und b) sind derartig miteinander ver- 
wachsen, dafl sie zusammen eine kleinere Scheere zu bilden scheinen, 
wahrend die dritte (c) t rechtwinkelig abbiegend, über die obere 
Flache des unbeweglichen Fingen zu liegen kommt. Von der Unter- 
leite besehen, Beigen die Pinger a und b eine längs einer seichten 
Kittelf urchc fortgesetzte Zühnelong oder besser Kttrnelung ihrer ge- 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(29) 



zahnten Ränder, was den Eindruck einer Scheerenbildung verstärkt. 
Der Finger c ist mit der Basis von a und b ohne Spuren einer 
Naht oder dergleichen vollständig glatt verwachsen. Alle drei Finger 
(a, b, c) sind untereinander unbeweglich und fest verbunden; hin- 
gegen funktioniert das ursprüngliche Fingergelenk normal, weshalb 
der ganze abnormale Komplex gegen den breiten, fixen Finger 
beweglich ist. 



Versammlung am 9. Februar 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Herr Dr. G. Stiasny spricht über das Thema: „Vorläufige 
Mitteilungen über meine Untersuchungen an Balanorßossus 
clavigerus Delle Chiaje." 

Hierauf berichtet Herr Dr. K. Toldt jun.: 

a) Über die eigenartige Beschaffenheit des Oberhautchens 
der rinnenförniigen Borstenstacheln von JPlatacanthomys 

lasiurus Blyth. 

Dieses zu den Myoxiden gehörige, in Malabar und Cochinchina 
auf Bäumen lebende Nagetier hat am Rücken zwischen der weichen 
Behaarung zerstreut platte Borstenstacheln (Länge des einzelnen ca. 
10 mm, größte Breite gegen 1 mm), welche in ihrer äußeren Form 
jenen der Stachelratten, beziehungsweise -mäuse ähnlich sind. Ihre 
Ränder sind nämlich an der nach außen gekehrten Fläche wulstig- 
aufgeworfen, wodurch diese die Form einer seichten, breiten Rinne 
erhält. Die der Haut zugekehrte Fläche ist dagegen flach bis 
schwach querkonvex. 

Das Oberhäutchen zeigt nun in der Rinnenfläche eine ganz 
eigenartige Beschaffenheit. Die scharf umgrenzten Zellen (Schüpp- 
chen) sind stark in die Breite gezogen und bilden im basalen Teile 
annähernd horizontale, d. h. senkrecht zur Schaftachse verlaufende 
Reihen. Diese biegen sich weiter apikal in der Mittellinie des 
Schaftes anfangs wenig, dann immer stärker gegen die Stachelbasis 
zu ab, so daß durch die Randkonturen der Schüppchen eine Zeich- 
nung von dütenförmig ineinandergesteckten, apikal offenen Para- 



(30) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



beln zustande kommt. Da diese immer enger werden und ihre 
Äste dabei eine stark schräge und schließlich longitudinale Richtung 
einnehmen, erscheinen die Schüppchen im obersten Drittel des 
Schaftes direkt longitudinal gerichtet. Gleichzeitig finden sich im 
mittleren Teile der Stachellänge stellenweise zwischen den Scheiteln 
der Parabel eingeschoben Zellgruppen, welche eine annähernd ellip- 
tische Form haben und mehr weniger schräg nach vorne außen gerichtet 
sind. Diese Verhältnisse erinnern lebhaft an die Zeichnung, welche 
die Hautleistchen am Handteller des Menschen etc. hervorrufen. 

Das Oberhäutchen an der der Haut zugekehrten Fläche der 
Stachelborsten ist viel zarter und nicht leicht zu erkennen und 
zeigt in bezug auf die Anordnung der Zellen nichts Auffallendes. 
Letztere sind nicht so stark in die Breite gezogen und stehen in 
Querreihen, welche in der apikalen Stachelpartie eher etwas nach 
oben konvex sind. Der Übergang zwischen beiden Formen des 
Oberhäutchens erfolgt beiderseits an dem aufgeworfenen Stachel- 
rande in der Weise, daß die Zellen beider Flächen hier stark 
schräg apikal und nach außen verlaufen und sich am äußersten 
Rande unter spitzem Winkel treffen. 

Ein so verschiedenartiges Verhalten des Oberhäutchens in 
bezug auf die Stärke, Form und Anordnung der Schüppchen 
rings um ein Haargebilde ist meines Wissens bisher noch nicht be- 
kannt, ebensowenig eine Anordnung der Schüppchen nach Art der 
Bautleistchen oder in direkt longitudinaler Richtung. Bisher galt 
es bekanntlich als Regel, daß der freie Rand der Schüppchen stets 
apikal gewendet ist und nicht wie im vorliegenden Falle bei den 
mehr weniger longitudinal gerichteten Schüppchen gegen die Mittel- 
linie zu. Das Verhalten des Oberhäutchens der Platacanthomys- 
Stacheln bietet gleichzeitig ein besonders markantes Beispiel dafür, 
da(5 sich bei den Säugetierhaaren die bilaterale Symmetrie auch 
auf feinere St rukt urverhältnisse erstrecken kann; das ist für die 
>b 'Ii«' abgeflachten oder runden Haare phylogenetisch die 
ursprlin<rlielien sind, von Interesse. 

hei den liorstenstaeheln der Stachclratten bestehen zwischen 
d< in Oberhäntehen der Rinne und jenem der entgegengesetzten 
Fläche hc/llglich der Stärke und Form der Schüppchen ähnliche 
Unterschiede, was bisher jedoch unbekannt gewesen zu sein scheint. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(31) 



Die Schüppchenreihen verlaufen in der Rinne aber annähernd hori- 
zontal und im mittleren Teile der Stachellänge mehr weniger nach 
unten gebogen; zur Bildung des komplizierten Hautleistchenorna- 
ments oder zur longitudinalen Richtung kommt es, wenigstens bei 
den Stacheln der von mir untersuchten Arten, nicht. Letzteres 
ist also keine konstante Begleiterscheinung der Rinnenform solcher 
Haargebilde. Die stärkere Ausbildung des Oberhäutchens in der 
Rinne, welcher eine relativ geringe Dicke der Rindensubstanz an 
dieser Stachelfläche entspricht, scheint dagegen allen derartigen 
Haargebilden gemein zu sein und dürfte zum Schutze dieser nach 
außen gekehrten Rindenpartie dienen. Die mächtigere Rindenlage 
der der Haut zugekehrten Fläche bedarf dagegen keines besonderen 
Schutzes. Die Furche selbst sowie die longitudinale Richtung der 
Schüppchen im apikalen, frei nach außen liegenden Teile der Plat- 
aca>ithomys-St8Lche\n dürfte die Ableitung von Wasser, von Erd- 
und Holzpartikelchen sowie im allgemeinen das Schlüpfen dieser 
Tiere erleichtern. 

b) Über längsgefurckte Säugetierhaare. 

In der Literatur findet man wiederholt einzelne Beispiele von 
längsgefurchten Haaren angeführt. Die Furchung tritt in sehr ver- 
schiedener Weise auf, und zwar viel häufiger als bisher bekannt ist. 
Es erscheint daher angezeigt, diese Verhältnisse einer vergleichen- 
den Besprechung zu unterziehen. 

Soweit unsere Kenntnisse reichen, muß man hauptsächlich 
zwischen einer äußerlichen und einer innerlichen Furchung unter- 
scheiden. Erstere besteht in einer rinnenförmigen Einsenkung der 
Rindensubstanz (samt dem Oberhäutchen) von außen her; dabei 
macht die innere Fläche des Rindenmantels die Einsenkung in 
gleicher Weise mit. Die innerliche Furchung wird dagegen durch 
leisten- oder lamellenformige Vorsprünge der Innenfläche der Rin- 
densubstanz in das Mark hervorgerufen, wobei in den typischen 
Fällen die äußere Rindenfläche ungefurcht ist. Gleichwohl kann 
ein solches Haar, wenn man es der Länge nach unter dem Mikro- 
skope betrachtet, den Anschein erwecken, als wäre es äußerlich 
gefurcht; das ist jedoch nur eine Täuschung, die dann eintritt, 
wenn die Rindensubstanz durchsichtig und hauptsächlich nur die 



(32) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



durch die inneren Vorsprünge der Rindensubstanz der Länge nach 
abgeteilte Oberfläche des Markstranges sichtbar ist. 1 ) Auch bei der 
äußerlichen Betrachtung solcher Haargebilde erscheinen diese Ver- 
hältnisse oft durch Linien, beziehungsweise Streifen, welche sich 
durch einen besonderen Farbenton abheben, angedeutet (z. B. bei 
den //f/s/Wr-Stacheln). Gewissermaßen als Übergangsformen zwi- 
schen beiden Furchungsarten kommt es öfters vor, daß die inner- 
liche Furchung von einer äußerlichen begleitet ist, indem die Haar- 
oberfläche entsprechend den innerlichen Vorsprüngen etwas einge- 
senkt ist. Letztere sind dann aber stets, oft ganz beträchtlich, 
stärker und schärfer ausgebildet (z. B. bei den Haaren von Oryx 
gazella L., bei den Stacheln mancher exotischer Igelarten). Bei 
einzelnen Haargebilden kommen auch der Lage nach ganz ver- 
schiedenartige, voneinander unabhängige äußerliche und innerliche 
Furchen vor (z. B. bei den eckigen Stachelborsten am Vorderkörper 
von Ilystrix). Jede Furchung hat eine Beschränkung des Mark- 
raunies zur Folge, die innerliche zugunsten der Rindensubstanz. 

Die äußerliche Furchung ; welche bei verschieden starken 
Haargebilden, vornehmlich von Nagern und Antilopen vorkommt, 
ist meistens eine einseitige, und zwar liegt dann die Furche, wie 
es scheint, stets an der nach außen gekehrten Seite des Haares. 
Sie erstreckt sich mehr oder weniger weit über die ganze Haar- 
länge, vorzugsweise ist sie jedoch im apikalen Teile ausgeprägt. 
Mitunter ist auch die gegenüberliegende Haarseite gefurcht, so 
daß der Querschnitt biskuitförmig erscheint (z. B. beim Hasenhaar), 
oder es finden sich verschiedene symmetrisch verteilte Furchen 
fOt / ü bei Oryx yazella L.). In einzelnen Fällen ist das Haar 
ringsum gleichmäßig fein gerieft (z. B. bei Choloepus) oder mehr- 
fach unregelmäßig gefurcht (z. B. manche Barthaare des Menschen). 



Darauf beruht unter anderem offenbar die Tatsache, daß man ans der 
Literat» nicht mit Sicherheit entnehmen kann, ob die Stacheln des europäi- 
schen [f»ll Unterlid] gefarcM sind (»der nicht. Vielfach wird im Texte erstores 
angegeben, trotzdem die beigegebenen, vergrößerten Abbildungen des Stacbelj 
Querschnittes ganarandfg erscheinen. Tatsächlich .sind die Stacheln des curo- 
l»iiinchrii IjHh äiiuYrlieh nicht oder nur tfanz unbedeutend gefurcht. Dieses 
Beispiel teigt auch, dal es Dicht unwichtig ist, derartige Verhältnisse mehr 

nlh l*i Im MUMfinanderziihalten 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(33) 



Die innerliche Furchung findet sich hauptsächlich bei kräfti- 
gen Haargebilden, also bei Borsten und Stacheln; doch gibt es 
unter diesen auch viele, welche keinerlei Furchung zeigen (z. B. 
die Stacheln der Ameisenigel, von Coendu etc.). Die Innenvor- 
spriinge der Rindeusubstanz sind bei den einzelnen Haargebilden 
sehr verschieden stark und tief, bald kanten- oder leistenförmig, 
bald lamellenhaft. Im letzteren Falle sind sie zumeist gerade und 
zentral gerichtet oder, z. B. in den platten Verbreiterungen der 
Schwanzborsten von Atherura africana Gray, schräg seitlich ab- 
gebogen; am freien Rande werden sie vielfach zarter und wellig 
und treten mit dem lockereren Markgewebe in Verbindung. Auch 
die Zahl und Anordnung der Vorsprünge ist je nach der Form des 
Schaftes sehr verschieden; bei spulrunden Stacheln sind sie zahl- 
reich (bis über 30) und radiär angeordnet, bei abgeplatteten Formen 
spärlicher (2—9) und bilateral symmetrisch verteilt. Mitunter, z. B. 
bei den zentripetal gerichteten Lamellen der langen ZTysftxc-Stacheln, 
sind zwischen je zwei weit vordringenden Lamellen einzelne kür- 
zere eingeschoben. Die lamellenförmigen Vorsprünge gehen an den 
Enden der gefurchten Haarteile aus breiten, den Markraum mehr 
weniger verdrängenden Wülsten der Rindensubstanz hervor (z. B. 
bei den langen Hystrix&t&ckehi und in den Verbreiterungen der 
Schwanzborsten von Atherura). Bei den gleichartigen Haarformen 
jeder einzelnen Säugetierart sind alle diese Verhältnisse in ziemlich 
gleicher Weise ausgebildet. 

Als eine ganz unregelmäßige innerliche Furchung kann man 
wohl die Verhältnisse in manchen Borsten, z. B. von Hausschweinen 
ansehen, in welchen die Rindensubstanz den Markraum bis auf 
einen unregelmäßig sternförmigen Querschnitt verdrängt hat. Im 
allgemeinen stellt die innerliche Furchung in Hinblick auf die 
Haare mit annähernd glatter Rindeninnenfläche gewissermaßen nur 
besonders kräftige und in bestimmter Weise ausgebildete Verbin- 
dungsstellen für die Marksubstanz dar. 

Hier sei noch an die einigermaßen radiäre Anordnung des 
Rindenpigments 1 ) in den Stacheln von Zaglossus (Proechidna) bruijni 



x ) K. Toi dt jun. ; Über das Haar- und Stachelkleid von Zaglossus Gill 
{Proechidna Gervais), Ann. naturhist. Hofmus. Wien, XXI. Bd., 1906. 

Z. B. Ges. G2. Bd. C 



(34) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



nigro-aculeata Rothsch. erinnert. Diese kann wohl nicht direkt 
mit der innerlichen Furchung verglichen werden, doch ist es 
immerhin möglich, daß beide, wenigstens teilweise, durch ähnliche 
Verhältnisse in der feineren Struktur des Stachels hervorgerufen 
werden. 

Hinsichtlich der Bedeutung der verschiedenen Furchungsarten 
wurde bereits im vorhergehenden Berichte die Vermutung ausge- 
sprochen, daß die äußerlichen Furchen zur besseren Ableitung von 
Wasser, von Erd- und Holzpartikelchen dienen und das Schlüpfen 
der Tiere im allgemeinen erleichtern dürften; wahrscheinlich tragen 
sie auch oft zur Erhöhung der Geschmeidigkeit des Haares bei. 
Die innerlichen Vorsprünge gewähren dagegen der Marksubstanz 
eine stärkere Verbindungsmöglichkeit und erhöhen gleichzeitig die 
Festigkeit des ganzen Haargebildes. 

Bezüglich der Behaarung der Säugetiere im allgemeinen er- 
scheint es von Interesse, daß gewisse Haareigentümlichkeiten, wie 
die äußerliche Furchung, die lineare Pigmentierung (vgl. z. B. die 
Haare von Antilocapra americana Ord) sowie die longitudinale 
Richtung der Schüppchen bei den Platacanüiomys- Stacheln sich 
vorwiegend im apikalen, frei nach außen liegenden Schaftteile vor- 
finden, also an der Stelle, welche äußeren Einflüssen am meisten 
ausgesetzt ist. Bei vielen Haaren ist bekanntlich der apikale Teil 
verstärkt. 

Alle hier erwähnten Verhältnisse habe ich in einer demnächst 
in den „Zoolog. Jahrbüchern" (Abteilung für Systematik) erschei- 
nenden Abhandlung „Beiträge zur Kenntnis des Haarkleides der 
Säugetiere" eingehender erörtert. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(35) 



Bericht der Sektion für Koleopterologie. 

Versammlung am 21. Dezember 1911. 
Vorsitzender: Herr Dr. K. Holdhaus. 

Herr Josef Breit spricht über „Eine Sammelexkursion 
im Bihargebirge " : 

Wohl wenige Gegenden Mitteleuropas waren bis in die jüngste 
Zeit entomologisch weniger durchforscht als das im südöstlichen 
Mittelungarn liegende Komitat Bihar. Trotzdem gehört dasselbe 
schon seiner topographischen Beschaffenheit wegen zu einer der 
faunistisch interessantesten Gegenden Ungarns. Nicht in seiner 
ganzen Ausdehnung gehört dieses Komitat dem gebirgigen Teile 
Ungarns an. Der größere westliche Teil liegt noch in der großen 
ungarischen Tiefebene und besteht aus großen Sümpfen, sandigen 
Heiden und Ackerland. Zweifellos bergen auch diese Teile des 
Komitats noch viele interessante pontische Steppen- und Sumpftiere. 
Der kleinere östliche Teil ist Gebirgsland. Dasselbe bildet seiner 
Hauptmasse nach einen nach Südost verlaufenden Gebirgszug, über 
dessen Kammhöhen die Grenze von Siebenbürgen verläuft. Pracht- 
volle Buchenwälder bedecken die Bergflanken, nur spärlich von 
Eichenbeständen durchsetzt, während in den höheren Lagen die 
Tanne und Fichte dominiert. Tiefer im Gebirge finden sich noch 
förmliche Urwälder, in denen Wölfe, Bären, Hirsche und Wild- 
schweine keine Seltenheit sind. Die Haupttäler werden durch die 
Schnelle Körös, welche goldhaltige Geschiebe führt, und die Schwarze 
Koros gebildet. Die erstere bildet im ebenen südwestlichen Teil 
des Komitates einen ausgedehnten Sumpf mit riesigen Moorwiesen. 

Das eigentliche Bihargebirge. der vorerwähnte Gebirgszug, ist 
als der höchste Teil des siebenbürgischen Erzgebirges aufzufassen. 
Durch die Wasserscheide der Schwarzen Körös und des Aranyos 
wird dasselbe in einen nördlichen und in einen südlichen Teil ge- 
schieden. Der letztere kulminiert in den höchsten Erhebungen des 
ganzen Gebirgszuges, und zwar in dem 1850 m hohen Cucurbeta 

c* 



(36) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



und in dem 1656 m hohen Biliar. Zum überwiegenden Teile besteht 
der Gebirgsstock aus mesozoischen Kalken, während die vorgenannten 
Kulminationsberge aus Urgestein bestehen. Reiche Schätze an Gold, 
Silber, Kupfer, Blei und Marmor bergen die Gesteine dieses Ge- 
birges. In die Kalkzone fallen auch außergewöhnlich zahlreiche 
Höhlenbildungen, die vielleicht auch mitschuldig sind an der bisher 
erfolgten geringen Durchforschung der Gebirgsfauna, weil die reiche 
Höhlenfauna sowohl das ganze Interesse als auch die für die Ex- 
kursionen erforderliche Zeit früherer Forscher absorbierten, wodurch 
wohl die Höhlenfaunakenntnis gefördert, aber die Erforschung der 
übrigen Koleopterenfauna arg vernachlässigt wurde. Wenn auch 
bereits eine stattliche Zahl endemischer Höhlenkäferarten aus dem 
Biliarer Komitat bekannt sind, so muß bei dem großen Reichtum an 
Höhlen in diesem Gebiete dies erst als Beginn unserer Kenntnis 
der dortigen Höhlenkäferfauna bezeichnet werden, denn die bisher 
durchforschte Zahl der Höhlen ist gering gegen die Anzahl der 
bisher schon bekannt gewordenen Höhlen in diesem interessanten 
Gebiete. Dasselbe dürfte zirka 90 bekannte Höhlen aufweisen, 
von welchen kaum mehr vielleicht als 20 durchforscht wurden. 
Allerdings ist auch in diesem Gebiete das Explorieren der meisten 
Höhlen mit mehrfachen Schwierigkeiten verbunden. In der Be- 
völkerung gibt es wenig höhlenkundige Männer, insbesondere, wenn 
Höhlen, die tiefer im Gebirge liegen, in Betracht kommen. Nur die 
in der Nähe von Ortschaften gelegenen Höhlen sind bei den Orts- 
bewohnern bekannt, aber demzufolge auch bereits längst durch- 
forschl und daher weniger interessant. Bei den spärlichen Ansiede- 
lungen im Gebirge liegt der größte Teil der, den Hauptgebirgszug 
durchsetzenden, zahlreichen, bisher nicht durchforschten Höhlen, 
frrnal) von Ortschaften und sind daher oft tagelange Fahrten oder 
Ritte notwendig, um solche Höhlen aufzusuchen, lliczu kommt noch, 
daß Im i rationellem Kxploriercn einer Höhle, diese nach Verlauf von 
mindestens einer Woche neuerlich wegen Inspektion der gesetzten 
Cöderbeeher aufzusuchen ist. Ks läßt sich daher bei einer kurzen 
BxkunumsdAuer von "i— :; Wochen eine systematische Durch- 
forschung von Böhlen mii einem rationellen Aufsammeln der übrigen 
KoleopterenfftUna nicht verbinden und muß daher eine solche kurz- 
fristige Exkursion dem einen oder dem anderen Zwecke vorwic- 



Versammlung der Sektion für Koleopterolögie. 



(37) 



gend gewidmet werden. In Anbetracht dieser Umstände wurde 
auch unsere Exkursion hauptsächlich zur Erforschung der nur sehr 
mangelhaft bekannten übrigen Koleopterenfauna verwendet, während 
Höhlenexkursionen nur als Nebenzweck nach Maßgabe der Möglich- 
keit unternommen wurden. 

Mit Rücksicht auf die höchsten Erhebungen des Cueurbeta- 
stockes bei Rezbanya im Süden des Komitates wurde dieser Ort 
zum Standquartier für die geplanten Exkursionen gewählt und so 
hielt in diesem weltabgeschiedenen Orte am 12. Juni 1911 trotz 
später Nachtstunde, strömendem Regen und dreistündiger Fahrt 
im federlosen Wagen auf holperigen Wegen ein fideles, wenn auch 
sehr durchnäßtes Trifolium seinen Einzug. Dasselbe bestand aus 
den Herren Dr. Eduard Knirsch aus Wien. Franz Tax aus Graz 
und dem Vortragenden. Rezbanya ist ein kleiner Ort. welcher 
hauptsächlich von einem als „Motzen" bezeichneten Schlag Walachen 
bewohnt ist. Diese sind meist von kräftigem Wuchs, selbstbewußt, 
aber auch verschlagen. Die Lage des Ortes ist inmitten des Gebirges 
sehr hübsch. Die Umrahmung der dichtbewaldeten Berge überragt 
im Osten die hohe Graskuppe des an 1700 m hohen Biharberges. 

Hätten wir nicht durch einen außerordentlichen Zufall von 
einer sogar deutsch sprechenden Frau ein gerade leergestandenes 
kleines Haus zu mieten bekommen, wäre es mit der Unterkunft 
schlecht bestellt gewesen, da in den beiden dürftigen Gasthäusern 
kein Unterkommen zu finden ist. Zur Orientierung für künftige 
Biharbesucher möchte ich nur ganz kurz die angetroffenen Ent- 
lohnungsverhältnisse anführen. Es ist üblich, alle Bergtouren 
reitend auszuführen, so ritten wir auch sogar auf den Cucurbeta 
trotz des steilen miserablen Weges. Wir bezahlten für den ganzen 
Tag für zwei Reitpferde samt Lohn für die beiden Begleiter, welche 
auch als Führer dienten, 6 K. für einen zweispännigen Wagen pro 
Tag 8 K, für einen Träger als Taglohn 1 K 60 h bis 3 K. Sind 
diese Trägerlöhne auch nicht hoch ( die Leute verpflegten sich auch 
noch selbst), so sind dieselben doch den Leistungen angemessen, 
da man sich mit den Leuten kaum verständigen kann und diese 
daher zu Führerdiensten nahezu ungeeignet sind. 

Der Gebirgscharakter unseres Standquartieres entsprach bei- 
läufig jenem unserer Yoralpen, etwa bei Lilienfeld oder Kirchberg 



(38) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



an der Pielach. Die Bergflanken sind quellenreich, dicht mit Buchen 
bewaldet, aber außerordentlich steil mit tief eingerissenen Gräben. 
Es kann daher auch in den Wäldern nirgends zu hinreichender 
Humusbildimg kommen, überall, auch an scheinbar günstigeren 
Stellen liegt das Laub auf verwittertem Gestein Schotter auf. Dem- 
gemäß war auch die silvikole Humusfauna, auf die ich meine 
größten Hoffnungen setzte, nahezu steril. Die Ausbeute an typi- 
schen Humuskoleopteren ergab daher nahezu nichts. Keine Psela- 
phiden, keine Scydmaeniden, keine Leptusen, lediglich Omias ma- 
rillosus fand sich vor und sehr selten Bythinus validus. Das Wert- 
vollste war ein Astacops mehadiensis, den Freund Tax erbeutete, 
und aus einer tiefen Schicht roten Laubmoders der mit feinen 
Baumwurzeln dicht durchsetzt war, in einiger Zahl ein neuer Anom- 
matus. Auch die sonst in den Karpathen ergiebigen Wasserrieseln 
sowohl in den Bergwäldern als auch an der oberen Waldgrenze 
ergaben nichts besonderes. Es fehlten Nebrien, Patrobus, Trechen, 
Bembidien u. dgl. fast vollständig. Dagegen war sowohl in der 
Waidregion als auch ober dieser, der für Bihar endemische Ptero- 
stu hus Bielzi überall, wenn auch nur einzeln, unter Laub und Steinen 
anzutreffen. Auch die Carabus- Armut in der Waldregion war auffällig. 

Daß wir für die Humusfauna zu spät in der Jahreszeit ex- 
plorierten, ist auch nicht anzunehmen, da auch die Siebfauna an 
der oberen Grenze der Baumregion außerordentlich arm war, wahr- 
scheinlich aus dem gleichen Grunde wie im Tale, es fehle auch 
dort die erforderliche Humusbildung. Oberhalb der Waldregion, die 
etwa bis 1500 und 1600 m reicht, folgt ein Gürtel von Alpen- 
weiden, liier linden sich nur frei im Sonnenscheine umherlaufend, 
Silplia (,\>l())\(j<i, (,'arabas Miihlfcldi biliaricus und euchromus fossu- 
lifer, ^onst ist dieser Gürtel von Alpenmatten vollständig steril. 
Unter Steinen ist hier absolut nichts zu finden. Erst an den höch- 
sten Kuppen und Kämmen zeigt sich wieder unter den die Gras- 
han^e bedeckenden Trümmern abgewitterter Felsköpfe ein reiches 
Käferleben. Hier machten wir wohl quantitativ und qualitativ die 
bette Ausbeute, Eni liier in einer Höhe von ca. 1600 m, die von 
Rezbanya oaefa ca. dreistündigem Ritt zu erreichen ist, traten Psela- 
phiden und Bejdmaeniden auf. Allerdings nur in den Karpathen 
vreitrerbreitetc Arten, wie Bythinus BculpUfrom lieiiteri, Cephen- 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(39) 



mwn Beitteri, Euplectes Erichsoni, Leptusa carpathica, alpicola, 
Alexia carpathica etc. In großer Zahl Orestia carpathica, Minoia 
var. carpathica Heik. Die als Tränke für das Vieh verwendeten 
Tümpel ergaben in großer Zahl Helopliorus confrater. Obwohl der 
bei unserem Kommen niedergegangene strömende Regen auf den 
Höhen über 1500 m noch als Neuschnee niederging, waren an dem 
ganzen Cucurbetastock ober der Baumregion trotz der frühen Jahres- 
zeit nirgends Reste von Winterschnee wahrzunehmen. 

Unsere Bemühungen, subterrane Käfer, insbesonders Anoph- 
talmen unter tief in Humus gebetteten Steinen aufzufinden, blieben 
trotz unserer angestrengtesten Forschungen in der ganzen Um- 
gebung von Rezbanya, sowohl in den Talregionen als auch in den 
Hochregionen ohne jeden Erfolg, während ich in dem Ange- 
schwemmten der Körös, die infolge des ausgiebigen Regens aus 
den Ufern trat, einen Anophtalmus paroecus fand, der offenbar aus 
einer Höhle geschwemmt war. 

Die üppige Flora, welche wie überall in den Karpathen die 
Waldbäche begleitet, bot eine reiche Ausbeute plantikoler Arten 
wie Othiorr. Fussi, Kollari, Liophleus gibbus, Hyperen, Orinen, Li- 
parns transsylvanicus etc. 

Nun möchte ich noch einiges über unsere Höhlenexkursionen 
erwähnen. 

Die von uns besuchten Höhlen waren die Funacsaer Höhle, 
die Erzherzog Josef-Höhle und die Kondor-Höhle. Alle diese Höhlen- 
exkursionen sind jede in einer Tagespartie von Rezbanya aus durch- 
zuführen, doch ist die Entfernung der beiden letztgenannten Höhlen 
so groß, daß teilweises Reiten und längere Wagenfahrten mit Fuß- 
märschen verbunden werden müssen. 

Am bequemsten zugänglich ist die Funacsaer Höhle, während 
die beiden anderen Höhlen, insbesonders die Kondor-Höhle nur 
schwer zu erreichen sind, die letztere überhaupt nur unter Führung 
eines Ortskundigen. Alle diese Höhlen verlaufen wesentlich hori- 
zontal und weisen keinerlei Abstürze, Schlünde u. dgl. auf. Be- 
sonders groß, schön und reich gegliedert ist die Erzherzog Josef- 
Grotte. 

Bevor ich nun diese Exkursionen bespreche, möchte ich noch 
kurz einiges über die für solche Höhlenexkursionen erforderliche Aus- 



(40) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



rüstung erwähnen. Besondere Wichtigkeit kommt naturgemäß der 
Lichtquelle zu, welche zum Leuchten in der Höhle verwendet wird. 
Am besten hat sich eine von Herrn Dr. Knirsch verwendete offene 
Acetylenlampe bewährt, wie sie in der Adelsberger Grotte in Krain 
verwendet wird. Dieselbe ist wohl etwas schwer, doch wiegt sie diesen 
Übelstand durch außerordentliche Brenndauer und höchstmögliche 
Leuchtkraft weitaus auf. Selbstverständlich sind auch noch Reserve- 
kerzen und Zündhölzchen mitzuführen, um für alle Eventualitäten 
vorgesorgt zu haben. Weiters sind gepolsterte Knieschützer aus 
dickem Leder sehr notwendig, um auf dem nassen, steinigen Höhlen- 
boden nicht am Niederknien gehindert zu sein. Wenn man weiters 
nicht einen Leinenüberzug, etwa nach Art der Maschinenmonteure 
mitführen will, um seinen Anzug vor dem schmierig-weichen Kalk- 
sinter der oft engen Höhlenwände zu schützen, dem wird empfohlen, 
vor dem Eintritt in die Höhle seinen Rock einfach umzudrehen 
und mit dem Futter nach außen anzuziehen. Will man nun eine 
Höhle genau explorieren, so ist das Setzen von Ködergläsern wohl 
unerläßlich. Blechgefäße sind nach den reichen Erfahrungen von 
Freund Tax zu vermeiden, da wahrscheinlich der Metallgeruch die 
Höhlentiere abhält, an den Köder zu gehen. Als Köder wurden faule 
Knochen verwendet. Die Neigung der Höhlensilphiden auf den 
Köder zu gehen, ist in den einzelnen Höhlen verschieden. Vielleicht 
hängt dies mit dem jeweiligen Überfluß oder Mangel von Nahrung 
zusammen. Während in der einen Höhle die Ködergläser Höhlen- 
silphiden in Anzahl lieferten, waren die Gläser in einer Grotte fast 
leer, obwohl die Pholeuon in der nächsten Nähe der Köderbecher 
saßen oder herumkrochen. Bei Anophtalmus wirken nach unserer 
Erfahrung die Ködergläser nur als Fallgruben. Der Anophtalmus 
stellt nicht dem Köder nach, sondern fällt einfach bei seinen Spazier- 
gängen in das Glas. Mindestens 8 Tage, aber besser länger, sollen 
die Köderbecher in der Höhle ausgesetzt bleiben, weil die Agilität 
der Böhlensilpbideti meist eine geringe ist und ihnen daher hin- 
reichend Zeit gelassen weiden muß, in das Ködcrglas zu kommen. 
Line nach den Erfahrungen aller Koleopterologcn, welche in Höhlen 
des Miliarer Koniitatcs sammelten, überall vorhandene Tatsache ist 
die enorme Seltenheit der dortigen I löhlen-Anophtalmcn. So fand 
nur ich. obwohl wir eifrigst tagelang zu Dritt die bezeichneten 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(41) 



Höhlen genau absuchten, einen einzigen Anophtalmus in einer 
Höhle. Herr Gylek aus Wien, welcher in Nord-Bihar Höhlen ex- 
plorierte, fand keinen einzigen Höhlen- Anophtalmus, obwohl solche 
aus den besuchten Höhlen bereits bekannt waren, während Herr 
Mihok aus Budapest, welcher in diesem Jahre die zahlreichsten 
Höhlen in Bihar besuchte, nur im ganzen 6 Stück Anophtalmus fand. 

In der Funacsaer Höhle fanden wir Pholeuon leptoderum in 
Anzahl sowohl an den Wänden als auch unter feucht liegenden 
Steinen und am Köder, während wir den in dieser Grotte vor- 
kommenden Anophtalmus paroecus trotz eifrigen Suchens nicht 
fanden. 

Interessant ist das Vorkommen des Leptoderus Hazaii in der 
Erzherzog Josef Grotte. Anfangs fanden wir nur einzelne Stücke, 
insbesonders unter Steinen, die direkt in Wassertümpeln lagen. Im 
sogenannten Käfersaal, einer großen Halle der weitverzweigten 
Höhle aber bildet das Tropfwasser am Boden treppenförmig ab- 
gestufte Sinterterrassen, welche mit Fledermausexkrementen bedeckt 
sind. Auf diesen Terrassen marschiert dieses Pholeuon an den 
Tümpelrändern zu Hunderten umher, so daß wir in kurzer Zeit zu- 
sammen über 400 Stücke erbeuten konnten. 

Bevor wir weiters die vorher noch von keinem Koleoptero- 
logen betretene Kondor-Höhle besuchten, wollten wir die große 
Höhle des Körösursprungs besuchen, weil höchst wahrscheinlich 
mein bei ßezbanya im Geniste der hochgehenden Körös gefundener 
Anophthalmus paroecus von daher stammte. In prächtigen Kaska- 
den stürzt die mächtige Körös aus dem Höhlentor. Allerdings ist 
der Eingang in diese Höhle durch Bretter über der reißenden 
Körös ermöglicht, doch waren diese Bretter über der brausenden 
Gischt in dem finsteren Höhlenschlunde bereits so morsch und 
wenig vertrauenerweckend, daß wir von dem Besuche der Höhle 
absehen mußten, da uns die zur Sicherung notwendigen Seile 
fehlten und ein kaltes Bad mit Rücksicht auf die über Felsen 
tobenden Fluten doch zu riskant gewesen wäre. Weiter ging es 
nun durch kompliziertes Gebirgsterrain und schließlich in anstren- 
gender Kletterarbeit einen fast senkrechten Felshang ca. 300 m 
hinan, bis wir endlich vor dem Eingange der Kondor-Höhle standen. 
Ein großes von uns aufgefundenes frisches Bärenlager vor dem 



(42) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Höhleneingang zeigt von der Weltabgeschiedenheit dieser Gegend. 
Mächtige Prankenspuren, die sich in dem trockenen Sintersande 
am Höhleneingang deutlich zeigten, mahnten bei Betreten der Höhle 
zur Vorsicht, um sich nicht etwa in dem engen Höhlenschlunde 
einer Begegnung mit einem kapitalen Bären auszusetzen. Eine be- 
hutsam mit der weitleuchtenden Acetylenlampe Dr. Knirschs vor- 
genommene Rekognoszierung ergab, daß die Höhle „bärenfrei" war. 
Ein niedriger, schmaler horizontaler Gang führt in den kleinen 
Dom, der durch einen schmalen niederen Gang noch mit zwei 
kleinen Höhlenkammern verbunden ist. Über dem im Niveau tiefer- 
liegenden Boden dieses Ganges befindet sich ein 1 / 4 m tiefer Wasser- 
tümpel, der mittels zwei in die Höhle geschleppter Baumstämme 
auf dem Bauche liegend überrutscht werden mußte. Die kleine Höhle 
prangte in herrlichem Weiß und machte in ihrer jahrelangen Un- 
berührtheit einen faszinierenden Eindruck. Nicht lange dauerte es, 
so fanden wir auch auf dem Boden und an den Wänden die ersten 
Pholeuon : denen bald darauf der Fund eines Anophtalmus folgte. 
Grund genug, daß wir mit dieser zeitraubenden und anstrengen- 
den Exkursion ebenfalls vollauf zufrieden waren. Wie sich später 
herausstellte, waren beide Arten bisher unbeschrieben. Leider fanden 
sich die Pholeuon nur äußerst spärlich vor, so daß wir unsere ganze 
Hoffnung auf die ausgesetzten Köderbecher setzen mußten. In 
einigen Tagen suchten wir trotz der Unzugänglichkeit die Höhle 
zum zweiten Male auf, doch brachten uns die zahlreich gesetzten 
Köderbecher eine arge Enttäuschung, denn dieselben waren, mit 
Ausnahme eines einzigen von Freund Tax, leer, obwohl wir in 
deren nächster Nähe wieder einzelne Pkohuon am Boden und an 
den Wänden umherkriechend fanden. 

Wm nun das durch diese kurze Exkursion erlangte Faunen- 
bild des Bildlichen Biliarer Komitates anbelangt, so will ich nicht 
mit der Aufzählung der gesammelten Arten Ihre Zeit in Anspruch 
nehmen, da ich ohnehin beabsichtige, ein genaues Verzeichnis der 
von meinen beiden Kxkursionsgefährten, Herrn Gylek in Nord 
Miliar und von mir gefundenen Koleoptcrenarten seinerzeit zu publi- 
zieren. 

Im allgemeinen möchte ich nur erwähnen, daß die Fauna, 
wie ja zu erwarten war. den typischen Charakter der Karpathen- 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(43) 



fauna aufweist und durch viele Faunenelemente mit der sieben- 
bürgischen Karpathenfauna ganz besonders tibereinstimmt. Manche 
der Arten der letzteren Fauna wird hier wohl ihre nördlichste Verbrei- 
tungsgrenze haben. So fanden wir z. B. hier noch Cychrus semigra- 
■nosus, Nebria Eeichei, TrecJms Ormayi, Astacqps mehadiensis etc. 
Von typischen Nord-Karpathentieren fanden wir nur Gephennium 
Beitteri. Auch typische ostalpine Faunenelemente sind vertreten, 
so z. B. Quedius Haberfellneri und Patrobus styriacus (auch kommt 
Patrobus quadricollis vor). Als endemisch sind für das zentrale 
und südliche Bihar wohl anzusehen (exklusive der selbstverständ- 
lich endemischen Höhlensilphiden), Trechus biharicus Meixn., Pte- 
rosticlius Bietei und Anommatus biharicus. Der Artenreichtum der 
Anophtalmenfauna dieses Gebietes kann daraus ersehen werden, 
daß wir im Süd-Bihar zwei Höhlenanophtalmen, paroecas und Taxi, 
und Herr Gylek im Zentral-Bihar, in der Luftlinie vielleicht 30 km 
von uns entfernt, drei Rumus- Anophtalmus, cognatus, Gyleki und 
Elemeri unter Steinen erbeuteten. Es wird kaum in Europa noch 
viele solche Gebiete geben, wo auf einem so kleinen Territorium 
fünf Anophtalmus-Arteji gefunden wurden, wobei es gar nicht 
ausgeschlossen ist, daß dort noch weitere Arten aufzufinden sein 
werden. 

Hiemit schließe ich meinen Bericht mit dem lebhaften Wunsche, 
daß diesem hochinteressanten Gebiete auch weiterhin seitens unserer 
aktiven Koleopterologen recht reges Interesse entgegengebracht 
werde, da weitere Exkursionen in diesem teilweise entomologisch 
noch jungfräulichen, landschaftlich herrlichen Gebiete ganz sicher 
noch viele interessante Funde ergeben werden, die dazu beitragen 
werden, die empfindliche Lücke in unserer bisherigen faunistischen 
Kenntnis der zentralen Gebirge Ungarns auszufüllen. 



Versammlung am 18. Januar 1912. 
Vorsitzender: Herr Dr. K. Holdhaus. 



I. Herr Dr. Walter Sedlaczek spricht über: „Die Anato- 
mie und Systematik der Borkenkäfer." 



(44) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



II. Herr F. Heikertinger legt die folgenden Diagnosen 
neuer paläarktiscker Halticinen vor: 

Chaetocnema Jiortensis Geoff. ap. Fourcr. (aridella Payk.) 
HOT. subsp. montenegrina Hktgr. 

Durchschnittlich größer als Chaetocnema Jiortensis (aridella), 
von gleicher Körperform und Punktierungsanlage, durch das ober- 
seits stets schwärzliche erste Fühlerglied und etwas abweichende 
Penisform charakterisiert. Da mir die Merkmale zur Begründung 
von Artrechten ungenügend erscheinen, stelle ich das Tier vorläufig 
als Subspezies zu Chaetocnema Jiortensis. 

Fast von der Größe der CJiaetocnema aridula Gyllh.; Gestalt 
wie bei hortensis, desgleichen die Färbung, von erzbraun bis grün- 
lich oder kupfern variierend. Die 4 — 5 ersten Fühlerglieder rotgelb, 
die folgenden schwarz; das erste Fühlerglied stets, auch bei ganz 
unreifen, deformierten Stücken schon, oberseits schwarz. Beine 
rotgelb, alle Schenkel pechschwarz mit Erzschimmer, Schienen im 
mittleren Teile zuweilen gebräunt, zuweilen auch die Tarsen — 
besonders die Endhälfte des Klauengliedes — angedunkelt. 

Kopf und Halsschild wie bei Jiortensis auf deutlich chagri- 
nicrtem Grunde kräftig punktiert, wodurch das Tier von aridula 
sofort zu unterscheiden ist. 

Punkte der Flügeldecken wie bei Jiortensis, die verworrenen 
lieihen aber mit stärkerer Tendenz zur Verdoppelung. 

. Penis dem von Jiortensis von unten gesehen völlig ähnlich, 
im Profil jedoch nicht so gleichmäßig bogig gekrümmt wie bei 
dieser, sondern in den zwei Enddritteln fast gerade, im Basaldrittel 
jedoch bogig geknickt nach unten gekrümmt. 

Länge des Tieres 2—25 mm. 1 ) 

Von Herrn Q. Paganetti-Hummler in zahlreichen völlig über- 
einstimmenden Exemplaren in der Krivosijc (dalmatinisch-montene- 
«rriiiisrlie (iren/e erbeutet, bemerkenswert ist, daß auch einige 
wenige mit gleichem Fundortzettel versehene normale (kleine, mit i 
rein beller Ptthlerbasis und gleichmäßiger gekrümmtem Penis aus- 

') .i. W ■ i • Erichfon Hat. Ins. Deutschi. VI. 778) gibt die (hüße der 1 
DOmatal hoHmuit mit ]•:-- 2 6 mm Ml, Nach meinen McHHiingcn beträgt sie 4 
1 1 • i h höchsten* 2 o mm. I 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(45) 



gestattete) hortensis vorliegen, die sich jedoch leicht und sicher von 
der neuen Form trennen lassen. 

Mantura (s. str.) Clavareaui Hkter. nov. spee. 

Eine große Art, habituell und in der Färbung am meisten an 
Mantura rustica L. erinnernd. 

Kopf und Halsschild ziemlich düster metallgrün, die Flügel- 
decken einfarbig schwarzblau. An den Fühlern die sechs ersten 
Glieder rotgelb, die folgenden verdunkelt; Beine rötlich braungelb, 
alle Schenkel (besonders die hinteren) mehr oder minder stark ge- 
bräunt bis fast schwärzlich. 

Kopf ober den Fühlerbasen mit feiner, aber deutlicher Quer- 
linie: darüber grob punktiert, die Punktierung über den Augen am 
gedrängtesten, gegen die Scheitelmitte zu spärlicher. 

Halsschild groß und breit, seitlich viel stärker bauchig ge- 
rundet als bei Mantura rustica, deutlich in der Mitte am breitesten, 
auch nach hinten stark (doch nicht so stark wie nach vorne) ver- 
engt. 1 ) Vorderecken schmal gerundet vorgezogen, Hinterecken stumpf 
verrundet. Halsschildoberfläche stark, etwas kissenartig gewölbt, 
wie der Kopf auf mattglänzendem Grunde grob und tief punktiert, 
die Punkte seitlich gedrängt, auf der Scheibe spärlicher, in einer 
Mittellinie auf der Hinterhälfte fast ganz fehlend. Halsschildlängs- 
strichel von ungefähr ein Drittel der Halsschildlänge, stark, wie 
mit einem Fingernagel eingedrückt, unmittelbar am Basal- 
rande am breitesten und tiefsten. 2 ) Mittelpartie des Halsschild- 
hinterrandes stark nach hinten gezogen. 

Fitigeldecken etwas breiter als der Halsschild, seitlich schwach 
gerundet, lang eiförmig, mit starken, sehr regelmäßigen, hinten 
etwas abgeschwächten Punktstreifen; Skutellarstreifen wie bei 
Mantura rustica; Baum an der Schulter flach gewölbt, glatt; der 
äußerste Zwischenraum der Deckenpunktstreifen ohne starke Punkte 
(nur das Stück von Jesso trägt auf einer Seite einen einzelnen 
überzähligen, groben Punkt). 

1 ) Bei Mantura rustica ist der Halsschild nach hinten kaum oder nicht 
verengt. 

2 ) Bei Mantura rustica in den mittleren Teilen ziemlich gleichbreit, 
unmittelbar an der Basis schmal und seicht weidend. 



Versammlung- der Sektion für Koleopterologie. 



Länge 2 6 — 2 9 mm, also ungefähr den größten Stücken von 
Mantura rustica entsprechend. 

Patria: Japan: Jesso (Rolle ex Coli. Clavareau), Kioto (Coli. 
Pic). Die Fundorte liegen ziemlich weit auseinander auf verschie- 
denen Inseln. 

Mangel an reicherem Material macht es mir unmöglich, das 
Verwandtschaftsverhältnis dieses Tieres zur eurasiatischen Mantura 
rustica völlig klarzustellen. Da aber J. S. Baly (Trans. Ent. Soc. 
Lond., 1874, II, p. 196) die letztere von Japan (ohne weitere Be- 
merkung, also wohl in der Normalform) angibt, glaube ich nicht, 
daß Mantura Glavareaui bloß die vikariierende Rasse der ersteren 
darstellt. Von Mantura rustica ist mir eine Aberration mit völlig 
einfarbig dunklen Elytren bis jetzt nicht bekannt geworden; 1 ) da- 
gegen ist die rustica ab. suturalis Wse., mit seitlich bis zur Basis 
gelbroten Decken, gerade im Osten ihres Verbreitungsgebietes 
(Turkestan, Sibirien) 2 ) in viel größerer Verhältniszahl bekannt ge- 
worden als aus Europa. 

Auf Mantura japonica Jacoby und Mantura fulvipes Jacoby 
(Proc. Zool. Soc. Lond., 1885, p. 720) aus Japan kann ich Mantura 
( ureaui nicht beziehen. Beide sind als oberseits einfarbig dunkel- 
blau, bezw. schwärzlichblau angegeben. Erstere Art ist nur mit 
Mantura obtusata Gyllh. verglichen, letztere soll klein und gewölbt 
sein, vollständig gelbe Beine besitzen, etc. 

Ich widme die Art in freundschaftlicher Hochachtung Herrn 
EL Clavareau (Brüssel), der mir seine Sammlung in liebens- 
würdigster Weise zur Verfügung stellte. 



.1. Wei se (Hör. Soc. Ent. Ross., 1889, p. 570) erwähnt wohl ein Stück 
mit J'ast einfarbig 1 schwarzblauen Flügeldecken", aber ans einer Serie von 
Btttoken der Normalfonn und der ab. suturalis von Amdo (China), also sicher 
nur ein dunkln Stück der rustica. 

Jen! ieiai (lag. .J. Sahlberg, det Jacobson; öfters. Finak. Förh., 

M.III, L901, p. 97). - Tnrkettan (dir. Fundorte ßf. Ilauser, Deutsch. Ent. 

'in. 1894, i» B0; det Wein ). Amdo (leg, Pötaaln, det. Weise-, Hör. 
Soc. Bot Kosh., 1889, p. 570). — Ich selbst fand in einer größeren Anzahl 
von Stücken huh Aulie Ata (Syr Darja, Turkestan, ('oll. Staudinger) woit 

mehr ab. tuturoUi all aonnalfarbfgc Exemplare. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



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Aphthona brunneomicans Hktgr. iioy. spec. 

Art aus der weiteren Verwandtschaft der Aphthona cyaneüa 
Redt, (pygmaea Kutsch.), charakterisiert durch ihre beträchtliche 
Größe, ihre fast glatte, glänzende Oberseite und braunschwarze 
Färbung. 

Ungefähr von der Größe und Gestalt der Aphthona Czwalinae 
var. asiatica m. oder der asiatischen Formen von Aphthona semi- 
cyanea var. pnnctatissima Weise, aber mit viel glatterer Oberseite. 
Länglich eiförmig mit schwach gerundeten, fast subparallelen Flügel- 
deckenseiten und breiten Schultern. 

Oberseits dunkelbraun bis rein schwarz glänzend, ohne Spur 
eines bläulichen oder grünlichen Schimmers. Fühler und Beine rötlich- 
gelb, an ersteren die 5 oder 6 Endglieder gebräunt bis geschwärzt, 
an letzteren nur die Hinterschenkel, besonders auf ihrem Rücken, 
gebräunt. Unterseite braun bis schwarz. 

Kopf mäßig groß; Stirnkiel mit mäßig scharfem bis ziemlich 
abgerundetem Rücken; die Stirnbeulen ziemlich groß, ungefähr von 
den Umrissen eines Apfelkernes, ziemlich gewölbt erhaben, von 
den tief furchigen Stirnlinien oben und unten scharf umgrenzt. 
Stirn und Scheitel glänzend glatt. Fühler von 3 / 4 Körperlänge, die 
Außenglieder nur sehr wenig erweitert. 

Halsschild wesentlich breiter als der Kopf, ungefähr l 1 ^ mal 
so breit als lang, nach hinten nur wenig, nach vorn stärker ver- 
engt, seitlich schwach gerundet. Vorderecken schmal verrundet, die 
vordere Borstenpore nur wenig (nicht scharf eckig) vortretend, der 
Seitenrand ziemlich schmal abgesetzt gesäumt, die Hinterwinkel 
nur als stumpfe Eckchen aus der Rundung des Halsschildhinter- 
teiles heraustretend. Halsschildoberfläche stark gewölbt, glänzend 
glatt oder mit einzelnen, kaum sichtbaren Pünktchenspuren. 

Flügeldecken wesentlich breiter als der Halsschild, in den 
Schultern stark vortretend, dahinter subparallel, nur leicht seitlich 
gerundet, am Ende ziemlich rasch zusammenlaufend; Nahtecke 
stumpfwinkelig, das äußerste Spitzchen abgerundet. Schulterbeule 
sehr hoch, glänzend. Die Decken sind ziemlich gleichmäßig stark 
gewölbt, glänzend glatt, mit äußerst feinen und flachen Pünktchen, 
die vielfach vollständig verlöschen. 



(48) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Vollständig geflügelt. 
Lauge: 2*8 — 3 mm. 

Sibiria; Miuussinsk. Mir liegen drei aus den Doubletten Vor- 
räten der Sammlung F. Hauser (München) stammende Stücke vor. 

Die Art dürfte der nach einem einzelnen Stücke beschrie- 
benen Aphthona Bechen Jacobson (Hör. Soc. Ent. Ross., XXX, 
p. 108; 1896) aus der europäisch-russischen Provinz Saratow 
nahestehen. Da diese letztere Art jedoch gebräunte Vorderschenkel, 
schwarze Klauen und feine, vorn verdoppelte Punktlinien mit 
schmalen ebenen und (abwechselnd) breiten erhabenen Zwischen- 
räumen, die mit ungleichen Punkten besetzt und subrugulos sind, 
besitzen soll, kann ich sie nicht auf die ganz regellos und kaum 
sichtbar punktierte, im übrigen glänzend glatte Aphthona brunneo- 
micans m. beziehen. 

Aphthona testaceicornis Weise (Deutsch. Ent. Zeitschr., 1894, 

p. 152) vom Kaukasus ist wesentlich kleiner, besitzt ganz helle 

Fühler, bläulichen Schimmer der Oberseite, etc. 

* * 
* 

Notiz zu JPhyllotreta vittata Fabr. (sinuata Redt., nec Steph.). 

Im 61. Bande dieser „Verhandlungen", 1911, p. 11 — 16, habe 
ich die Synonymie dieses Käfers richtiggestellt. Für die außer- 
ordentlich weite Verbreitung der Art sprechen 
die weiteren mir inzwischen bekannt ge- 
wordenen Fundorte: 

Hongkong (ex Coli. Aneey). 
Tonkin (ex Coli. Dr. Robert). 
Belegstücke in meiner Sammlung; von 
letztgenanntem Fundorte auch cT, welche 
die charakteristische Ftthlerhildung der vit- 
tata zeigen. 

rjff.l. Fühler von Fhytto- _^ ° _. , , . *, 

treta vittata Pabi [Hm Da (,leK0 Fühlerbddupg in der am an- 

ata Redt, nee. Steph.) gegebenen (hie (p. 12, Fig. 6) gebrachten 
Textfigur schlecht zum Ausdrucke kommt, 
k'cbe ich anbei die ergänzende Detailabbildung eines männlichen 
Fttblert, aas welcher die besondere Form des dritten und vierten 
Gliedes deutlich zu ersehen ist. 




Referate. 



(49) 



Referate. 

Dr. Josef Podpera. Die Pflanzenwelt der Hanna. Grundlinien der geo- 
graphischen Verbreitung der Pflanzenarten im Oberen Marchbecken. Mit 
3 Tafeln, 2 Textbildern und einer phytogeographischen Karte. Brünn 1911, 
Archiv für die naturwissenschaftliche Durchforschung Mährens (Botan. 
Abteilung Nr. 1). 355 S. Gr.-8°. Preis K 8.—. (In böhmischer Sprache.) 

Die Anfänge der pflanzengeographischen Durchforschung Mährens sind 
zwar erst neueren Datums, immerhin zeigen aber die bereits vorhandenen 
Arbeiten, welche Bedeutung der mährischen Flora im europäischen Floren- 
gebiete zukommt. Das Obere Marchbecken, an der Grenze des herzynisch- 
sudetischen, des karpatischen sowie des pannonischen Florenbezirkes gelegen, 
erscheint als eine wichtige Wanderstraße insbesondere für die Besiedelung 
westlich von Mähren sich ausbreitender Gebiete mit südöstlichen, sogenannten 
pontischen Elementen. Von diesem Standpunkte betrachtet, bietet auch die 
fast durchwegs mit Kulturen bedeckte Hanna, das vorzüglichste Ackerbau- 
gebiet Mährens, mit seinen monotonen Gersten- und Rübenfeldern dem Phyto- 
geographen noch immer Anhaltspunkte zu interessanten Beobachtungen und 
er sucht, wie es der Verfasser des vorliegenden Werkes getan, die heutige 
Physiognomie der spontanen Vegetation festzuhalten, solange sich dazu noch 
einigermaßen Gelegenheit bietet; kann man doch überall die Wahrnehmung 
machen, daß so viele noch immer hervorragende Standorte über kurz oder 
lang nicht mehr bestehen werden. Aus diesem Grunde schon erscheint die 
Arbeit des Verfassers außerordentlich verdienstvoll. 

Die Anfänge der botanischen Durchforschung der Hanna gehen in die 
ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts zurück • schon in Rohrers und 
Mayers „Vorarbeiten zu einer Flora des mährischen Gouvernements" (1835) 
werden aus der Hanna, insbesondere aus der Gegend von Olmütz Standorte 
genannt. In der Folge haben unter anderen v. Uechtritz, Dr. Sch wippe 1, 
A. Vogl, J. Mik, A. Makowsky, Kronfeld, Paul, F. Wessely, E. 
Palla, W. Spitzner, F. Gogela Beiträge geliefert, so daß in Obornys 
und Formaneks Landesfloren bereits gebührend auf die Hanna Rücksicht 
genommen erscheint. Die letzten zehn Jahre emsiger Arbeit vervollständigten 
das Material und brachten eine erkleckliche Zahl interessanter Funde, aus 
denen die Pflanzengeographie wertvolle Schlüsse zu ziehen in der Lage ist. 

Nach Anführung der einschlägigen Literatur schildert der Verfasser 
der vorliegenden Arbeit zunächst die geographischen und klimatischen 
Verhältnisse der Hanna sowie der angrenzenden Teile der Sudeten, Karpathen 
und des mährischen Zentralplateaus. Die Seehöhen des Oberen Marchbeckens 
sinkt von 331m bei M.-Schönberg bis 201m bei Napajedl; die Randgebiete 
sind bedeutend höher. In klimatischer Hinsicht weist die Hanna den Cha- 
rakter eines Übergangsgebietes zwischen dem Seeklima zum Kontinental- 
klima; sie gehört zu den wärmsten, aber auch zu den niederschlagärmsten 
Teilen des Marchgebietes. Die mittlere Jahrestemperatur schwankt zwischen 

Z. B. Ges. G2. Bd. d 



(50) 



Referate. 



5-6° (au den Rändern der Gebirge) und 8*9°; die größte beobachtete Ampli- 
tude beträgt 61*6 °. Die Niederschläge nehmen von Westen nach Osten gegen 
die Karpathen ab und betragen 50— 90 cm. In geologischer Beziehung 
weicht die Marchebene von den Randgebieten naturgemäß bedeutend ab. Sie 
erscheint aus neogenen, diluvialen und alluvialen Sedimenten aufgebaut. Eine 
bedeutende Rolle spielt besonders an den Rändern der Löß, noch heute eiu be- 
zeichnendes Substrat der Steppenvegetation in ihren vereinzelten Relikten. Moore 
von 1—2 m Mächtigkeit mit Torfbildungen lassen sich längs der March nördlich 
von Olmütz beobachten, wo sie Tundra-Elementen uralte Standorte bieten. Die 
Alluvionen der March und ihrer Zuflüsse weisen vielfach eine sehr veränderliche 
Vegetation auf, in der Ruderal- und Adventivpflanzen dominieren. Bedeutungs- 
voll für die Gestaltung des Florenbildes werden die in der Ebene zerstreut sich 
vorfindenden kleinen Inseln älterer (archaischer und paläozoischer) Gesteine. 

Die Hannavegetation setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. 
Wir finden da zunächst kosmotropische (Arten des trockenen Bodens und 
Wasserpflanzen), zirk umpolare (Wiesen- und Moorpflanzen, Wald- und 
Wassergewächse, auch Thennophyten), eurasiatische, eurosibirische 
(bei beiden thermophile und solche von orientalischem Areal), europäische, 
meridionale, orientalische und sogar einige wenige alpine Elemente. 
Drei wichtige Florengebiete Mitteleuropas, das mitteleuropäische, karpathische 
und die Steppenprovinz, stoßen in der Hanna zusammen. Die Steppenflora 
ist nach Ansicht des Verfassers bei uns ein Produkt einer langen Zeitperiode 
und enthält Elemente boreal-tertiären, pontischen (danubialen und sarmati- 
schen) sowie selbst alpinen Ursprungs; die pontischen haben meist eurasiati- 
sches, eurosibirisches sowie europäisch-orientalisches Areal. Die Wiesen- und 
Sumpfflora umfaßt Psychrophyten; ihre allmähliche Entstehung fällt in die 
Zeiten größerer Verbreitung des Inlandeises. Boreale, alpine (z. B. Cirsium 
rwuiare), politische und Tundra-Elemente setzen sie zusammen. Insbesondere 
macht sich in der Wiesenflora der Einfluß von Arten orientalischen Areals 
(Juncus atratus, Euphorbia villosa u.a.) bemerkbar. Die Wälder am Hanna- 
rande haben eine andere Gestaltung wie die an den Marchufern. Unter den 
Holzarten der eigentlichen Hannawälder walten solche mit europäischem 
Areal vor: der Bodenwncha hingegen hat durch das Vorherrschen zirkuin- 
polarer and europäischer Elemente seinen an andere Gebiete unter ähnlichen 
Verhältnissen gemahnenden Charakter, obwohl Einflüsse der Karpathen (in- 
folge des Auftretens von DenUtria glandulosa, Scrophularia Scopolii) deut- 
lich werden. Bezeichnend Ist ferner Hacquetia Epipactis, ein endemisch-mono- 
tjpd Blemenf dei südwestlichen Europa. Am wenigsten bietet die Marchebene 
der Keinen Vegetation Baum zur Entfaltung; wo eine solche (im Randgebiete) 
dennoch auftritt, bat ile präalpinen Charakter, auch erscheinen meridionale 
Elemente (Mchru <dm\a u.a.) beigemischt In den tiefeingeschnittenen Tälern 
ile mährischen Kärnten int das präalpine Element zu Hause; anderwärts 
mußte en hieh an die Standorte der Steppenpflanzen anpassen. Neben Phanero- 

faaei ipfelea an Feiten ptäalpfoe Moose die Hauptrolle. 



Referate. 



(51) 



Im nächsten Abschnitte (p. 50—57) bespricht der Verfasser die Ver- 
breitung der wärmeliebenden Pflanzen im Gebiete. Da das Obere Marchbecken 
gegen Süden offen ist, so erfolgte von hier aus in klimatisch günstigen Perio- 
den deren Einwanderung, wahrscheinlicher als durch das Marchtal längs der 
Abhänge der Karpathen und des Zentralplateaus. Der sicherste Weg war, 
wie Referent bereits in seiner Arbeit „Die pannonische Vegetation der Ge- 
gend von Olmütz" (Verh. des Naturf.-Ver. in Brünn, 48. Bd., 1910, p. 197—205) 
gezeigt, der über die Wischauer Senke zwischen Zentralplateau und Mars- 
gebirge ; für diese Anschauung spricht auch nach Dr. V. J. Prochazka die 
Tatsache, daß zur Diluvialzeit der Abfluß der Schmelzwässer aus der nörd- 
lichen Marchebene eben durch die Senke zwischen den beiden oben genannten 
Erhebungen erfolgte, nicht aber in der Richtung des heutigen Marchlaufes, 
da der Durchbruch bei Napajedl erst später erfolgte. Betrachtet man nun das 
erwähnte Gebiet, so gewahrt man hier eine ganze Reihe von Standorten 
thermophiler Elemente, deren Zahl von Wischau über Proßnitz bis Olmütz 
stetig abnimmt, und nur einige lassen sich noch den Ostrand des Zentral- 
plateaus entlang bis nach Nordmähren verfolgen. Ein ähnliches Bild bieten 
die Abhänge der Karpathenausläufer von Napajedl an bis zur Betschwa bei 
Mährisch- Weißkirchen und bis Olmütz auch hier lassen sich solche Standorte, 
Etappen der Verbreitung von Thermophyten, die in Südmähren über ein weit 
mehr zusammenhängendes Areal verfügen, mit Sicherheit nachweisen. Das 
letztemal tritt noch auf den Höhen zwischen Raußlitz und Butschowitz (Wind- 
berg) die Steppenflora in erstaunlicher Artenfülle auf. Außer Stipa Tirsa, S. 
Joannis, S. Grafiana und S. capülata wächst hier Quercus lanuginosa und 
Oornus mas, ferner Adonis vernalis, Pulsatilla nigricans, Crambe tataria, 
Oxytropis pilosa, Crepis rigida, Campanula sibirica, Echium rubrum, Arte- 
misia poyitica, Scorzonera austriaca, S. purpurea u.a. Vergleicht man diese so 
ausgesprochene Steppenvegetation mit jener der nördlich auftretenden Steppen- 
relikte, so ist mit dem Zurückbleiben der bezeichnendsten Arten eine auf- 
fallende Veränderung in der Physiognomie der Steppenfazies (in nördlicher 
Richtung zunächst Andropogon Ischaemum, dann aber Koeleria gracilis, Me- 
dicago falcata, Prunus fruticosa, schließlich nur noch Brachypodium pinnatum 
und Bromus erectus als Leitpflanzen ausschlaggebend) verbunden, bis am 
Fuße der Sudeten die letzten Spuren der Thermophyten (bis auf geringe Aus- 
nahmen) verschwinden. 

Der Gliederung der im Hannagebiete auftretenden Pflanzengenossen- 
schaften schickt der Verfasser eine Erläuterung des heutigen Standes der 
Lehre von den Pflanzenformationen im Sinne Flahaults und Schrötters 
voraus. Die Liste der Formationen des Gebietes ist folgende: I. Xerophiler 
Nadelwald. 1. Kieferwald. 2. Fichtenwald. II. Xerophiler Laubwald. 
3. Haine aus Quercus lanuginosa. III. Mesophiler Laubwald. 4. Gemischter 
Laubwald des Hügellandes. 5. Eichenwald auf trockenem Boden. 6. Buchen- 
wald des Gebirgsrandes. 7. Mischwald der unteren Gebirgslagen. 8. Eichen- 
wald auf feuchtem Boden. 9. Bruchwald und Waldsumpf. 10. Auwald. IV. Xe- 

d* 



^52) 



Referate. 



rophile Gebüsche. 11. Fazies der Zwergweichsel (Prunus fruticosa)^ 
12. Fazies der Mischsträucher (aus Rosa pimpinellifolia, B. gallica u. a., 
Prunus, Ligustrum, Crataegus u. a.). 13. Gebüsche des Vorgebirges (Prunus 
spinosa, Evonymus vulgaris, Posa, Pubus). V. Steppe. (Relikte.) 14. Halb- 
strauehsteppe (Dorycnium, Teucrium, Thymus). 15. Federgras-f/S^a-jSteppe. 
16. Bartgrasflur (Anäropogon). 17. Steppe auf Felsschutt. 18. Grassteppe und 
Steppenwiese. VI. Heideformation. 19. Halbstrauchheide, a) Ononis spinosa- 
Flur, b) Heidekrautfazies. 20. Heidewiesen. VII. Wiesenformationen. 
21. Langhalinige Niederungs- und Talwiesen. 22. Sumpfwiesen. 23. Torf- 
wiesen. 24. ^Yiesen der Vorberge. VIII. Felsformation. 25. Fazies der 
Moose und Flechten (auf kieselsäurereichem Substrat). 26. Präalpine Fazies 
(auf Kalkboden). IX. Wasserpflanzen- und Uferformation. 27. Fazies 
der schwimmenden Pflanzen. 28. Röhrichte. 29. Ufergebüsche. 30. Sand- 
bänke und Ufersiirapfe. X. Kulturformation. 31. Ruderalflora. 32. Segetal- 
rlora. 33. Kulturgewächse. 

In dem sich anschließenden speziellen Teile (p. 73—250) werden die in 
den einzelnen Formationen vorkommenden Phanerogamen angeführt. Bei jeder 
Pflanzenart findet sich zunächst die Angabe, in welcher Menge die Art (auf 
Grund der von Drude und Adamovic gebrauchten Bezeichnungen) inner- 
halb der 33 Fazies auftritt, wobei die Leitpflanzen besonders hervorgehoben 
werden, Es folgt die Angabe der geographischen Verbreitung in der Hanna 
in einer Art, wie sie eben nur auf Grund einer gründlichen und gewissen- 
hatten Selbstbeobachtung möglich ist) sowie des Gesamtareales. Dieser Teil 
zeigt in fast erschöpfender Weise den erstaunlichen Pflanzenreichtum des 
Gebietes und bietet sehr interessante Beobachtungen und Hinweise. Bei der 
AnfUhruog der Steppenfazies kommt der Verfasser nochmals auf den heutigen 
Stand der Steppenfrago zu sprechen. 

Aber auch das über die Kryptogamen bisher aus der Hanna Bekannte 
findet volle Berücksichtigung und zeigt, daß auch in dieser Hinsicht in der 
totsten Zeit ein tüchtiges Stück Arbeit geleistet wurde. Der Abschnitt „Die 
Algen der Hanna" hat 0. Richter zum Verfasser, welcher die Diatomeen 
bespricht; über die niederen Pilze berichtet R. Picbauer (p. 259— 270), die 
höheren Pilse J>r. .). Macku (p. 271— 275), die Flechten F. Kövai- (p. 276 bis 
298), die Üryophyten behandelt (p. 299—325) der Verfasser selbst. 

Jeder, der das eintönige Gebiet der Hanna kennt, wird es dem Ver- 
fasset Dank (rissen, dsü ei sich der Mühe unterzog, diese scheinbar ganz 
unint«!re«nante (Jegend so ausführlich mit Rücksicht auf die Vegetationsvcr- 
hältniHM! zu schildern. Nur eine auf eigener Beobachtung und lückenloser 

Kenntnis dci gan/.en inbetraclit kommenden Literatur beruhende Sachkenntnis 
konnte eint Arbeit wie die vorliegende schaffen, die einen bedeutsamen 
Fortschritt Ii der pflanzengeographischen Kenntnis Mährens und Mitteleuropas 

Uberhaapi bedeutet I Iii die DurehforNcliung der übrigen Teile des March« 

geMassa ist dosen Dr, Podperai „Pflanzenwejl der Hanna" der Weg ge- 
wii sa, dsi /um Ziels (Uhren naß, Ii. Laus (Olmütz), 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (53) 



Bericht der Sektion für Paläontologie und 
Abstammungslehre. 

Versammlung am 25. Februar 1911. 

Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Die Herren Privatdozenten Dr. 0. Porsch und Dr. Fr. Vier- 
bapper erstatteten Referate über neuere wichtige paläobotanische 
Untersuchungen Nathorsts. 

Versammlung am 15. März 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos A. Handlirsch. 

Prof. Dr. 0. Abel hält einen Vortrag über: 

Kämpfe, Verletzungen und Kanipfanpassunsen bei fossilen 

Wirbeltieren. 

Der Vortragende bespricht unter Vorlage zahlreicher Zeich- 
nungen. Skizzen und Photographien eine Reihe von Fällen, in 
denen Verletzungen verschiedener Körperteile fossiler Vertebraten 
vorliegen. Besonders eingehend erörtert er die verheilten Schnauzen- 
verletzungen dreier Exemplare von Choneßiphnis planirostris Cuv. 
(einem Schnabelwal aus dem Bolderien von Antwerpen etc. . Zwei 
dieser verletzten Schnauzen werden im Museum in Brüssel, die 
dritte im Britischen Museum in London aufbewahrt. Es handelt 
sich um verheilte Frakturen der Kieferknochen, die wahrscheinlich 
auf Paarungskämpfe zurückzuführen sind. 

Anknüpfend an diese Darstellung bespricht der Vortragende 
die eigentümliche Erscheinung einer Verdoppelung der rudi- 
mentären Alveolenreihe bei CJionezipltius planirostris und legt 
Photographien vor. die für seine Monographie der Ziphiiden aus 
dem Bolderien von Antwerpen bestimmt sind. Die Verdoppelung 
der Alveolenreihe hängt damit zusammen, daß das Rostrnm während 
des Wachstums eine rasch zunehmende Anschwellung der pachyo- 



(54) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



stotisch werdenden Oberseite zeigt, wobei das Zahnfleisch an den 
Seitenflächen des Rostrums hinaufgeschoben wurde. Die nur sehr 
locker in den Knochen eingesenkten Zähnchen, deren Alveolen 
überaus seicht sind, wurden infolge dieser Zahnfleischverschiebung 
aus den Kiefern herausgehoben und höher hinaufgerückt; nach Ab- 
schluß des pachyostotischen Wachstums des Rostrums begannen 
sich die nunmehr in einer parallel zur früheren Alveolarreibe, aber 
über derselben stehenden Zähnchen wieder in den Kiefer einzu- 
senken, so daß also zwei Alveolenreihen übereinander im 
Kiefer sichtbar sind, die aber nur einer einzigen Dentition 
angehören. Ein anderer Fall des Hinaufrückens der nur in sehr 
lockerem Verband mit den Kieferknochen stehenden rudimentären 
Zähne ist bei der Zahnwalgattung Cetorhynchus zu beobachten, welche 
gleichfalls der Familie der Ziphiiden angehört. Hier sind aber die 
Zähne langsam emporgerückt, so daß die Zahneindrücke in den 
Kiefern nicht unterbrochen sind wie bei ChonezipMus, daher nur 
eine einzige Alveolarrinne von allerdings stark verzogener Form 
vorliegt. 

Zu der Erörterung von Pezophaps solitarius, dem ausgestorbe- 
nen flugunfähigen Vogel (Solitär) der Insel Rodriguez übergehend, 
deren Reste der Vortragende im Museum von Cambridge im Februar 
1911 studierte, bemerkt der Vortragende, daß hier eine größere 
Zahl von Knochenfrakturen der Flügelknochen vorliegt, welche die 
Männchen bei den Paarungskämpfen erlitten haben. Von ganz be- 
sonderem Interesse ist nun das Auftreten exostotischer Wucherungen 
an den Flügelknochen (namentlich Unterarmknochen) der Nest- 
jungen derselben Art, welche ein ganz ähnliches Aussehen wie die 
Exostosen an den Frakturnarben zeigen. 

Da auch bei jugendlichen Exemplaren von Ghoneziphius 
pUmirostris die Kiefer an jenen Stellen pachyostotisch und exo- 
Itotiscfa reränderi und aufgeschwollen erscheinen, die bei drei er- 
wachsenen Exemplaren verheilte Verletzungen zeigen, so folgert 
der Vortragende aus diesem Znsammenhange, daß die Exostosen 
der PMgelknochen bei Peaophqps und die Pachyostosen und Exo- 
itoseu der Kieferknochen bei Choneaiphius als strukturelle Ver- 
änderungen anzusehen sind, die lieh vererbten und eine Anpassung 
darHtellen, die als Kampfanpassung zu bezeichnen wäre. 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (55 i 



Hierauf spricht Dr. Günther Schlesinger: „Über undula- 
torische Bewegung bei Fischen." (Diese „Verhandlungen". 
Jahrg. 1911, 7. u. 8. Heft, p. 301—322.) 



Versammlung am 17. Mai 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Herr Dr. Günther Schlesinger hält einen Vortrag: 

Über den Fund einer ostindischen Aknenforni der Elefanten 
in Mederösterreieh. 

Der Vortragende berichtet über den Fund eines Backenzahnes 
(M-^- des linken Unterkiefers) von Elephas cfr. planifrons Falconer 
aus dem pliozänen Schotter von Dobermannsdorf im Marchfelde 
(Niederösterreich). Elephas planifrons bildete sich in Indien zu 
E. Injsudricus weiter, wanderte jedoch auch in Europa ein und ist 
als der Stammvater von E. priscus, E. africanus und E. antiqum 
anzusehen; während die indische Elefantenform der Gegenwart 
(JE. Indiens) auf E. Injsudricus zurückgeht, steht der afrikanische 
Elefant mit E. planifrons in viel engerer verwandtschaftlicher Be- 
ziehung. Der Stamm der Mammute geht über E. Trogontherii auf 
E. meridionalis zurück. Bisher war Elephas planifrons aus Mittel- 
europa noch nicht nachgewiesen. 



Exkursion nach Krems an der Donau 
am 15. Juni 1911. 

Führung: Prof. Dr. 0. Abel. 

Die Exkursion, an welcher sich 25 Mitglieder und Gäste be- 
teiligten, führte von Wien nach Melk und durch die Wachau 
stromabwärts nach Krems an der Donau, wo auf einer vorbereiten- 
den Exkursion die verfallene Fundstätte der paläolithiseben Arte- 
fakte und der gleichalterigen eiszeitlichen Säugetiere neu auf- 



(56) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



geschlossen worden war. Nach einer kurzen Besichtigung des 
städtischen Museums, in welchem zahlreiche Funde quartärer Säuge- 
tierreste aus der Umgebung der Stadt sowie die Mehrzahl der 
wertvollen paläolithischen Funde der Station am Hundssteige in 
Krems aufbewahrt werden, wurde der Aufschluß besucht und die 
Nachgrabungen im Löß begonnen. Die Stadtgemeinde hatte in 
entgegenkommendster Weise die Abgrabung der steilen Lößwand 
gestattet. Neben vielen Absplissen von Feuersteinknollen wurden 
einige schöne Artefakte ausgegraben, die in einer Brandschichte 
liegen. Die ganzen Verhältnisse der Fundstelle zeigen in klarer 
Weise, daß das Jägervolk der Eiszeit, das an dieser Stelle seine 
Artefakte hinterließ, die Jagdbeute an zahlreichen Lagerfeuern 
briet und verzehrte, wie die Knochenreste beweisen, und zwar 
muß der Aufenthalt dieses Nomadenstammes längere Zeit gedauert 
haben. 

Die Situation spricht in entschiedener Weise dafür, daß die 
Mammute in Erdfallen gefangen wurden, welche an dem Wechsel 
dieser eiszeitlichen Elefanten von der Berghöhe zum Kremsfluß 
hinab angelegt wurden. Der einzige heute noch gangbare Steig 
Uber den Steilrand des rechten Flußufers bezeichnet diesen Wechsel. 
Die ersten Funde an dieser Stelle gehen bis in das Jahr 1645 zu- 
rück, in dem die Schweden bei der Anlage von Schanzgräben 
einige Zähne und Knochen von „Riesen" entdeckten. Diese seit 
1770 verschollenen Reste fand Prof. Abel im September 1911 in 
der Sternwarte des Benediktinerstiftes in Kremsmünster in Ober- 
ftgterreich wieder auf; sie waren seit der Auflassung der Jesuiten- 
kirche durch Kaiser Josef II. verschollen. Prof. P. Leonhard 
Engerer hat darüber in den Verb, der Geol. Reichsanstalt (1911) 
berichtet. 

Das Alter der Funde ist sicher interglazial, und zwar 
lallen dieselben, entgegen neueren Behauptungen, in die 
letzte Zwiscbeneiszeit. Der Löß der Hochterrasse der Donau, 
der die Funde umhüllt und bedeckt, fehlt auf der Niederterrasse 
der WftrmeUzeil und gehört dem Riss-Würm-Intcrglazial an. 
Die Artefakte zeigen Aurigaacientypus. 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstaninning slehre. (57) 



Versammlung am 18. Oktober 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos A. Handlirsch. 
Herr Prof. Dr. 0. Abel spricht: 

Über die verschiedenen Ursachen des gehäuften Vorkom- 
mens von Tierleichen in Gresteinen. 

Der Vortragende bespricht zahlreiche Beispiele des gehäuften 
Vorkommens von Tierleichen in Gesteinen (Cerithienschichten, am- 
monitenreiche Gesteine, Nummulitenkalke, Actaeonellenschichten, 
Hippuriten- und Austernbänke, Daonellenschichten, Trilobitenquar- 
zite des böhmischen Silur, Bryozoenschichten, Korallenkalke usf.) 
und erörtert an diesen Beispielen die Bedeutung der Frage, inwie- 
weit Lebensort, Todesort und Begräbnisplatz zusammen- 
fallen. Ein Beispiel dafür sind die Korallenkalke, Hippuritenriff- 
kalke, Lithothamnienkalke (als Beispiel rifTbildender Algen) und 
Austernbänke. 

In den weitaus meisten Fällen ist aber bei den fossilen Tier- 
resten der Begräbnisplatz nicht ident mit dem Lebensort und dem 
Todesort. Fälle, wo Begräbnisplatz und Wohnort nicht zu- 
sammenfallen, sind z. B. einige Foraminiferengesteine (weiße 
Schreibkreide), da ja diese Gesteine aus den Leichen der planktonisch 
lebenden Tiere bestehen, welche „wie ein ununterbrochener leiser 
Regen" (M. Neumayr) zum Meeresboden niedersinken. In diesem 
Falle handelt es sich meist um ungemein fossilreiche Gesteine, 
deren organische Einschlüsse aus einer großen Zahl von Individuen 
und einer relativ geringen Artenzahl bestehen. 

Begräbnisplatz und Todesort fallen dann zusammen, 
wenn Meerestiere von der Brandung an die Schorre geworfen wer- 
den und dort verenden. So sind die Schwärme der kleinen Fis.ch- 
art der Solnhofener Schiefer, Leptolepis spraltiformis, lebend an das 
Ufer geworfen worden und beim Ablaufen des Wassers verendet; 
die Tierchen zeigen in ihrer Körperverkrümmung deutliche Spuren 
des Todeskampfes. Hier sind also Todesort und Begräbnisplatz 
identisch, aber vom Wohnort verschieden. 

In vielen fossilreichen Küstengesteinen finden wir aber auch 
Leichenreste von Tieren, die schon als Leichen an die Küste ge- 



(58) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



schwemmt sind. In der Regel sind solche Reste vereinzelt; sie 
können aber auch in großen Mengen auftreten, wie die von den 
heutigen Meeren an das Ufer geworfenen Schalen toter Konchylien 
beweisen. Derartige Küstengesteine enthalten somit ein Gemisch 
von Tierresten, welche teils von Tieren stammen, die an Ort und 
Stelle lebten und zugrunde gingen, teils von solchen, die an anderer 
Stelle lebten, aber an der Küste zugrunde gingen und endlich von 
jenen, die weder an der Küste lebten noch dort zugrunde gingen, 
sondern bereits als Leichen an die Küste geschwemmt wurden. 

Solche Erwägungen führen zu der Frage, ob wir nicht in 
Fällen gehäuften Vorkommens von Tierleichen an sehr verschiedene 
Ursachen zu denken haben. In einigen Fällen rührt der Fossil- 
reichtum der Gesteine daher, daß sie gleichzeitig die Lebensstätte 
und den Begräbnisplatz darstellen (Riffgesteine, Austernbänke, 
Brach iopodenkalke usf.), während wohl in den meisten Fällen der 
Fossilreichtum eines Gesteins auf anderen Ursachen beruht. 

Besonders klar wird uns die Mannigfaltigkeit der Ursachen 
des Fossilreichtums einzelner Gesteine in jenen Fällen, wo eine 
Häufung von Wirbeltierleichen vorliegt. 

Häufig sind Schwärme von Fischen von Wellen an das 
Ufer geworfen worden und hier zugrunde gegangen (Leptolepis 
in den Solnhofener Schiefern; Semionotus capensis im Sandstein 
der Karooformation der Kapkolonie; Pholidophoridenschwärme in 
der Trias von Raibl in Kärnten; Palaeospondylns Ganni [wahr- 
scheinlich eine Fischlarve] im Devon Schottlands). Mitunter sind 
auch Landtiere von einer Sand- oder Schlammschichte lebend ver- 
sc Ii littet worden (die 24 Exemplare von Aäosaurus im Keuper 
Württembergs). 

In anderen Fallen erklärt sich die Häufung von Wirbeltier- 
leichen in Gesteinen daraus, daß die Tiere im Schlamm oder 
Sumpf versunken sind. Dies ist der Fall bei den zahlreichen 
Kadavern von Säugetieren und Vögeln in den natürlichen Fallen, 
irelche ron Erd wachslagern (Rancho La Brea in Kalifornien, 
Starnnifl in Galizien oder von Salzstlmpfen (Schotts) gebildet 
werden Lake Callabonna in Sttdostaastralien, Gipse des Montmartre 
in Parii in fossilen l orfmooren trifft man Wirbeltierleichen 
meist rereiftzell an /.Ii. in Ligniten, Mammul an der Kolyma- 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (59) 



Beresofka, Ur im Moor von Vig in Dänemark), doch sind auch 
Fälle größeren Fossilreichtums bekannt (Riesenhirsche in den Torf- 
mooren Irlands). 

Alte Wohn stätten wie Hyänenhorste und Bärenhöhlen aus 
der Eiszeit enthalten häufig große Mengen von Tierleichen, und 
zwar ebensowohl die Reste der Hausherren wie ihrer Beutetiere. 
In anderen Fällen scheint es sich um Sterbeplätze zu handeln, 
welche die dem Verenden nahen Tiere aufsuchten, wie es heute 
z. B. die Guanacos zu tun pflegen (vielleicht eine Erklärung für 
das gehäufte Vorkommen der Iguanodonten von Bernissart). 

Die Häufung von Walleichen in der Bucht des Neogenmeeres 
bei Antwerpen ist kaum auf andere Weise zu erklären, als daß 
Meeresströmungen von weither die auf der Meeresoberfläche 
treibenden Kadaver an dieser Stelle zusammenschwemmten. 

In anderen Fällen handelt es sich wohl umFreßplätze von 
Krokodilen und Raubtieren an Seen und Oasen (Sümpfe 
von Ambolisatra in Madagaskar; Knochenreste in den Dinosaurier- 
schichten der siebenbürgischen Oberkreide; Tierleichen an der Oase 
von Steinheim zur Miozänzeit usf.) und häufig sind wohl auch jene 
Stätten von solchen Räubern aufgesucht worden, an denen aus 
anderen Ursachen eine Anhäufung von Tierleichen erfolgte (Tier- 
fallen am Erdwachslager des Rancho La Brea; verdurstete Tiere 
an vertrockneten Oasen; durch Katastrophen vernichtete Herden 
wie in Pikermi und Drazi usf.). 

Der Vortragende wendet sich der Erörterung des Leichen- 
feldes von Pikermi in Attika zu und bespricht den wahrschein- 
lichen Hergang der Katastrophe, welcher diese Tiere zum Opfer 
fielen. Diese Katastrophe (heftige Wolkenbrüche nach langen Zeiten 
der Dürre, wobei sich die Tiere panikartig zu den Oasen drängten) 
muß sich in Attika und Euboea dreimal wiederholt haben. 

In anderen Fällen sind durch vulkanische Ausbrüche Land- 
tiere in großen Mengen getötet worden (die eozäne Bridgerfauna im 
Bridgerbecken Nordamerikas, vielleicht auch die miozäne Fauna 
der Santa- Cruz-Formation in Patagonien). Vulkanische Schlamm- 
ströme bergen häufig große Mengen von Leichenresten fossiler 
Wirbeltiere (Pitheacanthropusschichten auf Java). Ebenso haben 
submarine Eruptionen in manchen Fällen zur Vernichtung 



(00) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



größerer Mengen von Tieren geführt (Vernichtung der pliozänen 
Delphine des Kaspisees in der Apscheronstufe), 

Eindringen von Kaltwasser in Warm wassergebiete 
hat gewiß häufig den plötzlichen Tod größerer Tiermengen herbei- 
geführt (Beispiel aus der Gegenwart: Vernichtung des Lopholatilus 
chamaeleonticeps im Bereiche des Golfstromes durch Eindringen 
kalter Strömungen im Jahre 1882). Das Eindringen von Schwe- 
felwasserstoffansammlungen (Vernichtung von Austernbänken 
in Norwegen), Einbrüche von Salzwasser in Süßwasser oder 
umgekehrt (Ausbrüche der Everglades in Florida; Tötung der 
Süßwasserfische im Lijnfjord in Dänemark 1825 durch Eindringen 
von Sturmfluten), Eindringen giftiger metallischer Lösungen 
(Exhalationen von Kupferchloriden oder kupferhäJtigen Lösungen in 
das Mansfelder Permmeer, wobei die Fischschwärme getötet wur- 
den) sind Beispiele derartiger Katastrophen. 

Der Vortragende schließt mit dem Wunsche, daß der weitere 
Ausbau dieser hier nur in den Grundzügen angedeuteten Analyse 
derartiger Fragen uns über die noch ungelösten Probleme aufklären 
möchte und betont die Wichtigkeit der Lösung dieser Probleme für 
die Geologie. 

Diskussion. 

Prof. Dr. Fiebiger macht darauf aufmerksam, daß in vielen 
Fällen Krankheiten den Tod von Fischen in größeren Mengen 
herbeigeführt haben müssen und daß ebenso an Krankheiten und 
Epidemien gedacht werden muß, die ganze Herden vernichteten, 
Epidemien, die zum Teil auf bakteriologische Erkrankungen zurück- 
zuführen sein dürften. Es wäre zu erwägen, ob derartige Epi- 
demien Dicht auch in früheren Zeiten die Tierwelt dezimiert hätten. 

Prof. Dr. Abel erwidert, daß in der Tat angenommen werden 
mttM6 dafl solche Epidemien BÖ wie heute auch in der Vorzeit die 
Tierwelt betroffen haben. Indessen läßt sich der exakte Nachweis 
dafUr beute nicht erbringen und wird sich auch schwerlich jemals 
erbringen lassen. 

Eine fossile Tsetsefliege (Ulossina oligocena Sc.) ist aus dem 
Miozän Nordamerikas nachgewiesen [diese „Verhandlungen", 1908, 
p 207 : dies macht es wahrscheinlich, daß auch damals die Vcr- 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (61) 



nichtung der großen Säugetierherden in ähnlicher Weise erfolgte 
wie heute in Südafrika. Über eine Vermutung kommen wir aber 
in diesem Falle nicht hinaus. Krankheiten fossiler Tiere lassen 
sich nur dann feststelllen, wenn wir ihre Spuren an Skeletteilen 
finden; wir müssen uns darauf beschränken, die Todesursachen 
fossiler Tiere in jenen Fällen zu ermitteln, wo die Tatsachen einen 
sicheren Analogieschluß gestatten. 



Versammlung am 22. November 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos A. Handlirsch. 

Herr Prof. Dr. 0. Abel spricht über: 

Wissenschaftliche Ergebnisse der Wiener Universitätsreise 
nach Griechenland. I. Fossilfunde in Pikermi. 

Der Vortragende erörtert zunächst den allgemeinen Charakter 
Europas nach dem Rückzüge des Mittelmeeres aus Mitteleuropa 
und bespricht die dadurch bedingten klimatischen Veränderungen. 

Im Miozän herrschte in Europa eine Waldland- und Sumpf- 
landfauna. Ganz vereinzelt finden sich aber schon zu dieser Zeit 
die ersten Vorläufer der Steppenfauna, die im unteren Pliozän von 
Osten her in Europa eindringt und es rasch überflutet. Zugleich 
mit der dreizehigen Equidengattung AnchitJierium (vielleicht ein 
Sumpfwaldpferd) erscheinen im Miozän Europas die ersten Anti- 
lopen, die in den Schichten der Meeresmolasse und im Leithakalk 
des Wiener Beckens nur in dürftigen Spuren nachgewiesen sind 
und erst im oberen Miozän an Häufigkeit zunehmen; namentlich in 
Frankreich, das zu dieser Zeit bereits den Charakter eines trockene- 
ren Hochlandes anzunehmen beginnt, treten Antilopen häufiger auf. 
Max Schlosser (1904) führt Antilope clavata Lart., A. Martiniana 
Lart., A. sansaniensis Lart., Strogulognathus sansaniensisFilh., Protra- 
goceros Chantrei Dep., P. clavatus Lart. als Formen an, die im 
oberen Miozän in Frankreich lebten. 

Aber erst im unteren Pliozän schiebt sich der Keil der von 
Osten her vordringenden typischen Steppenfauna gegen Europa vor, 
die ältere Waldland- und Sumpflandfauna verdrängend. Von über 



(62) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



vierzig Fundorten ist diese Fauna bekannt; eine der reichhaltigsten 
Fundstellen ist der Bacheinriß von Pikermi am Südfuße des Pen- 
telikon in Attika, wo tausende von Wirbeltierleichen in einem roten, 
mergeligen Tone angehäuft sind. 

Der Vortragende versucht, ein Lebensbild der Pikermifauna 
zu entwerfen und betont, daß die Gruppierung der Faunen- 
elemente eine überraschende Ähnlichkeit mit der Fauna aufweist, 
welche heute die ostafrikanischen Steppen bewohnt. 

Unter den Charaktertieren der Pikermifauna ist das 
wichtigste ein dreizehiges Pferd, das der Gattung Hipparion an- 



Fig. 1. Rekonstruktion von Hipparion gracile. — Unterpliozän. 

gehört und in mehreren Arten die südeuropäischen Steppen zur 
Unterpliozänzeit bevölkerte. Der Vortragende bespricht unter Vor- 
lage der anläßlich der zweiten Wiener Universitätsreise in Pikermi 
gesammelten Funde den Knochenbau dieses Pferdes und weist nach, 
daß Misere bisherigen Vorstellungen von dem Aussehen dieses Tieres 
darehani fehlerhaft waren. Die neue Rekonstruktion von Hipparion 
graeüe (Textfig.) zeigt, inwieweit die jetzigen Kenntnisse von dem 
Skelettbane dieses Pferdes von jenen A. Gaudrys abweichen, der 
lieh in leinei Rekonstruktion durchaus an die Proportionen des 
lebenden Araberpferdes hielt Sehr charakteristisch für Hipparion 

isl jedoch der große, lateral komprimierte Schädel, der einem stark 
rorgeneigten Balse aufsaß, ferner das Schädelprofi] und die auf- 
fallend zarten und kurzen Gliedmaßen, In einigen Einzelheiten 




Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (63) 



stützt sich die neue Rekonstruktion auf den Vergleich mit lebenden 
afrikanischen Wildpferden (Streifung der Decke, Behaarung des 
Schweifes, Form der Mähne usf.). — Das Tier ist in sichernder 
Stellung rekonstruiert. 

Der Vortragende schildert nach einer Übersicht der Geschichte 
.der Ausgrabungen in Pikermi seit 1835 (Entdeckung durch den 
englischen Archäologen George Finlay) die Exkursion der Wiener 
Universitätsreise von Athen nach Pikermi, das Aussehen und die 
Profile der alten und neuen Fundstellen und legt die neuen Funde 
vor, unter denen neben zahlreichen Resten von Hipparion gracile 
und H. minus besonders die verschiedenen Antilopen auffallen (ein 
vorzüglich erhaltener Unterkiefer von Palaeoryx Pallasi, Gebisse 
und Schädelzapfen von Tragoceras 2 Spec, Palaeoreas, Gasella 
hrevicornis), ferner ein wohlerhaltenes oberes und unteres Gebiß 
von Sus erymantlüus Q, Bhinoceros pachygnathus, Hyaena eximia 
usf. Mehrere benagte und zerbissene Knochen beweisen die aas- 
fressende Tätigkeit von Macliairodus und Hyaena. 

Prof. Abel spricht dem Senat der Athener Universität, ins- 
besondere Prof. Dr. Th. Skuphos den wärmsten Dank für die Er- 
möglichung dieser Exkursion und die Überlassung der neuen, wert- 
vollen Funde an die Wiener Universität aus. 

Diskussion. 

Herr Kustos A. Handlirsch wirft die Frage auf, ob nicht 
die Häufung der Säugetierreste im Tone von Pikermi auf eine 
panikartige Katastrophe im Gefolge von Steppenbränden nach langer 
Dürre oder bei Beginn eines Gewitters hinweist. 

Herr Prof. 0. Abel erwidert, daß eine solche Annahme nicht 
ohneweiters von der Hand zu weisen ist und im Gegenteil manche 
Eigentümlichkeiten in der Vergesellschaftung der Tierleichen (Pferde 
meist in Haufen beisammen, ebenso die Gazellen und Antilopen) 
erklären würde; die Tiere halten sich bei panikartiger Flucht meist 
in Rudeln beisammen. 1 ) 

*) Nach der Sitzung erhielt ich von Dr. Th. Kormos (Budapest) einen 
Abdruck seiner wichtigen Mitteilung- über die neuentdeckte Hipparion-FaviriR 
von Polgärdi (Kom. Fejer, Ungarn), in welcher er (Földtani Közlöny, XLI. Bd., 



(64) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



Versammlung am 20. Dezember 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Herr Dr. F.König (München) spricht über: „Katastrophaler 
oder normaler Untergang und Erhaltung der Wirbeltiere 
im Liasmeere von Holzmaden." (Ein ausführlicher Bericht folgt 
in einem der nächsten Hefte.) 

Versammlung am 17. Januar 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Der Vorsitzende teilt mit, daß statutengemäß zu einer Neu- 
wahl des Vorstandes zu schreiten sei und übergibt dem Leiter des 
Generalsekretariats Herrn Rudolf Schrödinger den Vorsitz. 

Bei den Neuwahlen werden durch Akklamation gewählt, be- 
ziehungsweise wiedergewählt: 

Obmann: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Obmannstellvertreter: Herr Kustos A. Handlirsch. 

Schriftführer: Herr stud. phil. Rudolf Lohr. 

Prof. Abel übernimmt wieder den Vorsitz, dankt für die 
Wiederwahl zum Obmann der nunmehr seit fünf Jahren bestehen- 
den Sektion und teilt mit, daß die neugewählten Funktionäre be- 
reit Mini, die W ald anzunehmen. Er spricht im Namen der Sektion 
den abtretenden Funktionären Prof. Dr. L. Lorenz v. Liburnau 
und Dr, A. ßogenhofer den wärmsten Dank aus und erteilt hier- 
auf Herrn Dr. 0. Antonius das Wort. 

Herr Dr. Otto Antonius spricht über: 
Die Kassenglledernng der quartämi Wildpferde Europas. 

Wenn wir bedenken, dal» das einzige noch lebende Wild- 
pferd, das schon von l\ S. Pallas als „Hquus ferus" beschriebene, 

1911, i'. 3) die An Ich! aussprach, daß die dort begrabenen Tiere bei Überschwem- 
mt ."Ii. \V:ii<i und Etobrbritaden auf <li<- Bönen «le.s öomlyö« und SzArbergei 
fluchteten und Infolge Nahrungsmangel und Verheerung durch Raubtiere uk 

eruwle ging«!!. 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (65) 



später von N. Przewalski in der Dsungarei wiederentdeckte und 
ihm zu Ehren benannte Przewalski-Pferd auf seinem engen gegen- 
wärtigen Verbreitungsgebiet drei deutlich unterscheidbare geogra- 
phische Rassen bildet, so werden wir von vornherein annehmen 
dürfen, daß das enorm pferdereiche Europa des Quartärs mit seinen 
nach geologischem Alter und geographischer Lage so verschiedenen 
Lebensbedingungen eine größere Anzahl von Arten oder Rassen 
des Wildpferdes besessen haben muß. Tatsächlich finden wir, daß 
bereits L. Rütinieyer (17, 18) und R. Owen (14, 15), welchen 
wir die ältesten brauchbaren Studien über quartäre Pferde ver- 
danken, auf Verschiedenheiten zwischen den ihnen vorliegenden 
plistozänen Pferdegebissen — um solche handelte es sich bei die- 
sen Autoren ausschließlich — hinweisen. R. Owen (15) konnte 
aus französischen Höhlen zwei verschiedene Gebißtypen feststellen, 
nachdem er bereits früher (14) Pferdezähne aus dem englischen 
Quartär und Pliozän beschrieben und charakterisiert hatte. L. Rüti- 
meyer verdanken wir die Kenntnis der Gebißunterschiede zwischen 
quartären und pliozänen Pferden, von welchen er die ersten als 
innerhalb des Rahmens der Linnöschen Spezies Eqims caballus 
fallend „Equus caballus fossilis", die letzteren mit Cocchi „Equus 
stenonis" nennt. 

Die hohe Bedeutung der quartären Pferdereste für die Kennt- 
nis der Entwicklung des Hauspferdes führte naturgemäß dazu, daß 
sich auch Haustierforscher eingehender mit dem Gegenstand unserer 
Untersuchung befaßten. T. Franck (10) in München und M. Wil- 
ckens (23) in Wien wiesen auf charakteristische Unterschiede im 
Gebiß wie auch im Skelett zwischen orientalischen und okziden- 
talen Hauspferdrassen hin und der Franzose A. Sanson (19, 20) 
stellte nach Schädelmerkmalen acht Stammrassen des Hauspferdes 
auf. Die Kenntnis aller dieser Arbeiten ist für jeden, der sich mit 
der Frage der Entwicklung der plistozänen Equiden befaßt, ebenso 
wichtig wie ein genaues Studium der jüngeren Arbeiten Forsyth 
Majors (9) und W. Brancos (3), obwohl ersterer sich vorwiegend 
mit pliozänen Pferden, letzterer mit südamerikanischen Equiden be- 
schäftigt. Als einen Übelstand dieser ältesten Arbeiten, der ihren 
Wert etwas verringert, muß ich die Tatsache erwähnen, daß alle 
diese scheinbar so scharfen und zweifellosen Merkmale an einem 

Z. B. Ges. 62. Bd. e 



(66) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



sehr kleinen Vergleichsmaterial gewonnen wurden, bei einem grö- 
ßeren aber sehr viel undeutlicher werden. Das muß man beachten, 
wenn man auf diesen Arbeiten weiterbauen will. 

Wenden wir uns nun unter Führung jüngerer Autoren einer 
kritischen Betrachtung des Materials zu, welches inzwischen aus 
fast allen Landern Europas aufgesammelt wurde und beginnen wir 
— der mutmaßlichen Einwanderungsstraße der Equiden überhaupt 
folgend — in Rußland. Aus diesem riesigen, heute und sicher 
auch während des Quartärs überaus pferdereichen Lande kennen 
wir so wenig Reste, daß sich an ihnen kaum mehr feststellen läßt, 
als daß sie verschiedenen Pferdetypen angehört haben müssen. 
Eine genaue Charakteristik haben wir nur von einer rezenten 
Wildpferdform, dem vielumstrittenen „Tarpan". J. D. Tscherski 
(22) hat mit großer Sorgfalt die Reste dieser letzten europäischen 
Wildpferde untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß 
der „Tarpan" ein vom Przewalskipferd durchaus verschiedenes 
Tier war. Dafür ergibt sich eine oft sehr große Ähnlichkeit mit 
gewissen europäischen Ponyrassen. Auf diesen Punkt komme ich 
unten noch zurück. 

In unserer Monarchie hat sich zuerst J. N. Woldrich (24) 
mit plistozänen Pferden beschäftigt und das Material der k. k. geo- 
logischen Keichsanstalt eingehend studiert. Woldrich unterschied: 

1. Ein sehr großes 1 ) Pferd, ihm bekannt hauptsächlich durch 

Gebißreste aus Breccien — er nennt es „Eqims caballus fossilis 
Kütimeyer"; 

2, ein großes Pferd, von dem er einen stark verdrückten 
Schädel aus dem Löß von Nußdorf kannte — er beschrieb es 
wegen der dein vorigen gegenüber etwas geringeren Größe als 
w Equus cabäUus fossilis minor" und identifizierte es später mit dem 
von A Ncli ring beschriebenen norddeutschen Diluvialpferde; 

'.'>. ein mittelgroßes Pferd aus Breccien, welches er wegen ge- 
wisser Anklänge ;m ein von Forsyth Major (9) als „Equusqnag- 
goide$ u beschriebene! Pliozäopferd „Equus quaggoides afßnis" 
■ennt und 

l' li jebr.iuelie diese Ausdrücke liier immer im Sinne der Hippologcn. 



Versammlung der Sektion tür Faläontologie und Abstammungslehre. (67) 



4. ein mittelgroßes in bezug auf das Gebiß etwas primitiveres 
Pferd, ebenfalls aus der Breccie von Pola sowie aus Mähren, von 
ihm „Equus stenonis affinis" genannt. 

Dank der liebenswürdigen Unterstützung, welche ich bei 
meinen Arbeiten allseits fand, hatte ich Gelegenheit, Woldfichs 
Material und inzwischen hinzugekommene neue Aufsammlungen 
eingehender zu untersuchen und mit den reichen Sammlungen des 
paläontologischen Universitätsinstitutes, der zoologischen, geolo- 
gischen und prähistorischen Abteilung des naturhistorischen Hof- 
museums sowie mit der haustierkundlichen Sammlung der Hoch- 
schule für Bodenkultur zu vergleichen. Infolge dieses viel größeren 
Vergleichsmaterials bin ich zu Schlüssen gekommen, welche von 
jenen Woldfichs in mancher Beziehung abweichen. So halte ich 
zunächst die Begründung der beiden letztangeführten Arten für un- 
zureichend, weil sie die individuelle und Altersvariation zu wenig 
berücksichtigt. Die beiden Arten „Equus cabaUus fossilis" und 
„Equus cabaUus fossilis minor" finde ich auch an jüngerem Mate- 
rial bestätigt und werde in kurzem eine ausführliche Beschreibung 
beider Typen veröffentlichen können. Nur gegen die Woldfich- 
schen Benennungen möchte ich mich schon hier aussprechen. 
„Equus cabaUus" mag als Sammelname für die Hauspferde beibe- 
halten werden, auf ein Wildpferd aber darf er nicht Anwendung 
finden. Ein Wildpferd von der Variationsbreite des Hauspferdes 
wäre mit dem modernen Speziesbegriff vollkommen unvereinbar. 
..Ebenso gut könnte man einen fossilen Wolf Ganis f amiliar is L. 
nennen" (v. Reichenau). Auch die Bezeichnung ..Equus cabaUus 
fossilis minor" kann ich nicht billigen. Woldfich geht von der 
Ansicht aus. daß dieses Pferd mit dem im Löß Mitteleuropas so 
häufigen kleinen Pferde identisch sei. Nun ist aber dieses kleine 
Pferd durchaus nicht einheitlichen Charakters und andererseits be- 
sitzt der betreffende Schädel eine Basilarlänge von 555 mm; diese 
Zahl ist größer als an sechs von mir untersuchten Pinzgauerpfer- 
den. während vier andere Pinzgauerschädel eine größere Basilar- 
länge aufweisen. Ein „kleineres" Pferd war dieser ..minor" also 
gewiß nicht, auch wenn wir zugeben müssen, daß bei Wildpferden 
die Schädellänge im Verhältnis zur Körpergröße immer bedeutender 
ist als bei gleichgroßen Hauspferden. Der Typus dieses Pferdes ist. 

e* 



(68) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



mir bisher bekannt aus dem Löß im Nordwesten von Wien (Nuß- 
dorf, Heiligenstadt), aus Quartärstationen der Waehau (Krems) und 
aus mährischen Höhlen. Das sehr große Pferd 1 ) kenne ich in sehr 
schönen Resten aus einer glazialen Tundrabildung von Heiligen- 
stadt, ferner aus der Umgebung von Wels und aus der Umgebung 
von Krems (genaue Fundorte unbekannt); ferner gehören, wie er- 
wähnt, einige der von Woldfich beschriebenen Gebißreste hieher 
sowie zahlreiche lose Zähne und einzelne Knochen aus prähistori- 
schen Stationen. Erwähnen muß ich noch das Lößpferd von Tür- 
mitz in Böhmen, welches nicht mit dem donauländischen, sondern 
mit dem gleich zu behandelnden norddeutschen Quartärpferde tiber- 
einstimmt. 

Aus Deutschland kennen wir durch A. Nehring (12) ein 
mittelgroßes Pferd von schwerem Bau, mit starken Extremitäten 
und ziemlich schmalem, langschnauzigem Kopfe, welches nach 
Nehring im allgemeinen mit dem ursprünglichen norddeutschen 
Hauspferde gut übereinstimmt. Nehring schlägt für dieses Tier 
den Fr an ck sehen Namen „Equus robustus" und den San so n- 
schen „Equus germanicus" vor und benennt das Pferd dement- 
sprechend „Equus caballus fossilis var. germanica sive robusta". 
Seitdem geht das Tier in der Literatur gewöhnlich unter dem Na- 
men Equus (cab.) germanicus oder Equus (cab.) robusius Nehring. 
Außerdem ist aus Deutschland ein großes Pferd nach einem Gebiß 
aus dem Altplistozän von Thüringen von E. Wüst (25) als Equus 
süßenbornensis beschrieben worden. Eine ähnliche Form findet sich 
in den mit den Süßenborner gleichaltrigen Bildungen von Mosbach 
bei Wiesbaden; sie wurde von W. v. Reichenau (16) als Equus 
mosbachensis besehrieben. 

Daß aber in Deutschland neben diesen großen schweren Pfer- 
den schon im Quartär eine viel kleinere, im Schädelbau durchaus 
rerschiedene Form vorkam, beweist der Schädel aus der Rentier- 
jü^erstation von SehusHcnried in Württemberg. Herr Prof. E. Fraas 
hatte die Liebenswürdigkeit, mir die wichtigsten Maße und mehrere 
Lichtbilder des Schädels zukommen zu lassen. Aus ihnen geht voll- 

' v-i'-ii den srhftlteneo Kesten lüiit lieh eine Widerristhohe bis 1*80 cd 
aniK'hmcii! 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (69) 

kommen klar hervor, daß dieses Pferd nicht nur von Equus ger- 
manicus, sondern auch vom Przewalskipferde vollkommen verschie- 
den war, in mancher Beziehung aber an den „Tarpan" erinnerte 
und wahrscheinlich mit einem französischen Quartärpferde identi- 
fiziert werden muß. Wenn ich noch erwähne, daß U. Du erst (4,5) 
ein kleines, in bronzezeitlichen Stationen häufiges Hauspferd als 
Nachkommen eines wilden Waldponys ansieht und unter dem Na- 
men „Equus cab. nehringi" beschreibt, glaube ich die wichtigste 
Literatur über die deutschen Quartärpferde erschöpft zu haben. 

Aus der Schweiz wurde ein kleines, wohl dem Przewalski- 
pferde nahestehendes Wildpferd durch Th. S tu der (21) beschrieben. 

Während über die mitteleuropäischen Quartärpferde also ver- 
hältnismäßig viel publiziert wurde — soviel wenigstens, daß man 
sich als Fachmann ein Urteil bilden kann — , sind wir noch weit 
entfernt von einer hinreichenden Kenntnis der westeuropäischen 
plistozänen Wildpferde. Der französische Zootechniker Sanson 
(19, 20) glaubte unter den Wildpferden seiner Heimat mindestens 
zwei Typen unterscheiden zu können, welche sich auch paläonto- 
logisch nachweisen ließen. Als Typus der einen, heute noch im 
Percheron fortlebenden Form sieht er den in den Sauden von Gre- 
nelle bei Paris gefundenen Schädel an, als Typus der anderen, 
deren Nachkommen die heutigen Belgier seien, das bekannte, in 
Tausenden von Exemplaren vorhandene Pferd von Solutre. Dies 
letztere Pferd, ein kleines Tier von etwa 1*30 m Rückenhöhe, wel- 
ches mit dem Belgier gewiß nicht viel zu tun hat, wird neuerdings 
von J. C. Ewart (6, 7, 8) als Typus seines ..forest-horse" ange- 
sehen; wie ich glaube, auch nicht mit Recht, denn die Solutr6- 
fauna trägt zu deutlich das Gepräge einer Steppenfauna. Daß Wald- 
tiere übrigens nur ganz ausnahmsweise 1 ) in so ungeheurer Indivi- 
duenzahl auftreten, spricht ebenfalls gegen Ewarts Ansicht. Nach 
den osteologischen Untersuchungen von Th. Studer (21) kann es 
kaum einem Zweifel unterliegen, daß das Pferd von Solutre mit 
dem vom französischen Quartärmenschen so hervorragend wieder- 
gegebenen Przewalskipferde identisch ist. Gerade diese Zeichnungen 



*) Mir ist nur ein Fall bekannt: Die Wapitis von Jackson-hole in 
Wyoming. 



(70) Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



und Skulpturen sprechen aber auch dafür, daß neben dem unge- 
mein zahlreichen Przewalskipferde noch andere Typen vorkamen, 
nämlich ein schwererer mit dem Gepräge des Kaltbluts und ein 
leichter kurzköpfiger. Letzterer wurde von Ewart als „Equns gra- 
ciUs" bezeichnet und als Stammform der sogenannten „keltischen 
Ponies" angesehen. Zu dem kaltblütigen Typus gehört vielleicht 
der kürzlich von M. Boule (2) beschriebene Pferdeschädel aus der 
Grimaldigrotte von Mentone, wenigstens zeigt er manche Eigen- 
tümlichkeit, die sowohl bei den schweren Wildpferden Österreichs 
als auch beim modernen Kaltblut auftreten. Leider ist die Beschrei- 
bung, der sogar die wichtigsten Maßangaben fehlen, viel zu wenig 
eingehend, als daß man sich ein selbständiges Urteil über das 
interessante Stück bilden könnte. 

Aus England, Spanien und Italien ist bisher wenig quartäres 
Material bekannt geworden. Ersteres bot dem Steppenpferde, also 
weitaus dem häufigsten Typus, wohl nicht so günstige Lebensbe- 
dingungen wie der Kontinent. Aus Spanien kenne ich nur einen 
Metatarsus, der einem mittelgroßen, hochbeinigen und feingliedrigen 
Tier angehört hat. Hiemit stimmt gut überein, daß auch die ein- 
zige bis jetzt bekannte prähistorische Darstellung eines spanischen 
Wildpferdes — aus Altamira — einen solchen Typus anzuzeigen 
scheint. Die quartären Pferde aus Italien, darunter jenes von Car- 
damone, ein Zeitgenosse des FAephas anüqims, haben durch For- 
svtli Major (9) eine etwas stiefmütterliche Behandlung erfahren; 
sie werden einfach als „Equus cab. fossilis" bezeichnet, obwohl 
sich auch bei ihnen Unterschiede finden. 

Aus dem bisher Gesagten ist wohl zur Genüge klar geworden, 
daß noch jeder Autor, der sich bisher mit dieser Frage beschäftigte, 
zu einer eigenen Anschauung kam. Ich darf mir daher wohl er- 
lauben, auch ineine persönliche Ansicht, welche auf sorgfältigem 
Studium eines möglichst umfassenden und vielseitigen Vergleichs- 
materials heruht, zu entwickeln. Der besseren Anschaulichkeit halber 
bediene ich mich einer Tabelle. 

Die erstr Form in dieser Tabelle ist der „Tarpan". Ich 
schlafe an andrer Stelle den Namen /'j/mis Gmelini für dieses 
Wildpferd wu- und gebe dort ausführlicher die Gründe wieder, 
welch*' mich veranlassen, in diesen Pferden die letzten Reste eines 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (71) 



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(72) Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



wirklichen Wildpferdstammes zu sehen, weshalb ich mich hier auf 
eine kurze Charakterisierung des Tieres beschränken kann. Größe: 
zirka 133m; Kopf: groß, dick, mit kurzem, hohem Schnauzenteil, 
vorspringendem Scheitelgipfel, an der Nasenwurzel konkavem Profil, 
über welches die Augenbogen hinausragen. Anatomisch ist dies 
Pferd noch gekennzeichnet durch kurze vordere, verhältnismäßig- 
lange hintere Extremität, beide mit kurzem Mittelfuß, ferner durch 
das Vorhandensein von nur fünf Lendenwirbeln sowie durch die 
Neigung zum Verluste der hinteren „Kastanien". Die Farbe war 
bei den letzten Exemplaren mausgrau mit dunkleren Extremitäten, 
ebensolchem Rückenstreifen, Mähnen- und Schwanzhaaren. Als 
mehr oder weniger reinbliitige Nachkommen kenne ich gewisse 
sehr primitive, heute im Aussterben begriffene kleine Pferde der 
östlichen Karpathenländer, von wo aus die Tiere (offenbar mit den sla- 
wischen Einwanderern) bis Bosnien gelangten. Auch in Littauen lebt 
oder lebte ein ähnlicher Schlag, ebenso noch heute im Gouvernement 
Kiew, wie ich erst kürzlich durch mündliche Mitteilung erfuhr. 

Equus gracilis Ewart war dem Tarpan recht ähnlich und auch 
anatomisch durch die gleichen Eigenschaften charakterisiert, nur 
die von Ewart betonte Länge der Metacarpalia und Metatarsalia 
ergibt einen typischen Unterschied. Versuchen wir zunächst die 
Kopfform aus jener der domestizierten Nachkommen der sogenannten 
keltischen Ponies zu rekonstruieren, so erhalten wir einen Pferde- 
typus, der vom quartären Menschen in einigen Kunstwerken höchst 
lebendig und naturwahr wiedergegeben wurde. Fossile Keste aus 
Frankreich kenne ich bisher nicht, dagegen möchte ich den oben 
erwähnten Schädel von Schussenried zu diesem Typus stellen. 
Einen Schädel von ganz derselben Form muß das Pferd besessen 
haben, welches dem paläolithischen Künstler von Mas d'Azil vor- 
lag. Der kurze Schnauzenteil unterscheidet das Tier auf den ersten 
Blick vom l'rzcwalskipferd und nähert es andrerseits wiederum 
dem Tarpan. Equus gracilis wird von Ewart als „Dcsert- or pla- 
teauhorsc u bezeichnet, also als Bewohner wüstenhafter Hoch Steppen, 
Seine Nachkommen bewohnen in mehr minder reiner Form die 
gebirgigen Teile (Jroßbritanniens, also das schottische Hochland 
Wales T6Ü6 FOD Cornwall, Devon und Irland (Connemara). Equu^ 

ffractUi und Tarpan bilden zweifellos eine enger zusammengehörige; 



Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (73) 

Gruppe. Wir haben in ihnen wohl Nachkommen der kleinen Rasse 
des pliozänen Equus stenonis vor uns, beziehungsweise die west- 
und osteuropäische Ausprägung des gleichen alteuropäischen Pferde- 
typus 1 ). 

Durchaus verschieden von diesen kurzköpfigen und verhält- 
nismäßig feingliedrigen Tieren ist das Przewalski-Pferd. Auch diese 
Form, heute auf Innerasien beschränkt, kam noch vor 150 Jahren 
in Europa vor, wo sie noch, wie M. Hilzheimer (11) nachwies, 
von P. S. Pallas gejagt wurde 2 ). Den allgemeinen Typus des 
Przewalski-Pferdes darf ich als bekannt voraussetzen. Vom Tarpan- 
typus unterscheidet er sich sofort durch den viel langschnauzigeren 
Kopf, der bei vollwüchsigen Hengsten mehr oder weniger geramst 
ist, gedrungeneren Wuchs, stärkere Extremitäten, namentlich brei- 
tere Röhrenknochen. Gemeinsam mit ihm hat er das Vorhandensein 
von nur fünf Lendenwirbeln. Auch die Größe ist annähernd dieselbe. 
Das Przewalski-Pferd wurde von den Jägern des französischen 
Paläolithikums viel häufiger gezeichnet als Pferde anderer Typen. 
Daß es tatsächlich überaus häufig war, geht aus der ungeheuren 
Zahl fossiler Knochen hervor, welche stellenweise gefunden wurden ; 
so z. B. bei Solutre, wo die Zahl der dort ums Leben gekommenen 
Individuen auf 20.000 geschätzt wird! Daß das Solutrepferd kein 
Waldtier war, wie Ewart meint, sondern ein Steppenpferd, welches 
in seinen Größenverhältnissen vollkommen in die Variationsbreite 
des Przewalski-Pferdes fällt, habe ich bereits oben erwähnt. 



J ) Hier wäre vielleicht eine Rassengruppe anzureihen, die in den 
Schädelproportionen sehr gut, in den Körperverhältnissen dagegen gar nicht 
mit den Tarpanen und keltischen Ponies übereinstimmt. Der bekannteste Ver- 
treter dieses Formenkreises ist das Shetlandpony, ein zwerghafter Inselschlag, 
der typischeste vielleicht das norwegische Fjordpony. In ihrem Körperbau 
gleichen diese Tiere den großen Kaltblütern viel mehr als den Tarpanen. Ich 
glaube, daß wir in ihnen, obwohl sie bisher nicht wild nachgewiesen sind, 
ebenfalls eine Stammrasse vor uns haben. 

2 ) Hilzheimer hat auch gezeigt, daß Pallas als der erste Beschreiber 
des Tieres anzusehen ist. Mit dem Namen „Equus equiferus", den Hilz- 
heimer aus Pallas entnehmen zu können glaubt, kann ich mich allerdings 
nicht einverstanden erklären. Er muß richtig „Equus ferus" lauten, da die 
beiden Worte an der betreffenden Stelle offenbar nur infolge eines Druck- 
fehlers verbunden erscheinen („Equiferi in desertis" etc.). 



(74) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



Durch seinen schwereren Bau und den schweren langschnau- 
zigen Kopf erinnert das Przewalski-Pferd stark an gewisse Kalt- 
bluttypen. Noch mehr gilt dies vom Equus germanicus (Nehring, 
beziehungsweise Sanson). Leider gibt A. Nehring (12) in seiner 
bekannten Arbeit keine eingehendere morphologische Beschreibung 
des Schädels dieses Pferdes, doch ersehen wir aus ihr immerhin 
eine große Ubereinstimmung im Gesamthabitus, wie in Einzelmaßen 
mit dem alten schweren norddeutschen Pferde. Es war dies Quar- 
tärpferd knapp mittelgroß (155 m), sehr kräftig und breit gebaut, 
mit ziemlich schmalem, langschnauzigem Kopfe; im allgemeinen 
also gewissermaßen eine vergrößerte und vergröberte Ausgabe des 
Przewalski-Pferd es. Ob es mit diesem auch in der Zahl der Lenden- 
wirbel und in der Form der Kruppe tibereinstimmte, ist nicht fest- 
gestellt. Sicher ist, daß sein Blut in den schweren norddeutschen 
Pferden fortlebt. Die absolute Übereinstimmung des Türmitzer Löß- 
pferdes mit dem Equus germanicus wurde bereits erwähnt. 

Das Lößpferd des Donaugebietes zeigt dagegen bemerkens- 
werte Unterschiede. Dies ist die von Woldrich (24) „Equus cdb. 
foss. minor" genannte Form, für welche ich den Namen Equus 
WMrichi vorschlage. Eine ausführliche Beschreibung der Keste, 
unter denen ich namentlich einen sehr schönen Schädel aus Krems 
erwähne, bereite ich gegenwärtig vor. Indem ich auf diese Bear- 
beitung verweise, beschränke ich mich hier auf folgende Angaben. 
Dieses Pferd war mittelgroß (etwa 1*65 m hoch), schwer gebaut 
und besaß einen im Stirnteil ziemlich schmalen, zwischen den Or- 
biten etwas vertieften, im obersten Drittel der Nasenbeine aufge- 
triebenen Schädel mit langer Schnauze 1 ). Die Extremitäten sind 
charakterisiert durch breite Gelenke bei verhältnismäßig schmalen 
Mittelsttickcn der Röhrenknochen. Das Tier tritt vorwiegend im 
Löß auf, war also wohl ein Steppentier. Bemerkenswert ist, daß 
dieselben Lößbildungen, welche den ersten, von Woldrich be- 
schriebenen Schädel enthielten, auch Schädel- und Gebißreste von 
Bhinoceros Merchii lieferten, also interglazialen Alters sein mtissen. 
Im /Lnrignadeo von Krems findet sich das Pferd in einer Steppcn- 

1 Diäten Typni find* lob t>i* in klein«' Detail« wieder bei dem Schädel 
riaai dreyuhrigeii Doriachen Stute in meiner Sammlung. 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (75) 



fauna mit nordischem Gepräge neben Rentier, Mammut und Rhino- 
ceros antiquitatis. 

Noch bedeutend größer als dieses Tier war ein Wildpferd, 
welches ebenfalls während einer Quartärperiode den Boden von 
Wien bevölkert hat. In den jetzt aufgelassenen Heiligenstädter 
Ziegeleien fanden sich in einer glazialen Tundrenbildung an der 
Basis des Löß zahlreiche Extremitätenreste und Zähne des Tieres, 
welche durch Herrn Prof. Abel für das paläontologische Univer- 
sitätsinstitut erworben und dort von mir untersucht wurden. Ihre 
Beschreibung soll demnächst veröffentlicht werden. Das Tier, wel- 
ches ich nach meinem verehrten Lehrer Equus Äbeli nenne, er- 
reichte eine Widerristhöhe von 1-80 m bei überaus kräftigem aber 
hohem und keineswegs plumpem Körperbau und wies im allge- 
meinen die gleichen Körperverhältnisse auf wie unser einheimisches 
norisches Pferd. Außer in Heiligenstadt fanden sich Reste dieses 
Tieres bei Wels; ferner gehören die von Woldfich als „Equus 
cab. fossilis" beschriebenen Gebißreste zu dieser Form, ebenso ver- 
schiedene Reste aus mährischen Höhlen. Die Begleitfauna läßt das 
Tier bald als Tundren-, bald als Waldbewohner erscheinen. 

Diesem „Altwiener" Pferd zweifellos sehr ähnlich und nächst 
verwandt sind die großen Pferde der Waldweidefaunen von Süßen- 
born und Mosbach. Ein sehr primitives Gebiß von ersterein Fund- 
ort hat E. Wüst (25) beschrieben. Ähnlich dem Süßenborner Pferd 
war das von W. v. Reichenau (15) Equus tnosbachensis genannte 
Pferd aus den Banden von Mosbach bei Wiesbaden. Über dies 
Pferd sagt der Beschreiben „Unser großes Pferd von Mosbach ge- 
hört dem westeuropäischen Stamme an, Langschädel mit schmaler 
Stirn und gewaltigen Nasenbeinen, absolut großen Backenzähnen 
mit langen Innenpfeilern. Der Gesamthabitus kommt dem Pferde 
der leichten Reiterei nahe, d. h. im Vergleiche mit den Pferde- 
rassen liegt nur ein mittelgroßes, nicht schweres Pferd vor." Hiezu 
muß ich bemerken, daß mir eine Ähnlichkeit des Equus mosbachen- 
sis mit modernen Kavalleriepferden durchaus nicht einleuchtet. Die 
von mir im Wiener und Münchener Museum besichtigten und zum 
Teil auch näher untersuchten Reste verraten vielmehr einen schwe- 
ren Bau mit sehr kräftigen, allerdings nicht plumpen Füßen. Die 
Höhe mag etwa L65 — 170 m betragen haben. 



(76) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



Ini Anschlüsse an diese mitteleuropäischen schweren Wild- 
pferde muß ich auf die zwei oben erwähnten französischen Schädel 
ähnlichen Gepräges zurückkommen. Der erste stammt aus den 
Sauden von Grenelle bei Paris. 

Über diesen Schädel sagt Sanson (19, 20), daß er in allen 
wesentlichen Punkten mit dem Percheron übereinstimme. Wir 
dürfen daher, solange wir nicht eines besseren belehrt sind, die 
Sanson sehe Beschreibung des Percheronschädels auch auf dieses 
Wildpferd anwenden und den Schädel mit Sanson als „Equns 
(cab.) sequanius" bezeichnen. Ist diese Identifizierung, beziehungs 
weise die Angabe Sansons richtig, so gehört der Schädel zweifei 
los einer kaltblütigen Rasse an. Etwas besser sind wir über den 
zweiten Schädel, jenen von Mentone unterrichtet, von welchem ich 
bereits oben erwähnte, daß er in vieler Beziehung den Charakter 
moderner Kaltblutschädel zeigt. Da er aber einem noch nicht voll 
wüchsigen Tier (etwa l J / 2 — 2 Jahre alt) angehörte, brauche ich 
wohl nicht näher auf ihn einzugehen und kann mich beschränken 
auf die allerdings sehr summarische Beschreibung M. Boules (2) 
hinzuweisen. Daß sich unter den prähistorischen Höhlenbildern 
Frankreichs auch einige finden, welche sich ebenfalls nur auf ein 
kaltblütiges Pferd beziehen lassen, wurde bereits erwähnt. 

In diesen schweren Pferden haben wir zweifellos die wilden 
Ahnen unserer modernen europäischen Kaltblutzuchten zu suchen 
Pinzgauer, Shires, Clydesdaler und Percherons zeigen sehr oft einen 
Kopftypus wie ihn diese Wildpferde besessen haben, während Suf- 
folkfl iiihI viele Belgier mehr durch die Züchtung beeinflußt er 
scheinen. Ob wir in den kurz- und breitschädligcn Vertretern dieser 
Uasscii nicht Abkömmlinge oder Kreuzungsprodukte der kleinen 
nordischen Ponies vor uns haben, weiß ich nicht, möchte es aber 
beinahe glauben, namentlich für die Suffolks. 

Fassen wir das Gesagte zusammen, so finden wir, daß im 
Quartär Kuropas eine ganze Anzahl von Wildpferd formen 
auftritt, verschieden nach Größe, Aussehen und Schädel 
bau wir nach Verbreitung und Aufenthalt. Alle diese von- 
einander so verschiedenen Formen bilden trotzdem einen einheit- 
lichen Bquidentypof : ei sind echte Pferde im engsten Sinne. Doch 

Soden wir, wie ich zum Schlüsse noch erwähnen muß, im euro 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (7 7) 



päischeu Quartär neben ihnen auch Angehörige einer anderen 
Equidengruppe, nämlich asiatische Wildesel, sogenannte Halbesel 
oder Kulane (Equus hemionus Pallas). Der Löß von Heiligenstadt 
hat auch Reste dieser Tiere geliefert, welche früher schon aus der 
Schweiz, Deutschland und Osterreich nachgewiesen waren. Wo 
Extreinitätenreste des Hemionus vorliegen, ist die Bestimmung nicht 
schwer. Der Halbesel besitzt unverhältnismäßig lange und schlanke 
Metacarpalia und Metatarsalia. Schwieriger ist die Unterscheidung 
der Zähne. Von prähistorischen Bildern kenne ich nur eines, wel- 
ches bestimmt den Hemionus darstellt: das von J. Nüesch (13) 
publizierte aus dem Schweizersbild bei Schaffhausen. 

Das wiederholt behauptete Vorkommen von Zebras im Quar- 
tär Europas ist bisher nicht nachgewiesen, auch unwahrscheinlich. 
Wenn man beobachtet, wie verhältnismäßig „einfarbig" Zebras in 
ihrem langhaarigen Winterkleid erscheinen, welches sie in Europa 
anlegen, wenn man sie im Winter im Freien hält, dann kommt 
man geradezu zur Überzeugung, daß es eben die „Eiszeit" war, 
welche aus den gestreiften Ahnen der nordischen Pferde einfarbige 
Tiere gemacht hat. 

Reste echter Esel wurden wiederholt aus dem europäischen 
Plistozän beschrieben, zuletzt von Boule (2). Immer aber gründen 
sich diese Angaben auf einzelne Zähne, welche zur einwandfreien 
Bestimmung von Equiden in den seltensten Fällen ausreichen. So 
können wir auch diese Form nicht als sicher nachgewiesen be- 
trachten. 

Verzeichnis der zitierten Literatur. 

1. Boule M., Observations sur quelques Equides fossiles. — Bull. Soc. geo- 

log. de France 1899. 

2. Derselbe, Les Grottes de Grimaldi. Tome I, Fase. II. Monaco, 1906. 

3. B ran co W., Über eine fossile Säugetierfauna von Punin etc. — Paläont. 

Abhandl. v. Dames u. Kayser, 1. Bd., 1883. 

4. Du er st IL, Die Tierwelt der Ansiedelungen am Schloßberg b. Burg an 

der Spree. — Archiv f. Anthrop., N. F., Bd. II, 1904. 

5. Derselbe, Animal Remains from the excavation of Anau. — Publ. Car- 

negie Inst. Washington, 1910. 

6. Ewart J. C, The multiple origin of horses and ponies. — Repr. Trans. 

Highl. Agr. Soc. Scotld., 1904. 



(78) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



7. Ewart J. C, On skulls of horses etc. — Trans. Roy. Soc. Edinburgh, 

Vol. 45, Pt. III, 1907. 

8. Derselbe, The possible ancestors of horses etc. — Science, N. s., Vol. 30, 

1909. 

9. Forsyth Major J. C, Beiträge zur Geschichte der fossilen Pferde, insb. 

Italiens. — Abhandl. Schweizer paläont. Gesellsch., 1877, 1880. 

10. FranckT., Beiträge zur Rassenkunde unserer Pferde. — Landwirtschaft!. 

Jahrbücher, 1875. 

11. Hilzheimer M., Was ist Equus equiferus Pallas? — Naturw. Wochen- 

Bchr., N. F. VIII, Nr. 51, 1909. 

12. Nehring A., Fossile Pferde aus deutschen Diluvialablagerungen. — 

Landvvirtschaftl. Jahrbücher, 1884. 

13. Nüesch J., Das Schweizersbild. — Neue Denkschr. Allg. Schw. Gesell- 

schaft f. Naturwissensch., Bd. 35, 1902. 

14. Owen R., A history of British fossil Mammalsand Birds. London, 1846. 
lö. Derselbe, Description of the cavern of Bruuiquel. — Philos. Transactions 

London, 1869. 

16. Reichenau W. v., Revision der Mosbacher Säugetierfauna. — Notizbl. 

d. Vereins f. Erdkunde etc. Darmstadt, IV. Folge, Heft 31, 1910. 

17. Rütimeyer L., Beiträge zur Kenntnis der fossilen Pferde etc. — Ver- 

handl. Naturf. Gesellsch., Basel, 1863. 
ls. Derselbe, Weitere Beiträge zur Beurteilung der Pferde der Quaternär- 
epoche. — Abhandl. Schweizer Paläont. Gesellsch., 1875. 

19. Sanson A., Tratte" de Zootechnie, Tome III, Paris, 1884. 

20. Derselbe, Nouvelle determination des especes chevalines du genre 

Equus. — Comptes Rendus de l'Acad. de Sciences, Vol. 49, 1873. 

21. St uder Th., Die Knochenreste aus der Höhle Keßlerloch b. Thayngen 

— Denkschr. Schweizer Naturf. Gesellsch., 1904. 
--. Tscherski J. D., Wissenschaftl. Resultate der von der kais. Akad. 

Wissensch, zur Erforschung des Janalandes und der neusibir. Insel 

:uis«r«'s;iiMlten Kxpcdition, postpliozäne Säugetiere. — Mein. Acad. Im 

St. Petersbourg, 1893. 
BS« \v 1 1 c k e ii i M ., Beiträge zur Kenntnis des Pferdegeblsses. — Nova act 

Lrop. Carol. Acad. Halle;, 1888. 
2\. \V <> I dfich .1. N , Beiträge zur Fauna der Breecion etc. — Jahrbuch d 
k. k. (i<-o|. KeichsauHt., 1882. 

8§« Wut EL, Untersuchungen Uber dai Pliozän u. älteste Plistozän ThtH 
ringens, Abhandl Naturf. Gesellsch, Halle, pjog. 



Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (79) 



Hierauf spricht Herr Prof. Dr. 0. Abel: 

Über eine im Erdwachs Ton Starunia in Galizien gefundene 

Nashornleiche. 

In Starunia (Bohorodczany-Kreis in Ostgalizien) wurde in einer 
Erdwachsgrube im Oktober 1907 ein Mammutskelett 1 ) entdeckt, 
dessen Knochen teilweise noch mit dem Periost überzogen und 
durch Bänder zusammengehalten waren; die Haut (ein 320 cm 
langes Stück samt einem Ohr) war gut konserviert, doch waren 
die Haare ausgefallen, von denen zahlreiche in der Erdwachsschichte 
klebten. Die Leiche wurde leider zerstört, bevor die Nachricht von 
dem Funde in wissenschaftliche Kreise gedrungen war; erst am 
20. Oktober 1907 übernahm Prof. M. R. v. Lomnicki die weitere 
Leitung der Ausgrabungen, wobei außer den noch vorhandenen 
Resten des Mammuts ein Frosch, ein Vogel, viele Insekten und 
Mollusken, zahlreiche Pflanzenreste und endlich ein mit Haut und 
Weichteilen erhaltener Kadaver von Rhinoceros anüquitatis gerettet 
wurden. Die Funde gelangten in das gräflich Dzieduszy ckische 
Museum in Lemberg. 

Die Mammutleiche lag in einer Tiefe von 8'5 m unter der 
Oberfläche, der Nashornkadaver 5 m tiefer. 

Wie bei der Mammutleiche fehlten auch dem Nashornkadaver 
die Haare; es konnten aber auch in der Erdwachsschichte keine 
Spuren der Haarbekleidung gefunden werden. Ebenso waren merk- 
würdigerweise auch die Hörner sehr stark beschädigt und nur die 
aus langen Hornfasern zusammengesetzten zentralen Partien erhalten. 
Der Schädel ist ausgezeichnet konserviert; die Zunge, Augäpfel, 
Knorpel und Schleimhäute der Nase, ferner der Kehlkopf waren 
ebenso wie die Muskulatur erhalten, nur fehlten das rechte Ohr 
und die Unterlippe. 



x ) E.Lubicz Niezabitowski: Die Haut- und Knochenreste des in Starunia 
in einer Erdwachsgrube gefundenen Mammutkadavers (Elephas primigenius). 
— Vorläufige Mitteilung. Bull. Acad. Sei. Cracovie, Ser. B. Sciences naturelles, 
April 1911, p. 229—239, PI. VII. — Die Überreste des in Starunia in einer 
Erdwachsgrube mit Haut und Weichteilen gefundenen Rhinoceros anüquitatis 
Blum, (tichorhinus Fisch.). — Vorläufige Mitteilung. — Ibidem, p. 240—267, 
PI. VIII-X. 



(80) Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



E. Lubicz Niezabitowski hat diesen Fund in einer vor- 
läufigen Mitteilung* beschrieben. Nach seinen Untersuchungen ge- 
hörte der Kadaver einem jungen Tiere an, bei welchem die Milch- 
molaren noch in Funktion standen und der zweite obere Molar 
eben im Durch bruche begriffen war. 

Die Länge des erhaltenen Hautrestes beträgt 2 84 m; nur die 
linke Körperseite der Haut ist erhalten. Die Hautoberfläche war 
glatt und nicht in Felder geteilt. 

Der linke Vorderfuß ist vollständig zerquetscht und war bis 
unter das Ellbogengelenk in den Körper hineingedrückt. 




Fig. 2. Rekonstruktion von Rhinoceros antiquitatis juv. nach dem Funde 

bei Starunia. 

Dieser Fund bildet eine wesentliche und sehr wertvolle Er- 
gänzung des Wiluifundcs; dieses Exemplar von Ithinoceros anti- 
quitatis bestand aus dem Schädel ohne Ohren, Oberlippe und 
Hörnern sowie aus den Hinterfüßen. Der Staruniafund hat unsere 
Kenntnis«- von dein Aussehen und der Körpergestalt des vollhaari- 
gen Nashorns derart ergänzt, daß nur noch der Schwanz un- 

bekannt ist. 

Wir lind nunmehr in der Lage feststellen zu können, daß 
das Jana Nashorn ( 7//(/i/«wos Mcrr'h 't 'i) wesentlich anders aussah 
wie /,'//. antiquitatis und daß siefa die letztere Art in ganz auf- 
fallender Weise dem Aidodm simus nähert. Wie E. Niezabitowski 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (81) 



festgestellt hat, stimmt Bli. antiquitatis mit A. simus in folgenden 
Merkmalen überein: 

Der Kopf ist stark verlängert, die Oberlippe gerade und ohne 
Fortsatz; der Mundwinkel reicht nicht weiter nach hinten als das 
Hinterende des Nasenloches; die Augen- und Jochbogengegend, der 
Halsbuckel und die kurzen Beine sind beiden Formen gemeinsam. 
Das wollhaarige Nashorn unterscheidet sich jedoch von A. simus 
durch die schmälere Schnauze, die schmalen und stark zugespitzten 
Ohren und das Fell. 

Wir sind somit in der Lage, dieses Tier fast in allen Punkten 
genau rekonstruieren zu können; ich habe diesen Versuch unter- 
nommen, wobei zu berücksichtigen war, daß das Starunia-Nashorn 
ein junges Tier war; bei alten Bullen sind die Hörner weit länger 
und der Schädel im Verhältnis zum Rumpfe kleiner als bei dem 
Starunia-Exemplar. 

Es ist wohl kein bloßer Zufall ; daß sowohl das Mammut als 
das Nashorn von Starunia jugendliche Individuen sind. Die- 
selbe Erscheinung ist bei den Huftieren aus der Erdwachsfalle des 
Bancho La Brea in Kalifornien beobachtet worden; weitaus die Mehr- 
zahl der Skelette der im Asphaltsumpf verendeten Huftiere stammten 
auch hier von jugendlichen Individuen. 

Dies ist ganz gut verständlich da wir ja wissen, daß alte, 
erfahrene Tiere viel scheuer und vorsichtiger sind als junge und 
sich nicht leicht in Gefahren begeben, die in Starunia und am 
Rancho La Brea den im Sumpf einsinkenden Tieren den Tod 
brachten. 

Diskussion. 

Herr Kustos A. Handlirsch wirft die Frage auf, ob nicht 
die auffallende Zerstörung der Epidermalbildungen (Hörner und 
Haare) beim Starunia-Nashorn darauf zurückzuführen sein könnte, 
daß das Tier durch einen Brand des Erdwachssumpfes versengt 
wurde. 

Prof. 0. Abel möchte sich dieser Auffassung aus dem Grunde 
nicht anschließen, weil auch die Haut des Mammutkadavers von 
Starunia der Haare beraubt war, von denen sich zahlreiche im Erd- 
wachs vorfanden; dieser Kadaver ist aber offenbar unter den gleichen 

7, R. Ges. 62. Bd f 



(82) Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



Umständen wie das Nasborn verendet. Die gute Erhaltung der 
Insekten. Pflanzen, des Frosches usw. scheint gegen die Annahme 
eines Erdwachsbrandes zu sprechen. 



Versammlung am 21. Februar 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. 0. Abel. 

Prof. Dr. Karl Diener spricht über: 
Verbreitung und Lebensweise der Aninioniten. 

Die altere Auffassung, daß die Ammoniten nektonische Tiere, 
gewissermaßen die freien Beherrscher der mesozoischen Meere, ge- 
wesen seien, ist seit der Entdeckung der benthonischen Lebens- 
weise des rezenten Nautilus von vielen Paläontologen verlassen 
worden. Hyatt, Walther, Ortmann, Haug, Philippi, Pom- 
pe ckj sind für eiue benthonisch-kriechende Lebensweise der weit- 
aus tiberwiegenden Mehrzahl der Ammoniten eingetreten. 

Es darf jedoch bezweifelt werden, ob die älteren Nautiliden 
typische Kriecher waren, da die relative Schwäche der Arme des 
rezenten Nautilus und die Beschaffenheit seines Kopffußes nicht 
dafür sprechen, daß er die benthonisch-kriechende Lebensweise von 
seinen Vorfahren ererbt habe. Die gekammerte. mit Gas erfüllte 
Schale konnte als hydrostatischer Apparat wohl nur bei ursprüng- 
lich schwimmender Lebensweise erworben werden. Das streng 
bilateral-symmetrisch gebaute gekammerte Gehäuse haben die Am- 
moniten mit Bevorzugung der Spiralen Einrollung von ihrem ersten 
Auftreten bis zu ihrem Erloschen bewahrt. Einrichtungen, die der 
Funktion der Schale als hydrostatischer Apparat entgegenwirken, 
wie sie bei vielen Nautiloideen als Anzeichen einer veränderten 
Lebensweise gelten dürfen, fehlen bei den Ammoniten. Hätten die 
Amnioniten trotzdem in ihrer Hauptmasse ein benthonisches Leben 
geführt, so würden sie einerseits ein für das Schwimmen, Schweben 
und Aufsteigen im Wasser bestimmtes, bilateral-symmetrisches, ge- 
kammertes Gehäuse mit medianer Lage des Sipho lange Erdperio- 
den hindurch unverändert erhalten haben, ohne davon entsprechen- 
den Qebimaell zu machen und wären andererseits trotz ihrer 



Versammlung der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



kriechenden Lebensweise nicht imstande gewesen, die Schale durch 
Abplattung oder Schrägstellung umzugestalten. 

In der Organisation der Ammoniten spricht vieles für eine 
schwimmende Lebensweise, so die dünnen Schalen, die hohlen 
Dornen zur Erleichterung des Schwebens, die Hohlkiele zum Durch- 
schneiden des Wassers, die Abwesenheit einer massiven Skulptur. 
Die gebrechlichen Fortsätze an den Mündungsrändern oder die 
kaputzenformigen Peristome mancher Ammoniten sind mit einer 
kriechenden Lebensweise schwer vereinbar. Auch ein kriechendes 
Leben großer Ammoniten auf schlammigem Boden, wie es aus 
deren Vorkommen in feinkörnigen Tonsedimenten sich ergibt, isj; 
keineswegs ihrer Organisation gemäß. 

Immerhin dürfte eine Anzahl von Ammoniten keine frei- 
schwimmende Lebensweise geführt haben, so alle Arten mit einem 
in der Schneckenspirale eingerollten Gehäuse, wahrscheinlich auch 
die meisten der sogenannten Nebenformen, die die normale Schalen- 
einrollung aufgegeben haben, endlich solche, bei denen sich eine 
Verschiebung des Sipho aus der Medianlinie und eine Asymmetrie 
der Suturlinie auf beiden Seiten des Gehäuses bemerkbar macht. 
Dagegen scheint der Versuch Solgers, auch die Reduktion in der 
Zerschlitzung der Lobenlinie bei Ammoniten wie Tissotia durch 
einen Übergang von der frei schwimmenden zur benthonisch- 
kriechenden Lebensweise zu erklären, durch die Tatsachen nicht 
genügend gestützt. 

Für die Hauptmasse der Ammoniten dürfte mit Benecke und 
Frech an der Annahme einer schwimmenden und schwebenden 
Lebensweise festzuhalten sein, doch darf man nicht an ozean- 
beherrschende Schwimmer denken, deren Verbreitung von den Ver- 
lauf der alten Küstenlinien vollständig unabhängig war. Der 
Waith ersehen Verfrachtungshypothese der leeren Schalen kann 
nur eine ganz untergeordnete Bedeutung zuerkannt werden. In der 
Regel muß der Lebensbezirk der Tiere mit dem Orte zusammen- 
fallen, wo wir die fossilen Schalen antreffen. 

Als ausgezeichnete Faziestiere, wie Deninger meint, sind die 
Ammoniten wohl nicht anzusehen, im Gegenteil zeigen die meisten 
eine auffallende Unabhängigkeit von der sie umschließenden Ge- 
steinsfazies. Darin liegt ein Beweis für eine von der Beschaffen- 



( 84) Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. 



heit des Meeresbodens unabhängige, sonach nicht benthonische 
Lebensweise. 

Diskussion. 

Prof. Dr. F. E. Sueß macht auf die Bedeutung der Aptychen- 
kalke für die Frage des Fossilwerdens der Ammoniten aufmerksam. 

Prof. Dr. K. Diener weist darauf hin, daß die Aptychenkalke 
eine Tiefseebildung seien, in der es zur Auflösung der Ammoniten- 
gehäuse ähnlich wie in den Adnether Schichten gekommen sei, wo 
die Ammonitenschalen stets nur auf der Unterseite erhalten sind, 
die im Schlamme lag und auf diese Weise vor der Auflösung ge- 
schützt war. 

Hofrat Prof. Th. Fuchs erörtert eingehend die Ursachen der 
Auflösungs Vorgänge in größeren Meerestiefen. Aus Aragonit be- 
stehende Organismenreste werden aufgelöst, während die aus Kalk- 
spat aufgebauten Skeletteile erhalten bleiben. Ammonitenschalen 
bestehen aus Aragonit, die Aptychen aus Kalkspat; daher blieben 
in Ablagerungen aus größerer Meerestiefe, wo die Lösungsvorgänge 
stärker einsetzten, nur die Aptychen erhalten. 

In der weißen Schreibkreide sehen wir denselben Vorgang. 
Nie trifft man in derselben aragonitschalige Konchylien wie Ga- 
steropoden und die meisten Bivalven, dagegen in großer Zahl die 
Schalen von Lima, Pecten, Janira, Austern u. s. f., die aus Kalzit 
bestehen. Kbcnso sind die Kostren der Belemniten und die Echino- 
dermenreste in der Schreibkreide wohl erhalten, die bekanntlich 
einen erhärteten Foraminiferenschlick darstellt. Daß aragonitschalige 
] iere im Bereiche dieses zur Schreibkreide erhärteten Globigerinen- 
sehlieks lebten, aber ihre Schalen aufgelöst wurden, beweisen 
Abdrücke, die auf Austernschalen der Schreibkreide gefunden 
worden sind. 

Nachdem Doch Prof. 0. Abel, Prof. K. Diener und Hofrat 
Prof. Th. Fuchs zu dieser Frage gesprochen haben, tritt Dr. J. 
v. Pia für eine vorwiegend benthonisehe Lebensweise der Am- 
moniten ein und besprich! namentlich die Lias-Arictiten von diesem 

fteaichtipnnkte. 

Hofrat Prof. Th. Fuchs weist darauf hin, daß Nautilus in 
großen Sehwärmen und nicht vereinzelt lebt, 



Versammlung- der Sektion für Paläontologie und Abstammungslehre. (85) 



Nach einer kurzen Erwiderung von Prof. K. Diener, in 
welcher er sich gegen die Auffassung einer benthonischen Lebens- 
weise der Liasammoniten wendet, schließt der Vorsitzende die Dis- 
kussion. 



Referate. 

Rechiiiger, Dr. Karl. Botanische und zoologische Ergebnisse einer 
wissenschaftlichen Forschungsreise nach den Samoa-Inseln, dem 
Neuguinea-Archipel und den Salomons-Inseln. IV. Teil. Bearbeitung 
der Ausbeute an marinen Diatomaceen sämtlicher bereister Gebiete, der 
Lichenen (Flechten) des Neuguinea-Archipels, der hawaiischen Inseln und 
der Insel Ceylon, des I. Teiles der Crustaceen (Decapoda, Brachyura) von 
Samoa, nebst einem II. Nachtrag zu den Hepaticae der Samoa-Inseln. 65 S. 
Mit 3 Tafeln und 5 Textfiguren. (Aus den Denkschriften d. math.-nat. Kl. 
d. kais. Akad. d. Wissensch, in Wien, Bd. LXXXVIII, 1911.) 

Als Bearbeiter haben sich an dem vorliegenden Teile der Publikation 
beteiligt: H. und M. Peragallo (Bordeaux) für die Diatomeen, A, Zahl- 
bruckner (Wien) für die Flechten, F. Stephani (Oetzsch bei Leipzig) für 
die Lebermoose und 0. Pesta (Wien) für die Crustaceen. 

Diatomeen hatte Rechinger nicht speziell gesammelt. Jedoch ergab 
die Untersuchung einer Schlammprobe von der Insel Buka (Salomons-Inseln), 
ferner die Durchmusterung der Abfälle von Muscheln, Korallen u. dgl. aus 
Oahu (Hawaii) und aus Apia (Samoa) eine große Menge von Arten, die, nach 
Fundorten getrennt, von H. und M. Peragallo aufgezählt werden. Neue 
Formen fanden sich aus den Gattungen Actinoptychus, Nitzschia, Plagio- 
gramma, Achnanthes, Amphora, Coscinodiscus, Diploneis, Navicula, Bhapho- 
neis, Triceratium, Anorthoneis und Trachysphenia. Die Schalen der meisten 
neuen Formen sind auf zwei Tafeln abgebildet. 

Die Bearbeitung der Flechten ergab folgende neue Arten: 1. Aus 
dem Neuguinea-Archipel Arthopyrenia oceanica Zahlbr., Pseudopyrenula py- 
renuloides Zahlbr., Arthonia Rechingeri Zahlbr., Arthonia oceanica Zahlbr., Ar- 
thothelium lunulatum Zahlbr., Graphis JBougainvillei Zablbr., Graphis modesta 
Zahlbr., Tapellaria gilva Zahlbr., Microphiale argyrothalamia Zahlbr., Lep- 
togium subcerebrinum Zahlbr., Pertusaria Rechingeri Zahlbr., Buellia corallizans 
Zahlbr.-, 2. von den hawaiischen Inseln Sarcographa Rechingeri Zahlbr. und 
Parmelia Kilaueae Zahlbr. ; 3. aus Ceylon Buellia ceylanensis Zahlbr. Hiezu 
kommen noch einige neue Varietäten. Zahlreiche kritische Bemerkungen er- 
höhen den Wert der Lichenenbearbeitung. 

Von Lebermoosen werden in dem vorliegenden Nachtrag 19 Arten auf- 
gezählt, durchwegs Jungermanniales. Für die Wissenschaft neu sind 4 Arten 
der Gattung Mastigobrium (M. confertissimum Stephani, falcifolium Stephani, 



(86) 



Referate. 



integristipulum Stephani und Upolnense Stephaui) und 2 Arten der Gattung 
Sehistochila (S. Samoana Stephani und truncatiloba Stephani). 

Die mit einer prächtigen Farbentafel geschmückte Bearbeitung der Bra- 
ehyuren umfaßt 43 Arten, welche Rechinger aus Samoa mitbrachte. Neues 
war nicht darunter. Die Bearbeitung Pestas ist aber dadurch sehr wertvoll, 
daß sie die gesammelten Formen genau beschreibt, die Synonymie sorgfältig 
zusammenstellt und außerdem aus der reichhaltigen Sammlung des Wiener 
Hofmuseums eine große Menge von anderen Standorten mitteilt. Vertreten 
sind die Gattungen Calappa, Matuta, Tylocarcinus, Parthenope, Lambrus, 
16 Gattungen von Xanthideu, 2 von Potuniden, 2 von Ocypodiden, 7 von Grap- 
siden und Cardisoma. Abgebildet ist je eine Art von Matuta, Lophozozymus, 
Uca, Carpilius und Lybia. Fritsch (Graz). 

Hayek, Dr. A. v. Flora von Steiermark. Eine systematische Bearbeitung 
der im Herzogtum Steiermark wildwachsenden oder im großen gebauten 
Farn- und Blutenpflanzen nebst einer pflanzengeographischen Schilderung 
des Landes. Mit Benützung eines vom naturwissenschaftlichen Verein für 
Steiermark angelegten Standortskataloges bearbeitet. Spezieller Teil — 
I. Band. Berlin, Gebr. Borntraeger, 1908—1911. Gr.-8. 1271 S. 

Die erste Hälfte des Werkes, dessen erste Lieferung bereits in diesen 
„Verhandlungen" besprochen wurde, liegt nunmehr vollendet vor. Das damals 
Gesagte gilt für das ganze Werk, denn es ist vollständig einheitlich gear- 
beitet. Die systematische Einteilung möchte der Referent als mustergiltig be- 
zeichnen, wenngleich er noch einige der wenig praktischen Subspezies als 
Spezies angeführt hätte. Die Verbreitungsangaben sind sehr ausführlich, er- 
schöpfend und kritisch gesichtet, die allgemeiner gehaltenen, z. B. über Höhen- 
grenzen für manche Waldbäume, scheinen allerdings, wenn man nach pflanzen- 
geographisch gründlich durchgearbeiteten angrenzenden Gebieten Schlüsse 
ziehen darf, zum Teil erweiterungsbedürftig zu sein. Die Beschreibungen sind 
für eine Landesflora an Inhalt gerade richtig gefaßt-, sie sind wohl durchwegs 
originell und bringen daher manche Verbesserungen gegenüber den älteren 
Beschreibungen, die oft die Variabilität keineswegs erschöpfen oder direkt 
fehlerhaft Bind, aber trotzdem noch gerne abgeschrieben werden. Die Literatur! 
zitate lind allzu ausführlich für eine Kronlandsflora; daß z. B. Trelease, Re- 
vision of the american species of Kpilobium von Interesse für jene ist, die 
-i< li mit Btnri.-eben Kpilobien befassen, möchte Referent bezweifeln. Durch 
grtffiere Kürze und etwas kleinereu oder doch engeren Druck hätte ohne 
Nachteil für den Inhalt der Umfang stark und der Preis etwas verringert 
Verden können, Für Anfänger dient ein klarer und — was für kleinere 
Plorenfebietc sich leicht durchfuhren läßt und öfter gemacht werden sollte 
größtenteils nach Äußerlichen Merkmalen gearbeiteter Schlüssel zum Be- 
stimmen <\>v Familien weiter ebensolche Schlüssel zum Bestimmen der Gat- 
tungen und der Arten. Von den Abbildungen sind solche wie die Eumex- 

Fruchtperigone 'Abb. 90) (»der die Heracbum-Bl&ttei (Abb. 39) sehr brauch- 



Referate. 



(87) 



bar; solche Abbildungen hätten aber, wenn schon damit begonnen wurde, 
schwer zu beschreibende Artunterschiede zu illustrieren, viel mehr gebracht 
werden sollen. Dagegen haben morphologisch-anatomische Details, wie z. B. 
der „Grundriß einer weiblichen Teilinfloreszenz von Humulus Lupulus", ein 
Gemische aus einem Diagramm und einer Abbildung (Abb. 25), oder der 
Obturatur einer Euphorbia (Abb. 27) mit dem Zwecke einer Flora sehr wenig 
zu tun • die Ochrea eines Polygonum (Abb. 26) oder das Fruchtperigon eines 
Thesium (Abb. 25) wird jeder auch ohne Abbildung verstehen. Solche Illustratio- 
nen finden sich allerdings in den späteren Lieferungen nicht mehr. Folgende 
neue Spezies und Subspezies sind unter Beifügung lateinischer Diagnosen be- 
schrieben: Salix Krasanii (angustifolia [nicht = repens] X aurita), Cerastium uni- 
üorum var. (wohl besser mindestens ssp.), Hegelmeieri Corr., Scleranthus alpe- 
stris, Bianthus Hoppei Portenschi., Nandus (Rchb.) Hay., Draba ficta Cam. 
(aizoidesX Sauteri), D. Sturii Strobl (Fladnitzensis X tomentosa), Viola alpe- 
stris ssp. Paulini, Linum catharticum ssp. Suecicum, Geranium phaeum ssp. 
Austriacum (Wiesb.), Sempervivum Pernhofferi (Stiriacum X Wulfeni), S. 
Stiriacum Wettst., S. Noricum (arachnoideum X Stiriacum), eine größere An- 
zahl von Bubus-Arten und .Rosa-Subspezies, Ononis latifolia (Neilr.), Hera- 
cleum Stiriacum. Wertvoll ist auch die Bearbeitung der in Steiermark kulti- 
vierten Rassen von Obst- und Gemüsepflanzen, w T o solche vorhanden sind, 
unter Verwendung der wissenschaftlichen Namen, wo sie fehlen, unter den 
landesüblichen Namen. Wir finden sie in größerer Zahl bei Beta vulgaris, 
Vitis vinifera, Pyrus Malus, P. communis, Prunus insititia, P. Italica Borkh., 
die als domestica X insititia gedeutet wird, P. avium und anderen. Die Nomen- 
klatur entspricht vollkommen den neuen Regeln; die Anwendung von JSFym- 
phaea für Nuphar widerspricht jedoch dem Verwechslungs- und Irrtümer- 
paragraphen, der Name muß ganz fallen gelassen weiden. Alles in allein ist 
das Werk entschieden eine der brauchbarsten und besten Floren. 

Handel-Mazzetti. 

Kubart B. Cordas Sphaerosiderite aus dem Steinkohlenbecken Rad- 
nitz-Bfaz in Böhmen nebst Bemerkungen über Chorionopteris 
gleichenioides Corda. (Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch, in Wien, 
Bd. CXX, 1911, Abt. I, p. 1035—1048, 2 Tafeln.) 

Die von Corda untersuchten Sphaerosiderite aus dem limnischen Kohlen- 
becken von Radnitz-Braz bestehen der Hauptsache nach aus Kieselsäure, sind 
folglich als Kieselknollen zu bezeichnen, während die wenig älteren Knollen 
aus dem paralischen Ostrauer Kohlenrevier nur Spuren von Kieselsäure ent- 
halten und der Hauptsache nach aus kohlensaurem Kalk und kohlensaurer 
Magnesia bestehen. Verfasser konnte Bruchstücke der Cordaschen Original- 
knollen auf Dünnschliffen untersuchen und so mehrere der von Corda be- 
schriebenen Arten nach besseren Methoden nachuntersuchen. Hiebei gelang 
ihm der Nachweis, daß der Farnsorus Chorionopteris gleichenioides, über welchen 
bisher sehr verschiedene Ansichten geäußert worden waren, zu der Farnrhachis 



(88) Referate. 

Calopteris dubia gehört. Von den zahlreichen vom Verfasser m den Ostrauer 
Knollen bereits aufgefundenen Arten ist keine einzige mit einem Radnitzer 
Fossil identisch, namentlich fehlt die in Ostrau durch zwei häufige Arten ver- 
tretene Gattung Lyginodendron in Radnitz vollständig. Die auffällige Ver- 
schiedenheit beider Floren wird damit in Zusammenhang gebracht, daß die 
Ostrauer Kohlenfelder eine paralische Bildung sind, das Radnitzer Kohlen- 
becken dagegen aus Siißwassermooren hervorgegangen ist. Aus den Ostrauer 
Knollen werden zwei neue Arten namhaft gemacht, Lyginodendron lacunosum 
Kubart und Heterangium polystichum Kubart, die ebenso wie Chorionopteris 
und einige andere Radnitzer und Ostrauer Fossilien auf den Tafeln abge- 
bildet sind. E. Janchen. 



Bericht der Sektion für Koleopterologie. 

Versammlung am 18. Januar 1912. 

(Nachtrag.) 

Herr F. Heikertinger sendet folgenden Nachtrag zu seiner 
in dieser Versammlung vorgelegten Beschreibung der Aphthona 
brunneomiccms: 

Über Aphthona brunneomiccms und die damit ver- 
wandten Formen. 

Durch einen Irrtum meinerseits ist die Beschreibung der 
Aphth. brunneomiccms m. in einer dem letzten Stande meiner Unter- 
suchungen nicht entsprechenden Form in Druck gegeben worden, 
weghalb ich mich veranlaßt sehe, eine sachliche Ergänzung nach- 
zusenden. 

Bio Heranziehen der gelben Aphthoncn zum kritischen Ver- 
gleiche überzeugte mich nämlich, daß die dunkelfarbige brmmeomi- 
can$ als nächste Verwandle neben die gelbe Aphth. cyparissiae 
Koch gestellt werden müsse. Diese letztere Art wieder zerfällt bei 
eingehendem Studium in zwei einander äußerst nahestehende, den- 
noch aber gut trennbare Formen, die ich im nachfolgenden einzeln 
ohantkterisieren will, ohne mir aber vorläufig ein endgültiges Ur- 
teil Uber ihre taxonomisehe Valenz anzumaßen. Das soll Sache 
der Zukunft sein, der mehr Material, speziell aus dem Osten, vor- 
liegen wird. 



Versammlung der »Sektion für Koleopterologie. 



1. Aphthona cyparissiae Koch. 

Eine in den Normalformen seit ihrer vorzüglichen Charakte- 
risierung durch die Verfasser der „Entomologischen Hefte" (1803) 
wohl nie mehr fraglich gewesene Art. 

Färbung rötlich- bis bräunlichgelb, Unterseite dunkel, des- 
gleichen zuweilen einzelne Körperteile (Mund, Tasterenden, Fühler- 
enden, Schildchen, Spitze der Hinterschenkel) dunkel bis schwärzlich. 

Penis breit, besonders gegen das äußerste Ende; dieses rasch 
zugestumpft gerundet, in der Mitte mit einer kleinen Einkerbung, 
wodurch zwei verrundete Endchen entstehen, die symmetrisch 
nebeneinander liegen (Asymmetrie habe ich trotz zahlreicher Prä- 
parate nie beobachtet). Im 
Profil ist der Penis ziemlich 
gleichbreit, sehr wenig ge- 
krümmt, das Ende stumpf 

(Fig. 1). 

Verbreitung : West- 
licher und mittlerer Teil Eu- 
ropas; alle östlichenFund- 
orte sind auszuscheiden. 
Ich untersuchte nach der Pe- 
nisform Stücke aus den Pyrenäen, Frankreich (Macon), Italien, 
Südtirol (Rovereto, Dr. Spaeth), Istrien (Mte. Maggiore, Curti), 
Bosnien, Süddalmatien (Krivosije, Paganetti). Außerdem aus Steier- 
mark, Niederösterreich, Mähren etc. 

Bemerkung. Aus der Synonymie dieser Form sind aus- 
zuscheiden: nlgriscuüs Foudr., nigriventris All. Dagegen kann 
ich Aphth. flava Guilleb. (Bull. Soc. Ent. Fr. LXII1, 1894, p. CXCIII) 
von Triest und Soreze nach der Beschreibung auf nichts anderes 
als auf die gewöhnliche cyparissiae beziehen. 

2. Aphthona nigriscutis Foudr. 

Der cyparissiae äußerst nahestehend, weder nach äußerem Bau 
noch nach Färbung, sicher aber nach der Penisform davon zu trennen. 

Färbung wie bei der Genannten; die oben erwähnten Körper- 
teile (Schildchen usw.) öfter, doch nicht immer schwärzlich. 




Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. 



(90) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Penis von oben gesehen viel schlanker als bei cyparissiae, 
am Ende ohne jede Einkerbung gleichmäßig verrundet; im Profil 
im mittleren Teile dicker, gegen das Ende verjüngt; letzteres scharf- 
spitzig (Fig. 2). 

Verbreitung: Anscheinend die Vertreterin der cyparissiae in 
Osteuropa und Asien. Ich untersuchte nach der Penisform Stücke 
von: Dalmatien (Crkvice, Haberditz), Ungarn (N.-Vaszony, Kauf- 
mann), Albanien (Üsküb, Apfelbeck), Kaukasus (Schneider), 
Naxos (Schatzmayr). Zumeist dunkelschildige Stücke, seltener helle. 

Bemerkung: Als Autor ist Foudras (Mulsant, Col. France, 
Altisides par Foudras, 1860, p. 357 — 358) anzusehen, obwohl er 
keine Penisbeschreibung gibt, die Form eigentlich nur nach der 
Färbung charakterisiert und sie offenbar mit dunkelschildigen cy- 
parissiae vermengt (Fundortangabe: Triest, Kiesenwetter). Den- 
noch hat er in den südrussischen Stücken, die er an erster Stelle 
nennt (Russie meridionale, Mötsch oulsky), sicherlich diese Form 
vor sich gehabt. 

Auch die Aplitli. nigriventris All. (Mötsch., i. L), die Allard 
Ann. Soc. Ent. Fr. 1860, p. 390) widerrechtlich vor die früher be- 
schriebene nigriscutis Foudr. schob, gehört hieher. Dies bezeugen 
auch Allards Patriaangaben: „Siberie, collection Fairmaire; Hon- 
grie, collections Chevrolat et Allard." 

Kutschera (Beitr. zur Kenntnis der europ. Halt., Wien. Ent. 
Monatschr., V, 1861, p. 235-236; Sep. 148-149) zieht nigriventris 
All. als Varietät zu cyparissiae und gibt Wien als Fundort an, 
trag auf eine Verwechslung mit dunkelschildigen cyparissiae hin- 
weist, die bei Wien (allerdings nicht häufig) vorkommen. 

Auch die späteren Autoren — mit Ausnahme des ziemlich 
urtei Mosen Allard, der auf den von ihm gegebenen Artnamen 
nigr irr ntris nicht verzichten konnte — führen nigriscutis und nigri- 
ventris mit Unrecht als bloße Färbungsvarietäten der cyparissiae. 
.1 Weite Brichson, Naturg, Ins. Deutschi., VI, p. 898) spricht 
diese Form all die normal ausgereifte cyparissiae an. 

Mit Aphthona nigi iscutis Pondr, {nigriventris All.) zusammen fällt 
die dphfh. nigroseuieUaia Eteitt. (Wien. Ent. Ztg. XXIII, l ( .)()4, p. 82) 
am Galizien Brody, \. Lomnieki), deren Type, ein kleines 9, ich 
dnrefa <li<- ( »iit<- dei Herrn kaiserL Rates Reitter untersuchen konnte. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Über die Artrechte der nigriscutis bin ich nicht im Klaren. 
Es ist möglich, daß sie nur eine stark differenzierte Ostrasse der 
cyparissiae darstellt, die die — biologischen — Artgrenzen noch 
nicht überschritten hat; sie kann aber auch schon eine feste Art 
sein. Dafür würde vielleicht der Umstand sprechen, daß die beiden 
Tiere in Dalmatien anscheinend anvermischt übereinandergreifen: 
von Crkvice besitze ich typische nigriscutis. von der Krivosije ty- 
pische cyparissiae. Unbedingt aber ist sie mehr als eine bloße 
landläufige „Varietät", denn sie besitzt ein eigenes Areal, ist also 
zumindest als geographische Rasse oder „Subspezies" zu führen. 

3. Aphthosa brunneomicans Hktgr. 

Weitere im Materiale Hauser aufgefundene Stücke sowie eine 
Penisuntersuchung führten mich zur Überzeugung, daß die in dem 
ersten Berichte über diese Sitzung beschriebene brunneomicans m. 
den beiden Formen cyparissiae und nigriscutis äußerst nahe ver- 
wandt ist. Wahrscheinlich ist sie nur als Dunkelform einer der- 
selben — vielleicht ein Zwischenglied beider — aufzufassen. Klar- 
heit wird erst reicheres Material bringen. 

Der Beschreibung habe ich wenig; hinzuzufügen; die dortselbst 
gegebenen Vergleiche mit dunklen Aphthonen sind durch obige 
Feststellung gegenstandslos geworden. 

Der Penis hält fast die Mitte zwischen cyparissiae und nigri- 
scutis] er ist ungefähr von der Schlankheit des nigriscutis-Fem* 
und von dessen Umriß (von oben gesehen), ist aber etwas flach- 
gedrückter und besitzt an der Spitze die kaum angedeutete Spur 
einer Einkerbung. Im Profil zeigt er Anklänge an den cyparissiae- 
Penis (Fig. 3). 

Verbreitung: Ich sah nur Stücke von: Sibirien (Minus- 
sinsk, Coli. Hauser; drei Exemplare, darunter ein cf. dessen Penis 
untersucht wurde); Uralsk (Coli. Hauser: ein sehr dunkelfarbiges 
Stück mit schwärzlichen Hinterschenkeln und kaum sichtbarem 
metallgrünen Hauch über der pechbraunen Oberseite; Flügeldecken 
mit flachen Längsfurchenspuren, in diesen verhältnismäßig deutlich 
punktiert. Vom gleichen Fundorte ein unausgereiftes Stück von 
normaler cyparissiae -Färbung). 

* * 



(92) Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 

Ich registriere dies ohne Kommentar. Als vorläufiges Ka- 
talogbild schlage ich vor: 

cyparissiae Koch 

forma typica Eur. occ. (med. mer.) 

? syn. flava Guilleb. 
subsp. nigrisctttis Foudr. Eur. or., As. 

syn. nigriventris All. 

nigroscutellata Reitt. 
var. brunneomicans Hktgr. Sib. 

Ein abschließendes Urteil wird, wie bereits erwähnt, erst 
reicheres Vergleichsmaterial erlauben. 



Allgemeine Versammlung 1 

am 8. November 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 



Der Stellvertreter des Generalsekretärs teilt mit, daß folgende 
Herren der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder: 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Diener Hugo, Budapest, I, Fehervari- 

üt 37 Dr. K. Holdhaus, J. Breit. 

Heinrich Armand, k. k. Militär-Rech- 
nungs-Akzessist, Wien, VW., Buch- 



feldgasse 19 den Ausschuß. 

Ifihök Otto, Budapest, L, Meszvaros- 

üt 32 Dr. K. Holdhaus, J. Breit. 

Schwab, Ritter v., k. 11. k. i'YJdmar- 

scballeutnant, Wien, IV., Wiedener 

Gürtel 6 den Ausschuß*; 

Wie su er H:iii8,WolfMclilit)fre 1). Aussig 

:i. 'I. Elbe 1. Brunnthaler, Dr. T. Krumbach. 



Ilinaiif spricht Herr Prof. Dr. Hans Molisch: „Über den 
Kin find dei Tabakraachei auf die Pflanze. u 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



(93) 



Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein demonstriert einige inter- 
essante Akquisitionen des botanischen Institutes und 
Gartens. 



Lichtbilderabend am 29. November 1911. 

Ähnlich wie im Vorjahre veranstaltete die Gesellschaft auch 
in diesem Jahre einen Lichtbilderabend, an welchem zahlreiche 
Projektionen von photographischen Aufnahmen nach zoologischen 
und botanischen Objekten vorgeführt wurden. Die Gesellschaft ist 
den Herren: Ing. Franz Hafferl, Dr. Heinrich Freiherr v. Handel- 
Mazzetti, Prof. Dr. Ludwig Hecke, Prof. Dr. Ludwig Linsbauer, 
Frl. Amalie Mayer und den Herren Prof. Franz Müller, Prof. 
Franz Nabälek, Ferdinand Pfeiffer R. v. Wellheim, Otto v. 
Wett stein und Fritz v. Wettstein, welche ihre photographischen 
Aufnahmen der Gesellschaft in liebenswürdigster Weise zur Ver- 
fügung stellten, zu großem Danke verpflichtet. 



Allgemeine Versammlung 

am 6. Dezember 1911. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 



Der Stellvertreter des Generalsekretärs teilt mit, daß folgender 
Herr der Gesellschaft beigetreten ist: 

Ordentliches Mitglied: 

P. T. Vorgeschlagen durch: 
Herr Lohr Rudolf, stud., Wien, IV., Mozart- 
gasse 7 Prof. 0. Abel, R. Schrödinger. 

Herr Dr. Freiherr v. Handel-Mazzetti hält einen Vortrag: 
„Naturbilder aus Mesopotamien und Kurdistan", in welchem 
er unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder über die Ergebnisse 
seiner letzten wissenschaftlichen Reise Bericht erstattet. 



(94) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



Allgemeine Versammlung' 

am 3. Januar 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 

Der Vorsitzende teilt mit, daß das Jahr 1912 das fünfzigste 
sein wird, in welchem Seine k. und k. Hoheit Herr Erzherzog' Rainer 
das Protektorat der Gesellschaft inne hat. Der Ausschuß der Ge- 
sellschaft hat beschlossen, dieses Jubiläum zu feiern und der Dank- 
barkeit und Verehrung der Gesellschaft durch Stiftung einer „Erz- 
herzog Rain er- Medaille" Ausdruck zu verleihen, deren erstes 
Exemplar dem hohen Protektor als Jubiläumsgabe überreicht und 
die in Zukunft auf Grund eines Statutes an Forscher für besonders 
verdienstliche Leistungen auf dem Gebiete der Biologie verliehen 
weiden soll. Alle Vorarbeiten für diese Stiftung sind bereits ab- 
geschlossen; nähere Mitteilungen über dieselbe werden in der Jahres- 
versammlung folgen. 

Der Stellvertreter des Generalsekretärs teilt mit, daß folgende 
Dame und Herren der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 
Herr Hoschek Josef, Dr., Wollern, Böhmen Dr. Ginzberger, Dr. Vierhapper. 
„ Mayer Alexander, Wien, I., Bräuner- 
straße 5 R. Schrödinger, Apoth. L. Löwy. 

„ Min tu 8 Alfred, stud.,Wien, IV., Schön- 

burgstraße 23 den Ausschuß. 

PrftuL Schlimp Grete, Wien, III., Stroh- 
gasse 24 v. Portheiin, Dr. Vierhapper. 

Herr Schloß Hans, Ing., Wien, IX., Alser- 

str.iße 20 Dr. Thenen, Dr. Vierhapper. 

„ Scbulz-Dttpfner Gustav, Edler v., 

k u k. Hauptmann, Hamburg . . A. Handlirsch, Fr. Siebenrock. 
„ Topltl Alois, Htud , Wien, XX. /J, Karl 

Meißelstraße :{ Dr. Janchen, K. Schrödinger. 

Skala Hugo, k. k. Steuoraintskon- ( • 

troUor, lulmk, Mahren den Ausschuß. 

B Storch, Dr. Otto, Wi<n, XVJII./:}, 

Hauptstraße 121 Prof. Werner, Prof. .Joseph. 

„ Bwobodi Heinrich, k. k. Professor, 

Wen, III.. Marx ergaise 52 . . . den Ausschuß. 



Bericht über die allgemeine Versammlung". 



(95) 



Herr Dr. Karl Hold haus spricht in einem längeren Vortrage 
über den Einfluß des Gesteins auf Tiere und Menschen. 



Allgemeine Versammlung' 

am 7. Februar 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 

Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung mit der Mitteilung 
von dem schweren Verluste, den die Gesellschaft durch das vor 
wenigen Tagen erfolgten Ableben ihres langjährigen Mitgliedes und 
Ausschußrates Herrn M. F. Müllner erlitten hat. Der Vorsitzende 
hebt die Verdienste des Verstorbenen hervor und seine treue An- 
hänglichkeit an die Gesellschaft, die sich auch in seinen letztwilligen 
Verfügungen äußerte. 

Der Stellvertreter des Generalsekretärs teilt mit, daß folgende 
Dame und Herren der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Eber wein Josef, Ing., Wien, XVII., 

Geblergasse 69 den Ausschuß. 

„ Kolbe Klemens, stud., Wien, IX., 

Liechtensteinstraße 68 Prof. Werner, Franz Raab. 

„ Kunzfeld, Dr. Ernst, Wien, VI., 

Amerlingstraße 6 Prof. v. Wettstein, R. Schrödinger. 

Frl. Peyrerv. Heimstatt, Margarete,Wien, 

XIII./2, Feldmühlgasse 19 ... . Prof. Werner, Franz Raab. 
Herr Schmied Heinrich, k. k. Professor, 
„ Wien, XXI., Staatsrealschule . . . Prof. Hinghofer, Prof. 0. Abel. 

Herr Dr. E. M. Kronfeld spricht über die botanischen 
Studien des Friedrich v. Gentz. 

Hierauf hält Herr Prof. Dr. L. Lorenz v. Liburnau einen 
durch zahlreiche Lichtbilder illustrierten Vortrag unter dem Titel: 
„Einiges über die Säugetiere von Zentralafrika." 

Zum Schlüsse demonstriert Herr Dr. Karl Reichert: „Die Fluo- 
reszenz-Mikroskope der optischen Werkstätte K. Reichert. 



(96) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



Es war schon seit langem das Bestreben vieler konstruieren- 
der Optiker, eine Beleuchtungsart für das Mikroskop zu finden, 
durch welche das Objekt in einen Zustand des Selbstleuchtens 
versetzt würde. Auf eine solche Weise hoffte man, eine Steigerung 
des Auflösungsvermögens des Mikroskopes zu erreichen. 

In diesem Bestreben taten sich besonders englische Optiker, 
wie Wen harn und Stephenson, um die Mitte des vorigen Jahr- 
hunderts hervor. Das Ergebnis dieser Bemühungen war das be- 
kannte optische Instrument, welches heute unter der Bezeichnung 
„Spiegelkondensor" eine größere Rolle in der Mikroskopie 
spielt. Durch Dunkelfeldbeleuchtung, welche man mit dem 
Spiegelkondensor erzielt, wollten diese Optiker ein Leuchten des 
Präparates in dirTusem Licht hervorrufen. 

Der Zweck dieser Bemühung war verfehlt, da man, wie 
Abbe später auch theoretisch feststellte, auf diese Weise die Grenzen 
der mikroskopischen Abbildung nicht erweitern konnte. Die ersten 
Spiegelkondensoren konnten auch keine Bedeutung erlangen und 
gerieten bald in Vergessenheit. Erst in jüngster Zeit, da nach dem 
Auftauchen des Ultramikroskopes die Methoden der Dunkelfeld- 
beleuchtung wieder aufgegriffen wurden, erfuhren die Spiegelkonden- 
soren eine Wiedergeburt und es gelang durch Verwendung inten- 
siverer Lichtquellen und durch präzisere Ausführungen der Spiegel- 
kondensoren, sie der praktischen Optik in anderer Weise nutzbar 
ZU machen. 

Der Firma C. Reichert gebührt das Verdienst, in dieser 
Beziehung als erste vorangegangen zu sein und zum erstenmale 
gebrauchsfähige Spiegelkondensoren konstruiert zu haben. 

Bin anderer Weg, der auch nicht zum erstrebten Ziele führte, 
war die Verwendung der Mikroskopobjektive als Konden- 
soren, beziehungsweise die Einführung des sogenannten achro- 
matischen Kondensors, zu dem Zwecke, in der Einstellung^ 
ebene des .Mikroskopobjektives ein präzises Abbild der Licht) 
quelle hervorzurufen. 

Ein Selbst! eueliten des mikroskopischen Objektives zu er- 
zielen, geling! nun tatsächlich, wenn man die bekannten Erschei- 
DODgefl der f I u o r e s ze n z. beziehungsweise Phosphoreszenz zu 

Hilfe nimmt, 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



(97) 



Ich will zunächst nur die Möglichkeit der Verwendung der 
zuerst genannten Erscheinungen für die Zwecke der mikroskopi- 
schen Abbildung in Betracht ziehen. 

Die Bemühungen, eine derartige Einrichtung zu schaffen, 
reichen bis auf den Zeitpunkt zurück, da das ultraviolette Licht 
anfing, in der angewandten Optik eine Rolle zu spielen, denn mit 
ultraviolettem Licht muß man selbstverständlich auch hier arbeiten. 

Der erste Apparat, bei welchem ultraviolettes Licht zur Be- 
strahlung mikroskopischer Objekte verwendet wurde, war die Ein- 
richtung zur Mikrophotographie mittels ultravioletter Strahlen nach 
A. Köhler. Wie bekannt, vermittelten bei dieser Einrichtung die 
ultravioletten Strahlen auch die Abbildung des Objektes, entweder 
direkt durch die Einwirkung auf die photographische Platte oder 
indirekt durch einen besonders konstruierten Sucher. Das Fluore- 
szenzlicht, das bei der verhältnismäßig schwachen Bestrahlung des 
Objektes durch das Licht eines zwischen Kadmium- oder Magnesium- 
elektroden überspringenden Funkenstromes nur bei manchen Objekten 
auftrat, wurde hierbei gewissermaßen als Abfallprodukt behan- 
delt und bei der subjektiven Beobachtung unschädlich gemacht. 
Bei der photographischen Fixierung des Bildes störte es ohne- 
dies nicht. 

Eine andere Einrichtung, bei welcher ultraviolettes Licht zur 
Bestrahlung des Objektes angewendet wird, ist das „Überultra- 
mikroskop" von P. P. v. Weimarn, deswegen interessant, weil 
hierbei die Methode der Dunkelfeldbeleuchtung (Spiegelkondensor) 
zusammen mit der Bestrahlung durch ultraviolettes Licht zur Ver- 
wendung kommen sollte. 

Der Zweck dieser Einrichtung war der, durch Verwendung 
von ultraviolettem Licht zur Sichtbarmachung von noch kleineren 
ultramikroskopischen Teilchen auf photographischem Wege zu ge- 
langen, als dies bei Verwendung von sichtbarem Licht möglich ist. 
Der Vorschlag P. P. v. Weimar ns hat sich in der Praxis jedoch 
nicht durchsetzen lassen. 

Während bei den soeben genannten Einrichtungen sowohl 
die beleuchtenden als auch die abbildenden Büschel aus ultra- 
violettem Licht bestehen und infolgedessen sowohl die Beleuch- 
tungs- wie auch die Abbildungssysteme Quarzoptik haben müssen, 

Z B. Oos. G2. Rd. g 



(98) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



beruht das Fluoreszenzmikroskop auf einer anderen Grundlage. 
Hierbei wird das ultraviolette Licht lediglich zur Beleuchtung ver- 
wendet und bei dem Auftreffen auf die Objekte bringt es diese 
mehr oder weniger zum Fluoreszieren, und lediglich das Fluore- 
szenzlicht bewirkt die Abbildung des Objektes. Infolgedessen ist 
hier auch nur das Beleuchtungssystem aus Quarz, während das 
Abbildungssystem wie beim gewöhnlichen Mikroskop Glasoptik 
besitzt. 

Bei der Konstruktion des Fluoreszenzmikroskopes ergaben 
sich zunächst verschiedene Schwierigkeiten und die hauptsächlichste 
lag wohl darin, das Fluoreszenzlicht des den ultravioletten Strahlen 
ausgesetzten Objektes rein und frei von störendem Nebenlicht 
zur Geltung kommen zu lassen. Die Notwendigkeit, ultraviolettes 
Licht von genügender Menge, Intensität und Reinheit auf das Prä- 
parat zu konzentrieren, bedeutete eine weitere Schwierigkeit. Diese 
letztere konnte aber, durch die Anwendung eines Filters für ultra- 
violettes Licht nach Wood, in letzter Zeit von H. Lehmann für 
die fraglichen Zwecke verbessert, behoben werden. Das erstange- 
ftihrte Hindernis, welches bis jetzt noch bestand, wurde dadurch 
beseitigt, daß bei der Bestrahlung der Objekte mit ultraviolettem 
Licht eine der bekannten Methoden der Dunkelfeldbeleuchtung 
verwendet wurde und erst damit einwandfreie Resultate erzielt 
wurden. 

Würde man nämlich die gewöhnliche Beleuchtungsmethode 
mit vollgeöffnetem Kondensor hierbei zur Anwendung bringen, 
so würden die Strahlen nach Durchsetzung des Präparates ins 
Objektiv eintreten und die Glaslinsen desselben zur Fluore- 
szenz bringen. Die Folge wäre, daß das Bild des Präparates dem 
Beobachter wie durch einen blauen Schleier hindurch betrachtet 
erseheinen würde. 

Durch die Verwendung der Dunkelfeldbeleuchtung wird es 
verhindert, daß die beleuchtenden Bündel in das Objektiv ein- 
treten können, doch kann man hier nicht die gewöhnlichen Spiegel- 
kondemoren, die in letzter Zeil mit großem Vorteil zur Dunkel 
feldbelenchtnng herangezogen werden, in Verwendung bringen. 

Auch nicht, wenn deren Optik aus Quarz bestehen würde, weil 
dei Silberbelag dieser Kondensoren das ultraviolette Lieht zum 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



(99) 



größten Teil hindurchlassen und nur zum geringen Teil reflektieren 
würde, so daß man eine viel zu geringe Lichtwirkung im Präparat 
erhalten würde. 

Man gelangt aber zu einem günstigeren Resultate unter Zu- 
hilfenahme des dreiteiligen Abb 6schen Kondensors von der nmm. 
Apertur 1.40, der mit einer zentralen Blende versehen ist, durch 
welche der mittlere Teil des Kondensors bis zur Apertur 1.0 ab- 
geblendet wird. 

Zusammenfassend möchte ich also hervorheben, daß für das 
Fluoreszenzmikroskop folgendes notwendig ist: eine Lichtquelle, 
welche viel ultramikroskopisches Licht aussendet, ein Filter nach 
Wood, ein Sammellinsensystem aus Quarz und ein Mikroskop mit 
Quarz-Dunkelfeldkondensor. Die Aufstellung dieser Teile geschieht 
in der Reihenfolge: Lichtquelle, Sammellinsensystem aus Quarz, 
Filter, Mikroskop. 

Da das Fluoreszenzlicht dem sichtbaren Strahlenbereiche 
angehört, so sind Objektive und Okulare des Mikroskopes, wie 
bereits erwähnt, wie beim gewöhnlichen Mikroskop aus Glas. 
Das von der Lichtquelle kommende Licht, durch das Filter von 
den sichtbaren Strahlen befreit und von dem Beleuchtungsapparate 
aus Quarz auf das Präparat konzentriert, bringt dieses mehr oder 
weniger zum Selbstleuchten und zwar erscheinen die Bestandteile 
des Präparates verschieden gefärbt, je nach ihrer chemischen Natur, 
so daß sich leicht eine Unterscheidung chemischer differenzierter 
Gebilde durchführen läßt. So kann man z. B. ein Mutterkorn im 
Weizenmehle, das bei gewöhnlicher Beleuchtung nur schwer fest- 
zustellen ist, sofort erkennen, denn es leuchtet in hellweißer Fluore- 
szenzfarbe, während die Stärke schwach violett fluoresziert. 

Wie bekannt, gibt es nur sehr wenige Substanzen, die nicht 
fluoreszieren; ich nenne nur zwei davon, Porzellan und rote 
Blutkörperchen. Bei näherer Untersuchung wird sich wohl die 
Liste der nicht fluoreszierenden Körper erweitern lassen, doch 
werden die letzteren wegen ihrer geringen Zahl das Anwendungs- 
gebiet des neuen Instrumentes wohl nicht einengen. 

Das Fluoreszenzmikroskop dürfte für die Nahrungsniittel- 
chemie zur Feststellung von Verfälschungen und wahrscheinlich 
auch für die allgemeine Chemie von Bedeutung werden, ferner für 

g* 



(100) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



die Histologen zur Kontrolle der Färbemethoden, für die Textil- und 
wahrscheinlich auch Papierindustrie zur Unterscheidung der ver- 
schiedenen Fasern, doch möchte ich über die Anwendungsmöglich- 
keit vorläufig nicht mehr sagen, teils weil die Untersuchungen 
darüber noch nicht abgeschlossen sind, teils weil ich Berufeneren 
bei Entscheidung dieser Frage nicht vorgreifen will. 

Die Bedeutung der neuen Anordnung liegt darin, daß sie es 
ermöglicht, Differenzierungen besonders solcher chemischer 
Art vorzunehmen, welche mit den bisherigen Mikroskopmethoden 
nicht oder nur schwer durchführbar sind. Überhaupt kommt dieser 
neuen mikroskospischen Beleuchtungsart die Bedeutung eines 
Färbeverfahrens zu. 

Die Untersuchung histologischer Präparate hat wohl bis jetzt 
noch keine neue Tatsachen ergeben, die nicht auch mit Hilfe be- 
kannter Färbungsmethoden zu ermitteln gewesen wären. Doch ist 
zu hoffen, daß eine besondere Behandlung der betreffenden Ob- 
jekte, vielleicht bei Benützung der von Köhler als „farblose Farb- 
stoffe" bezeichneten Reagentien, neue Ergebnisse zeitigen wird. 

Im Gegensatz zu den bisherigen Methoden mikroskopischer 
Betrachtung, bei welchen nicht selbstleuchtende Objekte durch 
Vermittlung einer von dieser getrennten Lichtquelle abgebildet 
werden, handelt es sich beim Fluoreszenzmikroskop um die Ab- 
bildung selbstleuchtender Objekte. Bei dieser entsteht ein dem 
leuchtenden Körper durchaus ähnliches Bild, dessen Deutlichkeit 
durch die Größe des den einzelnen Objektpunkten zugeordneten 
Beugungsschcibchens bestimmt ist. Nach Helmholtzschen Unter- 
suchungen ist diese abhängig von der Apertur, in zweiter Linie 
von der Korrektion des Mikroskopobjektives. 

Ob und wie weit das Fluoreszenzmikroskop im besonderen 
und die Lumineszenzmikroskope im allgemeinen eine Möglich- 
keit der Erweiterung des mikroskopischen Abbildungsgebietes in 
sich schließen, muß die Zukunft lehren. 

Hervorheben möchte ich noch, daß die zum Fluoreszenz- 
mikroskop notwendige Apparatur verhältnismäßig einfach ist und 
sich mit geringen Kosten beschaffen läßt, da sie nur eine Erl 
gänznng EU einem eventuell vorhandenen Mikroskop darstellt. 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 

Allgemeine Versammlung 

am 6. März 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 



Der Stellvertreter des Generalsekretärs teilt mit, daß folgende 
Damen und Herren der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Frau Anderle Karla, Korneuburg . . . K. Schrödinger, F. v. Frimmel. 
„ Moosbrugger Tilla, k. u. k. Haupt- 
mannsgattin, Wien, III., Ungar- 
gasse 63 Dr. v. Hayek, R. Schrödinger. 

Herr Sommerstor ff Hermann, Wien, III./3, 

Richardgasse 11 Dr. E. Janchen, F. v. Frimmel. 

„ Zarfl, Dr. Max, Primarius, Wien, 

XVIIL, Bastiengasse 38 .... Prof. 0. Abel, R. Schrödinger. 

Herr Dr. Theodor Körners, kgl. ung. Reichsgeologe aus Buda- 
pest, spricht über die von ihm ausgegrabene und bearbeitete plio- 
zäne Vertebratenfauna von Polgardi und demonstriert seine 
reichen Funde durch zahlreiche Lichtbilder. 

Hierauf spricht Herr Prof. Dr. Othenio Abel, gleichfalls unter 
Vorführung zahlreicher Lichtbilder, über die Verschiedenartig- 
keit phylogenetischer Reihen. 



Referate. 

Lepidopterologische Publikation. 

(Referent Prof. Dr. H. Rebel.) 

Stichel H., Farn. Riodinidae, 1. und 2. Teil (Wytsman, Genera Insec- 
torum, Fase. 112 A und B-, 452 S., mit 23 schwarzen und 4 kolorierten 
Tafeln, 1910-1911). 

Die unter dem Namen Erycinidae derzeit noch allgemeiner bekannte 
Tagfalterfamilie erfährt rücksichtlich ihrer so zahlreichen neuweltlichen Ver- 
treter, welche die Subfamilie der Riodininae bilden, eine ebenso gründliche 



(102) 



Referate. 



als wertvolle Bearbeitung. Dem Plane der Genera Insectorum entsprechend, 
sind die Gattungen (und Familien) diagnostisch und analytisch, die Arten 
jedoch nur synoptisch, mit Anführung der Literatur, behandelt. Ein beson- 
derer Wert der Bearbeitung ist vor allem schon darin zu sehen, daß von 
sämtlichen 103 Gattungen (mit Ausnahme einer) die morphologischen Charak- 
tere, als Gea'der, Palpen, Vorderbeine und männlicher Kopulationsapparat, 
nach der Natur und zumeist nach Präparaten, die vom Autor selbst ange- 
fertigt wurden, untersucht und auf den ersten 23 Tafeln zur Abbildung ge- 
bracht werden. 

Die Riodinidae, welche in die neuweltlichen Eiodininae und in die alt- 
weltlichen Nemeobiinae zerfallen, werden als eine selbständige, den Lycae- 
niden allerdings sehr nahe verwandte Familie aufgefaßt, und auch die Liby- 
ihcidae davon als eigene Familie getrennt Letztere haben allerdings ein auf- 
fallendes Merkmal mit den Riodinidae gemeinsam, nämlich am verkümmerten 
Vorderbein des $ die Einlenkung des Femur an der starken Coxa vor deren 
Ende, werden jedoch auf Grund der großen Verschiedenheit in der Palpen- 
bildung und im männlichen Kopulationsapparat von ihnen getrennt. Nach 
Ansicht des Referenten handelt es sich bei den Libytheidae, wie auch die 
fossilen Funde aus der Tertiärzeit (Florissant) beweisen, um einen sehr alten 
Typus, bei dem die gleiche Bildung der männlichen Vorderbeine wie bei den 
Riodinidae wahrscheinlich auf einer Konvergenzerscheinung beruht. Auch 
die Raupenform der Libytheidae ist von jener der Riodinidae, welche im allge- 
meinen dem Lycaenidentypus entspricht, stark verschieden. 

Von sehr großem Interesse und für die Auffassung einer Konvergenz- 
bildung sprechend ist ferner die Tatsache, daß sich die eigentümliche Ein- 
lenkung des Femur vor dem Ende der Coxa am männlichen Vorderbein auch 
bei der (indischen) Lycaenidengattung Curetis findet, so daß bei der Familien- 
begrenzung „nur eine Kombination mehrerer morphologischer Charaktere zur 
Anwendung gelangen kann" (Nachwort, S. 394), wie wir dies ja fast überall 
in der Systematik antreffen. 

Was die Unterscheidung der beiden Subfamilien innerhalb der Riodi- 
nidtn anbelangt, so wird dieselbe hauptsächlich darauf gestützt, daß bei den 
Riodininae im Hinterfliigel am Rande des Wurzellappens eine meist ziemlich 
itarke kurze Basalader (= Basalnerv bei Schatz) auftritt, welche bei den 
Nemeobiinae fehlt. 

r eine ältere Nomenklatur des Geäders aus konventio- 
nellen Gründen beibehalten hat, „obgleich dieselbe nach neueren Forschungen 
niebl einer natürlichen Gliederung des Adernsystems entspricht" (Nachwort, 
S 30.')). mi ihm gewiß nicht zum Vorwurfe gemacht, nur sei daran erinnert, 
daß man gerade in Deutschland gerne mit dem Vorwurf der „Un Wissenschaft! 
Henkelt" bereit steht, wenn auf anderen Gebieten nicht gleich der allerneueste 
(oft mal* ganz unau.sgereiftej Standpunkt eingenommen wird. 

Was die Verwertung de« männlichen Genitalapparates zur Abgrenzung 
hohem Kai [,'orinn namentlich der Gattungen anbelangt/ so ist dieselbe mehr 



Referate. 



(103) 



eine theoretische «als praktische geblieben, d. h., es werden in den Diagnosen 
der Gattungen wohl allgemeine Angaben über die Beschaffenheit des Kopula- 
tionsapparates (unter Bezugnahme auf die untersuchten und abgebildeten 
Artend gemacht, allein eine wirklich diagnostische Auswertung desselben, 
wie sie als ideales Erfordernis in Tabellenform zum Ausdruck gebracht 
werden sollte, ist wohl aus dem Grunde unterblieben, weil sich dieselbe ein- 
fach nicht geben läßt. Es darf heute schon als sicher angenommen werden, 
daß man die systematischen Trennungswerte dieser Gebilde überschätzt hat. 
Sie variieren ebenfalls sehr beträchtlich, nicht bloß innerhalb der Gattung 
(vgl. beispielsweise die Angaben über die Beschaffenheit des männlichen 
Genitalapparates innerhalb der Gattung Nymula B., S. 369), sondern selbst 
innerhalb der Art (z. B. den europäischen Melitaea- Arten, wie sich Referent 
persönlich überzeugte), so daß ihnen tatsächlich nicht mehr taxonomischer 
Wert zugesprochen werden darf, als anderen morphologischen Charakteren. 
Daß diese Gebilde als „innere Organe beständiger sind und daher sicherere 
phylogenetische Schlüsse erlauben" (Nachwort, S. 394) ist wohl dahin zu 
modifizieren, daß sie anderen, oftmals aber gewiß nicht weniger energisch 
wirksamen Anpassungsgründen unterworfen sind, denn sonst wäre es uner- 
klärlich, daß sehr häufig zwei einander sehr nahestehende Arten so weit- 
gehende Differenzen im Genitalapparat aufweisen. Jedenfalls wurde von dem 
Verfasser die tatsächliche Kenntnis auch dieser morphologischen Gebilde bei 
den Riodiniden ausnehmend gefördert, wie schon aus den sehr klaren, meist 
im Profil gezeichneten Tafelfiguren hervorgeht. 

Verfasser hat bereits umfangreiche Vorarbeiten über die Biodininae 
in der Berliner Entomologischen Zeitschrift (53.-55. Bd.) veröffentlicht und 
darin bereits nebst zahlreichen Arten auch 9 neue Gattungen aufgestellt, 
welche in der vorliegenden Bearbeitung noch um 11 vermehrt werden. Diese 
sind Voltinia, Paraphthonia, Colaciticus, Comphotis, Pterographium, Callistium, 
Zabuella, Dinoplotis, Elaphrotis, Catacylotis und Thysanota. Aber noch zahl- 
reiche neue Arten und Lokalformen werden auch hier (in den Anmerkungen) 
aufgestellt, Die vier kolorierten Tafeln dienen der Darstellung neuer Formen 
und älterer Typen. 

An Material hat Verfasser außer seiner eigenen Sammlung namentlich 
auch die überaus reichen Bestände, welche die nunmehr am kgl. Zoologischen 
Museum in Berlin befindliche ehemalige Staudinger'sche Sammlung enthält, 
verarbeitet, so daß durch Ausnützung noch zahlreicher anderer Quellen eine 
Arbeit entstanden ist, die einen hervorragenden Quellenwert besitzt und einen 
großen Fortschritt in der Systematik dieser Familie bedeutet. 



(104) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Bericht der Sektion für Lepidopterologie. 

Versammlung am 5. Januar 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

I. Der Vorsitzende legt nachstehende Publikationen mit einem 
kurzen Referate vor: 

Böhm, Leop. Karl, Die antennalen Sinnesorgane der Lepido- 
pteren. (Arb. d. zool. Univ.-Inst. Wien, Bd. XIX, 1911.) 

Hormuzaki, K. Freih. v., Die systematische und morpho- 
logische Stellung der Bukowiner Formen von Melitaea 
athalia Rott, und M. aurelia Nick. (Zeitschr. f. wissensch. 
Insektenbiol., VII, 1911.) 

II. Derselbe spricht weiters über einige für die Lepido- 
pterenfauna Österreich-Ungarns neue Arten: 

1. Lycaena sephyrus uhrylci Rbl., Ent. Zeitschr., XXV, p. 191. 
Seit der über Ersuchen von Baron N. Charles Rothschild 

erfolgten Publikation dieser neuen Lokalform aus Südungarn (Fla- 
munda, gesammelt von Geza Uhryk 1910 und von Martin Holtz 
L911) wurden noch mehrere ungarische P^undorte für dieselbe be- 
kannt. 

So erbeutete Herr K. Predota bei Buza in der Mezoseg 
Siebenbürgen) am 13. Mai 1911 ein kleines d", ferner brachte 
Herr Oberleutnant Bartha zwei ältere Stücke (d") ins Hofmuseum 
zum Vergleiche, von denen eines bei Klausenburg, das andere an- 
geblich auf den Ofner Bergen gesammelt worden waren. 

W ie bereits (1. c.) angegeben, unterscheidet sich die südun- 
gartsche Lokalform wesentlich nur durch tieferes Blau der Flügel- 
oberseite des und die besonders großen, orangeroten Marginal- 
flecke der Qinterflttgel beim 9. 

2. llrsjtcria cribrellum Ev. 

DieM BttdniMisehe Steppenart, die ihre Verbreitung bis in 
das nördliche Amurgebiet findet, wurde anfangs Mai 1911 von 



1 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(105) 



Herrn K. Predota bei Buza (Mezöseg) mehrfach in beiden Ge- 
schlechtern erbeutet. 

Die in die Orb «/<?r-Gruppe gehörige Art ist durch die rein 
weiße, namentlich beim cT sehr starke Fleckenzeichnung der nicht 
violettschwarzen Oberseite, welche auch eine vollständige Reihe 
weißer Antemarginalpunkte auf beiden Flügeln bildet, sehr aus- 
gezeichnet. Die vorhergehende, äußere Fleckenreihe weist vier unter- 
einander liegende Anteapikalpunkte auf. Die olivengrüne Unter- 
seite der Hinterflügel hat durch das Auftreten weißer, zusammen- 
hängender Fleckung am Saume einige Ähnlichkeit mit jener der 
nur etwas größeren carthami. Sehr charakteristisch für die Art sind 




Fig. 1. Hesperia cribrellum Ev. <j\ Fig. 2. Dasselbe, Unterseite. 



die (beim d" schwächeren) Dornborsten der Mittel- und Hinter- 
schienen und auch die (seitlich gesehen) weißlichen Fühler. 

Belegstücke dieser seltenen Art aus Siebenbürgen wurden 
dem Hofmuseum von Baron N. Charles Rothschild freundlichst 
gewidmet. 

Die Figur zeigt ein cT von Buza, Ober- und Unterseite. 
3. Ortholitha vicinaria Dup. (Fig. 3.) 

Von dieser in den Alpen bisher nur aus Südostfrankreich und 
dem Wallis bekannt gewesenen Art wurde im Jahre 1911 eine 
Anzahl Stücke beiderlei Geschlechtes in Spondinig im Vintschgau 
(Südtirol) erbeutet. 

Das erste Stück (cT) fing Herr H. Kollar am 29. Juli, eine 
größere Anzahl von Stücken Herr K. Predota ebenda Mitte August. 
Die Stücke stimmen vollständig mit solchen aus dem Wallis über- 
ein. Ein cT von Spondinig wurde abgebildet. 



(106) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 




4. Ortholitha subvicinaria Stgr. (Fig. 4.) 
Ein einzelnes, in der linken Vorderflügelspitze beschädigtes, 
sonst aber frisches Stück (cT) wurde von Herrn K. Predota 
in Meleg-Földvar (Mezöseg, Siebenbürgen) am 
29. April erbeutet und von mir anfangs zur 
vorigen Art gehörig angesehen. 

Herr Otto Bohatsch hatte die Freund- 
lichkeit, mich auf die sehr nahestehende (und 
in ihrem Artcharakter wohl zweifelhafte) 0. 
subvicinaria aufmerksam zu machen, die bis- 
her nur aus Armenien angegeben war. 

In der Tat stimmten die Angaben Stau- 
dingers namentlich in dem breiteren Mittelfeld 
der Vorderflügel und dessen äußerer Begren- 
zung, die unter dem Vorderrand einen kleinen, 
bei vicinaria fehlenden Einsprung zeigt, gut 
auf vorliegendes Stück aus Siebenbürgen, wie 
aus einem Vergleich der beiden Abbildungen 
entnommen werden mag. 

Bemerkt sei noch, daß Herrich-Schäf- 
fers Bild 384 von vicinaria, das bereits in der 
zweiten Katalogsauflage von Staudinger als 
minder gelungen bezeichnet wurde, zweifellos zu subvicinaria ge- 
zogen werden muß. Herrich-Schäffer, III, p. 165 gibt als Vater- 
land nur „Basses Alpes, üigne" an. Vielleicht stammte das von 
ilim abgebildete Stück doch anderwärts her. Eine vergleichende 
Untersuchung der Genitalapparate wäre in dieser Artgruppe sehr 
erwünscht. 

T> Eilicrinia trinotata Metzn. — Kürtösi, Rov. Lap., XVIII, 
(1911), p. 125. 

Diese östliche Geometridenart wurde kürzlich für zwei unga- 
rifche Lokalitäten: Jaszenova (Kom.Temes, bei Feh6rtemplon) durch 
Ujbelyi und Szarvaa (Korn. Bekes) durch Kürtösi angegeben. Ich 
batte kürzlich auch ein weibliches Stuck aus der Sammlung Baron 
X. Charles Rothschild zur Ansicht, welches am 6. Mai 1 ( .)11 von 
Holt/, bei Plamunda (Deliblat, Sttdungarn) erbeutet worden war. 
Schließlich sei bemerkt, dafl die gelbe Sommerform durch mich 



Fig. 3. Ortholitha 
vicinaria Dup. $ . 

Fig. 4. Ortholitha sub- 
vicinaria Stgr. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterolog'ie. 



(107) 



als aestiva bezeichnet wurde. (Ann. d. naturhist. Hofmuseurns, 
XVIII, p. 263.) 

6. Alucita ßtzi (Schawerda i. 1.) Rbl. nov. spec. (d", 9.) 
Sehr nahe der Alucita tetradactyla L., die männlichen Fühler 

jedoch entschieden viel dicker und stärker bewimpert. Der Kopf 
samt Fühlern bräunlich, der übrige Körper schwefelgelb, der Hinter- 
leib mit ockerfarbenen Längslinien gezeichnet. Auch die Beine 
schwefelgelb mit schwärzlichbrauner Längslinie gezeichnet, auf der 
Innenseite schwärzlichbraun. 

Die wie bei tetradactyla geformten Vorderflügel sind gelblich- 
weiß, zeigen aber eine dicht ockerbräunliche Bestäubung, so daß 
nur der Innenrand und der Flügelgrund der beiden Zipfel weißgelb 
bleiben und lebhaft gegen die ockerbräunliche (bei tetradactyla 
bräunlichgraue) Bestäubung kontrastieren. Die Vorderrandfransen 
zeigen keinerlei Unterbrechung oder Fleckung. Die Hinterflügel 
rötlichbraun mit gleichfarbigen Fransen, die beiden ersten Zipfel 
an der Spitze Schwarzweißlich, das dritte Zipfel an der Basis gelb- 
lich. Auch die Unterseite ganz anolog jener von tetradactyla ge- 
färbt. 11 — 12 mm Vorderflügellänge. 

Zwei cT im Juli des Vorjahres in der Vucija bara in der 
Herzegowina durch Herrn Dr. Schawerda erbeutet, wie ein 9 
aus Podvelez vom 19. Juli 1910. Schließlich ziehe ich auch ein d 1 
von Triest (Palisa) hierher. 

Ich würde die Form nur für eine allerdings sehr auffallend 
gefärbte AI. tetradactyla gehalten haben, wenn nicht die stärkere 
Beschaffenheit der männlichen Fühler für die Artberechtigung 
sprechen würde. 

Leider haben die beiden von Herrn Dr. Schawerda dem 
Hofmuseum gespendeten Typen aus der Herzegowina durch einen 
Unfall beim Untersuchen stark gelitten. 

7. Coleophora meridionella Rbl. nov. spec. (cT, 9.) 

Der Coleophora troglodytella zunächst verwandt. Die Fühler 
bis zur Spitze schwärzlich geringt, mit längerem, verdicktem, weiß- 
lichem Basalglied. Der Haarbusch des zweiten Palpengliedes in 
der Länge wechselnd, meist nur bis ein Drittel des Endgliedes 
reichend. Kopf und Thorax weiß, nur sehr schwach olivengelblich 
gemischt. Die Außenseite der weißen Palpen sowie eine Mittel- 



(103) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



längslinie der Schenkel und Schienen der ebenfalls weißen Beine 
olivengelb. Der Hinterleib weißlich mit solchem Analbüschel. 

Die Grundfarbe der etwas gestreckteren Vorderflügel ist oliven- 
gelb (nicht ockerfarben) mit viel breiteren, rein weißen Längslinien, 
in gleicher Anlage wie bei troglodytella, doch bleibt die Falten- 
linie kürzer und feiner. Die Fransen an der Basis weiß, sonst 
blaß bräunlich. Die Hinterflügel viel heller grau, mit weißlichen 
Fransen. Die Unterseite bräunlich mit gegen die Spitze breit weißem 
Vorderrand der Vorderflügel. Vorderflügellänge 8 mm. 

Der schlanke Röhrensack mit abgeschrägter, kreisförmiger 
Mundöffnung und dreikantigem Ende ist weiß, schwach runzelig und 
zeigt mehr oder weniger deutliche schwärzlichgraue Längsstreifen. 

Das erste Stück (cf) dieser neuen Art zog ich bereits am 
11. Juni 1893 aus einem von Cuciste aus Dalmatien erhaltenen Sack. 

Kürzlich sandte Herr Prof. Stange ein im Juni 1911 ge- 
zogenes Pärchen der gleichen Art ein, deren Säcke er an den 
kahlen Wänden der Ponalestraße bei Riva an einer Silene spec. ge- 
funden hatte, die aus den Felsritzen herauswucherte. 

In der „Mannschen Sammlung" des Hofmuseums befinden 
sich unter der unrichtigen Bestimmung „therinella Tngstr. (trochi- 
lella F. R.)" vier Stücke, von denen je ein cT von Mödling und 
Iiaibl sowie ein 9 von Brussa bestimmt der gleichen Art (meridio- 
nella) angehören, wogegen das vierte Stück, ein cf von Wippach, 
nach den ungeringten Fühlern zu einer anderen, sehr nahe ver- 
wandten Art gezogen werden muß. 

Möglicherweise gehört die Beschreibung von striatipennella 
bei Ileinemann (p. 592) zur vorliegenden Art. 

Heinemann gibt nach Zeller (L. E., IV, p. 324) Teng- 
itroem all Autor der striatipennella an, setzt aber den Fundort 
„Wien bei, hatte also ^ r cwiß kein Originalstück von Ilelsingfors 
ror lieb Nach Nolken (Frr., p. 686) ist die echte striatipennella 
Tngstr. ein Synonym von murinwpenneUa Z., so daß ein neuer 
Name tiu die vorliegende, nunmehr auch in den ersten Ständen 
besser bekannt gewordene, hauptsächlich im Süden auftretende Art 
(mrrxd'ioneUa) angezeigt erseheint. 

Ben Prof Stange hatte die große Freundlichkeit, das ge- 
zogene Pärchen ron der Ponalestraße dem Hofmuseum zu widmen. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(109) 



III. Herr Josef Nitsche spricht unter Materialvorlage über 
einige Tagfalter-Aberrationen aus Niederösterreich. 

Die Mannigfaltigkeit in den Aberrationen der Lepidopteren 
Niederösterreichs, speziell der Wiener Umgebung, hat mich neuer- 
dings bestärkt, daß uns in unserem schönen Heimatlande noch ein 
reiches Arbeitsfeld geboten wird. 

Unter den mitgebrachten Tieren verweise ich zuerst auf einen 
am Bisamberg am 1. Mai 1911 erbeuteten Paptlio machdon ab. bi- 
maculdtus Eim., charakterisiert durch einen schwarzen Punkt im 
gelben Keilfleck der Zelle 6 der Vorderflügel. 

Eine schöne kombinierte Form tritt uns in der in Kritzendorf 
vom 15. Mai 1911 erbeuteten Euchlo'e carddmines L. cf entgegen, 
die in ihrer Färbung an ab. ochrea Tutt. erinnert, in dem schwarzen 
Mittelpunkt der Hinterflügel aber als ab. quadripunctdta Fuchs an- 
zusprechen ist. Bemerkenswert erscheint, daß die ab. ochrea, welche 
bei den Weibchen häufiger auftritt, auf den Hinterflügeln vollständig- 
gelb ist, während das von mir erbeutete cf auf den Vorder- und 
auf den Hinterflügeln licht schwefelgelb erscheint. Weiters ist der 
Mittelfleck der Vorderflügel bei ab. quadripunctdta meist stärker 
ausgeprägt, wie dies ein am 10. Juni 1909 im Rohrwalde erbeutetes 
q zeigt. Bei dem aberrativen cf gleicht der Mittelfleck der Vorder- 
fltigel einem kleinen Dreiecke. 

Unter den im vorjährigen Sommer in Scheiblingkirchen an 
der Aspangbahn erbeuteten Cölias hyale L. fällt ein cf vom 10. Au- 
gust 1911, gefangen auf der Thernbergerstraße, durch seine ge- 
sättigt zitrongelbe Färbung auf und könnte vielleicht als ab. junior 
Geest, angesehen werden. Nach der Diagnose des großen Berge- 
Rebel ist die ab. junior Geest, mit einer goldgelben Färbung in 
der Mitte der Vorderflügel angegeben. Da die Nuanzierungen des 
Gelb als außerordentlich wechselnd bezeichnet werden müssen, ist 
es schwierig, eine Abgrenzung in der Intensität des Gelb zu kon- 
statieren. Das zweite Tier, ein q aus Scheiblingkirchen vom 
11. August 1911, zeigt schon beim ersten Anblicke und im Ver- 
gleiche zu anderen 5 derselben Art einen in die Augen fallenden 
Unterschied, da dieses Tier kleiner und schmalflügeliger ist und der 
Mittelfleck durch die verlängerte Mittelzelle dem Apex näher ge- 



(110) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



rückt erscheint. Der Hauptunterschied ist jedoch auf der Unter- 
seite zu finden, wo die Reihe rotbrauner Flecke vor dem Saume 
aller Flügel, wie sie bei typischen Stücken stärker oder schwächer 
zu sehen sind, vollständig- fehlt. 

Am 28. Mai 1911 fing ich im Rohrwalde ein d" der Golias 
myrmidone Esp., bei welchem der schwarze Mittelpunkt der Vorder- 
flügel fehlt, beziehungsweise nur ganz verloschen erscheint. Ich 
erlaube mir, diese Aberration als ab. depuncta zu benennen. Go- 
lias myrmidone Esp. war in dem Scheiblingkirchner Gebiet, nament- 
lich in der Nähe von Kirchau, geradezu häufig. Ich hatte das Glück, 
eine ab. alba Stgr. mit gelblichweißer Grundfarbe bei Kirchau am 
14. August 1911 zu erbeuten. Am 9. September 1911 fing ich im 
Rohrwald bei Wien ein tadelloses, rein weißes Stück derselben Abart. 

Am 25. Juni 1911 erbeutete ich Apatür a clythie ab. dsta 
Schultz im Rohrwalde, gekennzeichnet dadurch, daß dieser Schmet- 
terling die weiße Mittelbinde der Stammform üia Schiff, und die 
rotgelben Randflecke der Form clythie Schiff, aufweist. 

Eine sehr interessante Form der Polygönia c-album L. fing 
ich am 9. Juli 1911 im Rohrwalde. Der Typus der Art zeigt vor 
dem Saume aller Flügel eine Reihe gelber Mondflecke. Bei vorlie- 
gendem Stück erscheinen die sonst gelben Mondflecke vor dem Saume 
aller Flügel jedoch vollständig schwarz. Die beiden basalen Kostal- 
flecke der Vorderflügel sind zu einem Fleck zusammengeflossen; das 
Tier ist kleiner und in der Grundfarbe etwas lichter als typische 
Tiere. Das C der Hinterflügelunterseite ist kleiner, verhältnismäßig 
breiter weiß und mehr ringförmig zusammengezogen. Ich erlaube 
mir. diese schöne Aberration ab. nigrolunaria zu benennen. 

Geradezu gemein war im verflossenen Sommer in Scheibling- 
kircben die Sommergeneration Araschnia prorsa L. Mein Bestreben, 
unter den zahlreichen Vertretern dieser Art etwas Interessantes zu 
erbeuten, gelang mir auch, indem ich am 20. Juli 1911 die ab. 
sehuUM Pfitzner fing, deren bräunlich gefärbte Mittelbindc auf den 
Hinterfittgeln reduziert erscheint, wogegen die rotgelben Querstreifen 
im Saumfolde vollständig fehlen. 

IV. Herr Leo SchwingenschuB macht unter Vorlage des 
diesbezüglichen Ifateriales nachstehende Mitteilungen: 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(in) 



1. Ich erbeutete am 21. und 23. Juli 1911 in Heiligenblut 
in Kärnten und am 29. Juli und 5. August 1911 im Pitztale in 
Tirol beim Gasthofe „Schön" einige Ehisogramma detersa Esp., 
von denen zwei q im Vergleiche mit solchen, wie sie in der Wiener 
Umgebung zu finden sind, durch ihre auffallend dunkle Färbung 
auffallen. 

Da die cT, von denen ich in Heiligenblut und im Pitztale 
mehrere sah, aber nur eines mitnahm, keinen Unterschied gegen 
solche aus der Umgebung Wiens aufweisen, so dürfte es sich dem- 
nach bloß um eine weibliche, vielleicht in höheren Lagen regel- 
mäßiger auftretende Abart handeln. 

Zu dieser Annahme drängt mich auch der Umstand, daß Herr 
Fritz Wagner ein ebenso dunkles § aus dem Otztale in Tirol 
besitzt. 

Mit Rücksicht darauf, daß mir drei gleiche, von verschiedenen 
hochalpinen Fundplätzen stammende $ vorliegen, dürfte es sich um 
eine namensberechtigte Form handeln, in welchem Falle ich wegen 
der dunkeln Färbung dieser g den Namen „obscura" in Vorschlag 
bringen möchte. 

2. Weiter bringe ich eine von den verschiedensten österreichi- 
schen Fundplätzen stammende Serie von Parnassius phoebus F. zur An- 
sicht mit, in der die meisten der benannten Formen enthalten sind. 

Hervorzuheben wäre noch ein im Pitztale erbeutetes 9, wel- 
ches fast der ab. novarae von apollo entspricht, und ein leonhardi 
(Rühl)- Weibchen mit normaler Augengröße darstellt. 

Bezüglich der von Fruhstorfer aufgestellten var. styriacus 
aus Obersteiermark hätte ich zu bemerken, daß die von demselben 
angegebene Diagnose, wie ja auch im Berge-Rebel hervorgehoben 
ist, auch für viele Tiere aus dem Glocknergebiete zutrifft, demnach 
nicht stichhältig ist. 

Nichtsdestoweniger ist die in Obersteiermark vorkommende 
phoebus-Forw doch eine ausgesprochene Lokalform und sofort durch 
die weiße Grundfarbe kenntlich, während die aus dem Glockner- 
und Ortlergebiete stammenden Tiere immer gelblich sind, was ich 
durch ein reiches Vergleich smateriale bestätigt fand. 

Interessant für styriacus ist auch, wie ja schon Groß aus 
Steyr hervorhebt, die örtliche Beschaffenheit des Flugplatzes, indem 



(112) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



plwebus beispielsweise im Glocknergebiete sich ausschließlich an 
Quellen und Bächen aufhält, hingegen in Obersteiermark in Lagen, 
an welchen überhaupt kein Wasser zu finden ist. 

Herr Dr. H. Zerny bemerkt zu vorstehenden Mitteilungen, 
daß er im Vorjahre P. phoebus auch auf dem dem Erzer Reichen- 
stein gegenüberliegenden „Polster" in einer Höhe von 1900 m an- 
getroffen habe. 

V. Herr Dr. K. Schawerda spricht unter Demonstration eines 
reichen Materiales über Parnassius apollo aus der Herzegowina: 

„Ich habe im Jahre 1911 in der Herzegowina an der monte- 
negrinischen Grenze in einer Höhe von 1200 m einige hundert 
Apollo mit meinem Freunde, Herrn Generalsekretär Ernst Fitz, 
gesammelt In den Jahren 1907 und 1908 waren meine Freunde, 
die Herren Hofrat Dr. K. Schima und Franz R. v. Meissl (f 1911) 
mit mir. Das überaus große Material von dieser Lokalität zeigt so 
recht deutlich, wie viel Abweichungen in einer Lokalrasse des Apollo 
vorkommen können". 

1. Das d 71 hat durchschnittlich eine Flügelspannung von 70 mm. 
Die bosnischen Falter sind gewöhnlich nicht so groß als die herze- 
gowinischen von unserem Fundorte, was mit dem üppigen Futter 
daselbst zusammenhängen kann. Mein größtes o 1 mißt 73 mm. 
Das 9 mißt im Durchschnitte 75 mm. Mein kleinstes 9 hat 65 mm, 
viele 9 über 75 — 80 mm. Die Größe ist also eine sehr ansehnliche. 
Es gibt natürlich auch kleinere Exemplare. 

2. Die Grundfarbe ist gelblich weiß, beim c? nicht schwärz- 
lich bestäubt. Doch kommen viele c? mit rein weißer Gründl 
färbe vor. Kin 9 ist so hell, daß man es für ein d" halten würde, 
wenn es keine Kopulationstasche hätte. Die meisten g sind aber 
im Diskus der Vorderfltigel und gegen den Innenrand der Hinter- 
flligel mehr oder minder schwarz bestäubt. 

B Die schwarzen Flecke der Vorderfliigel sind nicht stark 
Bei mehreren sind sie (besonders die [nnenranij 
flecke stark reduziert, Bei einigen d 1 fehlen die zwei äußersten 
Vorderrandflecke fast ganz, bei einem völlig! Im allgemeinen 
Sind die schwarzen Flecke besonders bei den cT kleiner als hei 
e4Hp<Uhicui U hl. und Rgh. und bei $ibiHcus Nordm. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(113) 



4. Der Glassaum der Vorderflügel reicht bei den meisten cf 
nicht ganz bis zum Innenwinkel, bei einigen aber doch und bei 
vielen nur etwas über die Hälfte des Außenrandes. Ein cf hat 
vom Außenrande der Vorderflügel in den Glassaum eindringende 
Keile der Grundfarbe zwischen den Kippen. 

Bei den 9 reicht der Glassaum gewöhnlich bis herab. Bei 
ihnen ist auch die submarginale Staubbinde viel stärker ausgebildet 
und reicht gewöhnlich auch bis zum Innenrand. Bei einem 9 
ist sie mit dem Glassaume breit verschmolzen. 

Bei den cf ist die submarginale Staubbinde der Vorderflügel 
fast durchwegs schwach ausgebildet. Bei einem cf fehlt sie völlig. 
Das Exemplar erscheint dadurch sehr appart. 

Die Hinterflügel des cf haben gewöhnlich keine Spur margi- 
naler oder submarginaler Fleckenbildung. Zwei cf, die auch auf 
den Vorderflügeln eine stärker ausgeprägte submarginale Staubbinde 
haben, besitzen auch auf den Hinterflügeln eine submarginale Staub- 
binde und Rudimente eines Saumes. Bei den 9 sind besonders 
die submarginalen (korrespondierend mit denen der Vorderflügel) 
Staubbinden auf den Hinterflügeln stärker ausgebildet. Drei $ 
haben aber nur sehr schwache Andeutungen davon. 

Die Analflecke der Hinterflügel sind bei einigen cf fast ver- 
schwunden. Diese cf (Koll. Dr. Schima und Dr. Schawerda) 
gleichen dadurch und durch die schwachen schwarzen Flecke der 
Vorderflügel in ihrem weißen Kleide den cf der var. Jiesebolus Nordm. 
aus dem Kenteigebirge. 

Die Analflecke der cf führen selten, die der 9 öfters einen 
oder zwei rote Kerne (ab. clecora Schultz). Die ab. pseudonomion 
Christ, habe ich nur in einem Exemplar (9) gefunden. Es hat 
eine starke submarginale Zackenstaubbinde der Hinterflügel. 

5. Die roten Augen der Hinterflügel sind beim cf durch- 
schnittlich klein, manche ganz rot, manche weiß gekernt, meistens 
schwach (bei einigen stärker) schwarz umrandet, kreisrund, eiförmig, 
bohnenförmig. Bei einem cf sind die oberen tropfenförmig, bei 
einem das rechte obere quadratisch. Ein cf, das ich 1908 er- 
beutete, hat die Augen schön ockergelb. Das Tier ist frisch ge- 
schlüpft — ab. flavomaculata Deck. 

Z. B. Ges. 62. Bd. h 



(114) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Die Augenspiegel der g sind oft sehr groß. Einige erreichen 
und zwei tibertrumpfen damit ihre sibirischen Artgenossinen. 

Ein cT von reinweißer Grundfarbe ist ungleich. Es mißt nur 
68 mm. Die rechte Seite ist um 1 mm breiter, hat einen etwas 
breiteren Glassaum, eine ebensolche submarginale Staubbinde und 
etwas stärkere schwarze Flecke als die linke Seite. Die Hinter- 
fliigel haben relativ große, ganz rote Augen, von denen das rechte 
hintere weiß pupilliert ist. Die rechten Analflecke sind beide rot 
gekernt (d 71 !), die linken aber nicht. Die Hinterflügel haben keine 
marginalen oder submarginalen Staubflecke. Unterseite rein weiß. 
Unterseits sind mit Ausnahme des völlig roten vorderen Auges alle 
Augen stark weiß gekernt. Die Analflecke sind beiderseits 
doppelt rot gekernt. Sicheres d\ Fühler gleich. Ich dachte im 
ersten Moment an einen Zwitter. Sonst ist gewöhnlich die Unter- 
seite gelber als die Oberseite. 

Zwei Abarten sollen hier beschrieben werden. Es ist dies 
ein ganz schwefelgelbes g und das hier abgebildete auffallende cf . 
Die Benennung der Form des cT, welches keine Spur einer sub- 
marginalen Staubbinde der Vorderflügel hat, unterlasse ich. Ferner 
sehe ich von der Benennung der ebenso aparten d 71 ab, bei denen 
die beiden äußersten Vorderrandsflecke auf den Vorderflügeln ganz 
fehlen. Auch die hesebolus-axtigen cT fast ohne Analflecke mögen 
nur erwähnt werden. 

Das 9, das ich ab. theiodes (= schwefelgelb) benenne, ist 
auf der Oberseite schwefelgelb, mißt 75 mm, hat gut ausgeprägte 
schwarze Flecke, der Glassaum reicht bis zum Innenrande, die sub- 
marginale Zackenstaubbinde nicht ganz. Ebenso ist es auf den Hin- 
te) Hügeln, wo nur der Innenrand schwach bestäubt ist und die 
marginalen und submarginalen Monde gut ausgeprägt erscheinen. 
I)i<- normal großen, roten Augenspiegel sind aber rein weiß gekernt. 
Der weiße Kern nimmt ein Viertel des Auges ein. Dieses Reim 
weiß der Augen kontrastiert mit der gelben Grundfarbe. Auf der 
Unterseite, WO es den grOßteo Teil der Augen einnimmt, kontrastiert 
ei noch mehr Hier ist nämlich die gelbe Grundfarbe dunkelgell). 
Die Analflecke sind oberaeita doppelt rot gekernt (ab. decora) und 
unten lihcrdies in den vorderen roten AnaHIecken weiß gekernt. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(115) 



Die gelbe Farbe stammt nicht von einer Zyankaliwirkung her. 
Sie ist ausgesprochen und gleichförmig schwefelgelb. 

Das abgebildete cf (Fig. 5) ist dadurch ausgezeichnet, daß 
der Glassaum der Vorderfliigel ausnahmsweise sehr breit ist und 
daß am Saume der Hinterfliigel zwischen (!) den Adern vier bis 
zum Saume dunkle Glaskeile auftreten, die groß und kompakt sind. 
Die Abbildung bleibt darin noch etwas zurück. Ich benenne diese 




Fig-. 5. Parnassius apollo ab. theiodes Schaw. 

auffallende Abart ab. sphenagon (== Keilträger). Die vielen hier 
erwähnten Formen stammen von derselben Bergwiese. Die meisten 
d 1 haben 1. eine stark hervortretende weiße oder gelblichweiße 
Grundfarbe, 2. geringe Fleckenbildung, 3. geringen Glassaum und 
schwache submarginale Staubbinden. Ansehnliche Größe. 

Und nun vergleiche man das hier Gesagte mit den Worten 
in Rebel und Rogenhofers Aufsatz „Zur Kenntnis des Genus 
Parnassius L. in Osterreich -Ungarn" (Jahresbericht des Wiener 
Entomologischen Vereines, 1893, p. 62 — 63). 

h* 



(116) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Es paßt jeder Satz der Beschreibung von liburnicus Rbl. und 
Rghfr. auf meine herzegowinische Serie. Zum Schlüsse heißt es: 
„Jedenfalls kommt diese Form (Liburnicus), namentlich durch die Re- 
duktion der Analflecke der Hinterflügel, sowohl dem etwas größeren 
typischen Hesehölus Nordm. (vgl. Stgr., Iris, V, p. 305) als auch der 
Apolloform aus Griechenland sehr nahe, von welch letzterer Stgr. 
(Hör., 1870, p. 32) bemerkt: ,Die griechischen cT zeichnen sich 
durch Verschwinden der schwärzlichen Zeichnung am Außenrande 
aller Flügel aus', was auch bei Liburnicus stimmt." Alles dort 
Gesagte stimmt auch mit meinen herzegowinischen Tieren. 

Von der var. carpathicus Rbl. und Rghfr. unterscheidet sich 
Liburnicus durch die mehr weiße und gelblichweiße (besonders 
beim cf), nicht stark bestäubte Grundfarbe und besonders durch 
die viel weniger starke schwarze Fleckenbildung der Vorderflügel. 

Den sibirischen Formen kommt Liburnicus in der Größe sehr 
nahe, ist aber im Durchschnitte doch etwas kleiner. Die q des sibi- 
rischen Apollo (mein größtes 9 mißt 80 mm) sind viel mehr schwarz be- 
stäubt und haben die roten Augenspiegel viel breiter schwarz umrandet. 

Hiemit wollte ich die herzegowinischen Apollo näher be- 
schreiben und hervorheben, daß sie zu Liburnicus gehören und 
stark aberrieren. Es mag sein, daß die 9 etwas größer und 
dunkler sind als die meisten Apollo vom Velebit. Um aber Lokal- 
rassen zu benennen, muß man viele Falter (in diesem Falle lagen 
den Autoren besonders wenig 9 vor) an allen Lokalitäten vor 
sicli haben, wie ich sie aus der Herzegowina besitze. Nach einem 
Dutzend oder gar nur nach einigen Exemplaren macht man keine 
Apollorassen. ßei Aberrationen oder bei anderen nicht so aber- 
rierenden Arten ist das ganz anders. Zu Liburnicus gehören alle 
Apollo voin Velebit bis nach Griechenland, vom Balkan und viel- 
leicht auch aus Kleinasien. Ilosniensis, Hercegovinensis, Rhodopem 
sis und QrajlM mögen fallen". 

Versammlung am 9. Februar 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

L Herr Leo Sch wi ngenscli u ß demonstriert ein schönes 
Serienrnaterial einiger von ihm im Glocknergebiete gesammelten 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(117) 



Arten, darunter Erebia pharte Hb. und ab. phartina Stgr. Von ' 
letzterer ein ganz zeichnungsloses, einfarbig schwarzbraunes Stück 
(c?) (ab. extrema Schwing.). Ferner einige Geometriden, darunter 
Larentia flavicinctata Hb. und L. nobiliaria H.-S. 

IL Prof. Rebel berichtet über eine kleine Anzahl Heteroceren, 
welche von Hauptmann J. Polatschek im Jahre 1910 auf der 
großen Pityusen-Insel Ibiza gesammelt wurden. Bei dem Um- 
stände, als über diese Insularfauna nur ganz spärliche Nachrichten 
vorliegen (vgl. Pagenstecher, Geogr. Verbr., p. 174), haben auch 
die wenigen Arten ein faunistisches Interesse: 

Tlialpochares scitiäa Rbr. c? 29. August. 
Acidalia cervantaria depressaria Stgr. 9 30. März. 
Acidalia elongaria Rbr. Mehrere kleine Stücke vom 26. August. 
Gnophos mucidaria Hb. cT 6. April, 9 27. März, letzteres 
stark weißlich. 

Nomophila noctuella Schiff. 29. März. 
Oegoconia quadripuncta Hw. 28. März. 

III. Herr Dr. H. Zerny hält einen Vortrag über die Ent- 
wicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna 
Nieder Österreichs, der in diesen „Verhandlungen", Heft 4, ab- 
gedruckt erscheint. 

Versammlung am 1. März 1912. 

Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

I. Der Vorsitzende legt nachstehende Druckwerke mit kurzen 
Referaten vor: 

Druce, Hamilton H., Illustrations of African Lycaenidae. 

London, 1910. (Mit 8 phot. Tafeln.) 
Eggers, Fritz, Über das thoracale Tympanalorgan der Noc- 

tuiden. (Sitzungsb. Naturf. Ges. Univ. Dorpat, XX, 1911.) 
Galvagni, Dr. E. und Preissecker Fritz, Die lepidoptero- 

logischen Verhältnisse des niederösterr. Waldviertels. 

I. Teil. (XXII. Jahresber. Wien. Ent. Ver. 1911.) 



(118) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Hafner, J., Verzeichnis der bisher in Krain beobachteten 
Großschmetterlinge. VI. und VII. Teil. (Carniolia, 1911 
und 1912.) 

Kopec, Stefan, Untersuchungen über Kastration und Trans- 
plantation bei Schmetterlingen. (Arch. f. Entwicklungs- 
mechanik, 33. Bd., 1911.) 

Pagen stech er, Dr. Arn., Über die Geschichte, das Vor- 
kommen und die Erscheinungsweise von Pamassius 
mnemosyne L. (Jahrb. Nass. Ver. f. Naturk., 64. Jahrg. , 
1911.) 

Przibram, Hans, Die Homoeosis bei Arthropoden. (Arch. f. 

Entwicklungsmechanik, 29. Bd., 1910.) 
Rotschild, Baron N. Charles, Beitrag zur Lepidopterenfauna 

der Mezöseg. (Verh. u. Mitt. Siebenb. Ver. f. Naturw., 

LXII, 1912.) 

Stauder, H., Beiträge zur Kenntnis der Makrolepidopteren- 
fauna der adriatischen Küstengebiete. (Boll. Soc. Adriat. 
Trieste, 25, 1911.) 

Turati, Emilio e Verity Roger, Faunula Volderiensis (Alpi 
maritime). (Boll. Soc. Ent. Italian., XLII, 1910.) 

Turner, J., Luperina (Apamea) gueneei. (Ent. Ree, XXIII.) 

II. Derselbe macht das Vorkommen einer für die Monarchie 
neuen Noctuide bekannt: 

Herr H. Kiefer in Admont sandte zwei am 25. und 26. August 
v. J. am elektrischen Licht in Admont erbeutete Stücke (cT) einer 
A gratis- Art ein, welche bereits von G. Höfner in Wolfsberg rich- 
tigerweise als eine Form der Agrotis subrosea Stph. erkannt wurden. 
Diese Art wurde bisher in Mitteleuropa außerhalb Englands (wo 
die Art Übrigens nicht mehr vorkommt) nur noch in Ostpreußen, 
kttrzlicfa aneb in Pommern und den baltischen Provinzen gefunden. 

Ks liegl also eine faunistiscb sehr interessante Entdeckung 
für das Alpengebiet vor. 

Obwohl die beiden Stücke, von denen das größere stark ab- 
^cflo^en ist. noch keine ausreichende Diagnose der zweifellos an- 
zunehmenden neuen Lokalform ermöglichen, lassen sich doch die 
wichtigsten l'ntcrsehiede derselben darin erkennen, daß die Flügel 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(119) 



etwas kürzer (breiter) geformt sind als bei der englischen Stamm- 
form und der var. subcoerulea. Die Grundfarbe der Vorderflügel 
ist bei dem frischeren (kleinerem) Stück ziemlich lebhaft rotgrau 
und nur längs des Vorderrandes schwach veilgrau bestäubt, stimmt 
also besser mit der Stammform als mit der nordischen Varietät 
subcoerulea. Abweichend von beiden ist die Unterseite der beiden 
Admonter Stücke, welche den äußeren (bei subcoerulea besonders 
deutlichen) Bogenstreifen aller Flügel kaum angedeutet zeigt. 

Hoffentlich ermöglicht weiteres Material von Admont bald 
eine Ergänzung der Diagnose der alpinen Form, welche nach ihrem 
Entdecker als Agrotis subrosea kieferi bezeichnet sei. Herr 
Kiefer hat das wertvolle Stück, welches vorgewiesen wird, der 
Landessammlung des Hofmuseums freundlichst gewidmet. 

III. Herr Dr. Egon Galvagni sendet nachträglich folgenden 
Bericht ein: 

Herr Dr. S. v. Prowazek hatte die Liebenswürdigkeit, mir 
eine kleine Ausbeute an Lepidopteren zu übermitteln, welche von 
ihm größtenteils im verflossenen Jahre auf den Mariannen- und 
Samoainseln gemacht wurde und für erstere Lokalität die größte 
bisher bekannt gewordene Ausbeute darstellt (cfr. Pagenstecher A., 
Die geographische Verbreitung der Lepidopteren, Jena, 1909, 
p. 305). Dr. v. Prowazek sammelte Mitte Mai 1911 auf der Insel 
Tinian „auf dem Wege zur verlassenen Bananenpflanzung", wo 
jedoch nur zwei Arten in je einem Stücke: Papilio xuihus L. und 
Euploea (Salpina) kadu, erbeutet wurden. Das #w#ms-Exemplar 
zeichnet sich durch ein sehr düsteres Kolorit aus. Das Schwarz 
der Rippen und Binden ist stark verbreitert, auch die Mittelzelle 
verdunkelt, wodurch die gelbe Grundfarbe sehr wenig hervortritt. 
Übrigens kommen solche Stücke auch in Ostasien auf Korea und 
am Amur vor, wie ich an einer größeren Serie im k. k. naturhistori- 
schen Hofmuseum feststellen konnte. Das Vorkommen dieses cha- 
rakteristischen ostpaläarktischen Vertreters, der jedoch von Jordan 
(Seitz, Die Großschmetterlinge der Erde, II, Bd. IX, p. 48) bereits von 
Guam erwähnt wurde, bleibt jedenfalls sehr bemerkenswert. Weitaus 
der größere Teil der Mariannenausbeute stammt von der Insel Say- 
pan (Sajpan) aus der Umgebung von Garapan, Mai 1911 und ent- 



(ISO) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



hält noch zwei weitere, allerdings sehr verbreitete paläarktische 
Arten: Danais plexippns L. und Acidalia remotata Gn. 

Auf den Sanioainseln sammelte Dr. v. Prowazek im 
Oktober und Dezember 1910 auf Upolu um Apia und die meisten 
Geometriden in Tangomanono. 

Die äußerst variable Boarmia acaciaria B., welche in der 
Ausbeute Dr. Kechingers mit einer reichen Serie von 43 Stücken 
vertreten war, liegt gleichfalls in 16 Stücken (15 cf, 1 9) vor, 
darunter auch die von Prof. Rebel 1 ), Taf. 18, Fig. 5, 6 u. 15 ab- 
gebildeten Formen. Acidalia remotata Gn. wurde auch hier erbeutet. 
Außer dieser Art befinden sich noch drei weitere in Dr. Rechingers 
Material nicht vertretene Arten: Gatephia acronyctoides Gn., eine 
lihodoyieura- Art und eine Gelechia spec. Leider hatte die Ausbeute 
einen Angriff von Ameisen, ein bekannter Übelstand für Sammler 
in den Tropen, zu tiberstehen gehabt. Herr Dr. v. Prowazek über- 
ließ seine Sammelergebnisse zur freien Verfügung, wofür ihm herz- 
lichst gedankt sei. Die paläarktischen Arten befinden sich jetzt in 
meiner Sammlung, der weitaus größere Teil wurde als Ergänzung 
des Rechingerschen Materiales der Sammlung des k. k. natur- 
historischen Hofmuseums übergeben. 

Lepidopteren (det. Prof. Rebel). 

A .Marianneninseln (Tinian, Mitte Mai 1911 und Sajpan 

[Tmgebung von Garapan] Mai 1911). 

Ilhopalocera. 

Papilio xuthus L. Tinian. 

/)a>/ats )/lcj ippus L. ü\ O. 

Euploea t kattia) eHeufho Quoy et Gaynard. cf, 9. 
Eu)>h)c.<i (Salpinx) kadu Eschsch. 9. Tinian. 

Sphiiiiridae. 

Chrom is f-rolnn Cr. ,', 9. 

') K»bil II Lopirlopteren von den Samoainseln. Wien, 1910 (in Rej 
' blBfCi K Bot booI. Ergebnisse von den Samoa- und Salomonsinseln. Sep.- 
Abdr a. d. Denkichrif t<:n der rnatli nuturw. KI.'ihhc der k.ai.s. Akad. der Wi8S. 
01 Wii-ii, Hd l.XXXV,. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. (121) 

Noctuidae. 

Leocyma tibialis F. cT. 

Polydesma inangulata Gn. d\ Umgebung Garapans. 
Lacera alope Cr. 9. 
Ophiusa serva F. cT. 

Geometridae. 

Acidalia remotata Gn. d\ 9. 
Boarmia acaciaria B. cT. 

Pyralidae. 

? Laodama oenochreella Rag. 9. 
Endotricha mesenterialis Wik. 9. 
Glyphodes spec. (bei nigropunctalis Brem.). d\ 

B. Samoainseln (Upolu, Dezember 1910). 

Noctuidae. 

Gonitis fulvida Gn. d\ 
Catephia acronyctoides Gn. d\ 
Erastria ritsemae Snell. cT. 

Thyrididae. 

Bhodoneura spec. 

Greonietridae. 

Thalassodes quadraria Gn. cT. 

Acidalia remotata Gn. 

Boarmia acaciaria B. 15 d\ 19. 

(xelechiidae. 

Gelechia spec. 9. 

IV. Schließlich hält Herr Prof. Rebel auf Grundlage seiner 
diesbezüglichen, kürzlich erschienenen Arbeit x ) einen Vortrag über 
die „Lepidopterenfauna von Herkulesbad und Orsova". 

x ) Annal. Naturhist. Hofmuseum, Bd. XXV, p. 253—430, Taf. 7. 



(122) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Versammlung am 12. April 1912. 
Vorsitzender: Herr Dr. Egon Galvagni. 

(Die beiden Obmänner sind am Erscheinen verhindert.) 

I. Herr Dr. Karl Schawerda bespricht unter Demonstration 
einige Arten aus Bosnien und der Herzegowina und gibt seiner 
sicheren Überzeugung* Ausdruck, daß Coenonympha arcania L. und 
satyrion Esp. zwei voneinander völlig verschiedene Arten sind. 

Zur ersten Art gehört die var. insubrica Frey, zur zweiten 
(satyrion) gehören var. darwiniana Stdgr., var. epiphilea Rbl. (=phi- 
lea Frr.) und var. orientalis Rbl. 

Die Binden auf der Hinterflügelunterseite sind innen ganz 
anders begrenzt. Während die arcania-F ormen unter anderem 
einen größeren Zahn gegen die Basis vorspringen lassen, ist die 
weißliche Binde der satyrion-F ormen nach innen so ziemlich gleich- 
förmig gelappt. Bei der einen Gruppe steht das Vorderrandauge 
außerhalb der Binde, bei der anderen in der Binde selbst. Schon 
dies alles läßt auf eine Artverschiedenheit schließen. Meine lang- 
jährige Vermutung wurde aber zur Gewißheit in mir durch die Tat- 
sache, daß ich die var. insubrica mit der var. orientalis auf ein 
und derselben Wiese in der südlichen Herzegowina in der Höhe 
von 1200 m auffand. (Zeugen waren die Herren Ernst Fitz und 
Dr. Karl Schiina.) Zwei so völlig verschiedene Formen wie in- 
Bubrica und orientalis, die miteinander nie zu verwechseln sind 
und auch niemals Übergänge aufweisen, können nicht einer Art 
angehören. Noch dazu traten in zwei Jahren die insubrica erst 
auf. als auf derselben eng begrenzten Wiese die orientalis schon 
total abgeflogen waren. Das ist alles ein so sicherer schlagender 
Beweil der Artverschiedenheit, daß ich von einer Genitalunter- 
RiehllBg eine derartige Untersuchung bei arcania und satyrion 
vor Jahren loll keinen Unterschied ergeben haben, war also sicher 
mangelhaft oder ungenügend) nur eine begrüßenswerte Bestätigung 
einer feststehenden Tatsache erwarte. 

\\ Viiii dir Tatsache, daß insubrica und orientalis zwei ver- 
lehiedenen Arten angehört, feststeht, wird niemand, der alle Formen 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(123) 



kennt, im Zweifel sein, daß die insubrica zur arcania und die 
orientalis zur satyrion, darwiniana und epiphilea (philea) gehören. 

II. Herr Franz Hauder sendet nachstehende Beschreibung 
einer neuen Tineidenform : 

Incurvaria vetulella Ztt. var. triglavensis (nov. var.). 

Herr Baurat H. Kautz in Wien fing am 28. Juni 1909 nächst 
der Vosshiitte (1523 m) im Triglavgebiete und am 18. August 1910 
auf der Crna Prst in Krain 10, beziehungsweise 1 Stück einer 
durch Färbung und Zeichnung auffälligen Form von Incurvaria 
vetulella Ztt., der wohl auch das von Dr. A. Penther am 17. Juli 
1899 auf dem letztgenannten Fundorte erbeutete männliche Exem- 
plar angehört (vgl. Dr. Rebel, Lepidopteren aus dem Gebiete des 
Triglav und der Crna Prst in Krain, XVI. und XXL Jahresbericht 
des Wiener ent. Vereines, p. 73, beziehungsweise 146). 

Diese mir von Herrn H. Kautz zur Bestimmung übermittelten 
Krainer Stücke unterscheiden sich von der Stammform, der sie an 
Größe fast nahekommen, durch die heller gelbbraune Färbung der 
Vorderflügel, die in der Saummitte nicht weißlichen Fransen, be- 
sonders aber durch die weiße, strichartig schmale Zeichnung 
an Stelle der Innenrandflecke und des nicht konstanten Tröpfchens 
vor der Flügelspitze. Der erste senkrecht stehende Innenrandstrich 
reicht meist Uber die Flügelmitte, der zweite am Beginne der Fransen 
ist stets kürzer, öfters auch sehr reduziert und das bei einigen 
Stücken fehlende Strichelchen vor der Flügelspitze gegen die Saum- 
mitte gerichtet. 

Die vorliegenden Stücke machen den Eindruck einer lokalen 
Form, denn gleiche aus außerkrainischen Fundorten sind mir bis 
nun nicht bekannt geworden; sie erscheinen daher namensberech- 
tigt und ich benenne sie nach ihrem Vorkommen im Triglavgebiete 
var. triglavensis. 

Prof. Rebel bemerkt nachträglich hiezu, daß ihm die gleiche 
Yetidella-F orm auch von der Bjelasnica in Bosnien bekannt wurde. 
Dort kommen auch Stücke mit zeichnungslosen braungelben Vorder- 
flügeln vor, die als ab. unicolor bezeichnet wurden (Rebel, Annal. 
Naturhist. Hofmuseum, Bd. XIX, p. 372). Die ab. unicolor findet 



(124) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



sich auch in Steiermark (Aflenz und anderwärts). Ihr entspricht 

pallidulella H.-S., 312 (nec 311). 

III. Herr Prof. Rebel sendet unter Bezugnahme auf den im 
Vorjahre veröffentlichten „Beitrag zur Lepidopterenfauna von 
Syrien" 1 ) nachstehende Notiz: 

Herr Julius Herzog erbeutete im April 1910 bei Beirut ein 
männliches Stück von Piletocera aegimiusalis Wik., welches in die 
Sammlung des Herrn Zentralinspektors Prinz gelangte und mir 
erst nachträglich zur Determination zukam. Diese durch den männ- 
lichen Fühlerbaü sehr ausgezeichnete Hydrocampine (Pyralide) ist 
nicht bloß neu für die syrische Fauna, sondern für das Mediterran- 
gebiet überhaupt. Sie ist ein tropisch-indisches Faunenelement. 

IV. Herr Fritz Wagner hält unter Vorlage eines reichen 
Materiales von Lepidopteren und photographischen Ortsaufnahmen 
einen Vortrag über seine 

Heise nach Andalusien. 

Von Herrn Prof. Rebel aufgefordert, über meine im Vorjahre 
durchgeführte Reise nach Andalusien zu berichten, komme ich dieser 
Aufforderung gerne nach und will versuchen, Ihnen in kurzen Um- 
rissen meine Tour und die während derselben gemachten lepidoptero- 
logischen Beobachtungen zu schildern. 

Ehe ich zur eigentlichen Schilderung übergehe, möchte ich 
ein paar Worte über die von uns eingeschlagene Reiseroute ver- 
lieren. Wir, d. h. mein Freund Dr. Jaitner und ich, hatten be- 
schlossen. Spanien — soweit dies möglich — zur See zu erreichen. 
Zu die.-crn Zwecke fuhren wir nach Genua, um uns dort auf einen 
auf der Rückreise befindlichen Ostasiendampfer des Norddeutschen 
Lloyd nach Gibraltar einzuschiffen. Bessere Eingangspforten nach 
Andalusien, beziehungsweise Granada wären ja Almeria oder Malaga 
-' cn; du diesi Häfen jedoch nur von einigen spanischen und 

französischen Cttstendampfero angelaufen werden, die 6—8 Tage 
unterwegs sind, zogen wir trotz des Umweges über Algier die 

') Vergl. diese „Verhandlungen", Jahrg. 1911, p. (142) — (156). 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. (^^) 



Linie Genua — Gibraltar vor. Nach dreitägiger prächtig verlaufener 
Seefahrt liefen wir im Hafen von Gibraltar ein und konnten am 
nächsten Morgen unsere Reise nach Granada mit der von Algeciras 
ausgehenden andalusischen Eisenbahn fortsetzen. Wir brauchten zu 
der kaum 370 km betragenden Strecke nach Granada volle 11 Stun- 
den und waren froh, als endlich auch dieser, trotz vieler landschaft- 
licher Schönheiten unangenehmste Teil unserer Reise bewältigt war 
und wir nach insgesamt sechstägiger Fahrt unsere Füße auf grana- 
dinische Erde setzen konnten. 

Die heutige Provinz Granada, im ungefähren Ausmaße von 
12.700 km 2 , gehört in ihrer gesamten Ausdehnung zu Hochanda- 
lusien, einem ausgesprochenen Gebirgslande von stellenweise groß- 
artiger Schönheit. Auf die orographischen etc. Verhältnisse hier 
einzugehen, verbietet die beschränkte Zeit und liegt auch nicht 
im Rahmen meines heutigen Berichtes. Soviel sei nur bemerkt, 
daß Hochandalusien — auch die granadinische Bergterrasse ge- 
nannt — aus tertiären und diluvialen Ablagerungen besteht, daß 
die zahlreichen, ganz Hochandalusien isoliert oder in zusammen- 
hängenden Zügen durchsetzenden Sierren, die in verschiedenen 
Richtungen streichen, sowohl in ihrer äußeren Gestalt als auch in 
ihrer Zusammensetzung sehr unterschiedliche Charaktere aufweisen. 
So besteht z. B. die Sierra Nevada zum größeren Teil aus reinem 
Urgestein — meist kristallinischen Schiefern — , die sich oft in 
Gestalt von Blöcken und Platten in ganz pittoresker Weise über- 
einander türmen. (Durch die Freundlichkeit des Herrn Rib be- 
Dresden bin ich in der Lage, einige photographische Aufnahmen 
zirkulieren zu lassen, die diese Formationen in sehr anschaulicher 
Weise zeigen.) Zum geringeren Teile sind . die Urgesteinsmassen 
der Nevada mit Sekundärschichten aus bläulichem Dolomit oder 
Jurakalk bedeckt. Die in drei außerordentlich schön geformten 
Pyramiden emporragende Sierra Elvira, die Sierra Alfacar, Sierra 
Jarana u. a. bestehen aus Jurakalk, andere Sierren wieder sind 
aus porphyrartigem Gestein aufgebaut. 

Das Klima Hochandalusiens ist ein ausgesprochen kontinen- 
tales, da im Innern des Landes der ozeanische Einfluß nicht mehr 
zur Geltung kommt und auch die Nähe des schneebedeckten Hoch- 
gebirges von Einfluß sein dürfte. Große Temperaturextreme sind 



(126) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



z. B. in der Umgebung der Stadt Granada selbst noch im Juni 
keine seltene Erscheinung und ich habe es erlebt, daß tagsüber 
durch eine infernalische Hitze das Sammeln einem fast verleidet 
werden konnte, während die darauffolgende Nacht an angenehmer 
Kühle nichts zu wünschen übrig ließ, ganz abgesehen von durch 
Regen oder Wind verursachte Abkühlung. 

Die vorherrschende Windrichtung ist eine westliche, doch 
haben wir selbst von stärkeren Luftströmungen nie allzuviel zu 
spüren bekommen; jedenfalls traten solche in keiner für den Lepido- 
pterologen Argerniß erregenden Weise auf, da sie ihre Hauptstärke 
zur Zeit der Aequinoktien entwickeln. Die Niederschlagsmenge 
um Granada beträgt im Durchschnitt etwa 4 / 5 der mitteleuropäischen, 
ist in den Frühjahrs- und Herbstmonaten am dichtesten, wird im 
Mai — Juni schon sehr gering und verschwindet im Juli und August 
fast gänzlich, was zur Folge hat, daß bereits im zweiten Julidrittel 
alle Vegetation um Granada verbrannt und das Insektenleben bei- 
nahe erstorben ist. Etwas günstiger ist es dann im Gebirge, wo 
erstens die Niederschlagsmengen größere sind und auch eine ge- 
nügende Bodenfeuchtigkeit die Vegetation noch bis Ende Juli frisch 
und grün erhält. 

Im Winter fällt um Granada regelmäßig Schnee, der dort 
nach den Angaben der Leute oft im Februar noch liegen bleibt, 
in der Sierra Alfacar noch Mitte Mai zu finden ist und auf der 
Sierra Nevada überhaupt nicht vollständig schwindet. Während 
m serer Anwesenheit fielen etwa um den 10. Juni auf der Nevada 
solche Schneemengen, daß die nördlichen Abhänge bis auf ca. 1200m 
berab dicht damit bedeckt waren und selbst die heiße spanische 
Sonne mehrere 'läge Arbeit hatte, den Schnee wieder weg zu 
schmelzen. 

Ich komme jetzt zur Schilderung der Sammelgebiete und will. 
Ihnen vorerst die Lage der Stadt Granada mit wenigen Worten 
beschreiben. Granada liegt in unbeschreiblich schöner Lage amj 
Znsammenflnfl dei Genil und Darro, am Nordabbange der Sierra; 
tferadft, nur vrenige Kilometer von dieser entfernt und ist auf] 
iwei Httgeln terratsenfbrmig aufgebaut. Zu Fußen der Stadt breitet] 
-ich die Yc^t von Granada, eine überaus fruchtbare, viele Quadrat- 
kilometer bedeckende Ebene aus, die von den beiden genannten' 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(127) 



Flüssen und ein von diesen ausgehendes Netz von Bewässerungs- 
gräben künstlich bewässert wird. Lepidopterologisch bietet die 
Vega infolge der ausgedehnten Kulturen nur äußerst wenig. Wir 
selbst fingen dort nur Euchl. belemia var. glance, Belia var. Anso- 
nia, Melau. Lacliesis, den AUerweltsbummler Cardui, einige Pier. 
Daplidice und Col. Edusa. Nach Ribbe sollen an den Wasser- 
gräben Lyc. Lysimon und an den Pappeln längs des Genil noch 
Sophia Hybris und Sciapt. var. Bhingiaeformis zu finden sein. 
Auf dem einen der beiden Hügel erhebt sich die altberühmte Al- 
hambra, umgeben von einem aus uralten Bäumen — meist Ulmen 
— bestehenden Parke, der nur leider etwas arg vernachläßigt ist. 
Wenige Schritte hinter dem Park der Alhambra beginnt schon das 
eigentliche Sammelterrain. Auch da bin ich durch die Freundlich- 
keit des Herrn Ribbe in die angenehme Lage versetzt, zur besseren 
Illustrierung meiner Worte Ihnen einige Bilder des Terrains vor- 
legen zu können. 

Dasselbe stellt ein welliges, aus Tertiärschichten bestehendes 
Gelände dar, das gegen Westen in ziemlich steilen Wänden zum 
Darro, gegen Süden und Südosten bedeutend sanfter zum Genil 
abfällt. Besonders die dem Genil zugekehrte Seite ist durch zahl- 
reiche tief eingeschnittene kürzere und längere Täler, die soge- 
nannten Barrancos durchfurcht, welche die Betten der im Frühjahr 
zu Tal stürzenden Bäche sind, im Sommer aber vollständig aus- 
trocknen. Auf diesem ganzen Gelände nun entwickelt sich im 
Mai und Juni eine überaus üppige Vegetation und ein Heer von 
Schmetterlingen. Von hier dominierenden Pflanzen wären in erster 
Linie die Cistus-Rosen zu nennen, die zur Zeit ihrer Blüte, welche 
gerade in die ersten Tage unserer Anwesenheit fiel, mit ihren 
roten, gelben und weißen Blumen einen Auge und Herz erquicken- 
den Anblick boten. Außer diesen wachsen hier aber eine Unmenge 
anderer Pflanzen aus den Familien der Labiaten, Papilionaceen, 
Umbelliferen etc. und aromatische Düfte erfüllen die Luft. Weite 
Strecken werden auch von Spartktm-Büschen bedeckt, auf denen 
die schon von weitem sichtbare — leider stark mit Parasiten be- 
setzte — Raupe von Apop. Spectnim in Menge zu finden ist. Baum- 
wuchs ist nur sehr spärlich anzutreffen. Lediglich an den Ab- 
hängen des Darro finden sich vereinzelt stehende Bäume, meist 



(128) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



immergrüne Eichen (Quercus Hex und coccifera), die sich an einer 
einzigen Stelle zu einem kleinen Wäldchen verdichten. Die Ab- 
hänge des Darro nun und vor diesen die nach einer alten mau- 
rischen Zisterne so benannten „Algives de la Lluvia" waren unser 
weitaus ergiebigstes Sammelgebiet. Hier flogen Pap. var. Feist- 
hameUi, alle um Granada vorkommenden Fuchlo'e- Arten, Melit. 
Fhoebe var. occitanica, Melan. Ines und Lachesis, verschiedene Ly- 
caeniden, Zyg. Sarp. var. Balearica usw. Von den Querem- Büschen 
konnten wir die Raupen von Epicn. Suberifolia, Trick, ilicis, Dryob. 
furva und Tephr. coeeiferata klopfen und aus dem niederen Ge- 
büsch scheuchten wir verschiedene Acidalien und andere Geometri- 
den. Einfach unbeschreiblich aber war die ganz enorme Individuen- 
menge von Zyg. occitanica var. albicans. Diese Art war hier oben 
— allerdings nur an einer beschränkten mit Dorycnium monspel. 
bestandenen Stelle — buchstäblich zu tausenden zu finden. An 
einer einzigen, etwa 30 cm im Durchmesser messenden Pflanze 
zählten wir weit über 100 Raupen und es war zur Zeit, als die 
meisten Raupen schon verpuppt waren, keine Seltenheit, 20 und 
mehr Kokons, oft 3 — 4 übereinander, an einem einzigen Grashalm 
zu finden. Als ich einmal der Kuriosität wegen zur Flugzeit des 
Tierchens am Platze war, flogen ganze Schwärme desselben zu 
meinen Füßen auf. 

Weitere sehr ergiebige und von uns häufig besuchte Fang- 
stellen waren die verschiedenen Barrancos, vornehmlich das letzte 
und größte derselben, das Barranco Bermejo. Auch hier waren fast 
alle Bchon früher erwähnten Arten zu finden, dazu kamen noch 
M>' Dejnne, F/pin. Ida und Pasiphae, Hesp. Proto, Rhod. Sicanarim 
and CäUibr. var. Srparala, Zyg. Lavandulae etc. Im untersten Teile 
des Baranco, der mit riesenhaften Opuntien bestanden war, fingen 
wir in Menge die hübsche Metoptria Monogramma in frischen Exem- 
plaren und an Mandelbäumen, die vor dem Tale standen, fanden 
wir Maasen von Agl. Tnfausta. Die Kokons dieses Tierchens waren 
in förmlichen Klumpen an den Zweigen befestigt. 

Noch eines Sammelgebietes in der näheren Umgebung Gr 
oadai möchte ich gedenken, der Berge von Penuelas. Es ist di 
ein Höhenzug am jenseitigen Ufer des Darro, etwa 1 Stunde vo 
Ciranada entfernt, auf dein Lyc Corduydon var. albicans in Men 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(129) 



zu finden war. Ich erwähne dieses Gebiet aus dem Grunde, weil 
die genannte Lycaena nur dort und auf der Sierra Alfacar fliegt, 
während sie sonst nirgends in der Umgebung Granadas anzu- 
treffen ist. 

Ich komme nun zur Schilderung der Sierra Alfacar. Diese, 
ein mächtiger aus Jurakalk bestehender Gebirgsstock, liegt etwa 
8 km entfernt nördlich von Granada. Auf leidlicher Straße erreicht 
man in etwa V/ 2 Stunden das am Fuße der Sierra gelegene Dorf 
Alfacar und von dort in weiteren 2 Stunden die Sierra, die sich 
in ihren höchsten Gipfeln bis auf ca. 1700 m erhebt. Wenn man, 
von Granada kommend, dieses trostlos anmutende Gebirgsmassiv 
erblickt, kommt einem schwerlich die Vermutung, daß man hinter 
diesem kahlen Gemäuer ein wahres Dorado betritt, sowie man das 
sogenannte Tranco, eine Art natürlichen Felsentores, passiert hat. 
Eine reiche, stellenweise herrliche Flora erfreut das Auge und 
tiberall herrschst regstes Insektenleben. Die Artenzahl und Indi- 
viduenmenge an Lepidopteren übertrifft womöglich noch die um 
Granada und man kann hier viele von den Darroabhängen und 
den Barrancos schon bekannte Lepidopteren nochmals in frischen 
Stücken fangen. Zu diesen gesellen sich eine Reihe nur der Sierra 
Alfacar eigentümliche Arten und nenne ich z. B. Melit. Besf. var. 
Baeüca, Aar. var. Iberica, Lycaena liylas var. nivescens, Lyc. Lor- 
quinii, Hei. Discoidaria u. a. 

Unser bestes Sammelgebiet war der breite, durch die ganze 
Sierra ziehende Hauptweg, zu dessen einer Seite grüne Wiesen- 
flächen sich ausdehnen, während zur anderen Seite die vom Kamme 
herabziehenden Abhänge, wo sich gleichfalls eine reiche Flora ent- 
faltet hatte, diesen Weg begrenzen. 

Hier wimmelte es nur so von Lepidopteren aller Art und oft 
saßen 20 und mehr Schmetterlinge an einem blühenden Strauch. 

Ein einziger Schlag mit dem Netze brachte oft mehrere Arten 
und man hatte seine liebe Not mit dem Herausfangen. Freilich 
waren gewisse Arten auch hier in ihrem ursprünglichsten Verbrei- 
tungsgebiet nur spärlich anzutreffen und es verursachte redliche 
Mühe, um einer größeren Zahl von Stücken habhaft zu werden. 
Zu diesen gehörte vor allem Melit. Desf, var. Baetica, die erst 
zahlreicher zu finden war, als ihre Flugzeit sich schon dem Ende 

Z. B. Ges. fi2. Bd. i 



030) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



näherte und die Stücke bereits mehr oder minder beschädigt 
waren. 

Weitere sehr gute Fang-steilen waren auch das Barranco Calle- 
joncillo, die Fuente Fraguara, Fuente de la Teja u. a. Sehr an- 
genehm war hiebei, daß man, wenn man früh morgens von dem 
bei der Fuente de la Casilla stehenden Forsthause auszog, sämt- 
liche gute Sammelstellen abgehen, sich auch auf einer oder der 
anderen längere Zeit verhalten konnte und gegen Abend wieder 
beim Forsthause anlangte, da alle die erwähnten Sammelgebiete 
sozusagen kreisförmig angeordnet waren. 

Interessant war das Verhalten einiger Lepidopterenformen, so 
z. B. des von Lyc. hylas var. nivescens. Diese hübsche Form flog 
nicht selten im Baranco Callejoncillo, war aber vorzugsweise in den 
Llanos zu finden. Hier nun war der erwähnte breite Weg in Ab- 
ständen von 300 — 400 Schritten mit blendend weißem Kalkstein 
frisch beschottert. Ich konnte nun mit unumstößlicher Gewißheit 
damit rechnen, daß an allen diesen frisch beschotterten Stellen ein 
oder mehrere nivescens zu finden waren, und zwar nur dort; auf 
den dazwischen liegenden Strecken, wo das gewöhnliche lehmig 
gefärbte Erdreich zu Tage trat, war auch nicht ein Stück zu sehen. 
Offenbar hatte das Tierchen in einer Art von Anpassung diese ihm 
sympathisch scheinenden weißen Stellen bevorzugt. 

Meine Ausbeute in der Sierra, wo ich oft tagelang weilte, 
war ein«' mich außerordentlich befriedigende und ich werde trotz 
mancher Entbehrungen und Mühseligkeiten stets mit Vergnügen an 
die schönen Sammeltage dort oben zurück denken, umsomehr, als 
mir die Bewohner der Sierra, namentlich aber zwei höhere Forst] 
beamte, die ich ohen kennen lernte, in der denkbar liebenswürdig 
Iten Weise entgegenkamen und mir sogar ein Zimmer des neuen 
Forsthausei zur anbeschränkten Benützung zur Verfügung stellten. 

Sie werden vielleicht befremdet sein, daß in meinem Bericht! 
fast ausschließlich nur von Rhopaloceren, höchstens noch von Zy- 
gaenen and wenigen öeometriden die Rede ist. Das hat seinen 
Qrond darin, daß der weitaus größte Teil der Ileteroceren sich 
während meines Aufenthaltes in Andalusien leider gerade im Puppen! 
Stadium befand. Ich konnte eine Bestätigung dieser Tatsache darin 
erblicken. d;i|{ icli manche Arten namentlich Geometriden — 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(131) 



erst in den allerletzten Tagen meines Dortseins in frisch geschlüpften 
Exemplaren erbeutete. Die Mehrheit der Noctuiden und viele Geo- 
metriden erscheinen aber erst im September und Oktober, wenn 
die ersten Herbstregen fallen und die Gelände sich mit frischem 
Grün bedecken. Auch die Suche nach Raupen brachte keine nennens- 
werten Resultate, da schon Ende Mai viele Raupen verpuppt sind, 
um die Zeit der Trockenheit in der Erde zu verbringen. 

Damit wäre ich nun mit dem sozusagen „lebenden Faunen- 
bilde" des von mir besuchten Gebietes zu Ende und möchte nur 
noch einige allgemeine Bemerkungen, die gesamte andalusische 
Fauna betreffend, hinzufügen. 

Hier stütze ich mich zum Teil auf die Angaben Ribbes in 
seiner eben zum Abschluß gebrachten Arbeit über die Lepidopteren- 
fauna Andalusiens („Iris", Bd. XXIII) und komme zu folgenden 
Resultaten : 

Nach Ribbe sind für Andalusien, nach dem heutigen Stande 
unserer Kenntnis, 1061 Formen (Arten und Lokal Varietäten) so- 
genannter Makrolepidopteren nachgewiesen; gewiß eine stattliche 
Zahl, wenn wir berücksichtigen, daß in Andalusien intensiver eigent- 
lich nur an wenigen Orten (Chiclana, Malaga, Ronda und Granada) 
gesammelt wurde. Andererseits ist diese relativ hohe Ziffer nur der 
überaus energischen Sammeltätigkeit mehrerer tüchtigen Lepido- 
pterologen, und ich möchte bemerken, in erster Linie deutschen 
Lepidopterologen, zu verdanken. Schon in den Dreißigerjahren des 
verflossenen Jahrhunderts haben Graslin und Rambur in Anda- 
lusien gesammelt und ihre Funde auch publiziert. Nach diesen 
beiden haben Leder er und Staudinger um Malaga, Chiclana 
und Granada, dann in den Achtzigerjahren abermals Staudinger, 
Ribbe mit seinen Söhnen und Korb vorwiegend um Granada ge- 
sammelt. Korb sammelte auch bei Lanjaron am Südabhange der 
Nevada. Das weitaus größte Verdienst um die lepidopterologische 
Erforschung des Territoriums haben sich aber die Brüder Ribbe um 
die Mitte des vorigen Dezenniums erworben, wo durch 18 Monate 
in der Umgebung Granadas, auf der Sierra de Alfacar und auf der 
Sierra Nevada fleißig und erfolgreich gesammelt wurde. 

Die 1061 für Andalusien nachgewiesenen Formen verteilen 
sich wie folgt: 

i* 



(132) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



Rhopalocera 180, Sphing. bis Thyrpid. 77, Noctuae bis Cyraa- 
topbor. 416, Geometridae 282, Nolid., Arctiid. bis Hepialidae 106. 
Nicht aufgefunden wurden bisher in Adalusien nur Vertreter der 
Endromiden und Brephiden. Ich habe mich der Mühe unterzogen, 
die Lepidopterenfauna Andalusiens zum Teil in ihre Bestandteile 
zu zerlegen. Da überrascht uns nun die verhältnismäßig große 
Zahl endemischer Formen; es sind beinahe 10°/ des gesamten 
Faunenbestandes, und zwar ca. 5°/ r ^in andalusisch-endemischc 
und etwa 5°/ iberisch-endemische Formen. Allerdings rechne ich 
zu letzteren eine Reihe von Arten, die auch schon aus Südfrank- 
reich nachgewiesen wurden. Sicher sind aber auch diese als ibe- 
risches Faunenelement aufzufassen, weil ihre eigentliche Heimat 
und ihr hauptsächliches Verbreitungsgebiet doch in Spanien liegt und 
dieselben bisher nur in jenem äußersten Südostzipfel Frankreichs 
aufgefunden wurden, wo einer Einwanderung von der Pyrenäen- 
Halbinsel wenige oder keine Hindernisse im Wege stehen, weil 
gerade dort die Gebirge vollständig verflachen. Es ist dies die 
Gegend um Perpignan, Montpellier etc. 

Die iberisch-andalusischen Endemismen sind folgende (die 
mit * bezeichneten auch in Gal. mer. or.): 



Parnass. Apollo var. Nevadensis, 
Vieris Dubiosa, 

Colias Hyale var. Alfacariensis, 
Melitaea JJesfont. var. Baetica, 
M. Acfhcrie, 

M . Phoebe var. occitanica, 
Argynnis Ad. var. ChloKOdippe, 
IWelna Tyndnr. var. hispanica, 
Satyrmt Air. var. Vaudalusica, 
8. Arelhusa var. Boabdil, 
S. Adam var. Nrmdensis, 
Cornau. J)oris v;n\ Andnhtsica, 

Lyr. Zephyrui var. Hesperica, 
L. Ilaton var. Pcutoptes, 
L. Jlylas var. tnrrscrns, 
L, Idas, 

L. ( 'orydon i ar hispana, 



L. Corydon var. albicans, 
Ihaumet. hercaleana, 
*Diplura Loti, 
Trirhiura ilicis, 
Lasioc. Trifolii var. Ratamae, 
Macrot. Rubi var. alfaearia, 
Graellsia Isabellae, 
Agrotis Kermesina var. Dar- 

ro'ensis, 
A. Plecta var. unimacula, 
Ai Sabulosa, 
A. Dirempta^ 

A. Arenosat, 
Dianth. . I ndalusica, 
I). Nisus var. Sancta, 
Bryoph. Pmeti, 

B. I'rhrn. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(133) 



B. Verla var. Perlina, 
Hadena Bibbei, 

*Celaena Amathusia, 
Cladocera Baetica, 
Tapinost. Myodea, 
Cosmia idicis, 
Cücullia ScrophtdariphUa, 

C. Cham. var. Leucantliemi, 
C. Achüleae, 

Lithoc. Müllerei, 

Caloph. Almoravida, 

Thalpoch. Grata, 

Prothymnia Sanctiflorentis, 

Cerocala Scapidosa, 

Toxoc. Ghycyrrhizae, 

Euchl. Smaragd, var. Gigantea, 

Nem. Faustinata, 

Acidal. Belemiata, 
*A. Ällyssumata, 
*A. Gallunetaria, 

A. Lukdentaria, 

A. Concinnaria, 
*Lythria Sanguinaria, 

Lareniia Montan, var. iberica, 

L. Flavolineata, 

L. Bis}, var. Iberaria, 

L. Alfacaria, 

L. Kalischat a, 

L. Alhambrata, 
*Asthena Nymphiäata, 



Tephr. Eriguata, 

T. Unitaria, 

T. Massiliata, 

T. Cocciferata, 

Boarmia Atlanticaria, 

Gnophos Cremdata, 
*Anthom. Plumidaria, 
*Selidos. Taeniolaria, 

S. Granataria, 

Encon. Unicoloraria, 

Percon. Baelicaria, 

Helioth. Discoidaria, 

Ocnog. Zoraida, 

Arctia Latreillei, 

LUhos. Sordidida, 

Heter. Paradoxa, 

Zyg. Scab. var. nevadensis, 

Z. Trifolii var. australis, 

Z. hilaris var. Escorialensis, 

Z. Baetica, 

Z. Fausta var. Faustina, 

Z. occit. var. albicans, 

Bio cognata, 
*Hyal. Albida var. Lorquinella, 

H. Malvinella, 

Apterona Gracilis, 
*Sesia Monspeliensis, 

S. Himmighoffeni, 

8. Bamburii, 

S. Myziniformis. 



Hiezu kämen noch einige in neuerer Zeit aufgestellte spanische 
Lokalrassen, deren Differenzierung aber so gering ist, daß sie sich 
kaum werden halten lassen, und zwar: 

Melit. Bejone var. nevadensis, j Satyr. Semele var. Subcinericea, 

Arg. Hecate var. aigina, | Epin. Ida var. Marcia, 

und endlich sechs Formen mit stark disjungierten Areal in Süd- 



(134) 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



rußland, beziehungsweise Balkan, Armenien, Hyrcanien, Kreta und 
Zentralasien. Es sind dies: 

Zegris Euph. var. Meridionalis, Protiiymnia Conicephala, 
Satyrus liippolyte, Acidal. Mancipiata, 

Garadrina Perünax, Larentia LasitMoüca, 

Diese letzten sechs Lepidopterenformen bilden anscheinend 
den weitaus interessantesten Bestandteil der andalusischen Fauna 
und ist vielleicht Herr Prof. Rebel s<s liebenswürdig, uns eine Er- 
klärung über deren so stark getrenntes Vorkommen zu geben. Ich 
möchte noch betonen, daß Zegr. Eupheme und wahrscheinlich auch 
Hippolyte in ihrem östlichen Verbreitungsgebiet Steppenbewohner, 
in Andalusien aber ausgesprochene Bergtiere sind. 1 ) 



*) Prof. Rebel bemerkt hiezu: Das so stark disjungierte Verbreitungs- 
areal der genannten Lepidopterenarten bildet ein sehr schwieriges zoogeogra- 
phisches Problem, welches uns in gleicherweise auch bei anderen Insekten- 
ordnungen entgegentritt. So besitzen auch einzelne Pamphagiden unter den 
Orthopteren und einzelne Cerambyciden (Koleopteren) von ihrem sonstigen 
Verbreitungsareal weit getrennte Kolonien auf der iberischen Halbinsel. 

Tatsache ist, daß es sich bei den oben zuerst genannten beiden Tag- 
faltern {Zegris eupheme und Satyrus Hippolyte), welche in ihrer Verbreitung 
am besten bekannt sind, um xerophile Arten handelt, die zweifellos östlicher 
Herkunft sind. Nicht zutreffend ist die Annahme, daß die beiden genannten 
Arten eigentliche Steppenbewohner seien. Von Satyrus Hippolyte sagt Evers- 
um im (Pn. Volg. Ural.) ausdrücklich, daß sie auch an Vorborgen des Ural 
vorkomme, und auch Zegris eupheme fliegt in Kleinasien auf steinigem Terrain. 

Tatsache ist ferner, daß die genannten Arten keine sehr nennenswerte 
Verschiedenheit in ihren iberischen Kolonien, verglichen mit dem Aussehen 
in den östlichen Verbreitungszentren, aufweisen. 

Was nun die Frage anbelangt, welche Wege die genannten östlichen 
Arten genommen haben dürften, bis sie die so weit entlegenen Wohnplätzd 
.•tut' der iberischen Halbinsel erreich! haben, so müssen seit dieser Ausbrei- 
tung Eweifellot ehr beträchtliche geologische Veränderungen eingetreten sein, 
die 'in Aufgeben der notwendigerweise bestandenen Zwischenstationen vea 

uihacht haben. 

WUrden nicht alle bisherigen Erfahrungen der Annahme widersprechen! 
dafl Ich Lepidopterenarten unverändert seit der Tertiärzeit bis in die Gegen 
BriMlten baben, könnte man zu der Annahme gelangen, daß schon die 
großes srdgeschichtlichen Veränderungen der Miozänzeit (Auffaltung derZeni 
tralgebirge etc.) die Disjunktion dos Verbreitungsareales veranlaßt haben 
.Jedenfall mUsscn die Zwischenstationen, die wahrscheinlich am Stidrande des 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. (1^) 

Einen weiteren sehr interessanten Faunenbestandteil, abermals 
annähernd 5°/ ö des Gesamtbestandes, bilden jene Arten, die Spanien 
mit Marokko, beziehungsweise Nordafrika gemeinsam hat; aller- 
dings scheinen diese nur ein weiterer Beweis für die auch durch 
den Aufbau und die Schichtung der Gebirge von den Geologen 
als feststehend angenommene Tatsache zu bilden, daß Spanien und 
Nordafrika in prähistorischer Zeit eine einzige zusammenhängende 
Ländermasse darstellten. Auch von diesen sind einige (mit * be- 
zeichnete) Formen bereits bis Südfrankreich vorgedrungen. 

Die Spanien und Nordafrika gemeinsam angehörenden Arten 
sind folgende: 

Papilio var. Feisthamelii, *Epicn. Saberifolia, 

Tliais Rumina, 

Melitaea Aur. var. iberica, 

Meiern. Ines, 

TJiecla Quere, var. iberica, 
*Hiestor Ballus, 

Lamp id. Th eop h r a stus, 

Lyceienei Lorquinii, 1 ) 
tChaeroc. Osyris, 

Lymantria Atlantica, 

Lasioc. Serrula. 



*Pachyp. Lmeosa, 
Tarag. Piepanda, 
Lemonia Philopedus, 
*Mcun. Alpigena, 
*M$topoc. Cunteneri, 

M. Felieina. 
*Raphia Hybris, 
Leucan. hispeinica, 
Cleoph. Diffluens, 
C. Pectinicornis, 



damals ganz anders gestalteten europäischen Kontinents gelegen gewesen sein 
dürften, diesen Arten die ihnen auch noch heute entsprechenden Lebensbedin- 
gungen geboten haben. Daß es sich bei ihnen nicht um alpin-präglaziale 
Faunenelemente handeln kann, dem widerspricht ihre sonstige, so weit östlich 
reichende Verbreitung. 

Vielleicht ist die Wanderung sogar längs des gebirgigen Nordraudes 
von Afrika erfolgt, wofür einerseits das Vorkommen von Zegris in Palästina, 
andererseits die damalige Landverbindung zwischen Marokko und Südspanien 
sprechen könnte. Doch liegen keine ersichtlichen Gründe für das Erlöschen 
der darnach anzunehmenden afrikanischen Kolonien vor. 

Jedenfalls ist das genealogische Alter der Arten die Vorfrage, von deren 
Beantwortung auch die Lösung des gedachten zoogeographischen Problems 
zu erwarten steht. 

l ) Die Angaben Thian oc.; Ferg.; und Buch. or. : bei dieser Art im 
Stgr.-Rbl.-Katalog beziehen sich auf Buddhista Alph.. die, fälschlich als Sy- 
nonym zu Lorquinii gestellt, eine — wie ich erst kürzlich nachweisen konnte 
— viel größere, gut differenzierte Art ist. 



(136) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



*Xanthod. Graellsü, 
llialp. Candicans, 
Catoc. Obertlülri, 
EucM. Plusiaria, 
Acidal. Nexata, 
A. Vittaria, 
A. Lambessata, 

*A. Siibsaturata, 
A. Manicaria, 
A. Exilaria, 
A. Fatimata, 
A. Cervantaria, 
A. Completa, 



L. Ibericata, 

L. Sandosaria, 

Phibal. Scorteata, 

Elicr. Cauteriata, 

Fidonia Pratana, 
*Eurranthis Pennigeraria, 
*Tliaumn. Vincidaria, 

11%. Gesticidaria, 

*Plias. Partitaria, 
*Scod. Pennulataria, 
*Prosolopha Joiirdanaria, 

Phragmatobia Pudens, 

Ocnogyna Baeticum. 



Larentia Numidiata, 

Einen sehr großen Prozentsatz am Faunenbestand nehmen 
natürlich die mediterranen Formen für sich in Anspruch, annähernd 
30%; restlichen zirka 50°/ setzen sich aus dem sibirischen, 
dem europäisch endemischen und auch aus dem orientalischen For- 
mt: Ii kreis zusammen (wie z. B. Smer. Quercus, Agrotis Cos und 
Heftiger a, Cleoph. Antirrhini, Hei. incamatus u. a.). Wenige Arten 
sind alpiner (Lyc. orbikdus) und ein kleiner Teil vielleicht derzeit 
unbekannter Herkunft. 

-fleh habe leider nicht die Zeit gefunden, auch diese Faunen- 
elemente mit dem am Faunenbestand teilnehmenden Prozentsatze 
zu registrieren und in der Ribbeschen Arbeit sind gerade solche 
interessante Zusammenstellungen ganz zu vermissen; dafür bringt 
Etibbe eine Reihe von statistischen Tabellen, wo er nur nackte 
Zahlen sprechen läßt und auf Grund welcher er sich zu vollständig 
falschen Schlußfolgerungen verleiten läßt. So nimmt er z. B. an, 
daß die andalusische Fauna mit der asiatischen mehr Ähnlich- 
keit aufweise als beispielsweise mit der sizilianischen, weil von 
den 1101 in Andalusien aufgefundenen Arten ca. 600 in Asien, 
aber hu etwa 506 in Sizilien konstatiert wurden. Daß aber die 
600 auch in Asien beimischen Arten sicherlich zum allergrößten 
Teil Mitteleuropäer sein werden, die einerseits bis Spanien, anderer 
leitf Dil 1 Asien ihr Verbreitungsgebiet besitzen, während von den 500 
in Sizilien beimischen sieherlieli ein Drittel oder mehr der mediterra- 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(137) 



neu Fauna angehören und somit doch die Ähnlichkeit zwischen 
der andalusischen und sizilianischen Fauna die größere ist, das 
scheint Ribbe aus seinen Tabellen nicht herauszufinden. Im übrigen 
ist aber die Rib besehe Arbeit sehr lesenswert und wird jedem, 
der sich für Andalusien und seine Fauna interessiert und even- 
tuell selbst dort sammeln will, namentlich in ihrem topographischen 
Teil viel Wertvolles bieten. 



Versammlung am 3. Mai 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

I. Unter Bezugnahme auf die früher stattgefundenen Ver- 
handlungen mit dem niederösterreichischen Landesmuseum 1 ) teilt 
der Vorsitzende mit, daß neuerlich aus Mangel der erforderlichen 
Mittel der bereits in sichere Aussicht gestellte Betrag nicht an die 
Sektion gelangen werde. 

II. Derselbe spricht unter Bezugnahme auf die am letzten 
Sektionsabend durch Herrn Fritz Wagner angeregte Frage über 
die eigentümlichen Verbreitungsverhältnisse einiger östlichen Lepido- 
pterenarten, welche ein weit disjungiertes Verbreitungsareal auf der 
iberischen Halbinsel besitzen. Die diesbezüglichen Mitteilungen 
sind bereits in einer Anmerkung zum Vortrage Wagners zum Ab- 
druck gebracht. 

III. Herr Fritz Wagner demonstriert: 

a) ein albinotisches Exemplar von Argynnis euphrosyne L. aus 
Schlesien, welches wahrscheinlich zur ab. pallida Spul, zu ziehen 
sein dürfte, 

b) einen gemischten Zwitter von Saturnia pavonia L. aus 
der Wiener Gegend (Bisamberg). 

IV. Herr Dr. E. Galvagni berichtet unter Materialvorlage 
über eine Zucht von Thais polyxena Schiff, aus der Umgebung von 



x ) In diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1910, p. (222): 1911, p. (42) und 
P- (171). 



(138) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Retz. Unter den gezogenen Stücken fand sich auch ab. bipunctata 
Cosm., ab. meta Meig. und ab. ochracea Stgr. 

V. Herr Dr. Karl Schawerda legt als sechsten Nachtrag 
zur Lepidoptereiifauna Bosniens und der Herzegowina 1 ) fol- 
gende Lepidopteren vor, welche er im Juli 1911 in Begleitung 
der Herren Ernst Fitz und Vinzenz Hawelka in der Herzegowina 
erbeutete. Beigefügt sind einige von Herrn Josef Janecko (Jan.) 
gefundene Arten. Die mit einem Sternchen versehenen Arten 
oder Formen sind neu für die Fauna von Bosnien und der Herze- 
gowina. Es wurden ferner mehrere Arten, Abarten oder Varietäten 
angeführt, die nur für eines dieser Länder neu sind. 

Es sind 5 neue Arten, 21 Varietäten oder Aberrationen von 
Makrolepidopteren und 13 neue Arten, 3 Varietäten oder Aberra- 
tionen von Mikrolepidopteren. 

Eine Art, Älucita fitei Schaw. i. 1., ist vorher von Herrn Prof. 
Dr. Rebel als neue Art beschrieben worden. Für die Bestimmung 
und Revision der meisten anderen Mikrolepidopteren danke ich 
Herrn Prof. Dr. Rebel hiemit auf das wärmste. 

Sechs Lokalrassen und eine Abart habe ich neu aufgestellt, es 
sind dies Coenonympha iphis Schirl, ab. und var. iphiäeoides, Coeno- 
nympha arcania L. var. insubrica Fit. in der Form suprophtalmica, 
IWdna mclas llbst. var. hercegovinensis Agrotis multangula Hb. var. 
travtmia : Qrammodes algira L. var. europa, Larentia gdliata Hb. 
v&r. emma und Synopsia sociaria Hb. var. almasa. 

'■■ 1'ohigonia C album L. (166) ab. C extinctum Schultz. 

lynnis aglaia L. (230). Die in diesen „Verhandlungen", HUI, 
p, 175) beschriebene schwarze Aberration unterscheidet sich 
in mehrfacher Hinsicht von der ab. wimanni Holungren. Unter- 
teils haben die Hinterflüge] drei mächtige basale, silberne 
Tropfen. Sechs silberne Randmonde sind bis zum vierfachen 

'j Vgl dieae »Verhandlungen 44 , Jahrg. 1006, p. 650— 652-, 1008, p. (250) 
l»ih (260); Jahreaber. de« W iener Entom. Ver., Jahrg. 1908, p. 85— 126; dieaj 
„Verhandlungen' 1 , Jahrg. 1910, p. (19)— (84) und p. (90— (03), Jahrg. 1911 
0o, und |, IT.- und .Julirtf. 1012 (Varn. apollo liburnicus) und (Coe- 
nonympha). Ben Prof. Bebel beschrieh die drei neuen Mikrolepidoptereil 
Conchylu chawtrdae^ Aktci&a /n.i und Adela rebeUella, 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(139) 



verlängert und durchdringen das Saumfeld (das ja gerade 
bei dieser Art einfarbig und ohne Flecken sein soll) basal- 
wärts bis zur Mittelbindengegend, die in der olivgrünen, goldig 
überflossenen HinterflUgelgrundfarbe beiderseits drei kleine 
dunkle Flecke hat, von denen nur ein einziger einen winzigen 
Silberstrich besitzt. 

fArgynnis pandora Schiff, ab. paupercula Eag. (240). In der Abart 
neu für B. u. H. Vucija bara. Schaw. 

*Argynnis paphia L. ab. marülae Aigner (237). Vucija bara, Juli. 
Schaw. Typisch. In der Abart neu. 

*Erebia melas var. hercegovinensis Schaw. (282). Eine aus- 
gezeichnete Lokalrasse. Herbst hat seine Melas aus Mehadia 
beschrieben. Die südungarische Melas ist also Stammform 
und entfällt die var. hungarica.. Die Hercegovinensis ist kleiner, 
hat oben und unten ganze schwarze dV und auch viel dunklere 
99. Ein einziges von sieben 99 hat oben etwas Rotbraun 
um die weißen Augen und auch unten im Außen teil der Vor- 
derflügel rotbraune Färbung. Sonst sind alle 9 9 oberseits 
und unterseits mehr oder weniger schwarzbraun. Die weißen 
Augen sind oft reduziert und fehlen auf den Hinterflügeln auch 
ganz. Siehe Rebeis Studien über die Lepidopteren der Bal- 
kanländer, IL, p. 165 und Rebeis Lepidopteren von Herkules- 
bad, p. 295. Ich fand diese kleinere schwächere Form auf der 
Baba (Ublic), auf dem Cemernosattel und bei Suha im Juli. 
Sie. kommt sicher auch anderweitig in den Karstgebieten vor. 

fZephyrus quercus L. ab. bellus Gerl. (482). Nevesinje. Jan. In der 
Abart neu für B. u. H. 

*Lycaena orion Pall. ab. omata Stdgr. (574). Nevesinje. Jan. In 

der Abart neu für B. u. H. 
Lycaena semiargus Rott. (637). Vucija bara, Juli. Schaw. Häufig. 
Einige Exemplare zeichnen sich durch ihre Größe und größeren 
Augen auf der Unterseite aus. 

*Epinephele lycaon Rott. (405). Ein c? der ab. pavonia Noel. Gacko. 
Schaw. 

Coenonympha iphis Schiff. (427). In der Herzegowina (Vucija 
bara, 1200 m) fand ich auf den Hinterflügeln ober- und unter- 
seits stark geäugte Exemplare. Die d 1 sind meist oberseits 



(140) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



mit zwei bis drei ausgebildeten braun umringten Hinterflügel- 
augen, unterseits mit sechs hellgelb umringten größeren aus- 
geprägten Augen versehen, die viel stärkere Silberkerne haben 
als die der Stammform. Die Farbe, die weißen Flecke, die 
Bleilinie wie bei der Stammform, Besonders groß, silberig 
gekernt erscheinen die Ozellen auf der Ober- und Unterseite 
der g. Diese 9 sind der Iphicles Stdgr. aus dem Kentei- 
gebirge ähnlich. Ich nenne daher diese Lokalform, die im 
Süden auch anderwärts gefunden werden dürfte, var. iphi- 
cleoides. Es kommen an derselben Stelle natürlich auch Exem- 
plare vor, die sich von der Stammform nicht unterscheiden. 
Goenonympha arcania L. var. insubrica Frr. (433). Typische Stücke 
auf der Vucija bara anfangs Juli beginnend, wenn Orientalis 
Rbl. bereits (auf derselben Wiese) völlig abgeflogen ist. Ich 
habe bereits klargestellt, daß Orientalis einer anderen Art an- 
gehören muß. Nach der Hinterflügelunterseite gehört sie zu 
Satyrion Esp. 

Die Insubrica kommt hier oft in oben auf den Vorder- 
flügeln (apex) und Hinterflügeln geäugten Exemplaren vor. 

Wenn die Ozellen im Apex fast so groß sind wie die 
auf den Hinterflügeln, auf denen sie nicht durchscheinen, son- 
dern gut (zwei bis drei) ausgebildet sind, möge die Abart 
ab. suprophtalmica heißen. Von der Vucija bara stammen 
einige cT und 9 dieser Abart. Schaw. 

Adopoea lineola 0. (621). In der Vucija bara fliegt eine kleine 
Lokalrasse mit stärkeren schwarzen Rippen der Vorderflügel 
and stärkerer schwarzen Umrandung der Hinterflügel. Ich 
erbeutete darunter die Abart ludoviciae Mab. Dieses d 71 ist 
schmutzig ockergelb und hat ganz verdunkelte llinterflügel. 
Der Vorder flügelsaum ist breiter schwarz. Die Mittelzelle ist 
du ich einen feinen schwarzen Strich geschlossen. 

Drymonia (rimaetda Esp. (800) var. dodonaca IIb. cT am Licht. 
Vucija bara, Juli. Seliaw. 

I'halna hw:cphaloidcs 0. (859). Bisina, Mai. Jan. Die Kaupen 
im Spfitberbtt, 

Agroti muUcmgula Hb. Die, bereits (im Nachtrag 1910) 

erwttbnte standhaft ausgezeichnete herzegowinische Lokal rasse 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(141) 



(3 cT, 2 9, Bisina) benenne ich hiemit nach dem alten Namen 
der Herzegowina var. travunia. Während die var. dissoluta 
Stdgr. aus Asien nach Eebel fast aschgraue Vorderflügel hat, 
erscheint die var. travunia auf den Vorderflügeln von hell- 
brauner Grundfarbe, mit der die dunklere braune Zeichnung 
kontrastiert. Ebenso ist Kopf und Thorax lichtbraun. Die 
Hinterflligel und das Abdomen sind besonders beim cT mit 
Ausnahme der Randzone und der Adern fast weiß und 
glänzend. Fransen der Hinterflügel fast weiß, ebenso die 
Unterseite. Beim 9 ist das Braun um einen Ton stärker, 
aber immer noch viel lichter als bei der Stammform. 
Agrotis lucemea L. (1259). In der helleren Varietät dalmata Stdgr. 

in der Vucija bara (1200 m) am Licht. Schaw. 
Agrotis reuiger a Hb. (1299). Ein schönes cf auf der Vucija bara 

am Licht. Schaw. Neu für die Herzegowina, 
Agrotis grisescens Tr. (1303). Vucija bara. Am Licht. Schaw. 
*Mamestra advena F. (1446). Vucija bara. Juli. Licht. Schaw. Neu 
für Bosnien und die Herzegowina. Ein stark verdunkeltes 
rostbraun und veilgraues cT. 
Mamestra tincta Brahm. (1449). Ein 9 am Licht erbeutet. Vucija 

bara, Juli. Schaw. Neu für die Herzegowina. 
t Mamestra Serena Schiff. (1514) ab. lenconota Ev. In dieser Ab- 
art neu für B. u. H. Mostar, Juni. Jan. 
Dianthoecia capsincola Hb. (1550). Mostar, Juni. Jan. Ein großes d\ 
Mir fällt auf, daß ich in den Lehrbüchern ein Merkmal 
unerwähnt finde, das fast allen Dianthoecien gemein ist. Es 
ist dies ein auffallend heller kleiner .punktförmiger Fleck am 
Außenrand der Hinterflügel außerhalb des Analwinkels. Es 
haben diesen lichten Punkt auch einige Mamestra. 
Dianthoecia caesia Bkh. (1539). Vucija bara, Juli. Ein schön blaues 

Pärchen. Lichtfang. Schaw. 
* Dianthoecia proxima Hb. (1530). Ein 9. Vucija bara. Schaw. Neu 
für B. u. H. 

Bryophila ravula Hb. (1588) ab. ereptricula Tr. Ein großes 9. Vucija 
bara, Juli. Schaw. In dieser Form neu für die Herzegowina. 
*Diloba caerideocephala L. (1610). In der Stammform bekannt. 
Neu ist die ab. separata Schultz mit getrennten Makeln der 



(142) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Vorderflügel. Bisin und Lukavac, 27. /9. Jan. Beide Weib- 
chen sind auf den Vorderflügeln und Hinterflügeln auffallend 
dunkel, fast schwarz. 
Hadena furva Hb. (1678). Ein Pärchen am Licht. Vucija bara, Juli. 
Schaw. 

Hadena basilinea F. (1710). Ein Pärchen am Licht. Vucija bara. 

Schaw. Neu für die Herzegowina. 
Leucania conigera F. (1964). Vucija bara. Licht. Schaw. 
Leucania lithargyria Esp. (1967). Ein auffallend großes Exemplar, 

hellrötlich, aber leider verflogen. Licht. Vucija bara, Juli. Schaw. 
Garadrina Jcadeni Fit. (2009). Fand diese Art nachträglich unter 

meiner Ausbeute vom Trebevic, Juli. Aus der Herzegowina 

(Stolac, Bisina) bekannt. 
Amphipyra tragopoginis L. (2047). Vucija bara, Juli. Schaw. 
Xylina furcifera Hufn. (2173). Mostar, Ende April. Jan. 
* Talpochares respersa Hb. (2403). Mostar, 22./6. Jan. Neu für 

H. u. B. 

* Talpochares parva Hb. (2429). Mostar, 22. /6. Jan. Zwei Falter. 
Neu für B. u. H. 

*Grammodes algira L. (2644). Während die syrischen Falter meiner 
Sammlung 43 mm Flügelspitzenabstand haben, messen die der 
Herzegowina, aus Wallis und aus Dalmatien 36 mm. Die 
Syrier sind schwarzbraun und haben eine sehr hellbraune, 
fast weißlichere Mittelbinde. Unterseits braun, braungrau, 
veilbraun. Die herzegowinischcn etc. Stücke meiner Samm- 
lung sind kleiner, dunkler schwarzbraun mit veilgrauer Mittel- 
binde und ebensolchem Rande. Unterseits sind meine euroj 
päischen Algira dunkel veilbraun mit bläulichem hellen Rande] 
Sie Bind demnach kleiner, dunkler und veilfarbiger. Ich bei 
nenne diese Form var. europa Schaw. 

*Eucro8tes mdigenata Vill. (2897). Mostar, Juni. Jan. Neu für B. u. II. 
Ilnmfhea slrigafa Müll. (2919). Plana, Juli. Schaw. 

*AcidaUa dimidiata Hufn. (2953) ab. subfuscaria Rbl. (N. i. 1.) 
Mostar, .Jan. Die Stammform ist aus Nordbosnien be- 

kannt. Snhfnscnri.a ist, dunkler braun und von dunklerer 
Zeichnung, Herr Prof Rebel benennt sie nach einem Stück 
aus i \ ciit in Bosnien | Hilf). 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(143) 



Acidalia immorata L. (3051). Vucija bara. 

*Anaiüs plagiata L. (3220). Die kleinere Abart palidata Stdgr. 
Mostar, Juni. Jan. Neu für B. u. H. 

*Cheimatobia briimata L. (3256). Nevesinje, 25./11. Jan. Neu für 
die Herzegowina. 

f Larentia salicata Hb. (3340) var. probaria Hb. Bisina, 4./5. Jan. 
Larentia cucullata Hufn. (3432). Vucija bara. Schaw. Neu für die 
Herzegowina. (Maklen, Jaice in Bosnien. Schaw.) 

*Larentia galiata Hb. (3434) var. emina Schaw. (türkischer Mäd- 
chenname). Unter einer sehr großen Zahl Galiata sind zwölf 
herzegowinische sofort zu erkennen durch ihre reinweiße Grund- 
farbe, die gar kein Braun führt. Es ist dies auf den Vorder- 
und Hinterflügeln der Fall. Auch die Mittelbinde hat kein 
Braun und erscheint dadurch blauschwarz. Bisina. Jan. Gacko. 
Schaw. 

Larentia rivata Hb. (3436). Serajewo. 

* Larentia sordidata F. (3485) ab. fuscoundata Donz. Zwei Exem- 
plare. Vucija bara. Schaw. Nur in dieser Abart neu für B. u. H. 
Larentia nigrofasciaria Goeze. (3500). Mostar, 15./6. Verflogen. 
Jan. Neu für die Herzegowina. 

*Tex)liroclystia breviciüata Donz. (3512). Mostar, 10./6. Jan. Neu 
für B. u. H. 

Tephroclystia sitccanturiata var. oxydata Tr. (3600). Vucija bara. 
Schaw. Neu für die Herzegowina. 

Numeria capreolaria F. (3716). Volujak in Anzahl 5./9. abgeflogen. 

Vinzenz Hawelka legit. 
*Synopsia sociaria Hb. (3853). Die Sociaria meiner Sammlung 
(Niederösterreich, Hungaria, Digne) messen 32 — 40 mm, die 
aus Mostar 25 — 30 mm. Auf der sehr hellen graubraunen 
Grundfarbe heben sich die tief schwarzbraunen scharfen Binden 
bei der herzegowinischen Lokalrasse viel stärker ab. Beson- 
ders die basale Binde der Vorderflügel ist breit schwarzbraun. 
Diese gute Lokalvarietät (Species diversa esse videturü) be- 
nenne ich hiemit var. almasa (türkischer Mädchennailie). Sie 
dürfte in Dalmatien auch vorkommen. Die Genitaluntersuchung 
wäre sehr wünschenswert. 8 cT , 1 9. Mostar, Velez, Bisina, 
VIII., IX., X. Janacko legit. 



(144) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Boarmia consortaria F. (3895). Mostar, 22./6. Jan. 
*Boarmia selenaria Hb. (3901) var. dianaria Gu. Zwei Exemplare. 
Mostar, Juni. Jan. 

Diese beiden 9 9 gehören vielleicht einer eigenen Lokal- 
form an. Sie sind groß und haben eine viel weißere Grund- 
farbe wie die grauen Dianaria infolge der viel geringeren 
Bestäubung. Die feinen Querstreifen sind stark gezackt und 
treten in ihrem Schwarz auf der weißlichen Grundfarbe sehr 
hervor. 

Gnoplws sartata Tr. (3929). Mostar, Mai. Jan. 
*Scodiona conspersaria Schiff, var. turturaria B. Mostar, 15./6. Jan. 

Aspilates ochrearia Rossi. (4077). Janja (Nordbosnien), April. Jan. 

Neu für Bosnien. 
*Syntomis pliegea L. (4146). Auf der Vucija bara häufig in der 

ab. pflnemeri Wacquant. 
■ Diacrisia sannio L. (4186). ab. moerens Stdgr. Unter der Stamm- 
form ein auf den Hinterflügeln stai'k verdunkeltes 9, bei dem 
der schwarze Mittelfleck im basalen Schwarz verschwindet und 
nur ein Rest einer braunen Binde gegen den Vorderrand übrig 
bleibt, Vucija bara, Juli. Schaw. 

Endrosa nrorella Cl. (4278) var. flavicans B. Ein typisches Exem- 
plar von der Vucija bara. Juli. 

Cybosta mesomella L. (4282). Vucija bara, Juli. Schaw. 
*Zygaena carniolica Sc. (4388). Während die meisten Exemplare 
schwach gelb umrandete rote Flecke (früher hedysari IIb.) 
haben, also der von Scopoli zuerst beschriebenen Stammform 
angehören, sind zwei Falter (Vucija bara, Juli, Schaw.) ohne 
diese gelbe Umrandung, gehören also der ab. berolinensis Stdgr. 
an, bilden aber infolge einer Andeutung eines roten Gürtels 
« inen Obergang zur ab. vangcli Schultz. 

llr\>r\\<t eappho Mill. (4501). Ich hatte die Säcke in Bocac ge- 
funden. Nun liegen zwei große männliche Falter aus Kladanj 
L1./4. and Serajewo (Mai) vor. Jan. 

Ck&kbut tristeUus F. (61). Vucija bara. Juli. Schaw. Neu für die 
Herzegowina, 

Ofo/mbui UUeeUus Schiff. (66), Vucija bara, Juli. Schawi 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(145) 



Sclrpophaga praelata Sc. (185). Mostar, 3L/5. 11. Jan. Neu für 

die Herzegowina. 
Ematheudes pimdella Tr. (219). Serajewo, Mai. Jan. Neu für 

Bosnien. 

Homoeosoma sinuella F. (232). Majevica, April. Jan. 
*Homoeosoma nebidella Hb. (240). Mostar, Juni. Jan. Neu für 
B. u. H. 

Hypochalcia dignella Hb. (501) var. insuadella Rag. Vucija bara. 
Schaw. 

Salebria semirubella Sc. (645) ab. sanguinella Hb. In Anzahl. 

Mostar, 31./5. Jan. 
*Pterothrix rufella Dup. (716). Mostar, Juni. Jan. Neu für B. u. H. 
*Myelois cirrigerella Zk. (777) var. infuscata Stdgr. Zwei cTcT. 

Vucija bara, Juli. Neu f. B. u. H. Schaw. 
Nymplmla nymphaeata L. (913). Mostar, Gacko. 
Nymplmla stagnata Don. (912). Mostar, Juni. Jan. Neu für die 
Herzegowina. 

Scoparia ingratella Z. (953). Vucija bara, Juli. Schaw. 
*Scoparia frequentella Sa. (976). Mostar, Bisina, Juni. Jan. Neu 
für B. u. H. 

Plodia interpunctella Hb. (978). Mostar, Juni. Jan. 
Sylepta ruralis Sc. (994). Mostar, Juni. Jan. 
Phlyctaenodes palealis Schiff (1054). Mostar, Juni. Jan. 
Phlyctaenodes pustulalis Hb. (1065). cT und 9. Vucija bara, Juli. 

Schaw. Neu für die Herzegowina. 
*Metasia carnealis Tr. (1123). Mostar, Juni. Jan. Die Stammform 

neu f. B. u. H. 
Pionea crocealis Hb. (1141). Vucija bara, Juli. Schaw. 
Pionea lutealis Hb. (1170). Vucija bara, Juli. Schaw. 
Pionea rubiginalis Hb. (1166). Mostar. Hb. 
Pyrausta obfuscata Sc. (1256). Kladanj, Ostbosnien, Mai. Jan. 
Pyrausta cingulata L. (1262) var. vittalis Lah. Vucija bara. Schaw. 
Pyrausta fascialis Hb. (1259). Vucija bara. Schaw. Neu für die 

Herzegowina. 

Platyptilia zetterstedti Z. (1335). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 

für die Herzegowina. 
Platyptilia acanthodactyla Hb. (1339). Bjelina, Bosnien, 1./4. Jan. 

Z. B. Ges. 62. Bd. k 



(146) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterolo^ie. 



Alucita xantliodactyla Tr. (1353). Vucija bara, Juli. Scliaw. 
*Alucita. ßtzi Rbl. nov. spec. Zwei männliche Exemplare er- 
beutete icb im Juli 1911 (Vucija bara), ein g 1908. Die 
Type ist in meiner Sammlung. Ein Pärcben überließ ich 
dem Museum. 

* Pteropliorus tepliradactylus Hb. (1390). Vucija bara, Juli. Schaw. 

Neu für B. u. H. 

*Acalla holmiana L. (1479). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu für B. u. H. 
Acalla contaminana Hb. (1480). Vucija bara, Juli. Schaw. 
*Pandemis ribeana Hb. (1540). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu für 
B. u. H. 

Pandemis heparana Schilf. (1547). Vucija bara, Juli. Schaw. 
*Eiüia politana Hw. (1553). Mostar, Juni. Jan. Neu für B. u. H. 
Tortrix bergmanniana L. (1568). Vucija bara, Juli. Zahlreich. 
Schaw. Neu für die Herzegowina. 

* Tortrix loeflingiana L. (1571) ab. ectypana Hb. Vucija bara, Juli. 

Schaw. Die Art ist neu für die Herzegowina; die Abart neu 
für B. u. H. 

Tortrix vibumicma F. (1578) var. galiana Curt. Vucija bara, Juli. 

Zahlreich. Schaw. 
Tortrix paleana Hb. (1585) var. icterana Froel. Vucija bara, Juli. 

Zahlreich. Schaw. 
*Cnephasia hngana Hw. (1608) var. insolatana H.-S. Mostar, Juni. 

Schaw. Neu für B. u. H. 
Cnephasia wahlbomiana L. (1662) var. virgaureana Tr. Vucija bara, 

Juli. Schaw. 

*Cnephasia inceriana Tr. (1624) var. minor ana H.-S. Vucija bara, 

.Juli Schaw. In der Varietät neu für B. u. H. Die Art nur 

aus Kalinovik bekannt. 
ConchyUs i><tlli<l<n(<i Z. (1622). Vucija bara, Juli. Schaw. Nur 

vom l'renj bekannt. 
*ConchyUi eurvistrigana Wilk. (1672). Vucija bara, Juli. Schaw. 

Neu ihr I!. u. II. 

* ConchyUs contractana Z. (1791 ). Mostar, Juni. Jan. Neu für B. u. H. 
Euxanthia straminea Hw. (1811). Vucija bara. Juli. Schaw. 

*OleihretUeB <<ii>ir<i„<, III, (1864). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 
für Ii. 11. II. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(147) 



* Olethreu tes oblongana Hw. (1877) ab. adelana Rbl. Mostar, Juni. 

Jan. Die schwarze Abart ist aus den österreichischen Alpen 

bekannt. Neu für B. u. H. 
Olethreutes umbrosana Fit. (1919). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 

für die Herzegowina. 
Olethreutes lacunana Dup. (1922). Vucija bara, Juli. Schaw. 
Gypsonoma incarnana Hw. (2010). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 

für die Herzegowina. 
Semasia liypericana Hb. (2022). Vucija bara, Juli. Schaw. 
Notocelia uddmaniana L. (2055). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 

für die Herzegowina. 
Notocelia roborana Tr. (2062). Vodice bei Gacko (montenegrinische 

Grenze). Hawelka. 
Epiblema fidvana Stph. (2084). Vucija bara, Juli. Schaw. 
Epiblema cana Hw. (2086). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu für 

die Herzegowina. 
*Epiblema graphana Tr. (2105). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 

für B. u. H. 

Epiblema pflugiana Hw. (2143). Mostar, Juni. Jan. Neu für die 
Herzegowina. 

Epiblema iripunctana F. (2138). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 

für die Herzegowina. 
Simaethis nemorana Hb. (2314). Bjelina, April. Jan. Neu für 

Bosnien. 

Yponomeuta vigintipunctatus Retz. (2356). Serajewo, Mai. Jan. Neu 
für Bosnien. 

Yponomeuta padellus L. (2359). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 
für die Herzegowina. 

Argyrestia pygmaeella Hb. (2419). Vucija bara, Juli. Schaw. 

Metzneria paucipunctella Z. (2487). Vucija bara, Juli. Schaw. 

Teleia sequax Hw. (2741). Bisina, Mai. Jan. Neu für die Herze- 
gowina. 

Xystopliora carchariella Z. (2786). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 

für die Herzegowina. 
*Recurvaria nanella Hb. (2874). Mostar, Juni. Jan. Neu für B. u. H. 
*Sitotroga ceralella Olivier. (2902). Mostar, Juni. Jan. Neu für 

B. u. H. 

k* 



(148) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



*Paltodora anthemidella Wck. (2936). Vucija bara, Juli. Schaw. 
Neu für B. u. H. 

Sophronia illustrella Hb. (2991). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 

für die Herzegowina. 
*Ypsolophus renigerellus Z. (2950). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 

für B. u. H. 

Megacraspedus dolosellus Z. (3001). Vucija bara, Juli. Schaw. 
Pleurota aristella L. (3102). Vucija bara, Juli. Schaw. 
Depressaria arenella Schiff. (3204). Bjelina (Bosnia), April. Jan. 
*Depressaria propinqiiella Tr. (3205). Janja (Bosnia), April. Jan. 

Neu für B. u. H. 
Ilypercallia citrinalis Sc. (3322). Vucija bara, Juli. Anzahl. Schaw. 

Neu für die Herzegowina. 
Epermenia insecurella Stt. (3410). Vucija bara, Juli. Schaw. 
Scyfhris puncüviteUa Costa. (3493). Mostar, Juni. Jan. 
PancaUa lemvenlioekella L. (3616). Serajewo, Mai. 9. Jan. Neu 

für Bosnien. 

Cohophora ornatipenella Hb. (3687). Vucija bara ; Juli. Schaw. 
Coleophora serenella Z. (3722). Vucija bara, Juli. Schaw. 
*Elachista argentella Cl. (4024). Vucija bara, Juli. Schaw. Neu 
für B. u. H. 

Tinea parasitella Hb. (4545). Vucija bara, Juli. Schaw. 
Tinea roeslerella Heyd. (4563). Mostar, Juni. Jan. 
Nemophora ^irdnimcrdamella L. (4678). Janja, April. Jan. 
Nemophora pcmzerella IIb. (4680). Mostar, Juni. Jan. Neu für die 
Herzegowina. 

auf .Seite 36 im Jahresberichte des Wiener ento- 
mologfacheo Vereines als neu für Bosnien und Herzegowina 
angegebene Picnca testacealis Z., welche Herr Neustetter 
mir ans Mostar angab, muß gestrichen werden, da es sich 
Dm Picnea oroceaUs IIb. handelte. 

Die auf Seite (86) dieser „Verhandlungen", 1911 an- 
tregebene Lnr<u\in sfilica/a ist die var. probaria U.S. 
diewr Art. 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(149) 



Ordentliche General-Versammlung' 

am 17. April 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 



Der Präsident eröffnet die Versammlung, konstatiert die Be- 
schlußfähigkeit und hält nachstehende Ansprache: 

Hochverehrte Versammlung! 

Das vergangene Gesellschaftsjahr war wieder ein Jahr ruhiger 
und sachlicher Fortentwicklung unter Beibehaltung der erfreulicher 
Weise seit längerer Zeit zu konstatierenden aufsteigenden Tendenz. 
Wir sehen unsere Aufgabe weniger in der Erzielung zeitweise auf- 
sehenerregender Erfolge als vielmehr in der gleichmäßigen sach- 
lichen Arbeit, und aus diesem Grunde können wir auch auf das 
vergangene Jahr mit voller Befriedigung zurückblicken. Das Ge- 
sellschaftsleben gestaltete sich zu einem sehr regen. In zahlreichen 
Versammlungen, die zum Teile allgemeine Veranstaltungen der Ge- 
sellschaft waren, zum Teile von den Sektionen abgehalten wurden, 
wurde eine große Anzahl von Vorträgen gehalten und wir kon- 
statieren mit Vergnügen, daß neben Gelehrten des In- und Aus- 
landes, welche die Resultate ihrer Forschungen bekannt gaben, 
sich unter den Vortragenden auch jüngere Kräfte befanden, die 
hier zum erstenmale vor ein fachwissenschaftliches Forum traten. 
Zu den Versammlungen kamen noch Exkursionen mit verschiedenen 
fachlichen Interessen. Von besonderen Veranstaltungen seien ge- 
nannt: Der Lichtbilderabend im November des Vorjahres, eine Ein- 
richtung, die den Beifall unserer Mitglieder fand und ihnen all- 
jährlich Gelegenheit gibt, im Laufe des Jahres hergestellte und 
interessante photographische Aufnahmen botanischer und zoolo- 
gischer Objekte vorzuführen; ferner der Besuch der biologischen 
Anstalt in Lunz zu Pfingsten des Vorjahres, bei dem wir einer Ein- 
ladung des Herrn Dr. Kuppel wieser Folge leisteten, der uns auch 
in der gastfreundlichsten Weise aufnahm. 



(150) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Außer den Sektionen, deren Leitungen gleich hier der herz- 
lichste Dank ausgesprochen werden soll, arbeiten innerhalb unserer 
Gesellschaft auch einige permanente Komitees mit bestem Erfolge. 
Das Komitee für die Herstellung einer pflanzengeographischen Karte 
von Osterreich hat seine Arbeiten mit Subventionierung durch das 
k. k. Ackerbauministerium fortgesetzt. Es nahmen im Vorjahre an 
den Aufnahmsarbeiten teil: Dr. August Gin zb erger, Dr. Friedrich 
Vierhapper, Prof. Johann Nevole, Prof. Dr. Josef Scharfetter, 
Prof. Dr. PodpSra und Prof. Dr. Anton Heimerl. Zwei Karten- 
blätter konnten wieder fertiggestellt werden und zwei Publikationen 
enthielten Resultate dieser Arbeiten, nämlich die pflanzengeographi- 
sche Karte der Umgebung von Villach in Kärnten von Prof. 
Schar fett er und eine Studie über die Verbreitung der Gehölze im 
nordöstlichen Adriagebiete von J. Baumgartner. 

Das Komitee für die Beschaffung von Lehrmitteln für Schulen 
hat auch im Vorjahre mit einer namhaften Subvention des k. k. 
Ministeriums für Kultus und Unterricht unter der Leitung Prof. 
Stadlmanns eine sehr ersprießliche Tätigkeit entfaltet; es wurden 
wieder 20 Schulen mit wertvollen Kollektionen biologischer Prä- 
parate beteilt. 

Im Laufe des Berichtjahres hat sich ein neues permanentes 
Komitee gebildet, nämlich ein solches für die biologische Erforschung 
der Süßwässer Österreichs, und dieses hat, unterstützt durch Sub- 
ventionen des k. k. Ackerbauministeriums und des k. k. Ministeriums 
des Innern, seine Tätigkeit bereits begonnen. 

Der Mitgliederstand erhielt sich auf einer sehr erfreulichen 
Höhe; er belief sich im Jahre 1911 auf 685 Mitglieder, was aller- 
dings gegen 1910 einen Rückgang um 5 bedeutete, während er seither 
wieder die flöhe von (579 erreicht hat. 

Leider hat aueli im vergangenen Jahre der Tod eine Reihe 
von empfindlichen Lücken in unseren Mitgliederstand gerissen. Es 
sind folgende Mitglieder verstorben: 

Die Herren TL Bann war t-Wien, Franz Beigel-Wien, Dl 
I V Blaschke Wien. Prof. Dr. Osokor-Wien, Mag. Karl Fornaro- 
Klagenfurt, Apotheker R, v. Meissel-Wien, Baron A. Rothschild- 
Wien. i)r Max Schneider-Wien, E.-M. Dr. M. Treub-BuitenzorJ 
Prof, Dr. v Uhlig Wien. 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(151) 



Wir werden allen diesen Verstorbenen, unter welchen sich 
hervorragende Gelehrte und treue Freunde unserer Gesellschaft be- 
finden, stets ein ehrendes Andenken bewahren. Besonders nahe 
ging uns der, zwar erst nach dem Berichtsjahre erfolgte, Tod eines 
langjährigen und verdienstvollen Mitgliedes, des Herrn Michael 
Ferdinand Müllner, der unter uns zahlreiche Freunde zählte und 
der lange Jahre in unserem Ausschusse eine ruhige, aber umso 
ersprießlichere Tätigkeit entfaltete. Herr Müllner hat ein seltenes 
Zeichen treuer Freundschaft für die Gesellschaft und der Achtung 
vor der Wissenschaft gegeben durch eine testamentarische Verfügung, 
die ihm zu gleicher Zeit für alle Zeiten ein Denkmal in unserer 
Gesellschaft setzen wird. Ich habe gestern durch das k. k. Bezirks- 
gericht in Rudolfsheim eine Zuschrift erhalten, in der es heißt: 
„Der am 2. Februar 1912 in Wien, XIV., Reichsapfelgasse Nr. 39 
verstorbene Herr Michael Ferdinand Müllner hat in seinem schrift- 
lichen Testament ddto. Wien, 25. März 1906 folgende Verordnung 
getroffen: Zum Beweise der hohen Achtung, die ich stets für die 
Naturwissenschaften hatte, vermache ich mein schuldenfreies Haus 
in Wien, XIV., Reichsapfelgasse Nr. 39, Konskriptionsnummer 347, 
samt Vorgarten, Kat.-Parz. 1 1 2, und dem hinter dem Hause befind- 
lichen Garten, Kat.-Parz. 110, der k. k. zoologisch botanischen Ge- 
sellschaft in Wien". Das Zinsenerträgnis aus diesem Hause wird 
eine außerordentlich wichtige Stärkung unserer jährlichen Einnahmen 
bedeuten und es uns wesentlich erleichtern, den zahlreichen uns 
gestellten Aufgaben gerecht zu werden. 

Ich möchte hier gleich die Mitteilung über zwei weitere größere 
Spenden anknüpfen. Der vor zwei Jahren verstorbene Hofrat Prof. 
Dr. Markowski hat sein umfangreiches und wertvolles Herbarium 
testamentarisch der Gesellschaft vermacht und Herr Vizepräsident 
Dr. Ostermeyer, der schon so außerordentlich Vieles für die Ver- 
größerung und Ordnung unserer Sammlungen getan hat, hat sich 
entschlossen, einen großen Teil seines wertvollen Herbariums der Ge- 
sellschaft zum Geschenk zu machen. Ich möchte hiefür Dr. Oster- 
meyer den herzlichsten Dank aussprechen und denselben gleich auf 
seine gesamte so ersprießliche Tätigkeit in unserem Vereine ausdehnen. 

Über die Publikationstätigkeit unserer Gesellschaft, über den 
Stand unserer wertvollsten Sammlung, nämlich der Bibliothek und 



(152) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



endlich über die Geldgebarung im abgelaufenen Gesellschaftsjahre 
werden Sie aus den Berichten unserer Herren Funktionäre das 
Nähere entnehmen können. Ich möchte nur bezüglich der Jahres- 
rechnung gleich bemerken, daß dieselbe von den Rechnungs- 
revisoren, den Herren Direktor Dr. Franz Spaeth und Sektions- 
rat Dr. Leopold Melichar geprüft und in jeder Hinsicht als 
in Ordnung befunden wurde. Ich kann daher der Generalversamm- 
lung die Genehmigung- des Rechnungsabschlusses pro 1911 emp- 
fehlen. 

Meinen eigentlichen Bericht über das Jahr 1911 kann ich 
nun schließen mit der Danksagung an alle diejenigen, welche ihre 
Zeit und Mühe in den Dienst unserer Gesellschaft gestellt haben, 
dazu gehören außer den Genannten insbesondere noch Herr Kustos 
Anton Handlirsch, welcher, wie schon seit Jahren, mit größter 
Hingebung die Redaktionsgeschäfte besorgte, Herr Kustos Dr. Alex- 
ander Zahlbruckner, dessen Bemühung wir den tadellosen Zu- 
stand unserer Bibliothek verdanken, Herr Oberrechnungsrat Julius 
Hungerbyehler Edler v. Seestetten, der in mustergültiger Weise 
die Rechnung führte, und nicht in letzter Linie Herr Rudolf Schrö- 
ding er, der mit seltener Opferwilligkeit sich bereit fand, die zahl- 
reichen Agenden des Generalsekretariates in Vertretung unseres 
schwer erkrankten und wie Sie wissen, in der Ferne weilenden 
Herrn Generalsekretärs J. Brunnthaler zu übernehmen. 

W ie der verehrten Versammlung bekannt ist, ist unsere Ge- 
sellschaft heuer in der Lage, ein schönes und seltenes Jubiläum 
zu feiern. Fünfzig Jahre sind verflossen, seitdem Seine kaiserliche 
und königliche Hoheit, Herr Erzherzog Rainer, sich entschlossen 
hat, das Protektorat unserer Gesellschaft zu übernehmen. Er hat 
in diesem halben Jahrhundert der Tätigkeit der Gesellschaft stets 
größte« Interesse und wohlwollendste Förderung entgegengebracht. 
Bei der Verehrung, Dankbarkeit und Liebe, die Erzherzog Kainer 
in allen wissenschaftlichen Kreisen Österreichs und ganz speziell 
auch in unserer Gesellschaft genießt, war es uns selbstverständlich 
ein Bedürfnis, dieses Jubiläum nicht vorübergehen zu lassen, ohne 
unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Wir suchten nach einer 
Form der Feier, welche einerseits unseren lief gefühlten Empfind] 
BBgefl Ausdruck gibt, anderseits aber über den Moment hinaus- 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(153) 



reichend im Sinne unseres Herrn Protektors der Wissenschaft für 
alle Zeit zugute kommt. Wir entschlossen uns zur Stiftung einer 
Medaille, deren erstes Exemplar in besonderer Ausführung dem 
Herrn Erzherzog-Protektor als Jubiläumsspende überreicht werden 
sollte, die aber in Zukunft alle zwei Jahre au Gelehrte für be- 
sonders verdienstvolle Leistungen auf dem Gebiete der Zoologie 
und Botanik verliehen werden soll. 

Die Medaille selbst ist ein Werk der Bildhauerin Johanna 
Meier-Michel, der ich bei diesem Anlasse für die große, diesem 
Werke zugewendete Sorgfalt, die von so schönem Erfolge begleitet 
war, herzlichst danke; ebenso danke ich bei diesem Anlasse einer 
Reihe von Freunden und Förderern der Wissenschaft, die durch 
gütige Spenden uns die Herstellung der Medaille erleichterten. Es 
sind dies: Seine Durchlaucht der regierende Fürst Johann von 
und zu Liechtenstein, Seine Durchlaucht Fürst Adolf Josef zu 
Schwarzenberg, Dr. Karl Freiherr Auer v. Welsbach, Dr. 
Richard Freiherr v. Drasche-Wartinberg, Oberbergrat Max v. 
Gutmann, Herrenhausmitglied Dr. Vinzenz v. Miller-Aich holz, 
Dr. Karl Kuppelwieser und Dr. Fr. Thonner. 

Das erste Exemplar der Medaille wurde am letzten Sonntag 
in einer Privataudienz Seiner kaiserlichen Hoheit dem Herrn Erz- 
herzog durch das Präsidium überreicht. Der Herr Erzherzog be- 
nützte diesen Anlaß, um in einem eingehenden Gespräche sich über 
die Tätigkeit der Gesellschaft zu orientieren und sein warmes In- 
teresse an allen Arbeiten derselben zu bekunden. Er bedauerte 
lebhaft, mit Rücksicht auf die Schonung, die er sich auferlegen 
muß, an dem heutigen Abend nicht in unserer Mitte weilen zu 
können und wir dürfen wohl unsererseits an dem heutigen Tage 
unserem Bedauern darüber Ausdruck geben, ihm gegenüber nicht 
persönlich hier unsere Gefühle der Dankbarkeit und Verehrung zum 
Ausdrucke bringen zu können. 

Für die Verleihung der Medaille an Fachmänner wurde mit 
Genehmigung Seiner kaiserlichen Hoheit ein Statut ausgearbeitet, 
welches im Nachhange zu diesem Berichte zum Abdrucke kommt. 

Die erste Vergebung der Medaille soll in der heutigen Ver- 
sammlung verlautbart werden. 



(154) 



Bericht über die ordentliche General- Versammlung. 



Nach den Bestimmungen des Statutes wurden bereits im Vor- 
jahre zwei Kommissionen eingesetzt, welche folgende Zusammen- 
setzung besassen: 

Die Kommission für die an einen Zoologen zu vergebende 
Medaille bestand aus den Herren: 

Geheimrat Prof. Dr. Karl Chun in Leipzig, 
Prof. Dr. Karl Grobben in Wien, 
Kustos Anton Handlirsch in Wien, 
Prof. Dr. Karl Heider in Innsbruck, 
Geheimrat Prof. Dr. Richard Hertwig in München, 
Prof. Dr. Arnold Lang in Zürich, 
Geheimrat Prof. Dr. Hubert Ludwig in Bonn. 
Die botanische Kommission hatte folgende Zusammensetzung: 
Geheimrat Prof. Dr. Adolf Engler in Berlin, 
Hofrat Prof. Dr. Karl v. Göbel in München, 
Professor Dr. Hans Molisch in Wien, 
Prof. Dr. Hermann Graf zu Solms-Laub ach in Straß bürg, 
Geheimrat Prof. Dr. Eduard Straß bürg er in Bonn, 
Prof. Dr. Eugenius Warming in Kopenhagen, 
Hofrat Prof. Dr. Ritter v. Wettstein in Wien. 
Die beiden Kommissionen haben streng nach den Bestimmun- 
gen des Statutes gearbeitet und die Ergebnisse ihrer Beratungen 
in den Protokollen niedergelegt, welche dem Statut gemäß in dem 
Archiv der Gesellschaft deponiert werden. 

Die zoologische Kommission beschloß nach dem am 27. Februar 
abgeschlossenen Protokolle die Verleihung der Medaille an Herrn 
Prof. Dr. Theodor Boveri in Würzburg für seine Studien über 
die cytologischen Grundlagen der Vererbung. 

Die botanische Konimission beschloß nach dem am 2. Märäj 
abgeschlossenen Protokolle die Verleihung der Medaille an Herrn 
Prof. Di. Erwin Banr in Perlin für die Entdeckung der Periklinal- 
('hiinaere. für seine Analyse komplizierter Vererbungserseheinungen 
und für sein zusammenfassendes Werk: „Einführung in die experi- 
mentelle Vererbungslehre". 

Ileir Prof, Boveri ist leider infolge dringender Arbeiten an 
der zoologischen Station in Neapel verhindert, der heutigen Ge- 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung;. 



(155) 



neralversanimlung beizuwohnen, dagegen ist es mir eine große 
Freude, Herrn Prof. Baur in unserer Mitte begrüßen zu können. 
Ich überreiche ihm hiermit die Medaille mit dem Wunsche, er möge 
sie als eine wohlverdiente Anerkennung seiner bedeutenden wissen- 
schaftlichen Leistungen hinnehmen und es möge ihm vergönnt sein, 
auch in Zukunft die Wissenschaft in gleicher Weise zu bereichern 
wie bisher. 



Bericht des Redakteurs Herrn Kustos A. Handlirsch. 

Aas „budgetären"' Gründen mußte leider der 61. Band unserer 
..Verhandlungen" wieder um nahezu 100 Seiten hinter seinem Vor- 
gänger zurückbleiben: Er umfaßt nur 656 Seiten Text mit 80 Figuren 
und 6 einfachen Zinkotafeln und enthält außer den Berichten über 
41 Versammlungen des Vereines 70 Originalbeiträge zoologischen 
und 12 botanischen Inhaltes. 

AVenn auch nach wie vor das Schwergewicht unserer publi- 
zistischen Tätigkeit in der systematisch-deskriptiven Richtung liegt 
und in der Erforschung der heimischen Fauna und Flora, so findet 
doch auch der NichtSpezialist, namentlich in unseren Sitzungs- 
berichten, die Behandlung allgemein interessanter Themen aus fast 
allen Zweigen der biologischen Wissenschaft. Den Spezialisten aber 
bieten unsere Schriften, in denen 109 neue Tier- und 19 neue 
Pflanzenformen zum erstenmale beschrieben, zahllose neue Fund- 
orte, kritische Bemerkungen u. dgl. angeführt werden, ein reiches 
Tatsachenmateriale. 

Das 2. und 3. Heft des VI. Bandes unserer Abhandlungen 
ist wieder den Vorarbeiten zu einer pflanzengeographischen Karte 
Österreichs gewidmet. Ersteres enthält eine Studie über die Ver- 
breitung der Gehölze im nordöstlichen Adriagebiet von J. Baum- 
gartner, letzteres die Vegetationsverhältnisse von Villach in Kärnten 
von Prof. Schar fett er. (Mit 1 Karte in Farbendruck.) 



(156) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Bericht des Rechnungsführers Herrn Julius 


V. 


Hung 


er- 


hyehler. 








-Lüllllld 1 1 1 1 1 t/li. pi U ial 1 • 








Jahresbeiträge mit Einschluß der Mehrzahlungen . . 


K 


6.597 


17 






500 


— 




» 


3.240 


— 


Subvention des h. k. k. Ackerbau-Ministeriums für die 








pflanzengeographische Aufnahme Österreichs . 


n 


1.000 


— 


Vergütung des h. n.-ö. Landesausschusses für die 








Naturalwohnung im Landhause 


n 


5.000. 




Verkauf von Druckschriften und Druckkostenersätze 




949 


95 


Interessen von Wertpapieren und Sparkassa-Einlagen 


11 


953. 


94 


Erlös für das am 30. Juli 1910 gezogene Clary-Los 










ii 


1 1 c* 




Summa . . 


K 


18.357. 


06 


A lico-a Vi An YiT*r» 1 Ql 1 • 

XlLlögctUDll JJI. U X <7 X X • 








Honorar des Herrn Generalsekretärs 


K 


1.200. 


— 


Besoldung der Frau Kanzlistin und des Dieners . . 


ii 


1.749. 


45 




ii 


164. 


— 




ii 


41. 


10 


Versicherungsprämie für Bibliothek, Herbar und Ein- 








richtung (gegen Feuersgefahr und Einbruch) . 


ii 


153. 


17 


Beheizung, Beleuchtung und Instandhaltung der Ge- 










ii 


1.117. 


07 


Der Wiener Bezirks-Krankenkasse, Versicherungsbei- 










ii 


60. 


12 


Canzleierfordernisse 


ii 


889. 


61 




n 


913; 


12 


Herausgabe ron Druckschriften: 









„Verhandlungen", Bd.61 (10 Hefte), 
Druck, Illustrationen und bro- 
icbieren K 5.610.34 



Nachtragszahlung pro Bd. 80 . . „ 53.52 

Transport . . K 6.287.64 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(157) 



Transport . . K 6.287.64 

„Abhandlungen", Bd. VI: 

1. Heft: Untersuchungen Uber 
die Zoogeographie der Kar- 
pathen (unter besonderer Be- 
rücksichtigung der Koleo- 
pteren). Von K. Holdhaus 

und Fr. Deubel . . . . K 203.58 

2. Heft: Vorarbeiten zu einer 
pflanzengeographischen Karte 
Österreichs. VI. Studien über 
die Verbreitung der Gehölze 
im nordöstlichen Adriagebiete. 

Von J. Baumgartner . . „ 41.17 

3. Heft: Vorarbeiten zu einer 
pflanzengeographischen Karte 
Österreichs. VII. Die Vege- 
tationsverhältnisse von Vil- 
lach in Kärnten. Von Dr. R. 

Scharfetter „ 190.64 „ 6.099.25 

Bücher- und Zeitschriftenankauf „ 1.444.27 

Buchbinderarbeiten für die Bibliothek „ 431.61 

Honorar für Referate „ 17.50 

Auslagen für pflanzengeographische Aufnahmen . . „ 669 . — 
Sonstige verschiedene unvorhergesehene Auslagen . „ 130.25 
Amortisation: Ankauf von 4°/ iger Österreichischer 

Kronenrente im Nominalbetrage von 3700 K . „ 3.346 . 85 

Summa . . K 18.426.37 

Ferner besitzt die Gesellschaft an Wertpapieren: 

K 12.000. — nom. Einheitliche konvertierte steuerfreie 4°/ ige 
Kronenrente (Mai-Novemberrente), 

K 5.000. — nom. Einheitliche konvertierte steuerfreie 4°/ ige 
Kronenrente (Jan uar- Julirente) , 

K 6.700 . — nom. österreichische steuerfreie 4=°l \ge Kronenrente 
(mit März-September-Kupon), 



(lob) Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 

K 400 . — Dom. Osterreichische steuerfreie S 1 ^ ^ ige Investi 
tionsrente (mit Februar-August-Kupon), 

1 Stück Rudolfs-Los, Serie 3898, Nr. 48, per 10 fl. ö. W. Nom. 

2 „ Aktien des „Botanischen Zentralblattes", Nr. 6 und 7 
ddo. Leiden, 1. Januar 1902, a 250 fl. Noni. 



A^erzeiclmis 
der im Jahre 1911 der Gesellschaft gewährten 



Subventionen: 

Von Sr. k. u. k. Apost. Majestät Kaiser Franz Josef I. K 400. — 
Von Ihren k. u. k. Hoheiten den durchl. Herren Erz- 
herzogen : 

Rainer „100.— 

Eugen B 100.- 

Franz Salvator „ 50. — 

Friedrich „ 100.— 

Karl Franz Joseph „ 100. — 

Von Sr. Durchlaucht dem regierenden Fürsten Johann 

von Liechtenstein „ 100. — 

Von Sr. Majestät dem Könige von Bayern . . . . „ 80. — 

Von Huer kgl. Hoheit Prinzessin Therese von Bayern „ 20. — 

Von Sr. kgl. Hoheit dem Herzoge von Cumberland „ 40. — 

Vom hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht „ 600. — 

Vom löbl. Gemeinderate der Stadt Wien „ 1500. — 

Subventionen für spezielle Zwecke: 

Vom hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht 

für Beteilung von Schulen mit Lehrmitteln . . K 2000.- 

Vbm hohen k. k. Ackerbauministerium für die pflanzen- 

geographische Aufnahme Österreichs .... „ 1000.— 



Vi 



i'l'ZCH'lllllS 



der Ate das Jahr 1911 geleisteten höheren Jahresbeitrag! 
von 14 K aufwärts. 

Vom hohen k. k. Ackerbauministerium K 50. — ■ 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung-. 



(159) 



Von den P. T. Herren : 

Dräsche Freili. v. Wartimberg, Dr. Richard . . . K 100. — 
Wettstein Ritter v. Westersheim, Prof. Dr. Richard, 

k. k. Hofrat . . . „ 50 . — 

Steindachner, Dr. Franz, k. k. Hofrat „ 50. — 

Schwarzenberg, Fürst Adolf Josef, Durchlaucht . . „ 30. — 
Marenzeller, Dr. Emil von, Nedwed Karl, Oster- 

meyer, Dr. Franz, je „ 20. — 

ßoßler L., Ingenieur „ 16. — 

Low Paul, Netuschill Franz, Rossi Ludwig, je . . „ 15. — 
Imhof, Dr. Em., Königl. Universitäts-Bibliothek Tübin- 
gen, je „ 14.— 



Bericht des Bibliothek-Komitees. 

Die Bibliothek wurde verwaltet von den Herren General- 
sekretär J. Brunnt haier und Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Der Zuwachs der Bibliothek im Jahre 1911 betrug: 

A. Zeit- und Gesellschaftsschriften: 

als Geschenke ... 4 Nummern in 5 Teilen, 
durch Tausch ... 282 „ „ 338 „ 

„ Kauf _J4_ „ „_J>2_ „ 

Zusammen . . 310 „ „ 405 „ 

B. Einzelwerke und Sonderabdrücke: 

als Geschenke . . . 111 Nummern in 118 Teilen, 
durch Tausch ... 72 „ „75 „ 

n Kauf 7_ „ „ _22_ „ 

Zusammen . . 190 „ „215 „ 

Es wurden daher der Bibliothek 620 Teile einverleibt. Die 
Zahl der Einzelwerke und Sonderabdrücke betrug mit Ende des 
Berichtsjahres 9789 Nummern. 

Bücherspenden widmeten der Bibliothek: Madame Errera, 
ferner die Herren: A. Aaronsohn, P. Bargagli, Dr. J. Baum- 



(160) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



gartner, J. Bornmüller, J. Brunnthaler, Dr. R. Cobelli, Cl. 
Dziuzynski, R. Ed er, Prof. A. Engler, Dr. J. Fahringer, Dr. 
Fairchild, 0. Fuhrmann, Dr. A. v. Hayek, L. v. Heyden, Dr. 
W. Himmelbauer, Prof. F. Hoehm, P. K. Hofeneder, C. v. Hor- 
muzaki, Dr. C. C. Hosseus, Ch. Janet, H. Karny, Dr. K. v. 
Keissler, St. Kopec, R. R. Kowatscheff, Prof. Dr. R. Krieger, 
Tb. Krumbach, Prof. V. Kulczynski, Prof. Dr. K. Linsbauer, 
Prof. Dr. L. Linsbauer, Prof. Dr. E. v. Marenzeller, Gr. Martelli, 
Prof. A. Nalepa, Z. C. Pantu, F. Pasquale, Dr. K. Preißecker, 
Dr. R. Puschnig, Dr. K. Rechinger, Kustos 0. Reiser, E. Reitter, 
Prof. 0. M. Reuter, J.F.Rock, L. Rossi, C.Rothe, Dr. G. Schle- 
singer, J. Schnabl, J. H. Schmider, Dr. W. Sedlaczek, Dr. F. 
Sokoläf, Dr. A. Spitzer, P. J. Thalhammer, Prof. Dr. A. v. 
Tschermak, Conte E. Turati, J. Vilhelm, f. J. Witasek, Prof. 
Dr. R. v. Wettstein, Kustos Dr. A. Zahlbruckner. Ihnen allen 
sei an dieser Stelle der verbindlichste Dank ausgesprochen. 

Rezensionsexemplare liefen ein von den Verlagsbuchhandlun- 
gen: F. Deuticke-Wien und Leipzig, Dunker & Humblot- 
Leipzig, P. J. Goes eben -Leipzig, Quelle & Meyer -Leipzig. 

Verausgabt wurden für die Bibliothek: 



Neue Tauschverbindungen wurden eingeleitet mit: 

der Zeitschrift „Carniolia" in Laibach, 

dem B'Rijke Herbarium in Leiden, 

dem Botanischen Staatsinstitute in Hamburg, 

der Gesellschaft für Erdkunde in Straßburg und 

dem Sarawak-Museum. 

Die Versammlung nimmt sämtliche Berichte genehmigend zur 
Kenntnis. 



für Ankäufe und Pränumerationen 

„ Buchbinderarbeiten 

Zusammen 



K 1444.27 
„ 431.61 



K 1875.88 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(161) 



Verstorbene Mitglieder. 
1910: 



Herr Agassiz A. Cambridge. E.-M. 
„ Bartsch Fr., Hofrat. Wien. 
E.-M. 

„ Entleutner, Dr. A. F. Meran. 
„ Haberl A., Reg.-Rat. Wien. 



Herr Haus er Fritz. Wien. 

„ Hütterot, G. v. Txiest. 

„ Lindner, Prof. Hermannstadt. 
Frl. Witasek Johanna. Wien. 
Herr Wright, Prof. Percy. Dublin. 



1911: 



Herr Bannwart Th. Wien. 
„ Beigel Franz. Wien. 
„ Blaschke, Dr. Fr. Wien. 
„ Csokor, Prof. Dr. Wien. 
„ Fornara Karl, Mag. Klagenfurt. 



Herr Meißel, R. v., Apotheker. Wien. 
„ Rothschild, Baron A. Wien. 
„ Schneider, Dr. Max. Wien. 
„ Treub, Dr.M.Buitenzorg. E.-M. 
„ Uhlig, Prof. Dr. Wien. 



1912: 



Herr Locke Heinrich. Wien. 
„ Müllner Michael Ferd. Wien. 



Herr Scudder, Prof. S. Cambridge. 
„ Zugschwer dt Oskar. 



Hierauf hielt Herr Erwin Baur (Berlin) einen Vortrag: 

Neuere Aufgaben und Ziele der experimentellen Ver- 
erbungsforschung. 

Die neue Wissenschaft, als deren Vertreter ich zu Ihnen 
sprechen will, ist eigentlich in Österreich zuhause. 

Die Spaltungsgesetze der Bastarde, die Ihr lange vergessener, 
heute weltberühmter Landsmann Gregor Mendel schon vor 50 Jahren 
gefunden hat, sind der Grundstein, auf dem fast aller Fortschritt 
der neuen Vererbungsforschung beruht. 

Seit ihrer Wiederentdeckung durch deVries, Correns und 
Tschermak sind wenig mehr als 10 Jahre verstrichen und doch 
ist heute schon eine Fülle von neuen Beobachtungen gesammelt 
und es hat sich eine solche Riesenliteratur darüber entwickelt, daß 
man dem allem kaum mehr folgen kann, selbst dann nicht, wenn 
man sich ganz ausschließlich dem neuen Forschungszweige widmet. 

Es ist eben vorwiegend Kleinarbeit, ein Sammeln von Tat- 
sachen — und oft auch von Tatsächelchen — , um das es sich 
hierbei handelt. Für den Nichtfachmann ist es sehr schwer zu 

Z. B. Ges. 62. Bd. 1 



(162) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung-. 



sehen, was immer der Zweck dieser meist so mühsamen und zeit- 
raubenden Einzeluntersuchungen ist, es ist schwer, die eigentliche 
Problemstellung- zu erkennen. 

Es scheint mir daher eine dankbare Aufgabe zu sein, hier 
in diesem Kreise einmal darzustellen oder darzustellen zu versuchen, 
welche großen Fragen gerade in der experimentellen Vererbungs- 
lehre zur Diskussion stehen und wie wir versuchen, diese Fragen 
zu klären. 

Ich kann freilich im Rahmen eines kurzen Vortrages nur einige 
wenige wichtige Fragen herausgreifen. 

Ich will beginnen mit einer Frage, deren Lösung heute schon 
sehr weit gediehen ist, das ist die Frage nach dem Geltungs- 
bereich der Mendelschen Spaltungsgesetze. 

In den ersten Jahren nach der Wiederentdeckung der „Men- 
delschen Kegeln", wie man damals noch bescheiden sagte, glaubte 
man, daß diese Gesetzmäßigkeiten nur sehr beschränkte Gültigkeit 
hätten. Je weiter aber die Untersuchung fortschreitet, desto mehr 
sehen wir, daß die Bedeutung dieser Gesetze eine ganz universale ist. 

Mendel hat zunächst gefunden, daß bei der Kreuzung von 
Rassen einer Art, die untereinander einen oder mehrere Unter- 
schiede aulweisen, diese Unterschiede unabhängig voneinander in 
streng gesetzmäßiger Weise vererbt werden, und diese einfachen 
1 jetze Bind heute wohl jedem Biologen bekannt. 

Solche „mendelndc" Uassenunterschiede, mit denen Mendel 
seilet und seine ersten Nachfolger arbeiteten, sind zum Beispiel 
die grüne, beziehungsweise gelbe Farbe der Erbsenkeimblätter, die 
raube, beziehungsweise glatte Beschaffenheit des Kaninchenfelles. 

Seit .Mendel sind wir einen sebr großen Schritt weiter ge- 
kommen (lnreli die Erkenntnis, daß nicht die Unterschiede zweier 
gekreuzten Rassen „mendeln", die uns so ohne weiteres in die Augen 
lallen, wie grüne — gelbe Keimblätter, glattes — rauhes Fell, rote 
weiße BiUten, Bondern, daß es ganz andere; Unterschiede 
sind welche oaeli den Spal t u n gsgesetzen vererbt werden. 

leb kann dies wohl am besten an einem einfachen Beispiele 
darlegen: !>!<• fnebsinrote Färbung der Blüte bestimmter Löwen 

manlrasseii hat. wie wir heute wissen, eine ganze Reihe von Vor* 
aoeeetmigen DÖtig, kommt in komplizierter Weise zustande. Ks 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. (163) 

muß in den Blumenblattzellen zunächst eine gelblich gefärbte Vor- 
stufe des Farbstoffes, sein „Leukokörper", entstehen. Diese gelb- 
liche Vorstufe wird dann, wahrscheinlich unter dem Einflüsse eines 
bestimmten Enzymes, erst in den roten Farbstoff umgewandelt, 
und dieser Farbstoff bekommt unter dem Einflüsse gewisser im 
Zellsaft gelöster Stoffe, die wohl basischen Charakter haben, seine 
charakteristische Fuchsinfarbe. Alle diese Voraussetzungen: Fähig- 
keit zur Bildung des Leukokörpers, Fähigkeit zur Bildung des En- 
zyms, Fähigkeit zur Bildung der Base, vererben sich völlig unab- 
hängig voneinander und sie sind es, welche mendeln. 

Es gibt Löwenmaulrassen, die alle diese „Grundeigenschaften" 
für fuchsinrote Farbe enthalten, andere, denen einzelne oder alle fehlen. 

Fehlt einer Pflanze z. B. die Fähigkeit zur Ausbildung der 
vorhin genannten Base, während sie die anderen genannten Fähig- 
keiten besitzt, so ist sie nicht fuchsinrot, sondern leuchtend kar- 
minrot. Fehlt in einer Pflanze die Fähigkeit zur Ausbildung des 
Leukokörpers, so hat sie rein weiße Blüten, auch wenn sie im 
übrigen sowohl das Enzym wie die Base in ihren Blumenblatt- 
zellen entwickelt. Fehlt einer Rasse die Fähigkeit zur Enzymbil- 
dung, so hat sie gelblichweiße Blüten, auch wenn sie den Leuko- 
körper und die Base enthält. 

Die Erkenntnis, daß es diese Grundeigenschaften, diese 
„Erbeinheiten" sind, die mendeln, hat viele, zunächst unverständ- 
liche Vererbungserscheinungen aufgeklärt. So vor allen Dingen 
die früher so rätselhaften Fälle von „Bastardatavismus". Wenn 
wir eine weiße Löwenmaulrasse, die weiß ist, weil ihr nur gerade 
die Fähigkeit zur Bildung des Leukokörpers fehlt, kreuzen mit 
einer gelblichweißen, der nur die Fähigkeit zur Enzymbildung 
abgeht, so bekommen wir einen Bastard, der nun rote Blüten bilden 
kann. Er hat ja von dem einen Elter her die Fähigkeit zur En- 
zymbildung, vom anderen Elter die Fähigkeit zur Leukokörper- 
bildung geerbt. In der Nachkommenschaft dieses Bastardes men- 
deln nun aber diese verschiedenen Erbeinheiten unabhängig von- 
einander und wir werden deshalb in der nächsten Generation rote, 
gelblichweiße und weiße Pflanzen finden im Verhältnis 9:3:4. 

Soweit sind diese Dinge wohl längst Gemeingut aller Biologen 
geworden. Die Sache geht nun aber noch weiter. So, wie in 

1* 



(164) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



diesem Beispiel die rote Farbe abhängt von drei selbständig- men- 
delnden Grundeigenschaften oder Erbeinheiten, so hängen immer 
die Farben und Formen und alle sonstigen „Merkmale" einer Pflanze 
oder eines Tieres ab von zahlreichen Erbeinheiten. Und das in 
gewissem Sinne Tröstliche an dem Resultat der neueren Forschung 
ist die Erkenntnis, daß die scheinbar unübersehbare Formen- 
mannigfaltigkeit der verschiedenen Rassen einer Art in 
Wirklichkeit immer nur wieder auf anderen Kombinatio- 
nen einer doch recht kleinen Zahl von mendelnden Erb- 
einheiten beruht. 

Ich kenne von Löwenmäulchen allein hinsichtlich der Blüten- 
farbe weit über 100 verschiedene Rassen und habe die meisten 
davon in Kultur. Die Farbenmannigfaltigkeit ist eine scheinbar 
ganz unübersehbare, von fast schwarzem samtigen Rot bis zum 
reinen Weiß gibt es eine zahllose Menge von Färbungs- und Zeich- 
nungsabstufungen. Die genaue Bastardanalyse — hunderte von künst- 
lichen Kreuzungen — hat gezeigt, daß es aber doch nur etwa 
15 Erbeinheiten sind, welche der so großen Farbenmannigfaltigkeit 
zugrunde liegen. Wenn jemand nur zwei komplete Anzüge besitzt, 
etwa je eine schwarze und eine weiße Hose, eine schwarze und 
eine weiße Weste, einen schwarzen und einen weißen Rock, so 
kann er damit schon sich achterlei verschiedene Anzüge zusammen- 
fiel Ion — ebenso ist es auch mit der Formen- und Farbenmannig- 
faltigkeit, die wir bei den Rassen einer Pflanzen- oder Tierspezies 
vorfinden. 

Etwa 15 solcher „Fähigkeiten" von denen wir vorhin 
schon einige als Fähigkeit zur Leukokörperbildung, Fähigkeit zur 
Bildung des Rot Enzyme usw. erwähnten, sind in einer Löwen- 
manlpflanze entweder vorhanden oder sie fehlen, und nur 
darauf beruht die ganze endlos erscheinende Mannigfal- 
tigkeit der Färbung, es sind immer nur wieder andere Kombi 
nadoneo dieser so wenigen Grnndelemente. 

Was für die Bllltenfarbe gilt, gilt auch für die Farbe der 
l'Jiitter. -ilt hu die Form der Blüte, für die Wuchsform, gilt über- 
haupt für alle .Merkmale. 

|)ie (Jrnfiart Atilirrhiumit wnjits, das Gartenlöwenmaul, be- 
steht aus vielen lausenden deutlieh verschiedenen und in reiner 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(165) 



Zucht kultivierbaren Rassen. Aber die Zahl der mendelnden Erb- 
einheiten, die allem dem zugrunde liegt, ist auch hier sehr klein. 
Mit etwa 40 — 50 wird sich wohl in der Hauptsache die gesamte 
uns heute bekannte Mannigfaltigkeit der Löwenmaulrassen verstehen 
lassen. 

Das wird Sie vielleicht überraschen, wenn sie sich daran er- 
innern, daß ja bereits für die Färbung der Blüten allein 15 Erb- 
einheiten klargelegt sind. Aber die Sache ist die, daß die gleiche 
Erbeinheit in den allerverschiedensten Außenmerkmalen ihre Wir- 
kung äußert. So sind es großenteils die gleichen Grundeigenschaften, 
welche die Färbung der Blüten und die Färbung ganz anderer 
Organe der Pflanzen beeinflußen. Das geht sogar so weit, daß z. B. 
eine Erbeinheit der Blütenfarbe auch gleichzeitig eine sehr wich- 
tige Rolle für die Wuchsform spielt. So sind beim Löwenmaul 
Pflanzen, denen die vorhin genannte Fähigkeit zur Bildung des 
Leukokörpers der Blütenfarbe abgeht, auch immer durch ihre 
Wuchsform gekennzeichnet und ferner auch durch eine eigentüm- 
liche Beschaffenheit der Epidermis der Laubblätter. Was für das 
Löwenmaul gilt, das gilt auch für die übrigen in ähnlicher Weise 
schon einigermaßen genau analysierten Organismen, wie für den 
Weizen, für Mirabilis, für die Gartenerbse und andere. 

Diese Erkenntnis, daß die große Mehrzahl der Rassenunter- 
schiede innerhalb einer Art auf den verschiedenen Kombinationen 
einer ziemlich kleinen Zahl von Grundeigenschaften beruht, ist 
noch nicht sehr alt. Eine große Zahl von Rassenunterschieden 
schien bis vor kurzem nicht in dieser Weise verstehbar zu sein. 
Man kannte bei den verschiedensten Organismen Fälle, wo bei der 
Kreuzung zweier verschiedener Rassen Bastarde entstanden, die 
ungefähr eine Mittelstellung einnahmen zwischen den gekreuzten 
Rassen, und was das Wesentliche ist, weiterhin konstant zu bleiben 
schienen. Auch diese Fälle, die zunächst ja gar nicht mit den 
Mendel sehen Gesetzen zu harmonieren schienen, haben sich auf 
eine regelrechte, allerdings sehr komplizierte Mendelspaltung zurück- 
führen lassen. Seit Nilsson-Ehle beim Weizen die ersten dieser 
Fälle klargelegt hat, sind zahlreiche andere genau analysiert worden. 

Es hat sich hier überall gezeigt, daß ebenfalls mehrere unab- 
hängig mendelnde Erbeinheiten mitspielen, die sich aber alle in 



(166) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



sehr ähnlicher Weise äußern und die sich in ihrer Wirkung sum- 
mieren können. Es würde zu weit führen, wollte ich dies hier 
im einzelnen auseinander setzen, es kam mir nur darauf an zu 
erwähnen, daß auch in diesen lange Zeit so unverständlichen 
Fällen von intermediärer Vererbung und von scheinbar sofort 
konstanten Bastarden ebenfalls eine regelrecht mendelnde Vererbung 
vorliegt. Konstant sind diese Bastarde nicht, sondern die Spaltung 
ist hier gewissermassen maskiert, wird nur erkennbar, wenn man 
mit sehr großen Zahlen arbeitet. 

Es ist immer dieselbe Geschichte, die wir erleben. Zunächst 
finden sich Vererbungserscheinungen, die gar nicht mit den Spal- 
tungsgesetzen harmonieren wollen, dann aber zeigt die genaue Ana- 
lyse, daß auch hier die alten bekannten Gesetzmäßigkeiten gelten. 
Wir sind deswegen mit dem Schluß, daß eine Vererbungsweise 
vorliegt, die nicht mit den Spaltungsgesetzen in Einklang zu bringen 
ist, sehr zurückhaltend geworden. Wir haben zu oft erlebt, daß 
ein solcher Schluß voreilig gezogen worden ist. 

Je weiter die Untersuchungen fortschreiten, desto wichtiger 
und grundlegender erscheinen uns, wie Sie sehen, die Entdeckun- 
gen Mendels. 

Wenn so, nach den Versuchen an den bisher genauer unter- 
suchten höheren Pflanzen zu schließen, zwar die Mehrzahl der 
Rassenunterschiede einfach auf verschiedene Kombinationen einer 
relativ kleinen Zahl von mendelnden Grundeigenschaften zurück- 
zuführen ist, so gibt es ; wie vorhin schon betont, aber doch auch 
Unterschiede, die nicht mendeln. Ein solches nichtmendelndes 
Merkmal ist beim Löwenmaul und bei vielen anderen Pflanzen 
eine gewisse Art von Weißfleckigkeit der Blätter, die ausschließlich 
durch die Mutter übertragen wird. 

Bei Antirrhinum, beim Weizen und bei anderen gut unter- 
suchten I 'Hunzen ist die Rolle, welche diese nicht mendelnden 
Unterschiede spielen, eine sehr geringfügige, sie ist verschwindend 
gering gegenüber der der mendelnden. 

Ks ist natürlich möglich, daß andere Organismen sich anders 

r erhalten, aber <lus können nur ausgedehnte Versuche zeigen. 

Wus BW weiteren Klurlcgung dieser Prägen i 1 1 den nächsten 
Jahren zu geschehen hat, ergibt sich von selbst. So wie heute bc- 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(167) 



reits einige wenige höhere Pflanzen untersucht sind, ebenso müssen 
in zahlreichen anderen Organismengruppen einzelne Arten heraus- 
gegriffen und analysiert werden. Vor allem ist es erwünscht, daß 
mit solchen Pflanzen und Tieren experimentiert wird, von denen 
schon in der älteren Literatur Angaben über abweichende Ver- 
erbungsverhältnisse vorliegen. An solchen Untersuchungen mit Pflan- 
zen wird es nicht fehlen, überall sind heute solche Versuche in 
Gang, besonders in England, Amerika und Schweden, an Versuchen 
mit Tieren, vor allem mit höheren Tieren, fehlt es aber noch sehr, 
das liegt daran, daß mit Tieren, die nicht durch Selbstbefruchtung 
fortgepflanzt werden können, alle Vererbungsversuche unendlich viel 
schwieriger durchzuführen sind als mit Pflanzen, und es liegt vor 
allem auch an der großen Kostspieligkeit der Tierversuche. Fast 
nichts wissen wir heute noch über die Vererbungserscheinungen 
bei den niederen Pflanzen, wie den Farnen, Moosen, Algen und Pilzen. 

Von größtem Interesse ist die Ausarbeitung einer solchen Ver- 
erbungsanalyse für den Menschen, aber gerade hier sind auch die 
Schwierigkeiten besonders groß. Unüberwindlich sind sie jedoch 
nicht. Auch wenn hier jede Experimentiermöglichkeit fehlt, so ist 
es doch — einem geschulten Beobachter — möglich, aus genauen 
Stammbaumbeobachtungen sehr viel zu entnehmen. Das, was wir 
heute wissen, ist zwar schon sehr beachtenswert, aber es ist doch 
sehr wenig im Verhältnis zu dem, was wir eigentlich heute 
schon wissen könnten. Die Vererbungsforschung am Menschen 
hat nicht so recht Schritt gehalten mit der Entwicklung der For- 
schung an Pflanzen und Tieren. 

Was für die Untersuchung der Rassenunterschiede, d. h. der 
erblichen Unterschiede innerhalb einer Art gilt, das gilt auch — 
mindestens zum Teil — für die Unterschiede zwischen verschie- 
denen Spezies. In den Gattungen Antirrhimtm und Dianßms, 
d. h. also bei den Löwenmäulchen und den Nelken, mit denen ich 
selbst Artkreuzungen in größerem Maßstab vorgenommen habe, be- 
steht jedenfalls zwischen Rassen- und Artunterschieden, oder wie 
man auch vielfach sagt, zwischen Rassen- und Artmerkmalen, kein 
prinzipieller Gegensatz. Sehr weit ist hier die Analyse freilich noch 
nicht gediehen, aber daß wenigstens bei Antirrhinum die große Mehr- 
zahl der Speziesunterschiede ebenfalls mendelt, ist außer jedem Zweifel. 



(168) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Die Kreuzung zweier Arten — und es lassen sich hier Arten 
leicht kreuzen, 'die sehr verschieden sind — ergibt im allgemeinen 
eine einheitliche Bastardgeneration und diese Bastarde geben bei 
Selbstbefruchtung weiterhin eine ganz unübersehbare Aufspal- 
tung. Ich habe von manchen von solchen Bastarden viele hun- 
derte von Nachkommen großgezogen und alle waren verschieden, es 
war nicht möglich, unter hunderten auch nur zwei gleiche zu finden. 
Alles in allem bieten diese Aufspaltungen Verhältnisse, wie wir sie 
erwarten müssen, wenn ein Bastard „aufmendelt", der in sehr 
zahlreichen Erbeinheiten heterozygotiseh ist. 

Genau analysiert ist noch keiner von diesen anscheinend 
mendelnden Speziesbastarden, das wird noch jahrelange Arbeit kosten, 
aber durchführbar ist diese Aufgabe, deren Lösung auch für die 
Frage der Artbildung in der Natur von größter Tragweite ist. 

Eine große Wichtigkeit haben genauere Untersuchungen von 
Speziesbastarden, die im wesentlichen mendeln, auch aus dem 
Grunde, weil offenbar unsere heutigen Völkerrassen, etwa die Be- 
wohner von Mitteleuropa entstanden sind aus der Kreuzung ver- 
schiedener „Arten", die im wesentlichen mendelnde Unterschiede 
untereinander aufgewiesen haben. Kreuzt man zwei von den vor- 
hin genannten Löwenmaularten, etwa Antirrhimim majus mit An- 
tirrhinum molle und kreuzt man dann weiterhin diese Bastarde 
mit einer dritten Art, etwa Antirrhimim lbamjcsii, und überläßt 
man dann die so erhaltenen Pflanzen einer Vermehrung bei fort 
währender Kreuzbefrachtung untereinander, dann dürfte man wohl 
ein Löwenmaulvolk bekommen, das ähnlich kompliziert zusammen) 
gesetzl ist, wie etwa die Bevölkerung von Mitteldeutschland. 

Andere Speziesbastarde scheinen sieh anders zu verhalten, die 
Rolle der nicht mendelnden Unterschiede ist vielleicht dort größer. 
Sicheres läßl sich aber heute noch nicht sagen. Wir sind im ersten 
Anfang einer genaueren Analyse der Speziesbastarde begriffen und 
ungefähr das einzige, was wir heute sicher sagen können, ist, daß 
fasl das gesamte bisher über Speziesbastarde bekannte ältere Tal 
sachenmaterial für Schlußfolgerungen unbrauchbar ist, weil immer 
mit fiel ZU kleinen Indi vidncnzahlen gearbeitet worden ist. 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(169) 



Fassen wir zusammen, was wir heute über den Geltungsbe- 
reich der Mendelschen Kegeln und ihre Wichtigkeit für die Ver- 
erbungslehre selbst wissen, so ist es etwa folgendes: Bei allen 
Organismen, die heute einigermaßen weit analysiert sind, werden 
nahezu alle erbliehen Unterschiede innerhalb der Art und minde- 
stens auch ein sehr großer Teil der Unterschiede zwischen den 
verschiedenen Arten einer Gattung sicher nach den Mendelschen 
Spaltungsgesetzen vererbt. Und wir können weiterhin sagen, daß 
die Zahl der Unterschiede gar nicht so sehr groß ist, die zunächst 
ja ganz unübersehbare Mannigfaltigkeit der verschiedenen Rassen 
einer Art kommt nur durch immer wieder andere, kaleidoskopartige 
Kombinationen gewisser Grundunterschiede zustande. 

Mit diesen „Grundeigenschaften", diesen „Erbeinheiten", „Ge- 
nen" oder „Faktoren" — es sind dies alles nur verschiedene Kamen 
für denselben Begriff — beschäftigt sich eine weitere wichtigere 
Frage der Vererbungslehre, die wir wenigstens kurz berühren wollen. 
Man hat sich gefragt, was liegt dem allen zugrunde, was ist wohl 
das Wesen der Erbeinheiten? Diese Erbeinheiten sind — dar- 
über müssen wir uns unbedingt klar bleiben — keineswegs definitive 
„Einheiten", sondern immer nur temporäre. Wir bezeichnen als Erb- 
einheiten einer Art diejenigen Grundunterschiede, die bisher noch 
nicht haben weiter zerlegt werden können, die bisher in allen 
Kreuzungen als Einheiten gemendelt haben. Aber wir haben 
erkannt, daß z. B. beim Löwenmaul die rote Blütenfarbe unter ande- 
rem abhängt von drei Grundeigenschaften, nämlich der Fähigkeit 
zur Leukokörperbildung, der Fähigkeit zur Enzymbildung und der 
Fähigkeit zur Bildung der im Zellsaft gelösten Base. Ebenso zeigt 
die weitere Untersuchung, daß auch die Fähigkeit zur Leukokörper- 
bildung abhängt von mehreren selbständig mendelnden Grund- 
eigenschaften. Sie werden fragen, wie weit wird diese Analyse 
gehen können. Diese Frage ist heute noch ganz unlösbar. Es sieht 
aber so aus, als ob wir am letzten Ende der Analyse immer 
auf einfache chemische Unterschiede stossen werden, die 
sich stets als Vorhandensein oder Fehlen von bestimmten 
enzymartigen Substanzen formulieren lassen. Vorläufig tun 
wir aber wohl gut, wenn wir diesen Gedanken noch nicht zu weit 



(170) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



theoretisch ausbauen. Wir müssen auch hier zunächst noch viel 
mehr brauchbares Tatsachenmaterial zusammenbringen. 

Eine weitere, gerade in den letzten Monaten sehr viel disku- 
tierte Frage ist die, ob wirklich diese Erbeinheiten immer ohne 
jede Ausnahme regelrecht den Spaltungsgesetzen folgen, d. h. 
immer unabhängig voneinander vererbt werden oder ob 
hier Störungen vorkommen. Bei der Ausführung von umfangreichen 
Vererbungsversuchen hat man in den letzten Jahren bei ganz 
verschiedenartigen Objekten, bei Pflanzen und Tieren, Störungen 
der normalen Spaltungsgesetze gefunden, die aber doch selber 
wieder eine gewisse Gesetzmäßigkeit zeigen. Diese Störungen rühren 
daher, daß bestimmte Erbeinheiten nicht immer ganz unabhängig 
voneinander mendeln, sondern daß Erscheinungen bestehen, die 
man als Koppelung von Erbeinheiten bezeichnet. 

Eine ganze Reihe von Forschern haben fast gleichzeitig diese 
Beobachtung gemacht. Auch beim Löwenmäulchen finden sich viel- 
fach solche Koppelungen, so z. B. zwischen einer Erbeinheit für 
rote Farbe und einer anderen Erbeinheit, welche die Zeichnung 
der Blüte beeinflußt. Gerade über diese Fälle von Koppelung hat 
sich in letzter Zeit eine ziemlich große Spezialliteratur entwickelt. 
Der Ausbau der genauen Analyse mancher Arten wird durch solche 
Koppelungserscheinungen ungemein erschwert. Diese ganze Frage 
hat ein höheres Interesse deshalb, weil eine leise Hoffnung bestellt, 
daß man von diesen Beobachtungen aus Rückschlüsse ziehen kann 
auf die cytologische Rasis der Vererbungserscheinungen, speziell 
der Rastardspaltung. 

Derlei Binzelfragen, wie die letztgenannte der Koppelung sind 
in jüngster Zeit auch sonst entstanden. Ich will hier nicht auf alle 
hin weisen, es sind Prägen von allzu speziellem Interesse. Nur eine 
sei wenigstens noch genannt, das ist die Frage; nach der Vererbung 
des Geschlechtes und der Geschlechtsmerkmale. Mit Pflanzen und 
in letzter Zeil besonder! auch mit Tieren wird hierüber sehr eifrig 
gearbeitet, Dhne daß bisher ein definitives Ergebnis gewonnen wäre. 
Daß mendelnde Vererbung eine große Rolle dabei spielt, ist sicher, 
aber die Verhältnisse liegen offenbar ganz ungemein kompliziert. 

* * 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung-. 



(171) 



Haben wir so einen Blick auf einige Tagesfragen geworfen, 
die direkt an Gregor Mendels Entdeckungen anknüpfen, so wollen 
wir uds jetzt einigen Fragen aus einem ganz anderen Gebiet der 
Vererbungslehre zuwenden. 

Jeder, der Vererbungsversuche in größerem Maßstab ausgeführt 
hat, weiß, daß in den Kulturen von sonst ganz konstanten Rassen 
einzelne Individuen auftauchen, die erblich von der Ausgangsrasse 
mehr oder weniger stark verschieden sind. Man bezeichnet derartige, 
in ihren erblichen Eigenschaften abweichende Individuen als 
„Mutanten". Die Häufigkeit, in der solche Mutanten auch in ganz 
normal behandelten Kulturen auftreten, ist ganz sicher größer, als 
man bisher gedacht hat. Ich kann wohl sagen, daß in meinen 
Auf i rrlf i mim-Kulturen auf etwa 500 bis 1000 Individuen einer sonst 
konstanten einheitlichen Sippe eine Mutation vorkommt. Speziell 
bei Aniirrhinum besteht ungefähr die Hälfte aller überhaupt vor- 
kommenden Mutationen in dem Auftreten von Pflanzen mit grün- 
weiß gescheckten Blättern. Es ist dies eine Blattfärbung, die dann 
weiterhin ausschließlich durch die Mutter vererbt wird ; diese Bunt- 
blätterigkeit ist eines von den ganz wenigen Rassenmerkmalen hei An- 
tirrhinum, die, wie wir vorhin gehört haben, nicht nach den Spaltungs- 
gesetzen vererbt werden. Alle übrigen, bisher von mir beobachteten 
Mutanten waren ganz regelmäßig von der Ausgangsrasse nur in 
einer einzigen mendelnden Erbeinheit verschieden. Meist, vielleicht 
immer handelte es sich dabei um den Verlust einer Grundeigenschaft. 
Sehr häufig sind die so entstehenden Sippen nichts eigentlich Neues, 
sie haben nur eine Erbeinheit verloren, die auch anderen, mir schon 
lange bekannten Sippen bereits fehlt. In anderen Fällen gehen aber 
auch Erbeinheiten verloren, die in allen mir bisher bekannten 
Sippen vorhanden sind. Derartige Mutanten sind dann wirklich 
etwas ganz Neues. Ich habe so im Laufe der Jahre schon eine 
ganze Kollektion von AntirrMnum-JiasseYi erhalten, die z. B. sehr 
merkwürdige Blütenformen haben und sie ganz konstant vererben. 

Das Gleiche wie für Antirrhinum gilt auch für die übrigen 
genau untersuchten Pflanzen, wie Weizen, Hafer, LatJiyrns odo- 
ratus, Levkojen usw. Dagegen sind bei allen diesen Pflanzen 
Mutationen, die den von de Vries beobachteten entsprechen, nie 
gefunden w r orden. 



(172) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Die Mutationen bei Oenothera lamarckiana sind von den 
Mutationen, die ganz regelmäßig- bei allen anderen daraufhin 
untersuchten Pflanzen beobachtet werden, etwas ganz prinzipiell 
Verschiedenes. 

Alle diese fast regelmäßig bei unseren Versuchspflanzen be- 
obachteten Mutationen treten auf, ohne daß wir wissen, warum. Ver- 
suche, solche Mutationen künstlich auszulösen, sind bisher wenig 
gemacht worden oder sind noch in den ersten Anfängen begriffen. Es 
scheint aber so, als ob es möglich wäre, Mutationen dadurch auszu- 
lösen, daß man die Eltern ganz extremen Kulturverhältnissen aus- 
setzt, sie etwa bei sehr hohen Temperaturen kultiviert. Bei niederen 
pflanzlichen Organismen ist die künstliche Erzeugung von solchen 
Mutationen vielfach gelungen, auch mit Tieren, besonders mit Käfern 
sind sehr schöne Versuche gemacht worden. Es ist eine der wichtig- 
sten Aufgaben für die nächsten Jahre, auch mit anderen Organismen, 
besonders mit höheren Pflanzen entsprechende Versuche auszuführen. 

Besonders viel ist in letzter Zeit auch wieder die Frage dis- 
kutiert worden, ob Pflanzen oder Tiere, welche selber unter dem 
Einfluß von irgend welchen Außeneinwirkungen in ihrem indivi- 
duellen Aussehen „modifiziert" worden sind, eine Nach! 
kommensebaft haben, die entsprechend dieser Modifikation 
der der Eltern in den erblichen Eigenschaften verändert ist, So 
lautel ja wohl heute in neuer Form die alte Streitfrage nach der 
„Vererbung erworbener Eigenschaften". 

.Mau kann, um ein Beispiel zu nennen, jedes Individuum einer 
unter normalen Kulturbedingungcn rot blühenden Löwenmaulrasse 
durch Kultur im Schatten und bei hoher Temperatur dahin bringen, 
dati es nur schwach rötliche, oft fast rein gelblichweiße Blüten > 
entwickelt. So lassen sieh, besonders bei den Pflanzen, die „Merk- 
mal«" durch die Kultnrbedingungen sehr stark „modifizieren". Wiri 
wüwen heute, daß im Grunde genommen nie eine bestimmte Farbe 
• »der Form oder irgend ein anderes „Merkmal" als solches ver- 
min wnd -mdern vererbt wird immer nur eine gewisse spezi- 

Itehc .. Modifizierbarkeit". 

Manche Botaniker und viele Zoologen sind nun der Ansieht, 
daß, wenn ein Individuum in irgend einer Weise modifiziert word et 
ist, und roi allem, dali, wenn in mehreren Generationen hinterem» 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung-, 



(173) 



ander immer die gleiche Modifikation erfolgt ist, die Nachkommen 
die Modifikation zeigen, auch ohne den Einflüssen ausgesetzt worden 
zu sein, welche die Eltern modifiziert haben. Es müßte also nach 
dieser Ansicht die Nachkommenschaft einer Löwenmaulpflanze aus 
einer roten Rasse, welche bei Kultur im Warmhaus hellrote oder 
weißliche Blüten gebildet hat, ebenfalls hellrote oder weißliche 
Blüten haben auch bei Kultur unter normalen Bedingungen. 

Nach meinen eigenen Erfahrungen, die sich mit denen Jo- 
hannsens Nilsson-Ehles und anderer völlig decken, ist etwas 
Derartiges nicht der Fall. Ich kann auch kein einziges der viel 
zitierten Beispiele von einem solchen „Paralellismus zwischen Modifi- 
kation der Eltern und Mutation der Nachkommen'' als einwandfrei 
anerkennen. 

In den mir bekannten Fällen von wirklicher erblicher Ände- 
rung der Nachkommen, die durch bestimmte Außeneinwirkungen 
auf die Eltern erzielt worden ist, waren zwar die Eltern durch 
diese Einflüsse in ihrer individuellen Beschaffenheit sehr stark mo- 
difiziert, aber zwischen dieser Modifikation der Eltern und der 
Mutation der Nachkommenschaft bestand keinerlei Parallelismus, 
wie er von den Anhängern der Lehre von der „Vererbung erwor- 
bener Eigenschaften" erwartet werden muß. 

Über alle diese Dinge wird viel diskutiert und wenig ex- 
perimentiert und doch sind das alles Fragen, die im Experiment 
glatt und sicher entschieden werden können. Geschrieben ist 
über diese Fragen ganz entsetzlich viel, man hat mit dem größten 
philosophischen Scharfsinne durchgeführte Vererbungstheorien aus- 
gebaut, die ganz ausschließlich auf dem — nicht erwiesenen! — 
Parallelismus zwischen Modifikation der Eltern und Mutation der 
Nachkommenschaft, d. h. auf der „Vererbung erworbener Eigen- 
schaften" begründet sind. 

Eine Entscheidung werden wohl die Experimente in den 
nächsten Jahren bringen. 

Solche Versuche, experimentell Sippen zu erzeugen, die erblich 
von der Ausgangsrasse sich unterscheiden, sind auch unbedingt 
nötig, wenn wir in der Frage nach der Enstehung neuer Arten in 
der Natur etwas weiter kommen wollten. 



(174) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung-. 



Ich sage dabei absichtlich bescheiden „etwas weiter kommen", 
denn darüber dürfen wir uns nicht täuschen, daß die so ungeheuer 
komplizierte Frage der Speziesbildung auf dem Wege des Experi- 
mentes allein nicht zu lösen ist, Tier- und Pflanzengeographie, 
Paläontologie, vergleichende Anatomie und experimentelle For- 
schung müssen zusammen arbeiten. 

* 

Neben den Arbeiten über die Bedeutung und den Giltigkeits- 
bereich der Spaltungsgesetze und neben den Untersuchungen über 
die Mutationserscheinungen ist in den letzten Jahren noch besonders 
eine andere Frage aus dem Gebiet der experimentellen Vererbungs- 
lehre sehr viel diskutiert und zu einem gewissen Abschluß gebracht 
worden. Es ist dies die Frage nach der Existenz und nach dem 
Wesen der Pfropfbastarde. 

Ein eigentümliches Spiel des Zufalls hat es gewollt, daß im 
gleichen Jahre von Hans Winkler zunächst eine Reihe von „Pfropf- 
bastarden" zwischen Nachtschatten und Tomaten im einwandfreien 
Experiment erzeugt wurden und daß von mir auf Grund meiner Ver- 
suche mit den Weißrandpelargonien und von anatomischen Unter- 
suchungen der Crataegomespili die bis dahin bekannten Pfropf- 
bastarde als „Periclinalchimären" erkannt wurden. 

Von den Pelargonien gibt es — Ihnen wohl allen bekannte — 
Zierrassen mit weißrandigen Blättern. Die genaue Untersuchung 
der zunächst sehr sonderbar anmutenden Erblichkeitsverhältnisse 
und weiterhin die genaue mikroskopische Untersuchung der Pflan- 
zen selbst, ließen mich mit Sicherheit erkennen, daß diese Weiß- 
randpflanzon eigentlich aus zwei Pflanzen bestehen. Es steckt 
hier gewissermaßen eine grüne Pflanze in der Haut einer weißen, 
so wie der Finder im Handschuh. Wie diese, von mir als Pcriclinal- 
ehimären bezeichneten Pflanzen zustande kommen, will ich hier 
Dicht auseinandersetzen. Ich erkannte nun aber bald, daß diese 
IFeißrandpclartfonien sieh in dem Verhalten ihrer Nachkommen! 
schall, in dein Auftreten von Zweigen, die nur dem grünen oder 
dir nur dem weißen Komponenten angehörten, und in vielen andere! 
Paukten mit den alten Pfropfbastarden, wie dem Labumum Ada/m 
/.. V, geradezu verblüffend analog verhielten. Das brachte 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(175) 



mich zu dem dann weiterhin auch durch anatomische Untersuchun- 
gen bekräftigten Schlüsse, daß auch die bis dahin bekannten alten 
und wohl auch die gerade um diese Zeit neu erzeugten Win kl er- 
sehen Pfropfbastarde ebenfalls solche Periclinalchimären seien. Vor 
allem Wink ler hat freilich anfangs diese Deutung der Pfropf- 
bastarde als Periclinalchimären aufs heftigste bekämpft. 

Wir wissen aber jetzt — vor allem Dank der genauen ana- 
tomischen Untersuchungen von Buder — daß der Cytisus Adami 
wirklich ein Laburnum vulgare ist, der in der Epidermis von Cy- 
tisus purpureus steckt, und wir wissen, auf Grund meiner Unter- 
suchungen, daß auch die Craiaegomespili Periclinalchimären sind 
und daß mindestens die große Mehrzahl der Win kl er sehen Pfropf- 
bastarde ebenfalls solche Periclinalchimären sind, haben Winklers 
eigene Untersuchungen ergeben. 

Eine andere, heute noch ungelöste Frage ist es, ob auf dem 
Wege der Pfropfung auch einmal durch Verschmelzung von vege- 
tativen Zellen wirkliche „vegetative Bastarde" oder Pfropf- 
bastarde im engsten Sinne des Wortes entstehen können. Sehr 
wahrscheinlich ist es nicht gerade, daß auf diesem Wege Bastarde 
entstehen können. Mir persönlich ist es auch sehr zweifelhaft, ob 
das Win kl ersehe Solanum Danvinianum, das sein Erzeuger auf 
Grund der Chromosomenzahlen der Pollenmutterzellen für einen 
solchen Verschmelzungspfropfbastard hält, wirklich ein solcher ist. 
Mir scheint die Annahme näher zu liegen, daß es sich ebenfalls 
um eine Periclinalchimäre handelt, deren Epidermis aus Solanum 
nigrum, deren zweite Zellschicht aus Solanum lycopersicum und deren 
übriges Sproßinnere wiederum aus Solanum nigrum besteht. So- 
lanum nigrum, der Nachtschatten, hat die Chromosomenzahl 72 
(reduziert 36), Solanum lycopersicum, die Tomate, hat die Chromo- 
somenzahl 24 (reduziert 12). Solanum Danvinianum hat in seinen 
Pollenmutterzellen, in einem Stadium, wo die reduzierte Chromo- 
somenzahl zu erwarten wäre, 24 Chromosomen, und Winkler nimmt 
an, daß diese Zahl die reduzierte Chromosomenzahl sei von 48 vege- 
tativen Chromosomen. Es hätte demnach Solanum Danvinianum 
(wenigstens in seiner subepidermalen Zellschicht) die Chromosomen- 
zahl 48, und eine solche Chromosomenzahl kann man sich nach 
Winkler zustande gekommen denken durch Verschmelzung einer 



(176) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



vegetativen Tomatenzelle (24 Chromosomen) mit einer vegetativen 
Nachtschattenzelle (72 Chromosomen). Eine solche Verschmelzungs- 
zelle müßte haben 72 -{- 24 = 96 Chromosomen, und wenn dann 
eine einmalige Reduktionsteilung erfolgt, so ergäbe sich eine Chro- 
mosomenzahl von 48 Chromosomen, die ja tatsächlich Wink ler 
auf Grund der in den Pollenmutterzellen gefundenen 24 Chromo- 
somen für Solanum Darwinianum annimmt. 

Mir scheint diese ganze Deutung der Chromosomenzahl 24, 
die Winkler in den Pollenmutterzellen von Solanum Darwinianum 
gefunden hat, wenig einleuchtend. Mir scheint vielmehr die Deu- 
tung viel näher liegend, daß auch Solanum Danvinianum eine 
Periclinalchimäre ist, und zwar eine mit Solanum nigrum als Epi- 
dermis, mit Solanum lycopersicum in der subepidermalen Schicht 
und mit Solanum nigrum in den anschließenden inneren Teilen. 
Die Chromosomenzahl 24 wäre dann einfach die vegetative Tomaten- 
chromosoinenzahl, die Reduktionsteilung unterbliebe nach dieser Deu- 
tung in den Tomatenpollenmutterzellen, die in dieser Chimäre beider- 
seits von Nachtschattengewebe eingeschlossen sind. 

Ich kann demnach nicht anerkennen, daß heute die Existenz 
von wirklichen Pfropfbastarden im engsten Sinne des Wortes, 
d. h. von Verschmelzungspfropfbastarden, bewiesen sei. 

Auch diese Fragen werden aber wohl in absehbarer Zeit zu 
entscheiden sein. 

Eine Aufgabe, die ebenfalls noch ungelösl ist, ist die erneute ex- 
perimentelle Herstellung des Cytisus Adami oder der Crataegomespili 
aus ihren Komponenten. Dagegen ist es mir mit anderen holzigen 
Gh wachsen, nämlich rappeln, mit Populus canadensis und Po/mliis 
trichocarpa nach achtjährigen Versuchen im vorigen Sommer (HUI) 
gelangen, Pfropfbastarde, d. h. Sectorial- und Periclinalchimären zu 
erzeugen. Pappelarten sind für derartige Versuche ganz besonders 
glinstige < Objekte. 

* 

IfendeHsmui Mutationen Pfropfbastarde — das sind so 
drei BaoptarbeitSgebiete der experimentellen Vercrbungsforschunl 
in den letzten Jahren gewesen. Aus jedem davon haben wir einige 
'J a -es fragen berühr! und meistens freilich nur ganz flüchtig skizziert. 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(177) 



Gestatten Sie mir jetzt zum Schlüsse meiner Ausführungen auch 
noch auf eine Reihe von mehr praktischen Aufgaben aus diesem 
Gebiet hinzuweisen. Es ist Ihnen ja wohl allen ohne weiteres klar, 
daß die Fortschritte der Vererbungslehre für die Pflanzen- und Tier- 
züchtung von der allergrößten Bedeutung sind. Vor allem die Er- 
kenntnis, daß die Merkmale der verschiedenen Rassen unserer Kultur- 
pflanzen und Haustiere abhängen von einer gar nicht so sehr großen 
Zahl von Erbeinheiten, die alle selbständig nach den Spaltungsge- 
setzen vererbt werden, ist von der größten Wichtigkeit für die Praxis. 
Daraus folgt ja, daß durch rationelle Kreuzungen und daran anschlie- 
ßende Auslese aus der F 2-Generation jede gewünschte Kombination 
von Eigenschaften hergestellt werden kann. Wir können die guten 
Eigenschaften verschiedener Sorten vereinigen in einer. 

Voraussetzung dafür, daß man einigermaßen rasch zum Ziele 
kommt, ist aber unbedingt, daß man über die Erbeinheiten unserer 
Kulturpflanzen und Haustiere auf das Genaueste unterrichtet ist. Hier 
öffnet sich ein Arbeitsgebiet, das nicht bloß aus rein wissenschaft- 
lichem Interesse den Forscher anlockt, sondern auf dem auch prak- 
tische Ergebnisse zu erwarten sind, deren Wichtigkeit für die Land- 
wirtschaft, ja für die ganze Volkswirtschaft jedem einleuchten muß. 

Gerade deshalb, weil ich die Wichtigkeit der neuen Vererbungs- 
forschung für die Züchtungspraxis wohl beurteilen kann, freue ich 
mich, meine heutigen Ausführungen gewissermaßen mit einem Glück- 
wunsch beschließen zu können, einem Glückwunsch dazu, daß ge- 
rade in Österreich, der Heimat des Mendelismus, auch das erste 
eigene Institut für wissenschaftliche Pflanzenztichtung auf dem 
europäischen Kontinent errichtet werden wird. 



Anhang. 

Bestimmungen über den Zweck und die Art der Ver- 
leihung der Erzherzog Rainer-Medaille. 

Anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums Seiner kaiserlichen 
und königlichen Hoheit des Herrn Erherzogs Rainer als Protektor 
der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft stiftet dieselbe eine 

Z. B. Ges. 62. Bd. m 



(178) 



Bestimmungen über die Erzherzog- Rainer-Medaille. 



„Rainer-Medaille", deren erstes Exemplar dem hohen Protektor 
anläßlich des Jubiläums überreicht wird, die in der Folge jedoch 
an verdienstvolle Gelehrte unter Einhaltung* folgender Bestimmungen 
verliehen wird. 

1. Die Medaille wird Forschern zuerkannt, welche jeweilig 
im Laufe der zehn letztverflossenen Jahre durch eine bedeutsame 
Entdeckung oder durch ein zusammenfassendes Werk eine ganz 
wesentliche Förderung der Erkenntnis bewirkten oder durch solche 
Leistungen auf die Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung 
einen besonders fördernden Einfluß nahmen. Hierbei sind ins- 
besondere jüngere Forscher zu berücksichtigen. 

2. Alle zwei Jahre werden zwei Medaillen verliehen, von 
denen eine für Leistungen auf dem Gebiete der Zoologie und eine 
für solche auf dem Gebiete der Botanik bestimmt ist. Zoologie 
und Botanik sind hierbei im weitesten Sinne des Wortes, also mit 
Einschluß der Nachbardisziplinen, wie Paläontologie, Biochemie, 
Biophysik, Biogeographie etc. gemeint. 

3. Bei Verleihung der Medaille wird auf Staatsangehörigkeit 
und Nationalität des Forschers keine Rücksicht genommen, sie er- 
folgt unabhängig von der Mitgliedschaft der Gesellschaft. Aus- 
geschlossen von der Verleihung sind die Mitglieder des Präsidiums 
der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft (Präsident und Vize- 
präsidenten) und die Mitglieder der sub 5 erwähnten Kommissionen 
während der Dauer ihrer Funktionen. 

4. Eine Bewerbung um die Medaille findet nicht statt. 

5. Zu dem Zwecke der Zuerkennung der Medaille wird in 
dem der Verleihung vorangehenden Jahre unmittelbar bei Wieder- 
aufnahme der Vereinstätigkeit nach den Sommerferien, spätestens 
aber im Dezember je eine aus sieben maßgebenden Fachmännern 
zusammengesetzte Kommission eingesetzt; diese wird vom Aus- 
schüsse mit Stimmenmehrheit gewählt. Nur je zwei dieser Kom- 
missionsmitglieder sollen dem Ausschüsse selbst angehören; die 
anderen werden aus der Gesamtheit der Fachmänner des In- und 
Auslandes gewählt, wobei mindestens zwei dem Auslande ange- 
hören sollen. Die Mitglieder der Kommissionen werden durch das Prä 
sid i um der Gesellschaft von der auf sie gefallenen Wahl verständigt 
und eingeladen, sich Uber die Annahme der Wahl binnen drei 



Bestimmungen über die Erzherzog Rainer-Medaille. 



(179) 



Wochen zu erklären ; bleibt diese Erklärung bis zu dem angegebenen 
Termine aus, so wird die Wahl als nicht angenommen angesehen. 
Um die Kommissionen im Falle von Ablehnungen oder des Aus- 
scheidens von Mitgliedern vervollständigen zu können, werden in 
der Ausschußsitzung, in welcher die Kommissionswahl erfolgt, je 
vier Fachmänner in bestimmter Reihenfolge mit Stimmenmehrheit 
nominiert, welche in dieser Reihenfolge im Falle von Abgängen 
in die Kommissionen eintreten, wobei auf die Erhaltung des 
Zahlenverhältnisses zwischen In- und Ausländern zu achten ist. 

Eines der dem Ausschusse angehörenden Mitglieder jeder 
Kommission fungiert über Mandat des Ausschusses als Vorsitzender 
der Kommission, das zweite dieser Mitglieder als dessen Vertreter. 
Nach Einsetzung der Kommission obliegt es jedem Kommissions- 
mitgliede, innerhalb eines vom Vorsitzenden anzugebenden Termines 
je e i n e n Kandidaten mit Angabe der maßgebenden Gründe in Vorschlag 
zu bringen. Nach Eintreffen der Vorschläge wird jedem Kommissions- 
mitgliede eine vollständige Liste der Kandidaten übermittelt und das- 
selbe eingeladen, innerhalb einer bestimmten Frist zwei dieser Kan- 
didaten in Vorschlag zu bringen. Nur diejenigen Kandidaten kommen 
für die nun folgende eigentliche Wahl in Betracht, welche bei dieser 
Nominierung mindestens drei Stimmen erhalten haben. 

Es erfolgt nun der eigentliche Wahlgang, bei dem jedes Kom- 
missionsmitglied einem der im engeren Vorschlage befindlichen 
Kandidaten seine Stimme gibt; der Vorsitzende der Kommission 
besitzt bei allen Abstimmungen dieselben Rechte wie die übrigen 
Kommissionsmitglieder. Gewählt erscheint derjenige Kandidat, auf 
den die absolute Majorität der Stimmen bei einer Beteiligung von 
mindestens fünf Kommissionsmitgliedern entfällt. Ergibt der erste 
Wahlgang kein Resultat, so wird ein zweiter unter denselben Mo- 
dalitäten vorgenommen, wobei alle Kandidaten in Betracht kommen, 
welche bei dem ersten Wahlgange zwei oder mehr als zwei Stimmen 
auf sich vereinigten ; ergibt auch dieser zweite Wahlgang kein oder 
kein gültiges Ergebnis, so entfällt die Verleihung der Medaille in dem 
betreffenden Jahre. 

Die Wahl durch die in Wien anwesenden Mitglieder der Kom- 
mission erfolgt in einer Sitzung mit geheimer Abstimmung nach 
vorhergegangener Beratung. Die auswärtigen Kommissionsmitglieder 

m* 



(180) 



Bestimmungen über die Erzherzog Rainer-Medaille. 



senden ihre Vota ein, doch werden dieselben erst nach der Ab- 
stimmung der Wiener Mitglieder zur Kenntnis genommen. 

6. Die Verhandlungen der Kommissionen sind geheim, doch 
sind über dieselben Protokolle zu fuhren, die für jede einzelne 
Zuerkennung abzuschließen und mindestens 25 Jahre aufzubewahren 
sind. Auch diese Protokolle sind geheim zu halten; nur das Prä- 
sidium der Gesellschaft ist ermächtigt, in dieselben Einblick zu 
nehmen. 

7. Die Verlautbarung der Zuerkennung der Medaille erfolgt 
unter Namhaftmachung der Entdeckung oder des Werkes, welche 
die Zuerkennung bedingten, jeweilig in einer Generalversammlung, 
und zwar in der Regel in der Jahresversammlung und wird in 
dem Berichte über diese Versammlung veröffentlicht. Es ist anzu- 
streben, daß die Forscher, welchen die Medaille zugesprochen wird, 
in dieser Versammlung anwesend sind und einen Vortrag über den 
Gegenstand, dessen Bearbeitung die Zuerkennung bewirkte, halten. 
Zu diesem Zwecke kann die Zuerkennung den betreffenden Per- 
sonen schon früher vertraulich mitgeteilt werden. 

8. Abänderungen dieser Bestimmungen unter Beibehaltung 
der in Absatz 1 festgestellten Zweckbestimmung kann der Aus- 
sei) ii fl der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft mit Zweidrittel- 
majorität beschließen. Solche Abänderungen treten für die jeweilig 
nächste Verleihung nur dann in Kraft, wenn sie mindestens drei 
.Monate vor der Wahl der Kommissionen gefaßt und publiziert 
worden sind. 

Wien, im Dezember 11)1 L. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(181) 



Bericht der Sektion für Koleopterologie. 

Versammlung am 21. März 1912. 
Vorsitzender: Herr Dr. K. Holdhaus. 

I. Herr Dr. Eduard Knirsch hält einen Vortrag: „Über eine 
koleopterologische Sammelreise nach der Krim." 

II. Herr Regierungsrat Direktor L. Gangib au er tibersendet 
die Charakteristik einer neuen von Herrn Emil Moczarski in der 
Krim aufgefundenen Maltho des -Art. 

Malthodes Moczarskii nov. spec. 

Schwarz, die Flügeldecken schwarzbraun mit gleichfarbiger 
Spitze, die Kniegelenke bei manchen Stücken bräunlich. Kopf und 
Halsschild stark glänzend, der Kopf sehr fein punktiert und mit 
kurzer, feiner, weißlicher Behaa- 
rung undicht besetzt, der Hals- 
schild noch feiner und spärlicher 
punktiert und behaart, die Flügel- 
decken mit ziemlich dichter und 
ziemlich kurzer, schräg abstehen- 
der Behaarung, durch dieselbe 
grauschimmernd. Die Fühler dicht 
und rauh punktiert und mit nicht 
sehr kurzen, schräg abstehenden Hinterleibsende des von Malthodes 
weißlichen Härchen ziemlich dicht Moczarskii Gangib. 

besetzt. Das zweite Fühlerglied 

viel kürzer als das vierte. Die Mandibeln am Innenrande hinter 
der einwärts gekrümmten Spitze mit vier dicht aufeinanderfolgen- 
den abgerundeten Kerbzähnchen, die bei dreißigfacher Lupenver- 
größerung noch kaum unterscheidbar sind. Der Halsschild quer, 
an den Seiten kräftig gerandet, die Randleiste in den Vorderecken 
kaum merklich verdickt. Die Flügeldecken etwa fünfmal so lang 
wie der Halsschild. — Long. (abd. excl.) 2 — 2-8 mm. 




Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



cT. Der Kopf mit größeren, stärker gewölbten Augen, mit 
diesen breiter als der Halsschild. Die Fühler die Spitze der Flügel- 
decken überragend, ihr zweites Glied auch wesentlich kürzer als 
das dritte. Die zwei letzten Tergite oder nur das letzte von gelb- 
bräunlicher Färbung, das drittletzte quer, an der Basis so breit 
wie der Hinterrand des vorangehenden, nach hinten allmählich ver- 
schmälert, am Hinterrande und an den Hinterecken abgerundet, 
das vorletzte Tergit schmal, vorgestreckt etwas länger als breit, 
an der Basis etwa halb so breit wie das drittletzte an dieser, nach 
hinten wenig verschmälert, hinten gerundet abgestutzt, das unter 
das vorletzte teilweise zurückziehbare letzte Tergit von Form der 
eines halbkuppeligen Schirmdaches. Das vorletzte Sternit fast bis 
zur Basis ausgeschnitten, mit kurzen, breiten Seitenlappen. Das 
letzte Sternit von der Form eines im zweiten Drittel plötzlich schräg 
aufwärts gekrümmten Bügels, dessen Apikaipartie in zwei lamellen- 
artige, nach hinten kurz und gerundet ausgezogene, mit den Innen- 
flächen divergierende Lappen gegabelt ist. 

9. Der Kopf mit kleineren, weniger stark gewölbten Augen, 
mit diesen höchstens so breit wie der Halsschild. Die Fühler die 
Spitze der Flügeldecken nicht überragend, ihr zweites und drittes 
Glied in der Länge kaum verschieden. 

Krim, Jailagebirge. 

Unter den Arten mit wesentlicher Differenz in der Länge des 
zweiten und vierten Fühlergliedes und kräftig gerandeten Seifen 
des Halsschildes relativ klein und im männlichen Geschlechte durch 
die Form des letzten Tergita und Sternits sehr ausgezeichnet. 

III. Herr Alois WingelmUller überreicht die folgenden Din- 
gnosen in ner Coccinelliden -Aberrationen. 

Weit davon entfernt, bei den Coccinelliden schon in jeder 
geringfügigen Abänderung der Zeichnung den Anlaß zu einer Neu- 
bcHchrcibung und besonderen Benennung zu erblicken, sind mir 
doch gelegentlich der Durchsicht einiger großer Pri vaf Sammlungen 
mehrere Coceinellidcnformcn untergekommen, die mir einer Be- 
schreibung und Benennung wert erseheinen. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(183) 



Hippodamia treäecimpnnctata var. nov. futvoriiargi- 

nata. 

Kopf und Halsschild genau so gezeichnet wie bei der Stamm- 
form, nur ist der schwarze Punkt in der Mitte des Halsschildseiten- 
saumes größer und fast immer mit der Medianmakel mehr oder 
weniger breit verbunden. Durch das völlige Zusammenfließen aller 
Punkte auf den Flügeldecken wird deren Scheibe einfarbig schwarz 
und verdrängt die ziegelrote Grundfarbe bis auf eine meist kleine 
drei- oder viereckige Makel an der Basis, jederseits des Schild- 
chens, einen damit zusammenhängenden schmalen Basal- und Seiten- 
saum, welch letzterer sich gegen die Spitze der Flügeldecken all- 
mählich verbreitert und als feine Linie längs der Naht fortsetzt, 
die kurz vor dem Schildchen erlischt. Vor und hinter der Stelle, 
wo normal Punkt 2 zu stehen käme, erweitert sich der helle Seiten- 
saum schwach makelförmig. Nur selten erhalten sich auch auf der 
Scheibe jeder Flügeldecke noch 1 — 2 kleine, verschwommene, helle 
Fleckchen als Überreste der Grundfarbe ; noch seltener dehnen sich 
die mit dem Basal- und Seitensaume zusammenhängenden Makeln 
soweit nach innen aus, daß dadurch die Punkte 1 und 2 teilweise 
frei werden. Die Schienen und Tarsen sind so wie bei der Stamm- 
form rötlichgelb, die Schenkel schwarz. — Long. 5 — 7 mm. 

Die zahlreichen Sücke, die ich vor mir hatte, stammen alle 
aus Ost-Turkestan und tragen die folgenden Fundortsangaben : Wüste 
Gobi, Takla-Makan, 1900; Bagratsch-Kul, Kurla, 5. 1902; Asku, 
1067 m, 5. 1903, coli. Hauser. 

Da das ganze Major Haus er sehe Sammlungs- und Doubletten- 
material kein einziges Stück der Stammart oder einer anderen 
hieher gehörigen Varietät von den gleichen Fundorten aufweist, so 
dürfte die hier erwähnte Form wohl mit Recht als Lokalrasse auf- 
zufassen sein, die zwischen die beiden von J. Weise beschriebenen 
Aberrationen sellata und borealis zu stellen ist. 

Calvia tJecemguttata ab. nov. unicolor. 

Von der typischen Form nur durch das Verschwinden aller 
weißen Flecke auf den Flügeldecken verschieden. So wie bei 
var. hololeiica Muls. die bräunlichrote Grundfarbe der Flügeldecken 



(184) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



durch Ausbreitung der gelblichweißen Makeln vollständig verdrängt 
wird und so den Endpunkt der Variationsfähigkeit in der einen 
Richtung bezeichnet, so bildet die hier besprochene Form den Schluß 
in der entgegengesetzten Richtung. Hier werden alle hellen Flecke der 
Flügeldecken durch die bräunlichrote Grundfarbe so vollständig ver- 
drängt, daß nicht die geringste Spur derselben mehr wahrnehmbar ist. 

Ein vom Herrn Hofrat Dr. K. Skalitzky in der Umgebung 
von Prag gesammeltes Stück in der Sammlung meines Freundes 
J. Breit in Wien. 

Scymnus frontalis ab. nov. magnomaculatus. 

Durch das Auftreten von je zwei roten Makeln auf jeder 
Flügeldecke der ab. 4-pustulatus Hbst. sehr ähnlich, aber an der 
bedeutenden Ausdehnung dieser Makeln leicht kenntlich. 

Schwarz, beim g nur die Oberlippe und eine undeutlich be- 
grenzte dreieckige Makel in den Vorderecken des Halsschildes 
bräunlichgelb, beim cf der ganze Kopf, ein schmaler Vorderrand- 
saum und ein breiter, bis an den Hinterrand reichender Seitensaum 
des Halsschildes gelb oder rötlichgelb. Jede Flügeldecke mit zwei 
hintereinander stehenden, großen roten oder rotgelben Makeln, 
deren vordere seitlich bis auf die Epipleuren der Flügeldecken über- 
greift, während die hintere sich derart ausdehnt, daß sie mit Aus- 
nahme eines schmalen Nahtstreifens das ganze letzte Drittel der 
Flügeldecken einnimmt. Beide Makeln können sich, ähnlich wie 
es bei ab. Suffriani W&. der Fall ist, zu einer in der Mitte mehr 
oder weniger verengten Längsbinde vereinigen, die aber unterhalb 
des Schulterhöckers den Seitenrand der Flügeldecken und hinten 
deren Spitzenrand erreicht, 

In der länglich-ovalen Körperform, der mäßig feinen und 
dichten Punktierung des Metastern ums, der flachen Ausbuchtung 
(Ich fünften Vcntrals<'«;nients beim cT sowie in der Färbung der 
Unterseite und Beine, stimmt die vorliegende Form mit der Stamm! 
ari rollständig tiberein, nur sind die Stücke durchschnittlich etwas 
kleiner. — Long. 2*5 — 2 8 mm. 

Rumänien: Oampo Lung (Muscel) und Vallec du Berlad. Einigt 
von Montandon gefangene Stücke befinden sieh in der Sammlung 

des Herrn 0. Leonhard in Dresden. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(185) 



Scymnus Apetzi ab. nor. Mülleri. 

In der Form und Zeichnung ganz mit dem typischen Apetzi Muls. 
tibereinstimmend, unterscheidet sich die vorliegende Aberration von 
diesem nur durch die konstant rötlichgelbe Färbung der Beine. 

Schwarz, beim q nur die Oberlippe, beim cT die vordere Partie 
des Kopfes und ein schmaler Saum in den Vorderecken des Hals- 
schildes gelb bis rötlichgelb. Die Flügeldecken hinter der Schulter- 
beule mit einer weder den Naht- noch Seitenrand erreichenden, 
runden oder etwas schräg gestellten ovalen, rötlichgelben Makel. 
Manchmal ist auch der äußerste Spitzenrand der Flügeldecken röt- 
lich durchscheinend. Die Beine sind so wie bei Sc. interruptus 
Goeze beim d" und g hell rötlichgelb, bei ersterem höchstens die 
Hinterschenkel, bei letzterem manchmal alle Schenkel in der Wurzel- 
hälfte mehr oder minder gebräunt. Die Punktierung des Metaster- 
nums und die Ausrandung des fünften Ventralsegmentes beim cT 
ist fast genau so wie bei Apetzi. — Long. 2 — 2*6 mm. 

Die zahlreichen Stücke in der Sammlung des Herrn 0. Leon- 
hard in Dresden stammen alle aus den südlichen Küstengebieten 
Europas, und zwar: Portugal: Monchique, Lissabon, Quellar. — 
Sardinien: Assuni, M ü sette fratelli. — Corsica: Biguglia. — Sizi- 
lien: Ficuzza, Madonia, Nicolosi. — Kephalonia: Argostoli und aus 
Zante: Kalamaki. 

Es unterliegt keinem Zweifel, daß das von Herrn Dr. Josef 
Müller (in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1901, p. 516) erwähnte, 
auf der Insel Lesina gefangene Scymntis-M'ännchen ebenfalls hieher 
gehört und glaube ich nur recht und billig zu handeln, wenn ich 
die vorliegende Form nach demjenigen benenne, der zuerst auf sie 
aufmerksam machte. 



Durch das Ableben des Direktors der zoologischen Abtei- 
lung am k. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien 

Regierungsrat Ludwig Grangibauer, 

welcher am 5. Juni 1912 seinem schweren Leiden erlegen ist, hat 
die deskriptive Koleopterologie einen großen Verlust erlitten. 



(186) 



Gangibauer- Preis. 



Gaugibauer hat uicht nur durch seine großzügige Tätigkeit 
auf dem Gebiete der Koleopteren-Systematik, insbesondere durch 
sein unübertroffenes Werk „Die Käfer von Mitteleuropa" sich die 
hervorragendsten Verdienste um die Erforschung der paläarktischen 
Koleopterenfauna erworben, sondern auch durch die stete Opfer- 
willigkeit und Hilfsbereitschaft, mit welcher er fremde wissenschaft- 
liche Bestrebungen durch Rat und Tat unterstützte, viele Koleoptero- 
logen zu Dank verpflichtet. 

Um das Andenken Direktor Gangibauers in würdiger Weise 
zu ehren, erlauben sich die Unterzeichneten, die Anregung" zu geben, 
es möge ein 

Ganglbauer-Preis 

geschaffen werden, welcher je nach den vorhandenen Mitteln in 
noch zu bestimmenden Zeiträumen für die jeweils beste, in deut- 
scher Sprache verfaßte systematisch-deskriptive Arbeit über palä- 
arktische Koleopteren verliehen werden soll. 

Mit der Ehrung des Verewigten verbindet diese Stiftung, als 
die erste derartige in deutschen Landen, den Zweck der Anregung 
und Unterstützung heimatlicher Forschertätigkeit, in erster Linie 
der Ermutigung junger aufstrebender Talente; auch für die unter 
Heranziehung tüchtiger Mitarbeiter geplante Fortsetzung der „Käfer 
von Mitteleuropa" dürfte die Existenz eines solchen Preises förder- 
lich sein. 

Der Name des 'loten, den wir alle tief betrauern, möge fort- 
leben in der Stiftung, für deren Verwaltung wir die k. k. zoologisch- 
botanisehe Gesellschaft in Aussicht nehmen. 

Das Preisrichterami soll in den Händen von Koleopterologea 
des gesamten deutschen Sprachgebietes liegen. 

Die Unterzeichneten erlauben sich nun, alle Koleopterologea 
and Freunde Ganglbauers höflichst einzuladen, an dem Zustande 
kommen des (Jangl bauer-Preises durch Oberweisung einer Spende 
mitzuwirken. 

Beiträge werden erbeten an Herrn Alois Win gelin liller, Wien, 
Will . Carl Lad wigstraße 6 (Postsparkassen-Konto Nr. 13.-W54). 



Ganglbauer-Preis. 



(187) 



Außerdem nehmen Spenden entgegen: 
für Deutschland: Herr Dr. Walter Horn, Berlin-Dahlem, Goßler- 
straße 18; 

für Frankreich: Herr J. Sainte-Claire Deville, Capitaine d' Artillerie, 

Paris, VII, rue Perignon 16; 
für Norwegen: Herr Th. Münster, Kristiania, Hansteensgate 22. 

Hofrat Dr. Franz Steindachner, 

Intendant des k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien. 

Hofrat Dr. Richard Wettstein Ritter von Westersheim, 

Präsident der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien. 



August Freih. Bachofen v. Echt, 
Wien. 

Dr. Max Bernhauer, Grimburg. 
Josef Breit, Wien. 
Dr. Josef Daniel, Ingolstadt. 
Dr. Karl Daniel, München. 
Friedrich Deubel, Brassö-Kron- 
stadt. 

Hugo Diener, Budapest. 
R. Forraänek, Brünn. 
Oberstleutnant F. Haus er, Mün- 
chen. 

Franz Heikertinger, Wien. 
Prof. Dr. Lukas v. Heyden, Frank- 
furt a. M. 
Dr. Karl Holdhaus, Wien. 
Dr. Walter Horn, Berlin-Dahlem. 
Dr. Eduard Knirsch, Wien. 
Otto Leonhard, Dresden-Blase witz. 
Dr. Josef Müller, Triest. 



Th. M,ünster, Kristiania. 
Dr. Fritz Netolitzky, Czernowitz. 
Prof. Dr. Karl Pen ecke, Czerno- 
witz. 

Rudolf Pin k er, Wien. 
Kais. Rat Edmund Reitter, Paskau. 
J. Sainte-Claire Deville, Paris. 
Prof. Adrian Schuster, Wien. 
Dr. Georg v. Seidlitz, Ebenhausen 

bei München. 
Prof. Dr. Oskar Simony, Wien. 
Dr. Franz Spaeth, Wien. 
Dr. Hamilkar Stolz, Baden bei Wien. 
Franz Tax, Graz. 
Dr. Hans Wagner, Berlin-Dahlem. 
P. Erich Was mann, S. J., Valken- 

burg. 

Alois W i n g e 1 m ü 1 1 e r, Wien, XVIII., 
Carl Ludwigstraße 6. 



(188) Referate. 

Referate. 

Theneii, S. Zur Phylogenie der Priinulaceenblüte. Studien über den 
Gefäßbündelverlauf in Blütenachse und Perianth. Jena (G. Fischer), 1911. 
Gr.-8. 131 Seiten, 9 Tafeln, 4 Textabbildungen. 

Van Tieghem hat angenommen, daß die in der Korollröhre der Pri- 
mulaceen zwischen je zwei Abschnitten verlaufenden „Nebengefäßbündel" als 
phylogenetischer Rest des den Kelchblättern superponierten äußeren Staminal- 
kreises aufzufassen seien, die sich entsprechend ihrer neuen Funktion, der 
Versorgung der benachbarten Korollabschnitte, fortschreitend entwickelt 
hätten. Verfasser lehnt diese Auffassung vollständig ab, einerseits, da sich 
Nebengefäßbündel, die denen der Korolle vollkommen gleichwertig sind und 
für die eine analoge Erklärung unmöglich ist, gewöhnlich auch im Kelch vor- 
finden, anderseits, da sich innerhalb der mit Staminodien versehenen Gattun- 
gen Soldanella und Samolus nicht eine aufsteigende Entwicklung, sondern 
meist eine Reduktion der Nebengefäßbündel konstatieren ließ. Die Neben- 
gefäßbündel der Primulaceen bilden also keinen Beleg für die vom Verfasser 
bekämpfte Annahme, daß reduzierte Organe fähig sind neue Funktionen zu 
übernehmen. Jeder der 10 vom Gefäßbündel der Blütenachse ausstrahlenden 
Stränge spaltet sich in zwei Äste, deren einer in den einen Perianthkreis als 
Hauptgefäß bündel und deren zweiter in den anderen Perianthkreis als Neben- 
gefäßbündel eintritt. 

.Mit Ausnahme von Stimpsonia, Pomatosace, Bryocarpum und Pelletiera 
wurden alle Gattungen der Primulaceen und von den größeren Gattungen 
zahlreiche Arten auf den Geläßbündel verlauf in Kelch und Korolle eingehend 
untersucht Das Ergebnis wird für jede Gattung genau besprochen und durch 
Abbildungen erläutert. Das allgemeine Resultat ist kurz folgendes: Die Ur- 
form der Primulaceenblüte war in beiden Perianthkreisen mit kräftigen Neben! 
gefößbündeln, mit unverzweigten Hauptgefäßbündeln ausgestattet und anasto- 
mosenrrei. Die weitere Entwicklung der Nebengefäßbündel, die in ihrer Aus- 
bildung viel labiler als die HauptgefäßbUndel sind, verläuft in den beiden 
Perianthkreisen verschieden, indem die Reduktion im Kelche viel weiter geht 
als in der Korolle. Xerophile Anpassungen wirkten auf die Nebengefäßbündel 
dei Kelches reduzierend, während die Punktionen der Korolle die Erhaltung 
der Nebengefäßbündel begünstigten. Der Urtypus hat sich am zähesten bei 
Vodecatheon^ Cyclamen und den Lyrimachieae erhalten, nur teilweise bei Sa- 
muht-. Am weitesten entfernen sich die Androsaceae, unter denen die Gattung 
Snhlnnt IIa d< !, Anschluß vermittelt. Bei ('oris vermutet der Verfasser dl 
erste Andeutung einer durch [nfloreszenzbildung eingeleiteten Vereinfachung 
der EJnselblttte. E. Janchen (Wien). 

Das Tierreich, laue Zusammenstellung und Kennzeichnung der rezenten 
'I ierformen. BeglÜndei von der deutschen Zoologischen Gesellschaft. Im 
Auftrag der Uonigl. pi euliisehen Akademie der Wissenschaften in Merlin 



Referate. 



(189) 



herausgegeben von Franz Eilhard Schulze. 30. Lieferung. Hymenoptera, 
Ichneumonoidea, Evaniidae, bearbeitet von Prof. Dr. J. J. Kieffer, Ober- 
lehrer in Bitsch (Lothringen). XIX -f 432 Seiten. Mit 76 Abbildungen. 
Berlin, Verlag R. Friedländer und Sohn. Ausgegeben im April 1912. 

Die Hymenopterologen können mit dem in der letzten Zeit eingeschla- 
genen Erscheinungstempo der Tierreichlieferungen zufrieden sein. Auf die 
erste eine Familie der Hymenopteren behandelnde 24. Lieferung des Tierreichs, 
„Cynipidae" von K. W. v. Dalla Torre u. J. J. Kieffer, welche im August 
1910 erschien, folgte im November 1911 eine zweite, die 28. Lieferung: „Api- 
dae, I. Megachilinae" von H.Friese, und wenige Monate später die oben 
angezeigte dritte. 

Sie ist, wie es von dem rühmlichst bekannten, derzeit besten Kenner 
der Evaniiden zu erwarten war, ein prächtiges Werk, ebenso erschöpfend wie 
zugleich handlich und übersichtlich. Die Literatur wurde bis in die neueste 
Zeit, nach der Angabe des Autors bis Januar 1912 berücksichtigt. Auf eine 
Liste der im Werke angewandten Literaturkürzungen folgt ein systematischer 
Index, aus dem wir entnehmen, daß die Familie der Evaniidae in 3 Unter- 
familien mit zusammen 21 Gattungen und 708 Arten eingeteilt wird. Die hier- 
auf folgende Diagnose der Familie wird durch eine Anzahl klarer Abbil- 
dungen erläutert. Dem Abschnitt über die systematische Stellung entnehmen 
wir die interessante Feststellung, daß das die Familie der Evaniiden von den 
verwandten Familien der'Stephaniden und Ichneumoniden auszeichnende Merk- 
mal der Insertion des Petiolus (Hinterleibstiels) oben am Mediansegment, 
nahe dem Metanotum und nicht wie bei jenen unten, nahe dem Grunde der 
hinteren Coxen, ein Merkmal, durch das hauptsächlich der charakteristische, 
oft bizarre Habitus der Evaniiden bedingt erscheint, außer den genannten 
Tieren auch noch der Braconidengruppe der Coenocoelinae sowie der Cyni- 
pidengruppe der Leiopterinae zukommt, ein bemerkenswerter Fall von Kon- 
vergenz! Der hierauf folgende Abschnitt bringt das Wichtigste, was wir von 
der Biologie und der geographischen Verbreitung der drei Unterfamilien wissen. 
Die Verbreitungsbilder der einzelnen Unterfamilien sind voneinander sehr ver- 
schieden. Während nämlich die Unterfamilie der Evaniinae die größte Arten- 
zahl in der Tropenzone und einen vom Äquator zu den Polen zu allmählich 
abnehmenden Artenreichtum aufweist, ist bei der Unterfamilie der Gasterup- 
tioninae das Verhältnis gerade umgekehrt. Bei der artenarmen Unterfamilie der 
Aulacinae ist es ähnlicher dem bei der Unterfamilie der Gasteruptioninae als 
dem bei den Evaniinen. Der Autor bringt diese verschiedenen Verbreitungs- 
> bilder mit der Verbreitung der Wirte in Zusammenhang. Die Evaniinae 
schmarotzen nämlich ausschließlich bei Blattiden (Schaben), die Gasteroptio- 
ninae bei Apiden, Spheciden, Crabroniden und Vespiden, die Aulacinae endlich, 
soweit bekannt, bei Hymenopteren aus der Familie der Siriciden und bei 
Koleopteren aus der Familie der Cerambyciden. Die ältesten Evaniiden 
stammen aus dem Tertiär. Aus dem Kopal von Madagaskar ist ein voll- 



(190) 



Referate. 



kommen erhaltenes Tier bekannt, das vielleicht auch zu den ausgestorbenen 
Arten gehört. 

Bei der Diagnose der Unterfamilie der Evaniinae fällt eine Reihe von 
Abbildungen auf, welche uns sehr schön den Gang der Adernreduktion auf 
den Vorderflügeln an den einzelnen Gattungen entnommenen Beispielen ver- 
anschaulicht. Die Bestimmungstabellen führen, wie ich mich durch Stich- 
proben überzeugen konnte, so leicht und sicher es eben möglich ist zum 
Ziel. Sehr wünschenswert und leicht ausführbar w«äre es, wenn die 
künftigen Besch r eiber neue r Ev an ii den arten jedes mal bei der Be- 
schreibung den Platz angeben würden, den die als neu beschrie- 
bene Art in der in Betracht kommenden Tabelle im Tierreich ein- 
nehmen würde. Die Gattungs- und Artdiagnosen sind sehr ausführlich. 
Den Beschluß bilden ein sowohl die Namen der zurechtbestehenden als auch 
die der synonymen Arten enthaltendes alphabetisches Register und ein Nomen- 
clator generum et subgenerum. 

Wir wollen zum Schlüsse angesichts dieses Werkes, das die Familie 
der Evaniiden zu einer der bestbekannten Hymenopterenfamilien macht, eines 
Mannes nicht vergessen, dessen Arbeit gewissermaßen als der Grundstein der 
vorliegenden angesehen werden kann, August Schletterers und seiner 1890 
in den Annalen des k. k. naturhistorischen Hofmuseums erschienenen Mono- 
graphie: „Die Hymenopterengruppe der Evaniiden". Dr. F. M aidl (Wien). 



Versammlung der Sektion für Botanik. 

(191) 

Bericht der Sektion für Botanik. 



Versammlung am 17. Februar 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Prof. Dr. R. Much hielt einen Vortrag-: „Zoologisches 
und Botanisches aus dem ältesten geographischen Namen- 
bestande Deutschlands." 

Sodann sprach Herr Prof. D. V. Schiffner über Amphigastral- 
Antheridien. 

Zum Schluß wurde eine Reihe interessanter Pflanzen aus dem 
botanischen Garten der Universität demonstriert. 



Sprechabend am 24. Februar 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Prof. Dr. J. Stadl mann besprach das Werk: „Didaktik 
der Botanik" von Landsberg. 

Herr Kustos Dr. A. Zahl b ruckner legte mehrere Lieferungen 
der „Hieraciotheca gallica" vor. 

Schließlich besprach Herr J. Fleisch mann den von ihm bei 
Abtenau in Salzburg entdeckten Bastard Spiranthes aestivalis X 
wutumnalis unter Vorlage der gesammelten Exemplare. 

Versammlung am 17. März 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Privatdozent Dr. Oswald Richter hielt einen durch Licht- 
bilder illustrierten Vortrag über „Horizontale Nutation". (Vergl. 
Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss. in Wien, math. naturw. Klasse, 
Bd. CXIX, Abt. 1.) 

Sodann sprach Herr Privatdozent Dr. Otto Porsch Uber die 
Blütenbiologie der südafrikanischen Vogelblume Antholyza bicolor 
Gasp. (Vergl. „Die ornithophilen Anpassungen von Antholyza bicolor" 
in der Mendel-Festschrift.) 

Z. B. Ges. 62. Bd. n 



(192) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Herr R. Schrödinger erläuterte an Zeichnungen den Knospen- 
hau und die als Knospenschuppen fungierenden Nebenblätter von 
Cunonia capensis. 

Zur Demonstration gelangten nach lebenden Pflanzen ausge- 
führte Zeichnungen von Frl. Gisela Wahlenberg. 



Sprechabend am 24. März 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Dr. V. Vouk besprach die neuere pflanzenphysiologische 
Literatur. 

Herr Privatdozent Dr. E. Jan che n berichtete über die Ent- 
deckung von Bnlbocodium Vernum am Abhang der Gerlitzen am 
Ossiachor See in Kärnten durch R. Schar fett er sowie über einige 
andere in den letzten Jahren in Österreich-Ungarn gemachte inter- 
essante pfianzengeographische Entdeckungen. 

Schließlich legte Dr. E. Jauchen einige neuere Exiccaten- 
werke vor. 

Sprechabend am 15. April 1911. 

Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Privatdozent Dr. A. v. Hayek hielt einen Vortrag: „Vegej 
tat ion ssk izzen aus Italien." 

Herr Kustos Dr. A. Zahlbruck ner legte die „Plantae hispa- 
nicae" von Sennen vor. 

Vorsammlung am 19. Mai 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Dr. \V 1 1 1 in in c I haue r hielt einen Vortrag: 

Ober <ii<- Formen der Phytophthora omndvora De Baryj 

Dem Redner standen drei Pormen, nämlich Phytophthora CaA 
forum Leb and Cohn, Vagi liartig und eine- Phytophthora Syringom 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(193) 



Kleb, zur Verfügung*. Die Pilze stammten von Professor Klee- 
bahn in Hamburg (Ph. Syringae und Fagi) sowie von Dr. Peter 
in Dahlem (Ph. Cactorum). Eine vergleichende Untersuchung der 
drei Pilze, namentlich der Phytophthora Cactorum und Fagi sollte 
ergeben, ob die Formen (Cactorum und Fagi), die De Bary 1881 
zur Phytophthora omnivora zusammenfaßte, nicht am Ende doch 
verschiedene Typen repräsentierten. Die Untersuchung wurde in 
den Räumen der botanischen Staatsinstitute in Hamburg begonnen 
und vollendet. 

Nachdem die z. B. bei Uredineen so überaus vorteilhafte Frage 
nach dem Standort der Pilze zu kritischen Betrachtungen vollkommen 
im Stiche ließ — Redner nannte eine große Anzahl oft wenig ver- 
wandter Wirte der in Rede stehenden Phytophtoreen — , nachdem 
also ein Suchen nach „biologischen Arten" vergeblich war, wurden 
Versuche mit Reinkulturen in Gang gesetzt. 

Die Reinkulturen (in Erleninayerkölbchen, im Hängetropfen, 
in Petrischalen) wurden alle unter gleichen Bedingungen angelegt, 
unter gleichen Bedingungen gezogen und bei Experimenten glei- 
chen Veränderungen unterworfen. Die Reinkulturen wurden in 
großer Anzahl untersucht. Wenn dann trotz gleicher Außenver- 
hältnisse Verschiedenheiten in den Kulturen auftraten, glaubt 
Redner berechtigt zu sein, verschiedene gute Arten (elementare 
Arten, Linien oder physiologische Arten, je nach persönlicher Auf- 
fassung) vor sich zu sehen. 

Redner erhielt nun in seinen Reinkulturen Unterschiede. Im 
folgenden das Gesammtresultat: Makroskopisch zeigt Phytoph- 
thora Cactorum eine sehr starke, Syringae eine schwächere und 
Fagi eine sehr schwache Wachstumsintensität im Erlenmayerkölb- 
chen. In der Petrischale bietet Phytophthora Syringae Bilder, die 
durch die Abwechslung hellerer und dunklerer Zonen wie ein Quer- 
schnitt durch ein dikotyles Holz mit Jahresringen aussehen; Phy- 
tophthora Cactorum ist ebenso anzusehen, nur sind hier die helleren 
Zonen unterbrochen, so daß konzentrisch flockige Zonen entstehen; 
Phytophthora Fagi erzeugt auf einer dendritischen Strahlensonne 
ganz unregelmäßige weiße Häufchen. Mikroskopisch wird der 
Bau der eben geschilderten Zonen erläutert; die helleren Stellen 
rühren von Konidienanhäufungen her. Es lassen sich Unterschiede 

n* 



(194) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



im Myzelbau, in der Verzweigungsweise und namentlich in den 
Konidien der beschriebenen Pilze erkennen. Phytophthora Syringm 
hat eiförmige Konidien ohne Hals und Papillendeckel; Phytophthora 
Cactorum bringt Konidien von sehr großer Variationsweite in Bezug 
auf die Form und Größe hervor, Konidien, die bald ohne Hals 
und Papillendeckel, bald mit Hals und Papillendeckel auftreten; 
Phytophtlwra Fagi hat sehr regelmäßige, eiförmige Konidien, die 
immer mit einem Hals und Papillendeckel versehen sind. 

Auf Beziehungen der drei Pilzformen zu den anderen bis jetzt 
bekannten Phytophthoreen, ferner auf die Art und Weise, wie die 
Zonen bei Phytophthora Syringae zustande kommen, möchte Redner 
nicht ausführlich eingehen. 

Wohl aber scheinen ihm gewisse Anklänge an die Vaucheria- 
ceen von Bedeutung. Diese äußern sich darin, daß beim Altern 
oder beim Degenerieren der Kulturen Gebilde auftreten, die bei 
Vaucheriaceen regelmäßig vorhanden sind. Redner erwähnt hiebei 
die eigentümlichen Zellwandverdickungen, die falsch dichotomischen 
Verzweigungsmodi, die Zell-, beziehungsweise Konidienauswiichsc, 
den papillösen Deckel der Konidien bei den beschriebenen Phy- 
tophthoreen, Erscheinungen, die bei Algen ihr regelmäßiges Gegen- 
stück in ähnlichen Verdickungen und Verzweigungen (Vaucheria), 
in „Brutkeulen" (Bichotomosiphon) und in Antheridienpapillen (Vau- 
cheria) finden. Redner hält diese Vorkommnisse für atavistische 
Reaktionen. 

Sodann berichtete Herr kais. Bat Dr. M. Kronfeld über die 
in Schönbrunn kultivierten Exemplare von Wehvitschia mirabilis* 

Schließlich demonstrierte Herr Prof. Dr. H. Josefeine abnorme 
Blüte von Iris Susiana L. 

Sprochabend am 26. Mai 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Ilm Privatdozenl Dr. K Vierhap per hielt unter Vorlage eines | 
reichen Berbarmateriales einen Vortrag: „Floristisches aus den j 
Karpaten." 

Em PriTatdoxeni Dt, A. v Hayek und Herr Dr. V. Vouk bc- | 
sprachen di<- oeuere Literatur. 



Versammlung der »Sektion für Botanik. 



(195) 



Schließlich legte Herr L. Keller einige Pflanzen aus Dal- 
matien vor. 



Versammlung am 16. Juni 1911. 

Der Abend war einer Besichtigung der Bastardierungsver- 
suche im Versuchsgarten der Hochschule für Bodenkultur unter 
Führung des Herrn Prof. Dr. Erich Tscher mak v. Seysene gg 
gewidmet. 

Sprechabend am 23. Juni 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Dr. A. Gin zb erger und Herr Dr. V. Vouk besprachen 
die neuere botanische Literatur. 

Herr Privatdozent Dr. E. Janchen legte die neu erschienene 
Centurie von Dörflers Herbarium normale vor. 

Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner demonstrierte eine Reihe 
interessanter Pflanzen aus dem Herbare des k. k. naturhistorischen 
Hofmuseums. 

Sodann gelangten interessante Pflanzen aus den Gewächs- 
häusern des botanischen Gartens zur Demonstration. 

Am 29. Juni unternahm die Sektion eine botanische Exkur- 
sion nach Pulkau und Retz. 



Sprechabend am 27. Oktober 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Privatdozent Dr. A. v. Hayek demonstrierte eine größere 
Zahl von auf der II. Wiener Universitätsreise in Griechenland ge- 
sammelter Pflanzen und besprach dabei die pflanzengeographischen 
Verhältnisse der besuchten Gegenden. 

Sodann legte Herr Dr. A. Ginzb erger die neuere botanische 
Literatur vor. 



(196) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Versammlung am 29. Oktober 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Prof. Dr. L. Linsbauer sprach über das Thema: 

Der amerikanische Stachel beerniehltan in Österreich. 

Der Vortragende ging von den Beobachtungen aus, die er an 
einem neuen, angeblich erst heuer aufgetretenen Seuchenherde, 
nämlich in St. Georgen bei Preßburg (Ungarn), machen konnte und 
entwarf ein Bild des Schädlings sowie der von ihm verursachten 
Krankheitserscheinungen. An der Hand einer vom Vortragenden 
entworfenen Übersichtskarte wurde die Verbreitung des Pilzes in 
Österreich besprochen, nachdem der Gang der europäischen In- 
vasion erörtert worden war. Der Vortragende selbst hatte den Pilz 
heuer nachweisen können für die Orte: Baden bei Wien, wohin 
der Pilz (Sphaerotheca mors uvae) aus einer Grazer Baumschule 
eingeschleppt worden war. — Nikolsburg in Mähern. Hier ist die 
Krankheitserscheinung schon seit Jahren vorhanden. — Friedenau 
bei Ueichenberg in Böhmen. — Lunz in Niederösterreich. Dieses Auf- 
treten des Pilzes ist deshalb interessant, weil er hier ganz spora- 
disch auf 28 jährigen, ungepflegten Stachelbeersträuchern eines 
Bauerngartens auftrat, und zwar anscheinend nur auf den Trieben, 
von denen aber auch nur einige wenige befallen waren. Bemer- 
kenswert ist auch die Seehöhe seines Auftretens, nämlich ca. (500 m. 
Hingegen scheint das vom Vortragenden besuchte Stachelbeeranbau- 
gebiet von Kritzendorf in Niederösterreich derzeit noch frei von 
dem gefährlichen Schädling zu sein. 

Interessant war es, daß im heurigen Sommer in Klostcrneu- 
hurg Stachelbeeren auf den Markt kamen, die zu 30°/ von dem 
PÜZfl mehr oder weniger befallen waren. Sie stammten vom Wiener 
Naschmarkte, auf dem von den städtischen Marktamtsorganen nichts 
Verd&chtigei bemerkt worden war, außer hie und da „kleine braune 
Hecke". Solche Früchte wurden Uber Weisung von den Händ- 
lern ausgesondert und dann vermutlich in die Umgebung Wiens 
verkauft, woraus sieh der oben genannte hohe Prozentsat/ erklärt. 

her Vortragende könnt«; au dem Geschmacke und Gerüche 
der rerpilzten Bandelewaare keine auffallenden Veränderungen bei 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



(197) 



merken, auch nach dem Genüsse der roh und eingemacht verzehr- 
ten Früchte keine Spur einer üblen Nachwirkung an sich wahr- 
nehmen. Wenn hie und da aus unbekannten Gründen die infizierten 
Früchte widerwärtig- schmecken, wie es z. B. in Nikolsburg der 
Fall war, so können wohl solche Früchte, die niemand essen wird, 
zu keinerlei „Vergiftungs"erscheinungen Anlaß geben; genußfähige, 
wenn auch verpilzte Früchte scheinen aber niemals spezifische, 
nur auf den Genuß der kranken Früchte zurückführbare Krank- 
heitssymptome hervorzurufen. Wenn dennoch hie und da von Ver- 
dauungsstörungen, ja in einigen Fällen angeblich sogar von dem 
Tode einiger Personen, die solche Beeren gegessen hatten, berichtet 
wird, so sind die betreffenden Nachrichten absolut kritiklosen Mel- 
dungen von Tagesblättern entnommen, welche von fachmännischer 
Seite nie kontrolliert oder gar bestätigt werden konnten. 



Versammlung am 17. November 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Privatdozent Dr. F. Vierhapper hielt einen Vortrag: „Über 
das subarktische Element in der Flora Mitteleuropas." 

Sodann sprach Herr Dr. Fr. Jesenko über einige neue Ver- 
fahren, die Ruheperiode der Pflanzen abzukürzen. 

Herr Prof. Dr. E. Tschermak v. Seysenegg demonstrierte 
einige interessante Pfropf hybriden. 



Sprechabend am 24. November 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Privatdozent Dr. E. Janchen besprach die neuere Lite- 
ratur aus dem Gebiete der Cytologie und Entwicklungslehre. 

Herr Dr. Vouk legte die neuere Literatur aus dem Gebiete 
der Anatomie und Physiologie vor. 

Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner besprach den „American 
Index". 



(198) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Versammlung am 15. Dezember 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Zu Beginn der Sitzung* fand die Neuwahl der Funktionäre 
für das Jahr 1912 statt und werden über Antrag des Herrn Hofrates 
Prof. Dr. v. Wett stein die bisherigen Funktionäre wiedergewählt. 

Sodann besprach Herr H. Sommerstorff den von ihm in 
der Umgebung von Graz entdeckten tierfangenden Pilz Zoopliagus 
insidians. 

Hierauf demonstrierte Herr Dr. A. Bret sehn eider eine Reihe 
prächtiger Lumiereaufnahmen von Pflanzenkrankheiten. 



Sprechabend am 22. Dezember 1911. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Privatdozent Dr. F. Vierhapper legte eine größere Zahl 
interessanter Herbarpflanzen aus den Alpen und Karpaten vor. 

Herr Privatdozent Dr. E. Jan eben legte die neu erschienene 
Doppelcenturie von Dörflers Herbarium normale vor. 

Versammlung am 19. Januar 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Prof ,J. Nevole (Knittelfeld) hielt einen Vortrag: „Üben 
die Verbreitung der Zirbe in der österreichisch -ungarischen 
M onarchie." 

Sprochabond am 26. Januar 1912. 
Vorsitzender: Ken Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Die Herren A.. Ginzberger und Dr. E. Janchen besprachen 
die neuere befnnisehe Literatur. 

Ben Kustos Dr, A. Zahlbruckner demonstrierte neuere Zu 
,<> Ki, >nn Bxtlh ksten, 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(199) 



Versammlung am 16. Februar 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Dr. Bruno Kubart (Graz) hielt einen durch Lichtbilder 
illustrierten Vortrag über das Leben der Karbonpflanzen. 

Herr Privatdozent Dr. F. Vierhapper berichtete unter Demon- 
stration zahlreicher Herbarexemplare über die botanischen Ergeb- 
nisse der Universitätsreise nach Griechenland und besprach ins- 
besondere die ökologischen Verhältnisse der griechischen Flora. 

Herr Hofrat Prof. Dr. R. v. Wettstein demonstrierte die 
Lewicki sehen Originalpräparate von Chondriosomen. 



Sprechabend am 23. Februar 1912. 
Vorsitzender: Herr Privatdozent Dr. A. v. Hayek. 

Herr Alois Teyber demonstrierte eine größere Zahl inter- 
essanter Pflanzen aus Niederösterreich und Dalmatien. 

Sodann referierte Herr Hans Neumayer über die Monogra- 
phie der Gattung Saponaria von G. Simmler und über A. Frö- 
lichs Arbeit über den Formenkreis von Hypericum maculatum, 
Hypericum perforatum und Hypericum acutum. 



Versammlung am 26. April 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Prof. Dr. J. Schiller hielt einen Vortrag über die Vege- 
tation der Adria. 

Herr Dr. A. Ginzberger besprach die neuere botanische 
Literatur. 

Zur Demonstration gelangten Vegetationsaufnahmen aus Bata- 
via vom kgl. holländischen Geographen Saal und von der Ge- 
mahlin des Genannten angefertigte Aquarelldarstellungen tropischer 
Pflanzen. Die Überlassung dieses interessanten Demonstrations- 
materiales verdankt die Sektion der Liebenswürdigkeit ihres Mit- 
gliedes Herrn Ing. Dr. Prehlinger. 



(200) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Versammlung am 17. Mai 1912. 

Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr R. v. Portheim sprach über Hämagglutinine im Pflan- 
zenreich. 

Herr Dr. H. Freih. v. Handel-Mazzetti besprach unter gleich- 
zeitiger Demonstration einige biologisch bemerkenswerte mesopo- 
tamische Wüsten- und Steppenpflanzen. 

Herr Prof. Dr. V. Schiff n er demonstrierte eine Anzahl blühen- 
der Pflanzen aus den Gewächshäusern des botanischen Gartens. 



Sprechabend am 24. Mai 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Privatdozent Dr. F. Vierhapper legte den von Herrn 
Hauptmann J. Schneider im Dubrowawalde in der Herzegowina 
entdeckten Bastard Quercus Cerris X macedonica vor. 

Herr Privatdozent Dr. A. v. Hayek legte eine Reihe von inten 
essanten, von Herrn Fabriksdirektor Paul Gönrath in Preßburg 
(früher in St. Lambrecht) in Steiermark gesammelter Pflanzen vor, 
nämlich : 

Stipa pennata L. subspec. loannis Celak. Puxberg bei Teufenbach. 
Salix Mielichhoferi Saut. Krebenze bei St. Lambrecht (Kärntner 

Seite). 

Draba aieoides L. In einer auffallenden der Draba armata Schott 
und Drahn Insiorarpn Wahlcnb. nahestehenden Form mit an- 
liegend boratig behaarten Schötchen. Krebenze bei St. LamJ 
brecht, L870m. 

Laihyrus heterophyUus L. I'uxberg bei Tenfcnbacli am Wege nach 
dem Pleschaits, 1300m, auf Kalkphyllit. (Neu für Steiermark.) 

Sil eh mutriaeim Beck) Wohlf. in einer auffallend niedrigen, gm 
dröngenen, vom Sammler als Stwdi vor kam bezeichneten 
Form vom „scharfen Eck* auf der Krebenze bei St. Lam- 
brecht, auf «i<t Kftrntner und iteirifeheo Seite. 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(201) 



Angelica verücillaris L, St. Lambrecht, beim Stiftschen Kalkofen. 

(Neu für Obersteiermark.) 
Symphytum officindle X tuberosum. Unter Erlengebüsch am Bach 

bei St. Blasen. 

Ajuga reptans X pyramidalis. Kalkberg bei St. Lambrecht, 1100 m. 

(Neu für Steiermark.) 
Ajuga genevensis X pyramidalis. Kalkberg bei St. Lambrecht, 1150 m. 

(Neu für Steiermark.) 
Pedicularis recutita X rostratospicata. Hohenwart bei Oberwölz, 

2250 m. (Neu für Steiermark.) 
Senecio capitatus (Wahlenb.) Steud. Steile Osthänge des Kammes 

nördlich unter dem Großhansel bei Oberwölz, 2100 m, Gneiß. 
Carduus Conrathii Hayek nov. hybr. (Carduus acanthoides X per- 

sonatus.) 

Gaulis parce arachnoideo lanatus ad apicem usque crispe 
aculeato-alatus. Folia caulina subglabra, oblonga, longe decurren- 
tia, sinuato-pinnatiloba lobis grosse dentatis, dentibus in spinam 
tenuem albam 4 — 8 mm longam abeuntibus. Capitula in apice 
caulis globoso-conglomerata et insuper capitulum singulum, 
in axillis foliorum supremorum breviter pedunculatum. Anthodia 
fere globosa magnitudine iis Cardui personati, phyllis pluriseria- 
libus glabris lineari-lanceolatis, in spinam brevem sensim atte- 
nuatis, exterioribus infimis fere aequilongis subpatentibus, in- 
fhnis apice purpurascenübus recurvis. Flores purpurei. 

Unterscheidet sich von Carduus acanthoides durch die 
reicheren Dornen, die am Stengelende gehäuften Köpfchen 
und die zurückgekrümmten, gleichlangen Hüllschuppen, von 
Carduus personatus durch die viel kräftigere Bedornung, die 
fiederlappigen Stengel blätter und die fast mangelnde Behaarung. 

An der Straße von St. Lambrecht zur Bahn unter den 
Stamm eitern. 



Referate. 

Kämmerer, Dr. Paul. Das Terrarium und Insektarium. 209 Seiten 
mit 87 Abbildungen, erschienen bei Theod. Thomas, Verlag, Leipzig, in der 
Thomasschen Sammlung von Anleitungs-, Exkursions- und Bestiramungs- 
bücliern „Der Naturforscher", 1912. Preis gebunden M, 3.75, 



(202) 



Referate. 



Das Buch will der Terrariumkunde neue Entwicklungsmbglichkeiten 
eröffnen und neue Freunde dadurch werben, daß es die Aufmerksamkeit der 
Amateure auch auf andere zur Pflege und Haltung in Terrarien geeignete 
Tiere als die bisher hauptsächlich favorisierten Lurch- und Kriechtiere zu 
lenken versucht. Welche Tiergruppe dabei besonders in Betracht kommt, weist 
schon der Titel „Insektarium" auf. Außerdem denkt der Autor aber auch 
an die Zucht von kleinen Warmblütlern, und zwar besonders von Spitzmäusen, 
Zwerg- und Haselmäusen, Wüstenspringmäusen und Sandrennmäusen, aber 
auch von Prachtfinken, Webervögeln, Sittichen und — Kolibris. Die Vögel 
wären zweckmäßig zusammen mit Echsen und lebenden Pflanzen in soge- 
nannten Landschaftsterrarien zu halten. Von Insekten zieht der Autor be- 
sonders die Grillen und Heuschrecken, darunter auch die Fangheuschrecken, 
Stabheuschrecken und das „wandelnde Blatt" sowie die Käfer in Betracht. 
Namentlich diese müssen dem Züchter wohl viel des Interessanten bieten, z. B. 
wenn es gelingt, Dung-, Mist-, Roß- und Staubkäfer zur Ausübung ihrer Brut- 
pflege zu bringen, was nach der Angabe des Autors außerordentlich leicht 
ist. Man ist in der Regel der Ansicht, daß sich Insekten wegen ihrer Kurz- 
lebigkeit nicht zur Gefangenhaltung eignen und ist daher erstaunt zu erfahren, 
daß von Kammerer aus Ägypten mitgebrachte Tenebrioniden bis fünf Jahre 
alt wurden. Als Alterserscheinung zeigte sich bei diesen Tieren Abfallen 
der Fußglieder. Der Autor kennt überhaupt keine Käferarten, die sich zur 
Terrarienhaltung nicht vorzüglich eignen würden. Außer den genannten 
Tieren und den eingehend behandelten Lurch- und Kriechtieren, wie Eidechsen, 
Schlangen, Krokodilen, Schildkröten, Fröschen und Schwanzlurchen, werden 
in dem Werkchen auch noch die niederen Gliedertiere, wie Krabben, Asseln, 
Spinnen und Skorpione sowie auch die Schnecken berücksichtigt. Wie es bei 
dem bekannten Autor, der das Hauptgewicht immer auf die naturgemäße Aus- 
stattung der Terrarien legt, zu erwarten ist, findet auch die Pflanzenwelt des 
Terrariums eingehende Behandlung. 

Dem Büchlein ist jedenfalls die weiteste Verbreitung zu wünschen. 
Namentlich ist allen jenen Naturfreunden, denen es an Zeit oder wie den 
meisten in der Provinz lebenden an Hilfsmitteln gebricht, wirklich wisson- 
s'-li:il'ilir|n- Systematik zu betreiben, die Betätigung ihres Natursinns durch 
I lerhaltnng und Zucht und mit denselben verbundene Beobachtung der Lebend 
ireise der Pfleglinge dringend anzuraten. Manche durch Beobachtung in der 
freien Natur bisher noch nicht gelöste Fingen werden vielleicht auf diese 

Weite eine Beantwortung finden. Dr. F. Maidl. 

Notes Melogtanei recuelllies ä nie de la Rennion par Edmond Bordagl 
in Balletin icientiflque de la France ei de la Belgique, 7° sorie, T. XLVI, 
Pate, l, i' 29 92, arec lei planchei I <a II., Paria, 1912. 

h,< rorüegende Arbeit enthält die IteHiiltato eingehender, zum Teil 
auf Grund ron Experimenten ausgeführter Beobachtungen der Lebensweise 
leben Ghnbweapen, Piton argentatum, Trypoxylon scutifrons, T. errang 



Referate. 



(203) 



Sceliphron violaceum, Sc. hemipterum, Passaloecus dorsalis, Ampulex compressa 
und A. sibirica, außerdem im Anhange die Beschreibung einer neuen Grab- 
wespenart, Passaloecus (Polemistus) dorsalis, und des bisher unbekannten Männ- 
chens von Pison argentatum Shuckard durch F. F. Kohl sowie die einer 
neuen Milbenart, Cilliba bordagei, durch A. C. Oudemans. 

Von allgemeinerem Interesse dürften die Schlußfolgerungen sein, zu 
denen Bordage auf Grund seiner Beobachtungen und Experimente kommt. 
Wir entnehmen aus denselben, daß der Autor nicht an einen besonderen Rich- 
tungssinn („sens special de la direction") bei den Hymenopteren glaubt, son- 
dern vielmehr der Ansicht ist, daß diese Tiere ihr Nest in ähnlicher Weise 
wieder finden, wie etwa wir das Haus, in dem wir wohnen, nämlich dadurch, 
daß es sich die Umgebung des Nestes einprägt und merkt. Diesem Zwecke 
dienen die schon von P eckham (Wasps social and solitary, 1905) bemerkten 
Orientierungsbewegungen und -flüge, die das Insekt vor dem Verlassen seines 
Nesres ausführt. Zu einer anderen eigenartigen Hypothese gelangt der Autor 
durch die wiederholte Beobachtung, daß einige Grabwespen (P. argentatum, 
T. sculifrons und errans) unter bestimmten Bedingungen Neigung zu einer 
ähnlichen Art der Brutpflege zeigten, wie sie unter den Vögeln der Kuckuck 
und unter den Hymenopteren z. B. die Kuckucks- oder Schmarotzerbienen aus- 
führen, indem sie, falls es dem Autor gelungen war, sie durch Gefangenhal- 
tung an der AnInge und Verproviantierung von Brutzellen zu hindern, in der 
Nähe von durch Artgenossen bereits fertiggestellten Brutzellen freigelassen, 
dieselben öffneten, die zur Nahrung für die Larve eingetragenen Tiere heraus- 
zerrten, das an denselben bereits von der betreffenden Grabwespe, die das 
Nest verfertigt hatte, gelegte Ei entfernten und dafür an denselben ein Ei 
aus ihrem eigenen Körper befestigten, worauf sie die erbrochene Zelle wieder 
sorgfältig schlössen. Dieser oftmals beobachtete und durch Herstellung der 
entsprechenden Bedingungen immer wieder hervorzurufende Vorgang führt 
den Autor dazu die Theorie aufzustellen, daß beim Hinabgleiten des Eies im 
Ovidukt durch Berühren bestimmter Stellen nacheinander im Tier der Instinkt 
zur Erbauung von Brutzellen und Verproviantierung derselben ausgelöst werde. 
Hindere man nun ein Tier an der Ausführung dieser Instinkthandlungen so- 
lange, bis das Ei an den entsprechenden Stellen des Oviduktes vorübergeglitten 
sei, so habe das betreffende Tier nur mehr die Neigung zur Ausführung einer 
dritten und vierten Instinkthandlung, nämlich die zur Eiablage in eine Zelle 
und zum Verschließen der Zelle nach diesem Akt. Diese Handlungen führe 
es nach seiner Freilassung denn auch aus. Mir erscheint es dabei aber nicht 
recht einleuchtend, woher das Tier den Instinkt hat, eine fremde Zelle nicht 
nur zu öffnen, sondern auch ihres Eies zuerst zu berauben, bevor es selbst 
zur Eiablage schreitet. Dr. F. Maidl. 



(204) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Bericht der Sektion für Lepidopterologie. 

Versammlung am 4. Oktober 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

Als Gast ist Herr Rudolf Klos aus Krösbach bei Graz anwesend. 

Der Vorsitzende hält zu Beginn der Sitzung dem am 21. Sep- 
tember 1. J. nach jahrelangem Leiden verstorbenen Sektionsmit- 
gliede Herrn Otto Bohatsch, der zu den bekanntesten heimischen 
Lepidopterologen zählte, folgenden Nachruf: 

Ottokar (Otto) Zdenko Bohatsch wurde am 28. Dezember 1843 
zu Blansko in Mähren, wo sein Vater als Staatsingenieur bei dem 
Bau der Nordbahn stationiert war, geboren. Seine Familie über- 
siedelte bald darauf nach Wien und hier absolvierte er die Real- 
schule und Handelsakademie. Nach Vollendung seiner kaufmänni- 
schen Ausbildung widmete sich Bohatsch der Seidenbranche und 
war bei verschiedenen Firmen tätig, bis er Vertreter der Firma 
Reichert & Söhne wurde, als welcher er vor vier Jahren in den 
Ruhestand trat. 

Bohatsch vermählte sich im Jahre 1870 mit Johanna Schoinz, 
verlor aber sehr bald Frau und Kind und blieb seither unverheiratet. 

Angeregt durch seinen Vater, hatte Bohatsch schon als Knabe 
begonnen Schmetterlinge zu sammeln. Namentlich der damalige 
Stadtgraben von Wien bot ihm und seinen Brüdern ein leicht zu] 
gangliches Sammelterrain. Während aber sein älterer Bruder Fer- 
dinand In der Folge für botanische Aufsammlungen und sein 
jttngerer Bruder Albert für Koleopteren eine ausgesprochene Von 
liebe gewann, blieb er den Schmetterlingen treu und legte so den 
Grundstock zu einer Sammlung, die sich nachmals zu einer der 
bedeutendsten rrivatsamnilungen unserer Monarchie gestaltete. 

Sehr gefördert in seinen lepidopterologischen Bestrebungen 
wurde Bohatsch durch kuslos Rogenhofer, durch den er nicht 
blofl Zutritt in das damalige kaiserliche Naturalicnkabinet, sondern 
auch in die lepidopterologische Tischgesellschaft fand, wo er seinen 
Bekanntenkreis rasch erweiterte. Im Jahre l*7l> wurde er auch 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(205) 



Mitglied der zoologisch-botanischen Gesellschaft, der er mit kurzen 
Unterbrechungen bis zu seinem Tode angehörte. 

Ohne wissenschaftliche Vorstudien zu besitzen, gewann Bo- 
hatsch doch einen außerordentlich guten Blick für die Unterschei- 
dungsmerkmale bei Le- 
pidopteren und wurde so 
einer der besten Ken- 
ner paläarktischer Groß- 
schmetterlinge, wobei ihm 
ein treffliches Namensge- 
dächtnis sehr zu statten 
kam. Er unterhielt eine 
große Korrespondenz, be- 
saß aasgebreitete Tausch- 
verbindungen, namentlich 
mit fast allen inländischen 
Sammlern, und war auch 
mit der deskriptiven Lite- 
ratur sehr vertraut. In frü- 
heren Jahren wurde jede 
neue literarische Erschei- 
nung von ihm durchgear- 
beitet und die Zitate dar- 
aus in seinem Handkata- 
loge nachgetragen. So fe- 
stigte sich sein Ruf als 
zuverläßiger Determinator 
und er wurde andauernd 
von heimischen und aus- 
wärtigen Sammlern, so namentlich auch von Max Korb in München, 
um Bestimmungen oft ganzer Ausbeuten ersucht, deren Erledigung 
auch sehr zur Vermehrung und gründlichen Durcharbeitung seiner 
Sammlung beitrug. Seine zahlreichen Geschäftsreisen führten ihn 
regelmäßig in fast alle Teile der Monarchie und in jeder größeren 
Stadt trat er mit den dort etwa vorhandenen Sammlern in Verbin- 
dimg oder benützte die freie Zeit seines Aufenthaltes zu erfolg- 
reichen Sammelexkursionen. Bald war er in Prag, Graz, Laibach 




Otto Bohatsch, f 21. September 1912. 



(206) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



oder Triest, bald in Budapest und anderen ungarischen Städten als 
Geschäftsmann, aber immer auch im Interesse seiner Sammlung tätig. 

So kam auch in seine lepidopterologischen Bestrebungen ein 
ausgesprochen geschäftsmäßiger Zug, der sich namentlich in der 
Promptheit der Beantwortung von Anfragen angenehm äußerte, in 
mancher Beziehung aber doch mit dem inneren Wesen der Wissen- 
schaft in Widerspruch stand. Obwohl Bohatsch alle Familien 
paläarktischer Großschmetterlinge gleichmäßig sammelte, legte er 
doch auf größere Formen weniger Gewicht und hatte eine Vorliebe 
für Noctuiden und später besonders für Geometriden. 

Angeregt durch die Arbeiten Dietzes und Kößlers, befaßte 
er sich von Beginn der achtziger Jahre ab besonders eingehend mit 
der bis dahin in der Monarchie stark vernachläßigt gewesenen Geo- 
metridengattung Eiqnthecia (Tephroclystia). Er gewann dadurch 
nicht bloß für seine Sammlung ein überaus reichhaltiges und wert- 
volles Material, welches auch präparierte Raupen umfaßte, sondern 
veröffentlichte auch über die zahlreichen, schwer zu unterscheidenden 
Arten dieser Kleinspannergattung eine Reihe von Arbeiten, die 
grundlegend für die faunistischen Kenntnisse derselben in unserer 
Monarchie bleiben. In der Folge erhielt er auch aus Deutschland, 
so auch von Dr. Staudinger, Eupithecien zur Erledigung, wodurch 
er in die Lage kam, einige neue asiatische Arten zu beschreiben 
und die Synonymic einiger anderer Arten zu berichtigen (vgl. Publi- 
kationen). 

Die zahlreichen Bestimmunggangelegenheiten führten Bohatsch 
regelmäßig in das Naturhistorische Hofmuseum, welches ihm auch 
manche wertvolle Art verdankt. Auch im ungarischen National- 
museum war Bohatsch, so oft er nach Budapest kam, ein gerne 
^eschener Gast, da er genauen Bescheid über alle lepidopterologi- 
schen- Angelegenheiten gehen konnte und ein vorzüglicher Kenner' 
der ungarischen Fauna war. Im verdanken die Herausgeber den 
Fauna regni Hnngariae (1896) auch zahlreiche wertvolle Angaben. 

Er stand jahrelang mit den bekanntesten ungarischen Samm- 
lern, als Aigner, Anker, Jambori, Pavel, Viertl, Zach in Ver- 
bindung und konnte auch eine von Viertl bei Fttnfkirchcn ent-f 
deckte neue Geometridenarl (Boarmia viertUi) publizieren (vgl. 

Publikationen Nr. 7). 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(207) 



Wie bereits bemerkt, hatte er auch mit fast allen Österrei- 
chischen Sammlern Tauschbeziehungen und erhielt namentlich auch 
von M. Schieferer, nach dessen Übersiedlung nach Graz, alljähr- 
lich ein reiches Material. 

Aus der großen Zahl seiner Korrespondenten und Tausch- 
freunde in Deutschland seien hervorgehoben: Calberla, Eppels- 
heim, Püngeler, Speyer, Standfuß, Stange und Staudinger. 

Bohatsch war auch in der freien Natur ein passionierter 
Sammler. Leider verhinderten ihn seine zahlreichen Reisen sich 
auch mit der Zucht von Raupen zu befassen. Er machte nicht 
bloß regelmäßige Sammelexkursionen in der Umgebung Wiens und 
Budapests, sondern besuchte auch oftmals den Wiener Schneeberg 
und verbrachte seinen Erholungsurlaub durch mehrere Jahre in 
Gesellschaft entomologischer Freunde im Hochschwabgebiet. Einen 
mehrmaligen Kuraufenthalt im Bade Lipik in Slavonien benützte 
er auch zu regen Aufsammlungen, die ihm das Material zu einer 
lokalfaunistischen Mitteilung lieferten (vgl. Publikationen Nr. 11). 

Bohatsch publizierte im Laufe der Jahre beiläufig ein Dutzend 
neuer Arten und Formen paläarktischer Großschmetterlinge. Nach 
ihm wurde auch eine Anzahl von neuen Arten oder Formen, so 
von Aigner, Püngeler (Cossus, Sesia), Rebel, Staudinger 
(lephroclystia) und Wagner benannt. 

Bohatsch besaß eine sehr kräftige Konstitution, die ihn die 
Strapazen seiner durch die Geschäftsreisen bedingten unregelmäßigen 
Lebensweise leicht ertragen ließ. Er war sehr heiter veranlagt und 
fühlte sich im zwanglosen Kreis von entomologischen Freunden am 
wohlsten. Er nahm daher auch regelmäßig an den geselligen Zu- 
sammenkünften der Wiener Sammler Teil, die sich oft weit über 
Mitternacht verlängerten. Er gehörte auch dem Wiener Entomolo- 
gischen Verein seit seiner Gründung an und wurde später Ehren- 
mitglied desselben. Nach dem Rücktritte Otto Habichs beklei- 
dete er auch von März 1907 bis November 1908 die Stelle eines 
Obmannstellvertreters in unserer Sektion. 

Seine Sammlung x ) erreichte einen Umfang von ca. 4200 Arten 
und benannten Formen paläarktischer Großschmetterlinge in beiläufig 



x ) Dieselbe wurde kürzlich von Max Korl» in München angekauft. 

Z. B. Ges. 62. Bd. O 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



16.000 Exemplaren und umfaßte auch zahlreiche präparierte Raupen. 
Sie ist frag-los die am gewissenhaftest durchgearbeitete heimische 
Privatsammlung, deren Exemplare ausnahmslos mit genauen An- 
gaben versehen sind. Nach älterer Sammelmethode ist sie nur auf 
zwei Paare jeder Art angelegt, enthält aber in einzelnen Gruppen, 
so namentlich bei Tephroclystia, auch größere Sttickserien. Die 
Gattungen Tepltroclystia und Chloroclystis sind mit 186 Arten und 
benannten Formen vertreten. Von 87 Arten sind auch Raupen vor- 
handen. Keine inländische Privatsammlung umfaßt so zahlreiche 
Vertreter aus dem weiteren paläarktischen Gebiete, keine andere 
enthält aber auch so viele höchst wertvolle Belegstücke für die 
heimische Fauna. Namentlich sind auch zahlreiche aberrante Exem- 
plare darin vorhanden, auf die Bohatsch schon lange, bevor die 
große Zahl der übrigen Sammler Wert darauf legte, sein Augen- 
merk gerichtet hatte. Er vermehrte seine Sammlung nicht bloß 
durch die eigene Sammeltätigkeit und durch Tausch, sondern machte 
zuweilen auch beträchtliche Ankäufe. Zahlreiche wertvolle Beleg- 
stücke erhielt er auch als Äquivalent für seine Bestimmungsarbeiten. 

Bohatsch genoß in Sammlerkreisen, namentlich in Bestim- 
iii Hilfsfragen, eine sehr hohe, wohlbegründete Autorität. 

Der Name Bohatsch wird aber nicht bloß der lebenden 
Sammlergeneration geläufig bleiben, sondern auch in den Annalen 
der Wissenschaft fortleben. 

Wir, denen der Dahingeschiedene besonders nahe gestanden 
ist, wollen ihm ein treues Andenken bewahren. 

(Die Versammlung erhebt sich von den Sitzen.) 

Das beigegebene Porträt entstammt einer photographischen 
Aufnahme im Atelier Schiller aus dem Jahre 15)08. 

Schließlich folgt ein Verzeichnis der lepidopterologischen Ver- 
öffentlichungen Otto Bohat sclis. 

Publikationen. 

i. Nachtrag ear Lepidopterenfanna Syrien* (Zool.-bot. Verli., 1K7D, p. 405 bis 
410). 

% l>i<: Baptthecien Österreich-Ungarns (Wiener Entom. Z., I, l «82, i>. lor> bis 
r,"t m t loi igc, i8. r ,-i89). 

0. Dltgl I Hachfrag ibid.. II, IHK.",, p. 18:. IHK, 227 2M). ' 



I 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(209) 



4. Desgl. II. Nachtrag (ibid., III, 1884, p. 294—298). 

5. Desgl. III. Nachtrag und Schluß (ibid., VI, 1887, p. 117—129). 

6. Revision der Eupithecien Treitschkes (ibid., I, 1882, p. 279—282, 308—312). 

7. Eine neue Boarmia aus Ungarn (Boarmia Viertiii) (ibid., II, 1883, p. 111 bis 

114, Fig.). 

8. Lepidopterologische Mitteilungen (Geometridae) (ibid., IV, 1885, p. 143 bis 

146, 176-179). 

9. Beitrag zur Lepidopterenfauna Transkaukasiens (ibid., V, 1886, p. 123—128, 

200—203). 

10. Eupiihecia distinctaria H.-S., 162 (Stett. Entom. Z., 1887, p. 121—124). 

11. Beitrag zur Lepidopterenfauna Slavoniens (II. Jahresber. d. Wiener Entom. 

Ver., 1891, p. 31— 50). 

12. Beitrag zur Lepidopterenfauna des Schneeberggebietes (ibid., IV. Jahresber., 

1893, p. 39-58). 

13. Mitteilungen über Eupithecien (D. Entom. Zeitschr. Iris, VI, 1893, p. 1—35). 

14. Über Sesia Colpiformis Stgr. (Zool.-bot. Verh., 1895, p. 70—72). 

15. Über eine seltene südeuropäische Geometride: Acidalia Ochroleucata H.-S. 

(ibid., p. 108—110). 

16. Parnassius mnemosyne L. ab. Q Hdbichi nov. ab. (XX. Jahresber. d. 

Wiener Entom. Ver., 1909, p. 135, Taf. 3, Fig. 3). 

17. Neue paläarktische Macrolepidopteren (Leucochlaena rosinae, Gnophos Pnn- 

geleri, Chesias Korbi) (ibid., p. 163—164). 
Überdies enthalten die Sitzungsberichte der lepidopterologischen Sektion 
der zool.-bot. Gesellschaft und des Wiener Entom. Vereines noch eine Anzahl 
kleinerer Mitteilungen Bohatschs, die zumeist gelegentlich der Demon- 
stration von Exemplaren aus seiner Sammlung an Vereinsabenden gemacht 
wurden. [Vgl. Zool.-bot. Verh., 1902, p. 142, 1904, p. 121, 1907, p. (30), 1909, 
p. (233), (237).] 



I. Der Vorsitzende legt hierauf nachstehende Publikationen vor: 

Hellweger, M., Die Großschmetterlinge Nordtirols. II. Teil. 
(Sphingidae-Noctuidae.) Brixen, 1912. 

Hoffmann, Emil, Ein kleines Sammelergebnis aus demTännen- 
gebirge in Salzburg. (Entom. Zeitschr., XXVI.) 

Hoffmann, Fritz, Geschichte der Lepidopterologie in Steier- 
mark. (Mitteil. d. Naturwiss. Ver. in Steiermark, 48. Bd., 
1911.) 

Kiefer, H., I. Nachtrag zur Makrolepidopterenfauna des stei- 
rischen Ennstales. (Int. Entom. Z., V. Jahrg.). 

Skala, Hugo, Die Lepidopterenfauna Mährens. (Verh. d. Naturf. 
Ver. in Brünn, 1912.) 



(210) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Jahrbuch 1911/12 des Entom. Ver. Sphinx in Wien. 
Stange, G., Nachträge zur Schmetterlingsfauna Friedlands, 
1912. 

Stöckl, August, Seltenere und neue Lepidopteren, gesammelt 
in der Umgebung von Lemberg etc. (Kosmos, 33. u. 35. 
Jahrg., 1908 u. 1911 [polnisch].) 

Zuschrift des Verlages des Seitzschen Schmetterlingswerkes 
mit Prospekt. 

II. Herr Dr. Egon Galvagni legt Stücke von Orenaia preiss 
eclceri Rbl. von einem neuen Fundorte, nämlich von der Seekar- 
spitze (2348 m) bei Wiesenegg in den Radstädter Tauern, vor. 

III. Herr Fritz Wagner macht nachstehende Mitteilungen: 

1. Aus einer in der Umgebung von Gumpoldskirchen bei Wie 
mit Cucnllia xeranthemi-Rmpen gefundenen Raupe entwickelte sie 
ein Exemplar der Cucnllia anthemidis Gn., welches ganz mit süd 
französischen Stücken der Stammform übereinstimmt. Die Art is 
neu für die Monarchie (leg. Wagn. und Dr. Jaitner). 

2. Derselbe weist ein in der Brenta erbeutetes g von Erebi 
alecto-nicholli Obthr. vor, welches oberseits ganz der roten Flecken 
Zeichnung entbehrt und dadurch dem d" ähnlich wird. Unterseits 
sind Reste der roten Rinde vorhanden. Für diese weibliche Aber 
ration wird der Name homogena in Vorschlag gebracht. Ein q 
dieser Form wurde bereits von Dr. Schawerda [in diesen „Ver- 
handlungen" 1911, p. (35)] erwähnt. 

8. Derselbe weist eine größere Anzahl männlicher Stück 
einer MeUtoea athaUa-Form aus Sttdtirol vor, welche sich dadurc 
auszeichnet, dafi die beiden schwarzen Mittelquerstreifen der Vörden- 
Hügel zusammengeflossen sind und der rotgelbe Kaum darnach breit 
bindenartig erseheint, Die Form gleicht dadurch der var. mehadiensii 
öerh irelche letztere aber viel größer Ist und gestrecktere Flügel 
besitzt Die Sttteke ans Tirol stammen hauptsächlich von der Pönale] 
Straße, dieselbe Form kommt aber aueh bei ßozen (Klos), St. Ullrich 
fGrödenertal, Wagn.) und Ötztal (Kitt) vor. Sie wird als var. fer/o- 
lensis bezeichnet. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(211) 



4. Derselbe berichtet über das sehr häufige Vorkommen der 
Ematurga atomar ia in der Form unicoloraria Stgr. im heurigen 
Jahre am Monte Sabione (1400 m) bei Pinzolo in Judikarien. Von 
den cf gehörten fast 70°/ dieser Form an, der Rest bildete Über- 
gänge zur Stammform. Auch ca. 50°/ der £ waren mehr oder 
weniger verdunkelt. 

5. Derselbe demonstriert auch Hadena anilis B. von Digne 
und Agrotis imperator B. Haas, aus Algier. 

IV. Herr Leo Schwingenschuß berichtet über die ersten 
Stände von 

Larentia pupiUata Thnbg. 

Am 12. Mai 1. J. erbeutete ich in Oberweiden ein ^ von La- 
rentia pupiUata, welches Eier ablegte, aus denen sich am 21. Mai 
die Räupchen entwickelten. Da ich in der Fangschachtel auch ein 
§ von L. sociata Bkh. aufbewahrt hatte, war ich über die artliche 
Zugehörigkeit der Raupen, die Galium verum und mollitgo als 
Futter annahmen, nicht ohne Zweifel, umsomehr, als die erwachsene 
Raupe außerordentlich jener von sociata glich. Doch überzeugte 
mich ein am 3. Juli geschlüpftes Stück, daß ich tatsächlich L. pu- 
piUata in Zucht gehabt hatte. 

Ich fing nun zu Anfang August an der gleichen Fundstelle 
weibliche pupillata-Falter der zweiten Generation und brachte die- 
selben auch zur Eiablage. 

Aus den am 4. und 5. August abgelegten Eiern schlüpften die 
Räupchen am 10. und 11. August. Die fadendünnen, sehr lebhaften, 
anfänglich weißlichgrauen Räupchen wurden nach 2 — 3 Tagen grau- 
grün. Der ungewöhnlich große Kopf war hell gelbbraun, mit zahl- 
reichen Haaren besetzt. Am 16. August hatte ein Teil der Raupen 
bereits die erste Häutung überstanden. Nach derselben maßen die 
Räupchen ca. 5 — 6 mm. Die Farbe des Körpers wechselte zwischen 
graugrün und gelbbraun. Auch die Zeichnung trug keinen durch- 
wegs konstanten Charakter, indem ein Teil der Raupen am Rücken 
des 4. — 8. Segmentes je zwei Paar sehr deutliche schwarze Punkte 
aufwies, während bei einem anderen Teile derselben diese Punkte 
nur undeutlich waren oder ganz fehlten. 



(•212) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Am 20. Aug-ust erfolgte die zweite Häutung der größeren 
Raupen. Die Farbe des Körpers war jetzt graugrün bis hellgrün. 
Der Kopf hellbraun mit zahlreichen braunvioletten Pünktchen be- 
setzt, welche sich zu einem nach vorne offenen Dreieck verdich- 
teten, an dessen Scheitel die braunviolette Rückenlinie begann 
Diese Dorsale war bei den meisten Raupen auf den ersten drei Seg- 
menten als geschlossene Linie deutlich sichtbar, dagegen am 5. bi 
8. Segment knotenförmig erweitert und zwischen den Knoten bis- 
weilen unterbrochen. Bei anderen Raupen war die Dorsale auf 
den ersten 8 Segmenten kaum zu sehen. Konstant war dieselbe nur 
am 9. Segment als starker braun violetter Strich vorhanden. 

Konstant bleiben ferner vom Kopfe ab seitlich verlaufende 
breite, violett bis schwarzbraune Längsstreifen, welche am 4. bi 
8. Segment in je einen, gegen den Bauch zu scharf gelb eingegrenz 
ten Fleck, beziehungsweise Doppelstrich aufgelöst sind. 

Bei der letzten Häutung, die bei den großen Raupen a 
24. August erfolgte, änderte sich die Farbe und Zeichnung der 
selben, indem die Raupen dunkler graugelb wurden. Einzelne b 
kamen einen rötlichen Anflug, jedoch der Stich ins Graue wurd 
immer beibehalten, während die der sociata-RiLupe sehr ähnlich 
Rückenzeichnung dunkler, jedoch weniger ausgeprägt (mehr zer 
flössen) wurde. 

Die Gestalt der Raupe war schlank, ihre Länge betrug ca. 1 
bis 14 mm. 

Nach der letzten Häutung bekamen die Raupen eine oliv 
braune bis schwarzbraune Farbe. Die Rückenlinie war auf de 
ersten drei Segmenten ziemlich deutlich, vom Beginn des 4. Seg 
mentei bis zum 8. Segment an deren Stelle ein charakteristische 
kurzer weißer Winkelhaken, auf dem ein schwarzbraunes, nach rück 
wärts offenes Klickend reieck aufsitzt, dessen Sehenkel zur Seitenlini 
reichen, welche die Merkmale vor der letzten Häutung beibehält 

Die letzten Segmente sind zu beiden Seiten der dort seh 
deutlichen Klickcnlinie meist, aufgehellt. Die Länge der erwach 
senen Raupe kann bis ca. L9 mm betragen. 

Herr Prof. Kebel, welcher pupillata-Ii&upen in den beide 
letzten Hautungsstadien von mir zur Ansieht hatte, entwarf nach 
stehende Ansahen Uber deren Aussehen: 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(213) 



„In der vorletzten Häutung- ist die sehr schlanke Raupe 11 bis 
13 mm lang, fleischrötlich bis violettgrau gefärbt. Der schwach 
gewölbte Kopf ist von gleicher Breite wie das erste Brustsegment, 
heller als der Körper gefärbt, die Hemisphären grau gewässert. 

„Als Zeichnung findet sich eine auf den Brust- und Analseg- 
menten geschlossene, sonst in Punkten, welche zu Beginn jedes 
der fünf mittleren Segmente liegen, aufgelöste dunkle Dorsale und 
ein ebenfalls meist in Flecke aufgelöster Längsstreifen auf der 
Seitenkante. Diese Längszeichnung ist mehr oder weniger hell 
(bis rötlich) gesäumt, wodurch zuweilen am Rücken die Reste der 
Dorsale als fünf rautenförmige Flecke erscheinen. Die Bauchseite 
zeigt eine dunkle, licht gesäumte Ventrale. Der ganze übrige Körper 
erscheint zumeist licht gewässert. Die Brustbeine sind licht, außen 
dunkel punktiert, die Nachschieber von der Körperfärbung. Die 
Beborstung ist sehr kurz, so daß die Raupe, mit freiem Auge be- 
trachtet, nackt erscheint. 

„Nach der letzten Häutung ist die Raupe ca. 18 mm lang, viel 
gedrungener und dunkler, vorwiegend veilbraun. Die großen Hemi- 
sphären sind schwarz gestrichelt. Die Dorsale, welche sich auch 
als innere, gabelförmige Umrandung der Hemisphären fortsetzt, ist 
tief schwarz. Die Umrandung der fünf Dorsalflecke sowie des Be- 
ginnes des analen Dorsalstreifens wird von weißlichen, mit der 
Spitze kopfwärts gerichteten Pfeilstrichen gebildet. Der erste Dorsal- 
fleck ist zuweilen undeutlich. 

„Sonst erscheint die — übrigens in allen Häutungsstadien recht 
variable — Raupe lichter gewässert. Die Ventrale fein doppelt 
konturiert, die Punktwarzen hell, schwarz geringt. 

„Die Raupe gleicht erwachsen (und namentlich präpariert) auch 
sehr jener der Larentia sociata Bkh., letztere ist aber gedrungener, 
lichter, viel mehr rötlich." 

Bezüglich letzterer Angabe Prof. Rebeis sei bemerkt, daß die 
Raupen von L. sociata um die Zeit der letzten Häutung geradezu 
kupferrot werden, darnach aber wieder mehr eine rötlichbraune 
Färbung erhalten. Auch verläuft bei L. sociata die Entwicklung 
vom Ei bis zum Falter für alle Individuen (wie mich eine eben- 
falls heuer durchgeführte Zucht dieser Art belehrte) gleichzeitig, 
wogegen bei L. pupillata eine sehr große Ungleichzeitigkeit in der 



(214) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Erreichung der einzelnen Entwicklungstadien besteht. Während ein- 
zelne Raupen schon erwachsen waren, befanden sich andere noch 
in den ersten Häutungsstadien usw. 

Das frischgelegte Ei von L. pupillata ist gelblich gefärbt. 
Seine Form ist oval, die beiden gleich geformten Pole sind sehr 
stumpf gerundet. Die Länge beträgt ca. 06 mm die größte Breite 
ca. 0*4 mm. Es besitzt ein glattes Chorion, welches auch bei stärke- 
rer Vergrößerung keine Skulptur erkennen läßt. 

Die Verpuppung der Raupe von L. pupillata erfolgt in einem 
ziemlich dichten Erdkokon, in welchen Moosteilchen eingesponnen 
werden. Die gelbbraune Puppe ist ziemlich gedrungen, etwas über 
9 mm lang, die Hinterleibssegmente gegen das Körperende nur wenig 
schmäler werdend. Die Kremasterbildung besteht aus einem kurzen 
dorsalen, nach abwärts gekrümmten Haken (Borsten fehlen). 

Der Falter von L. pupillata erinnert nicht bloß in seinem 
Äußeren, sondern auch in seinem Gehaben stark an L. luctuata Hb. 
Er ist wie letztere sehr scheu und trägt die Flügel häufig halbauf- 
gestellt, in welcher Stellung er nicht bloß ruht, sondern auch sehr 
rasch laufen kann, wie dies auch der luctuata-YvXter auf feuchtem 
Erdboden tut. Auch der Flug beider Arten ist der gleiche. 

pupillata fliegt in Oberweiden von anfang Mai bis Mitte 
Juni und in zweiter unvollständiger Generation wieder von Mitte 
Juli bis August. 

Für die Herstellung der sehr gelungenen Raupenpräparate bin 
ich Herrn R. Spitz zum Danke verpflichtet. 

V. Herr Sc Ii wingenschuß macht weiters nachstehende klei- 
nere Mitteilungen: 

1. Die Raupe von Sesia andrenaeformis Lasp. lebt nur zwei- 
jährig, d. Ii. die Raupe überwintert zweimal. 

2, Unter Bezugnahme auf die Mitteilungen des Herrn Spitz 
[in fliesen r Verhandlungen", 1911, p. (40)] über die ersten Stände 
wm Siona decussaia Bkh. wird bemerkt, daß die Futterpflanze diesel 
Art PeucedanutH und andere Umbelliferen sind. Die Angabe Em- 
phorbia ist dadurch entstanden, daß die ersten erwachsenen Raupen 
durch Schöpfen auf Plätzen erbeutet wurden, wo auch Euphorbia 
stand. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(215) 



Die Raupe von S. decussata steht in der Ruhelage steil vom 
Stengel, beziehungsweise Blatt ab und bleibt auch bei Berührung 
ausgestreckt, wogegen die ähnliche, aber viel größere, schlankere 
und heller grün ohne weiße Längsstreifen gezeichnete Raupe von 
Clwndrosoma fiduciaria Ank. immer flach am Stengel der Euphorbia 
angepreßt sitzt und bei Berührung ähnlich wie die Raupen der 
Euclidien den Vorderkörper einrollt. 

3. Derselbe gibt auch in Ergänzung der Mi Iii er eschen Angaben 
eine kurze Beschreibung der Puppe von Cleogene lutearia F., deren 
Zucht aus dem Ei ihm heuer von bei Göschenen (Schweiz) erbeu- 
teten Faltern gelang. Die Raupen wurden mit Polygonum gefüttert 
und verpuppten sich zum großen Teil noch im Herbste. 

Die gelbbraune Puppe ist bei 12 mm lang, die Hinterleibs- 
segmente verjüngen sich stark und tragen einen spateiförmigen 
Kremaster. Auf demselben stehen zwei nach auswärts gekrümmte 
Endborsten und seitlich noch zwei viel feinere, hakenförmige. 

VI. Herr Prof. Dr. M. Kitt bespricht unter Materialvorlage: 

1. Eine neue Form der Larentia variata Schiff. 

Gelegentlich einer Sommerexkursion ins Acherkogelgebiet bei 
Otz. 15. Juli 1912, fing ich mehrere L. variata Schiff., welche mir 
sofort durch ihre graue Färbung auffielen. Die Falter flogen aus- 
schließlich nahe der Baumgrenze in der Region der Zirbelkiefer in 
1800 bis 1900 m Höhe. Auch später bis zum 30. August 1912 
fing ich an gleicher Stelle wiederholt Stücke dieser Form, von 
welcher ich fünf reine Stücke, 4 g $ und 1 cf, für meine Sammlung 
mitnahm. Gelegentlich eines Besuches bei Herrn Rechnungsrat 
Plaseller in Längenfeld am 6. August 1912 sah ich in dessen 
diesjähriger Sammelausbeute ebenfalls diese Form, welche er, wie 
er mir mitteilte, seit Jahren gleichfalls in der Zirbelkieferregion über 
Längenfeld erbeutete. Auch Herr Prof. Hell weger, welcher in 
Ötz meine Sammelausbeute besichtigte, kannte diese Form gleich- 
falls aus den Sammlungen der Innsbrucker Entomologen. 

Eine Nachforschung in der Literatur über die Beschreibung 
dieser Form, welche Herr Prof. Dr. Bebel in eingehender Weise 
mir vermittelte, hatte nur ein negatives Ergebnis. Wegen ihres 
Vorkommens in der Zirbelkieferregion — wahrscheinlich ist auch 



(216) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Firnis cembra die Futterpflanze der Raupe — möchte ich diese 
Form, einem Vorschlage Prof. Hellwege rs entsprechend, variata 
cembrae m. benennen. 

Alle Flügel sind rein grau, ohne bräunliche Beimischung wie 
sie sonst bei variata Schiff, stets vorkommt. Die Zeichnungsanlage 
wie bei typischen variata, das Mittelfeld verdunkelt. 399 1 c? 
in meiner Sammlung, 1 typisches 9 dieser neuen Form in der 
Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. 

Hiezu bemerkt Herr P reiß eck er, daß er graue Übergangs- 
stücke von L. variata zu obiger Form auch auf dem Kaarberge im 
Kammergebirge in ca. 1800 m Höhe aus Zirben Ende Juli 1910 
gescheucht habe. 

2. Larentia montanata Schiff, in gleicher Aberrationsrichtung 
wie die vorige Art in einem Exemplar am Roten Wandl bei Otz 
gefangen, 12. Juli 1912. 

3. Larentia sociata Bkh., ein Übergangsstück zur ab. degene- 
rata Hw., Ötz, 8. August 1912. 

VII. Herr Dr. H. Zerny gibt einen Nachtrag zu dem im Vor- 
jahre 1 ] mitgeteilten Verzeichnis von Lepidoptereu aus Bad Ratzes 
in Südtirol. 

Herr Kustos Fr. Fr. Kohl sammelte im Sommer 1912 in 
Bad Ratzes wieder eine größere Anzahl von Lepidoptereu (meist 
am elektrischen Licht), deren Bestimmung ich auf Herrn Prof. 
Bebels Ersuchen wieder übernahm und von denen die folgenden 
Arten bisher für die Umgebung von Ratzes nicht nachgewiesen 
erscheinen! 

Nymphalldae. 

LimeniHs populi L Bin d* mit rein weißer Zeichnung. 

Thaumatopoeidae. 

Tlianmafopora pityocampa Schiff. Ein cf. 

Lasiocampidaei 

IstiHuirtimpn (furrrus ( L. ) al-pinn I'Yey. Zwei sehr dunkle 99, 
'j S. ,!i<-*.- r V»jrli:unlluiiK»'ii u , IUI Ol, S. (177)— (181). 



Versammlung* der Sektion für Lepidopterologie. 



(217) 



Drepanidae. 

Brepana lacerünaria L. 

Noctuidae. 

Pantliea coenobita Esp. 
Craniopliora ligustri F. 
Agrotis corticea Hb. In Anzahl. 
Mamestra glauca Hb. 
Bianthoecia carpophaga Brkh. 
Hadena lithoxylea F. 
Hyppa rectilinea Esp. 
Caradrina superstes Tr. 
Cosmia paleacea Esp. 
Lithocampa ramosa Esp. 
Cucullia lucifuga Hb. 

Oymatophoridae. 

Cymatophora octogesima Hb. 

Geonietridae. 

Acidalia pallidata Brkh. 
Acidalia inornata Haw. 
Larentia flavofasciata Thbg. 
Tephroclystia tenuiata Hb. (viel. Rebel). 
Hygrochroa syringaria L. 

Psychidae. 

Sterrhopieryx Standfussi H.-S. Ein d" dieser für Tirol bisher 
nicht nachgewiesenen Art. 

Cossidae. 

Cossus cossus L. 

Pyralidae. 

Crambus conchellus Schiff. 

Crambus pascuelliis L. ab. famipalpellus Mn. 

Psammotis hyalinalis Hb. 

Pionea prunalis Schiff. 

Pionea lutealis Hb. 



(218) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Pteropkoridae. 

PlatyptUia Zetterstedti Z. 

Tortricidae. 

Olethreutes metallicana Hb. var. irriguana H.-S. 

Grelechiidae. 

Teleia saltimm Z. (vid. Rebel). 

VIII. Herr Prof. Kebel legt die Diagnosen zweier neuer Tag- 
falterarten aus dem Naturhistorischen Hofmuseum vor. 
1. Callithea philotima nov. spec. (cT). 
Nahe verwandt mit C. depuiseti Feld., C. optima Butl. und 
C. whitelyi Salv. 

Von beiden ersteren oberseits durch den viel breiteren, blaß 
metallisch blauen Rand aller Flügel verschieden. Die schwarze 
Saumlinie ist viel feiner als bei depuiseti, auch der Apikaiteil 

der Vorderflügel ist in 
nur geringerer Aus- 
dehnung schwarz. Die 
Fransen sind längs 
des Saumes aller Flü- 
gel rein weiß. Die 
tiefsch warzen, langen 
Dufthaare im Diskus 
der männlichen Hin« 
terflügel wie bei de* 
jmiseti. 

Die Unterseite 
bildet durch die An« 
läge der roten Basal- 
Hecke eine Mittelstufe 

zwischen depuiseti and optima. Die Vorderfltigel zeigen eine kurze, 
blutrote Basalstrieme des Vorderrandes und nur einen schwarzes 
Subapikalpunkt in Zelle 5. Die Hinterflllgel besitzen an der 
l>aMK drei blutrote lange Flecke, und zwar je einen gegen den 
Yorderrand und Innenrand zu und einen langem, zahnartigen in 




1 "ix 1. (ydlltthcn philotima Kbl. (f. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(219) 



der oberen Hälfte der Mittelzelle, dessen scharfe Spitze annähernd 
in der halben Länge der Mittelzelle liegt. Auch am schwarzen Quer- 
ast der Mittelzelle finden sich einige rote Schuppen. Die schwarze 
Fleckenzeichnung ganz ähnlich jener von depuiseti, welche des 
langen roten Fleckes in der Mittelzelle vollständig entbehrt, wo- 
gegen optima das ganze Basalfeld der Hinterfiiigel (mit Ausnahme 
eines schwarzblauen Fleckes in Zelle 8) mennigrot zeigt. C. ivhitelyi 
besitzt nur an der Basis der Mittelzelle der Hinterflügel eine rote 
Fleckenfärbung, die erste Querlinie derselben ist in kurze Längs- 
flecke aufgelöst. (Die in den Beschreibungen und Abbildungen von 
whitelyi fehlenden schwarzen Dufthaare der Hinterflügel dürften so- 
wohl von Salvin als Hewitson übersehen worden sein.) 

Schließlich sei erwähnt, daß das Hofmuseum noch ein Calli- 
^ea-Männchen (leider ohne Fundort) besitzt, welches der eben be- 
schriebenen plülotima sehr nahe kommt, oberseits aber eine saphir- 
blaue Färbung vor dem blaßblauen Rand zeigt, so daß letzterer 
auf die Hälfte der Breite von pliiloüma eingeschränkt erscheint. 
Unterseits liegen im Apikaiteil der Vprderfltigel drei Punkte und 
die mehr mennigrote Färbung der Hinterflügelbasis ist viel aus- 
gedehnter und tritt namentlich auch in der Zelle 1 b und 1 a auf, 
und reicht in der oberen Hälfte der Mittelzelle bis zum Querast. 
Möglicherweise bilden depuiseti, plülotima und optima nur Formen 
einer Art, zu welcher dann auch das zuletzt besprochene Stück 
gehören würde. 

Die Type von plülotima, ein ganz frisches cf, stammt von 
Chanchamayo in Peru. (0. Popp 1912). 

% Ogyris aurantiaca nov. spec. (9). 

Von allen bisher bekannt gewordenen Ogyris- Arten sehr stark 
durch die lebhaft orangerote Flügelfärbung der Oberseite abwei- 
chend. 

Sonst den beiden bisher aus Neuguinea bekannt gewordenen 
Ogyris-Arteu: meehi Rothsch. (Nov. Zool., VII, p. 274, PL 5, Fig. 1) 
und faciepicta Strand (Mitt. Zool. Mus. Berl., V, p. 472, Fig.) nahe- 
stehend. 

Die gelbbraunen Fühler sind unter der Spitze geschwärzt, 
Der Körper vorherrschend gelb gefärbt, die Brust unterseits braun 
Die Flügel oberseits lebhaft orangerot mit breitem schwarzen Rand. 



(220) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 




Fig. 2. 

Die 
orangerot, 



der nach innen zackig be- 
grenzt ist. Die Vorderfitigel 
zeigen eine aus der Basis 
des Vorderrandes ausgehende 
schwarze Längsstrieme, wel- 
che einen Teil der Mittelzelle 
und Zelle 4 vollständig aus- 
füllt und sich mit dem schwar- 
zen Saum vereint. Der Saum 
selbst erscheint schwach ge- 
kerbt und besitzt auf den 
Hinterflügeln (wie meeki) 
Schwanzspitzen, von denen 
nur jene auf Ader C, lang 
und spateiförmig erscheint. 
Unterseite der Vorderflügel ist im Innenrandteil lebhaft 
im Vorderrandteil auf schwärzlichem Grund durch bräun- 
liche, licht gesäumte Binden 
quer gebändert. Der Saum 
bräunlich mit zwei dunkleren 
Querlinien. Vor dem Saum 
in Zelle 3 ein lichter Fleck. 

Die HinterflUgel sind in 
der [nnenrandhälfte veilgrau 
gefärbt mit braunen zerrisse- 



Ogyris aurantiaca Rbl. Q. 
Oberseite. 




ii (Mi Querbinden und blau- 
gekernten Randpunkten in 
qHHK den von höheren Bogen nach 

\ innen abgeschlossenen Saum- 
zellen. Von zwei Fünfteln 
Ubl, ■ des [nnenrandes aus zieht 
ein breiter weißlicher Längs- 
wisch bis gegen den Schluß 
der Mittelzelle, der Vorderrandteil zeigt wieder eine unterbrochen! 
braune Querbindenzcichnung (vgl. Fig. 3). 

Obwohl die beiden vorerwähnten Arten nur im männliehen 
(ieHchleehte bekannl wurden, schließt doch die namentlich durch 



Ogyrit cm/füntiaea 

UntciMriU'. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(221) 



den weißen Längswisch sehr differente Unterseite der Hinterflügel 
die Zugehörigkeit von aurantiaca als $ zu einer der beiden be- 
schriebenen Arten aus. 

Nur ein tadellos erhaltenes 9 aus Britisch-Neu-Guinea. 



Referate. 

Hosseus, Karl Kurt. Die Pflanzenwelt Bad Reichenhalls und seiner 
Berge auf geographisch-geologischer Grundlage. Bad Reichenhall (H. Büh- 
ler), 1911. 142 S., 4 Tafeln, 30 Textabbildungen. 

Referent hat das vorliegende, hübsch ausgestattete Büchlein mit ge- 
mischten Gefühlen aus der Hand gelegt-, mit dem Gefühl der Freude über 
die lebendige, volkstümliche Darstellung, über die prächtigen Farbentafeln 
(Alpenblumenkarten von Nenke und Ostermaier!) und über den reichen 
Inhalt der neun Druckbogen; aber auch mit dem Gefühl des Unbehagens 
wegen der vielen Ungenauigkeiten, Flüchtigkeiten und direkt falschen An- 
gaben. Offenbar ist dem weitgereisten Verfasser die Flora Reichenhalls selbst 
nicht genügend bekannt, so daß er sich oft auf die Angaben anderer ver- 
lassen mußte, die nicht zuverlässig genug sind. Schon aus dem Umstände, 
daß er die nur mit großer Vorsicht zu gebrauchende „Flora des Herzogtums 
Salzburg" von Hinterhuber als Nachschlagewerk empfiehlt und die weitaus 
bessere Saut ersehe Flora gar nicht erwähnt, geht hervor, daß er die ein- 
schlägige Literatur nicht genügend beherrscht. 

Die Begrenzung des behandelten Gebietes ist eine etwas sonderbare. 
Daß Hosseus den Untersberg, die Reitalm, das Sonntagshorn, den Hohen- 
stauffen und das Lattengebirge einbezieht, während er den hohen Göll und 
die Loferer Steinberge ausschließt, ist verständlich; nicht aber die Einbezie- 
hung des im Osten des Salzachtales gelegenen Gaisberges. Dieser gehört 
doch entschieden nicht mehr zur Umgebung von Bad Reichenhall; es müßte 
sonst die ganze Umgebung der Stadt Salzburg einbezogen werden. Die Sache 
wird dadurch noch schlimmer, daß der Verfasser die Saalach das Gebiet in 
zwei Teile scheiden läßt, deren rechtes den Gaisberg und den Untersberg ent- 
halten soll; er vergißt dabei ganz auf die zwischen Gaisberg und Untersberg 
fließende Salzach! Nebenbei bemerkt, hat die Einbeziehung des Gaisberges 
auch in floristischer Hinsicht gar keinen Zweck, weil die Flora dieses Berges 
nichts bietet, was nicht auch auf den Reichenhaller Bergen zu finden wäre. 

Einer kurzen geologischen und meteorologischen Einleitung folgt eine 
Schilderung der Flora, welche in systematischer Reihenfolge mit den Pterido- 
phyten beginnend und mit den Compositen schließend, den größten Teil des 
Buches ausfüllt. Die Darstellung ist reich an biologischen Hinweisen, an Be- 



(222) 



Referate. 



merkungen über die Nützlichkeit mancher Arten, über die Giftigkeit anderer 
usw. Die aus Garckes „Flora von Deutschland" entnommenen Textbilder 
erleichtern dem Antänger jedenfalls das Bestimmen der dargestellten Arten. 

Die lateinischen Pflanzennamen sind im allgemeinen richtig angegeben; 
aber leider finden sich darunter auch ganz merkwürdige Fehler. So wird auf 
S. 25 ein gar nicht existierendes Equisetum alpesire erwähnt, auf S. 42 be- 
hauptet, daß Ornithogalum tenuifolium Gussone bei Reichenhall seinen Original- 
standort habe (!!), auf S. 97 eine rätselhafte Viola nana aufgeführt u. dgl. mehr. 
Zahlreiche Arten, die Hosseus als bei Reichenhall vorkommend erwähnt, 
kommen dort ganz gewiß nicht vor, z. B. Orchis purpurea Huds. (S. 49), Ara- 
bis Halleri L. (S. 68), Cytisus Ratisbonensis Schaeffer (S. 79), Polygala ser- 
pyllacea Weihe (S. 84), Nonnea pulla (L.) DC. (S. 109), Salvia sylvestris L. 
(S. 110) u. a. m. 

Von Schreib- und Druckfehlern soll hier abgesehen werden; aber daß 
S. 29 die Schilderung von Kerner über den Bau der männlichen Taxus- 
Blüte als „äußerst interessante Art der Einrichtung zur Verbreitung des 
Samens" (statt Pollens!) wiedergegeben wird, daß S. 50 dem Keimling der 
Dikotylen zwei „Nebenblätter" (statt Keimblätter!) zugeschrieben werden, 
daß S. 128 behauptet wird, die Blüten (!) von Petasites würden' mit den Gieß- 
bächen ins Tal verschleppt und ähnliches, das sollte doch nicht vorkommen. 

Den Schluß bildet eine kurze Schilderung der Vegetationsformationen 
und ein Hinweis auf den „Alpengarten", der „die gesamte Alpenflora der 
Berge in einer Höhe von 500 m vereinigt" enthalten soll. 

Durch sorgfältigere Redaktion und größere Genauigkeit in der Durch- 
führung hätte das an und für sich ja recht anziehende und lesenswerte Werk- 
chen erheblich an Wert gewonnen. In der jetzigen Form aber vermag es den 
Zweck, eine richtige Vorstellung von den Vegetationsverhältnissen Reichen- 
halls zu bieten, wohl nicht zu erfüllen. K. Fritsch (Graz). 

Schneider, Kamill«» Karl. Illustriertes Handbuch der Laubholz- 
kunde. Charakteristik der in Mitteleuropa heimischen und im Freien an- 
gepflanzten angiospermen Gehölzarten und Formen mit Ausschluß der Barn* 
bnseen and Kakteen. Band I (Vorwort, IV + 810 S., 4G0 Textabbildungen; 
Band II (VI + 1070 B«, 628 Textabbildungen); Register (VIII + 136 S.). 
.Jena (Guitav Fischer), 1004 — 1912. 

Di umfangreiche Werk, welches nun, acht Jahre nach dem Erscheinei 
der ersten Lieferung, vollendet, vorliegt, ist eine ganz hervorragende Leistung, 
welche der Arbeits kraft, dem FleiUe und der Begabung des Verfasser« das 
beste Zeugnis ausstellt. Was Schneider in dein „Schlußwort, zum Rogister- 
band u sagt: „es ist doch die einzige wissenschaftliche und auch durch die 
Erleichterung der Hcstiumiunguübersiehten und die ungeheuere Zahl der bild- 
lichen Darstellungen für alle Gehölzfreunde brauchbare Laubholzkunde 
der <J er^en wart - , kann insofeine bettätigt werden, als die bisher als Hand- 



Referate. 



(223) 



bücher benutzten Werke von Dippel 1 ) und Köhne 2 ) (namentlich letzteres 
ein vortreffliches Buch!) schon durch die sehr reichlichen Neueinführungen 
der letzten 20 Jahre (namentlich aus China!) veraltet geworden sind. Diese 
Neueinführungen haben übrigens auch Schneider veranlaßt, dem II. Bande 
"seines Werkes einen sehr umfangreichen Nachtrag (fast 200 Seiten!) anzu- 
hängen, durch welchen der II. Band sehr unhandlich geworden ist. Es wäre 
nach Ansicht des Referenten vorzuziehen gewesen, den Nachtrag mit dem für 
sich allein sehr schmächtigen Registerband zu vereinigen. In diesem dritten 
Bande hätten auch die im Vorwort zur 1. Lieferung des Werkes versprochenen, 
damals sogar als „Schwerpunkt des Buches" bezeichneten Bestimmungstabellen 
für die Gattungen Platz finden können. Es ist allerdings sehr begreiflich, 
daß wegen des ungeahnten Umfanges des Werkes diese Absicht des Verfassers 
nicht zur Ausführung kam. 

Sehr großen Wert haben die außerordentlich reichlich beigegebenen Ab- 
bildungen, welche zum größten Teile Originalzeichnungen des Verfassers sind. 
Manchmal sind zwar in dem Bestreben, auf engem Raum recht viel zu bringen, 
die Einzelfiguren etwas gar zu viel übereinander gezeichnet (so Fig. 151, 
200 u. a.); aber im allgemeinen kann man nur über den rastlosen Fleiß 
Schneiders staunen, der neben der großen Mühe der Textzusammenstellung 
noch so viel Zeit auf die Illustration desselben verwendet hat. Daß die Ab- 
bildungen das Bestimmen wesentlich erleichtern, ist selbstverständlich-, sie 
sind aber auch noch in anderer Beziehung wertvoll: sie geben in sehr vielen 
Fällen auf den ersten Blick darüber Auskunft, was für eine Form der Ver- 
fasser unter einem bestimmten Namen verstanden hat, was bei kritischen 
Formenkreisen oft sehr ins Gewicht fällt. 

Schneider hat die Mühe nicht gescheut, die Nomenklatur aller 
behandelten Gattungen und Arten nach den internationalen Regeln richtig- 
zustellen. Infolgedessen bringt er auch überall die genauen Zitate der ersten 
Publikation und der wichtigsten Synonyme. Die gewissen Vorbildern nach- 
geahmte Methode, bei der ersten Nennung des Speziesnamens den Autor weg- 
zulassen und diesen erst weiter unten im kleingedruckten Text zu bringen, 
gefällt dem Referenten nicht. Sie wird dadurch noch unangenehmer fühlbar, 
daß die Varietäten der einzelnen Arten unmittelbar nach der Artdiagnose 
folgen und daher oft viele andere Zitate dem Zitat der Originalbeschreibung 
der Art vorausgehen. 

Daß Schneider darauf verzichtet hat, die in Europa heimischen Arten 
der Gattungen Bosa und Bubus mit allen beschriebenen Formen anzuführen, 
ist nur zu billigen. Übrigens ist Bosa ziemlich erschöpfend bearbeitet, indem 
die Haupt arten der europäischen Flora durchwegs behandelt sind, während 
bei Bubus nur solche Arten erwähnt sind, die als Kulturpflanzen in Betracht 



J ) Handbuch der Laubholzkunde, 1889—1893. 
2 ) Deutsche Dendrologie, 1893. 

Z. B. Ges. 62. Bd. 



P 



(224) 



Referate. 



kommen. Hingegen sind andere artenreiche Gattungen der einheimischen 
Flora, wie z. B. Salix, ausführlich behandelt (die Bastarde allerdings nur 
genannt). 

Wenn der Referent in den vorstehenden Zeilen einiges bemängelt hat, 
was ihm von seinem subjektiven Standpunkte aus minder gut gefällt, so 
wollte er damit gewiß nicht den hohen Wert der vorliegenden Publikation ab- 
schwächen. Es wurde ja schon in den ersten Zeilen dieses Referates die Be- 
deutung des vorliegenden Werkes gewürdigt und es sei zum Schlüsse noch 
gesagt, daß Schneiders „Handbuch der Laubholzkunde" gewiß auf Jahre 
hinaus eines der wichtigsten Nachschlagewerke für jeden Forscher auf dem 
Gebiete der systematischen Botanik und für jeden wissenschaftlich geschulten 
Gärtner sein wird. 

K. Fritsch (Graz). 

Schneider, Karl Camillo. Tierpsychologisches Praktikum inDialog- 
forin. Leipzig, Verlag von Veit & Co., 1912. (719 Seiten, 139 Figuren im 

Texte.) 

Dem in drei Hauptabschnitte: Wahrnehmung, Handlung, Erfahrung ge- 
gliederten Buche liegt die originelle Idee zugrunde, daß sieben Naturforscher: 
Psychologe, Physiologe, Monist, Vitalist, Lamarckist, Darwinist, Biologe sich 
zusammentun, um eine Anzahl tierpsychologischer Experimente unter der 
Leitung des einen oder des anderen auszuführen, die dann je nach dem Stand- 
punkte des betreffenden Forschers gedeutet und gewertet werden und zu 
einer oft sehr lebhaften, angeregten und stellenweise sogar etwas erregten 
Diskussion führen. Wer etwa der Ansicht ist, daß das Buch eine Einführung 
in die Tierpsychologie für Anfänger vorstelle, der wird bei eingehendem 
Studium bald anderer Meinung werden; denn der Autor setzt alles voraus 
und bringt durch die oft wild aufeinanderplatzenden Meinungsverschieden- 
heiten der sieben Gelehrten den angehenden, nicht selbst sattelfesten Tier- 
psychologen in einen verzweifelten Zustand der Unsicherheit und des Mißj 
trauen* in die moderne Tierpsychologie, auch wenn er von Kralls denkenden 
Pferden noch gar nichts gehört haben sollt«;. Wer mit eigenen Erfahrungen 
auf tierpsyehologischcm Gebiete das Werk durcharbeitet, wird, da ein enormes 
Material darin verarbeitet int, zweifellos auf seine Rechnung kommen und 
großen Nut/m daraus ziehen, wenn er auch aus den Experimenten ander«! 

Schlüsse sieben sollte als die supponierten Experimentatoren. Die :j] Kurse des 
Praktikums umfassen alle Gebiete der Tierpsychologie und knüpfen an recht 
instruktive Versuche an. die teilweise schon eine gewisse; Berühmtheit erlangt 
baben; die Abbildungen, teilweise nach eigenen Skizzen des Verfassers, sind 
gut gewühlt Kin reiches Literaturverzeichnis am Schlüsse ermöglicht es dem 

Leaer des Buchet, sich durch das Studium der zitierten Autoren weiter mit 
dem G ege n tande zu beschäftigen! 

T. Werner. 



Referate. 



(225) 



Schreiber, Egid. Herpetologia europaea. Eine systematische Bearbeitung 
der Amphibien und Reptilien, welche bisher in Europa aufgefunden wurden. 
Zweite, gänzlich umgearbeitete Auflage. 960 Seiten, 188 Textfiguren. 
Jena, Gustav Fischer, 1912. 

Nicht weniger als 37 Jahre sind seit dem Erseheinen der ersten Auf- 
lage der „Herpetologia europaea" verflossen, eines Werkes, das durch die Ge- 
nauigkeit und Gewissenhaftigkeit seiner Beschreibungen und sonstigen Angaben 
für die herpetologische Forschung von großer Bedeutung geworden ist. Es 
ist dem Verfasser, dem Nestor der deutschen Herpetologen, vergönnt gewesen, 
eine zweite Auflage des Werkes herauszugeben, welche, den großen, seit- 
herigen Fortschritten unserer Kenntnis der europäischen Amphibien und Rep- 
tilien entsprechend, nicht nur wesentlich erweitert, sondern vom Grund aus 
umgearbeitet ist-, eine Arbeit, für die jeder, der sich mit dem Studium dieser 
Tiere befaßt, dem Verfasser aufrichtig dankbar sein darf. Er hat sich nicht 
einfach damit begnügt, die neu hinzugekommenen Arten einzureihen, die- 
jenigen der früheren Auflage, welche sich als einen Komplex von Arten heraus- 
stellten, aufzuteilen (z. B. Rana temporaria, Triton platycephalus, Lacerta mu- 
ralis, Vipera berus u. a.), sondern er hat sich auf Grund des ihm reichlich zu- 
gekommeneu Materials auch bemüht, eine eigene Anschauung von der Art- 
berechtigung und den Verwandtschaftsbeziehungen zu gewinnen, und wenn 
man ihm vielleicht hierin nicht immer zustimmen wird, so darf man seiner 
reichen Erfahrung doch Anspruch auf Beachtung nicht versagen, umsomehr, 
als in manchen Fragen, wie namentlich hinsichtlich der Mauereidechsenarten 
oder Unterarten, die Ansichten nichts weniger als übereinstimmen, sondern 
sich sogar diametral gegenüberstehen, die Meinung eines durch eigene Studien 
zu einem bestimmten Ergebnis gekommenen Forschers daher sicherlich klärend 
wirken kann. Verfasser hat sich in dieser Frage, die nicht allein systema- 
tisches Interesse hat, auf die Seite Mehelys gestellt, der für die Trennung 
der Muralis-Formen als besondere Arten eintritt, und ist sogar noch weiter 
als dieser gegangen, worin man ihm insoferne gerne folgen wird, als die von 
ihm unterschiedenen Arten, abgesehen von ihrer näheren oder ferneren Ver- 
wandtschaft, gewiß klar unterscheidbar sind. 

Die den Artbeschreibungen beigegebenen Abbildungen sind sorgfältig 
ausgeführt und zur Erkennung der Arten sehr nützlich, namentlich die der Rep- 
tilien, während unter den Amphibienbildern auch nur Triton marmoratus direkt 
als nicht gelungen zu bezeichnen ist und der Mund der Bombinator pachy- 
pus-Larve auf p. 177 verkehrt steht. 

Auch die Angaben über die Lebensweise, die vielfach auf die eigenen 
langjährigen Beobachtungen des Verfassers gegründet sind, und die Ausfüh- 
rungen über die geographische Verbreitung dürfen Interesse beanspruchen. 

Von den neu in die europäische Fauna aufgenommenen Arten ist nur 
Stenodactylus guttatus zu streichen, da die Fundortsangabe „Syra", mit der 
sie Strauch von Erber erhielt, sicherlich irrig ist. F. Werner. 

P* 



(226) 



Referate. 



Lepidopterologiscke Publikationen. 

(Referent Prof. Dr. H. Rebell 
Seitz. Die Großschmetterlinge der Erde. 

Für das „Seitzschft Werk" wird bekanntlich in allen Fachjournalen 
in und außerhalb Deutschlands bereits seit einigen Jahren eine lebhafte Pro- 
paganda entfaltet. Man mag über den wissenschaftlichen Wert des Unter- 
nehmens welche Ansicht immer haben, Eines steht außer Zweifel, daß noch 
niemals ein mit Tafeln so reich ausgestattetes, die Faunen aller Länder um- 
fassendes Bestimmungswerk dem großen Publikum geboten wurde. Wenn es 
gelingen sollte, das ganze Werk dem großzügigen Plan entsprechend zu Ende 
zu führen, so würde damit, namentlich bezüglich der exotischen Heteroceren, 
tatsächlich ein auch dem Fachmann unentbehrliches aus 16 Bänden bestehen- 
des Kompendium geschaffen sein. Bis jetzt freilich erscheint die Erreichung 
dieses Zieles noch in weite Ferne gerückt, denn mit Ausnahme der indo-austra- 
lischen Region hat noch kein die tropischen Heteroceren umfassender Band 
zu erscheinen begonnen. 

Für die paläarktische Region liegt bekanntlich schon seit Jahresfrist 
der erste, die Tagfalter enthaltende Band abgeschlossen vor und auch der 
/.weite Band, welcher die Sphingiden und Bombyciden (im alten Sinne) be- 
handelt, ist nahezu vollendet. 

Ks ist selbstverständlich, daß bei einem so großen Werk, welches zahl- 
reiche Mitarbeiter zählt, die einzelnen Teile einen sehr ungleichmäßigen Wert 
besitzen. Während bezüglich einzelner Familien sehr wertvolle Revisions- 
arbeiten geschaifen wurden, leiden andere Teile an UnVollständigkeit und 
lassen ihre notgedrungene Entstehung leicht erkennen. 

Wenn der paliiarktische Teil nicht überall jene warme Aufnahme ge- 
funden hat, die er schon nach den zahlreichen Abbildungen verdienen würde, 
so liegt dies zum Teil wohl an der allzuweiten Fassung der paläarktischcn 
Region. Schon vom praktischen Standpunkt aus war es nicht ratsam, sich 
mit den bisher in der Lepidopterologie gebräuchlichen regionalen Grenzen in 
Widerspruch zu setzen und auch zoogeographisch läßt sich die weitgehende 
Einbeziehung der Grenzgebiete kaum rechtfertigen. Alle diese tropischen 
Arten müssen natürlich auch in dem betreffenden Band der indo-australischen] 
besieh u ngn weise äthiopischen Region eine Aufnahme finden, da sie dort erst 
ihr Verbreitungs/entruui besitzen. 

Audi in systematischer Hinsicht, beispielsweise in der Bearbeitung der 
v paUUtrktiscben M Noctuiden durch Warren, ist das Werk zu revolutionär und 
itehl im schroffen Widerspruche mit den kontinentalen Gattungsbegriffen, die 
in vielen Fällen zweifellos auch natürlicher begründet erscheinen. Bei allen 
kleineren Pomen rerssgen auch oft die Abbildungen. 

Trotz allem kann nur neuerlich hervorgehoben werden, daß jeder Lepido- 
pteroJofc i« h das Werk idhoo des Vergleiches halber anschaffen sollte. He- 



Referate. 



(227) 



inglich der Anschaffung literarischer Hilfsmittel herrscht aber leider in Samm- 
lerkreisen eine unglaubliche Engherzigkeit. Während auf ganz zweckloses 
Material und auf Sammelgeräte oft bedeutende Auslagen gemacht werden, 
scheuen sich die meisten Sammler die relativ geringen Ausgaben auch nur 
für ein zweites Handbuch zu machen. Und doch bleiben die literarischen 
Erzeugnisse die nicht leicht zu entwertende Hauptsache und die Sammlung 
ist so häufig nur ein rasch vergängliches Vergnügungsobjekt ihres Besitzers. 

Skala, Hugo. Die Lepidopterenfauna Mährens. (Verh. d. Naturf. Ver. 
in Brünn, 1912.) 

In erfreulicher Weise versucht sich die faunistische Literatur in den 
österreichischen Kronländern. Nach den zusammenfassenden Arbeiten über 
Böhmen, Oberösterreich, Salzburg. Nordtirol, Kärnten und Krain liegt nun 
eine solche auch für Mähren vor. Dieselbe ist mit großem Fleiße gearbeitet 
und bringt in der Einleitung eine summarische Übersicht über die einschlä- 
gige Literatur und Entstehung der vorliegenden Arbeit. Gleich darauf kommt 
schon der „Besondere Teil", der aber in den Abschnitten A bis C die all- 
gemeinen Kapitel über klimatische, geognostische, orographische und bota- 
nische Verhältnisse, über die Durchforschung Mährens und über die Verbrei- 
tung der Falter im Lande bringt, In letzterem werden sechs Gruppen unter- 
schieden: 1. Bewohner des gebirgigen Teiles, 2. dem Süden fehlend; 3. süd- 
liche Arten mit nördlicher Verbreitungsgrenze; 4. Arten mit westlicher, 
5. solche mit südlicher und 6. solche mit östlicher Verbreitungsgrenze. Es 
würde zu weit führen, hier auf einzelne Angaben näher einzugehen, weitaus 
am interessantesten sind bekanntlich zahlreiche südliche Arten, die nach 
Mähren gleichsam eine zungenförmige Erweiterung ihres Verbreitungsgebietes 
aufweisen. Am besten durchforscht erscheint die Umgebung von Brünn, w r o 
in älterer Zeit bereits Kupido, Schneider, Gärtner und Viertl und in 
neuerer Zeit Doleschall, Satory, Hoffmann und Skala selbst als Samm- 
ler tätig waren. Der „systematische Teil" reicht bis zum Schlüsse der Noc- 
tuiden. Er führt die große Zahl von 140 Tagfaltern auf, ferner sind noch sehr 
reich die Familie der Notodontiden mit 35 und die Noctuiden mit 385 Arten 
vertreten. Im ganzen werden (für die Fortsetzung der Fauna) 1080 Arten 
Macrolepidopteren und 756 Arten Microlepidopteren in Aussicht gestellt. 

Bei den einzelnen Arten werden außer den Lokalitätsangaben mitunter 
auch solche deskriptiven Inhaltes, namentlich bezüglich Tagfalteraberrationen, 
gemacht. Sehr wünschenswert wäre eine Hervorhebung der Art- und Aber- 
rationsnamen durch fetten Druck gewesen, was die Übersicht sehr erleichtert 
hätte. Von der Anführung des Gewährsmannes wurde leider bei vielen An- 
gaben Umgang genommen. 

Es sei gestattet, an dieser Stelle einiges über faunistische Publi- 
kationen überhaupt zu sagen. Im allgemeinen kann man hiebei zwischen 
„Beiträgen" und „Faunen" unterscheiden. Erstere registrieren bloß Tat- 
sachen und der Faunist hat keine andere Verpflichtung, als für die Richtig- 



(228) 



Referate. 



keit derselben, also namentlich auch für die Richtigkeit der Bestimmungen, 
einzustehen. Ganz anders bei den „Faunen". Letztere sind den sj^stematischen 
Monographien zu vergleichen und sollen nach jeder Richtung etwas mög- 
lichst Vollständiges bieten, namentlich auch bezüglich der bereits vorhande- 
nen Literatur, welche bei den einzelnen Arten zitiert und kritisch verwertet 
werden soll. Mit wenigen Worten, nicht bloß das Tatsächliche, sondern auch 
das Literaturhistorische muß in einer wissenschaftlich gearbeiteten „Fauna" er- 
schöpfend zum Ausdrucke gelangen. Sie stellt daher in formeller Beziehung 
auch viel höhere Anforderungen als sie Faunisten in der Regel erfüllen können. 

Wenn also auch vorliegende Arbeit nicht nach jeder Richtung diesen 
weitgehenden Wünschen entspricht, wollen wir dem Verfasser doch dankbar 
dafür sein und eine baldige Fortsetzung derselben erhoffen. 



Bericht der Sektion für Koleopterologie. 



Versammlung am 21. November 1912. 
Vorsitzender: Herr Dr. K. Holdhaus. 

I. Der Vorsitzende gedenkt des schweren Verlustes, welchen 
die Sektion für Koleopterologie durch den Tod ihres Obmannes 
Direktor Ludwig G anglbaue r erlitten hat. Die Anwesenden er- 
heben sich zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen. 

IL Herr Direktor Dr. Franz Spaeth wird zum Obmann der 

•Sektion gewählt 

III Herr Oberrevidenl Josef Breit spricht „Über eine koleopte- 
rologische Sammelreise in das Gebiet des Sarco in den Stidkar- 
patlien". 

IV. Herr Breit legt die folgende Publikation vor: 

Di A. Julius Müller, Verzeichnis der Käfer Vorarlbergs, DM2, 

Selbetrerlag, Bregenz. Sonderabdruck aus dem 48. Jahresbericht! 

des Landes Moienrnsvereines für Vorarlberg. 

Dieses Verzeichnis kann als Vorbild dafür angeführt werden, 

wir raunen Verzeichnisse beschaffen sein müssen, wenn sie ftlr das 



Versammlung der Sektion für Koleopterologi 



(229) 



zoogeographische Studium und auch für den Sammler Wert haben 
sollen. Nicht nur den topographischen, klimatischen und biolo- 
gischen Verhältnissen, sondern auch der Vegetation und den Bezie- 
hungen der Fauna des besprochenen Gebietes zu den Verbreitungs- 
gebieten nordischer, südlicher, östlicher und westlicher Arten wird 
jene erforderliche Aufmerksamkeit gewidmet, welche für die rich- 
tige Beurteilung der Faunenverhältnisse der einzelnen Gegenden 
Vorarlbergs notwendig und daher sehr wertvoll ist. Das sehr reich- 
haltige Artenverzeichnis mit genauen Fundortangaben (die Höhen- 
lagen der zitierten Fundorte sind in einem separaten Verzeichnisse 
enthalten) weist 3440 Koleopteren formen aus Vorarlberg nach. Ein 
sehr sorgfältig zusammengestelltes Literaturverzeichnis vervollstän- 
digt diese dankenswerte Arbeit. 



Versammlung am 19. Dezember 1912. 
Vorsitzender: Herr Dr. K. Holdhaus. 

I. Herr Inspektor Alois Wingelm iiiler erstattet den folgen- 
den Bericht über den 



Stand des Ganglbauer-Fonds am 19. Dezember 1912. 



Einnahmen. 


K 


h 


Eingelaufene Spenden 


5403 


79 


Interessen von Wertpapieren und Spareinlagen . . 


92 


85 


Summe der Einnahmen . . . 


5496 


64 


Ausgaben. 






Gebühren für die Eröffnung des Seheekkontos und 






für 5 Erlagscheinhefte 


8 






96 






27 


18 


Summe der Ausgaben . . . 


131 


18 



(230) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Die reinen Einnahmen betragen somit K 5365 . 46 und gliedern sich in 
folgende Posten: 

K 6000. — nom. 4°/o ige konv. Mai — November-Notenrente 

im Ankaufswerte von K 5223.— 

welche sich bereits in Verwahrung und Verwaltung der k. k. zoo- 
logisch-botanischen Gesellschaft in Wien befinden. 

Gutschrift am Scheckkonto Nr. 133.654 »115. 

Bargeld in der Handkassa „ 27.4 



Summe . . . K 5365.46 
Außerdem sind noch Beiträge in der Höhe von K 240. — gezeichnet. 



Alphabetisches Verzeichnis der bis 19. Dezember 191 
für den Ganglbauer-Fonds eingelaufenen Spenden. 



Dr. Josef Daniel, Ingolstadt 
Dr. Karl Daniel, München 



August Freiherr Bachofen v. Echt, Wien . . . . K 100. 

Dr. Max Bernhauer, Horn „ 100. 

Oberrevident Josef Breit, Wien „ 20. — 

„Coleopterologische Gesellschaft zu Dresden" . . . „ 100. 

,b T^) ■ • • Mk. 100.— = „ 117.7 
lochen J 

Direktor Hugo Dieoer, Budapest „ 100. — 

Friedrich Deubel ; Kronstadt „ 50.- 

.. I deutsches Entomologisches Museum", Berlin Mk. 100. — =„ 117.5 

„Entomologischer Verein für Karlsbad und Umgebung" „ 10. 

Dr. E. Everts, Haag „ 10. 

K. u. k. Stabsarzt Dr. Fe Ii ler, Castelnuovo . . . . „ 5. 

Generalmajor Gabriel, Ncisse „ 100. 

Adolf Gassner, Wien „ 200. 

K. k. Porttrat Alois Gtobanz, Eisenkappel .... „ 20. 

Johann Hajok, Wien „ 200. 

Oberstleutnant F. Ilauser, München „ 100. — 

Kustos Dr. K. M. Heller, Dresden „ 30.— 

Prof Alfred Eetschko, Teschen „ 50. — 

Prof Dr Lukas v. Heyden, Frankfurt a. M. ... „ 200.— 

Dr Karl Hold haus. Wien „ 100.— 

Dr Walther Born, Berlin Mk. 150,_ „ 176.25 

Transport . . K 1900.45 



Versammlung- der Sektion für Koleopterologie. (231) 

Transport . . K 1906.45 

Dr. Eduard Knirsch, Wien „150.— 

Alfred Kniz, Wien „ 30. — 

Lehrer Eduard König, Feldsberg „ 4. — 

Dr. Felix Lauterer, Wien „ 20. — 

Otto Leonhard, Dresden „ 200. — 

Prof. Jaroslav Lomnicki, Lemberg „ 5. — 

Prof. Dr. Marian <Lomnicki, Lemberg „ 5. — 

Ingenieur Josef Meschnigg, Seebach b. Villach . . „ 2. — 

Emil Moczarski, Wien „ 100. — 

Dr. Fritz Netolitzky, Czernowitz ....... „ 20. — 

Bauingenieur Friedrich Neu mann, Graz „ 20. — 

Inspektor Rudolf Pinker, Wien -. . „ 50. — 

Baron Charles N. Rothschild, London . . £ 5.— = „ 120.50 

Pfarrer Math. Rupertsberger, Ebelsberg „ 10. — 

Direktor Dr. Egyd Schreiber, Görz „ 10. — 

K. u. k. Major M. Schrott er, Castelnuovo . . . . „ 10. — 

Prof. Adrian Schuster, Wien „ 100. — 

Prof. Moritz Seitner, Wien „ 10. — 

„Sezione entomologica della Societä adriatica" . . . „ 50. — 

Prof. Dr. Oskar Simony, Wien „ 1000.— 

Direktor Dr. Franz Spaeth, Wien „ 100. — 

Prof. Dr. Max Standfuß, Zürich .... Fr. 20 = „ 19.04 

Hofrat Dr. Franz Steindachner, Wien „ 100.— 

Dr. Hamilkar Stolz, Baden b. Wien „ 100.— 

Gustav Strauß, Wien „ 10.— 

Kustos Dr. Rudolf Sturany, Wien ........ 100.— 

Franz Tax, Graz „ 100.— 

Franz Thonner, Wien „ 20.— 

P. Erich Wasmann, S. J., Valkenburg . Mk. 10.— = „ 11.80 

Alois Wingelmüller, Wien „ 20 — 

„K. k. zoologisch-botanische Gesellschaft in Wien" . . „ 1000.— 

Summe der Spenden . . . K 5403.79 



Der Vorsitzende knüpft an diesen Bericht die folgenden Aus- 
führungen: 



(232) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Über die wissenschaftliche und praktische Bedeutung des 
zu schaffenden Ganglbauer-Preises. 

Der soeben vorgelegte Bericht zeigt wohl in klarer Weise, 
daß die Anregung, durch die Schaffung eines „Ganglbauer-Preises" 
das Andenken des verstorbenen großen Koleopterologen zu ehren, 
vielfach freudige Zustimmung gefunden hat, und schon jetzt läßt 
sich aus der Höhe und Zahl der eingelaufenen Spenden die Hoff- 
nung schöpfen, daß eine würdige Stiftung zustande kommen wird. 1 ) 
Verschiedene Zuschriften aus den Kreisen der Spender beweisen 
aber, daß über die Ziele des Ganglbauer-Preises und den großen 
Nutzen, den eine solche Stiftung der Koleopterologie bringen kann, 
vielfach nicht die nötige Klarheit herrscht. Es sei daher gestattet, 
diesem Gegenstande einige Betrachtungen zu widmen. 

Es bleibt eine leider feststehende Tatsache, daß die Entomo- 
logie derzeit noch nicht jenes Ansehen und jene äußere Geltung 
besitzt, wie eine solche anderen Wissenschaften schon längst ein- 
geräumt ist. Wenn von Insekten gesprochen wird, so erinnern sich 
selbst ernste Fachgelehrte vielfach wohl nur ihrer Jugendzeit, wo 
sie mit dem Schmetterlingsnetz die ersten Freuden der Jagdlust 
kosteten und diese Auffassung des Insektensammelns als einer harm- 

*) Die Erwartung ist wohl gerechtfertigt, daß es möglich sein wird, ein 
.Stiftungskapital von mindestens 10.000 K zu sammeln, aus dessen Interessen 
in dreijährigen Intervallen ein Preis von 1200 K aktivierbar sein würde. In 
der Erkenntnis, daß es nicht nur eine Dankespflicht dem verstorbenen Meister 
gegenüber, sondern auch an sich von größter praktischer und wissenschaft- 
licher Bedeutung ist, daß das Werk Gangibauers, Die Käfer von Mittel- 
europa, der Vollendung zugeführt werde, muß es als eine besonders wichtige 
Aufgabe der (Janglbauer-Stiftung bezeichnet werden, die Fertigstellung der 
noch ausständigen Bände dieses Werkes in wirksamer Weise zu fördern. 
Kine .solche Förderung aber wird möglich Hein durch Zucrkennung von 
Preisen au die Mitarbeiter dieses Werkes. Ks besteht, die Absicht, die 
„Eifer von Mitteleuropa" unter Heranziehung der tüchtigsten deutschen 
SpetUHsten, von denen mehrere ihre Hilfe bereits zugesagt haben, möglichst 
ium-Ii zu Ende zu fuhren. Die von Gangibauer gewählte bewährte Darstel- 
tnngfWeifC lOll auch in den folgenden Bänden auf das strengste eingehalten 
irerdea. Glangibauer hat leider keinerlei Manuskripte für die „Käfer von 
Mitteleuropa" hinterlassen, obwohl er sich in den letzton Jahren in intensiver 
Weite mit Vorstudien für die Bearbeitung der Canthariden und Klatcriden 

brfaUtr. 



Versammlung der Sektion für Koleonterologie. 



(233j 



losen Knabenbelustigung wirkt so nachteilig fort, daß viele Ge- 
bildete auch in der Tätigkeit des wissenschaftlichen Entomologen 
nichts anderes als eine Art systemisierten Sammelsportes zu sehen 
glauben. Zahlreiche Sammler erheben sich ja auch tatsächlich nie- 
mals über diesen Standpunkt und der rein sportmäßige Betrieb der 
Insektenliebhaberei zeitigt leider oft genug Auswüchse, die ent- 
schieden zu tadeln sind, weil dadurch alljährlich Millionen von In- 
sekten nutzlos vernichtet werden, weil die Umgebung unserer Groß- 
städte allmählich ihrer schönsten Käfer und Falter beraubt wird, 
weil auch in weiterer Entfernung von der Stadt manche seltene 
und lokalisierte Insektenart durch den Vandalismus disziplinloser 
Sammler geradezu in ihrer Existenz bedroht ist. Solchen Erschei- 
nungen gegenüber kann leicht übersehen werden, daß es neben 
einem Insektensport auch eine Insektenwissenschaft gibt. Diese 
Wissenschaft ist es, deren ernste und hingebungsvolle Pflege sich 
zahlreiche hervorragende Naturforscher seit nahezu anderthalb Jahr- 
hunderten zur Lebensaufgabe gemacht haben. Durch vereinte 
Arbeit wurde ein wissenschaftliches Gebäude aufgerichtet, das jedem 
Achtung und Bewunderung einflößen muß, der näher auf den Ge- 
genstand eingeht, Welcher Aufwand von Arbeitskraft und Geistes- 
kraft war nötig, um das scheinbar unübersehbare Chaos von Insek- 
tenarten in jenes strenge System zu bannen, das wir heute besitzen, 
wie mühsam und schwierig ist es oft, den Lebenszyklus auch nur 
einer Insektenart klarzulegen, welcher Scharfblick, vereint mit 
vollendeter Seziertechnik, ist häufig erforderlich, um nur die Spe- 
ziessystematik einer einzelnen, eng begrenzten Artgruppe zu klären. 

Und kaum weniger schwierig erscheint die Arbeit des Entomo- 
logen im Felde, wenn sie von namhaftem wissenschaftlichen Erfolg 
begleitet sein soll. Die in jeder Richtung befriedigende Explo- 
rierung der Koleopterenfauna beispielsweise irgend eines südeuro- 
päischen Gebirgsstockes ist eine Aufgabe, die infolge der ver- 
borgenen Lebensweise vieler und gerade der faunistisch inter- 
essantesten Arten an die Ausdauer, die Sammelerfahrung und den 
natürlichen Spürsinn des Sammlers die höchsten Anforderungen stellt, 
so daß die erfolgreiche Durchführung einer entomologischen Sammel- 
reise in ein undurchforschtes Gebiet schon an und für sich als eine 
achtenswerte wissenschaftliche Leistung bezeichnet werden darf. 



(234) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



Die Tätigkeit der Entomologen war im abgelaufenen Jahr- 
hundert vorwiegend ein Zusammentragen und kritisches Sichten 
des überaus umfangreichen Tatsachenmaterials. Diese Arbeit mußte 
zu allererst geleistet werden. Übrigens bleibt auch in dieser Hin- 
sicht noch viel zu tun übrig. Andererseits ist aber doch schon 
jetzt die Möglichkeit geboten, das große Tatsachenmaterial, welches 
wir gegenwärtig überblicken, zum Studium allgemeinerer Fragen 
heranzuziehen, und da zeigt es sich denn, daß es kaum eine zweite 
Tiergruppe gibt, die für die Beurteilung vieler allgemeinerer 
Probleme so bedeutungsvoll wäre, wie die Insekten. In keiner 
anderen Tiergruppe bietet sich Gelegenheit, die wundervollen An- 
passungen der Körpergestalt an die Lebensweise so plastisch und 
an einem so reichen Material durch die verschiedensten Lebens- 
gemeinschaften zu verfolgen wie bei den Insekten. Keine andere 
Tiergruppe — die Mollusken nicht ausgenommen — ist so geeignet 
für die Lösung zahlreicher geographischer Fragen, für den Nach- 
weis alter Landverbindungen, klimatischer Änderungen und an- 
derer weit abseits von den entomologischen Spezialgebieten gele- 
gener Probleme. Der Deszendenztheoretiker findet bei den In- 
sekten die schönsten und klarsten Beispiele für allmähliche wie 
für sprunghafte Umwandlung von Formen, für Klimawirkungjj 
Mimikry usw. Und dem Tierpsychologen eröffnet sich in den 
wundervollen Kunsttrieben und Staatenbildungen der Insekten ein 
Studienmaterial, wie es keine andere Tiergruppe zu bieten vermag; 
in diesem Sinne kann es der Entomologie vorbehalten sein, künftig- 
hin auch für die Lösung gewisser erkenntnistheoretischer Probleme 
eine unentbehrliche, aus keiner anderen Disziplin abstrahierbare 
Grundlage zu liefern, [m Rückblicke auf die Vergangenheit wird 
es dann als ein vielleicht schwer verständliches historisches Faktum 
erscheinen, durch welch langen Zeitraum die Entomologie trotz 
ihrer hohen sachlichen Bedeutung und ihrer zahlreichen Wechsel- 
beziehungen zu anderen Wissenschaften weder an den Univer- 
sitäten noch an den gelehrten Akademien eine geziemende Ver- 
tretung gefunden hat. 

Gegenwärtig hat die geringe Unterstützung der Entomologie 
leiten! der hierzu berufenen staatlichen und wissenschaftlichen 
Körperschaften notwendig zur Folge, daß sich nur wenige Forscher 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(235) 



als Berufszoologen ganz dem Studium der Insekten widmen kön- 
nen. Auch diese wenigen Berufsentomologen arbeiten zumeist unter 
den schwierigsten, beengendsten Verhältnissen, gehemmt durch un- 
zweckmäßige Dienstvorschriften und überlastet mit administrativen 
Pflichten. In Anbetracht dieser Umstände ist es als glückliche 
Fügung zu begrüßen, daß die Entomologie eine Wissenschaft ist, 
die seit jeher viel von Amateuren gepflegt wurde. Der reizvolle 
Gegenstand selbst und der Umstand, daß es zur wissenschaftlichen 
Arbeit auf diesem Gebiete nicht so überaus kostspieliger Labora- 
toriumseinrichtungen bedarf wie bei vielen anderen Zweigen der 
Naturwissenschaft, haben es mit sich gebracht, daß sich die Arbeit 
des Amateurs in der Entomologie erfolgreich neben jene des Be- 
rufsgelehrten stellte. Unsere Wissenschaft hat daraus den größten 
Gewinn gezogen. Der Amateur, der sich zu ernster wissenschaft- 
licher Arbeit emporschwingt, ist stets mit ganzem Herzen, mit der 
enormen heuristischen Kraft seiner natürlichen Instinkte bei der 
Sache, und so kommt es, daß auch auf koleopterologischem Gebiete 
viele Amateure erfolgreich in die schwierigsten Gebiete eindrangen 
und geradezu mustergültige Arbeit geleistet haben. Das riesige 
systematische und faunistische Tatsachenmaterial, das wir heute in 
der Koleopterologie überblicken, wurde zu mindestens 90°/ von 
Amateuren aufgebracht, und wenn die Koleopterologie in jenem 
Maße weiter wachsen soll, wie sie es bisher tat, so kann sie auch 
in aller Zukunft der Arbeit des Amateurs nicht en traten. 

Die wissenschaftliche Forschung auf koleopterologischem Ge- 
biete ist aber mit ziemlich beträchtlichen Kosten verbunden. Noch 
mehr als die Anlage der Sammlung bringt die Anschaffung der 
nötigen wissenschaftlichen Literatur, der optischen Instrumente usw. 
dem deskriptiv tätigen Entomologen, namentlich jenem, der nicht 
in der Großstadt lebt, viele Auslagen. Die Ausarbeitung jeder ein- 
zelnen Monographie belastet den Verfasser außerdem mit beträcht- 
lichen Portokosten, denn er muß sich das einschlägige Material 
aus zahlreichen in- und ausländischen Sammlungen kommen lassen 
und zur Beschaffung notwendiger Auskünfte oft eine umfangreiche 
Korrespondenz führen. Und da die entomologischen Zeitschriften 
in der Regel nicht über die Mittel verfügen, um die Kosten der 
Zeichnung von Tafeln zu tragen, muß der Monograph oft auch 



(236) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



die Ausstattung- seiner Arbeit mit den nötigen Figuren selbst be- 
streiten. 

Der Berufsgelehrte bat die Möglichkeit, für diese mit der 
wissenschaftlichen Arbeit verbundenen Auslagen wenigstens teil- 
weise Deckung zu finden. Manche dieser Auslagen trägt das 
Institut, dem er angehört, andere Erfordernisse kann er durch Sub- 
ventionen bestreiten, die ihm auf sein Ansuchen von gelehrten 
Akademien in der Regel gewährt werden. Der Amateur muß 
diese Hilfen entbehren und ist daher, wenn er erfolgreich arbeiten 
will, zu beträchtlichen Geldopfern gezwungen. Zu Opfern im 
wahren Sinne des Wortes, denn nur wenige wissenschaftlich arbei- 
tende Koleopterologen befinden sich in so günstiger materieller 
Lage, daß die Aufbringung der Geldmittel für ihre wissenschaft- 
liche Tätigkeit ihnen keinerlei Schwierigkeit bereitet, noch empfind- 
liche Einschränkungen auferlegt. 

liier soll nun der Gangibauerpreis nach Möglichkeit helfend 
eintreten und jenen trefflichen Männern, die in aufopferungsvoller 
Arbeit jede freie Stunde des Tages der Koleopterologie widmen, 
nicht nur als äußeres Zeichen der Anerkennung Freude bereiten, 
sondern auch eine gewisse Unabhängigkeit von den kleinlichen 
Geldsorgen bringen, die nur zu oft bei wissenschaftlicher Tätigkeit 
eint; volle Entfaltung der Kräfte verhindern. Um 1000 Kronen kann 
man ein schönes Mikroskop kaufen oder eine Reise nach den 
europäischen Hauptstädten zum Zwecke der Typen forschung machefl 
oder seine Bibliothek in recht gründlicher Weise ergänzen, so daß 
schon die einmalige Zuerkennung eines Preises in diesem Ausmaß 
sehr zur dauernden Arbeitserleichterung beizutragen vermag. 

Der tüchtige Spezialist fördert aber nicht nur die Wissen- 
schaft als solche,, er fördert auch die persönlichen Interessen zahl- 
reicher Sammler, die entweder nach seinen Monographien ihr 
Matn ial bestimmen oder aber Sammlungsbeständc an ihn zur Revi- 
sion einsenden. Die Aufarbeitung solcher Detcrminationssendtingeij 
ist eine sehr anstrengende und in vielen Fällen wenn das 

Material aus uninteressanten Gegenden stammt oder schlecht prä- 
pariert i^t oder große Serien der gemeinsten Arten enthält, von 
denen doch jedes einzelne Stück unter die Lupe genommen werden 
in u I i keineswegs vergnügliche Tätigkeit, die oft den Spezialisten 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(237) 



bis zur Überarbeitung belastet. Hier bietet sich nun allen Samm- 
lungsbesitzern, die in solcher Weise die Hilfe der Spezialisten in 
Anspruch nehmen, Gelegenheit, durch Widmung eines entsprechen- 
den Beitrages für den Ganglbauer-Preis eine unleugbare Dankes- 
schuld abzutragen. 

Einer der schönsten Züge Gangibauers war seine stete, un- 
bedingte Hilfsbereitschaft, die er jedem Koleopterologen zuteil wer- 
den ließ, bei dem er nur irgendwie ein ernsteres Interesse für die 
Sache vermuten durfte. Eine Stiftung wie die geplante, deren vor- 
nehmstes Ziel es ist, dem ernst Strebenden die oft dringend nötige 
Hilfe zu bringen, ist also ganz im Sinne des verewigten Meisters. 
Möge der Ganglbauer-Preis zu einer stattlichen Stiftung heran- 
wachsen, möge er unserer schönen Wissenschaft dauernden Nutzen 
bringen ! 

II. Hierauf spricht der Vorsitzende über die Spezies- 
systematik der Koleopteren-Gattung Microlestes (mit De- 
monstrationen). 



Die Nyctaginaceen und Phytolaccaceen des 
Herbarium Hassler. 

Von 

Dr. Anton Heimerl (Wien). 

Mit drei Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 12. Oktober 1911.) 

Herr Dr. C. Hassler, der sich durch umfassende Aufsamm- 
lungen in Paraguay und die wissenschaftliche Bearbeitung seiner 
Funde große Verdienste um die Kenntnis der dortigen Pflanzen- 
welt erwarb, machte mir den Antrag, sein Material der Nycta- 
ginaceen und Phytolaccaceen durchzusehen, und erlaubte freund- 
lichst die Veröffentlichung der Ergebnisse; ich statte dafür den 
herzlichsten Dank ab. Es sei hiezu gleich bemerkt, daß der ältere 
Teil des Herbares bereits Bearbeitung gefunden hat, so zuerst 1899 
durch Chodat (Bullet, de l'herb. Boiss., VII, Appendix, p. 65), dann 
1903 durch Chodat und Hassler (ebenda, 2. Ser., III, p. 415 ff.), 
endlich hat auch H. Walter für seine Monographie der Phyto- 
laccaceen (Pflanzenreich, Heft 39, 1909) die Exsikkaten von Hass- 
ler verwertet. Da aber das Herbar in letzter Zeit durch Beiträge 
von T. Rojas und K. Fiebrig wertvolle Bereicherung erfuhr, ferner 
der erwähnte Grundstock noch mancherlei Ergänzungen bietet, end- 
lich alles trefflich erhalten ist, so dürfte das folgende nicht ganz 
wertlos sein; selbstverständlich fasse ich mich bei bereits Bekanntem 
auf das Kürzeste. 

A. Nyctaginaceae. 

1. 3Hrabilis jdlapa L.; Chodat, p. 6b. 1 ) 

Hassler, Nr. 1042: in arvis prope San Bernardino. — Ein 
nicht fruchtendes, wohl dem Typus angehörendes Stück. 

2. Boerhaavia paniculata Rieh.; Chodat, p. 66; Chodat et 
Hassler, p. 415 (als B. hirsutd). 



x ) Das Zitat bezieht sich auf die eingangs erwähnten Arbeiten. 

Z. B. Ges. 62. Bd. 1 



2 



Anton Heimerl. 



Hassler, Nr. 581: in dumetis Cordillera de Altos. - Hie 
typische Art mit winzigen, etwas über 2 mm langen und 1*5 min 
breiten, zwei kurze Staubblätter führenden Blüten und fast auf ein 
sitzendes Köpfchen reduzierten Drüsenhaaren auf dem basalen Pe- 
rianthabschnitt sowie auf den Anthokarpen. 

3. Boerhaavia paniculata Rieh. var. guaranitica m.; l ) Chodat, 
p. 66; Chodat et Hassler, p. 415 (als B. paniculata). 

Hassler, Nr. 1123: in campo prope Itacurubi; Nr. 3524: in 
arvis prope San Bernardino. — Die Diagnose der Varietät kann 
auf Grund des guten Materiales so gefaßt werden: Paniculae ramm 
jkationes in internodiorum medio pilis minutissimis, valde densis, 
glandidiferis glutinosae; perianthiorum pars ovarialis glaberrima, 
pars superior campanulato-rotata, 5 — 7 mm lt., lobis usque 2mm lg. 
ei 3 m 5 mm It., profundius emarginatis; stamina 5 — 6, 10 — 12 mm 
lg., eximie exserta; Stylus usque 15 mm lg.; anthocarpia 5 mm lg., 
1:5 mm supra lt., glabra, in apice obtusissima, costis in vertice pro- 
minenter produetis. 

An Übergängen dieser auffallenden Varietät 2 ) zum bekannten 
kleinblütigen Arttypus fehlt es nicht. So weicht das Exsikkat 
Fiebrig, Nr. 1421 (Chaco septentr., Puerto Talavera) durch das 
Fehlen der klebrigen Infloreszenzbekleidung (auch durch die nur 
;mi Rande spärlich behaarten Blätter) ab; Hasslers Nr. 335 und 
6038 8 San Bernardino) haben wohl die übereinstimmenden An- 
thokarpe, dagegen nur 3 mm breite Perianthien, fünf kaum 5 mm 
lange Staubblätter und bis 6 mm lange Griffel. 

I. BougainviUea glabra Choisy; Chodat, p. 66. 

Massier, Nr. 287: in arvis apud Asuncion quasi sponte. — 
Gehört der f. acutibracteata meiner var. typica an. 

') öeterr. boten. Zeittohr.j l'JOG, s. 252. 

*) Offenbar gehört die bei Parodi (Anales de; la Soe. eientif. Ar^on- 
tina, V, \). 211 [1878]) gut ^M-kcnnzciclmctr Form seiner Ii. hirsula (stain. 4— 6 \ 
et itjlo lODge extert, caliee majore etc.) hieher, während die danelbflt und 
Doehmall späterhin (1. r • x,v > P- 866 [1882]) aufgeführte Ji. diffusa" die 
Dermale Pom dei v> panicuUxta derttellt. 

1 W ind«- von mir, da Blüten nicht vorlagen, früher (üsterr. botan. Zeitschr., 
I c.) /.in f. InoaiijKi der /;. jmviculata gestellt. 



Die Nyctaginaeeen und Phytolaccaeeen des Herbarium Hassler. 



3 



5. BougainviUea praecox Griseb.; Chodat et Hassler. p. 415. 

Hassler, Nr. 7414: prope Concepcion in argillosis ad ripam 
fluminis Paraguay (Zweige mit Blättern und Blüten); Fiebrig, 
Nr. 1436: Cbaco septentr. (blühende, blattlose Zweige) und 1446: 
Cbaeo septentr.. Puerto Talavera (Zweige mit Blättern und Blüten 1 ). 

Diese Art wurde von Grisebach! (Symbolae ad floram Ar- 
gentinam, p. 40) nach den der Blätter ermangelnden, von Lorentz 
und Hieronymus (Oran, Gran Cbaco prope Dragones. Xr. 611) 
aufgesammelten Stücken beschrieben: auch mir lagen seinerzeit nur 
dieselben vor. Es sei im folgenden eine durch das vorzügliche 
Material ermöglichte vollständige Diagnose gegeben: Planta v. fru- 
tescens et solum bimetralis v. arborescens et 4 — 8 m alta. inermis 
v. hinc inde spinis 4 — 12 mm lg., rectis, acutis armata, valde ramosa. 
ad antliesin v. aplußla r. iam folia novella praebens. Kami paten- 
tes, ± flexuosi, elongati, ultimi 40 — 50 cm lg., griseoli v. rufo- 
brunnescentes, ± noduhsi, levissime v. indistincte striolaü, internod. 
8 — 28 mm lg., initio vulgo brevissime pulveruhnter puberuli, dein 
(nodis apicibusqtte exceptis) glabri, nodis 1 ) v. vix promhwntibus v. 
2 — 3 mm lg., verruciformibus. breviter rufo-tomentellis. ad anihesin 
1 — 2 inflorescentias trifloras, dein folia praebentibus. Folia petiolo 
puheruhnto, 4— 10 mm lg., ovata v. rlwmbeo-elliptica. saepe obtu- 
siuscula, utrinque griseo-viridia, primum paulo puberida, dein f.glabra 
(lamina inferne versus petiolum solum diutius pulverulenia). integra, 
coriacea, nervis paucis (3 — 5) utrinque, sub lente forte 9 ) dense, nec 
prominenter reüculaüm ramificatis. Inflorescentiae triflorae pe- 
duncido subtenui, 3 — 12 mm lg., tomentello. Bracteae albovirentes. 
10 — 24 mm lg., 7 — 19 mm lt., floribus longiores, ocatae v. ovato- 
eUiptkae v. magis oblongae, obtusiusculae v. rotundatae, in basi v. 
etiam rotundatae v.paulum cordatae, primum tenuissime puber ulae. 
dein glabratae, gracillime et dense nervatae. Per iantliia ochroleuca, 
6 — 11mm lg., tubo cylindrico-fusiformi. usque 2 mm lt., supra di- 
midium leviter angustato, basi breviter in pedieellum (2 — 5 mm cum 
bractea connatum) attenuato ad subcontracto, dense tomentello. aequale 



x ) Es sind (wie bei verwandten Arten) Kurztriebe. 
s ) Bei der Betrachtung des aufgeweichten Blattes im durchfallenden 
Liehte. 

1* 



Anton Heimerl. 



10 nervato (nervis approximatis, prominentibus, subvalidis), liwho 
4 — 6 mm fo, lobis latis, breviter ovatis, obtusiusculis ad acutiuscuUs, 
dense papillosis. Stamina 5 (raro 6), cupula basali */ 2 — 3 / 4 mm lg., 
filamentis 5 — 9 mm lg., antheris l j 2 — 3 / 4 mm lt. Germen 5 — 8 mm lg., 
Ovaria oblongo, 5*5 — 5*5 mm lg., 1 mm lt., basi paulo angustato, 
super ne breviter in stylum solum 1 — l'Ömm lg., papilloso-fimbriatiim, 
per totam longitudinem stigmatosum attenuato. AntJwcarpia adhuc 
ignota. 

Das Blatt besitzt keine Styloiden, sondern Schläuche mit Rha- 
phiden neben solchen voll von kleinen, kurzen, wetzsteinähnlichen 
Kristallen; das Mesophyll zeigt eine regelmäßige Abwechslung von 
farblosem Gewebe und grünem, um die Gefäßbündel angeordnetem, 
wodurch eine bei Lupenbetrachtung auffallende Areolierung der 
Blattfläche zustande kommt. 

Nach der Blattgestalt sind zwei Formen zu unterscheiden. 
Für die eine (Nr. 7414) hat der Name: var. spinosa Chodat et 
Hassler, 1. c, p. 415, zu gelten; sie ist durch: folia ovata, 17 — 30 mm 
lg., 16 — 21 mm lt., in petiolum vix v. paulo contracta, nervis con- 
spicuis gekennzeichnet. Die andere Form (Nr. 1446) bezeichne ich 
als var. rhombifolia; sie hat: folia rhombeo-elliptica, 18 — 40mm lg., 
10— 19mm lt., basi v. obtusata v. in petiolum subacuminata, nervis 
minus conspicuis. Da die Exemplare, auf welche sich Grisebachs 
Diagnose stützt, der Blätter ermangeln, so ist eine Zuteilung zu 
den eben unterschiedenen Formen nicht möglich. Die var. spinosa 
wird von Ilassler (Trabajos del Museo de Farmacologia de la 
Facultad de Ciencias medicas de Buenos Aires, Nr. 21, p. 56, 1909) 
auch für das Gebiet <les Flusses Pilcomayo (Rojas, Nr. 610) l ) mit 
der Bemerkung: „Arbolito 6 arbusto 2-6 in. Flores blanco-ama- 
rillentas. bracteas blaneo-verdias. Orillas de los montes. Flor. Agosto" 
an/geführt 

6. l'isonia (imlcata L. 2 ) 

HaK.sler, Nr. 11'2: in silva Cordillera de Altos. — 9 Pflanze 
mit am Mittelnerv behaarten Blättern. 

l l Von mir nicht wachan. 

Ith mochte kaum daran zweifeln, dali dio von Parodi (Analen <lo 
ja Bot. oteBtlf Ai^mtina. V, p. 211 [18781 und XIV, p. 208 [1882]) als dornig 

beechriebem /' Yaguapindd bieher gehört. 



Die Nyctagiiiaceen und Phytolaccaceen des Herbarium Hassler. 



5 



Hassler, Nr. 3085: in silva prope San Bernardino. — cf und 
9 Stücke des fast kahlblätterigen Typus. 

Hassler, Nr. 8615 (cT) et 8615a (9): florula Cordiiierae Villa- 
ricensis. — Eine durch keilig verkehrt-eiförmige, unterseits am 
Mittelnerv weichhaarige Blätter und zu fast kugeligen Köpfchen 
vereinte cT Blüten etwas abweichende Form. 

Fiebrig, Nr. 4816: nördl. Parag., 22—23° s. Br., zwischen 
Rio Apa und Rio Aquidaban unweit einer Waldlagune. — Dieselbe 
Form wie Nr. 8615 in cf Stücken. 

Alle eingesehenen Anthokarpe entsprechen denjenigen des 
Typus der Art und nicht der fruchtend so auffallenden Form, welche 
Grisebach in seinem Herbare als var. pedicellaris 1 ) bezeichnete 
und die ich in Englers Botan. Jahrb., XXI, S. 633 (1896) unter 
diesem Namen beschrieb; ich möchte daher die Angabe bei Chodat 
et Hassler, welche p. 415 die Pflanze von Paraguay zur genannten 
Varietät rechnen, für irrtümlich ansehen. 

7. Pisonia sapallo Griseb.; Chodat et Hassler, p. 415, 416. 

Hassler, Nr. 7187: prope Concepcion in monte Picada Isabel. 
— cT Stücke mit knäuligen, sehr kurzstieligen Infloreszenzen und 
oberseits kahlen, unten neben dem Mittelnerv zottigen, sonst spär- 
lich haarigen Blättern. 

Hassler, Nr. 2431: Chaco septentr., 23° 20'— 23° 30' lat. 
austr., ad ripam occidentalem fluminis Paraguay in campis (leg. Ro- 
jas). — Fruchtende, fast kahlblätterige Stücke. 

Rojas, Nr. 295: ad ripas rivuli in regione cursus inferioris 
fluminis Pilcomayo. — cT blattloses, blühendes Exemplar. 

Ich möchte es für wahrscheinlich halten, daß die von 0. Kuntze 
(Revisio gener. plant., III, 2, p. 265) auf sehr unvollständiges (mir 
nicht zugängliches) Material (Blätter, cT Blüten und Früchte blieben 
unbekannt) gegründete P. praecox von Puerto Esperanza in Para- 
guay mit P. sapallo Griseb. zusammenfällt, so stimmen die Worte 
der Diagnose: inermis, floribus globoso-glomeratis, fulvido tomentosis, 

*) Ein treffliches Bild der Frucht ist bei Baillon, Histoire des plantes, 
IV, auf p. 9 in Fig. 16, 17. — Der Name „P. pedicellaris 1 ' findet sich bereits 1868 
bei Sauvalle (Flora Cubana, p. 137) unter Zitation der tatsächlich dazu- 
gehörigen Nummer 466 der Exsikkaten von Wright (des eigentlichen Autors 
des genannten Buches). 



6 



Au ton Heimerl. 



limhi dentibus in tomento extemo occultatis gut überein. Zum Ex- 
sikkat von Rojas (Nr. 295) bemerkt Hassler (Trabajos del Museo 
de Farmacologia etc., 1. c., p. 55): „Arbol 8 — 10 m. Flores blancas. 
En los campas 6 islas de monte. Flor. Junio". 

8. Pisonia ambigua m. 

Hassler, Nr. 10426: Sierra de Amambay, in silvis Punta 
Para (leg. Rojas). — Scböne Zweige der 9 blühenden Pflanze. 

Hiedurch erfährt die Diagnose *) der Pflanze folgende Ver- 
vollständigung: Arbor 5 — 7 m alta. Bami validiusculi, 4 — 5 mm 
crassi, pilis et brevibus et paulo longioribus, patentibus densius pu- 
beruli, hinc inde etiam glabrati. Folia elliptica v. magis ovata, 
maxima, 97 — 220 mm lg., 70 — 111 mm lt., obtusata, supra parcius, 
infra inprimis in nervis densius tomentella, petiolo 20 — 35 mm lg., 
glabrato v. pubescente. Inflorescentiae 9 pedunculo 28—42mmlg. 
suffultae, usque 75 mm lt., laxe corymboso-paniculatae, cum pedun- 
culo dense tomentosae, ramis primariis decussatis, ± frequenter (spurie) 
dichotome v. opposite Herum ramificatis, ramulis idtimis unifloris, 
3 — 4 mm lg., tenuioribus, tomentellis. Perianthia 9 bracteolis 3, 
lanceolatis, ca. 1mm lg. suffulta, viridia, ovato-cylindrica, 4' 5 mm lg., 
3 mm lt., in angiäis glandulas seriatim ordinatas, basin floris versus 
sensim diminutas praebentia. Staminodia 7, ca. 2 mm lg. Germen 
ovario 4'5mm lg., subfusiformi, in stylum 4 mm lg. attenuato, Stig- 
ma te fimbriato. 

9. Pisonia Olfersiana Lk., Klotzsch, Otto. 

Basaler, Nr. 10338: Sierra de Amambay, ad margines sil- 
vanim prope Taanguerita (leg. Rojas). — Das Esikkat, Zweige 
der cf Pflanze, bringe ich mit einigem Zweifel hier unter; bei- 
gefügt ist die Bemerkung: „arbor 6— 8 m, petala llavovirentia". 

10. J'isoHia Jlasslcr'iana m.; a ) P. combretiflora Chodat et Ilass- 
ler (non Hart), p. 415. 

Basaler, Nr. 7337: prope Concepcion in glareosis ad mar- 
gincm mlvae. Stücke, denen die Notiz beigefügt ist: „arbor 

parva v. frutex 3 — 5 m; flores virides". 

') Denkfehr. «1. Duthem.*Dftturw. KImm '1. kui.s. Akadomio d. Wissensch^ 
!,XXIX. s. 10 (1908). 

») ÖmN-it. l)ot:m. Zi-itMclir., J Ihm;, S. 420. 



Die Nyctagiuaceen uud Phytolaccaceen des Herbarium Hassler. 



7 



11. Pisonia luteovirens m. j 1 ) P. Olfersiana Chodat et Hassler 
(non Lk., Klotzscb, Otto), p. 415. 

Hassler, Nr. 7813: in silvis humidis in regione cursus supe- 
rioris fluminis Apa: Fiebrig, Nr. 4042: nördl. Parag., 22 — 23° s. Br., 
zwischen Rio Apa und Aquidaban. — rf Exemplare: die von Fiebrig- 
gesammelten, weichen durch kürzere, weitglockigere Perianthien und 
9 — 10 Staubblätter etwas ab. — Das Exsikkat Fiebrig, Nr. 5227: 
Parag. septentr. (fruchtende Pflanze) ist vielleicht auch hieher zu 
stellen, wogegen die Stücke Fiebrig, Nr. 4517: nördl. Parag., 22 — 23° 
s. Br., Uferwald des La Paz zwischen Piio Apa und Aquidaban 
(„Baum 12 m, Früchte blau"), einer neuen Art angehören könnten. 
Die Anthokarpe sind durchschnittlich 13 mm lang, 8 mm breit, ellip- 
soidisch- zylindrisch, oben fast gestutzt bis nabelig vertieft und 
dadurch auffallend; leider sind die Früchte der verwandten Arten 
nicht oder nur unreif bekannt. 

12. Pisonia paraguay ensis nov. spec. e sectioue Eupisonia. 2 ) 
Fiebrig, Nr. 4767 (9 blühende Stücke und solche mit un- 
reifen Früchten und 4778 (cf reichbliitige Exemplare): nördl. Parag., 
22 — 23° s. Br., zwischen Rio Apa und Aquidaban, Uferwald. 

Arbor (sec. Fiebrig) 4 — 5 m alta. Rami v. subregulare 
v. ± irreguläre divaricatim ramiftcati, patentes, griseoli v. griseo- 
brunnei, hnüores levissime et densius striolati, vetustati sulcati, len- 
ticellis paulum prominentibus, minutis, brunneolis, irreguläre dis- 
persis, internodiis 10 — 45 mm lg., nodis parum v. modice prominentibus, 
primum parcissime hiriuli, cito glabrati, vetustati denique (gemmis 
paulum pulverulenter puberulis exceptis) glabri. Folia petiolo 6'5 — 
15 mm lg., validiusculo, glabro, elliptica ad oblongo-elliptica, 3 ) 55 — 
155 mm lg., 32 — 63 mm lt., saepe in v. paulo sapra dimidium la- 
tissima, v. utrinque acutiuscida ad leviter acuminata v. antice ± obtu- 
siuscula, in basi autem brevius acuminata, tenue coriacea, suptra 



J ) Österr. botan. Zeitschr., 1906, S. 425. 

2 ) Da aus dem bayerischen Staatsherbare ebenfalls instruktive Stücke 
vorlagen, konnte die Diagnose umso vollständiger abgefaßt werden. 

3 ) Wie bei anderen Arten folgt an den Zweigen auf ein Paar gleich- 
gestalteter Blätter ein zu diesem gekreuztes anisophylles Paar: das eine Blatt 
desselben ist fast kreisrund, das andere gleicht den vorhergehenden Blättern. 
Die abweichend geformten Blätter wurden in der Diagnose nicht berücksichtigt. 



8 



Au ton Heimerl. 



modo niüdida modo opacata, infra opaca, (pilis parcissimis, f. mi- 
croscopicis paginae inferioris exceptis) glabra, f. integra, vix v.pau- 
lulum revoluta, infra griseobnmneola ibique (sub lente forte) striolis 
v.puncüäis minutissimis, nitidtdis ± conspicue instructa, 1 ) cosia va- 
lida, prominente, nervis lateralibus saepe 7 — 10 (etiam compluribus) 
utrinque, tenuioribus, primum subrectis, dein arcuatis, versus mar- 
ginem arcuatim conniventibus, laxe areolatim coniunctis, anastomosis 
leviter sed distincte utrinque (infra distinctius) prominentibus. In- 
florescentiae peduncido rigidiusculo, in speciminibus <S 18 — 40 mm, 
in 9 45 — 90 mm lg., suffidtae, corymbosae ad breviter paniculatae, 
d magis condensatae, 40 — 60 mm lt., £ magis ampliatae, 65 — 105 mm 
lt. (in statu fructigero usque 120 mm dilatatae), midtiflorae, v. gla- 
briuscidae v. saepe (ultimis in ramificalionibus paulo densius) bre- 
vissime et f. pulveridenter hirtulae, ramis primariis vario modo 
dispositis, v. oppositis v. irregidare alternantibus v. subumbellatis, 
valde oblique patentibus, non gracilibus, validiusculis, eodem modo 
Herum ± ramificatis, idtimis in ramificaMonibus raro flores singulos 
v. h 'mos, saepius dichasia triflora v. flores usque ad 8 densius aggrei 
gatos gerentibus, bracteis in inflorescentiae ramificationibus v. omnino 
(Ir/irientibus v. sparse evolutis, sublingulatis. Flores (sec. Fiebrig) 
viridi-lutescentes, v. subsessiles v. breviter (2 — 3 mm) et crasse pe- 
dunculati, hradeolis 2 — 3, 0-7 — 1mm lg., ooato-lanceolatis, acutiusi 
cuUs, pulveridenter (in margine paulo longius) hirtulis suffulti. Peri- 
anthia 9 infra tubidosa, supra campanulatim aperta, 3-5— 4 mm 
lg., f. glabra, hinc inde solum pilis patulis obsita, limbo 2'5 — 3' 5 mm 
lt., pattdo, obtuse 5-angulato vixque lobato, pidvcrulenter papilloso; 
sfatninodia 7, 1 — T 5 mm lg. Germen 5— 6 mm lg., ovario ovoideo- 
dliptico, ;/•;"> mm lg., in stylum perianthium apertum f. duplo supe- 
ranfem altcnnato, stigmate profunde lacerato, usque 15 mm lt. Peri- 

l ) Ein Flächenschnitt der unterseitigen Blattepidermis zeigt die Ursache 
da Brfcbeinung, «reiche bei den Blättern der V Pflanze aulfallender als bei 
denen der i.-t. Zellen, welche .sich nicht von den anderen (wehr ungleichem 
der Epidermis unterscheiden und manchmal vereinzelt, manchmal häufig vor- 
handen sind, werden in verHehiedenster Weise von prismatischen, in kochendem 
Wtmet und verdünnter Schwefelsäure unlöslichen Kristallen (?Uips) erfüllt! 
eiit weder nur ein grofier Kristall, häufiger zwei in ZwillingNverwaeliNnng oder 
nn-liiere Iii- viele pri - ina t in die, dicht gtdräOfftfl in einer Zelle. 



Die Xyctaginaceeu und Phytolaccaceen des Herbariuni Hassler. 



9 



anthia o breviter et late mfundibuliformi-camp anulata (deflorata 
f. obconica), 3' 5 — 4' 5 mm lg., eodem indumento nt perianthia 9, limbo 
expanso 6— 8 mm lt., lobis latissimis, brevibus, rotundatis, in mar- 
gine papillosis ad subfimbriatis. Stamina 8 — 9, 7 — 10 mm (raro 
5 mm) lg., filamentis infra crasse filiformibns, sursiim attenuatis; 
germinis rudimentum 3 — 5 mm lg., stylo crassiuscido, sügmate non 
ramoso, solum papilloso. Anthocarpia (hand perfecte maiiira) 
ouoideo-elliptica, 15 — 16 mm lg., e basi rotundata, 6— 6' 5 mm lt., 
BUrsum angustata, sub vertice ad 2' 5 mm constricta, apice perianthii 
limbo persistente, 3' 5 mm lt., lobato quasi coronata, glabra, (?) atra, 
le riter sidcala, hiimectatione coriacea, nec carnosa. 

Ich möchte zur UnterscheiduDg* von ähnlichen Arten in dieser 
schwierigen Gattung besonders auf die nur selten ausgesprochen 
doldig angeordneten Primanäste der Infloreszenz, auf die eigentüm- 
liche Form der 9 Perianthien und die weit aus ihnen herausragenden 
Griffel, auf die breiten und kurzen cf Perianthien, auf die Staub- 
blattzahl, endlich auf die nicht fleischigen Anthokarpe und die 
Blattausbildung hinweisen. 

13. Neea liermaplirodita Spencer Moore; Chodat et Hassler, 
p. 416. 

Hassler, Nr. 7853, 7853a und b: in regione cursus superioris 
fluminis Apa, — Unter Nr. 7853 a liegt der Arttypus, unter Nr. 7853 
ein Stück der var. calvata Chodat et Hassler, 1. c, endlich unter 
Nr. 7853 b die var. grandifolia derselben Autoren auf, alles in 
cf Stücken. 

Hassler, Nr. 10684 und 10684a: Sierra de Amambay, ad 
marginem silvarum Esperanza (leg. Rojas). — Die cT Pflanze in 
typischen (Nr. 10684) und der var. calvata (Nr. 10684 a) ange- 
hörenden Stücken. 

Fiebrig, Nr. 4020 (d") und 4047 (9): nördl. Parag., 22—23° 
s. Br., zwischen Rio Apa und Aquidaban, niederer, feuchter Camp. 
Waldinsel. — Gehören zur var. calvata Chodat et Hassler; bei- 
gefügt ist zu Nr. 4020 die Notiz: „Kletterstrauch ; Blüten grünlich", 
zu Nr. 4047: „Baum, 4 m, Blüten grünlichweiß". 

14. Beicheabachia hirsuta Sprengel; Chodat, p. 66; Chodat, 
et Hassler, p. 416. 



1«» 



Anton Heimerl. 



Hassler, Nr. 426: in silvis prope Cordillera de Altos; Nr. 3624: 
in dumetis prope lacum Ypacaray. — Die erstgenannte Nummer 
weist elliptische bis elliptisch-lanzettliche, spitzliche Blätter (Länge 
zu Breite wie 5 — 7 : 3 — 4), die letztere rhombisch lanzettliche, 
beiderseits zugespitzte (Verhältnis 5 : 2) auf. 

B. Phytolaccaceae. 1 ) 

1. Phytolacca dioica L.; Chodat, p. 65; Chodat et Hassler, 
p. 419; Walter, S. 49. 

Hassler, Nr. 447a (c?) und 447 b (9): in campo et in ne- 
moribus prope Altos; Nr. 3379 (cT) und 3380 (9): in silva San 
Bernardino. — Von Chodat und Hassler, 1. c, als var. ovatifolia 
bezeichnet, vom Typus aber, vgl. Walter, I. c, S. 47, kaum zu 
trennen. 

2. Phytolacca thyrsiflora (Fenzl in sched.) Schmidt; Walter, 
S. 50; Ph. decandra Chodat et Hassler (non L.), p. 419. 

Hassler, Nr. 5197: in silvis prope Ip6hu, Sierra de Mara- 
cayü; Nr. 9909: Parag. septentr., Sierra de Amambay ad margines 
silvarum Punta Para (leg. Rojas). — Beide Nummern gehören 
meiner var. redueta 2 ) an. 

3. EiUeria latifolia (Lam.) H. Walter, S. 81. 

Hassler, Nr. 8281: ad marginem rivi Estrella in regione 
enrsas superioris fluminis Apa. — Das Originalexemplar der var. 
macrqphyUa Chodat et Hassler, p. 419. 

4. Seguieria guaranitica Spcgazz. ; Walter, S. 96; S. floribunda 
ei f. alutacea Chodat, p. 64, 65, Chodat et Hassler (non Benth.M 
j). 417: S. emeriema*) et S. longifolia Chodat et Hassler (non L., 
non Benth.), p. 117. 

Hassler, Nr. 1 847: ad marginem silvae propeTobaty ; Nr. 1847a: 
in silvis prope Sapucay; Nr. 1 «47 b: in silva prope Tebicuary; Nr. 3665 

l ) Anordnung und Bezeichnung nach II. Walter, Pflanzenreich, Heft 89 

' Denkschr. 'I mathem.-naturw. Klasse d. kais. Akademie d. Wissenseli., 
I.XX1X, S 7 (11)08;. 

B ) Vielleichl gchürl auch die bei Parodi (Anales de la ttoc. cientlfi 
Argentina, V, 1» 1 62 [ 1 H7H ) aufgofilhrtc S. americana hieher, die als ziemllcfc 
hiiufi^ 11111 AHUii'-ioii l)(!Z<Mchne< wird. 



Die Nyetaginaceen und Phytolaccaceen des Herbarium Hassler. 11 



und 3786: in silva Cordillera de Altos; Nr. 7055: in valle fluminis 
Y-aca inter rupes prope Valensueta; Nr. 8393: in silva humida prope 
Bellavista in regione superioris fluminis Apa; Nr. 10906: ad mar- 
ginem silvarum prope Concepcion (leg. Rojas). 

Fiebrig, Nr. 4839 und 4932: nördl. Parag., 22—23° s. Br., 
zwischen Rio Apa und Aquidaban an einer etwas lichteren Wald- 
stelle (beigefügt die Bemerkung „bis ca. 6 m hochsteigend, Blüten 
gelblich weiß , Kletterstrauch " ) . 

Es ließen sich zwei extreme Blattformen, eine spitzigere (Nr. 7055) 
und eine besonders stumpfe (Nr. 8393) unterscheiden. Bemerkens- 
werter dürfte die Abänderung sein, welche im Exsikkat Nr. 10906 
vorliegt und als var. microphylla m. abgetrennt werden kann ; sie 
besitzt: folia petiolo solum 3 — 5 mm lg., elliptica ad elliptico-lanceo- 
lata, minora, 25 — 47 mm lg., 11 — 23 mm lt., v. obtusa v. subroiun- 
data v. subtruncata et emarginata, basi obtusata v. leviter acaminata, 
liypodermate partim praedita; inflorescentiae depauperatae, sab- 
pmpliciter racemosae, ca. 40 mm lg., axi dense tomentello; flores 
albi, staminibus ad 40. Früchte fehlen dem vorliegenden Stücke; 
ein alter Zweigabschnitt trägt bis 9 mm lange, kräftige, schwach 
gebogene, seitlich leicht zusammengedrückte Dornen. Nach Hassler 
bildet die Pflanze einen 4 — 8 m hohen, etwas kletternden Strauch. 

5. Seguieria j^araguayensis Moroug] Walter, S. 99; S.coriacea 
Chodat, p. 65, Chodat et Hassler (non Benth.), p. 417. 

Hassler, Nr. 1764: in silva prope Cordillera de Altos; Nr. 3712 
und 3887: in silva San Bernardino. 

6. Seguieria securigera nov. spec. e sectione Segiiieriella. 
Hassler, Nr. 587: ad marginem silvae prope Altos. — Es 

liegt ein im Juli gesammelter fruchtender, durch die Fruchtform 
auffallender Zweig mit der Notiz „liana arborea" vor. 

Mamas subgracilis, tenaiter striolatus, brevissime sed dense 
tomentellus, dense foliatiis, internodiis solum 8 — 15 mm lg., adfolioruni 
inscrtionem aculeis 2 stipularibus, valde brevibus (1 mm lg.), verruci- 
formibus, non ctirvatis, obtusiusadis, rufolutescentibus, apice glabris 
instructus, racemis fructigeris tomentellis, usque 9 cm lg., axillaribus. 
Folia petiolo usque 9 mm lg., subglabro, supra leviter canalicidato, 
lamina 64— 85 mm lg., 29 — 34 mm lt., elliptica, paulo sub dimidio 
latissima, hypodermate frequenter praedita, apicem obtusiuscidum v. 



12 



Anton Heimerl. 



subtruncatum, ± distincte mucronulatum versus leviter angustata, in 
peüolum acuminata, tenuiter coriacea, glaberrima, nervis inprimis 
infra conspicuis, nervo primario ibi validius prominente, nervis se- 
cundariis utrinque 8 — 13, gracilibus, laxe et paulum prominenter rami- 
ficatis. Bracteolae nullae (v. deciduae?). Fructus 30 — 38mm lg., 
ochracei, paulum nitentes, nucleo subgloboso, leviter compresso, f. laevi, 
7 — 8 lg. et lt., ala 22 — 31 lg., dense venosa, inferne quam nucleo 
non raro paululum angustiore, dein v. brevius v. longius f. aequilata, 
sursum subunilaterale dilatata et supeme 12—16 mm lt., apice 



und die kürzeren Infloreszenzen unterscheiden unsere Art von S. mam- 
mifcra] durch dieselbe Zweigbesehaflenheit und die Fruchtbildung 
weicht sie von S. paraguayensis ab (vgl. die Figur); S. GlazioviiH 
unterscheidet sich durch die ganz kahlen Zweige, die geraden, spitzen, 
bis i> i) nun langen Stipulardornen, die viel kürzer gestielten (Blattstiel 
des Originalexemplares höchstens 4mm lang), elliptischen, am Grunde 
breit gerundeten, nicht in den Blattstiel verschmälerten Blätter, die 
rispig traubigen Infloreszenzen und die entwickelten Vorblätter. Die 

] ) Der Freundlichkeit des Herrn I>r. J. Briquet in Genf verdanke ich 
<ii<- KiriHwM in das OriginalHtllck Heiner Art, welchen von Rio de Janeiro 
(Glasion, Nr. 18126) herstammt; Früchte derselben Bind bisher unbekannt. 




latissime rotundata v. subtrun- 
cato-rotunda, margine incrassato 
usque ad v. paulo supra fructus 
dimidium parum convexo v. rec- 
tiusculo, dein sursum valde ar- 
cuato. Semen 5'5mm lg. et lt., 
subglobosum, sidcatum, castaneo- 
brunneum, nitidum. 



Fig. 1-3. 

Fig. 1 und 2 Früchte von Seguieria se- 
curigera\ Fig. 3 Frucht von Seguieria 
paraguayensis. 
(Alles in natürlicher Größe.) 



Würde nach der bei Wal- 
ter, S. 87, gegebenen Synopsis 
der Arten in die Verwandtschaft 
von S. mammifera H. Walter, 
8. paraguayensis Morong und 
S. Gla#iovii Briquet gehören; 
der Wuchs, die filzigen Zweige, 
die abweichende ßlattbildung 



Die Nyctaginaceen und Phytolaccaceen des Herbarium Hassler 



von Fries (Arkiv fbr Botanik, VIII, Nr. 8, S. 20, 21, 1909) be- 
schriebene und auf Tab. I, Fig. 1 — 3 abgebildete 8. elliptica x ) end- 
lich gehört nicht, wie Fries vermutete, in die Verwandtschaft 
von S. guaranitica, sondern nach den Ausführungen von Walter 
(Fedde, Repertor. specier. novar. VIII, p. 79, 1910) in diejenige 
von S. parvifolia Benth., weicht auch sonst, z. B. in der Frucht- 
gestalt, wesentlich ab. 

7. Bivina humilis L.; Chodat, p. 65; Chodat et Hassler, 
p. 418; Walter, S. 102. 

Hassler, Nr. 316 und 3509: in silvis prope Cordillera de Altos; 
Nr. 7535: prope Concepcion in dumetis insulae Chaco; Nr. 7555: 
in dumetis ad ripam fluminis Paraguay; Nr. 2368: Gran Chaco, 
22° 30' — 23° 30' lat. austr., ad ripam occidentalem fluminis Para- 
guay in dumetis (leg. Rojas). 

Rojas, Nr. 263: ad marginem silvarum in regione cursus in- 
ferioris fluminis Pilcomayo. 

Fiebrig, Nr. 1409: Chaco septentr., Puerto Talavera, im Walde; 
Nr. 88: Parag. septentr. — Die Stücke gehören meist dem Typus, 
zum Teile aber auch (Nr. 7555 und 1409) ziemlich ausgesprochen 
der var. glabra L. und annähernd (Nr. 316 und 3509) auch der 
var. canescens L. an. Das Exsikkat Nr. 3509 wurde von Chodat 
und Hassler, p. 418, zur B. jpefrpwrascensSchrader gerechnet, ge- 
hört aber hieher. 

8. Trichostigma octandrnm (L.) H.Walter, S. 109; Chodat, p. 65. 
Hassler, Nr. 965: in silva prope Cerro St. Thomas; Nr. 1041: 

ad marginem silvarum Zanja hü. 

9. Petiveria alliacea L.; Chodat, p. 65; Chodat et Hassler, 
p. 418; Walter, S. 118. 

Hassler, Nr. 1403: in silvis prope Cordillera de Altos; Nr. 3586: 
in silvis prope Atira; Nr. 2586: Gran Chaco, Loma Clavel, 23° 20' 
lat. austr., in silvis (leg. Rojas). 

Das Exsikkat Nr. 1403 gehört einem Verbindungsgliede zu 
der vielleicht nicht als Art zu sondernden P. tetrandra Gömez an: 



x ) Der Name hat die Priorität vor S. elliptica H. Walter, weshalb an der 
oben angeführten Stelle Walter die Namensänderung seiner Art in S. Alberti 
vorschlägt. 



14 



Anton Heinierl. 



die Infloreszenz ist wohl dicht weichhaarig, die Tepalen sind aber 
nur 25 — 3 mm lang-, die Staubblätter zu 5 — 6 und die Früchte 
zum Teile auch 6 hackig. 

10. Microtea scabrida Urban; Walter, S. 130; M. foliosa 
Chodat, p. 418. 

Hassler, Nr. 1649: in dumetis prope Sapucay; Nr. 3357: in 
dumetis prope Tobaty; Nr. 6254: prope Tobaty in campis humidis. 

11. Microtea panicidata Moq. ; Chodat et Hassler, p. 418; 
Walter, S. 130. 

Hassler, Nr. 3981: in colle Tobaty inter rupes; Nr. 6407: 
prope Tobaty in rupibus; Nr. 7605: prope Concepcion in arenosis 
siccis. 

Fiebrig, Nr. 1373: Chaco septentr., Fuerte Olimpo, Fuß der 
Berge zwischen Steinen; Nr. 5294: nördl. Parag., 22 — 23° s. Br., 
zwischen Rio Apa und Aquidaban, auf humosen Lichtungen im 
Uferwald. 

Die Exsikkaten Nr. 3981 und 6407 gehören der var. linifolia 
Moq. (Chodat et Hassler, p. 418), die anderen dem Typus an. 

12. Microtea sulcicaulis Chodat, p. 419; Walter, S. 131. 
Hassler, Nr. 4328: in campo Apepu, Tapiraguay. — Eine 

leicht kenntliche Art. 

13. Microtea mayjmrensis (Kunth) Don; Walter, S. 1311 
M. glochidiata f. lanceolata Chodat et Hassler, p. 418. 

Massier, Nr. 3126: ad marginem silvae prope Caraguatay. 

Fiebrig, Nr. 4928: nördl. Parag., 22—23° s. Br., zwischen 
Bio Apa und Aquidaban, sandiges Flußufer zwischen Bromeliaceen- 
gcblisch. 

14. Acliatocarpm brevipcdicclhdns II. Walter, S. 138; A. Ba- 
lansae Chodat et Hassler (non Sellin/, et Autran), p. 418. 

Hassler, Nr. 6926: in arenosis ad ripam fluminis Y-acd. — 
Exemplare der (allein bekannten!) cT Pflanze, denen die Notiz bei- 
gefügt ist: „arber parva v. frutex 4— 5m. a , 

16. Achatocarpus Hasslerianus nov. spec. 

Ilassl er, Nr. 8878 (cT) und 8878 a (9): prope Caaguazu 
in silviH. 

Ar hör [ex IIa hh ler) Ii—Km altu, ramin (/racilibus, f. Semper 
toermibuß, raritiitne spinula mvrwta, 5 mm lg., recta armalis, yrisew 



Die Nyctaginaceen und Phytolaccaceen des Herbarium Hassler. 15 



v. griseobrunneolis, glabris, leviter angulatis ad sulcatis. Folia 
petiolo 2— 4 mm lg. instructa, elliptica ad elliptico-lanceolata, raro ad 
formam obovatam paulo vergentia, 28 — 70 mm lg., 13 — 39 mm lt., 
circ. in dimidio latissima, utrinque v. subaeque v. magis versus pe- 
tiolum angustata ad acuminata inque eum ± decurrentia, antice 
saepe acutiuscula, raro obtusiuscula, minute mucronulata, cliartacea 
ad tenuiter coriacea, supra in siccitate paulum nitidula, infra f. 
opaca, f. integra, glabra, costa infra prominente, nervis 10 — 12 
utrinque, tenuibus, rectiusculis v. leviter arcuatis, infra paulum pro- 
minentibus laxeque versus marginem ramifwatis. Inflor escentiae 
9 glabrae, simpliciter racemosae, laxiusculae, vulgo 4—7- (rarius 
usque 10-) florae, axi 11 — 31 mm lg., florum pedicellis plerumque 
1—2' 5 mm (solum in inflor escentiae basi 4 — 5 mm) lg.; inflorescen- 
tiae cf etiam glabrae, aut magis pauci florae, racemosae ad subspi- 
catae, florum pedicellis 3 — 6 mm lg., aut subpaniciäatae, pluriflorae, 
ramis infimis usque 15 mm lg., 3 — 4 floris, florum pedicellis autem 
solum 1'5 — 3mmlg. Flores cT (ex Hassler) albi, 9 virides, bracteis 
bracteolisque ovato-triangularibus, acutiusculis, 0'5 — 1 mm lg. suffulti. 
Tepala 2'5 — 3'5mm lg., 2 — 2'5mm lt., obovato-elliptica ad late 
elliptica, antice rotundata, in margine valde anguste v. vix mem- 
branacea, nervis bene conspicuis. Stamina 15 — 17, filamentis 
3 — 4 mm lg., basi dilatatis, antheris 2 mm lg. Germen ovario ellip- 
soideo, 3 — 3' 5 mm lg., 2 mm lt., apice (ob Stigmata basi db connata) 
cum prominentia O'bmm lg. et lt. instructo, stigmatibus 4— 5 mm lg., 
subiäato-filiformibus, sensim sensimque augusiatis, (parte basali nuda 
excepta) dense papillatis. Fructus (immaturus) baccatus, subglobosus, 
:~> — 6mm lg. et lt., apice apiculo bipartito, vix Im lg. praeditus. 

Von Walter wurde (1. c, S. 138) das ihm vorgelegene Ex- 
sikkat Nr. 8878 zu A. Balansae Schinz et Autran 1 ) (Bullet, de 
l'herbier Boissier I, p. 6) gebracht, doch kann das mir unter Nr. 8878 
und 8878 a übermittelte, zweifelsohne zusammengehörige cf und 9 
Material 2 ) der abweichenden Ovarform wegen (vgl. 1. c, Taf. I, Fig. 2) 

x ) Proben des Originalexemplars (ebenso von A. bicornutus) wurden mir 
freundlichst von Herrn Casimir De C and olle übermittelt. 

2 ) Hassler bemerkt hiezu im Herbare: „Nr. 8878 a ist ohne Zweifel 
spec. 9 dazu (nämlich zu Nr. 8878); von mir selbst an derselben Stelle ge- 
sammelt." 



16 



Anton Heimerl. 



nicht damit identifiziert werden. Durch die langen und langpapillösen 
Narben erinnert unsere Art auch an den A. bicomutus Schinz et 
Autran (1. c, p. 7; Tafel I, Fig. 7, 8), von dem sie besonders 
durch den aus den verwachsenen Grundteilen der Narben gebil- 
deten wärzchenformigen Fortsatz am Ovarscheitel, dann durch 
noch etwas längere, kürzere Papillen tragende und gegen den Grund 
zu davon freie Narben abweicht; die ziemlich plumpen Narben 
von A. bicormitus sind am dicken Grunde auf das dichteste und fast 
fransig-papillös. 

16. Acliatocarpus obovatus Schinz et Autran; Chodat et Hass- 
ler, p. 418; Walter, S. 138. 

Hassler, Nr. 1392: in dumeto prope Itacurubi. — Es liegen 
der Beschreibung bei Walter ziemlich entsprechende Zweige der 
cT Pflanze vor, die ganz vereinzelt bis 4 5 mm lange, gerade, kege- 
lige Dornen aufweisen. 

17. Achatocarpus microcarpns Schinz et Autran; Walter, 
S. 139; A. bicornutus Chodat et Hassler (non Schinz et Autran), 
p. 417. 

Hassler, Nr. 7274 (cT) und 7274a (9): prope Concepcion ad 
marginem silvae. — Die Zweige besitzen selten einen bis 5 mm 
langen, kurz kegeligen Dorn und weichen von den Angaben bei 
Walter durch beträchtlich kleinere, mit dem Stiele nur bis 30 mm 
lange und bis 12 min breite Blätter ab. 

Fiebrig, Nr. 1358 (c?) und 1358a (9): Chaco septentrionalis. 

Diese durch die Blattform auffallenden Stücke rechne ich einer 
neuen var. subspathulatus m. zu und gebe für sie folgende ein- 
gehendere Beschreibung: *) 

Afbor? IIa m l graciles, inermes, griseoli v. griseo-brunnei, 
glabft r. minuUsiifne puberuU, leviter (in vetustatis distinctius) sul- 
cati, ± verruculosi. Folia 20—40 mm (ab inscrtione) lg., 5 — 12 mm 
lt., sabspfifhida/fi r. cnncaio-oblanccolata, ohhisinscnla ad subrotunda, 
raro pauUtfH aoutiutcula, pro parte mucronulata, imertionem an- 
gustam versus petioh forme sensim scnsi/iH/uc angustata ad acumi- 

1 Si<- Iff vielleicht nicht ganz unwillkommen, wenn man die Schwierig- 
keiten der Artunterscheidung in dieser kleinen Gattung (zum Teile durch 'lio 
ZweitritasIgkeH bedingt; herilrkHichtigt. 



Die Nyctaginaceen und Phytolaccaceen des Herbarium Hassler. 17 



nata, integerrima, supra glabriuscida, infra et in m argine brevissime 
f. pulverulenter hirtula (dein glabr ata?), costa tenui, infra paiäum 
prominente, nervis tenuibus, minus conspicuis. Inflorescentiae 
ambae minores, simpliciter racemosae ad subspicatae, saepe 3 — 5- 
(raro 1- v. 6-) florae, axi 6 — 20 mm lg., (ut florum pedicellis) v. 
glabro v. pro parte minutissime hirtulo, pedicellis florum cT saepe 
ca. 2 mm (rarius usque 3' 5 mm) lg., florum 9 v. subinconspicuis 
v. ad 1 mm lg. Flores bracteis bracteolisque ovato-triangidaribus, 
obtusiusculis, O'o — 0'8mmlg. suffulti. Tepala florum d" 3— 4 mm 
lg., 2 — 2'5 mm lt., 9 2—2'omm lg., 1'5 — 2 mm lt., lote obovato-ellip- 
Uca ad suborbicidata, antice rotundata, in margine valde anguste 
(v. vix) membranacea, nervis ± conspicuis. Stamina 11 — 14, fda- 
mentis 2—2'omm lg., aniheris ca. 2 mm lg. Germen ovario ellip- 
soideo-oblongo, apice truncatulo, 2'5 — 3 mm lg., 1-5 — 2 mm lt., stig- 
matibus 2' 5 — 3 mm lg., crassius filiform.ibus, sursam sensim angu- 
statis, densissime et iam a basi asper o-papillatis. 1 ) Früchts ignotus. 



Bohnenpflanzen, aus großen und aus kleinen 
Samen erzogen. 

Von 

Dr. A. Burgerstein. 

(Eingelaufen am 20. Oktober 1911.) 

Im Frühjahre 1911 baute ich von sechs Sorten der Busch- 
bohne (Phaseolus vulgaris var.) je 20 sehr große und ebensoviele 
sehr kleine Samen an, um zu erfahren, in welchem Verhältnis der 
Anzahl und Größe die von den erzogenen Pflanzen produzierten 
Samen stehen würden. Das Durchschnittsgewicht der zur Aussaat 
ausgewählten Samen betrug in mgr: „Flageolet": g 2 ) 760, k 382; 

*) Bei Walter, I.e., S. 140, heißt es „vix papillata 11 , doch zeigt das 
von ihm handschriftlich als A. microcarpus bezeichnete Exsikkat im Herbier 
Delessert, dessen Einsicht ich ebenfalls der Güte des Herrn Dr. J. Briquet 
verdanke, dichtest papillöse Narben. 

2 ) Die großen Samen, beziehungsweise die aus ihnen erzogenen Pflanzen 
und deren Samen sind mit g, die kleinen mit k bezeichnet. 

Z. B. Ges. 62 Bd. o 



18 



A. Burgerstein. 



„Neger": g 466, k 212; „Non plus ultra": g486, k 289; „Osborn": 
g 454, k 252; „Zuckerspargel": g 453, k 260; „Wiener weiße 
Zwerg" : g 476, k 333. 

Die Aussaat erfolgte am 16. Mai auf zwei südseitig liegende 
Beete im Garten der hiesigen Biologischen Versuchsanstalt im Prater. 
Aus mehreren Gründen wurden nach einem Monat je fünf Säm- 
linge entfernt, so daß schließlich je 15 Pflanzen zur Ernte kamen. 
Diese erfolgte bei den k Pflanzen am 16. August, bei den g Pflanzen, 
deren Samen etwas später reiften, am 22. August. 

Die Ernteergebnisse sind »in nachstehender Tabelle zusammen- 
gestellt: 







Zahl 
der samen- 


Zahl 
der geernte- 
ten Samen 


Durch- 
schnitts- 
gewicht 
eines 
Samens (mg) 


Verhältnis 
des Durchschnitts- 
gewichtes 








tragenden 
Hülsen 


des 
geernteten 
Samen 


der an- 
gebauten 
Samen 








g 


k 


g 


k 


g 


k 


g:k 


g:k 








91 


90 


383 


315 


49G 


459 


100:93 


100:50 






II. Neger 


119 


86 


570 


398 


298 


250 


100:84 


100:46 






III. Non plus ultra . 


73 


70 


315 


308 


285 


281 


100:98 


100:59 






IV. Osborn 


107 


103 


382 


380 


304 


280 


100:92 


100:56 






V. Spargel 


48 


44 


188 


180 


300 


200 


100:89 


100:57 






VI. Wiener Zwerg . 


4?> 


38 


129 


93 


295 


280 


100:95 


100:78 





Aus den gewonnenen Zahlen ergibt sieh: 

L. Die Zahl der produzierten samentragenden Iiiilsen (die 
verkümmerten, samenlosen Früchte wurden nicht in Betracht ge- 
zogen | [gl bei den k Pflanzen in allen Füllen kleiner als bei den 
g Pflanzen; doch .sind die Unterschiede (mit Ausnahme von II) 
Sehr gering. 

2. Die Zahl der von den k Pflanzen geernteten Samen ist 
gleichfalls in allen Fällen kleiner als die der Samen der g Pflanzen. 

Bier isl der Unterschied in drei Fällen (III, IV, V) unbedeutend, 

hei I und VI größer und nur hei II ansehidieh. 



Bohnenpflanzen, aus großen und aus kleinen Samen erzogen. 



19 



3. Das Verhältnis g : k des Durchschnittsgewichtes der Anbau- 
sanien ist ein ganz anderes als jenes der Erntesamen. So ist z. B. 
bei der Sorte I ersteres 100:50, letzteres 100:93, d. h. jene 
Pflanzen, welche aus Samen (k) von nur halbem Gewicht heran- 
wuchsen, erzeugten Samen, die nur um 7 °/ leichter waren als 
die von den aus großen Samen hervorgegangenen Pflanzen. Bei 
Sorte III waren das Gewichtsverhältnis g : k der Anbausamen durch- 
schnittlich 100 : 59 (— 41°/ ), das der Erntesamen 100 : 98 (— 2%). 

Die aus sehr kleinen Samen erwachsenen Bohnen- 
pflanzen lieferten also Samen, die unbedeutend kleiner 
waren als jene, welche von unter sonst gleichen Bedin- 
gungen aus sehr großen Samen erzogenen Pflanzen ge- 
erntet wurden. 



Über einen Fall 
von lateraler Gynandromorphie bei einer 
Holzbiene (Xylocopa micans Lep.). 

Von 

Dr. Franz Maidl. 

Mit 5 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 17. Dezember 1911.) 

Gelegentlich einer Bearbeitung der Xylocopen des Wiener 
Hofmuseums, die ich mit der gütigen Erlaubnis des Intendanten 
des k. k. naturhistorischen Hofmuseums, Herrn Hofrat Dr. Franz 
Steindachner und des Direktors der zoologischen Abteilung, Herrn 
Regierungsrat Ludwig Gangib au er, auf das liebenswürdigste unter- 
stützt von Herrn Kustos Franz Friedrich Kohl, an dem genannten 
Museum vornahm, entdeckte ich unter den nordamerikanischen 
Stücken ein merkwürdig abnormes Tier, einen sogenannten Gynan- 
dromorphen. Das Tier gehört zu der nordamerikanischen Art Xißo- 
copa micans Lep. und stammt aus Texas, wo es von Birkmann 
gesammelt worden war. Außer diesem Stück besitzt das Museum 

2* 



20 



Franz Maidl. 



von der genannten Art noch ein ganz normal gebildetes cT, welches 
mir zur Vergleichung sehr willkommen war, dagegen kein 9 , wes- 
halb ich mich mit den vorhandenen 9 nahverwandter Arten be- 
helfen mußte. 

Der eingehenden Beschreibung des Gynandromorphen muß 
ich die Bemerkung vorausschicken, daß bei Xylocopa micans, wie 
in der Regel bei den Xylocopen, ein ausgeprägter Geschlechtsdimor- 
phismus vorhanden ist, der besonders in der Form des Kopfes und 
der Seitenaugen, in der Bildung der Fühler und Beine, in der Farbe 
des Gesichtes, der Oberlippe, der Fühler, des Rumpfes und der Ex- 
tremitäten, sowie auch in der Art und Farbe der Behaarung zum Aus- 



VOT allem auf, daß es rechts von der Medianlinie ganz schwarz, 
links dagegen größtenteils hellgelb gefärbt ist. Die helle Färbung 
erstreckt sich über den halben Kopfschild, das halbe Stirnschildchenj 
Uber das auf der betreffenden Seite gelegene Nebengesiebt un- 
gefähr bis zur HOhe der Fühlereinlenkungsgrube und auch über 
dfc halbe Oberlippe. Das eine Seitenauge, auf der hellgefärbten 
Seite, ist groß, stark gewölbt und reicht fast bis zur Mitte des 
Scheitels. das andere ist bedeutend kleiner, viel schwächer gewölbt 
und steht von der Mitte des Scheitels weit ab. Der Fühler auf j 
der hellgefärbten Seite besitzt Di Glieder, der Ftthlerschaft und die 
2 erstes GWßelgHeder sind unten hellgelb gefärbt; auf der anderen 
Seite ist der ganze Fühler schwarzbraun gefärbt und besitzt nur ; 
vi Glieder. Du eine paarige Ozell steht von dem unpaaron viel | 
weniger weit ab als das andere. I>as Ozellendreicck erscheint in- 
foltfcdcsscn nicht gleiclischenkclig. Auch der Abstand der einen 




drucke kommt. Aul3erdem besitzt 
natürlich das 9 einen Stachel-, 
das cT einen Kopulationsapparat. 



Das mir vorliegende merk- 
würdige Tier zeigt nun auf den 
ersten Blick beiderlei Geschlechts- 
charaktere in eigentümlicher 
Weise auf seinem Körper ver- 
einigt. 



Betrachten wir zuerst den 



Kopf. Am Gesicht (Fig. 1) fällt 



Ueber einen Fall von lateraler Gynandromorphie bei einer Holzbiene. 21 



Fiihlereinlenkungsgrube von dem unpaaren Ozell ist auf der einen 
Seite kleiner als auf der andern. Infolgedessen erscheint der eine 
Fühler höher eingelenkt als der andere. Die Behaarung der einen 
Gesichts- und Scheitelhälfte ist gelblich, die der andern schwarz- 
braun. Ein Vergleich dieses merkwürdig unsymmetrischen Gesichtes 
mit den in Fig. 2 und Fig. 8 abgebildeten Gesichtern eines nor- 
malen micans cf und eines Xylocopen 9 aus der Verwandtschaft 
der micans, zeigt deutlich, daß die aufgezählten Eigenschaften der 
einen Kopfseite männliche, die der andern weibliche Charaktere 
sind. Der ganze Kopf erscheint wie aus einer männlichen und 
einer weiblichen Hälfte zusammengesetzt. Die Grenze zwischen den 




Fig. 2. Gesicht von Xylocopa Fig. 3. Gesicht von Xylocopa spec. 
micans Lep. 



beiden Hälften verläuft annähernd in der Medianlinie. Sie ist 
gegen die männliche Seite zu schwach ausgebogen. Es sieht so 
aus, als ob die männliche Kopfhälfte etwas höher gewesen wäre 
als die weibliche und daher beim Zusammensetzen etwas gekrümmt 
hätte werden müssen. 

Betrachten wir nun den Thorax. Das Integument der einen 
(rechten) Seite ist oben dunkelblau-, das der andern ausgesprochen 
grim-metallglänzend. Die Behaarung der rechten Seite ist oben ziem- 
lich spärlich und von dunkelbrauner, die der linken bedeutend 
dichter und von gelber Farbe. Ein Vergleich mit normalen Individuen 
zeigt wieder, daß wir es mit einer männlichen und einer weiblichen 
Thoraxhälfte zu tun haben. Auch die Beine der rechten, weiblichen 
Hälfte sind durchaus so gebildet und behaart wie es bei einem 
micans 5 der Fall sein dürfte, während die der linken, männlichen 



22 



Franz Maidl. 



Hälfte so gebildet und behaart sind, wie bei dem mir vorliegenden 
micans cT. Der Geschlechtscharakter ist an den Beinen besonders 
in der eigentümlichen Bildung der männlichen Hintertibien und in 
der stärkeren Behaarung der weiblichen Hintermetatarsen ausge- 
prägt, so daß kein Zweifel bei der Bestimmung eines Hinterbeines 
als weiblich oder männlich möglich ist. Aber auch die andern Beine 
sind durch einen genaueren Vergleich mit Ausschließung jedes 
Zweifels als weiblich oder männlich zu bestimmen. 

Die Flügel des Gynandromorphen sind gleich gebildet und 
gefärbt. Ich zweifle aber nicht, daß der eine ein weiblicher und 
der andere ein männlicher sein würde, wenn bei unserer Art der 
Geschlechtsdimorphismus auch an den Flügeln zum Ausdruck käme, 
was jedoch nicht der Fall ist. 

Wir kommen also zu dem Resultate, daß auch der Thorax 
bei unserem merkwürdigen Tier aus einer männlichen und einer 
weiblichen Hälfte zusammengesetzt ist. Während aber am Kopf 
die rechte Hälfte männlich und die linke weiblich war, ist am 
Thorax umgekehrt die rechte Hälfte weiblich und die linke 
männlich. 

Ich war nun begierig zu erfahren, wie es mit dem Abdomen 
stttnde, ob auch dieses aus einer weiblichen und einer männlichen 
Hälfte zusammengesetzt sein würde. Das war aber nicht so leicht 
zu entscheiden, denn äußerlich ist bei micans der Geschlechtsdimor- 
phismus am Abdomen wenig ausgeprägt. Bei genauerer Unter- 
suchung bemerkte ich jedoch am Abdomen Unsymmetricn, so er- 
schien auf der einen (rechten) Seite das Abdomen viel stärker von 
schwarzen Haaren umsäumt und an der Spitze länger behaart als 
auf der andern. Wie an den Beinen ist aber auch am Abdomen 
die schwächere Behaarung ein Charakter des d\ 

Wie schon erwähnt, hat aber bei den Xylocopcn und über- 
haupt bei den aculcaten Ilymcnoptcrcn das 9 einen Stachel-, das 
c? einen Kopulationsapparat. Hin solcher Kopulationsapparat ist 
nun zwar in der Kegel eingezogen und nicht sichtbar, läßt sich 
ah<r unschwer präparieren, was ich auch hier getan habe. 

Das Resultat war nur zum Teile befriedigend. Ich hatte er- 
wartet eine Hälfte eines Kopulationsapparates und eine Hälfte eines 
Staehelapparatcs zutage /u fordern. Was ich erhielt, möge Fig. 4 



lieber einen Fall von lateraler Gynandromorphie bei einer Holzbiene. 23 




zeigen. Man vergleiche damit den Kopulationsapparat eines nor- 
malen micans d\ den ich in Fig. 5 ahgebildet habe. Man wird 
leicht erkennen, daß auch das fragliche Gebilde aus zwei Hälften 
zusammengesetzt ist und daß die eine Hälfte annähernd so ge- 
bildet ist, wie die entsprechende Hälfte des Kopulationsapparates 
eines micans d\ aber was das unregelmäßig gebildete Chitinstück, 
das die andere Hälfte bildet, eigentlich repräsentiert, ist meiner 
Meinung nach, nicht zu sagen. 
Ich kann nur die Vermutung aus- 
sprechen, daß es vielleicht ein 
total verkrüppeltes Rudiment eines 
weiblichen Stachelapparates sein 
kann; es kann aber eben so gut 
ein verkrüppelter Teil der andern 
Hälfte des Kopulationsapparates 
sein, wofür seine Form sogar eher 
sprechen würde. Jedenfalls aber 
ist jene Hälfte des Abdomens, in 
der die kenntliche Hälfte des 
Kopulationsapparates steckte, als 
männliche Hälfte anzusehen, es ist 
die im ganzen schwächer behaarte 

linke Hälfte. Wie schon erwähnt, schließe ich aus der stärkeren 
Behaarung und namentlich aus der längeren Analfranse der anderen 
Hälfte darauf, daß diese rechte Hälfte des Abdomens weiblich ist. 

Über die Beschaffenheit des inneren Baues, namentlich der 
Genitaldrüsen, ließ sich infolge der trockenen Konservierung des 
Objektes nichts feststellen. 

Betrachten wir also das ganze Tier, so erhalten wir folgendes 
Schema: links rechts 

Kopf 9 

Thorax, Beine und Flügel c? 

Abdomen d 

Kopulationsapparat cT 

Innerer Bau ? 

Dalla Torre und Friese haben 1899 ein Verzeichnis aller 
bis dahin bekanntgewordenen hermaphroditen und gynandromorphen 



Fig. 4. 
Kopulations- 
apparat von Xij- 

locopa micans 
Lep. Gynandro- 
morph. 



Fig. 5. 
Kopulations- 
apparat von 
Xylocopa micans 
Lep. rf». 



24 



Franz Maidl. 



Hymenopteren 1 ) gegeben und darin eine Klassifikation der Fälle 
versucht. 

Sie unterscheiden vier Gruppen: 

I. laterale Gynandromorphe (= seitlich verschieden gekleidete 
Fälle) ; 

II. transversale Gynandromorphe (= oben und unten ver- 
schieden gekleidete Fälle); 

III. frontale Gynandromorphe (= vorn und hinten verschieden 
gekleidete Fälle); 

IV. gemischte Gynandromorphe (= aus obigen Gruppen zu- 
sammengesetzte, also lateral, transversal und frontal durcheinander). 

Unser Fall gehört zur I. Gruppe, zur Gruppe der lateralen 
Gynandromorphen, u. zw. könnte man ihn als „einfach gekreuzt 
lateral" bezeichnen. Ein ganz ähnlicher Fall wurde übrigens von 
Kriechbaumer 2 ) ebenfalls bei einer Xylocopa, u. zw. bei unserer 
Xylocopa violacea L., jedoch ohne eine Angabe über den Hinter- 
leib und den Kopulationsapparat, beschrieben. 

Im Besitz des Wiener Hofmuseums befinden sich noch fol- 
gende gynandromorphe Hymenopteren, die ich zu sehen Gelegen- 
heit hatte: 

Ein frontaler Gynandromorph von Animophila abbreviata F., 
beschrieben von Kustos F. F. Kohl 3 ); 

Ein noch unbeschriebener frontaler Gynandromorph von Apis 
mellifica mit männlichem Kopf und Thorax und dem Abdomen 
einer Arbeiterin, von Rogenhofer 1876 bei Aspern gesammelt. 
Der knpi dieses Tieres ist ein ausgesprochener Drohnenkopf, nur 
in allen Dimensionen etwas kleiner als ein solcher. Der Thorax 
ist samt seinen Anhängen ebenfalls männlich, was besonders an 

l ) Dallfl Torre und Friese, Die hermaphroditen und gynandromor- 
pbeu Hymenopteren, 96 Seiten mit 1 Tafel. Separatabdruck der Berichte des 
naturwissenschaftl. medisin. Vereins in Innsbruck, XXIV. Jahrgang, 1898. 

Innsbruck, im Selbstverlag, L899< In dieser Arbeit findet Hieb auch eine Be- 

iprechung und Liste dei einschlägigen Literatur. 

*) Kriechbaumer .)., Über einen Zwitter von Xylocopa violacea in: 
Tagebl. \:> VerHanunlg. deutsch. Naturf, u. Ärzte in Leipzig 1872, p. 187. 

•) P l\ Kohl, Übet einen Kall von „frontaler" Gynandromorphie bei 
Ammojilnla nbhrr.rinta mit \ Abbildungen im Texte) in diesen „Verhandlung 
gen", Jid. LI, l'jol, p. 40. r j -407. 



Ueber einen Fall von lateraler Gynandromorphie bei einer Holzbiene. 25 



den Beinen, aber auch an dem vergrößerten Analfeld der Hinter- 
flügel zum Ausdruck kommt. Der Abdomen ist so gebaut wie das 
einer Arbeiterin. 

Eine Apis mellifica, von Perez 1884 bei Bordeaux gefangen 
und als Hermaphrodit bezeichnet, ist in ihrem ganzen Bau eine 
Arbeiterin und hat nur etwas gegen den Scheitel zu vergrößerte 
Seitenaugen. Ich möchte sie überhaupt nicht als Gynandromorph 
bezeichnen. 

Nur ein paar Worte seien mir über die möglichen Ursachen 
solcher Mißbildungen vergönnt. Was mir an den Fällen von Gy- 
nandromorphie, die ich selbst zu sehen Gelegenheit hatte, sowie an 
den in der Arthropodenliteratur beschriebenen auffällt, ist der Um- 
stand, daß weibliche und männliche Einflußsphären in der Regel 
scharf voneinander geschieden sind und daß am häutigsten jene 
Fälle zu sein scheinen, wo ganze Körper- oder Körperabschnitt- 
hälften geschlechtlich verschieden sind. Es ist anzunehmen, daß 
nicht nur die äußere Form und die Farbe des Integuments dieser 
Körperhälften geschlechtlich verschieden sind, sondern daß auch 
der innere Bau in den männlichen Körperhälften männlich, in den 
weiblichen weiblich sein dürfte. Soweit der innere Bau bei Arthro- 
poden-Gynandromorphen untersucht ist, hat sich das auch meist be- 
stätigt. 

Unter den 65 von Dalla Torre und Friese aufgezählten 
Fällen von Hymenopteren-Gynandromorphen nun machen die late- 
ralen allein 38, die transversalen 1 und die frontalen 16 Fälle aus. 
Wenn wir uns nun an die zwar nicht bei Insekten, wohl aber bei 
anderen Arthropoden mit nicht superficialer Furchung, z. B. bei 
manchen Krebsen, bekannt gewordene Tatsache der Ontogenese 
erinnern, daß aus jeder der durch die erste Meridianfurche ge- 
trennten zwei Furchungskugeln eine Körperhälfte hervorgeht, so 
können wir uns den Fall denken, daß aus irgendeinem Grunde 
diese beiden in der Regel zum gleichen Geschlecht determinierten 
Furchungskugeln einmal verschieden determiniert wären. Da aber 
aus der einen Furchungskugel die rechte, aus der andern die linke 
Körperhälfte entsteht, so hätten diese Hälften dann ein ver- 
schiedenes Geschlecht, das ganze Tier wäre ein einfacher lateraler 
Gynandromorph; es müßte aber, da dann auch das Abdomen late- 



26 



Franz Maidl. 



ral verschieden geschlechtlich wäre, in diesem Falle ein echter 
Zwitter sein, der rechts z. B. die Hälfte eines weiblichen, links die 
eines männlichen Genitalapparates hätte, wie es tatsächlich z. B. 
bei einer von Adlerz 1 ) auf den inneren Bau untersuchten lateral- 
gynandromorphen Ameise, Leptothorax tuberum F., der Fall war. 
Über die mögliche Ursache einer solchen verschiedenen Determi- 
nation der ersten Furchungskugeln oder Furchungskerne wage ich 
nichts zu sagen; wissen wir doch noch sehr wenig über die Deter- 
mination des Geschlechtes überhaupt. Sie müßte aber in Störungen 
der Befruchtungs- oder Zellteilungsmechanik zu suchen sein. Die 
komplizierteren Fälle von Gynandromorphie, wo nicht die lateralen 
Körperhälften, sondern die transversalen oder die frontalen oder 
nur die Hälften von Körperabschnitten, wie z. B. von Kopf oder 
Thorax verschieden sind, ließen sich natürlich durch dasselbe 
Prinzip verschiedener Determination von Furchungskugeln, jedoch 
nicht gerade der beiden ersten, erklären. 



Zur Staphylinidenfauna von Südamerika. 

(10. Beitrag.) 
Von 

Dr. Max Bernhauer 

in Grünburg (Ob.-Öst.). 

(Eingelaufen am 20. Februar 1912.) 

Uriisis punCtiCÖpS HOV. spec. 

Nigra, nitidissima, elytris praeter tertiam partcm aplealem 
rufotcsfarrts, (nth tmis oreqiic picco-rnfis, pedibus rufotestaceis; capite 
(juddrafo, im /irr fori ms, parrkis inawjualitcr punctato, elytris tenum 
rime longitudmaliier strigelMe. 

Long. 5 — 7 mm. 

l l Adlerz <• . Myrmecologiskn Studier II. Sveiwka inyror och dcrel 
lefnadi för hallandcn in: Hüning SvenskaVct. Akad. Mandl., Dd. XI, Nr. 18, 1886, 
p, B29, Taf.7. Ein« vom Autor leibst gelieferte deutsche llberHetzung finde! 

lIcAl In «lern oben zitierten Werk von Dalle Torre und Friese, p. 48. 



Zur Staphylinidenfauna von Südamerika. 



27 



Columbia: Cali (Alto de las cruces, 2200m, RioVitaco, 2000m, 
September 1908, Rio Aquatel, 1800 m, Oktober 1908, leg. Fassl). 

In der Körpergestalt und Farbe der Eletisis adusta Fauv. 
recht ähnlich, die Hinterleibsspitze jedoch wie der übrige Teil 
schwarz, die Flügeldecken in der Apikaipartie meist etwas ausge- 
dehnter schwarz, die Beine hell rötlichgelb. 

Der hauptsächlichste Unterschied liegt jedoch in der Skulptur 
des Kopfes. Dieser besitzt nämlich außer der über die ganze Ober- 
fläche verteilten äußerst zarten und weitläufigen Punktierung noch auf 
der vorderen Hälfte eine kräftige viel dichtere, ungleichmäßige 
Punktierung. 

Zugleich ist die Längsstrichelung am Kopfe und auf den 
Flügeldecken, welche bei adusta Fvl. kaum wahrnehmbar ist, viel 
dichter und deutlicher. 

Leptochirus Columbiens nov. spec. 

Nlgerrimus, nitidissimus: antennis densius pilosis, abdomine 
subtus süblaevigato; mandibulis fere aequallter dentibus duobus tena- 
cibus denteqtie molari maximo lato, intus fere rede truncato munitis. 

Long. 10—21'5mm. 

Columbia: Cali (Rio Aquatel, 1600—1800 m, Juni— Oktober 
1908, S. Antonio, 2000 m, Juli 1908, Rio Vitaco, 2000 m, Septem- 
ber 1908, Villa Elvira, 1800 m, Juli 1908, gesammelt von H. Fassl). 

Dem Leptochirus novus Bernh. am nächsten stehend, in der 
Körperform zum Verwechseln ähnlich, von demselben im wesent- 
lichen nur durch die Bildung der Mandibeln, größere, robustere 
Gestalt, den auf der Unterseite weniger geglätteten Hinterleib und 
dichtere Bewimperung der Fühler verschieden. 

Die beiden Mandibeln zeigen im wesentlichen eine ähnliche 
Bildung; an der Apikaihälfte befinden sich zwei spitzige einfache 
Zähne und hinter denselben nur durch eine seichte Ausrandung 
getrennt ein sehr breiter, an dem Innenrande fast gerade ab- 
geschnittener Molarzahn, dessen obere Ecke schwach zahnförmig 
vorsteht. 

Die Art steht auch dem scoriaceus Germ, sehr nahe, unter- 
scheidet sich aber von allen Formen desselben durch wenig deut- 
liche Punktflecke auf der Unterseite des Hinterleibes, viel längere 



28 



Max Bernhauer. 



Flügeldecken und die Mandibelbildung. Bei scoriaceus sind die 
Molarzähne am Innenrande immer mehr oder weniger ausgerandet 
und von dem benachbarten einfachen Zahne durch eine tiefe Ein- 
buchtung getrennt. 

JLeptochinis alticola nov. spee. 

Nigerrimus, subnitidus, thorace elytrisque subtilissime alutaceis; 
mandibula dextra dentibus duobus tenacibus denteqiie molari biden- 
tato. sinistra dentibus tenacibus quinque munitis. 

Long. 12 — 13 mm. 

Columbia: Cali (S. Antonio, 2000 m, 27. Juli 1908, Rio Aquatal, 
1800 m, Oktober 1908, leg. Fassl). 

Die Art steht dem L. tenuicomis Bernh. sehr nahe, besitzt 
die gleiche, jedoch noch deutlichere Chagrinierung der Flügeldecken 
und des Halsschildes, unterscheidet sich aber durch längere Fühler 
und die ähnlich wie bei L. brasilianus Bernh. gebildete rechte 
Mandibel hinlänglich. Von dieser Art unterscheidet sie sich durch 
die ähnlich wie bei tenuicomis gebildete linke Mandibel und längere 
Flügeldecken sowie die Chagrinierung leicht. 

Der Molarzahn auf der rechten Mandibel ist ziemlich schmal 
an den Ecken jederseits zahnartig vorgezogen, der zweite Apikal- 
zahn ist lang und ragt bei halbgeschlossenen Mandibeln weiter 
nach innen vor als der Molarzahn. Auf der linken Mandibel sind 
fünf vollkommen getrennte Zähne sichtbar, von denen die drei 
ersten groß und breit, die zwei basalen sehr klein und spitzig aus- 
gezogen sind. 

Leptochirus (Mesochirns) montarms nov. spec. 

Nigerritnus, mtidissimus, elytris thorace multo longioribus; clypeo 
jiosfire acute mnryinalu. maudihnla d extra dentibus tribus tenacibus, 
BHiißtera dentibus guatuw acutis munitis. 

Long. W- l VÖ mm. 

Columbia: Cali (RioVitaco, 2000 m, September 1908, Rio 
Aquatal, L800m, Oktober 1908, Villa Elvira, L800m, 18. Juli 1908, 
leg. Faitl). 

Die Art Iteht «lern />. areifer Fauv. am nächsten und ist in 
nachfolgenden Punkten von demselben verschieden. 



Zur Staphylinidenfauna von Südamerika. 



29 



Der Körper ist etwas größer, der obere Zahn der linken 
Mandibel ist am Hinterrande in keinen Zahn ausgezogen, sondern 
nur an der Spitze bisweilen schief nach hinten abgestutzt, meist 
jedoch einfach zugespitzt. An der rechten Mandibel befindet sich 
kein Molarzahn, sondern nur drei einfache große und breite Zähne 
und auf der linken zwei große und breite und hinter denselben 
zwei kleine scharfspitzige Zähne. 

Der Clypeus ist von der Stirne scharf abgesetzt, der dach- 
förmige Fortsatz in der Mitte stärker eingebuchtet und bis zum 
Vorderrande gefurcht, wodurch die Vorsprünge des Fortsatzes breit 
zahnförmig abgesetzt erscheinen, die Seiten sind auch stärker vor- 
gezogen und zahnförmig, so daß der Vorderrand vierzähnig er- 
scheint. 

Phyllodrepa bonariensis nov. spec. 

Bufo-ferruginea, nitidula, capite abdomineque paulo obscurio- 
ribus, abdomine opaciäo; capite, thorace elytrisque sat fortiter parce 
punetatis, Ms subseriatis. 

Long. 2' 8 mm. 

Argentinien, Prov. Buenos Aires, XL 1897 (C Bruch). 

In das Subgenus Phyllodrepa s. st, gehörig, im allgemeinen 
im Habitus mit Phyll. translucida Kr. übereinstimmend. 

Rostrot, der Kopf und Hinterleib etwas angedunkelt, Kopf 
ziemlich kräftig und weitläufig punktiert, vor den Ozellen mit je 
einem Grübchen, die Schläfen sehr klein, die Fühler ziemlich ge- 
streckt, einfarbig rostrot, die vorletzten Glieder kaum quer. 

Der Halsschild etwas schmäler als die Flügeldecken, um ein 
Drittel breiter als lang, an den Seiten ziemlich gleichmäßig jedoch 
nur schwach gerundet, neben dem Seitenrande schwach der Länge 
nach eingedrückt, vor dem Schildchen mit zwei deutliche Längs- 
eindrücken, längs der Mitte glatt, unpunktiert, sonst kräftig und 
weitläufig punktiert, glänzend. 

Flügeldecken fast doppelt so lang als der Halsschild, etwas 
feiner und dichter als dieser, in deutlichen Längsreihen punktiert. 

Hinterleib matt chagriniert und überdies sehr fein und spär- 
lich punktiert. 

Ein einziges Exemplar. 



30 Max Ber nhauer. 

Ischnoderus Bruchi nov. spec. 

Bufo-testaceus, nitidus, elytris apice nigr-icantibus, capite ab- 
domineque fuscescentibus, thorace antice non angidato, profunde bi- 
sulcato, elytris sub Uneatopundatis. 

Long. 2' 9 mm. 

Argentinien, Gob. Neuquen, Februar 1897 (C. Bruch). 

Von der zweiten südamerikanischen Art insignis Fairm. et 
Germ., die ich nicht kenne, muß sich die neue Art durch die Form 
und Skulptur des Halsschildes leicht unterscheiden lassen. 

Rötlichgelb, mäßig niedergedrückt, die Flügeldecken im api- 
kalen Drittel schwärzlich, der Kopf und der Hinterleib bräunlich. 

Kopf etwas schmäler als der Halsschild, quer rechteckig, die 
Schläfen parallel, länger als der Augendurchmesser, oben ist der 
Kopf ziemlich grob und mäßig dicht punktiert und hat vorn zwei 
größere, hinten zwei kleinere grübchenförmige Eindrücke. An den 
Fühlern sind die fünf ersten Glieder rötlichgelb, die folgenden rost- 
rot und viel breiter als die vorherigen, eine deutliche sechsgliedrige 
Keule bildend. 

Halsschild viel schmäler als die Flügeldecken, um die Hälfte 
breiter als lang, nach rückwärts stark, deutlich etwas ausgeschweift 
verengt, an den Seiten vorn ohne Ecken, sondern gleichmäßig ge- 
rundet, jederseits neben der Mittellinie mit einer tiefen Längsfurche, 
außerdem an den Seiten mit einem grübchenförmigen Eindruck, 
welcher rückwärts in die gegen die Hintereckcn breit werdende 
Seitenrandkeble übergebt. Die Scheibe ist ziemlich kräftig und 
ziemlich weitläufig punktiert. 

Pittgeldecken mehr als doppelt so lang als der Halsschild, auf 
der vorderen Hälfte innen verworren gereiht-punktiert, außen ganz 
unregelmäßig punktiert. Auf der hinteren Hälfte treten nur wenige 
feine Punkte auf, so daß dieser Teil fast spiegelblank erscheint. 

Hinterleib fein und weitläufig punktiert. 

Bin einzige« Exemplar. 

TrogophloeuA Championi nov. spec 

Niger, nitidus, parce punetalus, temporibus sat magnis, an/en" 
naruni artifilis pnmlfiwis /rrtusr/rsis, thorace. Umgiludin aliter biim- 



Zur Staphyiinidenfaunä von Südamerika. 



31 



presso, angulis anticis dentiformibus, elytris thorace duplo fere lon- 
gioribus. 

Long. 2'8—B'i mm. 

Chile, Punta Arenas (an der Magelhaenstraße) gesammelt von 
Walker. 

Dem Trogophloeus fuscus Sol. sehr nahestehend, von demselben 
nur in nachfolgenden Punkten verschieden: 

Der Körper ist doppelt so groß oder größer, der Kopf kräftiger 
punktiert, die Augen weniger groß, seitwärts weniger vortretend, 
die Schläfen länger, mehr backenartig erweitert, die Fühler an der 
Basis so dunkel wie der übrige Teil. 

Der Halsschild ist kräftiger punktiert und mehr uneben, 
namentlich ist jederseits der Mittellinie je ein in der Mitte unter- 
brochener ziemlich starker Längseindruck vorhanden. Die Seiten 
sind weniger gerundet. 

Die Flügeldecken sind kräftiger, der Hinterleib weitläufiger 
und stärker punktiert. 

Die Beine sind dunkel. 

Trogophloeus tenuipunctus nov. spec. 

Piceo-niger, opacus, omnium subtilissime densissime punctahis, 
elytris paulo dilutioribus, antennarum basi pedibusque rufotestaceis ; 
ocidis magnis, temporibus nullis, thorace cordato, profunde biim- 
presso. 

Long. 2' 4 mm. 

Argentinien, Prov. Buenos Aires (C. Bruch). 

Ich erhielt diese Art unter dem Namen Trog, bilineatus Steph., 
mit welcher sie wohl habituell ziemliche Ähnlichkeit hat; sie unter- 
scheidet sich jedoch sehr auffallend durch die äußerst feine und 
äußerst dichte Punktierung des ganzen Körpers und die großen 
Augen. 

Letztere nehmen die ganzen Kopfseiten ein; die Fühler sind 
lang, die vorletzten Fühler länger als breit, die zwei im hinteren 
Drittel unterbrochenen Dorsaleindrücke sind viel tiefer als bei biii- 
neatus Steph., der Halsschild ist länger, an den Seiten im ersten 
Drittel stärker erweitert und nach rückwärts viel stärker verengt, 
die Vorderecken seitlich nicht zahnartig vortretend. 



32 



Max Bernhauer. 



Trogophloeus Tremolerasi iiot. spec. 

Praecedenti valde similis, colore obscuriore, oculis minoribus, 
punctura paulo fortiore minus densa, antennis brevioribus distinctus. 
Long. 2'2 — 2'4 mm. 

Uruguay: Montevideo (J. Tre moleras). 

Von den vorhergehenden Arten nur durch dunklere Färbung, 
weniger große Augen, deutlich, wenn auch nur kurz entwickelte 
Schläfen, kürzere Fühler, schwach quere vorletzte Fühlerglieder, im 
Verhältnisse zu den Flügeldecken schmäleren Halsschild und weniger 
dichte und weniger feine Punktierung des Vorderkörpers ver- 
schieden. Die Farbe ist tiefschwarz, nur die Beine sind pech- 
farben. 

Thinobius Hicliteri nov. spee. 

Niger, opacus, subtilissime densissime punctatus, capiie thorace 
multo angustiore, thorace brevi, valde transverso, elytris brevibus 
iimrace vix longioribus, abdomine posterius dilatato. 

Long. 0'8mm. 

Argentinien, Prov. Buenos Aires (leg. Richter). 

Durch den kurzen Halsschild, die kurzen Flügeldecken und 
das nach rückwärts erweiterte Abdomen sehr ausgezeichnet, im 
Habitus an Thm* Garreisi Bernh. erinnernd. 

Schwarz, äußerst fein und äußerst dicht chagrinartig punk- 
tiert, matt mit Seidenglanz. 

Kopf viel schmäler als der llalsschild, fast so lang als breit, 
die Schläfen deutlich entwickelt; die Fühler mäßig kurz, gegen die 
Spitze allmählich verdickt, das dritte Glied knbpfförmig, das fünfte 
kaum breiter als das sechste, die vorletzten schwach quer. 

Halsschild so breit als die Flügeldecken, stark quer, an den 
Seiten gerundet, Dach rückwärts etwas verengt. 

Pittgeldecken so lang als der llalsschild, nach rückwärts et- 
was erweitert. 

Abdomen deutlich nach rückwärts erweitert und dann wieder 
verengt. 

EHn einziges Stück. 



Zur Staphylinidenfauna von Südamerika. 



33 



Palaminiis bvevipennis nov. spec. 

Laete rufo-testaceus, nitidus, abdomine ferrugineo, antennis 
pedibusque albidis, oculis maximis, temporibus niälis, thorace sat 
transverso parce panctato, elytris hoc dimidio longioribus, fortiter sat 
dense punctatis. 

Long. 3' 5 mm. 

Argentinien, Prov. Buenos Aires (Hosmann). 

Durch die kurzen Flügeldecken ausgezeichnet. Hell rötlich- 
gelb, die Fühler und Beine weißlichgelb, der Hinterleib rötlich 
rostfarbig. 

Kopf weitläufig punktiert, mit sehr großen Augen, die bis an 
den Hinterrand reichen, so daß die Schläfen vollständig geschwun- 
den sind. 

Halsschild kaum schmäler als die Flügeldecken, ungefähr um 
ein Drittel breiter als lang, an den Seiten gerundet, nach rück- 
wärts verengt, längs der Mittellinie erhoben und geglättet, stark 
glänzend, zu beiden Seiten derselben mit je einer schwachen Längs- 
furche, kräftig und ziemlich weitläufig punktiert. 

Flügeldecken kaum mehr als um die Hälfte länger als der 
Halsschild, kräftig und ziemlich dicht punktiert. 

Hinterleib normal skulptiert. 

Bei dem einzig vorliegenden Exemplar, dessen Geschlecht 
noch nicht entschieden ist, sind das achte Tergit und sechste Sternit 
hinten sanft gerundet — abgestutzt, das sechste Sternit kaum vor- 
gezogen. 

Paederus uruguayensis nov. spec. 

A Paed, brasiliano elytris longioribus, parcius subtilius punc- 
tatis distinguendus. 

Uruguay: Montevideo. 

Mit Paederus brasüiensis Er. außerordentlich nahe verwandt 
und nur durch längere, breitere, weniger stark und weitläufiger 
punktierte Flügeldecken und im allgemeinen hellere Färbung ver- 
schieden. 

Der Halsschild und die vorderen Tergite sind heller rot, auch 
an den Füßen ist die Färbung meist lichter. 

Z. B. Ges. 62. Bd. 3 



34 



Max Bernhauer. 



Die Flügeldecken sind um ein gutes Stück länger und breiter 
als der Halsschild. 

JPaederus republicanus nov. spec. 

Paedero brasiliano Er. Herum valde propinquus, statura paulo 
minore, capite angustiore, elytris densius profmidius punctatis dis- 
tinctus. 

Long. 8'5 mm. 

Uruguay. 

Von Paederus brasiliensis Er., dem die Art sehr ähnlich ist, 
durch folgende Merkmale verschieden: 

Die Färbung des Halsschildes ist düsterer, dunkel blutrot, der 
Kopf ist deutlich länger und schmäler, die Schläfen länger und in 
flacherem Bogen verengt, die Punktierung des Halsschildes ist 
doppelt stärker und tiefer, die Flügeldecken sind fast dreimal 
gröber und tiefer punktiert; auch die Punktierung des Hinterleibes 
ist deutlich gröber. 

Astenus flavicollis nov. spec. 

Niger, thorace, elytrorum margine apicali abdominisque basi 
saturate rafotestaceis, antennis, palpis pedibusque flavis, capite 
fltoraceque oblongis, hoc £>österms valde angustato, elytris thorace 
modice longioribus. 

Long. 3'5 mm. 

Uruguay: Montevideo (J. Trem oleras). 
Durch die Färbung sehr ausgezeichnet und auch sonst sehr 
markant. 

Schwarz, der Halsschild, der breite llinterrand der Flügel- 
decken und die ersten vier freiliegenden llinterleibsringe rotgelb, 
die Fühler, Taster und Beine hellgelb. 

Kopf oblong, um ein gutes Stück länger als breit, breiter als 
der Baisschild, dicht oabelig punktiert. Fühler ziemlich lang, ihre 
vorletzten Glieder doppelt so lang als breit. 

Halsschild schmäler als die Flügeldecken, vor der Mitte ge- 
rundet erweitert, nach rückwärts ziemlich stark verengt, mit großen 
flachen Nabelpnnkten nicht allzu dicht, punktiert, an den Seiten mit 
fünf seh warzen Borstenhaaren. 



Zur Staphylinidenfauna von Südamerika. 



35 



Flügeldecken nur mäßig länger als der Halsschild, ziemlich 
stark, tief und nicht allzu dicht punktiert, die gelbe Apikaifärbung 
an der Naht nach vorn gezogen. 

Hinterteil mäßig stark und mäßig dicht punktiert. 

Beim cT ist, so weit man bei Betrachtung von oben sehen 
kann, das sechste Sternit ziemlich tief dreieckig ausgeschnitten. 

Ein einziges Exemplar. 

Myrmecomedon nov. gen. 

Latus, convexus, lateribus dense, fortiter longeque nigrosetosus, 
postice acuminatum. 

Caput maximum, trianguläre. Collum modice angustum. 

Thorax latissimus, longitudine plus quam duplo latior, epi- 
pleura minus inflexa. 

Antennae rectae, tennes, dense articulatae, apicem versus vix 
incrassatae, fere nudae. 

Tarsi simplices, dense quinque-articulati; posticorum articulus 
primus secundo longior. 

In die Nähe von Medon zu stellen, durch die Bildung des 
Kopfes, der Fühler und Tarsen von allen anderen verwandten 
Gattungen zu trennen. 

Der Kopf ist quer dreieckig, nach hinten stark erweitert mit 
abgerundeten Hinterecken. 

Fühler schmal, sehr eng gegliedert, ähnlich wie bei vielen 
anderen myrmekophilen Gattungen (z. B. Nototheda) , nur spärlich 
mit kurzen Härchen besetzt. 

An den Kiefertastern ist das Endglied winzig klein und fein. 

Halsschild sehr breit, doppelt so breit als lang, mit breiten, 
bei seitlicher Ansicht deutlich sichtbaren Epipleuren; die Epimeren 
entwickelt. 

Der Hinterleib ist stark gewölbt, nach rückwärts zugespitzt. 

Der Vorderkörper ist an den Seiten mit kräftigen, langen, 
schwarzen Borsten dicht bekleidet. 

Die Tarsen sind ähnlich wie die Fühler dicht aneinander- 
gedrängt, ohne lange Borstenhaare, das erste Glied der Hinter- 
tarsen länger als das zweite. 

3* 



36 



Max Bernhauer. 



Myrmecomeäon Bruchi nov. spec. 

Rufo-ferrugineus, nitidus, asper o-punctatus, capite antice trans- 
verse sulcato ihoraceque parce, elytris densius, abdomine sat dense 
punctata* 

Long. 3 — 3' 5 mm. 

Argentinien, Buenos Aires, 5./VII. 1911, bei Atta Lundi von 
Prof. Bruch aufgefunden. 

Rostrot, glänzend, derVorderkörper mit langen schwarzen Borsten, 
namentlich gegen die Seiten ziemlich dicht bekleidet, der Hinterleib 
grau behaart und mit kürzeren, feineren Börstchen spärlich besetzt. 

Kopf so breit als der Halsschild, nach rückwärts stark er- 
weitert, breiter als lang, rückwärts ausgerandet, vor der Mitte mit 
einer ziemlich langen Querfurche, hinter derselben spärlich, vor 
derselben und neben den Augen viel dichter, überall fein punktiert. 

Fühler gegen die Spitze nur bei breitester Ansicht etwas er- 
weitert, das dritte Glied so lang als das zweite, das vierte länger 
als breit, die folgenden allmählich kürzer und etwas breiter wer- 
dend, das vorletzte quer, das Endglied kürzer als die zwei vorher- 
gehenden zusammen. Augen klein, die Schläfen mehr als dreimal 
so lang als ihr Längsdurchmesser. 

llalsschild mehr als doppelt so breit als lang, an den Seiten 
wenig gerundet, nach rückwärts schwach verengt, vor den Vorder 
ecken etwas niedergedrückt, längs der Mitte stumpf kielförmig er- 
hoben und unpunktiert, zu beiden Seiten der Mittellinie fein und 
weitläufig, deutlich rauh punktiert. 

Flügeldecken etwas länger als der llalsschild, hinten gemeinsam 
ausgeschnitten, stärker und dichter als der Halsschild, rauh punktiert. 

Hinterleib gewölbt, fein und ziemlich dicht punktiert und he- 
haart ; außerdem noch mit körnigen Punkten weitläufig besetzt. 

Medon myrmeeophilus nov. spec. 

Obscnre ferruginens, suboj Kiens, densissimc punetalus, antennis, 
palpis pedibusque, rufo-testaeeis, capite nigricante, sub trianguläre f 
transversa, oculis parvnlis; thoracc transversa, subtilissime aspero- 
■punctata. 

Long. 3 —H' 5 mm. 



Zur Staphylinidenfauna von Südamerika. 



37 



Argentinien, Buenos Aires, 30./VI. 1911, bei Atta Lundi von 
Prof. C. Bruch entdeckt. 

Habituell ist die Art dem Medon (Lithocharis) ochraceus Gravh. 
recht ähnlich, unterscheidet sich aber sofort durch etwas breiteren 
kürzeren Kopf, viel kleinere Augen und weniger feine Punktierung 
besonders des Halsschildes. 

Dunkel rostrot, der Kopf noch dunkler, die Fühler, Taster 
und Beine dunkel gelbrot. 

Kopf mäßig schmäler als der Halsschild, nach vorn verengt, 
breiter als lang, zwischen den Fühlerwurzeln mit einem Querein- 
druck, sehr fein und äußerst dicht punktiert, matt, vorn etwas 
weniger dicht punktiert, daselbst etwas glänzend. Die Fühler von 
denen des ochraceus Gravh. kaum verschieden. Die Augen ziem- 
lich klein, die Schläfen mehr als doppelt so lang als ihr Durch- 
messer. 

Halsschild etwas schmäler als die Flügeldecken, um ein Viertel 
breiter als lang, an den Seiten ziemlich gerade, nach rückwärts 
deutlich verengt, in der Mitte etwas erhoben, äußerst dicht, aber 
nicht allzu fein, deutlich etwas rauh punktiert, matt. 

Flügeldecken um die Hälfte länger als der Halsschild, nach 
rückwärts etwas erweitert, nicht ganz so dicht wie der Halsschild, 
aber deutlich stärker, ebenfalls rauh punktiert und etwas quer ge- 
runzelt, weniger matt. 

Abdomen sehr fein und sehr dicht, hinten etwas weniger 
dicht punktiert, etwas glänzend. 

Medon (Subg. nov. LeiporapUes) attarum nov. spec. 

Bufo-ferrugineus, nitidus, antennis palpis pedibusqiie rufo- 
testaceis, capite subtrapesoidäli, thorace latiore, postice sinuato, 
ihorace subpentagonali, posterius aüenuato, elytris hoc multo lon- 
gioribus. 

Long. 2 mm. 

Argentinien, Prov. Buenos Aires, 7. /VIII. 1911, bei Atta 
hystrix (C. Bruch). 

Rostrot, glänzend, Fühler, Taster und Beine rötlichgelb. Kopf 
breiter als der Halsschild, nach rückwärts deutlich erweitert, mit 
abgerundeten Hinterecken, hinten ziemlich stark ausgebuchtet, 



38 



Max Bern hau er. 



mäßig fein und wenig dicht, längs der Mittellinie unpunktiert. 
Fühler fast perlschnurartig, die vorletzten Glieder kaum quer. 

Halsschild etwas schmäler als die Flügeldecken, ziemlich 
fünfeckig mit verrundeten Hinterwinkeln, nach rückwärts verengt, 
fein und wenig dicht, längs der Mittellinie ganz unpunktiert. 

Flügeldecken um ein Drittel länger als der Halsschild, ziem- 
lich fein und mäßig dicht punktiert. 

Hinterleib sehr fein und ziemlich dicht punktiert, dichter be- 
haart als der übrige Körper und weniger glänzend. 

Kehlnähte sind nicht sichtbar, da die beiden Kehlplatten mit- 
einander vollkommen verschmolzen sind, der Mesosternalfortsatz 
reicht bis zur Basis. Epimeren sind vorhanden. 

Die Hinterleibswurzel ist scharf gekielt. 

Ich begründe für diese Art, welche namentlich durch die 
fehlende Kehlnaht von den übrigen Arten sehr abweicht, das neue 
Subgenus Leiporaphes. 

Acalophaena argentina nov. spec. 

Iiitfa, nitidissima, capite ano elystrisque nigris, hör um angulis 
posticis rufo-testaeeis, pedibus flavis; capite thorace latiore, hoc non 
trewsverso, posterius sat angustato, elytris seriatim punetatis. 

Long. 7 mm. 

Argentinien, Prov. Salta: Tala, Juli 1898 (Silvestri). 

Ich hielt diese Art früher für die aus Kolumbien und Mexiko 
beschriebene Acalophaena angularis Er., sehe jedoch nunmehr, 
nachdem ich Stücke der angularis Er. aus Mexiko erhalten habe, 
daß diese Art eine spezifisch verschiedene ist. 

hie neue All unterscheidet sich von angularis Er. in fol- 
gendem: 

Die Makel an den Außenecken der Flügeldecken ist viel 
kleiner, düsterer, der Kopf im Verhältnisse zum Halsschilde breiter 
und weniger kurz, die Hinterccken stärker verrundet, die Fühler 
etwas länger. 

Der Halsschild ist viel länger, nicht breiter als lang, schmäler 
als der Kopf, an den Seiten gerundet, die Hinterccken viel stärker 
rerrnndet, auf der Scheibe mit zwei Längsreihen von je vier Tunk- 
ten, sonst noch mit einigen Punkten in der Apikaihälfte. 



Zur Staphylinideiiiäuna von Südamerika. 



39 



Die Flügeldecken sind im Verhältnisse zum Halsschilde kürzer, 
der Halsschild stärker gewölbt. 

Endlich ist der Käfer fast doppelt so groß. 

Gastrisus venezolanus nov. spec. 

Nigro-aeneus, parum nitidus, antennis, palpis pedibusque piceis, 
elytris opacis densius punctatis, abdomine concolore, sat dense punctato. 
Long. 9' 5 mm. 

Venezuela (Dr. Moritz, 1858). 

Ich hielt diese Art früher für Gastrisus mimethes Sharp. Dieser 
scheint eine weiter verbreitete Art zu sein; ich besitze nunmehr 
Stücke aus Kolumbien und Peru und konnte ich an der Hand 
dieser Exemplare die Verschiedenheit beider Arten feststellen, wenn 
die Unterschiede auch nur in geringer Zahl vorhanden sind. So- 
fort in die Augen fallend ist die Färbung, die einfärbig schwarz 
mit Erzglanz ist, während bei mimethes die Färbung heller ist und 
außerdem die beiden letzten Tergite (7. und 8.) hellrot gelb gefärbt 
sind ; weiters sind die Flügeldecken doppelt dichter punktiert, end- 
lich ist auch die Punktierung des Abdomens viel dichter. 

In der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums in 
Wien und in meiner eigenen. 

TrigonojiselapJuis modesttis nov. spec. 

Niger, sat nitidus, capite thorace subviridibus, elytris fusco- 
aeneis, antennis palpis pedibusque piceis, capite thoraceque subtiliter, 
hoc medio biseriatim punctatis, elytris parce aciculato rugidosis et 
subtiliter punctatis. 

Long. 10 mm. 

Uruguay (Tremoleras). 

Diese Art, von welcher vorläufig nur ein einzelnes Exemplar 
vorliegt, weicht von den übrigen Arten sofort durch die düstere Fär- 
bung ab. Der Kopf ist außer der unpunktierten breiten Mittelzone 
fein und zerstreut, neben und hinter den Augen dichter punktiert, 
etwas schmäler als der Halsschild und breiter als lang, rundlich- 
viereckig. 

Der Halsschild ist etwas schmäler als die Flügeldecken, so 
lang als breit, ziemlich glänzend, an den Seiten sanft gerundet, 



40 



Max Bernbauer. 



mit zwei Punktreihen, welche aus je acht Punkten bestehen, seit- 
wärts mit einzelnen weiteren Punkten. 

Flügeldecken fast kürzer als der Halsschild, fein und weit- 
läufig* punktiert und nadelrissig gerunzelt. 

Hinterleib fein und ziemlich dicht punktiert. 

Xanthodermie nov. gen. 

Dieses neue Genus wird von mir auf Belonuchus vestitus 
Sahlb. gegründet und ist schon auf den ersten Blick durch die 
rotgelbe Färbung des ganzen Körpers, insbesondere durch die präch- 
tig goldgelbe pelzartige Behaarung der Flügeldecken und des Hinter- 
leibes kenntlich. 

Im Habitus ist die Gattung gewissen Belonuchus- Arten wohl 
ahnlich, unterscheidet sich aber von diesen außer durch die dichte 
Behaarung des Körpers durch die an der Basis abgeschnürten 
vorderen Abdominalsegmente sehr markant. 

Diese Segmente sind nämlich an der Basis stark quer, einge- 
drückt, wodurch die übrige Segmentfläche hoch erhoben erscheint. 

Die Seitenrandlinien des Halsschildes sind stark abwärts ge- 
schwungen, verlaufen ziemlich parallel und sind nur durch einen 
schmalen Zwischenraum voneinander getrennt. 

Die Taster sind schlank, das zweite Glied der Maxillartaster 
ist im Basalteile stark gekrümmt, gegen die Spitze verdickt, das 
Bndglied ist riel dünner als das vorletzte und um ein Drittel länger. 
An den Lippentastern ist das Endglied auch viel schmäler und 
länger als das vorletzte. Die Mandibeln sind lang und schlank und 
am Jnncnrande mit zwei kurzen stumpfen Zähnchen besetzt. 

Der Clypcus ist wulstartig abgesetzt, vor der Mitte mit einem 
tiefen Grttbchen, welches vorn von zwei schief von der Mitte bis 
ober die 1 'iililerwur/,cl reichenden Wülsten begrenzt wird. 

Die Mittelhrust ist hinten kurz und breit stumpfwinkelig vor- 
gezogen, "hm; Kiel, die Mittclhliften sind sehr weit getrennt, die 
Elinterbrnsl zwischen denselben hoch gewölbt. 

helontichus Trenwlerasi nov. spec. 

Niger, nitidus, elytris anoque rufo'testaceis, tarsis ferruglneis, 
cupiic mrixiwo, ijnadralo, Ihoracc multo latiore, hoc fere quadrato, 



Zur Staphyliiiidenfauiia von Südamerika. 



41 



lateribus paulo rotundato, seriebus dorsalibus o-punctatis. elytris 
fortius parce punctatis. 
Long. 8 mm. 

Uruguay (leg. Tre moleras). 

Ganz von der Gestalt des Belonuchus flavipennis Solsky, aber 
mit fünfpunktigen Dorsalreihen, gelber Hinterleibsspitze, auch mit 
ganz anderer Punktierung. 

Schwarz, die Flügeldecken und die Hinterleibsspitze rotgelb, 
die Tarsen rostrot. 

Kopf sehr groß, quadratisch mit verrundeten Hinterecken, 
fast breiter als die Flügeldecken, vorn kurz gefurcht, daselbst ein- 
gedrückt, längs der Mittellinie mit breiter unpunktierter Mittelzone, 
zu deren beiden Seiten mit einer größeren Anzahl von Porenpunkten, 
im Grunde deutlich dicht quergestrichelt. 

Halsschild viel schmäler als die Flügeldecken, so lang als 
breit, an den Seiten schwach gerundet, in den Dorsalreihen mit 
fünf starken Punkten, jederseits noch mit einigen Punkten. 

Flügeldecken etwas länger als der Halsschild, mäßig stark 
und ziemlich weitläufig punktiert. 

Hinterleib ziemlich kräftig und weitläufig punktiert. 

JPhilonthus Hosmanni nov. spec. 

Nigro-aeneus, elytris piceorufis, aeneo-micantibus, antennis 
palpis pedibusque piceis, capite quadrato, oculis minutis, ßwrace 
anterius angustato, latitudine haud longiore, seriebus dorsalibus bi- 
punctatis, elytris subtiliter parcius, abdomine subtiliter densius 
punctatis. 

Long. 5' 5 mm. 

Argentinien, Prov. Buenos A'ires (J. Hosmann). 

Durch die zweipunktigen Rückenreihen und die Färbung 
leicht kenntlich. 

Schwarz mit Erzglanz, die Flügeldecken mehr rötlich, die 
Fühler, Taster und Beine pechfarben. 

Kopf etwas schmäler als der Halsschild, so laüg als breit, an 
den Seiten ziemlich parallel, außer den Randpunkten unpunktiert. 
Augen klein, die Schläfen viel länger als deren Längsdurchmesser ; 



42 



Max Bernhauer. 



die Fühler ziemlich kurz, die vorletzten Glieder ziemlich stark 
quer, die Wurzel rötlich. 

Halsschild so breit als die Flügeldecken, fast breiter als lang, 
nach vorn stark verengt, in den Dorsalreihen mit zwei Punkten, 
von denen der hintere sich etwas hinter dem ersten Viertel der 
Halsschildlänge, der vordere schief nach außen am Vorderrande 
befindet. 

Flügeldecken so lang als der Halsschild, ziemlich fein und 
weitläufig punktiert, fein gelblich behaart. 

Hinterleib fein und ziemlich dicht punktiert und ziemlich 
dicht gelblich behaart. 

Die Beine kurz, das erste Glied der Hintertarsen kaum so 
lang als das Endglied. 

Ein einziges Exemplar. 

Der Seitenrand des Halsschildes ist nicht geschwungen, sondern 
gerade, die Epipleuren bei seitlicher Ansicht nicht sichtbar. 

Philonthus Jenseni nov. spec. 

Niger, elytris obscure rufis, basi lateribusque nigricantibud 
antennis, palpis pedibusque plus minusve piceis, capite angustulo, 
thorace antice sat attenuato, seriebus dorsalibus 6-, rarius 5- aut 
t-punctotiS) elytris minus subtiliter dense, abdomine subtiliter modice 
dense fere asper o-punctatis. 

Long. ~r5 — 7 min. 

Argentinien : Chaunar-Region (Jensen). 

In der Färbung und Gestalt dem Philonthus pallidipes Blanch. 
seht ähnlich, auch sonst nahe verwandt, von demselben jedoch 
durch viel kleinere Gestalt, weniger ausgedehnte rötliche Färbung 
der Flügeldecken, dunklere Ftihlerwurzel und Beine, schmäleren] 
längeren Kopf, kleinere Augen, längere Schläfen, nach vorn stärker 
verengten I lalsseliild, gewölbtere Oberseite desselben, insbesondere 
jedoch durch die kräftigere und weniger dichte Punktierung der 
Flügeldecken und des Hinterleibes leicht zu unterscheiden. 

Von Philonthus rubromaculatus Blanch. schon durch halb so 
kleine (iestalt, die Farbe und viel dichtere Punktierung der Flügel 
decken und des Hinterleibes, den nach vorn stark verengten Hals- 

schild usw. leicht zu unterscheiden. 



Zur Staphylinidenfauna von Südamerika. 



43 



JPhilonthus cribriventris nov. spec. 

Nigerrimus, antennis, palpis pedibusque nigro-piceis, capite 
ovato, thorace antrorsum valde angustato, seriebus dorsalibus 6-punc- 
tatis, etytris densissime asper o-punctatis, abdomine antice dense, 
postice parcius cribrato-punctato. Tarsi postici elongati, articulo 
primo ultimo longior e. 

Long. 6 mm. 

Argentinien, Prov. Tucuman, 19./L 1908 (C. Bruch, H. Rich- 
ter), Chaunar-Region (Jensen). 

Diese Art ist dem europäischen PhilontJius nigrita Gravh. in 
so frappanter Weise fast in allen Punkten gleich und wäre leicht 
mit demselben zu verwechseln, wenn beide Arten gemeinsam vor- 
kommen würden; sie unterscheidet sich von nigrita nur durch 
dichter, kräftiger und deutlich rauher punktierte Flügeldecken und 
ebenso punktiertes Abdomen und etwas geringere Größe. 

Sonstige Unterschiede sind bei den mir vorliegenden zwei 
Exemplaren nicht zu erkennen. 

JPJiilotithus ßavicoxis nov. spec. 

Niger, capite, tliorace elytrisque aeneo-micantibus, coxis anticis 
laete rufotestaceis. Capite subquadrato, inter oculos 4-punctato, punctis 
gemini- approximatis, tliorace anterius haud attenuato, seriebus dorsa- 
libus 5- vel 6-punctatis, etytris fortiter parce, abdomine subtiliter 
sparsim punctatis. Tarsorum posticorum articulus primus ultimo haud 
longior. 

Long. 7 mm. 

Argentinien, Prov. Tucuman, 20./L 1908 (C. Bruch). 

Dem Phüonthus sordidus Grav. im allgemeinen recht ähnlich, 
jedoch schon durch die fünf- oder sechspunktigen Halsschildrücken- 
reihen, die spärliche Hinterleibspunktierung sowie die Färbung 
leicht zu unterscheiden. Insbesondere ist die im Verhältnisse zum 
dunkeln Körper sehr abstechende hellgelbe Farbe der Vorderhüften 
sehr charakteristisch. 

PhilontJius argentimis nov. spec. 

Xiger, capite thorace elytrisque aeneis, capite elongato, inter 
oculos utrinque ptunctis duobus approximatis, thorace elongato, an- 



44 



Max Bernhauer. 



trorsum attenuato, seriebus dorsalibus 5-punctatis, elytris fortius 
parce, abdomine subtiliter sparsim punctatis. 
Long. 6'5 — 7'5 mm. 

Argentinien, Prov. Tucuman (H. Richter). 

Von der vorherigen Art, dem die neue in der Punktierung 
der Flügeldecken und des Abdomens fast vollkommen gleicht, 
unterscheidet sich diese durch die schwarzen Vorderhüften, viel 
längeren schmäleren Kopf und viel längeren und schmäleren, nach 
vorn verschmälerten Halsschild auf den ersten Blick. 

Der Kopf und der Halsschild sind viel länger als breit, letz- 
terer breiter als ersterer, während bei flavicoxis das Verhältnis das 
umgekehrte ist. 

Die Geschlechtsauszeichnung des cT ist bei beiden Arten ziem- 
lich gleich und besteht in einer schwachen seichten Ausrandung 
des sechsten Sternites. 

VMlonthus (Chroaptomns) Michteri nov. spec. 

Speeles pulcherrima, nigerrima, nitidissima, elytris aureo-pur- 
pureis, pedibus pieeo-nigris] capite elongato, postice angustato, thorace 
oblongo, antice parum angustato, seriebus dorsalibus 5-punctatis, 
elytris splendidissimis, punetis paucis munitis, abdomine fere im- 
punetato. 

Long. 9 mm. 

Argentinien, Prov. Tucuman (H. Richter). 

Diese prächtige Art, welche ich Herrn Richter aus Buenos 
A ires freundlichst widme, ist durch die Färbung und den fast voll 
ständigen Mangel der Punktierung auf den Flügeldecken und am 
Hinterleib sofort zu erkennen. 

Tiefschwarz, die Flügeldecken hell purpurgoldig, die Beine 
pechschwarz. 

Kopf etwas schmäler als der Halsschild, länger als breit, ver- 
kehrt eiförmig, nach rückwärts verengt, zwischen den Fuhlen 
wurzeln breit niedergedrückt und schwach quergefurcht, zwischen 
den Augen mit einer Querreihe von vier einander paarweise ge- 
näherten Punkten, hinter denselben, zu beiden Seiten der breiten 
Mittelzone mit einer ^rnlJeren Anzahl von kräftigen Borstenpunkten. 
Fühler ziemlich lang, die vorletzten Glieder quer. 



Zur Staphyliniclenfauna von Südamerika. 



45 



Halsschild viel schmäler als die Flügeldecken, viel länger als 
breit, nach vorne schwach verjüngt, in den Dorsalreihen mit fünf 
Punkten, zu beiden Seiten mit einigen weiteren Punkten, von 
denen zwei voneinander weit entfernte in einer zur Dorsalreihe 
parallelen Linie stehen. 

Flügeldecken wenig länger als der Halsschild, mit einer ge- 
ringen Anzahl sehr feiner Punkte besetzt, sonst spiegelblank. 

Hinterleib außer den Querreihen von Borstenpunkten auf den 
einzelnen Tergiten unpunktiert, spiegelblank. 

Erstes Glied der Hintertarsen gestreckt, jedoch kürzer als das 
Endglied. 

Ein einziges 9. 

Termitoqiieäius nov. gen. 

Op actis, latus, abdomen postice acuminatum. 
Caput trianguläre, iliorax latissimus, epipleura valde inflexa. 
Corpus anticum lateribus dense fortiterque nigrosetosum. 
Antennae tenues, rectae, apicem versus haud incrassatae, dense 
articulatae, articulus primus duobus sequentibits conjiuictis longior. 
Palpi lineares. 

Tarsi quinque-articulati, sat lati et supra depressi. 

Das neue Genus besitzt in der Tribus Quediini eine ganz ab- 
sonderliche Gestalt, die zweifellos auf eine myrmekophile oder termito- 
phile Lebensweise hinweist. 

Der eigentümliche dreieckige Kopf, die Bildung der Fühler 
und Beine ist so eigentümlich, daß die Gattung dadurch sofort zu 
erkennen ist. In dieser Hinsicht ist sie der vorne beschriebenen 
myrmekophilen Paederinengattung Myrmecomedon ähnlich. 

Der Kopf ist breit dreieckig, die Hinterecken abgerundet, an 
der Basis ausgeschnitten; der Halsschild ist sehr breit, doppelt so 
breit als lang, die Epipleuren sehr stark umgeschlagen, bei seit- 
licher Ansicht nicht sichtbar; die Seiten des Kopfes, Halsschildes 
und der Flügeldecken sind dicht mit langen, schwarzen, kräftigen 
Borsten besetzt, der Hinterleib ist nach rückwärts stark verengt. 

Die Fühler sind gleichbreit, ziemlich schmal, die Glieder eng 
aneinanderstehend. Die Tarsen sind auch an den Hinterbeinen 
ziemlich breit, oben flach und gleichbreit. 



46 



Max Bernhauer. 



Termitoqtiediiis Iheringi nov. spee. 

JSfigerrimus, opacus, alutaceas, capite tlioraceque subtilins spar- 
sim, elytris abdomineque subtilissime densitis punctatis, capite thorace 
angustiore. 

Long. 10 mm. 

Brasilien, Rio de Janeiro: Serra Macah6, Oktober 1909 (Dr. 
R. v. Ihering). 

Tiefschwarz, glanzlos, äußerst fein und äußerst dicht chagriniert. 

Kopf um ein gutes Stück schmäler als der Halsschild, viel 
breiter als lang, fein und spärlich punktiert, längs der Mitte un- 
punktiert. Augen ziemlich klein, die Schläfen dreimal so lang als 
ihr Längsdurchmesser. 

Fühler bis zur Spitze gleichbreit, das erste Glied dicker, 
länger als die zwei folgenden zusammengenommen, das zweite kurz, 
das dritte doppelt so lang als das zweite, das vierte um die Hälfte 
länger als breit, die folgenden allmählich kürzer, aber nicht breiter 
werdend, die vorletzten noch länger als breit, das Endglied schmäler, 
an der Spitze asymmetrisch ausgerandet. 

Halsschild etwas breiter als die Flügeldecken, doppelt so 
breit als lang, an den Seiten ziemlich gerade, nach hinten er- 
weitert, vor den Vorderecken stark ausgebuchtet, am Hinterrande 
in der Mitte stark gerundet vorgezogen, gegen die Seiten zu nieder- 
gedrückt, quer gewölbt, ähnlich wie der Kopf punktiert, längs der 
Mitte unpunktiert. 

Flügeldecken so lang als der Halsschild, sehr fein und ziem- 
lich dichl punktiert. 

Hinterleib nach rückwärts verengt, sehr fein und dicht punk- 
tiert, das fünfte Sternit ist am Hinterrande dicht schwarz be- 
wimpert. 

Heterothops formlcetorwm nov. spec. 

Sigra, )/i/i</f(, clytris brunnco-nigris, abdominis ano rufcscente, 
antennarum basi, palpis pr.dibusquc tcslaceis; capite subovato, an' 
guxto, oculis parvulis, temporibus Iiis multo longioribus, thorace 
f t -(i„:<rcrso, cly/ns hoc fere brevioribus, abdomine subtiliter minus 
drhsr punctata. 

Long. ftS 8*2 rimt. 



Zur Staphylinidenfauna von Südamerika. 



47 



Argentinien, Buenos Aires, in den Nestern von Atta Lundi 
von Prof. C. Bruch am 30./VL 1911 und 7./VIII. 1911 entdeckt. 

Größer und breiter als Heterothops bonariensis Lynch, von 
demselben schon durch die viel kleineren Augen sofort zu unter- 
scheiden. 

Die Farbe ist dunkler, ziemlich tiefschwarz, die Flügeldecken 
mehr bräunlich, die Hinterränder der Segmente und die Spitze 
rötlich, die Wurzel der bräunlichen Fühler, die Taster und Beine gelb. 

Kopf schmal, etwas länger als breit, mit kleinen Augen, die 
Schläfen länger als deren Längsdurchmesser, am Innenrande der 
Augen mit zwei Punkten, von denen der hintere etwas vom Auge 
abgerückt ist, am Hinterrande mit vier einander paarweise ge- 
näherten Punkten, hinter den Augen mit einem weiteren Borsten- 
punkte. Fühler ziemlich schmal, gegen die Spitze nicht verdickt, 
die vorletzten Glieder deutlich quer. 

Halsschild so breit als die Flügeldecken, breiter als lang, nach 
vorn geradlinig verengt, mit den üblichen zweipunktigen Dorsal- 
reihen. 

Flügeldecken etwas kürzer als der Halsschild, fein und dicht 
punktiert und grau behaart. 

Hinterleib nach rückwärts deutlich verengt, lang behaart, 
fein und wenig dicht, vorn etwas dichter punktiert. 

IJieringocantharus nov. gen. 

Brevis, convexus, conicus, politus, impunctatus. 
Caput tectum, sub thoracem retr actum. 
Ihorax semicir ciliar is, elytris latitudine aequalis. 
Elytra thorace multo breviora, angulis posticis posterius longe 
acuminato-producto. 

Abdomen marginatum, valde acuminatum. 
Antennae breviter filiformes. 

Palpi maxillares 4-articulati, articulo quarto tenuissimo, 
subulato. 

Epipleura tJioracis omnino, elytrorum valde inflexis. 
Tarsi 6-articulati, filiformes. 

Die neue Gattung ist im Habitus der Gattung Piochardia und 
noch mehr Cephaloplectus sehr ähnlich, gehört aber zu den echten 



48 



Max Bernhauer. 



Tachyporinen und steht ihr die Gattung- Tachyporus systematisch 
wohl am nächsten. Sie unterscheidet sich von letzterer aber außer 
der viel stärker konischen Gestalt durch den unter das Halsschild 
ganz eingezogenen Kopf, den halbkreisförmigen Halsschild, die 
vollständig umgeschlagenen Seiten desselben, endlich durch die 
nach rückwärts sehr stark vorgezogenen Hinterwinkel der Flügel- 
decken und die stark umgeschlagenen, tief ausgehöhlten Epipleuren 
derselben. 

Die Mittelbrust ist stark entwickelt, hinten kaum vorgezogen, 
die Mittelhüften bis an die Basis dicht aneinanderstehend. 

Iheringocantharus ypiranganus nov. spec. 

Bufotestaceus, nitidissimus, impunctaius, thorace longitudine 
duplo latiore, angalis posticis rotundatis, parum productis; elytris 
thorace duplo fere brevioribus, secundum latera longitudinaliter im- 
pressis. 

Long. 3'2mm. 

Brasilien, S. Paulo: Ypiranga. 

Rötlichgelb, stark glänzend, unpunktiert, nur vor den Hinter- 
rändern der Tergite mit je einer Punktreihe, unbehaart, nur an 
den Seiten des Körpers und am Hinterleibe mit einzelnen Haaren 

besetzt. 

Kopf sehr klein, nur ein Viertel so breit als der Halsschild, 
mit großen Augen. Fühler mäßig lang, ihr drittes Glied so lang 
als das zweite, das vierte schwach die folgenden stärker quer. 

Halsschild so breit als die Flügeldecken, doppelt so breit als 
lau-, halbkreisförmig gerundet, an der Basis sanft doppelbuchtigj 
die Hinterecken vcmindet, schwach nach rückwärts gezogen. 

Flügeldecken halb so lang als der Halsschild, längs den 
Seiten breit und tief der ganzen Länge nach ausgehöhlt, die Hinten 
ecken breit und lang nach rückwärts gezogen, der Fortsatz zu- 
gespitzt. 

Hinterleib keilförmig zugespitzt mit breiten, nach hinten sich 
versebiniilernden Hinlerrändern. 

Heim / ist das achte Tergit abgestutzt, das sechste Sternit 
geriindeJ vorgezogen. 



Eine neue Österreichische Tipula. 



49 



Eine neue österreichische Tipula. 

Von 

Karl Czizek (Brünn). 
Mit 2 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 17. Dezember 1911.) 

Von den Tipula- Arten mit weiß und grau gefleckten Flügeln 
(Gruppe Marmoratae) und vi er striemigem Thorax, dessen Längs- 
bänder nicht dunkel gesäumt sind, können jene Arten, bei denen 
der obere Ast der Radialader die Kostalader nicht erreicht, in eine 
natürliche Abteilung gebracht werden, die wieder in zwei Unter- 
abteilungen zerlegt werden kann: 

I. Der obere Ast der Radialader fehlt vollständig: T. mutila 
Wahlgr. 

II. Der obere Ast der Radialader ist vor seinem Ende abge- 
brochen, d. h. er mündet nicht in die Kostalader. Hieher gehören 
von beschriebenen Arten: T. hortulana Mgn., T. variipennis Mgn. 
und T. cinereo-cincta Lm. 

Von diesen Arten ist T. variipennis Mgn. die bei weitem 
häufigste und verbreitetste. Sie ist bekannt aus Norwegen und 
Schweden (Zetterstedt und Wahlgren), aus Livland (Sintenis), 
aus Rußland (Dwigubsky und Fedtschenko), aus England (Ver- 
rall) und aus Holland (v. d. Wulp und Meijere). Aus Deutsch- 
land zählen sie Meigen und Schummel auf, Schiner aus Oster- 
reich; sie wird auch in fast allen faunistischen Verzeichnissen der 
Länder Österreichs und Ungarns als häufig aufgezählt. Ob sie im 
Süden Europas fehlt, kann ich nicht angeben. 

Unter meinen zahlreichen mährischen Stücken der variipennis 
Mgn. fielen mir nun 4 cT und 2 9 auf, die sich schon durch rein 
äußerliche Merkmale — durch die Fühlerfärbung, die Zeichnung 
der Flügel, die Farbe des Hinterleibes etc. — von der echten 
variipennis unterschieden. Die analytische Tabelle in Schiners 
Fauna führte nur auf variipennis Mgn. und die Beschreibung stimmte 
im großen und ganzen recht gut auf die von mir ausgeschiedenen 

Z. B. Ges. 02. Bd. 4 



50 



Karl Czizek. 



Stücke. Auch Schummeis Beschreibung seiner variipennis Mgn. 
enthält nichts, was nicht auch auf die vorliegende Art passen 
würde. Beide Autoren bezeichnen den Hinterleib als schwärzlich- 
grau oder braungrau und Schiner sagt von der Flügelspitze der 
variipennis, sie sei nur sehr blaß bräunlich. Schummel endlich 
erwähnt in den Beiträgen zur Entomologie, III, 1833, p. 39, eine 
Varietät zu variipennis Mgn.: „Bei einer Abart ist bei Männchen 
und Weibchen das dritte Fühlerglied nebst dem zweiten rostgelb 
und der Hinterleib mehr blaßbräunlich rostfarben, mit braungrauer, 
verwaschener Rückenstrieme." Diese „Abart" Schümm eis könnte 
wohl die vorliegende neue Art sein und ich glaube, daß sowohl 
ihm als auch Schiner bei der Beschreibung der variipennis 
Mgn. beide Arten, die echte variipennis Mgn. und die hier als 
neu beschriebene Art, die ich pseudovariipennis nenne, vorge- 
legen seien. 

Volle Klarheit darüber, daß es sich hier nicht um eine Farben- 
varietät der variipennis Mgn. handelt, sondern um eine neue, bis- 
her noch nicht beschriebene Spezies, brachte erst die Untersuchung 
des Ilypopygiums, dessen Umgrenzungsstücke zwar ganz dieselbe 
Form aufweisen wie bei variipennis, dessen obere und mittlere 
An hänge aber bei aller Ähnlichkeit so konstante Abweichungen 
/ inen, daß die neue Art sicher nicht als Varietät der variipennis 
betrachtet werden kann. 

Di«- neue Art hat mit variipennis gemein: die vier außer- 
ordentlich deutlichen Kiickenstriemen, die sich von der Grundfarbe 
des Thorai scharf abheben; die Form der Fühler; die Zeichnung 
der Flügel, namentlich die bei beiden Arten fast ganz wasserklare 
celhila discoidalis posterior (vierte Hinterrandzelle), die abgebrochene 
obere Zinke der Radialader, welche die Kosfa nicht erreicht. 

Sie unterscheidet sich dagegen von variipennis durch folgende 
.Merkmale : 

1. I);is erste IJasalglicd ist grau, an der Spitze riHlichgclb, 
das /weite Itasalglied ist ganz, das dritte Fühlerglied fast bis zu 
der ferdankelten spitze rötlichgelb. 

2. hie, graubraunen Flecke der Flügel sind blässer als bei 
rarUpcunis, die Flügelfläche ist, daher weniger deutlich marmoriert. 

8. Der Hinterleib ist rotgelb, bei variipennis schwarzgrau. 



Eine neue österreichische Tipula. 



51 



4. Die Beine sind ausgebreiteter braungelb und namentlich 
die Schenkel bis auf den schwarzbraunen Spitzenteil gelb. Außer- 
dem sind die Vorderbeine der 9 an der Spitze nicht so stark ver- 
dickt wie bei variipennis und daher weniger robust. 

5. Die Appendices superae und intermediae der Männchen 
beider Arten sind verschieden gebildet. 

Ich lasse nun die Beschreibung der neuen Art folgen. 

Tipula pseudovariipennis nov. spec. 

Ex affinüate Tipulae variipennis; differt colore antennarum, 
alarum maculis pallidioribiis, abdomine ferrugineo, appendicibus 
superis et intermediis alio modo constractis. 

Kopf schwarzgrau; Stirn e grau mit einer gegen den Scheitel 
immer deutlichen dunkleren Längslinie und spärlicher, kurzer 
schwarzer Behaarung; Rüssel und Taster schwarzbraun, ersterer 
an den Seiten schwach rötlichgelb. 

Fühler des cf etwas kürzer als der Thorax; das erste Basal- 
glied rötlichgelb, an der Basis grau bereift, das zweite ganz rot- 
gelb, das dritte rötlichbraun, an der Spitze verdunkelt. Die übrigen 
Geißelglieder schwarzbraun, am Grunde nur wenig verdickt. 

Halsstück rötlichgelb; Pronotum grau, oben mit einem 
braunen Schattenfleck. Thoraxrücken mit den gewöhnlichen vier 
braunen Längsstriemen wie bei variipennis. Brustseiten grau, 
Notopleuraldepression gelb. 

Hüften grau bereift, Schenkelringe gelb. 

Beine schwarzbraun, die Schenkel aber zum größten Teile 
gelb und nur an der Spitze geschwärzt. 

Flügel blässer marmoriert als bei variipennis, aber noch 
immer sehr deutlich gefleckt. Die braunen Flecke liegen an den- 
selben Stellen wie bei variipennis. Doch ist das Randmal blässer, 
der Wisch, der sich von letzterem zur mittleren Diskoidalzelle hin- 
j zieht, ist undeutlicher. Auch der braune Fleck am Ursprünge der 
Radialis ist kleiner und undeutlicher. Ebenso ist der blaßgraue 
i Fleck in der Mitte der hinteren Basalzelle blässer, die Spitze der 
j Basalzelle aber ausgebreiteter graugetrübt, weshalb auch der glas- 
1 helle Fleck zwischen den beiden trüben Schatten dieser Zelle kleiner 
ist und nicht so auffällt wie bei variipennis. 

4* 



52 



Karl Czizek. 



Die Flügelspitze ist deutlich grau getrübt; vor dieser Trübung 
liegt wie bei variipennis eine klare wasserhelle Binde, die immer 
deutlich hervortritt, wenn der Flügel gegen einen dunklen Hinter- 
grund gehalten wird. Dann erscheint auch die cellula discoidalis 
posterior wasserklar. Der Vorderast der Radialis ist abgebrochen. 

Hinterleib rostgelb, die letzten Segmente verdunkelt. Bei 
zwei cT ist der Hinterleib einfarbig rostgelb, bei einem cT wird eine 
nicht sehr deutliche braune Rückenstrieme sichtbar. Der Seitenrand 
der Segmente ist gegen die Bauchseite hin heller gefärbt, so daß 
durch diese Färbung jene hellen Seitenstriemen entstehen, die auch 




Fig. 1. Tipida pseudovarii- 
pennis nov. spec. 

Appendices intermediae. 




Fig. 2. Tipida variipennis 
Mgn. 

Appendices intermediae. 



bei variipennis auftreten. Dagegen fehlen bei pseudovariipennis die 
hellen Binden an den llinterleibseinschnitten vollständig. 

Bypopygium mäßig verdickt, die unteren Endlamellcn 
zarl gelblich, nicht lang und auffallend behaart, Die Lamella ter- 
minalifl Bupera nicht wesentlich verschieden von jener der varii- 
pennis. Die Appendices saperae et intermediae beider Arten zeigen 
in ihrer Anlage zwar große Ähnlichkeit; doch treten schon auf den 
ersten Blick charakteristische Verschiedenheiten in der Bildung 
dieser Anhänge auf. 

Die Appendices superae sind bei beiden Arten rein gelblich, 
aber bei psrudorariijtcnnis (in jeder Lage) viel schlanker gebaut 
und auch viel länger behaart. Auch ist ihr Spitzenteil mehr ab- 
gerundet. 

Die Appendices intermediae bestehen bei beiden Arten aus 
drei Teilen, sind \ on gelblicher Farbe und ohne besonders auf- 



Eine neue österreichische Tvpula. 



53 



fallende Behaarung. Die beiden oberen gegen die Lameila terminalis 
supera gerichteten stumpfen Spitzen sind glänzend braunschwarz. 

Am Unterrande der Appendices, der stark gegen die Innen- 
fläche aufgebogen ist, fällt ein dritter Teil auf in Form eines kleinen 
Zahnes, der bei pseudovariipennis sehr spitz ausläuft, von beträcht- 
licher Größe und glänzend schwarzbrauner Farbe ist. Dieser Zahn 
fehlt bei variipennis zwar nicht, ist aber sehr klein, an der Spitze 
wenig vorgezogen und kaum dunkler als die übrige Fläche der 
Appendices. 

Das Weibchen gleicht dem Männchen; doch ist das erste 
Fühlerglied in ausgebreitetem* Weise grau und die Flügel sind leb- 
hafter und deutlicher marmoriert. Von dem 9 der variipennis unter- 
scheidet es sich: durch das deutlich rote dritte Fühlerglied, durch 
die weniger robusten Beine und die an der Basis ausgebreiteter 
gelb gefärbten, an der Spitze weniger verdickten Schenkel; durclr 
die (im Vergleiche zu variipennis) blässeren graubraunen Flecke 
der Flügel; durch den gelbroten, bei variipennis immer dunkel- 
aschgrauen Hinterleib; 1 ) endlich durch die längere Legeröhre, die 
längere und feinere obere Klappenpaare besitzt. 

Größe: c? 18 mm, 9 20— 22 mm. 

Vaterland: Mähren, Umgebung von Brünn. 27. Mai und 1. Juni 
1911 unter Gebüsch und im Grase. 

Anmerkung: Tip. pseudovariipennis gehört in dieselbe 
Gruppe wie variipennis Mgn., liortulana Mgn. und cinereo- 
cineta Lm. 

Tip. obscurinervis Wahlgr. (Diagnosen neuer schwedischer 
Polyneuren, Entom. Tidskr., 1905), nur im weiblichen Geschlechte 
bekannt, kann mit pseudovariipennis nicht verwechselt werden, da 
bei obscurinervis (nebst anderen Verschiedenheiten) der obere Ast 
der zweiten Längsader vollständig ist. 

Tip. hortulana unterscheidet sich von der neuen Art durch 
viel blässer marmorierte Flügel; auch sind die Basalglieder und 

*) Ein 9 hat allerdings ebenfalls einen grauen Hinterleib, der stark ein- 
geschrumpft erscheint. Ich habe diese Veränderung der ursprünglichen Farbe 
des Hinterleibes auch bei den 9 anderer Arten mit rotgelbem Hinterleibe be- 
obachtet, und zwar stets bei solchen Stücken, die durch den eingetretenen 
Tod an der Eiablage gehindert wurden. 



54 



Karl Czizek. 



das dritte Fühlerglied rein hellgelb, die Taster sind nicht dunkel 
braunschwarz, die vier Rückenstriemen treten nicht so deutlich auf 
und das Hypopygiuni ist anders gebaut. 

Tip. cinereo-cincta Lm. (Acta Soc. pro Fauna et Flora Fen- 
nica, 1907) muß der neuen Art ähnlich sehen; nur sind die zwei 
Basalglieder ganz gelb, das dritte an der Basis gelb, der Hinterleib 
ist rostgelb mit drei Striemen, der erste Hinterleibsring grau, an 
der Basis schmal gelblich. Die Flügelzeichnung (1. c, Fig. 35) 
stimmt nicht mit psendovariipennis, denn die weiße Binde hinter 
dem Randmal reicht bei cinereo-cincta nur bis in die mittlere Dis- 
coidalzelle und die vierte Hinterrandzelle ist ganz grau. Auch die 
Zeichnung, die vom Hypopygium in Fig. 21 und 22 gegeben wird, 
stimmt nicht auf die vorliegende Art. 

Tipula hiridorostris und siibmarmorata Schümm. (vonVerrall 
als Synonymica zu T. hortulana Mgn. gezogen) sind mit pseudo- 
variipennis nicht identisch. 



Ein weiterer Beitrag 1 
zur künstlichen Schwarzfärbung des ge- 
fleckten Salamanders (Salamandra macu- 
losa Laur.). 

Von 

Alois Gaisch (Wien). 

(Eingelaufen am 19. Dezember 1911.) 

Daß Reptilien und Amphibien unter dem Einflüsse der Boden 
tobe, der Feuchtigkeit (respektive Trockenheit) und der mehr oder 
minder intensiven Belichtung ihre Hautfarbe verändern, wurde auf 
experimentellem Wege namentlich durch Kämmerer bewiesen. 1 ) 

') Cammerer P., „Experimentell erzielte Übereinstimmungen zwischei 
Tier- und llo.li'nfarbe". Dies«: „ Verband hingen«, LVTII, p. 120, 1908. 

Derselbe, „Direkt induziert«! I'arbanpas.sunßen und deren Vererbung"! 
XutM lii. f. induktive Abstammung- u. Vererbungslehre, IV, p. 279, 1011. 



Ein Beitrag zur künstl. Schwarzfärbung des gefleckten Salamanders. 55 



So verliert nach diesem Autor der Feuersalamander (Sala- 
mandra maculosa Laur.) unter dem Einflüsse dunkler Bodenfarbe 
und relativer Trockenheit (soweit nämlich ein Salamander Trocken- 
heit verträgt) seine charakteristische Zeichnung und wird fast schwarz. 
Dies vollzieht sich sowohl dadurch, daß die gelben Makeln allmäh- 
lich gegen das Zentrum zurückweichen und schließlich ganz ver- 
schwinden können, als auch durch Verdüsterung der übrig ge- 
bliebenen Flecke. Kontrollversuche mit schwarzem Papier (Iso- 
lierung der Farbenwirkung) und relativ trockenem Sand (Isolierung 
der Feuchtigkeitswirkung) zeigten, daß das Kleinerwerden der 
Flecken der Farbe des Bodens, das Düsterwerden seinem Feuch- 
tigkeitsgehalt, beziehungsweise seiner geringen Feuchtigkeits- 
menge zuzuschreiben ist. 

Nun ist mir selbst zufällig und ohne daß ich mich mit dem 
Gedanken trug, zu experimentieren, die Farbkleidänderung bei einem 
Exemplar der genannten Art in angegebener Weise gelungen. 

Anfang Mai 1911 erwarb ich ein mittelgroßes Stück einer 
Salamandra macidosa, die, wie ich annehmen darf, aus dem 
Wienerwalde stammte. Ich setzte das Tier in mein Aquaterrarium, 
in das ihm zwei Wochen später noch zwei Stück gleicher Art 
folgten. 

Der Landteil des Behälters hat als Bodenfüllung Torfmull, 
der von schwarzer Farbe und infolge seiner Konsistenz zwar 
stets feucht, nie aber naß ist. Der ganze Behälter steht vor 
einem nach Süden gerichteten Fenster und hat 4 — 5 Stunden täg- 
lich direktes Sonnenlicht. Den Tag über waren die Tiere meist 
unter Moosplatten verkrochen, erst mit hereinbrechender Dunkel- 
heit wurden sie munter. Aus diesem Grunde sah ich sie auch 
wenig; um so mehr war ich erstaunt, als ich ungefähr drei Monate 
später bei einem der Salamander eine Änderung seiner Zeichnung 
bemerkte. Die Änderung war so auffallend, daß ich das Tier sofort 
genauer untersuchte. Es erschien mir nämlich so merkwürdig dunkel, 
daß ich im ersten Moment meinte, es sei mit Torf verunreinigt. 
Doch nach sofort vorgenommenem Bade konnte ich konstatieren, 
daß es mit der Farbkleidänderung seine Richtigkeit hatte: 

Die Flecke waren viel kleiner geworden; ob einige 
schon verschwunden waren, wage ich nicht zu entscheiden, da ich 



56 



Alois Gaisch. 



ja das Tier bis zur in Rede stehenden Entdeckung nicht kontrol- 
liert hatte. Außer ihrer Verkleinerung hatten die Flecke einen 
düsteren Ton angenommen und es traten innerhalb ihres Grenz- 
bereiches eine Menge feiner schwarzer Pünktchen auf. 

Eines Morgens sah ich den Salamander tot im Wasserteil 
des Behälters. Ich kann nur annehmen, daß er ertrunken sei, denn 
ich hatte vorher keine Veränderungen in seinem Benehmen beob 
achtet: das Tier war bis ganz zuletzt entschieden gesund gewesen 
In meiner Annahme wurde ich bestärkt, als ich bei näherer Be 
trachtung sah, daß das Tier im Häuten begriffen gewesen war. An 
einigen Stellen hatte sich die alte Haut gelöst und ich erblickte 
wieder das helle Gelb von ehedem. Die Verdüsterung der Flecke 
war somit in demjenigen Grade, wie sie sich zuerst gezeigt hatte 
nur durch den Iläutungsprozeß vorgetäuscht gewesen; immerhin 
zeigte die mikroskopische Untersuchung eines Hautstückes, daß sich 
massenhaft schwarzes Pigment ins gelbe eingelagert hatte, 
was bei den gelben Flecken in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit 
nie der Fall ist. Jetzt erst vermochte ich auch so recht festzu 
stellen, in welch außerordentlichem Ausmaß die Verkleinerung der 
Flecke Platz gegriffen hatte: z. B. die Flecke an den Flanken 
waren auf Hanfkorngröße zusammengeschmolzen. 

Die Wahrnehmung Wiedemanns, von welchem ebcnfall 
eine Bestätigung des Kammererschen Versuchsresultatcs durch 
direkte Beobachtung vorliegt, nämlich ein gleichzeitiges Auftreten 
gelber Tttpfelzeichnung auf der Bauchseite, war nicht zu kon- 
statieren; sehr begreiflich, denn diese kleinen isolierten Flecke 
entstehen, wie Kammerer und ebenso Wiedemann 1 ) angeben, 
nur bei großer Feuchtigkeit, was bei mir entschieden nicht zutraf. 

Warum aber ist der beschriebene Umfärbungsprozcß nur an 
dem einen Individuum vor sich gegangen und nicht auch an den 
beiden anderen Salamandern, die doch mit ihm unter denselben 
Daseinsverbältnisgen lebten V Denn trotz wiederholten Nachsehens 
habe leb an ihnen bis heute noch keine Veränderungen wahr- 
nehmen können, Während bei Kammerer alle im selben Behälter 

Wiedeinann M., J tber FÄrburitfHveriin<lenuitf bei Salamandra ma- 

culo$a Laar, unter dem Einflüsse dunkler Bodenfarbe und Peuchtigkeli 
Z0OL Anzeiger XXXVII, Nr. 8/9, p. 179, 1911. 



Ein Beitrag zur künstl. Schwarzfärbung des gefleckten Salamanders. 57 



lebenden Versuchstiere gleichsinnig verändert waren. Um den 
scheinbaren Widerspruch zu beheben, möchte ich auf die Uber- 
raschend kurze Zeit hinweisen, innerhalb welcher der eine Sala- 
mander die Umfärbung vollzog, während bei den Kamm er er sehen 
Experimenten stets mehrere Jahre dazu erforderlich waren; die 
Umfärbungszeiten werden wohl auch dort keine gleichmäßigen ge- 
wesen sein, denn für manche Tiere gilt es jedenfalls, Vererbungs- 
tendenzen zu tiberwinden, die nach der entgegengesetzten Rich- 
tung streben, in unserem Falle nach vorwaltender Gelbfärbung; 
endlich spielen Altersunterschiede, welche auch in Abwesen- 
heit von bedeutenden Größenunterschieden zutreffen können, eine 
große Rolle. 

Obwohl der Umfärbungsprozeß sicher weitergegangen wäre, 
wenn das Tier nicht vorzeitig abgestorben wäre, und obwohl die 
beiden anderen Exemplare die Erscheinung bis jetzt nicht zeigten, 
wollte ich doch nicht unterlassen, die beobachtete Tatsache an 
dieser Stelle wiederzugeben, als neuen Beweis für die Richtigkeit 
der von Kamm er er beschriebenen Versuchsergebnisse. 



Uber einige seltene Hymenopteren aus Tirol. 

Von 

Franz Fr. Kohl. 

(Mit 7 Figuren im Texte.) 
(Eingelaufen am 27. Februar 1912.) 

Hinter dem Wildbade „Ratzes am • Schiern" (Südtirol), da, 
wo die Gehänge dieses majestätischen Dolomiten mit ihrem be- 
wachsenen, feuchten Fuße das breite und zum Teile trockene Bett 
des Frötschbaches (Tschapitbaches) berühren, entspringen kristall- 
klare Wässerchen und rieseln über den weißen Dolomitschotter. 
An ihnen haben sich zahlreiche größere und kleinere Büschel von 
Stämmchen der Saxifraga aizoides L. angesiedelt, welche zur Zeit 
der Blüte mit ihren gold- und orangegelben Blumensternen ein 



58 



Franz Fr. Kohl. 



liebliches Bild gewähren. Bescheint nun an windfreien Sommer- 
tagen die südtirolisehe Sonne diese Saxifragen, so herrscht auf 
ihnen ein bewegtes Insektenleben. Herrn. Müller verzeichnet in 
seinem Werke „Alpenblumen, ihre Befruchtung durch Insekten", 
Leipzig, 1881, p. 96 nicht weniger als 126 Insektenarten aller Ord- 
nungen — darunter 19 Hymenopterenarten — , welche er als Be- 
sucher und Befruchtungsvermittler der proterandrischen Saxifraga 
aizoides beobachtet hat. 

In den letzten Jahren habe ich auf dem erwähnten Stand- 
orte im Juli und August eine größere Anzahl von Hymenopteren 
als Befruchtungsvermittler der S. aizoides gesammelt, von denen 
mir einige einer besonderen Beachtung wert scheinen, nicht vom 
blütenbiologischen Standpunkte aus, sondern vom systematischen. 

Von Evaniiden trieben sich auf S. aizoides mit besonderer 
Vorliebe und in größerer Anzahl herum: Gasteruption äff "ectator L., 
G. longigena Thoms. und G. floreum Szepl. 

(•asteruption longigena Thomson ist den Monographen der 
Evaniiden A. Schletterer und J. J. Kieffer unbekannt geblieben; 
beide nehmen in ihren Arbeiten (Ann. nat. llofmus. Wien, IV, 
1889, p. 399—, resp. Spec. Hym. d'Eur. et Alg., VII bis , 1902, p. 440) 
die Angaben über longigena nur aus der Thomson sehen „Ofversigt 
af de i Sverige funna arter af Hymenopter-slägtet Foenits" (inj 
Opusc. Ent. fsc, IX, p. 849, cf, 9). Auch V. Szepligeti scheint 
diese Art unbekannt geblieben zu sein, da er sie in seiner Be- 
stimmungstabelle der paläarktischen G asteruption- Arten des Unga- 
rischen Nationalmuseums (Ann. Mus. Nat. llung., I, p. 267, 1903) 
oichf aufgenommen hat. — In Ratzes (1200 m s. m.) habe ich von 
dieser Art auf Saxifraga aizoides 10 9 und 3 cf gefangen. In der 
Bammlang des Natnrhistorischen Hofmuseums in Wien stecken auch 
3 von Herrn Kustos A. Ilandlirsch auf dein Stilfser Joche ge- 
sammelt (29./VIL, 4. /VIII., 20./VIII. 1888); sie befanden sich 
unter den von Schletterer als G. affectator L. bestimmten Stücken. 
Wenn man die Konfiguration des Hinterkopfes und der Schläfen 
niehl ^enau berücksichtig! und auf die Wangenbildung nicht achj 
nimmt. 90 ist ein«' Verwechslung mit dem so ähnlichen G. affectator 

in der Tat sehr leicht möglich. 



Ueber einige seltene Hymenopteren ans Tirol. 



59 



Unterschiede von G. affectator und longigena: 

G. affectator L. 9. G. longigena Thomson. 9. 

1. Wangen viel kürzer als das 1. Wangen so lang als das erste 
erste Geißelglied. Vgl. Fig. 1. Geißelglied. Vgl. Fig. 2. 




@ Q 9 



Fig. i. 




Fig. 2. 





Fig. 3. 



Fig. i. 



Fig. 1. Hinterhauptansicht von G. affectator L. 9- _ Fig. 2 - Hinterhaupt- 
ansicht von G. longigena L. 9- — Fig. 3. Schlaf enansicht von G. affectator L. 9' 
Fig. 4. SchLäfenansicht von G. longigena Th. 9« 



2. Zweites Geißelglied reichlich 
zweimal so lang als dick, un- 
gefähr so lang als das dritte 
und etwal 2 / 3 malso 
lang als das erste. 

3. Hinterhaupt nach 
hinten ein klein 
wenig stärker kon- 
vergent und länger, 
man vgl. die Fi- 
guren 1 und 2. 




Fig. 5. 
Schienen- 
keule von 
G. affecta- 
tor L. 9. 



Die untere Schlä- 
fenhälfte kräftiger 
als bei longigena; vgl. Fig. 3 



5. Die Kerbfurche, welche das 
Mesonotum in eine vordere 
und hintere Partie scheidet, 
ist namentlich hinten sehr 
deutlich gekerbt. 




2. Zweites Geißelglied kaum zwei- 
mal so lang als dick, nur 
unbedeutend kürzer als das 
dritte, 1*5 mal so lang 
als das erste. 

3. Hinterhaupt nicht 
ganz in demselben 
Maße nach hinten zu- 
sammenneigend, ein 
klein wenig kürzer; Fio . 
man vgl. die Figuren Schnsnen- 
2 und 1. keulevon 

4. Die untere Schläfen- G - lon 9 i ~ 
hälfte erscheint von 9 en " Th - 
der Seite besehen 

im ganzen sichtlich schmäch- 
tiger; vgl. Fig. 4. 

5. Die Kerbfurche des Mesono- 
tum läßt eine Kerbung nicht 
deutlich erkennen, ein Merk- 
mal, das für die Unterschei- 
dung gut verwendbar ist. 



60 Franz F 

6. Basalteil der Hinterscliienen 
nicht in der Ausdehnung* ver- 
engt wie bei longigena. Fig. 5. 

7. Basairinge der Schienen (Halb- 
ringe) zum Teile wenigstens 
blaßgelb. 

8. Metatarsus der Hinterbeine 
meist schwarz, seltener dunkel 
gelbbraun. 

9. Runzelung des Mittelsegmentes 
sichtlich derber als bei longi- 
gena. 



r. Kohl. 

6. Basalteil der Hinterschienen 
in längerer Strecke verengt, 
Fig. 6. Keule etwas schwächer. 

7. Basalhalbringe der Schienen 
rötlich scherbengelb bis braun- 
rot, nirgends rein gelb. (Ob 
stets?) 

8. Metatarsus der Hinterbeine 
meist braungelb, nie schwarz. 

9. Runzelung des Mittelsegmentes 
verhältnismäßig fein, sichtlich 
feiner als bei affectator. 



Das cf von longigena gleicht dem 9 auch in bezug auf Wangen- 
bildaog, Geißelgliederverhältnis, Schläfenbildung und Hinterscliienen- 
keulendicke. 

Neben G. longigena schwärmte auf Saxifraga aizoides auch 
das G. floreum Sz. Diese gut beschriebene Art glaube ich in 42 9 
und 6 ci 1 mit Gewißheit zu erkennen; sie ist schon einmal be- 
schrieben worden, und zwar als „6r. subtile Thomson" von Schlet- 
terer. Wenn Schletterer in dieser Beschreibung analog der 
Thomson sehen Beschreibung („mesonoto omnium subtilissime coria- 
ceo u — Opusc. Ent. fsc, IX, p. 447, 9) schreibt „Notuni subtilissime 
coriaceum u 'Ann. naturh. Hofmus., IV, 1889, p. 425), so entspricti 
es nicht ganz der Wirklichkeit, wie mich die Untersuchung der 
Beb letterer sehen Originalstücke (in der Sammlung des k. k. Natur- 
historischen Iiofmuseums) lehrt. Das Mesonotum ist bei diesen, wie 
Szepligeti angibt, fein querrunzelig. Bei geringer Lupen ver- 
größerung mag diese Skulptur immerhin fein lederartig scheinen. 
Zwischen den Querrunzelstreifchcn, die zum Teile anastomosiereij 
nebt man bei stärkerer (65 f.) Vergrößerung auch noch zerstreute 
Pünktchen. Ks ist nicht unmöglich, mir scheint es sogar wahr- 
icheinlicb, daß Thomson dieselbe Ungcnauigkeit bei der B« 
Schreibung des G. subtile begangen hat wie Schletterer. Der 
Sicherheit wegen siehe ich den Szepligetischen Namen „floreum* 
vor und stelle als lieberes Synonym G. subtile Sehlettcrer(!) und 



Ueber einige seltene Hymenopteren aus Tirol. 61 



als zweifelhaftes G. subtile Thomson (?) hinzu. Bei meinen sämt- 
lichen Stücken des G. floreum zeigt sich am Hinterhauptsrande in 
der Mitte ein kleiner Eindruck, der wie ein Grübchen aussieht 
und auch bei den Schlettererschen Stücken nicht fehlt. Im Natur- 
historischen Hofmuseum befindet sich auch ein cf dieser Art aus 
Deutschland (Iburg-Fr. Sick mann leg.); es hat ebenfalls das Grüb- 
chen am Hinterhauptsrande. Szepligeti erwähnt von diesem Grüb- 
chen nichts. — Von Gasteruption habe ich außer den erwähnten 
Arten auf Saxifraga aüoides auch noch ein 9 des Thomsonii 
Schletterer gefangen. 

Von Pompiliden fand ich außer dieser Saxifragee den 
Pompilus consobrinus jDahlb. (cf, 9), P. haereticus Tourn. (cf, 9), 
die Pseudagenia albifrons Dahlm. und punctum und Cerqpdles ma- 
culata. — P. haereticus Tourn. ist hier ziemlich häufig. Nach Chr. 
Aurivillius: Entom. Tiskr., 1907, p. 21, ist diese Art gleich dem 
P. concinnus Dahlb. Ob dies wirklich der Fall, ist nicht ganz 
sicher. Bei den Stücken, die Aurivillius vor sich gehabt hat, mag 
es wohl der Fall sein, obwohl gewisse für den P. haereticus cha- 
rakteristische Merkmale nicht erwähnt sind. 

P. haereticus unterscheidet sich im weiblichen Geschlechte 
von dem sonst ähnlichen nigerrimus Scop.: 1. durch die ziemlich 
auffällige abstehende Behaarung des Kopfes und Prothorax (bei ni- 
gerrimus sind die Haare nur zart und vereinzelt); 2. die dünneren Füh- 
ler des 9 (bei haereticus 9 ist das zweite Geißelglied fünfmal so lang 
als am Ende dick, das dritte viermal, bei nigerrimus 9 das zweite 
nur viermal und das dritte kaum dreimal); 3. die Beine sind bei 
nigerrimus ein wenig länger als bei haereticus, die Schenkel etwas 
dünner; 4. der längere Hinterschienensporn ist bei haereticus cf 
ungefähr zwei Drittel mal so lang als der Metatarsus, bei niger- 
rimus kaum kürzer als dieser. — Wie bei nigerrimus sind auch 
die Klauen der cf bifid. Auch die letzten Sternite des cf zeigen 
bei diesen beiden Arten viel Ähnlichkeit. 

Von Chrysiden wurde auf S. aizoides ein Stück der seltenen 
Chrysis hirsuta Gerst. gesammelt. 

Von Fossorien fanden sich auf S. aizoides bei Ratzes: in großer 
Zahl Mimesa carbonaria Tourn. (cf, 9), Cr. (Ihyreopus) rhaeticus 
Aich., mehr vereinzelt Diodontus Handlirschii Kohl, sehr selten 



62 



Franz Fr. Kohl. 



Cr. (Ihyreopus) alpinus Imh. und Gorytes lunatus Dahlb., in drei Exem- 
plaren auch noch die beiden Geschlechter einer neuen Nysson- Art. 

*JS"ysson Ganglbmieri Kohl iioy. spec. 

Long. 5 — 6 mm. Niger, tergitum I mum } latera II di et sternitum 
jjdum rufa; pubescentia quaedam alba. Tergita 1—3 atrinque macula 
linear l albida siibpostmarginali (ebumea) signata. Pedes ex maxima 
parte nigri, tarsi fusconigri nonnunquam rufescentes. Area radialis 
dl. ant. quam in N. dimidiato Jur. longior, areolam cubitalem 3 tiam 
evidenter superat. 

Sternitum secundum antice rotundatum. Pars inferior temporum 
haud marginata. 

Pleurae mesothoracis evidenter subtilius punctatae quam in N. 
dimidiato Jur. et tridente Gerst. 

Punctatura mesonoti densa (haud coarctata) modo N. dimidiati, 
sed evidenter subtilior. 

Punctatura tergiti primi subsparsa, subtilissima. 
cT. Margines posteriores stemiti 2 di — l) ü haud ciliati. Anlen- 
narum art. apicalis elongatus, subcurvalus, duobus anteeedentibiis 
stund sumptis fere longior (Fig. 7). Scgmentum dorsale abdominis 
ymum subtridentatum. 

Von X. di wirf latus Jur. ist diese Art besonders verschieden 
durch die etwas feinere Punktierung- von Kopf und Mesonotum, die 
weit feinere Runzelung und Punktierung der Mittelbrust- 
sli ick seiten (cT, 9), die viel feinere Punktierung des Ab- 
domens, besonders des ersten Sternites (d", 9), die fast 
ganz schwarzen Beine (cT, g), die längere Radialzella 
Fig. 7. welche die dritte Kubitalzelle stärker überragt, so daß 
Fühler von <j er Radialaderschenkel des gebildeten Winkels sichtlich 
N. Gongt |grjger ist als der Kubitalqueradersehonkel, während diese 
hei dtmirfiatnx ungefähr gleich lang sind (d", 9), die 
Form der Fiihlcrgcißel, zumal des Endgliedes (Fig. 7, cT), 
des Bndtorgitofl (r,''i. Von dem N. Iridens (ierst. unterscheidet sich 
Oanglbaueri besonder! durch die Form der Ftihlergcißel und deren 
Endgliedes (d 1 ), die viel zartere, sehr feine Punktierung des Ab- 
domens und die ebenfalls viel zartere Skulptur der Mesothorax- 
seiten. 




Ueber einige seltene Hymenopteren aus Tirol. 



63 



Diese Art habe ich meinem alten Freunde und Kollegen, 
dem Koleopterologen Ludwig Gangibauer zubenannt. 

Von selteneren Fossorien seien hier zum Schlüsse einige tiro- 
lische Fundorte angeführt. Die mit * bezeichneten Arten sind für 
Tirol neu. 

Ammophila alpina Kohl. Patscherkofel bei Innsbruck. Radein 

in Südtirol (1600 m). 
Mimesa Dahlbomii Wesm. in Radein (1600 m). 
Passaloecus eremita Kohl. Seiser Alpe (1800 m). Innsbruck 

(Friese leg.). 

I Pemphredon podagricus Chevr. Innsbruck (2 cT, Friese leg. 
24./V., 2./VL). 

Tachysphex lativalvis Thoms. Bad Ratzes (1200 m, cT). 

Astata Vanderlindenii Rob. Riva (6./VIL). 

Gorytes (Hoplisus) Schlettereri Handlirsch. Reschen. 

* Alyson Ratzeburgi Thoms. (Handl.). Innsbruck (5./VI. 1895, 

Friese leg.). Bad Ratzes (VII.). 
Nysson tridens Gerst. St. Pauls (Schletterer leg.). 
Nysson mopsus Handlirsch (in diesen „Verhandlungen", Bd. 48, 

p. 484, 1898). Bozen. 

* Oxybelus monachus Gerst. Alle Sarche (Handl. leg.). 
Crabro (Coelocrabro) barbipes Dahlb. Bei Ratzes in großer 

Zahl gefangen: auf Fraatinus, Fopuhis tremula, Saxifraga 
aizoides L. (VII. — VIII., c?, q). Die Unterschiede des Cr. 
barbipes von carbonarius hat bereits Thomson der Haupt- 
sache nach angegeben; jener unterscheidet sich aber von 
diesem außerdem noch durch die nach hinten mehr konver- 
gierenden seitlichen Konturen des Scheitels und Hinter- 
hauptes und die davon abhängige, etwas geringere Schläfen- 
dicke, die dichtere, wenn auch sehr feine Punktierung des 
Kopfes und Mesonotums, den auffallend langen Hinterleib 
der cT und die etwas schlankeren Beine, besonders erscheint 
die Hintertarse in ihren Teilen dünner, der Metatarsus 
länger. 

Crabro (Thyreopus) alpinus Imh. Seiser Alpe bei 1800 m. 



64 



Adolf Steuer. 



Phaoplanktonische Copepoden aus der 
südlichen Adria. 

Von 

Prof. Dr. Adolf Steuer (Innsbruck). 

Mit 5 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 8. Januar 1912.) 

Das vorliegende, nicht sehr reichhaltige Material wurde in 
den Jahren 1910 und 1911 in der Gegend von Pelagosa, Busi und 
Comisa (auf Lissa) in Landnähe gesammelt und mir von Herrn 
Prof. K. Babiö (Agram) zur Bestimmung übergeben. Da sämtliche 
Fänge an der Oberfläche oder nur in sehr geringer Tiefe gemacht 
worden waren, wurden fast ausschließlich phaoplanktonische Cope- 
poden erbeutet, die, wie ich schon früher (1910) *) zeigen konnte, 
in der Adria weit verbreitet vorkommen. 

Die gefundenen Arten des Genus Corycaeus wurden in die 
folgende Liste nicht aufgenommen, da eine umfassende Bearbeitung 
dieser sehr revisionsbedürftigen Gattung von anderer Seite in Aus- 
sicht genommen ist. 

Von zoogeographischem Interesse ist die Auffindung zweier 
tvehoplanktonischen Harpacticoiden aus den Gattungen Ecünosoma 
und Microthülcstris. 

Dem Entgegenkommen des Herrn Prof. Babid verdanke ich 
die Einsichtnahme in einige mir hier nicht zugängliche Arbeiten 
über dies«; Harpacticiden aus der Agramcr Bibliothek. 

(i) Pelagosa, 27. /V. 1911, zwischen 10—11" a. m. 
Calanus ßnmarchicus (Gunn.). 
Mecynocera clausi Thompson. 
Vara calanus jtarvus (Cls.). 
< 'Imisorulanns areuicornis (Dana). 

■j .Virilit. Plftnktonoopepoden. Sitzungsber, d. kaiw. Akad d. WinN. in 
\\ m „. vukth Bfttarw. Kl , Bd. i L9, p. 5 (1909). 



Phaoplanktonische Copepoden aus der südlichen Adria. 



65 



Centropages typicus Kröyer. 
Acartia clausi Giesbr. 
Oithona similis Cls. 
Microsetella norvegica Boeck. 
Microthalestris littoralis Sars. 
Oncaea media Giesbr. 
Corycaeus spec. 

(2) Pelagosa, 27./V. 1911, ll h a. m. Oberfläche und Im Tiefe. 

Oithona nana Giesbr. 
(3—5) Pelagosa, 27./V. 1911, 7 h p. m. 

Mecynocera clausi Thompson. 

Paracalanus parvus (Cls.). 

Clausocalanus arcuicornis (Dana). 

Gtenocalanus vanus Giesbr. 

Heterorhabdus [papilliger (Cls.) ? juv.]. 

Acartia clausi Giesbr. (nur ein vertrocknetes Exemplar). 

Oithona plumif er a Baird (nicht 0. atlantica Farranl908!). 

Oithona similis Cls. 

Microsetella norvegica Boeck. 

Oncaea mediterranea Cls. 

Corycaeus spec. 

Anmerkung. In dem Fang- 4 fand sich u. a. ein Exemplar 
der interessanten Cirripedienlarve Proteolepas hanseni Steuer, die 
bisher nur aus dem Triester Golf bekannt war (vgl. Steuer, Über 
eine neue Cirripedienlarve . . . Arb. zool. Inst. Wien, Bd. 15, 1905). 

(6—7) Blaue Grotte von Busi, 8./VI. 1910. Horizontalfang. 
Paracalanus parvus (Cls.). 
Clausocalanus spec. juv. 
Acartia clausi Giesbr. 
Oithona plumif er a Baird. 
Oithona nana Giesbr. 
Ectinosoma melaniceps Boeck. 
Microsetella norvegica Boeck. 
Microsetella rosea Dana. 
Oncaea media Giesbr. 
Corycaeus spec. 

Z. B. Ges. 62. Bd. 5 



66 



Adolf Steuer. 



(8—9) Comisa auf Lissa, 7./VI. 1910 und 16./V. 1911. 

Paracalanus parvus (Cls.). 
Clausocalanus arcuicornis (Dana). 
Clausocalanus furcatus (Brady). 
Oithona plumifera Baird. 
Oithona similis Cls. 
Oithona nana Giesbr. 
Microsetella norvegica Boeck. 
Oncaea media Giesbr. 
Corycaeas spec. 

Bemerkungen zu den beiden für die Adria neuen 
Harpacticoiden. 

Ectinosoma melaniceps Boeck, 1864. 

Syn.: ? Cantliocamptus minuticornis Baird (non Müller), n. 
Sars, 1904. 
Tachidius minutus Claus, 1866. 

Ectinosoma minutum (Cls.) bei Canu, 1892, n. van 
Douwe in litt. 

Das einzige in der „Blauen Grotte von Busi" gefischte Exem- 
plar (9, Rumpflänge 55 mm) ähnelt am meisten dem E. melaniceps 
Boeck. Sehr auffällig ist die Skulptur des Panzers (Fig. 1, 2), die 
bei keiner anderen Art dieser Gattung bisher beobachtet worden 
zu sein scheint. Es finden sich nämlich fast an jedem Segment in 
symmetrischer Anordnung hellglänzende, halbmondförmige bis nahezu 
kreisrunde Chitinwälle, die vielleicht die AusmUndung von Haut 
driisen umschließen. An der Furca (Fig. 3) fällt die hohe Insertion 
der beiden längsten und dicksten Borsten auf. 

Die Oberlippe (Fig. 4) erinnert in ihren Umrissen an die von 
/','. noriHinti Scott nach der von Sars 1904 (Crust. of Norway, 
Bd. 5, Taf. 19, Fig. 2 L.) gegebenen Zeichnung. An meinem 
Exemplar ließ sieb feststellen, daß die gerade verlaufende Ventral- 
linie von zwei Ausbuchtungen flankiert wird, deren Ventralrand 
wellig gebogen ist. Im Bau des fünften Fußes (Fig. 6) stimmt mein 
Exemplar mit dem /,'. wAaniceps llberein. Die Außenborste am 
medianen Fortsatz des Basalgliedes ist sehr kurz und breit. Die 



Phaoplanktonische Copepoden aus der südlichen Adria. 



67 



dünne zweite Außenborste des Endgliedes ist nicht auf die Glied- 
fläche gerückt, sondern sitzt auf einem besonderen Fortsatz; dieses 
Merkmal teilt unsere Form mit E. melaniceps der Autoren, aus- 
genommen E. m. Boeck (?) var. bei Th. Scott, 1902 (VIII. Notes 
on gatherings . . . Twenteeth Ann. Rep. Fish. Board Scotland, Taf. 22, 
Fig. 15), ferner mit E. normani Scott, austräte Brady (1899, zu 
dem E. antarcticum Giesbrecht 1902, nach Sars 1905 [Pacif. PI. 




Fig. 1. Fig 4. Fig. 3. Fig. 5. 



Copep.] synonym sein soll) sowie mit tennipes T. et A. Scott (1894) 
und dem fraglichen E. minutum (Cls.). 

Auf meine Bitte hin hatte Herr Ing. van Douwe (München) 
die Freundlichkeit, sein Harpacticiden -Material aus Rovigno durch- 
zusehen. Darunter fanden sich Ectinosomen, die van Douwe für 
typische E. melaniceps ansieht. An einem der mir gütigst zur Unter- 
suchung überlassenen Exemplare fand ich auch wenigstens an- 
deutungsweise jene Panzerskulptur, die ich nach dem einzigen, mir 
aus der „Blauen Grotte" vorliegenden Tiere oben näher beschrieben 
habe. Herr van Douwe hat ferner seine Ectinosomen eingehend 
mit der von Canu (Copep. du Boulonnais, 1892, p. 153) gegebenen, 
leider nicht von Figuren begleiteten Beschreibung des Ectinosoma 

5* 



68 



Adolf Steuer. 



minutum (Cls.) verglichen und hält die Claus sehe Art für synonym 
zu E. melaniceps, eine Ansicht, der ich mich vorläufig anschließen 
möchte. Auffallend ist jedenfalls, daß Canu und Cligny in einer 
Arbeit (Note sur les copep. marins de la region d'Omonville — la 
Rogue [Manche] et de la fosse de la Hague, 1901, p. 228 und 229) 
E. melaniceps und minutum anführen, ohne anzugeben, wie sie 
beide Arten unterscheiden konnten. Nach Canu ist ferner Tachi- 
dins pygmaeus, den Kritschagin 1873 aus dem Schwarzen Meer 
beschrieb, mit E. minutum identisch. Meine Bemühungen, die 
(russisch geschriebene) Arbeit Kritschagins zu erlangen, sind 
leider bisher erfolglos geblieben. 1 ) 

Ectinosoma melaniceps (im weiteren Sinne) hat offenbar eine 
weite Verbreitung. Es kommt nach Brady und Scott an der Küste 
Englands, nach Scott bei Spitzbergen vor. Nach Sars ist die Art 
sehr gemein in der Algenzone entlang der Süd- und Westküste 
Norwegens. Canu führt endlich als Fundorte der Claus sehen Art 
E. minutum nach den Arbeiten von Claus, Kritschagin und 
eigenen Untersuchungen den Kanal, das Mittelmeer (Nizza) und 
das Schwarze Meer an. 

Aus der Adria war bisher nur eine Ectinosoma- Art, nämlich 
E. edwardsi bekannt, das Car (1900) im Brackwasser bei Karin 
auffand. 2 ) 

Obgleich wohl ausnahmslos der Littoral- und Grundfauna an- 
gehörend, sind doeli verschiedene Arten der Gattung Ectinosoma, 
so letzthin E. austräte (syn. antareticum) bei der Gauß Station in 
der Antarktis von der deutschen Südpol-Expedition (nach Wolf- 
hild en 1911) mit dem Planktonnetz erbeutet worden. Das mag 
mit einer biologischen Eigentümlichkeit zusammenhängen, auf 

l ) Ersl nach Abschluß der vorliegenden Arheit erhalte ich von Kiow 
dir Publikation K r i tscli agi n » zugeschickt, wofür ich der Kiewer Natur- 
forscber-Gesellscbaft sehr zu Dank verpflichtet bin. Auf dem Habitusbilti 
( Tat. 12, Pig I) ist tatsächlich die im obigen beschriebene Panzernkul|>tur 
angedeutet. Auch an der Furca (Fig. 8) ist die hohe Insertion der Borsted 
die an den adi iatisrlicn Können auffallt, deutlich zu sehen. Vielleicht werden 
künftig«: vergleichende Untersuchungen doch zu einer Abtrennung der medi- 
tartll'PODtifChra von den nordischen Formen führen. 

Vgl. Steuer, 1010, I. c, p. 10 (1014) u. f. „Horealtypen unter den 
idrinüfeben PlnaktoncopcpodtB* 



Phaoplanktonische Copepoden aus der südlichen Adria. 



69 



welche schon Sars (1904) aufmerksam macht: „All the species 
have in common the peculiarity that the specimens remain floating 
on the surface of the water, when they come in contact with it." 
Gerade bei E. melaniceps weist Sars nochmals auf diese Eigen- 
schaft hin. 

Microthalestris littoralis Sars, 1911. 

Diese erst kürzlich von Sars an den Küsten Norwegens ent- 
deckte Art, die er „a pronouncedly littoral form" nennt, wurde 
in nur einem Exemplar im Plankton fang Nr. 1 bei der Insel Pela- 
gosa aufgefunden. 



Die Sage vom Kohlerdfloh. 

Ein Wort zur Rechtfertigung 1 der Haltica oleracea L. 

Von 

Franz Heikertinger 

in Wien. 
Mit 4 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 30. Januar 1912.) 

Vor mir liegen zwei Arbeiten über Landwirtschaftsschädlinge, 
eine der ältesten und eine der neuesten: P. Fr. Boucb6, Naturge- 
schichte der schädlichen und nützlichen Garteninsekten und die 
bewährtesten Mittel zur Vertilgung der ersteren, Berlin, 1833, und 
Viktor Ferrant, Die der Landwirtschaft schädlichen Insekten, 
deren Lebensweise und Bekämpfung, Luxemburg, 1907 (Bulletins 
mensuels de la Soci6t6 des Naturalistes luxembourgeois — Monats- 
berichte der Gesellschaft Luxemburger Naturfreunde). 

Es ist ergötzlich zu lesen und als Dokument des Werdeganges 
der praktischen Insektenkunde interessant, mit welchen Anschauun- 
gen Bouche noch ernsthaft den Kampf aufnehmen mußte (1. c, 
p. III und 1—2): 

„Über die schädlichen Garteninsekten ist bis jetzt wenig Voll- 
ständiges und für den Gärtner und sonstigen Gartenbesitzer Brauch- 
bares geschrieben und gelehrt worden. Die darüber vorhandenen 



70 



Franz Heikertinger. 



Schriften sind teils zu unvollständig, teils wimmeln sie von Irr- 
tümern, Aberglauben und Vorurteilen, und nur hie und da findet 
man etwas Anwendbares aufgeführt ..." 

„Wie viel unnütze und lächerliche Vertilgungsmethoden wer- 
den in diesen nicht allein älteren, sondern auch neueren Schriften 
vorgetragen! Wie oft werden nicht die heterogensten Geschöpfe 
miteinander verwechselt, und wie viele werden nicht für schuldig- 
erklärt, die ganz unschuldig sind an dem Schaden, der geschieht." 

„Zu den unnützen und lächerlichen Vertilgungsmitteln gehören 
unter den Tausenden — außer dem im 15. Jahrhunderte über sie 
ausgesprochenen Bannflüche 1 ) — folgende:" 

„»Wenn man auf seinem Acker viele Maulwurfsgrillen (Acheta 
G nßlotalpa) hat, so soll man einen davon fangen, ihm den Kopf 
abbeißen und ihn unter Zetergeschrei so weit von sich werfen als 
man kann, so werden sich alle übrige auf und davon machen.« — 
»Man soll die Messer, womit man Bäume und Reben beschneidet, 
mit Bocksblut oder mit Esels- und Bärenfett oder mit Ol, worin 
IIa upen gesotten sind, einschmieren, so werden die Raupen den 
Bäumen und Reben nicht schaden.« — »Man soll bei den Baum- 
raupen einen Schwamm oder Pinsel an eine lange Stange binden, 
dieselbe mit Seifenschaum füllen und die Raupen damit bestreichen, 
80 werden sie sterben.« 

Man soll auf Kohlenbecken mit Hornspänen, alten Schuh- 
sohlen und dergleichen räuchern, so werden die Kaupen herabfallen 
und sterben.« - Hierzu gehört auch das Schießen in die Bäume, 
insofern die Schmetterlingseier davon platzen sollen. Genug, es ist 
des Unsinns so viel, daß vor mehreren Jahren mit Recht einer im 
lerei Landsleute in öffentliche!] Blättern als untrügliches Mittel von 
sehlug: Man solle alle diese Abhandlungen usw. den Raupen vor- 
lesen lassen, so würden sie sämtlich vor Lachen platzen.«" — 

l ) l>r BoUdural (Eegsj rar ['Entomologie horticole, Paris, 1867, p, 123) 
Mgf darüber: „M. le profcHHcur (jirard rapporte qu'a la suito d'uno faminj 
qn'ili avaicnl aiiien/'e", es ist die Itedc von den „hannetons", den Bin 
Ufern „OD law;a rontre oux I<-h foudrt'.H <l<; rexeornmunication. En 1479, 
[|| Im i nt cites devani 16 frilumal ecol<''HiaHli<|ii<! de LaiiNanne et defondui 
ptr im avorat <!<• rrihonr^. ApreH fiel ib^ratioii, üh furent bannis du teiti 
toirc Icuipora!" 



Die Sage vom Kolilerdfloh. 



71 



Das mag die Zeit charakterisieren, in der Boucbe schrieb. 
Solche Dinge sind heute allerdings — in der Literatur und wohl 
auch in der Praxis — längst endgültig abgetan und wecken kaum 
mehr ein belustigtes Lächeln. 

Noch nicht abgetan aber ist eine andere Frage, die Bouche 
gleichfalls streift, und das ist die der unschuldigen Verurtei- 
lungen. 

Noch nicht abgetan ist der alte Kardinalfehler aller Veröffent- 
lichungen über Landwirtschaftsschädlinge: die in manchen Gruppen 
kaum glaubliche Rückständigkeit in Beziehung auf die entomologi- 
sche Systematik und Nomenklatur. Sicherlich erhebt niemand An- 
spruch darauf, daß die angewandte Entomologie — prinzipiell kon- 
servativ, wie sie nun einmal ist — jeden nomenklatorischen Bock- 
sprung der Systematik prompt mitmache; man ist vollauf befriedigt, 
wenn ein Tier mit einem Namen genannt wird, den es irgendwann 
einmal geführt hat, wenn nur die gegenwärtige Artzugehörigkeit 
danach sicher festgestellt werden kann. 

Wo aber die Artbenennung um Gattungen daneben trifft und 
wo jahrhundertelang nachgebetete Angaben unbesehen und unge- 
prüft heute noch die Basis unserer Kenntnisse bilden, dort dürfte 
es wohl hoch an der Zeit sein, auf streng systematischer Basis 
Kritik zu üben und — wenigstens in den Spezialgebieten, die 
gegenwärtig in Arbeit stehen — für frische Luft von dieser Seite 
her energisch zu sorgen. 

Denn die Werke über Kulturschädlinge bilden — wenigstens 
in der Geschichte der phytophagen Koleopteren — die Hauptfund- 
grube der biologischen Daten und jede Fehlbestimmung zieht einen 
roten Faden durch die gesamte Literatur — auch durch die syste- 
matische — und schafft Vorurteile, die eine wirkliche Erkenntnis 
verhüllen und ersticken, oft auf Jahrhunderte hinaus. 

Ein Schulbeispiel hiefür ist jenes Tier, dem hier nach so 
langer, unverdienter Beschuldigung endlich Gerechtigkeit widerfahren 
soll: die Haltica oleracea L., der „Kohlerdfloh". 

Ich wähle die beiden obzitierten Autoren, Bouch6 und Fer- 
rant, zum Ausgangs- und Endpunkte meiner Ausführungen. Zu 
einem Eingehen in die Fachliteratur der dazwischenliegenden Zeit- 
spanne, die Hunderte von Arbeiten umfaßt ; fehlt hier der Raum. 



72 



Franz Heikertinger. 



Im großen und ganzen klingt durch sie aber immer dasselbe Lied 
von dem äußerst schädlichen „Kohlerdfloh", der Haltica oleracea L., 
und wenn ab und zu einmal eine Stimme leise, unsichere Zweifel wagt, 
so wird sie übertönt von dem Chor der anderen, der immer wieder 
unbeirrt aus den ältesten Quellen die ältesten Vorurteile schöpft. 

Hören wir Bouche (1. c, p. 30). Er kennt nur die ein- 
zige Art: 

„Der Erdfloh (Haltica oleracea Iiiiger, Chrysomela oleracea 
Linn.)." 

„Er ist mit Springfüßen versehen, länglich, glänzend grün, 
mehr oder weniger blau angelaufen; die Flügeldecken sehr fein 
punktiert; Halsschild hinten mit einer Querfurche. 1 ) Länge zwei, 
Breite eine Linie." 

„Er ist in den mehresten Jahren sehr häufig auf mehreren 
Pflanzen, besonders Gemüsearten und mehreren Blumenpflanzen, als 
Epilobium und dergleichen, und greift besonders gern die jungen 
Samenpflanzen an. Er überwintert unter Laub, Pflanzenstielen und 
dergleichen und fällt in den ersten Frühlingstagen die Pflanzen 
an. Er liebt sehr den Sonnenschein und die Wärme und gedeiht 
nicht gut in Gärten, die mit Bäumen bepflanzt sind. Auch ist der 
Kegen sein großer Feind." 

„Im Mai kommt die kleine, schmutzigbraune Larve ausden Eiern, 
greift dieselben Pflanzen wie der Käfer an und ist sehr gefräßig." 

Als Gegenstück zu diesem naiven Gemisch von Wahrem und 
Irrigem zitiere ich, was V. Ferrant (1. c, p. 361) dreiviertel Jahr- 
hundert später (1907) schreibt: 

„. . . Der BLoblerdfloh*) überwintert als Käfer unter Steinen, 
Moos, Binde und dergleichen und Legt im Frühlinge die Eier an 

l ) Die Erwähnung dieser Querfurche und die Grüßenangabe schließen 
jede Verwechslung mit einer Plnßlotrcta oder P8ylliod€8 aus. Es handelt 
sich zuverlässig um jene Art, die heute noeh als Haltica oleracea L. gilt. 

'j S< iue Beschreibung der Haltica oleracea L. bezeichnet, zuverlässig 
d;iH gegenständlich«: Tier. Charakteristisch für die RUckstttndigkeit der Ar- 
beit in lystematiscber Beziehung ist es, daß in derselben eine Gattung Hai- 

Iva mit den „Untergattungen" Haltica, ('rejiirforicra und Phyllotreta geführt 
wird, ein Standpunkt, den die Systematik bereits vor fast einem halben .Jahr- 
bundefte itlfgegeben hat Das Bestreben, in Publikationen der angewandten 
ButOIDOlogfC «irie besondere, vereinfachte Nomenklatur zu verwenden und 



Die Sage vom Kohlerdfloh. 



73 



die Pflanzen, nachdem er auf denselben seinen Fraß begonnen hat. 
Vorzugsweise werden Keimpflanzen von ihm angegriffen, jedenfalls 
aber frißt er nur junge Pflanzen (?!). Dadurch, daß er die Coty- 
ledonen und außerdem noch die Endknospen verzehrt, wird er be- 
sonders schädlich ..." 

„. . . Die Kulturgewächse, welche speziell von dem Kohlerd- 
floh zu leiden haben, sind: Kohl, Raps, Leindotter und Rettich; er 
verschont aber auch andere Pflanzen, als Kreuzblütler nicht, so 
z. B. Erbsen und Zuckerrüben" (?!). 

Wenn ich zwischen beiden Autoren wählen müßte, so zöge 
ich den alten Bouch6 vor. Die einzige Pflanze, die er mit Namen 
nennt — Epihbium — ist wirklich eine Standpflanze der Hattica 
oleracea. Die Pflanzen aber, die Ferra nt 1907 als Opfer der 
Haltica oleracea aufzählt, stehen ausnahmslos in gar keiner 
Beziehung zu diesem Tiere. 

Diese auf den ersten Blick vielleicht etwas verblüffend und 
schroff klingende Behauptung kritisch zu begründen ist der Zweck 
des Folgenden. 

Voraussenden möchte ich, daß ich mich 7 Jahre mit dem 
Spezialstudium der paläarktischen Halticinen in systematischer und 
ökologischer Hinsicht beschäftigt habe und daß mir ein Notizen- 
material von fast 4000 eigenen Standpflanzenbeobachtungen aus 
dieser Käfergruppe zu Gebote steht. Ich glaube mich daher zur 
Abgabe eines bescheidenen Urteils im Gegenstande berechtigt. 

Raummangels halber kann ich hier weder auf eine Bespre- 
chung der Literatur noch auf ein Beleuchten der näheren Lebens- 
verhältnisse der gegenständlichen Art und ihrer Verwandten ein- 
gehen und behalte mir eine diesbezügliche ausführliche Publikation vor. 
Das Folgende sei aus gleicher Ursache in tabellarische Kürze gefaßt. 

ohne tiefere Sachkenntnis eine eigene Systematik zu schaffen, beziehungsweise 
Veraltetes mit Absicht vorzuziehen, ist unbedingt zu verurteilen. Die zoo- 
logische Systematik jeder Zeitperiode muß als etwas jeweils Feststehendes, 
ohne wissenschaftliche Motivierung Unantastbares genommen werden, wenn 
anders je Klarheit in biologischen Dingen errungen werden soll. In den 
1" allen, da populäre Zwecke einer wissenschaftlich korrekten Benennungsweise 
angeblich entgegenstehen, wird der Autor der Wissenschaft einen Dienst er- 
weisen, wenn er sich der Anführung unsicherer, Verwirrung schaffender Latein- 
namen überhaupt enthält. 



74 



Franz Heikertinger. 



Die Behauptung, die Haliica oleracea L. sei kein Kohl- 
schädling, erfordert nach drei Seiten hin Beantwortung: 

1. Welches sind die tatsächlich nachgewiesenen Nährpflanzen 
dieser Art? 

2. Welche Beweise liegen dafür vor, daß die Art nur diese 
Pflanzen und nicht auch Kreuzblütler angeht? 

3. Auf welche Art, beziehungsweise 
welche Arten, ist das unter dem Namen der 
Haltica oleracea geführte Schadenregister zu 
beziehen? 
Ad 1. 

Die sichergestellten Standpflanzen der 
Haltica oleracea gehören den Polygonaceen 
und Oenotheraceen an. Das häufige Auftreten 
dieses gemeinen Käfers an Örtlichkeiten, wo 
Pflanzen dieser Familien zu fehlen scheinen, 
Fig. l. Haltica oleracea L. läßt darauf schließen, daß auch noch andere 
Gewächse als Standpflanzen desselben in Be- 
tracht kommen. Über diese liegen jedoch sichere Beobachtungen 
derzeit nicht vor. Ich beschränke mich daher auf den Nachweis, 
daß Cruciferen nicht hieher gehören. 

Sichere Standpflanzen der Haltica oleracea L. 1 ): 
A. Polygonaceen (Persicariaceen), Knöterichgewächse. 
Polygonum aviculare L., Vogelknöterich. 

Schon Fond ras~) sagt: „On rencontre souvent la larve sur 
la Renouäe (Polygonum avimlarr L.), cn compagnie de celle d une 
ührysomäline, la Gastrophysa polygoni." Ebenso Bedel. 8 ) 

') leb führe hier mir jene, an, die ich selbst nachzuprüfen in der Lag! 
war. In der Literatur sind weiten; Arten der genannten Familien aufgeführt] 
da die Pc/.eiclmung der Käferart jedoch vielfach unzuverlässig ist, bedürfen 
alle diese Angaben einer kritischen Nachprüfung. 

*) C. Foudras, Altisides (in Mulsant, Hist. Nat. Col. France, Paris, 
\HC,()), p. 2'J'J. 

3 . L. Bedel, Panne des Colöopt. du Bassin de la Seine, V, p. 296; 
Paris. 11*01 . liedel ist in der Standpflanzenbewertung zu weit gegangen 
wenn er Ml HdUioa ohrarm nur Polygonum aviculare gelten läßt und alle 
an Epticbium und Oenothcra beobachteten Haltica- Larven kurzerhand auf 




Die Sage vom Kohlerdfloh. 



75 



Nach meinen zahlreichen Beobachtungen ist Polygonum avi- 
c ulare die typische Standpflanze der Art an trockeneren, erdigen 
örtlichkeiten, wie in Feldern, Brachen, Weingärten, an Wegen und 
Rainen, in schlechten Wiesen und dergleichen. Dort lebt das Tier 
vom ersten Frühlinge bis in den letzten Herbst und fast die ganze 
Zeit über sind Larven in allen Größen auf den Pflanzen anzutreffen, 
die gleich den Käfern frei auf den Blättern leben und diese durch- 
löchern. Mit der Haltica lebt auf diesem Polygonum noch die 
Halticine Chaetocnema concinna Marsh, und die bereits erwähnte 
Chrysomeline Gastroidea polygoni L. — Auf den großen, feuchtig- 
keitsliebenden Polygonum- Arten konnte ich die Haltica oleracea 
nicht nachweisen. 1 ) 

B. Oenotheraceen (Onagraceen), Nachtkerzen- und Weiden- 
röschengewächse. 

Chamaenerium (Epilobium) angustifolium Scop. (L.). 
Schmalblättriges Weidenröschen. 
Schon Bouch6 nennt Epilobium. Taschenberg 2 ) beobach- 
tete die Entwicklung auf Epilobium angustifolium. Ich selbst fand 
den Käfer in großen Mengen auf dieser Pflanze und erzielte bereit- 
willigen Fraß in der Gefangenschaft. Es ist die typische Stand- 
pflanze des Käfers in Waldlichtungen, Schlägen, unter Gebüsch, etc. 

Chamaenerium palustre Scop. (Epilobium Dodonaei Vill.). 
Rosmarinblättriges Weidenröschen, Sand-Unholden- 
kraut. 

Diese Pflanze bedeckt in den Aüen der Donau bei Wien weite 
Schotterflächen und ist fast das ganze Jahr hindurch von Tausen- 
den der Haltica oleracea nebst Larven in allen Stadien besetzt. 



seine Haltica lythri Aube (die er von Epilobium und anderen Onagrarieen an- 
gibt) bezieht. Es leben zwei ZZaZtac-Arten auf Epilobium sp., die eine davon 
ist zuverlässig oleracea. 

x ) J. H.Kaltenbach, Die Pflanzenfeinde aus der Klasse der Insekten, 
Stuttgart, 1874, p. 250, gibt noch andere Polygonum- und Epilobium- Arten 
an, vermischt aber Haltica oleracea mit Haltica lythri Aube. 

2 ) Dr. E. L. Taschenberg, Naturgesch. d. wirbellosen Tiere, die in 
Deutschland etc. den Feld-, Wiesen- und Weidekulturpflanzen schädlich wer- 
den, Leipzig, 1865, p. 75. 



76 



Franz Heikertinger. 



Auffällig ist die Seltenheit der dV. Die Art ist nach der Form des 
Kopulationsapparates absolut sichergestellt. 

Oenothera (Onagra) biennis L. (Scop.). Nachtkerze. 

Cornelius 1 ) beschreibt die Entwicklung an dieser Pflanze; 
spätere Autoren zitieren dieselbe. Ich fand Käfer und Larven 
mehrfach in den Donauauen um Wien auf ihr und erzielte bereit- 
willigen Fraß in der Gefangenschaft. Die Pflanze ist seit Anfang des 
17. Jahrhunderts aus Nordamerika eingeschleppt, findet sich wild 
namentlich an steinigen Flußläufen und wird wegen der eßbaren 
Wurzel (Rhapontikawurzel, Schinkensalat, Französische Rapunzel) zu- 
weilen als Gemüse kultiviert. Dies wäre die einzige Gemüseschädlich- 
keit der Haltica oleracea, die aber nirgends als solche erwähnt wird. 

Bemerkung. Von Pflanzen dieser Familie findet sich mehr- 
fach erwähnt Circaea lutetiana L., das Hexenkraut. 2 ) Ich habe 
die Haltica oleracea auf dieser Pflanze vorwiegend schattiger Wald- 
gründe nicht gefunden. 

Schon Boisduval 3 ) nennt eine Reihe kultivierter Onagraceen 
(Oenothera, Clarhia, Boisduvalia, Fucharidium, Fpilobium, Fuch- 
sia), auf denen Haltica oleracea gefunden wurde. Ich selbst fand 
das Tier im Botanischen Garten in Wien auf Chamaenerium an- 
<i'<*(i/olium Scop., Oenothera Fraseri Pursh., Oen. Missouriensis 
und Oen. tctraptera; alle diese Pflanzen zeigten Fraß. 

Die zahlreich vorhandenen Angaben von Pflanzen anderer 
Familien beruhen größtenteils auf Verwechslungen, Fehlbestimmun- 
gen iukI dergleichen und bedürfen, ehe sie berücksichtigt werden 
können, unbedingt kritischer Überprüfungen. 

Ad 2. 

AU Beleg dafür, daß Haltica oleracea Cruciferen nicht be- 
wohnt, führe ich an: 

') Stott. Eilt. Zeittf., ISO'!, ]). <M— 99. 

■j I>r. E. L. TaHchcuourg, Entomologie für Gärtner und Gartenfreund! 
Leipzig 1871, p. 124. - J. H. Kaltenbach. I. c, p. 250. - etc. E. Perris 
Nourellei promenadei entomologiques; Ann. Soc. Ent. France, 187(5, p. 214) 

li.it von dieier Pflanz«: « - i 1 1 « - llaUim-\s\\.TXu unter dem Namen Haltica li/thri 

Auin- bMohrtobtn. 

:) ) Dr. Boltdural, Bbh:u mir PEiitomoIoßm horticole, Paris, 1807, p. 186. 



Die Sage vom Kohlerdfloh. 



77 



1. Ich habe sie, die eine der gemeinsten Halticinenarten ist, 
im Verlaufe einer siebenjährigen Beobachtungstätigkeit kein einziges 
Mal auf einer Crucifere nachweisen können. 

2. Keiner meiner verläßlichen Gewährsmänner konnte mir 
einen Fall sicheren Vorfindens auf Cruciferen mitteilen. 

3. Keiner der Gärtner und Landwirte, die ich befragte, hat 
sie je auf Kreuzblütlern gesehen. Ausnahmslos wurde mir die Aus- 
kunft gegeben, das sei „überhaupt kein richtiger Erdfloh; die wirk- 
lichen Erdflöhe seien nicht größer als Flöhe." 

4. Ich habe gefangenen Haltica oleracea Cruciferen (beson- 
ders Brassica oleracea L. verschiedener Spielarten) zum Fräße vor- 
gelegt. Das Resultat war ausnahmslos ein negatives. Mag sein, 
daß Hunger die Tiere veranlassen könnte, Saatpflanzen — die ja 
geschmacklich indifferenter sein dürften als entwickelte Pflanzen 
— anzugreifen. Sicher aber würde dieser Angriff nur gezwungen 
und mit Unlust erfolgen, ganz im Gegensatze zu der Gier, mit 
welcher die wirklich kohlschädlichen Phyllotreta- Arten Cruciferen- 
blätter jedes Alters anfallen und zu der immensen Gefräßigkeit, 
die Haltica oleracea und ihre Larve beispielsweise an Epilobiiim 
entwickeln. 

5. Die Entwicklung des Käfers wurde nie auf Cruciferen, 
sondern ausnahmslos auf anderen, viel selteneren Pflanzen beob- 
achtet. 

Die Sage von der Schädlichkeit des Käfers hat eben ein 
Autor vom anderen übernommen, befangen in einem alten Vorur- 
teile, das einer Zeit entstammt, da „Haltica" noch der Inbegriff 
aller Halticinen war. 

Ad 3. 

Die wirklich schädlichen Kohlerdflöhe gehören nur zwei 
Gattungen an, deren keine eine Halsschildquerfurche besitzt: das 
Gros zählt zur Gattung Plnßlotreta Küst., ein kaum nennenswerter 
Rest zur Gattung Psylliodes Latr. 

Der Name Haltica kommt heute einem ganz bestimmten, den 
eben genannten Gattungen völlig fremd gegenüberstehenden Genus 
zu und darf daher zur Bezeichnung einer Phyllotreta- oder Psylliodes- 
Art in keinem Falle verwendet werden. Sogenannte praktische 



78 



Franz Heikertinger. 



Gründe für eine derart rückständige Benennungsweise — Vermei- 
dung der Belastung des Gedächtnisses mit neuen Gattungsnamen 
u. dgl. — wie sie zuweilen ins Treffen geführt werden, sind als 
unter keinen Umständen stichhältig zurückzuweisen. 

A. Schädlichkeit der Gattung Phyllotreta. 

Diese Gattung ist allein der Inbegriff alles dessen, was Gärtner 
und Landmann gemeiniglich unter „Erdfloh" verstehen. Die Schäd- 
lichkeit dieser Gattung, deren Vertreter als Käfer überwintern, ist 
der typische Erdflohschaden, der von der — übrigens für den Ge- 
müsebau ziemlich unbeträchtlichen — Schädlichkeit der Gattung 
Psylliodes, deren Arten als Larven überwintern, wesentlich abweicht. 

Die überwinterten Phyllotreten erwachen im ersten Frühlinge. 
Die menschlichen Wohnungen und deren Nebenobjekte boten reich- 
lich Gelegenheit zum Überwintern. Das Nächstliegende nach dem 
Erwachen sind die Saatbeete der Gärten. Es ist keine Seltenheit, 
daß Beete mit kreuzblütigem Gemüse, die bereits mit dem grünen 
Schimmer der aufgegangenen Saat überdeckt waren, in einem Tage 
von den hungrigen Käfern kahl gefressen wurden, so daß eine zweite 
Aussaat erforderlich war. Auch diese fiel oft, wenn nicht energisch 
zur Abwehr gegriffen wurde, großenteils den Tieren zum Opfer. 

Erst wenn die überdauernden Pflänzchen eine gewisse Höhe 
erreicht haben, sind sie in ihrer Existenz nicht mehr bedroht. 
Dieses Abfressen der Saatpflänzchen, beziehungsweise auch deren 
seitliches Anfressen, wodurch sie umknicken, im ersten Frülilinge 
ist die ^roße Schädlichkeit der wirklichen Kohlerdflöhe. Gegen 
diese wenigen Tage tritt die Schädlichkeit des ganzen übrigen 
Jahres als ziemlich belanglos in den Hintergrund. Denn die erwach- 
sene Pflanze widersteht dem Fraß der kleinen Tiere leicht, er be- 
deutet für sie selten mehr als einen Schönheitsfehler, der allerdings 
vorn Standpunkte der Landwirtschaft oft ein Wertentgang sein 
kann. Dieser Fraß der Käfer besteht auf dünnblätterigen Pflanzen 
in kleinen, durchbrechenden Löchern, auf dickblättcrigen in Fen- 
sterehen, d. h. das Blatthäutchen auf einer Seite bleibt stehen. 
Dieser Fraß ist hei großen Blättern, z. B. Kraut, am stärksten an 
den Auflenteilen des Plattes und bewirkt, bei großer Menge der 
Küfer zuweilen ein partielles Vertrocknen. Angaben von Kahlfraß 



Die Sage vom Kohlerdfloh. 



79 



erwachsener Pflanzen durch Erdflöhe aber gehören ins Reich der 
Fabel; gegen die Tätigkeit der Kohlweißlingraupe, die zuweilen 
aus einem Kohlacker eine Fläche von ganz fremdartig anmutenden, 
starrenden Blattrippen macht, ist der Sommer- und Herbstfraß der 
Phyllotreten verschwindend und bedeutungslos. Der Frühjahrs- 
schaden wird nur vom Käfer angerichtet; die Larven der Phyllo- 
treten, ebenso wie ihr Aufenthalt und ihre Fraßweise sind bis auf 
wenige Ausnahmen noch unbekannt. 

Die schädlichsten Phyllotreta- Arten — ungefähr nach dem 
Grade ihrer Schädlichkeit, die natürlich ortweise variieren wird, 
gereiht — sind: Phyllotreta ni- 
gripes Fab. (lepidii Koch), Phyl- 
lotreta atra Fab., Ph. cruciferae 
Goeze {poeciloceras Com.) — 
drei einfarbig dunkle Tiere — 
und Ph. undulata Kutsch.. Ph. 
vlttula Redt., Ph. nemorum L. 
— drei gelbstreifige Arten. 

Es ist charakteristisch für 
den eingangs beleuchteten Stand 
der praktischen Insektenkunde, 
daß in der ganzen Flut der dies- 
bezüglichen Arbeiten außer der — hierorts übrigens wenig hervor- 
tretenden — Ph.. nemorum keine dieser einzig wirklich schädlichen 
Arten als solche in den Vordergrund gestellt ist; ja die allersehäd- 
lichste von ihnen, die für sich allein vielleicht am ehesten den 
Xamen des „Kohlerdflohs" verdienen würde, die Ph. nigripes Fab. ; 
wird vielfach nicht einmal erwähnt. 

Als geschädigt kommen vorwiegend die in Gärten gebauten 
Gemüse der Kreuzblütlerfamilie, in erster Linie Kohl (Brassica 
oleracea L.. rapa L. und napus L.) und seine Spielarten, in Betracht. 
In zweiter Linie stehen Rettig, Kren, usw. 

Auf Zierpflanzen der Cruciferengruppe, z. B. Goldlack, Lev- 
kojen etc., fand ich vorwiegend Ph. nigripes Fab.; zuweilen waren 
die Blumengewächse sogar ausschließlich von dieser Art besetzt. 
Ph. nigripes ist auch die einzige von den Cruciferenphyllotreten, 
die auf Beseda (wild und kultiviert) zahlreich übergreift. Bemer 




Fig. 2. Phyllotreta 
undulata Kutsch. 



Fig. 3. Phyllotreta 
nigripes Fab. {le- 
pidii Koch). 



80 



Franz Heikertinger. 



kenswert ist, daß die Mehrzahl der vorgenannten Arten ausnahms- 
weise auch auf Tropaeolum, der Kapuzinerkresse, auftritt. Über 
all das möchte ich übrigens an anderer Stelle eingehender berichten. 

Von Arten, die in unseren Gegenden nur lokal oder ausnahms- 
weise schädlich werden, nenne ich Ph. armoraciae Koch, die nur 
an Meerrettig zu leben scheint, und Ph. aerea All., die ich verein- 
zelt als Gemüseschädling antraf. Möglicherweise tritt auch die 
Ph. vittata Fab. (sinuata Redtb.), ausnahmsweise vielleicht sogar 
eine der übrigen einheimischen Arten irgendwann und irgendwo 
einmal schädigend auf. Als typische Schädlinge aber dürfen solche 
Arten keinesfalls aufgeführt werden, und es ist völlig unrichtig, 
wenn beispielsweise Ph. brassicae III. (korrekt exclamationis Thunb.), 
eine ziemlich seltene, feuchtigkeitsliebende Art, als Gartenschädling 
hervorgehoben wird. Die Namen Ph. flexuosa III. und sinuata 
Steph. der Schädlingsliteratur sind wohl fast ausnahmslos auf Ph. 
undulata Kutsch, zu beziehen. 

B. Schädlichkeit der Gattung Psylliodes. 

Diese Gattung spielt als Cruciferen- 
schädling eine geringe Rolle, die in der Lite- 
ratur wohl Uberschätzt wird. Soweit die dürf- 
tigen biologischen Beobachtungen reichen, 
überwintert bei ihren Vertretern zumeist 
nicht die Imago, sondern die Larve. Der 
Sämlingfraß der Imagines im ersten Frlih- 
linge, der eigentliche gefürchtete Erdlloh- 
schaden der Gemüsegärten, entfällt also hier. 
Die Schädigung erfolgt durch die zumeist 
im Stengel lebende Larve und betrifft vor- 
I V 4. PtyUiöäet rhry- »Uglich die Uberwinterte Saat. 

toc&phdla i>. Psylliodes chrysoeephala L. hat durch 

die Beobachtungen Tasohenbergs 1 ) eine 

'j L C, i». 59—78. Tuschen berg hat (1805!) die Entwicklung von 
/'Hyllioflm i UryHocejjhula, Jlalticci (Phyllotreta) nemorum und Jlalliru olcracca 
beschrieben. Diene Arten, die ihm gerade zufällig vorlagen, sind bis heute 
die Paradeatttckc dei landwirtschaftlichen Entomologie Mitteleuropas geblieben 
und bilden (aal ihi gansea, Inuner und Überall wiederkehrendes Um und Auf. 




Die Sage vom Kohlerdfloh. 



81 



— meines Eraclitens ein wenig über Gebühr ausgedehnte — Be- 
rühmtheit als Schädling des Winterrapses und -Rübsens erworben. 
Ihre Larve soll ebenso wie die von Psylliodes napi Fab. auch in 
Gemüse- und Ziercruciferen beobachtet worden sein, doch ist dieser 
Schaden kaum augenfällig und die Tiere sind dem Landvolke — 
im Gegensatze zu den Phyllotreten — meist gänzlich unbekannt. 

Dies ist in Umrissen das klare Bild der kohlschädlichen Hal- 
ticinen. 

Es soll in erster Linie dazu dienen, die ungerecht gebrand- 
markte Halüca oleracea in den Augen der entomologischen Welt 
zu rechtfertigen. Das unselige Epitheton, das ihr Linn 6 mit dem 
Artnamen aufbürdete, kann nicht von ihr genommen werden; aber 
ihr deutscher Name „Kohlerdfloh" sollte gelöscht werden für alle 
Zeiten aus den Annalen der Landwirtschaft, die nach wie vor un- 
behelligt von diesem Käfer ihren Kohl bauen wird. 



Zur vergleichenden Anatomie der 
Polychäten. 1 ) 

Vortrag, gehalten in der Sektionssitzung für Zoologie am 8. März 1912 

von 

Dr. Otto Storch, 

Assistent am II. zoologischen Institut der Universität in Wien. 

Mit 4 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 21. März 1912.) 

Meine vergleichend - anatomischen Untersuchungen über die 
Polychäten beziehen sich vorzugsweise auf das Nervensystem. Als 

J ) Dieser Vortrag ist als vorläufige Mitteilung aufzufassen. Er sucht in 
kurzer Form die wesentlichsten Resultate in vergleichend-anatomischer Be- 
ziehung von Untersuchungen zu geben, deren nähere und ausführlichere Dar- 
stellung der Verfasser in kurzem in zwei Arbeiten der Öffentlichkeit über- 
geben zu können hofft. Die eine wird vorzugsweise der Anatomie von Her- 
\modice caruncalata, die andere den vergleichend-anatomischen Untersuchungen 
der Polychäten gewidmet sein. 

Z. B. Ges. 62. Bd. 6 



82 



Otto Storch. 



Organisation stypus des Nervensystems der Polycliäten wie über- 
haupt der Anneliden gilt heute ganz allgemein das Vorhandensein 
eines Cerebralganglions, der Schlundkommissur und des Bauch- 
marks, eines ventralen paarigen Nervenstranges, der segmental 
mit dem ebenfalls paarigen Bauchmarkganglion versehen ist. Von 
diesem Ganglion gehen in jedem Segment Nerven ab, die die Para- 
podien innervieren. Ich will diesen Organisationstypus des Nerven- 
systems, wie er nach der allgemeinen Anschauung bei den Poly- 
cliäten vorkommen soll, als din euren Typus (Dineurie) be- 
zeichnen, deshalb, weil er durch ein Paar von Längsnerven, die 
den ganzen Wurmkörper durchziehen, durch den Bauchmarkstrang 
charakterisiert ist. 

Auf meinen beiden Reisen nach der griechischen Insel Cerigo, 
die ich im Sommer 1910 und im Frühjahr 1911 mit Unterstützung 
der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien unternom- 
men habe, hatte ich Gelegenheit, mir ein reiches Material von 
Hermodice carunculata Pall. zu verschaffen, einem Polycliäten, der 
der heute anatomisch noch fast unbekannten Familie der Amphi- 
nomiden angehört. Die Amphinomiden sind zumeist Bewohner 
tropischer Meere und so nur verhältnismäßig selten in die Häfidi 
von Forschern gekommen, während nur wenige Gattungen, wie 
Euph/rosyne und Hermodice, den europäischen Meeren angehören. 
Übrigens hat Hermodice ein sehr interessantes Verbreitungsgebiet. 
Sie ist von der Challenger-Expedition bei den Bermuda-Inseln, dann 
in der Nähe der Kap Vcrdischen Inseln und bei St. Thomas, West- 
indien, aufgefunden worden; von der Pola-Expcdition im Mittclmcer 
bei Kreta und bei Cerigo; und jüngst erst auf den Najade- Fahrten 
in der südlichen Adria bei Busi, Pelagosa und Lissa. 

Zu meiner Überraschung fand ich bei der Untersuchung von 
Hermodice einen Typus des Nervensystems vertreten, der ein neu- 
artiger, anbekannter ist. Ich will ihn der Klirze halber als tetra- 
neureu Typus des Nervensystems (Tetraneuric) bezeichnen. 
Vom Cercbralganglion gehen nämlich nicht ein, sondern zwei 
Paare von Liingsnerren ab, die sich bis ans Knde des Wurm- 
körpers erstrecken. Anßer dem Bauchmarkstrang, der ein paariger 
ist und iu jedem Segment mit einem Paar von Hauchmarkganglien 
versehen ist. ist noch ein zweites Paar von Längsnerven, die seit- 



Zur vergleichenden Anatomie der Polychäten. 



83 



lieh und ventral an der Grenze zwischen der eigentlichen Körper- 
höhle und dem parapodialen Coelom verlaufen und die ich als 
parapodiale Längsnerven (Fig. 1, Pn) bezeichnen will. Auch 
diese parapodialen Längsnerven sind segmental mit einem Ganglion 
versehen, dem Parapodialganglion (Podoganglion, Fußganglion 
Py). Die Parapodialgan- 
glien sind in jedem Seg- 
ment mit dem Bauch- 
markganglion durch eine 
Querkommissur ( ^ver- 
bunden. 

Die eben beschrie- 
benen Bestandteile bilden 
das zentrale Nerven- 
system der Metameren. 
Diesem stehen in jedem 
Segment zwei Arten von 
peripherem Nerven- 
system gegenüber. Das 
periphere Nervensy- 
stem des Parapodi- 
ums, das seinen Ur- 
sprung im Parapodial- 
ganglion findet und zur Innervierung der parapodialen Apparate, 
der Borstenbündel und der Parapodialcirren, dient. Die zweite 
Kategorie von peripherem Nervensystem, das ich als das periphere 
Nervensystem des Hautmuskelschlauches bezeichne, hat 
seinen Ursprung vor allem im Bauchmarkganglion. Es ist haupt- 
sächlich durch die Ringnerven repräsentiert, die subepithelial ver- 
laufen und typisch in der Dreizahl vorhanden sind. 

Nun ist Ihnen allen bekannt, daß der homomere Bau, wie 
wir ihn bei den ursprünglichen Formen von gegliederten Tieren 
fordern müssen und wie er unter den Anneliden bei den Archi- 
anneliden und Protochäten angenommen wird, bei den Polychäten 
im engeren Sinne, zu denen auch die Amphinomiden gerechnet 
werden, nach der allgemeinen Anschauung in den vordersten Seg- 
menten gestört wird. Es tritt danach eine Reduktion des Kopfes 

6* 




Fig. 1. 

Nervensystem des Vorderendes von Hermodice 
caruneulata. 

Bg 1 erstes Bauchmarkganglion; Bn Bauchmarksnerv; Cg 
Cerebralganglion; N.ect Nerv des Ektodermwulstes des 
1. Segmentes; Pg t erstes Parapodialganglion; Pn parapo- 
dialer Längsnerv; Qc Querkommissur. 



84 



Otto Storch. 



und eine Verschmelzung des ersten oder der vordersten Rumpf- 
metameren mit dem Kopfe zum sogenannten Mundsegmente ein. 
Gleichzeitig damit kommt es zu einer Modifikation der Parapodien, 
sie reduzieren oder verlieren ihre Borstenbündel, werden untauglich 
für die Bewegungsfunktion, bringen dagegen ihre Tastorgane, die 
Cirren, zu stärkerer Ausbildung. Diese Cirren werden dann Ftihler- 
cirren genannt. Diese Veränderungen im Vorderende üben auch 
auf das Nervensystem insoferne eine Rückwirkung aus, als dadurch 
eine Konkreszenz der vordersten Bauchmarkganglien, die Bildung 
eines Suboesophagealganglions, herbeigeführt wird, von dem aus 
nun mehrere vordere Segmente ihre Innervierung erhalten. 

Von diesen Reduktionserscheinungen und Umwandlungspro- 
zessen im Vorderende, die bei den übrigen Polychäten sicher sind, 
ist bei Ilermodice nichts zu bemerken. Alle Rumpfmetamere, vom 
ersten angefangen, zeigen dieselbe typische Gestalt und differieren 
nur in bezug auf die Größe und Lage zur Körperachse. Sie alle 
besitzen ein vollständiges zweigespaltenes Parapodium mit Ventral- 
und Dorsalcirrus, nur fehlt den ersten vier derselben das Nephri- 
dium. Ebenso sind die Komponenten des metameren Nervensystems 
sowohl des zentralen wie des peripheren, wie wir sie kennen ge- 
lernt haben, vom ersten Segment angefangen überall in typischer 
Form vorhanden. Die Homomerie kann in anatomischer Beziehung 
eine vollständige genannt werden. Freilich ist sie insoferne etwas 
gestört, als, wahrscheinlich sekundär, bei Ilermodice wie überhaupt 
bei den Amphinomiden der Mund eine Verschiebung nach rticlfl 
Wärtfl erfahren hat. Kr kommt zwischen die ersten vier Segment! 
zu liegen, die er median und ventral durchtrennt. Dadurch wird 
die radiäre Stellung der Hälften der vordersten vier Segmente be- 
dingt. Außerdem kommt es dadurch vorne zu einer Durchtrennung 
der Bauchmarkshälften, die die Mundspalte umgreifen und erst im 
fünften Segment zusammentreten, um von da an erst, nebeneinander 
gelagert, in parallelem Zng6 sieh nach hinten fortzusetzen. 

Hervorheben will ich noch, was ja ohneweiteres aus dieser 
Schilderung wie aus der heigegebenen Figur hervorgeht, daß für 
Hemtodice der Begriff der „Schlundkommissur" ebensowenig anwend- 
bar ist, wie man auch kein Bauchmarkganglion als „Suboesopb» 
gealganglion" bezeichnen kann. 



Zur vergleichenden Anatomie der Polychäten. 



85 



Wenn Sie die geschilderten Verhältnisse ins Auge fassen, so 
werden Sie mir die Berechtigung nicht absprechen können, diesen 
Typus der Polychäten als einen neuen, gegen die übrigen Poly- 
chäten gut abgegrenzten hinzustellen. Ich nehme daher die Amphi- 
nomiden aus der Ordnung der Polychäten 1 ) heraus und stelle sie 
ihnen als Tetraneura gegenüber. Ich will erwähnen, daß sich die 
Amphinomiden noch in mehrfacher Beziehung von den übrigen 
Polychäten unterscheiden. Dazu gehört die schon erwähnte Ver- 
schiebung des Mundes nach hinten, dann die enorme Entwicklung 
der Karunkel, eines Kopfsinnesorganes, das sich auf der Rücken- 
seite über mehrere Segmente erstreckt und wahrscheinlich ein 
Homologon der Wimpergruben ist, wie sie bei den meisten Poly- 
chäten vorkommen; endlich die reiche und komplizierte Entwick- 
lung eines Kopfhöhlensystems. Auf alle diese Verhältnisse kann 
ich heute nicht eingehen und muß diesbezüglich auf meine dem- 
nächst über Hermodice erscheinende Arbeit hinweisen. Die ver- 
gleichend anatomisch wichtigsten Tatsachen, die für unser heutiges 
Thema vor allem in Betracht kommen, habe ich ja genügend her- 
vorgehoben. 

Unser größtes Interesse muß der eigenartige Typus des Ner- 
vensystems von Hermodice, den ich schon früher als Tetraneurie 
bezeichnet habe, in Anspruch nehmen. Es drängt sich uns hier 
unwillkürlich die Frage auf, ob diese Tetraneurie eine Eigenschaft 
ist, die nur den Amphinomiden zukommt, ob die Kluft, die sich 
zwischen der Tetraneurie und der Dineurie öffnet, wie sie heute 
ganz allgemein bei den Anneliden angenommen wird, nicht über- 
brückbar ist, ob sich Übergänge zwischen beiden Typen ausfindig 
machen lassen, und wenn, welcher von beiden dann als der ur- 
sprünglichere Charakter anzusehen ist. 

Ein Merkmal der Ursprünglichkeit, trotz der scheinbaren 
Kompliziertheit, kommt dem tetraneuren Typus, wie wir ihn bei 
Hermodlce antreffen, auf jeden Fall zu. Es ist dies der homomere 
Bau. Wir werden aber weiterhin sehen, daß auch beim konkreten 
Vergleich mit anderen Formen der Polychäten, soweit ich bis jetzt 

*) Ich beziehe mich hiebei auf das System der Anneliden, wie es von 
R Hatschek, System der Anneliden, Lotos, Bd. 13, 1893, aufgestellt wurde 
und wie es ähnlich in Grobbens Lehrbuch der Zoologie verwendet wird. 



86 



Otto Storch. 



Gelegenheit zur Untersuchung fand, die Ursprünglichkeit der Tetra- 
neurie ihre Bestätigung findet. Ich habe bis jetzt das Nervensystem 
von drei Arten näher untersuchen können. Es ist dies Lepidastlienia 
elegans, eine Aphroditide, die pelagische Tomopteris Jcefersteini, 
eine Tomopteride, die beide zu der Unterordnung der Rapacia 
gerechnet werden, und dann Nerine cirratulus, eine Spionide, die 
zu der Unterordnung der Spiomorplia gestellt wird, Die Unter- 
suchungen sind langwierig, da die Verhältnisse des Nervensystems 
nur an Serien zu studieren sind und die Rekonstruktion oft keine 
ganz leichte ist. Doch habe ich bei allen drei untersuchten Arten 
feststellen können, daß der Dineurie, die im größten Teile des 
Wurmkörpers vorherrscht, am Vorderende, im ersten oder im ersten 
und zweiten Segmente, soweit sie zum Kopfe in nähere Beziehung 
getreten sind, die Tetraneurie gegenübersteht. 

Wir wollen uns zunächst der Besprechung von Lepidasthenia 
elegans zuwenden. Die Aphroditiden nämlich bilden jene Familie 
von Polychäten, die äußerlich, ihrem Habitus nach, die meiste Ähn- 
lichkeit mit den Amphinomiden zeigen und deshalb im System ge- 
wöhnlich in ihrer Nähe stehen. Das Nervensystem in den Körper- 
imtameren zeigt bis auf die vordersten zwei dineuren Typus. Von 
dem parapodialen Längsnerven ist nichts zu bemerken (Fig. 2). 
Doch besitzen sie typische Parapodialganglien. Das Vorkommen 
eines Parapodialganglions ist, wie ich glaube, von besonderer Wich- 
tigkeit. Ks kommt nämlich, was bis heute noch nicht besonders 
hervorgehoben wurde, in der typischen Form nur einer bestimmten 
(1 nippe von Polychäten zu. Diese Gruppe ist heute ungefähr in der 
Ordnung der litt pacta vereinigt. Sie zeichnen sich vor allem da- 
durch aus, daß sie noch für die eigentliche Schreitfunktion taug- 
liche Parapodicn und damit im Zusammenhang Parapodialcirren 
besitzen, die (Um- Tastfunktion dienen. 

Ks ist wichtig hervorzuheben, daß bei diesen „podogang- 
liaten" Formen, wie ich sie nennen will, ähnlich wie bei den 
t c 1 ra n eil re n Können, die beiden Kategorien des peripheren Ner- 
vensystems in typischer Ausbildung vorhanden sind. Der Nerv, 
der bis jetzt immer bei diesen Formen als der Scgmcntalnerv 
beschrieben wurde,, ist, gar kein peripherer Nerv im strengen 
Sinne, ist, als die QucrkommisHur, die Parapodialganglien und 



Zur vergleichenden Anatomie der Polychiiten. 



87 



Bauchmarkganglion verbindet, dem zentralen Nervensystem zuzu- 
rechnen. 

Wieder einen anderen Typus des metameren Nervensystems 
repräsentieren die übrigen Ordnungen der Polychäten, vor allem 
die Drilomorpha, Terebellomorpha und Serpulimorpha, während die 
Spiomorpha den Übergang vom podogangliaten Typus zu bilden 
scheinen. Dieser Typus mag provisorisch als apodogangliater 
Typus bezeichnet, durch ein negatives Merkmal charakterisiert 
werden. Doch bin ich sicher, daß weitere Untersuchungen noch 
diesen Typus in mehrere Teile werden auflösen können. Der apodo- 
gangliate Typus ist ausgezeichnet durch das Fehlen des Parapodial- 
ganglions. Damit im Zusammenhange verwischt sich der sonst so 
deutliche Unterschied zwischen Querkommissur, peripherem Nerven- 
system des Hautmuskelschlauches und dem des Parapodiums. Die 
Nerven, die hier als die eigentlichen Segmentalnerven imponieren, 
gehören vorzugsweise dem peripheren Nervensystem des 
Hautmuskelschlauches an. Dies drückt sich unter anderem auch 
dadurch aus, daß bei diesen Formen eine ganze Anzahl von soge- 
nannten Segmentalnerven vorhanden sind. 

Diesem dineuren (und zwar podogangliaten) Typus des Ner- 
vensystems im größten Teile des Wurmkörpers von Lepidasihenia 
steht nun im Vorderende, in den ersten zwei Metameren, die Tetra- 
neurie gegenüber. Den Verhältnissen daselbst ist bis jetzt nur 
wenig Aufmerksamkeit zugewendet worden und sie sind deshalb 
nur oberflächlich beschrieben. In der letzten anatomischen Arbeit 
über Aphroditiden (G. Darboux, 1899 2 ) wird eine doppelte Wurzel 
der Schlundkommissur beschrieben; nach kurzem Verlaufe vereini- 
gen sich die beiden Wurzeln und bilden ein Ganglion, das Kom- 
missuralganglion, das als erstes Bauchmarkganglion aufzufassen 
ist. Von diesem Kommissuralganglion aus erfolgt die Innervierung 
der Fühlercirren. 

Wie Sie aus der schematischen Rekonstruktion (Fig. 2) er- 
sehen, liegen die Verhältnisse viel komplizierter. Aus dem Cerebral- 
ganglion treten wohl zwei Nerven aus, doch ist nur der hintere 



x ) Darboux G., Recherches sur les Aphroditiens, 1899. Travaux de 
l'Institut de Zoologie de l'Universite de Montpellier. 



88 Otto Storch. 

als die Wurzel des Bauchmarksnerven anzusehen. Kurz nach dem 
Verlassen des Gehirnes geht er in die Bildung eines großen Gang- 
lions ein, des sogenannten Kommissuralganglions. Dieses Ganglion 
ist sicher aus der Verschmelzung zweier Bauchmarkganglien hervor- 
gegangen. Für diese Auf- 
fassung sprechen, außer den 
beiden in der Figur einge- 
zeichneten Querkommissuren, 
die das Kommisuralganglion 
mit dem vorderen Nerv ver- 
binden, noch zwei nicht ein- 
gezeichnete Nerven, die von 
diesem Ganglion abgehen, 
um zur Bildung des Schlund- 
nervensystems beizutragen. 
Ich will dies nur erwähnen, 
kann jedoch auf die Bedeu- 
tung des Schlundnervensy- 
stems für die Analyse des 
Vorderendes der Polychätcn 
hier nicht näher eingehen. 
Der vordere Nerv, der aus dem Gehirne austritt, hat nur 
einen kurzen Verlauf und ist mit zwei Ganglien versehen. Diese 
beiden Ganglien sind durch Kommissuren mit dem Kommissural 
ganglion verbunden. Diese Verhältnisse sind nur dann zu verstehen, 
wenn wir im vorderen Nerv das Rudiment des parapodialei 
Liingsnervcn erblicken, in den beiden Ganglien das erste und 
zweite Parapodialganglion, die in typischer Weise mit dem aus dem 
< rstci) und zweiten Bauchmarkganglion durch Verschmelzung her- 
vorgegangenen Kommissuralganglion durch Querkommissuren ver- 
bunden sind. Nun findet aber erst vom zweiten Parapodialganglion 
aus die Innervierung der Fiihlcreirren statt, die bis jetzt als dem 
ersten Segmente zugehörig angeschen wurden. Was ist es also mit 
dem ersten Segment, das zwischen Kopf und Fühlercirrcnscgment 

liegt V 

Ks wird Ihnen bekannt sein, daß das Kopfsegment, oder gc- 
nauer auHgcdrliekt, das Prostornium vieler Cliactopoden mit ten- 




Fig. 2. 

Nervensystem des Vorderendes von Lepid- 
asthenia elegans. 

Cc Cerebralcirren ; Fe Fiihlcreirren ; Kg Kommissu- 
ral<?antrlion (verschmolzenes 1. u. 2. Bauehmark- 
ganglion) ; N ett Palpennerv; P Palpe. Übrige Be- 
zeichnungen wie in Fig. 1. 



Zur vergleichenden Anatomie der Polychäten. 



89 



takelartigen Tastorganen ausgerüstet ist. Es werden davon gewöhn- 
lich zwei Kategorien unterschieden. E. Meyer 1 ) hat sie zuerst in 
„neurale" (ventrale) und „hämale" (dorsale) Tentakel geteilt. 
Herr Hofrat Hatschek 2 ) hat diese Unterteilung auf die ganze Gruppe 
der Polychäten ausgedehnt und die „neuralen" Tentakel als Pri- 
märtentakel oder Palpen, die auf die Tentakel der Trochopliora 
zurückzuführen sind, die hämalen als Cerebral cirren bezeichnet. 
Danach sollen die Primärtentakel bei Protodrilus, Polygordhis, 
Saccocirrus und den Spioniden als einzige Kopfanhänge vorkommen, 
während sie bei den Kapacien meistens neben den Cerebralcirren 
auftreten und hier als Palpen bezeichnet werden. Diesen Palpen 
wurde in vielen Fällen sogar ein eigenes Gehirnganglion, das vor- 
dere oder Palpenganglion, zugeschrieben. 

Nun aber konnte ich bei meinen Untersuchungen nachweisen, 
daß in dem Begriffe „Palpen" einige ganz heterogene Gebilde ver- 
einigt erscheinen. Bei Hermodice z. B. werden die wulstigen Lippen- 
gebilde, die auf der Unterseite des Kopfsegmentes sich befinden, 
als Palpen bezeichnet. Dieselben erhalten eine starke, ich möchte 
sagen, diffuse Innervierung von der Basis des Gehirnes her. Sie 
sind sicher dem Kopfsegment zuzurechnen. Als ganz dieselbe Bil- 
dung sind auch nach meinen Untersuchungen die Palpen der Cuni- 
ciden, wo solche vorkommen, zu betrachten. Ich nenne diese Art 
von Palpen „Lippenwülste". 

Als ganz andere Organe stellen sich die sogenannten Palpen 
der Aphroditiden heraus. Zum Verständnis muß ich aber erst eines 
Befundes bei Hermodice Erwähnung tun. Wir haben schon davon 
gehört, daß die Homomerie im Vorderende von Hermodice ziemlich 
ausgesprochen ist, daß es zu keiner Reduktion von Segmenten, zu 
keiner wesentlichen Modifikation derselben gekommen ist. Dennoch 
tritt das erste Metamer schon in nähere Beziehung zum Kopf. An 
[ der mediodorsalen Seite desselben finden wir beiderseits eine starke 
I Ektodermverdickung und eine Ausbuchtung dieses Streifens. Von 
| der Dorsalseite betrachtet, schaut dieser Ektodermwulst einem rudi- 
mentären Segmente ähnlich. Er ist aber, wie gesagt, nichts als 

1 ) Eduard Meyer, Studien über den Körperbau der Anneliden, Mitth. 
zool. Stat. Neapel, VJIL, 1888. 

2 ) B. Hatschek, Lehrbuch der Zoologie, Jena, 1888. 



90 



Otto Storch. 



eine Ektoderm Verdickung- des ersten Segmentes. Dieser Ektoderm- 
wulst ist beiderseits mit einer doppelten Wimperreibe verseben und 
wird, was besonders wichtig ist, vom Gehirn aus innerviert. 
Wir haben also im ersten Metamer von Hermodice drei Nerven, 
die vom Cerebralganglion aus eintreten. Außer dem Bauchmarks- 
nerv und dem parapodialen Längsnerv noch einen dritten, der 
diesen Ektoderm wulst innerviert (Fig. 1, N. ect). 

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist nun die Palpe von Lepid- 
asthenia diesem Ektodermwulst zu vergleichen. Vor allem hat sie 
mit dem Kopfe sicher nichts zu tun; sie liegt seitlich von ihm, ihr 
Coelom tritt mit dem Kopfcoelom in keine Verbindung, wie dies 
bei den echten Kopftentakeln der Fall ist. Außerdem tritt nur ein 
Nerv in die Palpe ein, nicht eine ganze Anzahl, wie bei den 
Lippenwülsten von Hermodice und den Euniciden. Und dieser Nerv 
geht von der Lateralseite des Gehirnes ab. 

Nach meiner Auffassung sind also die Palpen von Lepid- 
asthenia die vom ersten Segment emanzipierten, zu röhren- 
förmigen Tastorganen umgewandelten Ektodermwülste 
von Hermodice. Diese Auffassung wird unterstützt durch das, 
wenn auch rudimentäre, Vorhandensein des metameren Nerven- 
systems des ersten Segmentes (1. Bauchmarkganglion, 1. Para- 
podialganglion und Querkonimissur) unterhalb der Palpe. Außer- 
dem sprechen dafür die seltsamen, auf starke Reduktionen hin- 
deutenden Ooelomverhältnisse in dieser Region, auf deren genauere 
Besehreibung ich aber hier nicht eingehen kann. Wir haben dann 
also als erstes Segment, das stark umgewandelt ist, die Palpe auf- 
zufassen, und als zweites Segment das Fiihlereirrenseginent. In 
diesen beiden Segmenten, die zum Kopfe in nähere Beziehung 
getreten sind, herrscht der tetraneure Typus des Nervensystems. 
Audi hier isl wieder hervorzuheben, daß weder von einer Schlund- 
kommissur noch von einem Subösophagealganglion im strengen 
Sinuc, die Kode sein kann. Das bis heute als Unterschlundganglion 
angesehene Ganglion an der ventralen Vcrcinigungsstellc der beiden 
Baucbmarksnerven nach Umgreifung des Ösophagus ist aus der Kon- 
kreszenz des dritten und vierten Bauchmarkganglion hervorgegangen. 

Bevor ich mm zur Beschreibung meiner Befunde bei Tomo- 

pterii übergebe, will ich noch kurz darauf hinweisen, daß auch bei 



Zur vergleichenden Anatomie der Polychäten. 



91 



anderen Familien der Rapacien der tetraneure Typus des Nerven- 
systems im Vorderende, in den Segmenten, die zum Kopfe in 
nähere Beziehung- getreten sind, in der Literatur beschrieben wurde, 
ohne erklärt werden zu können. Es sind dies zwei Arten von 
Nereiden, Nereis virens, die von Turnbull 1876, von Hamaker 
1898 und von Langdon 1906 1 ) untersucht wurde. Dann Cerato- 
cepliale osaivai, der japanische Palolowurm, den Izuka 2 ) beschrieben 
hat. Es wird bei ihnen ein zweiter, äußerer, sogenannter akzes- 
sorischer Schlundring beschrieben, der mit zwei Ganglien ver- 
sehen ist. Diese Ganglien sind sicher den Parapodialganglien zu 
vergleichen. Von diesen Ganglien aus findet dann erst die Inner- 
vierung der Fühlercirren statt, die bei den Nereiden bekanntlich 
zwei Segmenten zugehören. Wir haben also mindestens in den 
beiden Segmenten, die die Fühlercirren tragen, den tetraneuren 
Typus des Nervensystems vertreten. 

Ganz ähnliche Verhältnisse des. Nervensystems im Vorderende 
hat jüngst Hugo Eisig bei IcMliyotomus sanguinarius, s ) einer para- 
sitischen Syllidee, beschrieben, die an den Flossensäumen von Aalen 
parasitiert. Auch hier werden die Fühlercirren nicht vom Sub- 
ösophagealganglion, sondern von einer sogenannten zweiten Schlund- 
kommissur innerviert, die mit zwei Ganglien versehen ist. 

Ich selbst habe noch Gelegenheit gefunden, einen zweiten 
Vertreter der Rapacien einer Untersuchung zu unterziehen. Es ist 
dies die pelagische Tomopteris Kefersteini, die ich aus Neapel be- 
kommen habe. Die Verhältnisse bei Tomopteris liegen wesentlich 
einfacher als bei Lepidasthenia. Es handelt sich vor allem um 
die Innervierung des großen Borstencirrus, der seitlich vom Kopfe 
abgeht. Die morphologische Bedeutung dieses Borstencirrus war 
bis heute strittig. Die einen behaupteten, er sei genetisch dem 



J ) Turnbull F. M., Anatorny and habits of Nereis virens. Trans. Con- 
necticut Acad., T. 3, 1876. — Hamaker J. J., The nervous System of Nereis 
virens Sars. Bull. Mus. Harvard College, T. 32, 1898. — Langdon Fanny E., 
The sense-organs of Nereis virens Sars. Journ. compar. Neurology, Vol. 10, 1900. 

2 ) Izuka A., On some points in the Organisation of Ceratocephale osa- 
wai Iz. Annotationes zoolog. Japonenses, Vol. V, Tokyo, 1905. 

8 ) Hugo Eisig, Ichthyotomus sanguinarius, eine auf Aalen schmarotzende 
Annelide. Fauna Flora Neapel, 28. Monographie, 1906. 



92 



Otto Storch. 




Fig. 3. 



Kopfe zuzurechnen und werde auch vom Gehirne aus innerviert. 
Gegen diese Auffassung spricht aber das Vorhandensein der Borste 
im Cirrus. Andere, vor allem E. Meyer, 1 ) betrachteten den Borsten- 
cirrus als ein umgewandeltes erstes Segment, das nach vorne, auf 
den Kopf gerückt sei. Er werde auch nicht vom Gehirne, sondern 

vom ersten Bauchmarkganglion aus 
innerviert. Ich habe nun konstatieren 
können, daß beide Behauptungen in 
gewissem Sinne richtig sind. Der 
Borstencirrus erhält nämlich sowohl 
vom Gehirne wie vom ersten Bauch- 
markganglion einen Nerv (Fig. 3). 
Im Vereinigungspunkte bilden sie ein 
kleines Ganglion, von dem aus erst 
der eigentliche Nerv des Borsten- 
Nervensystem des Vorderendes von cirrus abgeht. Auch diese Verhältnisse 
Tomopteris Kefersteini. sind nur dann verständlich, wenn 

bc Borstencirrus. übrige Bezeichnungen w j r annehmen, daß in diesem ersten 

wie in Fig. 1. .. _ 

Segmente der tetraneure Typus des 
Nervensystems vorhanden ist. Der vom Gehirn in den Borsten- 
cirrus abgehende Nerv ist als das Homologon des parapodialcn 
Längsnerven, der hier nur bis ins erste Segment sich erstreckt, 
das Ganglion als das erste Parapodialganglion und der aus dem 
ersten Bauchmarkganglion zutretende Nerv als die Querkommissur 
aufzufassen. 

Als letzten Vertreter der Polychätcn habe ich noch Nerine 
c&rratuUts untersucht, einen Spioniden, der der Gattung Spio sehr 
nahe sieht. Die Analyse des Vorderendes von Nerine wird zeigen, 
(Infi wir es iu den Spioniden schon mit einem sehr modifizierten 
Typus zu tun haben, der entschieden im System hinter den Kapa- 
cien zu rangieren ist. Die Heteromeric im Vorderende ist noch 
vi* I weiter vorgeschritten als bei den Raubanneliden, die Tetraneuril 
daselbst aber noch deutlich vorhanden. 

her Kopf von Nerine cvrraiulus (Fig. 4) hat starke Reduk- 
tionen erfahren. Kr ist im wesentlichen auf eine dorsale Ektoderm« 

E Ifejer, über die morphologische Bedeutung der borstentragünden 
„Fttblercirren" ron Tomopteris, Biolog. Zentralblatt, Bd. 10, 1890. 



Zur vergleichenden Anatomie der Polychäten. 



93 



Verdickung beschränkt. Diese Ektodermverdickung erstreckt sich 
streifenförmig* von vorne ziemlich weit nach hinten. Ganz an der 
Vorderspitze erst, vor der Mundöffnung, schließt er sich ventral- 
wärts und endet so mit einem tentakelartigen Tastorgan. Der 
übrige, laterale und ventrale Teil der Körperwand, der den Kopf- 
streifen umgibt, ist sicher metamerer Her- 
kunft. Ich will ihn „pericephale Region" 
benennen. Er wird von zahlreichen Nerven 
innerviert, die ihren Ursprung im Bauchmark 
besitzen. Nur die oben beschriebenen, zum 
Kopfe gehörigen Teile werden von Gehirn- 
nerven innerviert, wie in der Fig. 4 schema- 
tisch angedeutet ist. 

Auf dieser pericephalen Region nun, die 
den Kopflappen umgibt und metamerer Her- 
kunft ist, sitzen die sogenannten Palpen von 
Nerine auf. Vom Cerebralganglion gehen 
jederseits zwei Nerven ab, 1. die sogenannte 
Schlundkommissur, der Ursprung des Bauch- 
marksnerven, und 2. vom Hinterende ein 
zweiter Nerv, der sich nach kurzem Verlaufe 
mit dem Bauchmarksnerv vereinigt. An dieser 
Vereinigungsstelle liegt ein kleines Ganglion, das ich als erstes 
Bauchmarkganglion auffasse. Der zweite, hintere Nerv ist in der 
Mitte seines Weges mit einem starken Ganglion versehen, von 
dem aus ein Nerv in die Palpe eindringt. Ich glaube, diese 
sonderbaren Verhältnisse können auch wieder nur dadurch erklärt 
werden, daß man den hinteren, vom Cerebralganglion abgehenden 
Nerv als das Rudiment des parapodialen Längennervs auffaßt, 
i Das Ganglion, das er bildet, wäre dann das Homologon des ersten 
Parapodialganglions und die Palpe das modifizierte erste Segment. 
In dieser Beziehung wären also die Verhältnisse ähnlich wie bei 
Tomopteris. Die Palpen der Spioniden sind darnach eine dritte 
Kategorie von Palpen; ich will sie mit dem Terminus Palpoden 
belegen. 

Wir haben also 1. die Palpen von Hermodice und den Euni- 
ciden, die basale Bildungen des Kopfsegmentes sind und die durch 




Fig. 4. 
Nervensystem des Vor- 
derendes von Nerine 

cirratulus. 
Nk Nerven des Kopfstrei- 
fens ; Np Nerv der Palpode ; 
Npc Nerven der pericephalen 
Region ; P Palpode ; Pc pe- 
ricephale Region. Übrige 
Bezeichnungen wie in Fig. i. 



94 



Otto Storch. 



eine große Anzahl von Nerven von der Basis des Gehirnes her 
innerviert werden (Lippen wülste). 2. Die Palpen der Aphrodi- 
tiden, die aus einem Teile des ersten Segmentes hervorgegangen 
sind, ihren Nerv aber vom Gehirne, und zwar jederseits einen 
von der Lateralseite des Gehirnes, erhalten. Wahrscheinlich sind 
sie homolog mit den mediodorsalen Ektodermwülsten des ersten 
Metamers von Hermodice (Palpen im engeren Sinne). Und 3. die 
Palpen der Spioniden, die direkt als das umgewandelte erste Seg- 
ment zu betrachten sind und die nicht vom Gehirne, sondern vom 
metameren Nervensystem, vom ersten Parapodialganglion, ihren 
Nerv erhalten (Pal po den). 

Für den stark modifizierten Charakter von Ncrine ist der 
beste Beweis die eigentümliche Ausbildung einer pericephalen Re- 
gion. Dieselbe wird durch eine ganze Anzahl von Nerven der 
verschiedensten Größe innerviert, die alle vom Bauchmarkstrange 
ihren Ursprung nehmen. Auf der Figur sind nur drei jederseits 
der Anschaulichkeit halber eingezeichnet (Fig. 4, Npc). Diese 
Nerven gehen alle vom zweiten Bauchmarkganglion ab oder von 
dein Bauchmarkkonnektiv, das zwischen dem ersten und zweiten 
Bauchmarkganglion liegt. Die pericephale Region muß also als 
ein umgewandeltes, stark verändertes zweites Segment aufgefaßt 
werden. Wahrscheinlich sind aber mehrere verschmolzene Segmente 
darin enthalten. Darüber kann nur die Ontogenese Aufschluß geben. 

So\ iel von meinen Befunden. Ich habe mich bemüht, alle 
die geschilderten Tatsachen, die ich zumeist an Querschnittserien 
gewonnen habe, durch das Studium von Sagittal- und Horizontal 
schnittserien zu verifizieren, und bin stets zu dem gleichen Resul- 
tate; gekommen. Die verschiedenen Innervationsverhältnisse glaube 
ich deshalb mit Sicherheit als richtig hinstellen zu können. Daß 
die Interpretation vielleicht durch das Studium anderer Arten und 
vor allem durch ontogenetische Untersuchungen noch mancherlei 
Pr&zifierting erfahren wird, dessen bin ich mir vollauf bewußt. 

Ich habe auch bei meinen Untersuchungen absehen müssen 
von dein Anteile, den hei den vielfältigen Umwandlungen die beiden 
Teile des Kopfscgmcntes, das l'rostoinium und das Mctastomium, 
nehmen. Da die Untersuchungen an erwachsenen 'Pieren gemacht 
wurden und uns bis beute noch ein Kriterium fehlt, diese Teile 



Zur vergleichenden Anatomie der Polychäten. 



95 



beim Erwachsenen ohne Berücksichtigung der Ontogenie zu unter- 
scheiden, war mir dazu die Möglichkeit genommen. 

Ich will nun noch kurz die Resultate meiner Untersuchungen 
zusammenfassen. Ich habe bei Hermodice einen neuen, bis jetzt 
noch unbekannten Typus des Nervensystems feststellen können, 
den ich kurz als Tetraneurie bezeichne. Dies und die sonst bei 
keinem Polychäten im Vorderende erhaltene Homomerie nebst den 
übrigen schon bekannten Merkmalen der Amphinomiden waren für 
mich Veranlassung, sie als Tetraneura den übrigen Polychäten i. e. S. 
gegenüberzustellen. Bei den anderen Polychäten, soweit ich sie 
untersucht habe, einschließlich der Familien, deren Nervensystem 
im Vorderende in der Literatur genauer beschrieben ist, finden wir 
einen dineuren Typus des Nervensystems, der aber als sekundär 
von der Tetraneurie abgeleitet zu betrachten ist. In den vordersten 
Segmenten, soweit sie mit dem Kopfe in nähere Beziehung treten 
(es kommen dabei das erste oder erste und zweite Metamer in 
Betracht), herrscht noch die Tetraneurie. Es sind dies bis jetzt 
die Familien der Aphroditiden, Nereiden, Syllideen, Tomopteriden 
und Spioniden. Das metamere Nervensystem, soweit es dem di- 
neuren Typus angehört, läßt selbst wieder mehrere Entwicklungs- 
stufen unterscheiden, Gut charakterisieren läßt sich bis jetzt nur 
der podogangliate Typus, wie er hauptsächlich den Rapacien zu- 
kommt, während der apodogangliate Typus einstweilen als provi- 
sorischer hingestellt werden muß. Den Begriff der Palpen war ich 
gezwungen, aufzulösen, und habe drei heterogene Gebilde, die bis- 
her in diesem Begriffe vereinigt waren, nachweisen können. Außer- 
dem ist zu erwähnen, daß meine Untersuchungen gezeigt haben, 
daß das, was wir als Schlundkommissur bezeichnen, ebensowenig 
ein strenger morphologischer Begriff ist, wie der Begriff Suböso- 
phagealganglion. 

Dann wird durch die Untersuchungen ein eigentümlicher Pro- 
zeß aufgezeigt, den ich alsCephalisationsprozeß der vordersten 
Segmente bezeichnen möchte. Bei Hermodice kaum angedeutet im 
ersten Segment, ist er bei Lepidasthenia schon sehr ausgesprochen 
und auch äußerlich sichtbar. Noch weiter geht dieser Prozeß bei 
Nerine. Und es zeigt sich, daß dabei gerade das Nervensystem 
eine wesentliche Rolle spielt. Das Nervensystem im eigentlichen 



96 



Otto Storch. 



Wurmkörper schlägt seine eigenen Wege ein und macht seine 
eigene Entwicklung durch, wie ich früher kurz angedeutet habe 
und später noch einmal ausführlicher nachweisen will, und ebenso 
die vordersten Segmente, die zur Kopfbildung mit herangezogen 
werden. Nur sie behalten den ursprünglichen tetraneuren Typus 
des Nervensystems bei. 

Als nächste und wie ich glaube aussichtsreiche Aufgabe stelle 
ich mir die Analyse des Vorderendes, wie ich sie bei den vier 
untersuchten Arten durchgeführt habe, in der ganzen Gruppe der 
Anneliden fortzusetzen. Dabei hoffe ich, auf einige interessante 
und in bezug auf die vergleichende Anatomie wichtige Fragen, die 
sich mir bei meinen Untersuchungen entgegengestellt haben, eine 
Antwort zu finden. Es ist vor allem die Frage, ob die Tetraneurie, 
wie wir sie bei den Amphinomiden haben konstatieren können, 
als die ursprünglichste Beschaffenheit des Nervensystems aller An- 
neliden und damit auch der Articulaten überhaupt angesehen 
werden kann. Weiters glaube ich, durch derartige Untersuchungen 
Anhaltspunkte zu gewinnen, die die Verwandtschaftsverhältnisse 
der Meereswürmer untereinander besser aufzeigen als die Kriterien, 
die man bis heute für die systematische Einteilung derselben ver- 
wendet hat. Ich hoffe, so die Systematik der Meereswürmer vor 
allem auf die Beschaffenheit ihres Nervensystems gründen zu 
können. 

Zum Schlüsse möchte ich noch auf Folgendes hinweisen. Die 
Polychäten gehören, wie überhaupt die Articulaten, zum großen 
Tierkreise der Zygoneura. Die beiden anderen großen Unter- 
gruppen derselben, sowohl die Scoleciden wie die Mollusken, be- 
sitzen durchwegs, um mich so auszudrücken, polyneuren Typus. 
Bei den Scoleciden sind sechs Längsnerven typisch, bei den Mol- 
lusken mindestens vier oder, wie bei den Conchifcrcn, wieder 
sechs. Nur hei den Articulaten waren bis jetzt nur zwei Längs- 
nerren bekannt. In dieser Beziehung ist es nun interessant, daß 
wir auch hei den ursprünglichen Formen der Articulaten, unter 
den MeereswMrmcrn, eine Familie, die Amphinomiden, besitzen, die 
ebenfalls polyneur sind. Sie besitzen vier Längsnerven, und wenn 
wir die Schliindiiei \ en mitrechnen, w;«s ja angängig ist, da die 
Artieiihiten gegliedert« Tiere sind, Scoleciden und Mollusken unge* 



Zur vergleichenden Anatomie der Polychäten. 



97 



gliederte, sechs. Und in dieser Gruppe der Meereswürmer können 
wir auch den Weg verfolgen, der von der Tetraneurie zur Dineurie 
führt, die, von den Oligochäten angefangen, sicher bei den Articu- 
laten die herrschende ist. Weitere Untersuchungen müssen uns 
erst aufklären, ob darin nur eine seltsame Konvergenz liegt, oder 
ob die einzelnen Längsnerven in den drei großen Untergruppen 
der Zygoneura homologisierbar sind. 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 

Von 

Frau Paula Demelius. 

IV. 

(Mit Taf. I.) 
(Eingelaufen am 19. März 1912.) 

Den Begleitworten der früher erschienenen Beiträge möchte 
ich nur folgendes anfügen: 

An neuer Literatur wäre zu erwähnen: 
Adalbert Ricken: Die Blätterpilze Deutschlands. 1., 2. und 
3. Lieferung. 

Rene Maire: Les bases de la Classification dans le genre 
Russula. Bulletin de la Societe Mycologique de France, Tome XXVI, 
1° fascicule. 

Außer den schon früher erwähnten Bildwerken werden hier 
zitiert : 

Britzelmayr: Leucospori. 

Costantin et Dufour: Nouvelle Flore des Champignons. 
Dufour: Atlas des Champignons. 
Krombholz: Naturgetreue Abbildungen etc. 
Schaeffer: Fungorum qui in Bavaria etc. nascunt, Icones. 
Das Zeichen -f- zwischen zwei Nummern des Code des Cou- 
leurs bedeutet, daß beide Farben an einem Hute zu finden waren. 

Z. B. Ges. 62. Bd. 7 



98 



Paula Demelius. 



Von den Angaben der Autoren Bresadola, Corda, Ricken, 
Voglino weichen die Ergebnisse meiner Untersuchungen ab bei: 
Mycena lineata (vgl. I. Beitrag, Taf. I, Fig. 6). 
Cantharellus cibarius. 
Lactarius sanguifluus. 

Ein übereinstimmendes Resultat ergab die Betrachtung folgender 
Pilze, die hier deshalb nicht weiter behandelt werden: 
Marasmius epiphyllus Pers. 

Inocybe cincinnata Fr. (außer den von Patouillard, 1. c. abgebil- 
deten Formen fanden sich keulen- und flaschenförmige Cy- 
stiden, aber seltener.) 

Inocybe geophila B. forma alba. 

Inocybe rimosa f. perbrevis Weinm. 

Volvaria pusilla Pers. (Volvaria parvula Fr.) 

Pluteus nanus Pers. 

Rassida lepida Fr. (spindelförmige Cystiden ohne Exkretionen, wie 

sie Bresadola, 1. c, Tav. 204, abbildet). 

Von Pleurotus olearius (vgl. Beitr. III, Taf. 3, Fig. 8) fand 
ich in einem hohlen Buchenstrunke via Troppberg — Rekawinkel 
mehrere Exemplare mit spindelig auslaufendem Stiele und ange- 
wachsenen, nicht herablaufenden Lamellen, deren Schneide durch 
kugelige und keulenförmige Randhaare, vermengt mit linearen spitzen 
Cystiden gewimpert war. (Vgl. die für Amanita rubescens gegebene 
Abbildung auf Taf. III, Fig. 1.) Auf der Fläche der Lamellen 
fehlten die Cystiden. Das spindelige Ende des Stieles ist dem 
Standorte zuzuschreiben; andererseits traf ich Collybia radicata 
Reih., deren Stiel gewöhnlich in eine spindelförmige Wurzel aus- 
lauft, mehrfach auf Holz mit knollig endendem Stiele (von Batsch, 
1. c. abgebildet). 

Myerurt pura Pers. scheint in bezug auf die Cystiden gerade 
so veränderlich zu sein als bezüglich Form und Farbe; ich fand 
bei verschiedenen Kxemplarcn Cystiden in den Formen Taf. I, 
Fig. 11 (die cuterförrnige Cystide) und Fig. 0, womit man die Ab- 
bildungen Patoaillards, Steinhaus' und öillets vergleichen möge. 

Wie PhObufl 'siehe Vorwort des erstem Beitrages) mitteilt, 
sind die Cj Miden bei Inocybe yrophila inkonstant. Hei Exemplaren 
von Inooybt geophila var. fufoa fehlten die dieser Art eigentllm- 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



99 



liehen Cystiden, sehr selten zeigten sich spindelförmige, wie sie 
Patouillard, 1. c., als zweite Form für Inocybe rimosa abbildet. 

Bei einer größeren Form von Psilocybe atrorufa Sch. fanden 
sich außer der Taf. IV, Fig. 32 b abgebildeten Form der Cystiden, 
auch die Formen Taf. IV, Fig. 24 c. 

Um den Druck zu vereinfachen, habe ich mich folgender 
Abkürzungen bedient: 



Sp. 


= Spore. 


H. - Hymenium. 


tr. 


= trocken. 


S. H. = Subhymenialschicht. 


n. 


= naß. 


Tr. = Trama. 


B. 


= Basidie. 


Fl. = Fläche. 


St. 


= Sterigmen. 


Sehn. = Schneide. 


c. 


= Cystiden. 


E. = Epidermis. 


D. 


= Durchmesser. 


L. = Länge. 



Die Abbildungen der Sporen sind nach nassen Sporen ge- 
zeichnet, Unterschiede in der Größe sind sehr gering und Farben- 
unterschiede lassen sich durch die Zinkotypie nicht wiedergeben. 

Zum Schlüsse erübrigt mir nur noch, den Herren Hofrat Ritter 
v. Höhnel in Wien und Abbate Jacopo Bresadola in Trient für 
die freundliche Durchsicht und Berichtigung meiner Bestimmungen 
sowie Herrn Kustos Dr. Alexander Zahlbruckner für die Erlaubnis, 
die Bibliothek des k. k. Hofmuseums zu benützen, wärmstens zu 
danken. 

Tricholoma grammopodium B. Taf. I, Fig. 1. 
Sp. oval, tr. rosa, n. hyalin, 7*2 — 8*4 : 4-8 — 6 B. keulenför- 
mig, 26 — 34: 8-4 — 9*6 p. St. 2 4 fi. C. spindelig, flaschenförmig, oben 
i spitz, bisweilen von der Mitte ab plötzlich verschmälert, 1 ) von feinen 
| Härchen bekrönt, die leicht abfallen, 62*5 — 65 : 9 6 — 12 ^, über das 
ganze H. verteilt, an der Sehn, nicht häufiger. Sie sind von fein- 
I körnigem Plasma erfüllt. Tr. besteht aus wurstförmigen, parallelen 
Hyphenketten. S. H. zeigt rundliche Hyphen. Im H. finden sich 
gelbliche Körner. E. des Hutes ist ein Geflecht von gelblichen line- 



*) Die gewöhnliche spindelige Form der C. zeigt Costantin et Dufour, 
Nouvelle Flore des Champignons, Fig. 108 c. Ich habe daher nur die anderen 
ebenso häufigen Formen abgebildet. 

7* 



100 



Paula Demelius. 



aren Hyphen, welche in spitze Haare enden und gelbe Körnchen 
eingelagert zeigen. D. des Hutes 3 — 4 cm, des Stieles 6 — 7 mm, 
L. desselben 4*5 — 5*5 cm. 

Hochschneeberg, Ochsenboden auf Rasen. Juli. 

Bulliard, Champignons de la France, I, 548, Fig. a und b. 

Mycena haematopus Pers. Taf. I, Fig. 2. 

Sp. oval bis elliptisch, an einem Ende zugespitzt, 8 — 10 : 6 ^, 
hyalin. B. keulenförmig, 24:6—7-2^. St. 2 4^. C. flaschen- bis 
spindelförmig, oben abgerundet, 38 : 9 6 auf der Fl. regelmäßig 
verteilt. Sehn, dicht mit linealen bis spindelförmigen Cystiden be- 
setzt, am Scheitel spitz oder zugespitzt, 41 — 45 : 4*8 — 8*4 ^. S. H. 
besteht aus kleinen, rundlichen Hyphen, die S. H. der Sehn, ist 
gelblich, Tr. zeigt unregelmäßige, blasige Hyphen. 

D. des Hutes 5 — 8 mm, des Stieles 1 mm, L. desselben 
1-5— 3 cm. 

Via Scheiblingstein— Steinriegel, auf Buchenstrünken. Oktober. 
Fries, Icones selectae etc., Taf. 83, Fig. 1. 

Mycena polygramma B. Taf. I, Fig. 3. 

Sp. oval bis elliptisch, häufig an einem Ende zugespitzt, 
tr. 8 4 — 10 5 : 4 8 — 6 6^, hyalin mit dunklem Rand, n. 8 4 — 13: 
54 — 8 u, hyalin, meist mit einem oder zwei Oltropfen. B. schmal, 
keulenförmig, 19 — 24:4-8 — 6^. St. 1-4 — 36^. Cystiden meist 
Bpindelig, doch auch linear, kculen- und euterförmig, bisweilen 
Spindelig mit einer Einschnürung im zweiten Drittel der Länge, 
meist mehr oder weniger zugespitzt, oft von feinkörnigen» Plasma 
erfüllt, 48— 62*5 : 7-2 - 17 f t, über das ganze II. verteilt, an der 
Selm, gehäuft. An manchen Exemplaren fehlen sie ganz oder sind 
selten. Tr. besteht aus kurzen, wurstformigen, meist parallelen 
Hyphen. gegen das zentrale Ende wird sie blasig, S. II. aus kleinen, 
randlichen Hyphen. E. des Hutes zeigt, ein sehr lockeres Geflecht 
von bandförmigen Hyphen, welchem gelbe Körnchen aufgelagert 
sind. Goldgelbe Körner finden sieh auch im II. 

DorcbmeMer des Hutes 2 — .'5 cm, des Stieles 3 — 4 mm, Länge 
desselben 1 "J cm. 

Via Ifaner -Laab, anf Walderde. Oktober. Via Potcr Stadel— 

Kodaun auf moderndem Eichenlaub. November. Mauer, Führen' 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



101 



wald, auf abgefallenen Ästchen. Mai. Hietzing, Bauplatz, auf Co- 
rylus avellana. November. 

Britzelmayer, Leucospori, Fig. 234. 

Cooke, Illustration s of British fungi, Taf. 223. 

Mijcena lineata Bull. 1 ) Taf. I, Fig. 4. 

Sp. tr. 8*4-12: 7 8— 9*6^, n. 10-14:6—7^, hyalin, oval 
bis elliptisch, mit deutlich abgesetzter Spitze. B. keulenförmig, 
24—29 : 8-4—9-6 [x. St. 9 6 \i. Cystiden finger-, spindel- bis flaschen- 
fönnig, mit lanzettlichem, pfriemenförmigem oder abgerundetem 
und mit einem Spitzchen versehenem Scheitel, manchmal mehr oder 
weniger tief gegabelt, mit feinkörnigem Plasma erfüllt, 84—98-5 : 
9-6 — 19 |u, in regelmäßigen Abständen über das H. verteilt, an der 
Sehn, gehäuft. S. H. besteht aus kleinen, rundlichen, Tr. aus größeren, 
blasigen Hyphen. E. des Hutes zeigt ein sehr lockeres, großmaschiges 
Geflecht von schmalen Hyphen, deren Zellsaft bräunlich gefärbt ist. 

D. des Hutes 4 — 5 mm, des Stieles 0*5 — 1mm, L. desselben 
2—3 cm. 

Ober-St. Veit, Waldparzelle, Oktober. 

Bull., 1. c, Taf. 522, Fig. 3. (Meine Exemplare zeigten eine 
kleine Papille auf dem Scheitel des Hutes.) 

Omplialia telmatiaca Berk, et Cooke. Taf. I, Fig. 6. 

Sp. 7-2 — 9 : 4 8 — 5 6 oval bis elliptisch, an einem Ende zu- 
gespitzt, hyalin. B. keulenförmig, 24 : 6 ( u. St. 4*8 ( u. Sterile B. 
19 : 2—4-8 [j,. Cystiden spindelförmig, bisweilen in der Mitte weit 
ausgebaucht, an dem Scheitel abgerundet oder scharf pfriemenartig 
zugespitzt, 38 b : 8*4 — 17 regelmäßig über das H. verteilt, an der 
Sehn, nicht häufiger. Tr. besteht aus parallelen, wurstförmigen 
Hyphenketten, S. H. aus kleinen, rundlichen Hyphen. E. des Hutes 
zeigt ein weitmaschiges Geflecht von breiten, bandförmigen, mit 
gelbem Zellsaft erfüllten Hyphen, welchen goldgelbe und farblose 
Körnchen ein- und aufgelagert sind. Das H. ist mit goldgelben 
und dunkelbraunen Körnchen übersät, ebensolche finden sich im 
Hutfleisch. 

D. des Hutes 12 — 13 mm, des Stieles 2 mm, L. desselben 3 cm. 



*) Vgl. I. Beitrag. Da die Exemplare aus dem Wiener Wald und die 
aus Aussee in keiner Weise stimmten, gebe ich hier die Daten der ersteren. 



102 



Paula Demelius. 



Lercheiireith bei Aussee, auf Moos im Moor. Juli. 
Cooke, l. c, Taf. 240. 

Pleurotus conchatus B. (Panus conchatus Fr.) Taf. I, Fig. 5. 

Sp. tr. und n. oval, hyalin (n. mit 1 — 2 Oltropfen), 4 2 — 5 4 : 
6 4 — 7 2 ii. B. schmal keulenförmig, in die Tr. tibergehend, 29—31 : 
6 — 7-2 St. 3-6 yi. C. spindelig, am Scheitel spitz oder zugespitzt 
und mit Körnchen besetzt, in der Mitte zeigen sie gelben, fein- 
körnigen Plasmainhalt, der sich bis in das oft gebogene und weit 
in die Tr. reichende Ende erstreckt. (In Daraufsicht erscheint 
daher die C. als ein hyaliner Kreis, der einen kleinen gelben Kreis 
einschließt.) 79— 98 5 : 18-6 ^. S. H. fehlt. Tr. besteht aus linearen, 
gegabelten, dicht verflochtenen Hyphen; E. des Hutes aus ver- 
schlungenen linearen Haaren, welche bald spitz, bald abgerundet 
enden, und einzelnen in Form und Struktur den Cystiden völlig 
gleichen Haaren. Sie unterscheiden sich nur durch die Größe und 
den abgerundeten Scheitel von den C. 

D. des Hutes 5—5 5 : 3 — 4, des Stieles 1 cm, L. desselben 
10-12 mm. 

Via Perchtoldsdorf — Mauer, auf Buchenstrünken. Oktober.. 
Schaeffer, 1. c, Taf. 43, Fig. 3. 

Hijyrophorus niveus Scop. Taf. I, Fig. 7. 

Sp. 3-6—4-8:6 — 7*2^, oval, manchmal an einer Seite spitz, 
hyalin. B. schmal-keulenförmig, 29:7-2^. St. 3 6 ^ C. 41:9 6 J 
keulenförmig, das untere Ende sehr verschmälert, in der Mitte ein- 
geschnürt, mit hakiger Spitze, zerstreut und selten, reichen tiefer 
in die S. II. als die Ii. S. II. besteht aus kleinen, runden Hyphen, 
Tr. aus parallelen, in sehr kurze Abschnitte septierten Hyphen. 
E. des Hutes zeigt ein lockeres Geflecht von linearen, an dem Ende 
gerundeten Haaren. 

I>. des Hutes 3 — 4cm, des Stieles 6 — 7 mm, L. desselben 
4 — 5 5 cm. 

Koter Stadel, Wies«;. Oktober. 

Dnfonr, Aths des Champignons etc., Taf. 19. 
Patonillard, Tabalae analyticae etc., Taf. 2. 

(!(infhar<'llns eihnrim Fr. Taf. I, Fig. 8. 
Sp. tr. mit dunklerem Hand, n. mit feinkörnigem Inhalt, ellip- 
tisch, hyalin, 7-2 9*6 : 4 8— 5-6 p. Ii. oblong, schmal, 48:4'8|U| 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



103 



wie die C. von feinkörnigem Plasma erfüllt, in die Tr. übergebend. 
C. oblong, schmal, mit mehr oder weniger abgerundetem Scheitel 
oder mit abgesetztem, rundem Kopf, seltener spindelig mit abge- 
setztem Köpfchen, häufig, über das ganze H. verteilt, aber wenig 
hervortretend. 1 ) S. H. fehlt. Tr. besteht teils aus rundlichen, teils 
aus bandförmig verflochtenen Hyphen. E. des Hutes zeigt ein Ge- 
flecht von bandförmigen, gelben Hyphen, aus welchen keulenför- 
mige, mit feinkörnigem Plasma erfüllte Haare aufragen. H., Hut- 
fleisch und E. enthalten hell- und goldgelbe sowie dunkelbraune 
Körnchen. 

D. des Hutes 5 5 — 6 cm, des Stieles 1*5 — 2 cm, L. desselben 
3 — 3 5 cm. 

Brodersdorf, Eichen- und Föhrenwald, auf Erde. Juli. 

Cooke, l. c, Taf. 1103. 

Lactarius obnubilus Lasch. Taf. I, Fig. 9. 

Sp. tr. grau, n. hyalin, warzig, kugelig (n. mit 1 Oltropfen), 
6—8-4^. B. keulenförmig, 36 : 4*8— V2 ( u. St. 4-8 \i. C. linear, meist 
spitz, seltener abgerundet oder zugespitzt, manchmal mit hakiger 
Spitze, 65—96 : 6 — 9*6 ^, auf der Fläche zahlreich, an der Sehn, 
gehäuft, zeigen feinkörnigen, plasmatischen Inhalt. S. H. blasig, 
von der Tr. nicht verschieden. Tr. blasig, manche Lamellen haben 
in der Mitte lineare, bandförmige, verflochtene Hyphen. E. des 
Hutes ein lockeres Geflecht aus linearen Haaren mit abgerundeten 
Enden. E. des Stieles besetzt mit Büscheln von schmal keulen- 
förmigen Haaren. Im H. finden sich gelbe Körner. 

D. des Hutes 35 cm, des Stieles 4 mm, Länge desselben 
2 5—3 cm. 

Mauer, Eichen- und Föhrenwald, zwischen Moos auf Erde. 
November. 

Code des Couleurs, Nr. 107 + 116. 

Lactarius sanguifluus Paul. Taf. I, Fig. 10. 

Sp. rund oder rundlich, warzig, tr. grau, n. gelblich mit 1 Ol- 
tropfen, 7-8— 10-2 : 7-8 B. keulenförmig, 48:9-6^. Sterile B. 

x ) Corda, Icones fungorum und Steinhaus, Analytische Agaricineen- 
studien geben für C. cibarins keine C. an; ebensowenig: Adalbert Ricken, 
Die Blätterpilze Deutschlands. Die von Corda und Ricken angegebenen B. 
mit 6 St. konnte ich nicht finden. 



104 



Paula Demelius. 



36:72^. St. 1*2 — 2 4 \i. C. linear bis spindelig, mit spitzem oder 
abgerundetem Scheitel, manchmal keulenförmig, in der Mitte ein- 
geschnürt, in eine hakige Spitze auslaufend, bisweilen mit fein- 
körnigem Plasma erfüllt, auch in tiefere Schichten der Tr. hinab- 
reichend, 60:7*2 — 9-6^, häufig, aber nicht sehr ins Auge fallend, 
auf Fläche und Sehn. 1 ) S. H. von der Tr. nicht wesentlich ver- 
schieden. Tr. besteht aus kleinen, rundlichen Zellen; E. des Hutes aus 
einem Geflecht linearer, am Scheitel abgerundeter, septierter Haare. 

D. des Hutes 6*5 — 7'5 cm, des Stieles 1*5 cm, L. desselben 
2-5—3 cm. 

Via Perchtoldsdorf — Josefswarte, gemischter Laubwald, auf 
Erde. Oktober. 

Code des Couleurs, Nr. 107 + 116 + 121 + 192. 
Lactarius blennius Fr. Taf. I, Fig. 11. 

Sp. oval, seltener rundlich, warzig, manchmal mit einem Häk- 
chen versehen, gelblich, tr. 3-4-7-2 : 6-8-4 n. 3-4-7 2 : 7-2-96 fi 
B. schmal keulenförmig, 24 — 29:7-2^. St. 2 4 (x. C. teils euter- 
förmig (nur an der Fläche, seltener), 48 : 14 5 ^, teils keulig mit 
aufgesetztem Köpfchen oder linear bis spindelig mit spitzem, zu- 
gespitztem, abgerundetem oder als Köpfchen abgesetztem Scheitel, 
bisweilen von feinkörnigem Plasma erfüllt, 60 : 4 8 — 9 6 ^, auf Fl. 
und Sehn, sehr häufig. S. H. besteht aus kleinen, rundlichen Zellen. 
Tr. zeigt seitlich schmale, bandförmig verflochtene Hyphen, in der 
Milte breitere, wurstförmige, parallele. Die Milchgefäße sind im 
Entfleisch und H. sehr zahlreich, enden keulig oder spindelig. Im 
letzteren Falle sind die Enden oft sehr lang, 84:7*2^, und mehr- 
fach gedreht. E. des Hutes besteht aus einem lockeren Geflecht 
von linearen, keulig endenden Haaren. 

1). des Hutes 5cm, des Stieles 4 — 7 mm, L. desselben 4 — 4f>cni. 

Via Troppberg — Rekawinkel. Buchenwald, auf Erde. Oktober. 

Cooke, 1. c, 988. Krombholz, Naturgetreue Abbildungen 
etc., Taf. 69, Fig. 7— & 

liussula xerampelina Sch. Taf. I, Fig. 12. 

Sp. kugelig, warzig, tr. grau, n. gelblich, 9 — 12^. Ii. keulig, 
30:11 12 /i St. 4-h ti u. 0. spindelig, im oberen Drittel einge- 

1 Breiadola, Fangl tridentioi, Taf*. 120, nrwülmt <!'<• nicht. 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



105 



schnürt, mit rundem Köpfchen, oder keulig mit aufgesetztem Köpf- 
chen, zeigen grobkörnigen Plasmainhalt, 60 : 12 — 14 5 ^, auf Fl. 
und Sehn, häufig. S. H. besteht aus kleinen, blasigen Hyphen. 
Tr. blasig. Stiel und E. des Hutes sind mit Büscheln aus linearen, 
am Ende spitzen oder abgerundeten Haaren besetzt. 

D. des Hutes 8 — 10 cm, des Stieles 18 — 20 mm, L. desselben 
3—4 cm. 

Mauer, Föhrenwald, auf Erde. November. 

Schaeffer, Fungorum qui in Bavaria etc., 215 (mein Stiel 
war weiß). Code des Couleurs, Nr. 552 -f 553 -f- 83. 

Bussida purpurea Quel. Taf. I, Fig. 13. 

Sp. kugelig bis oval, schwach warzig, rosa, tr. 66 — 8*4 : 
66— 7-2 t u, n. 66— 9-6: 66— 72 B. keulig, 34 — 36:9-6^. 
St. 3 6— 4 8 u. C. spindelig, mit spitzem, zugespitztem, wellig ver- 
bogenem oder hakigem Scheitel, oder keulig und in eine Spitze 
ausgezogen, mit fein- oder grobkörnigem Plasma erfüllt, oft gelb, 
58 — 70:7*2 4 a, reichen manchmal in tiefere Schichten der Tr. 
S. H. undeutlich, von der Tr. nicht verschieden. Tr. besteht aus 
großen und kleineren blasigen Hyphen. E. des Hutes zeigt lineare, 
am Scheitel teils abgerundete, teils spitze Haare, mit feinkörnigem 
Plasma erfüllt, aus denen spindelförmige Enden von Milchgefäßen 
ragen. In H. und Hutfleisch finden sich dunkelbraune Körner. 

D. des Hutes 2 — 6 cm, des Stieles 5 — 11mm, L. desselben 
15 — 4 cm. 

Via Perchtoldsdorf — Josefswarte, gemischter Wald, Eichen, 
Föhren und Buchen, auf Erde. Oktober. 

Code des Couleurs, Nr. 53. 

Eussula maculata Quel. Taf. I, Fig. 14. 

Sp. kugelig, warzig, gelblich. Da die Sporen nicht reif waren, 
gebe ich keine Maße an. 

B. schmal keulenförmig, 29 : 7-2^. St. 3*6^. C. lineal, keulen- 
förmig und spindelig, mit rundem, spitzem, bisweilen hakigem 
Scheitel, 77 — 84 : 7-2 — 12 ^, hyalin, gelb oder gelblich (bei Darauf- 
sicht stets gelb, was auf gelblichen Zellinhalt schließen läßt), oft in 
tiefere Schichten der Tr. reichend, auf der Fl. sehr häufig, an der 
Sehn, gehäuft. S. H. besteht aus rundlichen oder oblongen Hyphen. 
Tr. blasig. Gelbliche und violette Kristalle und Körner finden sich 



106 



Paula De melius. 



im H. Epidermis des Hutes besteht aus linearen, hyalinen Haaren, 
aus denen cystidenartige keulen- und spindelförmig* emporragen. 
Sie zeigen gelben, körnigen Inhalt. Auch die Stielepidermis zeigt 
Büschel linearer hyaliner Haare, unter welchen sich keulenförmige 
mit gelbem Inhalt befinden. 

D. des Hutes 3 5 — 6 cm, des Stieles 7 — 16 mm, L. desselben 
2—4 cm. 

Schöngrabern, auf Erde, unter Gebüsch. August. 
Cooke, 1. c, Taf. 1069. 

Russula fragilis var. nivea Pers. Taf. I, Fig. 15. 

Sp. kugelig oder oval, warzig, tr. grau, n. hyalin, mit 1 Ol 
tropfen, 4-2—8-4 B. keulenförmig, 29—31 : 9'6 St. 2 4—3-6 ^ 
C. keulenförmig mit abgesetzter Spitze, schmal- oder breiter spin 
delig, mit spitzem oder hakigem Scheitel, manchmal in der Mit 
eingeschnürt, mit feinkörnigem Plasma erfüllt, bisweilen gelblic 
(bei Daraufsicht stets), 43—53:8-4—12^. Oft findet man C. vo 
gelblichen Körnchen bekrönt, an denen die Sporen haften, 1 ) un 
solche, deren oberes Ende fehlt. Sie sind gleichmäßig über Fl. un 
Selm, verteilt, Tr. zeigt seitlich kleinere, in der Mitte große, blasig 
Hyphen. E. des Hutes ist ein Geflecht von linearen, am Scheite 
abgerundeten Haaren. Der Stiel zeigt Haarbüschel, welche nebe 
linearen, den Cystiden ähnliche, spindelförmige Haare enthalten 
In E. und 11. finden sich gelbe und hyaline Würfel und Körner 

D. des Hutes 4-2 — 4 5 cm, des Stieles 8— 10 mm, L. desselbe 
2 5 cm. 

Brodersdorf, Eichenwald, auf Erde. Juli. 
Cooke, 1060 B. 

Uu8sula heterophylla Fr. Taf, I, Fig. 16. 

Sp. oval, selten kugelig, manchmal an einer Seite spitz, t 
warzig, 6 : 6— -7'2fi, n. glatt oder fast glatt, hyalin, mit 1 Oltropfe 
0:6 B-4j4. Ii. schmal keulenförmig, 36 : 6—7-2 St. 2-4— 36 
('. schmal keulenförmig, keulenförmig mit abgesetztem Köpfche 
in ein Spitzchen ausgezogen oder unterhalb des Scheitels ein weni 
eingedruckt, ipindelig, mit spitzem, hakigem oder unterhalb de 
Spitze zweimal eingezogenem Scheitel, f)8 — 62'5 : 7'2 — 12 jU, m 



l ) Vgii Masses George, A Monograph of the genus Tnocybe Karsli 



Beitrag- zur Kenntnis der Cystiden. 



107 



feinkörnigem Plasma erfüllt, sehr häufig, über Fl. und Sehn, gleich- 
mäßig verteilt. S. H. besteht aus kleinen, runden Hyphen, Tr. aus 
großen, blasigen. Im H. finden sich viele farblose Körnchen. E. 
des Hutes ist ein Geflecht von hyalinen, linearen Hyphen, auf 
welche eine gelbliche Schicht folgt. Die E. des Stieles zeigt Büschel 
linearer, teils abgerundeter, teils spitzer Haare. 

Brodersdorf, Eichenwald, auf Erde. Juli. 

Code des Couleurs, Nr. 253 C -f 153. 

Corünarius helveolus Fr. (Telamonia helveola). Taf. I, Fig. 17. 

Sp. oval bis elliptisch, an einem Ende zugespitzt, punktiert, 
ockerfarben, 7*8 — 115 : 5'4— 6^. B. keulenförmig, 24: 7*2 ja. St. 
4-2—4-8 {.i. C. spindelig, mit hakig gebogener Spitze oder keulen- 
förmig in eine Spitze ausgezogen, 34:7*2 — 16 ü, sehr selten, nur 
auf der Fl. S. H. besteht aus schmalen, bandförmigen, parallelen 
Hyphen, Tr. aus breiten, bandförmigen, teils parallelen, teils ver- 
flochtenen Hyphen. E. des Hutes zeigt ein Geflecht von noch 
breiteren Hyphen, aus welchem keulenförmige Haare emporstehen. 
Einzelne derselben sind an manchen Stellen durch Anhäufung gelber 
Körnchen in ihrem Innern gelb gefärbt. 

Via Mauerbach— Purkersdorf, Buchenwald, zwischen Moos auf 
Erde. Oktober. 

Code des Couleurs, Nr. 105, o 121. 

Erklärung der Abbildungen. 
Tafel I. 

Tricholoma grammopoelium B. 1 a Lamellenfläche, 1 b seltenere Form 
der Cystiden. 

Mycena haematopus Pers. 2 Sporen, 2 a Lamellenfläche, 2 b Lamellen- 
schneide. 

Mycena polygramma B. 3 Sporen, 3 a Lamellenfläche, 3 b Lamellen- 
schneide, 3 c Cystiden von abweichender Form. 

Mycena lineata B. 4 Sporen, 4 a Lamellenfläche, 4 b Lamellenschneide. 

Pleurotas conchatus B. (Panus conchatus Fr.) 5 Sporen, 5 a Lamellen- 
fläche, 5 b Haare der Hutepidermis. 

Omphalia telmatiaca Berkeley et Cooke. 6 Sporen, 6 a Lamellenfläche. 

Eygrophorus niveus Scop. 7 Sporen, 7 a Lamellenfläche. 

Cantharelhis eibarius Fr. 8 Sporen, 8 a Hymenium. 



108 Paula D emelius. Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



Lactarius obnubilus Lasch. 9 Sporen, 9 a Lamellenfläche, 9 b Cystiden 
von der Schneide. 

Lactarius sanguifluus Paul. 10 Sporen, 10 a Larnellenfläche, 10 b La- 
mellenschneide. 

Lactarius blennius Fr. 11 Sporen, IIa Larnellenfläche, IIb Lamellen- 
schneide, 11c Scheitel einer Cystide mit abgesetztem Köpfchen, 11 d Ende 
eines Milchgefäßes. 

Russula xerampelina Sch. 12 Sporen, 12 a Lamellenfläche, 12 b Cystiden 
von der Schneide. 

Russula purpurea Quel. 13 Sporen, 13 a Lamellenfläche, 13 b Cystiden 
verschiedener Form. 

Russula maculata Quel. 14 Sporen, 14 a Lamellenfläche, 14 b Cystiden 
verschiedener Form. 

Russula fragilis Pers. var. nivea. 15 Sporen, 15 a Lamellenfläche, 15 b 
Cystiden verschiedener Form, teilweise fehlt der Scheitel. 

Russula heterophylla Fr. IG Sporen, 16 a Lamellenfläche, 16 b Cystiden 
anderer Form. 

Cortinarius hdveolus Fr. 17 Sporen, 17 a Lamellenfläche, 17 b Cystide 
abweichender Form. 



Zur Kenntnis der Orthopterenfauna von 
Griechenland. 

Von 

R. Ebner. 

(Hingelaufen am 21. März 1912.) 

Nachfolgende kurze Arbeit ist ein Ergebnis der Wiener Uni- 
itätsreise Dach Griechenland (April 1911). Da das Frühjahr 
für das Sammeln von Orthopteren sehr ungünstig ist, erklärt es 
sieh, daß nur wenige Arten beobachtet werden konnten. Auch 
war es in manchen Fällen nicht möglich, einige Larven genau zu 
bestimmen; doch will ich trotzdem eine Aulzählung der erheuteten 
Arten gehen, weil über die Orthopterenfauna Griechenlands ver- 
hältnismäßig wenig bekannt ist. 

Literaturverzeichnis. 

iirulh M. A.. In •< < (<• . I )>• -r 1 i t ion weieiitiii<|iio de Moree, T. III, Parin 1832. 

(Orthopteren, p. 81— 97.) 




Autor delin. 



Zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Griechenland. 



109 



Brunn er v. Wattenwyl C, Prodromus der europäischen Orthopteren. 
Leipzig 1882. 

Dubrony A., Catalogo degli Ortotteri. Crociera del Violante. Ann. Mus. Civ. 
Genova, XI, 1878, p. 327-333. 

Hiller v. Gaertringen F. Frhr., Thera. IV. Band von P. Wilski. Berlin 
1902—1909. (Orthopteren, p. 179.) 

Werner F., Beiträge zur Kenntnis der Orthopterenfauna Griechenlands. Ber- 
lin. Ent. Zeitschr., XLVII, 1902, p. 111— 118. 



Verzeichnis der vorliegenden Arten. 

Gallimenus oniscus Charp. — Mykenä, 17. IV, 1 Larve. 

Poecilimon spec. — Olympia, 12. IV.; Mykenä, 17. IV. Larven 
an beiden Orten häufig auf niederen Pflanzen. 

PBarbitistes spec. — Hieher gehört vielleicht eine kleine Larve 
von Mykenä. 

Farn. Phaneropteridae. — Eine kleine Larve von Delos, 15. IV. 
Saga pedo Pall. (= serrata Fabr.) ? — Mykenä, 1 kleine 
Larve. 

Pholidoptera femorata Fieb.? — Mykenä, Larven zahlreich 
im Grase. Aus Morea ist nach Werner nur diese Art bekannt. 
Decticus spec. — Mykenä, 1 Larve. 

Myrmecophila ochracea Fisch. — Delos, 15. IV., mehrere 
entwickelte Tiere; Pentelikon, 19. IV., Larven; Delphi, 22. IV., 
Larven. Sämtlich unter Steinen in Ameisennestern. 

Gryllotalpa gryllotalpa L. — Delos, 1 Larve unter einem Stein. 

Acrydium depressum Bris. — Korfu, 11. IV. Nicht selten, 
namentlich auf Mauern. 

Var. acuminatum Bris, (macropter). — Mykenä und Delphi, 
je 1 9. 

Paratettix meridionalis Ramb. — Korfu, 1 q ; Tiryns, 
17. IV., 1 cT. 

Chorthippus rufipes Zett. — Tiryns, vereinzelt. Dieselbe oder 
eine ähnliche Art auch bei Olympia beobachtet. 

Arcyptera labiata Brülle. — Mykenä, 1 Larve. 

Aiolopus strepens Latr. — Korfu, Olympia, Delos, Athen. Im 
ganzen Mittelmeergebiete weit verbreitet und häufig. 



110 



R. Ebner. 



Farn. Acrididae. — Santorin, Nea-Kairneni, 14. IV. Eine kleine 
Larve, die vielleicht zur vorigen Art gehört. 

Sphingonoius coerulans L. — Santorin, Mikra-Kaimeni und 
Nea-Kaimeni, 13. und 14. IV. Mehrere Larven und entwickelte 
Tiere. Hinterflügel fast vollständig abgeblaßt. 

Locusta (= Acridium) aegyptia L. — Athen, Pentelikon, San- 
torin (Thera und Hagios Elias, 14. IV.). 

Bacillus atticus Br. — Pikermi bei Athen, 19. IV., 1 Larve. 

Forficula auricularia L. — Pentelikon bei Athen, 19. IV., 1 9. 

Anwies spec. — Olympia, 1 Eikokon. 

Mantis religiosa L. — Olympia, 2 Kokons. Delphi, 22. IV., 
1 großer Eikokon, aus dem sich in Wien zuerst zahlreiche para- 
sitische Chalcidier und später zahlreiche Mantis -Larven entwickelten. 
Die Parasiten gehören einer dunkleren Varietät von Podagrion 
pachymerum Walk. (= Palmon pachymerus) an (det. Dr. F. Rusch- 
ka). Dieses Tier ist als Parasit in den Kokons von Mantis seit 
langer Zeit bekannt. Schon Lichtenstein 1 ) berichtet darüber: 
„Avant remarque qu'une des coques de Mantis religiosa etait percee 
de petits trous, notre collegue Ta ouverte et a trouv6 la löge de 
l'ceuf de Mantis occupee par une nymphe de Chalcidien ä longue 
tariere recourbee sur le dos. — A ce sujet, M. le docteur Giraud 
fail observer que ce parasite a dejä ct6 Signale et qu'on Ta nomme 
Palmon pachymerus Westwood {Podagrion splendens Walker)." 

Die Mowtfw-Larven, die aus dem Kokon ausschlüpften, gingenaus 
Mangel an passender Nahrung bald ein, ein Verzehren der schwäche! 
reu von Seile der stärkeren Larven wurde niemals beobachtet. 

Empusa fasciata Bnille\ Olympia und Delos, mehrere Em 
kokons. Mykcnä und Delphi, je eine männliche Larve vor der 
letzten Häutung. Das zweite Exemplar entwickelte sieb in Wien 
am &. VI zum vollkommenen Insekt. Die Nahrung der Larve be- 
stand aus Fliegen. 

Eciobius ))erspicillaris Hbst. (= Uvidus Fabr.). — Pentelikon] 
1 Larve. In der Ii r u n n er -Sammlung auch von Korfu. 

Loboptera deeipiem Germ. Korfu, 11. IV., 1 Larve. 

'i Lichtentteil] .1, Observation a sur Ich reufs des Mantis et leur par« 
Mt.'. li.iii. Boa, Botom Pr«aoe, (5) in, 187:;, j». xiv XV. 



Zur Kenntnis der Orthopterenfauiui von Griechenland. 



111 



Im Anschluß seien noch die Arten erwähnt, welche im April 
1911 von Herrn Dr. 0. Storch auf der Insel Cerigo gesammelt 
wurden: 

Poecilimon spec. (Larven). 

Drymadusa spectabilis Stein (Larven). 

Acridella variabilis Klug (Larven). 

Pachytylus danicus L. 

Pyrgomorplia grylloides Latr. (Larven). 

Locusta aegyptia L. 

Ameles abjecta Cyr. (?), 1 Larve. 

Von diesen 7 Arten befinden sich entwickelte Tiere von 
Drymadusa spectabilis und Ameles abjecta auch in der Brunn er- 
Sammlung von diesem Fundort. Dubrony gibt von Cerigo Ameles 
Picteti Sauss. an. Das Vorkommen dieser Art, die im Prodromus 
als Synonym von A. nana Charp. genannt ist, erscheint für 
Griechenland fraglich, umsomehr, als Dubrony nur eine Larve 
vor sich hatte. 



Es ist vielleicht nicht ohne Interesse, die Orthopterenfauna 
der drei Inseln Korfu, Delos und Santorin zusammenzustellen. Von 
Korfu gibt namentlich Brunner sehr viele Arten an, während von 
Delos nichts erwähnt wird. Dubrony und Wilski zählen eine 
Anzahl Orthopteren von Santorin auf. 

Korfu. 

Poecilimon jonicus Koll. (Brunner). 
XipJiidion fuscmn Fabr. (Br.). 
Pliolidoptera femorata Fieb. (Br.). 
Platycleis nigrosignata Costa (Br.). 
Saga vittata Fisch, de W. (Br.). 
Dolichopoda palpata Sulz. (Werner). 
Trigonidium cicindeloides Ramb. (Brunner). 
Liogryllus bimaciüatus (Br.). 
Acheta deserta Pall. (Werner). 
Myrmecophila ochracea Fisch. (Brunner). 
Mogoplistes brunneus Serv. (Br.). 
Acrydium depressum Bris. (Werner, Ebner). 



112 



R. Ebner. 



Paratettix meridionalis Ramb. (Ebner). 

ChortMppus parallelus Zett. var. major Br. (Brunner). 

Aiolopus strepens Latr. (Werner, Ebner). 

Acrotylus longipes Charp. (Brunner). 

Locusta aegyptia L. (Werner). 

Schistocerca peregrxna Oliv. (Brunner). 

Paracaloptenas caloptenoides Br. (Br.). 

Bacillus rossius Fabr. (Br.). 

Apterygida media Hagenb. (Br.). 

Ameles abjecta Cyr. (Br.). 

Ameles decolor Charp. (Br.). 

Loboptera decipiens Germ. (Ebner). 

Delos. 

Fam. Phaneropteridae (Larve), (Ebner). 
Myrmecophila ochracea Fisch. (E.). 
Gryllotalpa gryllotalpa L. (E.). 
Aiolopus strepens Latr. (E.). 
Empusa fasciata Brull6 (E.). 

Santorin. 

f)rymadusa brevipennis Br. — Thera (Wilski). Sonst nur von 
Syra bekannt (Brunner). 

Dryrnadusa spectabilis Stein. — Santorin (Dubrony), Larve. 
Wahrscheinlieb zur früheren Art gehörig. 

Liogryllus bimaculatm de Geer. — Thera (Wilski). 

MogopUsies brunneus Serv. — Nca-Kaimeni (Dubrony). 

Or.hr ilidia spec., wahrscheinlich tibialis Fiel). — Thera (Wilski). 

Kam Arrididae. — Nea-Kaimeni (Ebner), Larve. 

Sphmgonotus coerulans L. — Thera (Wilski), Nea-Kaimeni 
(Dubrony, Ebner), Mikra Kaimeni (Ebner). 

Oedipoda gratiosa Serv. — Thera (Wilski). 

fjonisfu negyptia L. — Thera (Wilski, Ebner]. 

CaUiptamut iidUeus L. — Santorin (Dubrony), Thera (Wilski). 

Iris oratorui L — Thera (Wilskij. 

l'rriplanrla amcricmia L. Thera (Wilski). 

Polfphaga ( Heterogamia) aegyptiaca L. — r rhera (Wilski). 



Zur Kenntnis der Orthopterenfauna von Griechenland. 



113 



Die verhältnismäßig große Anzahl der angeführten Arten aus 
Korfu erklärt sieh daraus, daß diese Insel dem Festlande sehr nahe 
liegt und außerdem sehr gut durchforscht ist. Auch auf den beiden 
anderen Inseln würde die Zahl der Arten beträchtlich steigen, wenn 
man zu einer günstigeren Jahreszeit daselbst längere Zeit sammeln 
würde. Die spärlichen Angaben ermöglichen vorläufig noch wenig 
tiergeographische Folgerungen. 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 1 ) 

Von 

Frau Paula Demelius. 

V. 

(Mit Taf. II.) 
(Eingelaufen am 19. März 1912.) 

Dieser Beitrag umfaßt nur Polypori und Hydnei, welche be- 
züglich der Cystiden noch weniger untersucht sind als die Agari- 
cineen. 

Wie schon De Seynes für FistuUna mitteilt, enden die 
Tramahyphen bei Folyporis häufig in Cystiden, manchmal aber 
biegen sie sich horizontal und bilden an der Röhrenmündung ein 
mehr oder weniger lockeres Geflecht. Die Cystiden der Röhren- 
mündung sind fast immer linear mit runden oder spitzen Enden. 
Auch die Cystiden der Röhrenwand zeigen nicht den von den 
Agaricineen bekannten Formenreichtum. Sie sind meist spindel- 
oder flaschenförmig, manchmal keulenförmig mit hakiger Spitze (raub- 
vogelschnabelartig). Verhältnismäßig häufig sind sie gelb oder braun. 

Die Hydnei haben, soweit ich sie untersuchte, lineare bis 
spindelförmige Cystiden, unscheinbar und wenig hervorragend. 

An bisher noch nicht zitierter Literatur und Bildwerken sind 

zu erwähnen: 



*) Die Abbildungen 4, 5 und 23 befinden sich wegen Raummangels 
auf der Tafel, welche mit dem nächsten (VI.) Beitrage erscheinen wird. 

Z. B. Ges. 62. Bd. 8 



114 



Paula Demelius. 



De Seynes, Recherches sur quelques points de' l'anatomie d 
genre Fistulina. 

Engler und Prantl, Natürliche Pflanzenfamilien. 

Rostkovius, Pilze in Sturm, Flora Deutschlands. 

Britzelmayr, Hyrnenomyceten Südbayerns. Boleti. Polypori 

Qu 61 et, Champignons des Vosges et du Jura. 

Flora Danica, sive Oeder, Icones plantarum etc. 

B erlese, Fuugi Moricolae. 

Herrn Hofrat Franz Ritter v. Höhnel und Herrn Kusto 
Dr. Alexander Zahlbruckner erlaube ich mir meinen beste 
Dank auszusprechen, ersterem für die freundliche Durchsicht un 
Berichtigung meiner Bestimmungen, letzterem für die liebenswürdig 
Erlaubnis, die Bibliothek des k. k. naturhistorischen Hofmuseum 
benützen zu dürfen. 

Daedalea horealis Wahlb. (Polyporus borealis Fr.) Taf. II 
Fig. 1. 

Sporen oval bis elliptisch, manchmal an einem Ende zuge 
spitzt, bisweilen sogar hakig gekrümmt, hyalin, mit einem Öltropfen 
6 — 7*8 : 4 8 J u. Basidien keulenförmig, kurz, 17 : 7 2 — 8*4 jit. Steri 
men 3 6 — 4 8 \i. Cystiden meist spindelförmig, mit spitzen ode 
zugespitzten Enden, selten mit runden, kopfig abgesetzten, ode 
linear mit spitzen Enden, manchmal ovale Blasen, 35 : 6 — 12 
sehr häufig, sowohl an der Röhrenmündung als im Verlaufe de 
Röhren. Trama besteht aus schmalen, bogig verflochtenen Hyphen 
auf welchen viele hyaline Körnchen lagern. Subhymenialschich 
fehlt. Die Epidermis des Hutes besteht aus etwas breiteren, band 
förmig verflochtenen Hyphen, welche bisweilen als Haare ab 
stehen, manchmal septiert sind. Breite des Hutes 9 cm, Länge 5 cm 
Dicke 8 cm. 

Böhmerwald, Weg auf den Lüsen von Buchwald, auf Tanne 
August 

Kostkovius in Sturm, Deutschlands Flora, IV, Taf. 4 
Trametes Vvm Brot, Taf. II, Fig. 2. 

Sporen elliptisch, an einer Seite hakig zugespitzt oder kahn- 
fOrmig, 6 — B'4 i 2'4 p, hyalin. Basidien keulenförmig, 22 : .'V6 — 4'H(ä. 
Sterigmen 2*4— 4*8 //. Cystiden flaschen- bis spindelförmig, mit ab- 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



115 



gerundeten Enden 1 ), 36 — 43:6 — 12 u. häufig*, wie die Basidien 
gelblich. Die Tramahvphen sind bandförmig verflochten, manchmal 
gegabelt, gelbbraun. Sie enden bisweilen zwischen den Basidien 
in Form gelbbrauner Cystiden. 2 ) Die Oberfläche des Hutes ist be- 
deckt mit einem Geflecht von linearen, langen Haaren. 

Länge des Hutes 3—4 cm, Breite 2*5 — 3 cm, Dicke 2 5 bis 
3 5 cm. 

Ober-St. Veit, Waldparzelle, auf Eichenwurzeln. November. 
Klincksieck und Valette, Code des Couleurs, Nr. 137. 
Via Roter Stadel — Kaltenleutgeben, auf Föhrenstrünken. Juli. 
Britzelmayer, Hymenomyceten Südbayerns. V, Fig. 77. 
(Hymenium gelblicher als bei meinen Exemplaren.) 
Polyporus lucidus Leys. Taf. II. Fig. 3. 

Sporen oval, an einer Seite zugespitzt, hellbraun, 9 — 11 : 6*4 
bis 7-2 (x. Basidien keulenförmig, 14 5 — 19:4*8 — 12 u. Sterigmen 
4*8 fA. Cystiden flaschenförmig, 38 : 9*6 — 14 t u, häufig. Die Trama 
besteht aus schmalen, bandförmig verflochtenen, hyalinen Hyphen, 
welche an der Röhrenmündung in hellbraune lineare bis spindel- 
förmige, zugespitzte Cystiden endigen. Sie ragen 24—48 t u vor und 
sind 3 6— 7-2^ breit. 

Länge des Hutes 4 5— 8 cm, Breite 6*5 — 7 cm, Dicke 2 cm. 

Baden, Eisernes Tor. August. 

Batsch, Elenchus fungorum. Fig. 225. 

Polyporus sulfureus B. Taf. (siehe Titel-Anmerkung), Fig. 4. 

Sporen oval bis kugelförmig, häufig mit einem öltropfen, 
hyalin, 3*6— 4*8 : 4*8— 7 2 a. Basidien oblong, schmal, 48—60:3*6 
bis 4*8 |U. Sterigmen 2*4 — 4-8 \i. Cystiden linear, zugespitzt, selten. 
Subhymenialschicht fehlt. 

Länge des Hutes 7 — 16 cm, Breite 7 — 17 cm, Dicke 5 cm. 

Park Schöngrabern, auf Populus nigra. September. 



x ) Vergl. Engler und Prantl, Xatürl. Pflanzenfamilien. I, p. 178. Zeigt 
Cystiden von ganz abweichender Form. Ferner Boudier, Icones inycologicae, 
1, 161. Letzterer bildet gelbbraune Cystiden, ähnlich der Form Englers ab. 

f ) Bei anderen Exemplaren, welche nicht rotbraunes, sondern lichteres 
Hutfleisch zeigten, waren Tramahvphen und die übrigen Hymenialbestandteile 
hyalin. Auch fanden sich viele Kristalle von der Farbe des Rauchtopases im 
Hymenium. 

8* 



116 



Paula Demelius. 



Rostkovius, 1. c, IV, Taf. 20. Rand meiner Exemplare Code 
des Couleurs, Nr. 156. 

Polyporas pallescens Fr. (P. imberbis B.) Taf. (siehe Titel- 
Anmerkung), Fig. 5. 

Sporen elliptisch, hyalin, 24 : 6 ^. Basidien keulenförmig, 
19 — 24 : 4 8— 6 fi. Sterigmen 3 6 — 4 8 ^. Cystiden spindelförmig mit 
spitzen Enden, 36 — 65 : 7*2 — 9*6 {i. Trama bestellt aus schmalen, 
bandförmigen Hyphen, welche an der Röhrenmündung sich hori- 
zontal legen und ein enges Geflecht bilden. Die Epidermis des 
Hutes besteht aus einem Geflechte keulen- bis spindelförmiger 
Haare, welche kleine Tröpfchen einschließen. Zwischen Hymenium 
und Hutgewebe befindet sich eine gelbe Hyphenschichte. 

Länge des Fruchtkörpers 3 5 — 5 cm, Breite 6 — 8 cm, Dicke 1 cm. 

Schöngrabern und Weigelsdorfer Au, auf Weiden- und Ruster- 
strünken. November. 

Britzelmayr, 1. c, Polypori, Fig. 24. 

Polyporus versicolor L. Taf. II, Fig. 6. 

Sporen elliptisch, hyalin, 5*4 — 6 : 2*4 Basidien schmal, 
keulenförmig, 14 — 19 : 4*8 fx. Sterigmen 2 4 (x. Die sehr schmalen, 
bandförmigen Trarnahyphen enden an der Röhrenmtindung in lineare 
Cystiden mit abgerundeten Enden. Subhymenialschicht fehlt. Die 
Epidermis des Hutes ist mit spitzen linearen Haaren besetzt. 

Länge des Hutes 1 1 — 17 mm, Breite 6 — 16 mm, Dicke 1'5 nun. 

Brodersdorf, Waldweg, an trockenen Laubholzzweigen. Juli. 

Bulliard, Champignons de la France, Fig. 86 c. 

Polyporus mwrginatus Per«. (/'. ungulatus B., pinieola Fr.). 

Basidien keulenförmig, 36 — 41 : 4*8 — 7'2 Sterigmen 4*8 
Cystiden Haschen- bis spindelförmig mit mebr oder weniger spitzen, 
manchmal hakig gekrümmten Luden, manchmal zugespitzt, keulen- 
förmig, 77 82 : 7-2— ( .H) |U. Die Trarnahyphen sind entweder sehr 
sehinal und bandförmig verflochten oder breiter und mit Bläschen 
oder Körnchen besetzt. Snbhymenialsohicht fehlt. 

Länge des Hutes 35 — 6 cm, Breite 5'5 — 8 cm, Dicke des 
Hutes 1*5— 5 cm. 

Lerchenreith, an Conifcrenstrllnkcn. Juli. 

Quelet. Champignons des Vosges et du Jura, Taf. Iii, Fig.2v. 
Zonen des Hutes Code d. OooL, Nr. 28, 80, 127. 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



117 



Steyerling, auf Balken aus Nadelholz. September. 
Britzelmayr, 1. c, Polypori, Fig. 147 (mein Exemplar ist 
etwas heller). 

Lerchenreith, Sarsteinwald, auf gefällten Stämmen. Juli. Re- 
supinate Form gleicht der Abbildung in Flora Danica, sive Oeder, 
Icones plantarum etc., Fig. 953, Unterseite. 

Polyporus applanatus Pers. Taf. II, Fig. 8. 

Sporen oval, an einem Ende zugespitzt, manchmal mit einem 
öltropfen, gelbbraun, 7 2 : 4*8 — 6 ii. Basidien schmal, keulenförmig, 
12 — 17 : 4*8 ( «, Sterigmen 4*8 ju. Cystiden spindelförmig bis linear 
mit spitzen Enden, 29 : 4*8 — 9*6 ^i, häufig. Die Tramahyphen sind 
schmal, bandförmig verflochten, gelbbraun. Die Epidermis des Hutes 
zeigt kleine blasige, gelbliche Hyphen. Subhymenialschicht fehlt. 

Länge des Hutes 6 — 6*5 cm, Breite 6*5 — 8*5 cm, Dicke 2 cm. 

Schöngrabern, auf einem Strünke von Populus nigra. Juni. 

Quelet, L c, Taf. 19, Fig. 4; Code des Couleurs, Nr. 143, 
Rand 103 und weiß. 

Batsch, L. c, Taf. 25, Fig. 130 (etwas brauner). 

Polyporus Evonymi Kalchbr. (P. Bibis *) Schuhm.), Taf. II, Fig. 9. 

Sporen elliptisch, manchmal kahnförmig, goldgelb, 4 — 5 : 3 bis 
4*5«. Basidien keulenförmig, gelb, 12:4*8 — 7*2^. Sterigmen 3*6^. 
Die Tramahyphen enden an der Röhrenmündung in lineare, zuge- 
spitzte Cystiden. 

Die Epidermis des Hutes besteht aus gelben, bandförmig ver- 
flochtenen Hyphen. 

Länge des Hutes 13 5 cm, Breite 10 5 cm, Dicke 1 — 15 cm. 

Schöngrabern, auf einer Wurzel von Evonymus. Juli. 

Rostkovius, 1. c, Taf. 53 (der Rand meines Exemplares war 
etwas dunkler, Code d. Coul., Nr. 161 + 152). 

Polyporus fidvus Fr. Taf. II, Fig. 10. 

Sporen elliptisch, braun, 4 8 — 5*4 : 2 4 — 3 jU. Basidien keulen- 
förmig, kurz, 12 : 4 8 \i. Sterigmen 3 6^. Cystiden linear bis spindel- 
förmig, mit spitzen Enden, bisweilen verkehrt flaschenförmig, meist 
dunkelbraun, selten hyalin, 12 — 26:3-6 — 7*2^, sehr häufig. Die 



*) Sturm, Pilze, III, Abt. 3, gibt für Polyporus Bibis keine Cysti- 
den an. 



118 



Paula De melius. 



Trama zeigt schmale bandförmige Hyphen von dunkelbrauner Farbe, 
die Basidien sind in dickeren Schichten gelblich, sonst hyalin. Graue 
Kristalle finden sich im Hymenium. 

Länge des Hutes 3 — 3 5 cm, Breite 2 cm, Dicke 1 cm. 

Schöngrabern, auf Prunus. August. 

Britzelmayr, Polypori, Fig. 45 (heller). 

Polyporus cinnabarinus Jacqu. (Trametes cinnabarina Fr.) 
Taf. II, Fig. 11. 

Basidien keulenförmig, kurz, 17:6 — 7*2^. Sterigmen 2*4 bis 
4'2 (x. Cystiden keulenförmig, zugespitzt, 26 : 9*6 ^i. Trama besteht 
aus schmalen, bandförmigen, verflochtenen Hyphen, teils hyalin 
teils rot. Auch das Hutfleisch zeigt gleiche Farbe. Subhymenial 
schiebt fehlt. Das Mycelium ist lebhaft rot gefärbt. 

Hut 3—8 5 : 3—4 cm, Dicke 8 mm. 

Schladming, auf Eberesche. August. 

Britzelmayr, Polypori, Fig. 67 und 134. 

Polyporus nidulans Fr. (P. rutilans Pers.) Taf. II, Fig. 12. 

Sporen elliptisch, hyalin, 4 2 — 6 : 2 4 — 3 6 Basidien keulen 
förmig, kurz, 12 — 14 : 4*2 — 6 ju. Sterigmen 3*6 — 4-8 ^. Die Trama 
besteht aus schmalen, bandförmigen, verflochtenen Hyphen, welche 
an der Röhrenmiindung in lineare Cystiden mit abgerundeten Enden 
ausgehen. Subhymenialschicht fehlt. 

Hut 5—9 : 2—3 cm, Dicke 2 cm. 

Brodersdorf, auf morschem Eichenholz. August. 

Bulliard, 1. c, Taf. 482, Fig. A, B. 

Polyporus cuticula/ris B. Taf. II, Fig. 13. 

Sporen elliptisch, mit einem weißen Oltropfen, goldgelb 
7:4*8/1. Basidien oblong, sclunal, 17:3*6 — 4*8 jU. Sterigmen 3*6 M 
Cystiden spindelförmig, mit spitzen, manchmal leicht, manchmal 
raubvogelschnabclartig gekrümmten Enden, bisweilen sichelförmig, 
gelbbraun, 36: 7-2 — 9*6 u. Trama besteht aus bandförmigen, vea 
floebtenen Hyphen, die Epidermis ans keulenförmigen, ans welchen 
dunkelbraune Saara teils Sternförmig) teils in der Form der Cy- 
stiden aufragen. 

Hut 7*6:9'6 11 ein, Dirke l'ÖOm. 

Ober St. Veit, Waldparzelle, an einem Eichenstamm. Oktober. 
Pttlliard, Champignons de la France, Taf. 4(>2. 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



119 



Polyporus hispidus Pers. Taf. II, Fig\ 14. 

Sporen oval, mit einem Öltropfen, goldg-elb, 9 6 — 10*2: 7*8 p. 
Basidien keulenförmig, gelblich, 17 — 19: 7*2 u. Sterigmen 3 6 u. 
Cystiden spindelförmig mit zugespitzten Enden, bisweilen hakig bis 
raubvogelschnabelförmig, gelbbraun, 24 — 36 : 8*4— 9 6 u, an manchen 
Exemplaren sehr selten, an anderen häufig. 1 ) Trama besteht aus 
schmalen, gelblichen bandförmigen Hyphen. 

Hut 15—22 : 7—9 cm, Dicke 7 cm. 

Schöngrabern, auf Juglans regia. Esche. Juli, August. 

Krombholz, Naturgetreue Abbildungen der wichtigsten 
Schwämme, Taf. 48, Fig. 9. 

Boletus luteus L. Taf II, Fig. 15. 

Sporen elliptisch, meist an einer Seite zugespitzt, mit einem 
Öltropfen, gelblich, 7-2 : 3 — 3 6 u. Basidien keulenförmig, 4*8 bis 
7'2 : 17 (x. Sterigmen 3-6 u. Cystiden linear bis flaschenförmig, meist 
mit spitzen, seltener mit abgerundeten Enden, 29 — 36 : 4-8 — 12 u, 
nur an der Röhrenmündung. Die Subhymenialschicht besteht aus 
schmalen bandförmigen, verflochtenen Hyphen. Die Trama zeigt ein 
Geflecht von breiteren Hyphen. Die Epidermis des Hutes besteht 
aus kugeligen, gestielten oder keulenförmigen Zellen, welche gelb- 
braunen Inhalt zeigen und deren Membran bisweilen mit kleinen 
Körnchen besetzt ist. Viele gelbbraune Körner finden sich der 
Epidermis auf- und eingelagert. 

Durchmesser des Hutes 4*5 cm, des Stieles 6 — 7 mm, Länge 
desselben 3 — 4 cm. 

Perchtoldsdorf — Gaisberg, Kiefernwald, auf Erde. Oktober. 

Krombholz, 1. c. ; Taf 33, Fig. 5 und 9. 

Boletus viscidus L. Taf. II, Fig. 16. 

Sporen elliptisch, meist an einem Ende zugespitzt, mit einem 
oder auch mehreren Öltropfen, gelblich, 10*4 : 4-8 u. Basidien schmal, 
länglich, 19:4 8— 7-2 u. Sterigmen 4-8 u. Cystiden spindelförmig 
mit spitzen oder runden Enden, manchmal auch mit aufgesetztem 
Köpfchen, hyalin oder goldgelb, 38— 43 : 7 2— 13a. Trama besteht 

l ) B erlese, Fungi Moricolae und Patouillard, Tabulae analyticae 
fungorum geben für Polyporus hispidus keine Cystiden an. Vergl. auch die 
auf P. hispidus bezügliche Anmerkung im I. Beitrage. 



120 



Paula Demelius. 



aus schmalen, bandförmigen, verflochtenen Hyphen. Dem Hymenium 
sind große goldgelbe Körner auf- und eingelagert. 

Durchmesser des Hutes 4 cm, des Stieles 2 cm, Länge des- 
selben 5 5— 6*5 cm. 

Lerchenreith, Tannenwald, auf Erde. Juli. 

Code des Couleurs, Nr. 128. 

Fries, Icones fungorum etc., Taf. 178, Fig. 3 (heller, grün- 
licher). 

Boletus duriusculus Kalchbr. Taf. II, Fig. 17. 

Basidien keulenförmig, kurz, 17 — 19 : 6 \i. Sterigmen 2 4 
Cystiden linear bis spindelförmig, mit spitzen Enden, 31—34 : 4 8 
bis 9 6 jtt, häufig. Trama besteht aus einem Geflecht schmaler, band- 
förmiger Hyphen. An der Röhrenmtindung sind in dieselben gold- 
gelbe Körnchen eingelagert. Auch die breiteren, wurstförmigen 
Hyphen, welche senkrecht zur Oberfläche stehend, die Epidermis 
des Hutes bilden, zeigen diese Einlagerung. 

Durchmesser des Hutes 3 — 6 cm, des Stieles 2*5 — 4*5 cm, 
Länge des Stieles 5*5 — 7 cm. 

Ober-St. Veit, Waldparzelle, gemischter Laubwald, Eichen und 
Buchen, auf Erde. Oktober. 

Boudier, I, 150. 

Boletus Umdus Sch. Taf. II, Fig. 18. 

Sporen elliptisch, manchmal an einem Ende zugespitzt, mit 
1—2 Öltropfen, goldgelb, 12 8— 14 4 : 5-6 (x. Basidien schmal, keu- 
lenförmig. 19 — 24:4-8^. Sterigmen 4*8 — 6 //. Cystiden 1 ) nur an 
der RöhrcnmUndung flaschenförmig, manchmal auch in Form eigen- 
tümlich gewundener, oben in ein Köpfchen endigender Schläuche, 
38'5 -48:3*6 — 6/u. Sehr ähnliche finden sich auch im Verlaufe der 
Trama, welche ein Geflecht von schmalen, bandförmigen Hyphen 
zeigt. Sie sind vielleicht Enden von Leitungsröhren 2 ). Es linden 
sieh auch gelbe Leitungsrohren in der Trama. Das Hymenium ent- 
hält graue Kristalle. 

Vergl Corda, Icones fungorum etc., III, v\ fr. 128. Corda zeigl 
Mpindnlföriiii^c, zugcHpitztG Cystiden, 

l ) V« r^'l. diesbezttgliefa 'Ii*' Angaben \>v Seynea in: Recherchea nur 

r|U<-l'jii<- point- <\c l*;nintomic du ^enre, Fistnlina. 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



121 



Durchmesser des Hutes 4 — 10 cm, des Stieles 3*5 — 4 cm, 
Länge des Stieles 4—9 cm. 

Sommersberg, Wiese. Juli. 

Patouillard, Tabulae analyticae fungorum, Fig. 672; Schaef- 
fer, Fungorum, qui in Bavaria et circa Ratisbonam nascuntur, icones, 
Taf. 107. Einer meiner Hüte zeigte folgende Farben: Code des 
Coul., Nr. 137 + 188 + 12, +4. 

Boletus piperatus B. Taf. II, Fig. 19. 

Sporen elliptisch, mit 1 — 3 Öltropfen, gelb, 9*6 — 10 8 : 3"6 \i. 
Basidien keulenförmig, 28'8:7'2^. Sterigmen 7 2 — 9*6^. Cystiden 
mehr oder weniger spindelförmig, mit abgerundeten Enden, 41:9*6 
bis 12^, häufig. Trama besteht aus fast parallelen, schmalen 
Hyphen. Die Epidermis des Hutes zeigt ein Geflecht von breiteren, 
blaßgelben Hyphen. 

Durchmesser des Hutes 25 — 3 cm, des Stieles 7 mm, Länge 
des Stieles 25— 4 cm. 

Ober-St. Veit, Waldparzelle, gemischter Laubwald, auf Erde. 

Britzelmayr, Boleti, Fig. 7; Sturm, Flora Deutschlands. 
Pilze, III. Abt., 3. 

Fistulina hepatica Huds. Taf. II, Fig. 20. 

Sporen oval bis elliptisch, an einer Seite zugespitzt, mit einem 
Öltropfen, gelblich, 12—15 : 7 2 — 11 t u. Basidien kurz, keulenförmig, 
19 — 22 : 7-2 ^. Sterigmen 2 4 — 4-8 /u. Die Trama besteht aus sehr 
schmalen, bandförmigen, verflochtenen Hyphen, welche an der 
Röhrenmündung in lineare, spitze Cystiden enden, 36 — 48 : 3 6 bis 
7-2 a. Chlamydosporen 7-8 — 8-4 : 3 6 — 4 8 t a, schwach gelblich, fast 
hyalin, teils einzeln, teils in Träubchen im Gewebe des Hutes und 
Fußes 1 ). 

Durchmesser des Hutes 5 5— 7 : 3— 6 : 1*5 cm, des Stieles 
2 5 cm. 

Brodersdorf, an Eichenstrünken. Juli, August. Ober-St. Veit, 
Waldparzelle, an Eichenstrünken, September. 

J ) Vergl. De Seynes, Recherches sur quelques points de l'anatomie 
du genre Fistulina und Boudier, Icones mycologicae, I, 164, Jugendzustand, 
l Abbildung der Conidien, De Seynes', Chlamydosporen. Ich fand sie in rei- 
fen Exemplaren. 



122 



Paula Demelius. 



Krombholz, 1. c, Taf. 47, Fig. 3 und 6. — Dufour, Atlas 
des Champignons etc., 140. — Boudier, 1. c., I, 164. 

Merulius Iremellosus Schrad. Taf. II, Fig. 21. 

Sporen elliptisch, hyalin, 2 5 — 3*5 : 1 \i. Basidien keulenförmig, 
kurz, 17 : 4 8 ju. Sterigmen 2-4 — 3*6 ^. Cystiden linear bis keulen- 
förmig, 26 — 36 : 3 — 6 ( u. Die Trama besteht aus sehr schmalen, 
linearen, bandförmigen Hyphen, welche ein dichtes Geflecht bilden. 
Die Epidermis des Hutes ist mit schmalen linearen, verzweigten 
Haaren bedeckt. 

Durchmesser des Hutes 3*5 : 2-25 : 4 cm. 

Via Sophienalpe — Steinriegel, auf Buchenstrtinken, Oktober. 

Flora Danica siveOeder, Icones plantarum etc., Taf. 776, Fig. 1 

Hydnum caeruleum Fl. dan. Taf. II, Fig. 22. 

Sporen kugelig, warzig, braun, 4*2 — 6 6 ^. Basidien schmal 
länglich, 14*5 : 4*2— 6-6 ju. Sterigmen 4*2 — 6 6 |U. Cystiden linear 
mit spitzen Enden. Trama besteht aus schmalen, bandförmig ver 
flochtenen Hyphen. 1 ) 

Durchmesser des Hutes 7*5 cm, des Stieles 2*5 — 3 cm, Läng 
des Stieles 2*5—4 cm. 

Lerchenreith, Kirchenweg, Fichtenwald, auf Erde. Juli. 

Bresadola, 2 ) Fungi tridentini, Taf. 100; Krombholz, 1. c 
Taf. 50, Fig. 13. 

Hydnum aurantiacum A. u. S. Taf. (siehe Titel-Anmerkung) 
Fig. 23. 

Sporen kugelig, gekerbt, mit einem weißen Oltropfen, braun 
4-8 5*4 /.<. Basidien kurz, keulenförmig, 12—14 5 : 4 8— 7*2^, gelb 
Sterigmen 2*4 — 8*6^. Cystiden spindelförmig, mit spitzen oder ab 
gerundeten Enden, 24- 28: 6 — 12 ^i. Trama besteht aus schmalen 
bandförmigen, verflochtenen Hyphen. Die Epidermis des Hutes au 
hinten, parallel gelagerten, gelben Hyphen; braune Körnchen sin 
ihr reichlich eingelagert. 

Durchmesser des Hutes 3 5 cm, des Stieles 12 mm, Länge des 
Stieles 2- 2-5 cm. 

i) Dk blatte Farbe »Ich gutes ist nur an ganz frischen Exemplaren zu 
.. Ii« Ii. iii rerachwindel nach l 2 Standen vollständig. Der Hut zeigt dan 

i mm hl :t u nl ich«: I iirhuritf. 

HrcH.'Hlohi K'hl für // caeruleum keine Cystiden :>n. 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



123 



Sommersberg-, Tannenwald, auf Baumwurzeln. Juli. 

Bresadola 1 ), Fungi tridentini, 142; Gillet, Atlas des Cham- 
pignons, Taf. 482. 

Hydnum coraMoides Scop. 2 ) Taf. II, Fig. 24. 

Sporen kugelig, mit einem Öltropfen, hyalin, 4 8 — 6 fi. Basi- 
dien keulenförmig, 17— 19 : 4'8— T2 fi. Sterigmen 2-4— 4-8 t u. Cy- 
stiden linear bis spindelförmig, mit spitzen oder runden, oft deut- 
lich kopfig abgesetzten Enden, 24 — 29:3*6 — 7-2 u, sehr häufig; 
manchmal mit gelblichen Körnchen bekrönt. Trama besteht aus 
bandförmigen, wenig verflochtenen Hyphen. 

Durchmesser des Hutes 3 — 4 cm, des Stieles 1 cm. 

Via Rachel — Frauenau, auf einem Tannenstrunk. August. 

Krombholz, 1. c, Taf. 51, Fig. 4—7. 



Erklärung der Abbildungen. 
Tafel II. 

Daedalea borealis Wahlb. la Schneide, lb Mitte der Lamelle. 
Trametes Pini Brot. 2 Mitte der Röhrenwand. 
Polyporus lucidus Leys. 3 a Mündung, 3 b Mitte der Röhren. 
Polyporus versicolor L. 6 Röhrenmündung. 

Polyporus marginatus Pers. (ungulatus B., pinicola Fr.) 7 a Mitte, 7 b 
Mündung der Röhre, 7 c Haar von der Epidermis des Hutes. 

Polyporus applanatas Pers. 8 Längsschnitt durch eine Röhre. 
Polyporus Evonymi (Fomes Ribis). 9a Röhrenmitte, 9b Mündung der 

Röhre. 

Polyporus fulvus Fr. 10a Mündung, 10b Wand der Röhre, 10c Sporen. 

Polyporus cinnabarinus Jacqu. {Trametes cinnabarina Fr.) 11 Längs- 
schnitt durch die Röhrenwand. 

Polyporus niäulans Fr. (P. rutilans Pers.) 12 a Mündung, 12 b Wand 
der Röhre. 

Polyporus cuticularis B. 13a Längsschnitt durch die Röhrenwand, 13b 
und c Haare von der Epidermis des Hutes, 13 c sternförmiges Ende der Haare 
in kleinerem Maßstab gezeichnet, er beträgt etwa die Hälfte des bei den üb- 
rigen Zeichnungen angewandten. 

Polyporus hispidus B. 14 Röhrenwand, Längsschnitt. 



*) Bresadola gibt für Hydnum aurantiacum keine Cystiden an. 
2 ) Patouillard, 1. c, Taf. 357, gibt für Hydnum coralloides keine Cy- 
stiden an; ebenso Berlese, I.e., Taf. 10. 



124 



Paula Derne Ii us. Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



Boletus luteus L. 15a Röhrenmündung, Querschnitt, 15 b Rührenwand, 
Querschnitt. 

Boletus viscidus L. 16 Hymenium, Querschnitt. 

Boletus duriusculus Kalchbr. 17 a Röhrenmündung, Längsschnitt, 17 b 
Röhrenwand, Längsschnitt. 

Boletus luridus Sch. 18a Röhrenmündung, Längsschnitt, 18b Röhren- 
wand, Längsschnitt. 

Boletus piperatus B. 19 Röhrenwand, Längsschnitt. 

Fistulina hepatica Huds. 20a Röhrenmündung, 20b Röhrenwand. 

Merulius tremellosus Schrad. 21 Hymenium, Querschnitt. 

Hydnum caeruleum Fl. dan. 22 Hymenium, Längsschnitt. 

Hydnum coralloides Scop. 24 a Hymenium, Längsschnitt. 



Entwicklung 1 und Zusammensetzung 
der Lepidopterenfauna Niederösterreichs. 

Von 

Dr. H. Zerny. 

(Eingelaufen am 15. Februar 1912 ) 

Wenn ich im nachfolgenden versuche, die Entwicklung und 
Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Niederösterreichs in kurzen 
Zügen zu skizzieren, so muß ich zuerst um Entschuldigung dafür 
bitten, daß in zwei Punkten, nämlich der natürlichen Begrenzung 
des Territoriums und der Vollständigkeit der Erforschung, meine 
Darstellung nicht den berechtigten Ansprüchen an eine wissen- 
schaftliche Behandlung des Themas entspricht. Da aber bereits 
seit Jahren die Absicht besteht, an die Bearbeitung einer die Lepi- 
dopteren Niederösterreichs behandelnden Landesfauna heranzutreten, 
so glaubte ich mit meiner Skizze einerseits das Interesse weiterer 
Kreise an unserer so überaus interessanten Lepidopterenfauna zu 
erwecken, andererseits aber zur näheren Erforschung bisher noch 
wenig bekannter Landesteile anzuregen. 

Was nun die Begrenzung unseres Kronlandes betrifft, so ist 
dieselbe, als die eines politischen Territoriums, nach keiner Rich- 
tung eine natürliche, d. h. sie wird nicht von Gebieten gebildet, die 



i 

i 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Niederöst. 125 



für Lepidopteren ein wirksames Verbreitungshindernis bilden würden. 
Ein Fluß wie die March, die Niederösterreich im Nordosten gegen 
Ungarn, oder die Enns, die es im Westen begrenzt, kann von allen 
Lepidopteren ohne Schwierigkeit überflogen werden, und die Alpen 
im Süden setzen sich in gleicher orographischer und geologischer 
Beschaffenheit nach Steiermark fort. Ebensowenig sind das Granit- 
plateau des Waldviertels im Nordwesten und das Iiosalien- und 
Leithagebirge im Südosten natürliche Grenzen und an den übrigen 
Punkten wird die Grenze durch tertiäres Hügelland und Ebene 
gebildet, welche nur für alpine Lepidopteren Verbreitungsschranken 
darstellen. Wohl aber fallen einige überaus prägnant ausgeprägte 
und wirksame faunistische Grenzen mitten in unser Kronland, worauf 
wir später noch ausführlicher zurückzukommen haben werden. 

Nun zur orographischen und geologischen Beschaffenheit 1 ) 
unseres Kronlandes. Drei orographisch wie geologisch scharf ge- 
schiedene Gebiete nehmen an dem Aufbau Niederösterreichs teil. 
Von Nordwesten reicht der südöstliche Zipfel des alten Massen- 
gebirge, der böhmischen Masse ins Land herein und bildet den 
größten Teil des Waldviertels; im Süden streicht der nordöstlichste 
Teil der Alpen, eines jungen Kettengebirges, von West nach 
Ost bis vor die Tore Wiens, wo er plötzlich abbricht, um sich erst 
von Hainburg an als Karpathen weiter nach Osten fortzusetzen; 
zwischen und neben diesen beiden Gebirgssystemen breiten sich 
von tertiären und diluvialen Ablagerungen gebildetes Hügelland 
und Tiefebenen aus. 

Die böhmische Masse stellt ein altes Massengebirge dar, 
das in der Karbonformation aufgefaltet wurde, seither aber keine 
Störung durch tektonische Bewegungen mehr erlitten hat. Zur Zeit 
seiner Auffaltung mag das Gebirge eine bedeutende Höhe besessen 
haben, in den späteren geologischen Zeiträumen wurde es jedoch 
durch die Erosion des Wassers abgetragen und eingeebnet und 
i stellt heute ein sogenanntes Ilumpfgebirge, ein hügeliges Plateau- 
land vor, das im Westen eine Höhe von 1040 m erreicht und in 

x ) Sueß, Diener, Uhlig und Hoernes, Bau und Bild Österreichs. 
Wien 1903, 4 Teile. — Kusch, Landeskunde von Niederösterreich. 3. Aufl. 
von Vetters, König und Pabisch, Wien. — Vetters, Die geologischen Ver- 
hältnisse der weiteren Umgebung Wiens. Wien 1910. 



126 H. Zerny. 

das die Täler der Flüsse zum Teil tief, canonartig eingeschnitten 
sind. Die östliche Begrenzung der böhmischen Masse in Nieder- 
österreich bildet eine Linie, die ungefähr die Orte Retz, Eggen- 
burg, Langenlois und Krems berührt; im Süden fällt ihre Grenze 
nicht mit der ehemaligen Viertelgrenze des Waldviertels, nämlich 
dem Donautal zusammen, sondern es gehört zu ihr auch das Gebiet 
des Dunkelsteiner Waldes, der Hiesberg bei Melk und das Plateau 
von Neustadtl nördlich von Amstetten. Der Gesteinsbeschaffenheit 
nach lassen sich zwei Hauptzonen innerhalb der böhmischen 
Masse in Niederösterreich unterscheiden. Eine westliche Zone öst- 
lich bis zu einer Linie Sarmingstein — Zwettl— Zlabings besteht zum 
größten Teile aus Granit. Ein Granitstock liegt inmitten der öst- 
lichen Zone am Kamp bei Döllersheim. Alles übrige Gebiet öst- 
lich der erwähnten Linie mit dem Dunkelsteiner Wald und Hiesberge 
besteht dagegen aus kristallinen Schiefern (Gneis, Glimmerschiefer, 
Phyllit etc.). Im Nordwesten schließlich reicht ein Stück des von 
jungtertiären Ablagerungen erfüllten Wittingauer Beckens nach 
Niederösterreich herein (im Lainsitztal bis unterhalb Weitra). 

In scharfem Gegensatze zu der böhmischen Masse, die seit 
der Karbonzeit keine Faltung mehr erlitten hat, steht das junge 
Kettengebirge im Süden unseres Kronlandes, die Alpen. Die Zeit 
ihrer Hauptaufrichtung fällt erst in das Tertiär, zwischen Oligocän 
und Miocän, obwohl auch schon in früheren Perioden Faltungen 
des Gebirges stattgefunden haben. Die Alpen erfüllen den ganzen 
Bildlichen Teil des Landes östlich bis an den Rand des Wiener 
Beckens, nördlich werden sie von einer Linie begrenzt, die von 
Steyr über Seitenstetten, Purgstall, Wilhelmsburg, Neulengbach bis 
an die Donau bei Greifenstein zieht. Zwischen Greifenstein und 
Nußdorf füllt das Gebirge steil zur Donau ab; das Donautal bildet 
aber nicht die Grenze der Alpen im geologischen Sinne, sondern 
jenseits der Donau setzt sieh das Gebirge in zwei parallelen Zügen, 
dem Kohrwald- und dem Bisambergzuge, getrennt durch das Sen- 
kungsfeld von Korneuburg, bis gegen Ernstbrunn und Groß Rußbach 
fort Nach Osten begrenzt die Alpen Büdlich der Donau ihr Abfall 
gegen das Wiener Becken, die sogenannte Thermenlinie, die ihren 
Nanu n von den zahlreichen Quellen hat, die längs ihr entspringen 
Von Gloggnitz gegen Osten bildet die Schwarza und Leitha bis gegen 



Entwicklung- und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Niederöst. 127 

Wiener-Neustadt die Nordgrenze der Alpen. Zu den Alpen gehört 
schließlich auch das isolierte Leithagebirge an der Grenze Nieder- 
österreichs. 

Nach der Gesteinsbeschaffenheit können wir in den nieder- 
österreichischen Alpen drei Zonen unterscheiden: die Zentralzone, 
die Kalkzone und die Sandstein zone. Die letztere, auch Flysch- 
zone genannt, bildet den Nordrand der Alpen Niederösterreichs 
ihrer ganzen Länge nach, von der westlichen Landesgrenze bis 
Ernstbrunn. Ihre südliche Begrenzung bildet eine Linie Waid- 
hofen a. d. Ybbs, Scheibbs, Lilienfeld, Kaumberg, Alland, Kalten- 
leutgeben, Hütteldorf, Nußdorf, Stammersdorf, Nieder-Kreuzstetten. 
Die Sandsteinzone besteht, wie schon ihr Name sagt, in der Haupt- 
sache aus einem blaugrauen Sandstein, dem sogenannten Wiener 
Sandstein. Längs des Südrandes derselben begleitet sie eine Zone 
von Kalkklippen. Die Sandsteinzone erreicht ihre größte Höhe im 
Schöpfel mit 890 m. Es ist eine Mittelgebirgslandschaft mit sanft 
gerundeten Gipfeln und breiten Tälern, der Boden überall von einer 
tiefen Humusschicht bedeckt, Felsbildung daher selten. Südlich 
der erwähnten Linie schließt sich an die Sandsteinzone die Kalk- 
zone an, der der größere Teil der niederösterreichischen Alpen 
angehört und die auch die bedeutendsten Erhebungen Niederöster- 
ireichs aufweist. Im Westen reichen die Kalkalpen bis an die 
Grenzen Niederösterreichs und darüber hinaus, im Osten werden 
sie südlich von einer Linie Premsattel — Reichenau — Prigglitz — 
jPottschach begrenzt; von hier an gegen Norden bildet die Thermen- 
ilinie ihre östliche Begrenzung. Die Gesteine, die sie zusammen- 
setzen, sind zum größten Teile Kalke und Dolomit der Triasfor- 
imation, welche als widerstandsfähiger gegen atmosphärische Ein- 
flüsse meist die Höhen bilden, während in den Tiefen auch Schiefer 
jund Sandstein verbreitet sind. Zwei orographisch und landschaft- 
lich verschiedene Gebiete treten innerhalb der Kalkalpen deutlich 
aervor. Die südlich der Störungslinie Puchberg— Schwarzau i. G.— 
Mariazell gelegenen Hochalpen, es sind das der Schneeberg 
2075 m), die Raxalpe (2000 m) und die Schneealpe (1900 m), sind 
msgedehnte, steil abstürzende Plateauberge, während in den west- 
lichen Hochalpen (Gippel 1700 m, Göller 1760 m, Ötscher 1890 m, 
)ürrensteiu 1880 m, Hochkaar 1810 m ; Voralpe 1730 m) und den 



128 H. Zerny. 

nördlich der erwähnten Linie gelegenen Voralpen Kämme und 
Ketten vorherrschen. Infolge der Steilheit der Gehänge sind Fels- 
bildungen in den Kalkalpen überaus verbreitet. 

Die dritte Zone unserer Alpen, die südlichste, ist die Zentral- 
zone. Sie umfaßt den südlichsten gebirgigen Teil des Landes, das 
Semmering- und Wechselgebiet, die Bucklige Welt, das Rosalien- 
und Leithagebirge. Die Gesteine, die sie zusammensetzen, sind in 
der Hauptmasse kristalline Schiefer (besonders Gneis), im Semine- 
riuggebiete und im unteren Pittental treten auch Kalke und Quar- 
zite auf. Landschaftlich erinnert das Gebiet mehr an die Sand- 
steinzone als an die Kalkzone, da gerundete Gipfel und breite 
Täler vorherrschen und Felsbildung ziemlich zurücktritt. Ihre größte 
Höhe erreicht die Zone im Wechsel (1740 m). 

Als die südlichsten Ausläufer der Karpathen sind die Hain- 
burger Berge anzusehen, die von dem übrigen Teile der Karpathen 
durch den Donaudurchbruch der Porta Hungarica getrennt werden. 
Ks sind niedrige, teilweise felsige Berge von nur 480 m Gipfelhöhe; 
sie bestehen zum Teil aus Granit, zum Teil aus Kalk. 

Schließlich sind als ebenfalls bereits zu den Karpathen ge- 
hörig die Jurakalkklippen zu erwähnen, die eine schmale, in an- 
nähernd siid-nördlicher Richtung streichende Zone im V. U. M. B. 
bilden. Es sind die Leiserberge, die Hügel von Staatz und die 
Hügel zwischen Falkenstein und Nikolsburg mit den schon zu 
Mähren gehörigen Polauer Bergen. 

Damit hätten wir die am geologischen Aufbau Niederöster- 
reichs beteiligten Gebirge erschöpft, das ist der aus festem Fels- 
boden bestehenden Gebiete, die seit der Tertiärzeit landfest gewesen 
sind. Das ganze (ihrige; Gebiet wird von Ebene und Hügelland 
eingenommen, das noch in der Tertiärzeit vom Meere bedeckt war 
n ml von den Ablagerungen dieser Meere und von späteren Fcst- 
landsbilduBgen erfüllt wird. Man unterscheidet in Niederösterreich 
zwei Tertiärbecken, ein außeralpines Hecken und ein inncralpines 
oder Wiener Becken. Das außeralpine Hecken ist das Gebiet 
zwischen dar böhmischen Masse und den Alpen, östlich bis zu den 
[Melbergen von Ernstbrunn, Staatz und Falkenstein Nikolsburg. 
El umlädt das hügelige Alpenvorland, das Hügelland unter dem 
llanhaitlberge bil zu den Inselhergen und die Tullner Tiefebene. 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Niederöst 129 



Das Alpenvorland im Süden bildet auch landschaftlich den Ober- 
gang zur Sandsteinzone der Alpen. Das außeralpine Becken steht 
im Westen durch die St. Pöltener Enge mit den Niederungen Ober- 
Österreichs und Bayerns in Verbindung. Das inneralpine oder 
Wiener Becken liegt zwischen dem Leithagebirge und den Kar- 
pathen im Osten und den Alpen und den Inselbergen im Westen. 
Es umfaßt sowohl Tiefebenen, wie das südliche Wiener Becken mit 
dem Steinfeld und das Marchfeld, wie auch Hügelland, nämlich 
zwischen den Inselbergen und der March. Es steht im Osten 
durch die Odenburger Pforte zwischen Rosalien- und Leithagebirge, 
die karnuntische Pforte zwischen Leithagebirge und Hainburger 
Bergen und durch die Porta Hungarica zwischen Hainburger Bergen 
und kleinen Karpathen mit dem pannonischen Tieflande in Zu- 
sammenhang; im Norden verbindet es ein schmaler Saum durch 
Mähren und Schlesien mit dem galizischen Tieflande. Die Ablage- 
rungen, die beide Becken erfüllen, sind, wie schon erwähnt, meist 
lockerer Xatur, nämlich Schotter, Sand, Lehm, Tegel, Löß, nur in 
den nördlichen Partien, so im nördlichen Alpenvorlaude, am Ost- 
rande der Alpen und am Bande des Leithagebirges treten festere 
Gesteine auf, dort Mergel, Sandsteine und Konglomerate, hier Kalke 
(Leithakalk) und Konglomerate. Es sind dies Gesteine alttertiären 
Alters, die überall am Rande des Beckens zutage treten, während 
sie im Innern des Beckens von den jungtertiären und diluvialen 
Sanden und Schottern überlagert werden. 

Soviel über die Bodengestaltang und geologische Beschaffen- 
heit unseres Kronlandes. 

Die klimatischen Verhältnisse 1 ) sind bei der verschiedenen 
Bodengestaltung und den großen Höhenunterschieden (1900 m) 
naturgemäß recht mannigfaltig. Im allgemeinen hält das Klima 
die Mitte zwischen ozeanischem und kontinentalem. Die jährlichen 
Wärmeschwankungen betragen 17 — 22°. Die geringste Jahres- 
temperatur besitzen naturgemäß die Alpenhöhen (Raxalpe -f- 0*5 °, 
Schneeberg -f 3 6 °j, aber auch das Plateau des Waldviertels über- 
trifft diese nicht um viel (Gutenbrunn -f-4-3°). Aber in diesen 
Gebieten sind die jährlichen Wärmeschwankungen am geringsten 



*) Hann, Klimatologie von Niederösterreich. Wien 1904. 

Z. B. Ges. 62. Bd. 9 



130 



H. Zerny. 



— es sind auch die Sommer relativ kühl — , während sie im 
Wiener Becken am größten werden. Hier folgen heiße Sommer 
auf frostreiche Winter. Die Verteilung der Niederschläge ist eben- 
falls recht verschieden. Die niederschlagsreichsten Gebiete sind 
die Alpen (Schneeberg 128-1 cm 3 ), wo dreimal mehr Niederschlag 
fällt als in dem niederschlagärmsten, dem Hiigellande im V. U. M. B. 
und dem Marchfeld (Feldsberg 42 7 cm 3 ). Ziemlich niederschlags- 
reich sind auch Wienerwald und Waldviertel. Es wächst also die 
Menge der Niederschläge mit zunehmender Meereshöhe. 

Für die Flora 1 ) Niederösterreichs unterscheidet Beck etwas 
schematisch der Höhenlage nach vier Regionen: 1. Die Region 
der Ebene und des Hügellandes. Zu ihr gehören die Tertiär- 
becken Niederösterreichs und die Hainburger Berge. Sie ist cha- 
rakterisiert durch die weitgehende Kultivierung, Getreidefelder in 
den Ebenen, Weingärten im Hügellande; an der Kultur noch 
weniger unterworfenen Stellen autochthone Wiesen und Steppen- 
charakter und autochthone Sumpfwiesen, beide aber nur im March- 
feld, besonders bei Oberweiden und im südlichen Wiener Becken, 
so bei Moosbriinn (Wicsenmoor) und Münchendorf. Längs der 
großen Flüsse, der Donau und March, erstrecken sich ausgedehnte 
Auen, charakterisiert durch den Pappelhochwald. In den übrigen 
Teilen dieser Region sind ursprüngliche Wälder selten und meistens 
Niederwälder von Eichen und Hainbuchen, so im künstlich aufge] 
forsteten Eilender Wald. Kiefernbestände bedecken weite Gebiete 
des Steinfeldes. 2. Die Bergregion. Sie umfaßt das Gebiet der 
böhmischen Masse, die Sandsteinzone der Alpen und den nördlichen 
Teil der Kalkzone, die Bucklige Welt, das Rosalien- und Leitha- 
gebirge. Charakteristisch für sie ist das Zurücktreten des Feld- 
nnd Weinbaues, an dessen Stelle weite Areale mit Wiesen bedeckt 
sind, die meist zweimal des .Jahres gemäht werden, und die reich- 
liche Bedeckung mit Wald. Gegenwärtig wenigstens das größte 
Terrain in der Bergregion nimmt Buchenwald ein, der besonders 
in der Sandsteinzone der Alpen vorherrscht, für die östlichen Ab- 
h&nge der Kalkzone gegen das W iener Becken längs der Thermen- 
Linie sind die Bestände von Vinus nigra charakteristisch; Rol 

1 Beck v Mannagetta. Flow von Niederösterreich. Wien 1800. 2 Teile. 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Niederöst. 131 



lohrenwald findet sich in größerer Ausdehnung auf dem Plateau 
des Waldviertels. Fichtenwald schließlich bestockt die höheren 
Teile des Wienerwaldes und große Gebiete des Waldviertels. Auf 
dem Plateau des Waldviertels sind Hochmoore verbreitet. 3. Die 
Voralpenregion. Sie umfaßt in den Alpen das Gebiet von etwa 
1000 m an aufwärts bis zur Baumgrenze, die in den westlichen 
Alpen bei 1585 m, im Schneeberggebiet bei 1630 m liegt. Der 
Ackerbau hat hier bereits vollständig aufgehört, einmähdige Wiesen, 
Almweiden und Fichtenwald nehmen das ganze Gebiet ein. Einen 
Übergang zur vierten Region bildet die Krummholzregion, ein 
Gürtel von etwa 200 — 300 m Breite, charakterisiert durch das Auf- 
treten der Krummholzkiefer als Bestände bildend. Diese Übergangs- 
region ist auf allen Hochalpen der Kalkzone deutlich ausgeprägt, 
im Wechselgebiete dagegen fehlt sie. 4. Die Alpenregion ober- 
halb der oberen Grenze des Krummholzes. In diese Region ragen 
nur Schneeberg, Raxalpe, Schneealpe, Otscher und Dtirrenstein 
hinein. Sie ist gekennzeichnet durch das alleinige Vorherrschen 
der Alpenmatten und die Ausbildung einer besonderen Felsenflora. 

Wenn wir nun darangehen, in kurzen Zügen die Entwick- 
lung der Lepidopterenfauna Niederösterreichs zu schildern, so 
können wir mit der Alttertiärzeit beginnen. Im Nordwesten be- 
! stand damals als Festland die böhmische Masse, im Süden ging 
die Auffaltung der damals einen einheitlichen, riesigen Bogen bil- 
jdenden Alpen und Karpathen vor sich, während zwischen der 
| böhmischen Masse und dem Alpen-Karpathenbogen ein weites Meer 
| wogte, das auch die randlichen Teile des Waldviertels überflutete. 
|Wo heute das Wienerbecken liegt, breitete sich damals ein Gebirge 
aus. das die Alpen und Karpathen zu einem einheitlichen Bogen 
iverband. Die böhmische Masse ist ein Teil des alten Variszischen 
Gebirges, zu dem die Sudeten, das Erzgebirge, die deutschen Mittel- 
gebirge und das französische Zentralplateau gehören. Diese Gebirge 
wurden bereits in der Karbonzeit aufgefaltet, seither blieben sie 
wenigstens zum Teile landfest und so konnte sich auf ihnen eine 
uralte Gebirgsfauna bis in das Tertiär, natürlich unter steter Um- 
bildung der Arten, erhalten. Als dann der Alpen— Karpathenbogen 
aufgefaltet wurde, konnte die alte Gebirgsfauna des variszischen 
Gebirges wie auch der zentralen Gebirge der Balkanhalbinsel, die 

9* 



132 



H. Zerny. 



ebenfalls bereits paläozoischen Alters sind, leicht auf die Alpen 
oder Karpathen tibergehen und, da ja diese einen zusammenhängen- 
den Bogen bildeten, eine Ausbreitung über beide Gebirge gewinnen. 
Um die Mitte der Tertiärzeit nun brach das Gebirge da, wo sich 
heute das Wienerbecken befindet, in die Tiefe. Die beiden Bruch- 
linien, an denen die dreieckige Gebirgsscholle in die Tiefe sank, 
treten gegenwärtig im Landschaftsbilde deutlich hervor. Die eine, 
die westliche, ist die bereits erwähnte Thermenlinie, die den öst- 
lichen Bruchrand der Alpen von Winzendorf über Vöslau, Baden, 
Mödling bis Wien bezeichnet. Die östliche wird ebenfalls von 
warmen Quellen begleitet, sie lehnt sich an den Westabfall des 
Leithagebirges und der Hainburger Berge. Nun war also die Ver- 
bindung zwischen Alpen und Karpathen aufgehoben, durch die so 
entstandene Bresche drang das außeralpine Meer in das Wiener- 
becken ein und erfüllte auch die ungarische Tiefebene. Es stand 
nach Osten durch das Meer der walachischen Ebene mit dem 
Schwarzen Meere, nach Westen durch einen Arm, der sich über 
Bayern und die Schweiz zum heutigen Rhönetale erstreckte, mit 
dem Mittelmeere in Verbindung. Der Spiegel des mitteleuropäischen 
Miozänmeeres stand 450 m über dem heutigen der Adria und so 
ragten im Nordosten nur der Kamm des Leithagebirges, die Gipfel 
der Hainburger Berge und die Inselberge im V. U. M. B. darüber 
empor. Gegen Ende des Miociins wurde dann das inneralpine 
Meer von dem außeralpinen abgeschnitten, es wurde ein Binnen- 
meer, das sogenannte sarmatische Meer. Dieses süßten die ein- 
mündenden Flüsse stark aus, es wurde brackisch. Der Meeres- 
spiegel sank fortwährend, schließlich blieben nur eine Anzahl von 
Brack oder SUßwasserseen Uber, endlich verschwanden auch diese 
und das inneralpine Becken war Festland geworden. 

Wenn aueb von fossilen Lepidopleren aus der Tertiärzeit nur 
sehr veenig bekannt geworden ist, so können wir doch aus den 
reichen Fossilfunden in anderen Tier- und Pflanzengruppen schließen, 
daß das Klima der älteren Tertiärzeit in Mitteleuropa und in 
Kinklang damit auch die Lepidopterenfauna einen subtropischen 
(,'harakter gehabt haben muß. Das arktische Gebiet war damals, 
wie aus Fossilfunden hervorgeht, von lippigen Wäldern bedeckt. 
Hei Bl° io n. Br. in Grinnelland, einem Gebiete, wo heute jeder 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfanna Niederöst. 133 

ßaumwuchs ausgeschlossen und der Boden nur von kümmerlichen 
Flechten und Moosen bedeckt ist — bei einer Jahrestemperatur 
von — 20° C — , fand man Fichten, Kiefern, Pappeln, Ulmen, 
Birken, Linden, während in Mitteleuropa Palmen, Cycadeen und 
Baumfarne Urwälder bildeten, die von Menschenaffen und Kroko- 
dilen belebt waren. Wir müssen also annehmen, daß die tertiäre 
Lepidopterenfauna der niedriger gelegenen Gebiete Mitteleuropas 
ein subtropisches Gepräge besaß. Diese Fauna ist gegenwärtig 
aus Mitteleuropa verschwunden. Doch mußte es damals in den 
mitteleuropäischen Kettengebirgen, den Alpen und Karpathen, die 
in dieser Zeit, als sie eben aufgerichtet worden waren, eine viel 
bedeutendere Höhe besessen haben mußten als gegenwärtig, in 
großer Höhe schon ausgedehnte Gebiete gegeben haben, die mit 
unserer heutigen alpinen und subalpinen Region viele Ähnlichkeit 
hatten und wo sich, wie bereits erwähnt, die von den alten Rumpf- 
gebirgen eingewanderte Gebirgsfauna weiter entwickeln und zu 
hoher Blüte gelangen konnte. Wir müssen uns also die Alpen und 
Karpathen in ihren höheren Teilen in der Tertiärzeit bereits von 
einer typisch montanen Fauna besiedelt denken. 

Gegen Ende der Tertiärperiode bereitete sich nun ein Ereignis 
vor, das eine geradezu katastrophale Wirkung auf die alte tertiäre 
Fauna ausüben mußte; es ist die Eiszeit. Ganz allmählich, so 
müssen wir uns denken, wich das subtropische Klima einem ge- 
mäßigten und dieses einem arktischen, wie es den Höhepunkt der 
Glazialperioden kennzeichnet. Von Nordeuropa her drang eine zu- 
sammenhängende Eismasse, ein einziger ungeheurer Gletscher bis 
nach Mitteleuropa vor und begrub alles Lebendige, soferne es ihm 
nicht möglich war nach Süden auszuweichen, unter sich. Dieses 
nordische Inlandeis J ) reichte im Süden bis zu einer Linie, die von 
Südirland durch Südengland über Rotterdam, Dortmund, zum Harz 
und Thüringer Wald, über Dresden an den Nordrand der Sudeten 
und Karpathen, über Lemberg und Jekaterinoslav zum mittleren 
Ural zieht. Das ganze Gebiet nördlich dieser Linie, soweit es da- 



*) Penck, Wiss. Ergebn. intern. Botan. Kongr. Wien, 1905, p. 12—24, 
Karte. Holdhaus (u. Deubel), Untersuchungen über die Zoogeographie der 
Karpathen. Abh. zool.-bot. Ges., VI. Bd., 1. Heft, 1910, Karte. 



134 



H. Zerny. 



mals landfest war, war von einem zusammenhängenden Gletscher 
bedeckt. Ohne Zusammenhang mit dem nordischen Inlandeis war 
die Yergletscherung der mittel- und siideuropäischen Hochgebirge. 
Eine zusammenhängende Gletscherdecke trugen die Alpen, Pyrenäen 
und der Kaukasus. Kleinere Gletscher trugen die Gebirge Spaniens, 
das französische Zentralplateau, die Vogesen, der Schwarzwald, das 
Erzgebirge, die Karpathen, Apenninen, die Gebirge Korsikas und 
der Balkanhalbinsel, Armeniens und Kleinasiens. In den Alpen war 
die Vergletscherung im Westen weitaus intensiver als im Osten. 
So streckten am Nordfuße der Alpen die Gletscher ihre Zungen weit 
bis in das Vorland hinaus, während sie im Osten, so besonders- in 
Niederösterreich, die Gebirgstäler nicht verließen. So reichte der 
Ybbsgletscher bis Gr.-Hollenstein, im Erlauftale reichte der Gletscher 
bis Gaming, im Traisentale nur bis oberhalb Kernhof. Die Hoch- 
alpen bedeckten natürlich alle ausgedehnte Firnkappen. Die eis- 
zeitliche Schneegrenze lag in den westlichen Alpen Niederöster- 
reichs bei 1000—1200 m. Noch geringer war die Vergletscherung 
in den östlichen Alpen. Hier trugen nur Wechsel, Schneealpe, Rax 
und Schneeberg Gletscher, die die Täler gar nicht mehr erreichten. 
So reichte der Nordgletscher des Schneeberges nur bis zum Sehne« 
bergdörfel oberhalb Puchberg. Die eiszeitliche Schneegrenze lag im 
Schneeberggebiete bei 1250 m, im Wechselgebiete bei 1500 in. 
Wir können also auch hier, wie überall in den Gebirgen Europas 
ein Ansteigen der Schneegrenze von Westen nach Osten konsta- 
tieren. Da wir nach Analogie mit dem gegenwärtigen Abstand 
zwischen Schnee- und Baumgrenze die eiszeitliehe Baumgrenze in 
Mitteleuropa etwa 800 m tiefer ansetzen müssen als die Schnee- 
grenze, so folgt daraus, daß der größte Teil der niederöster- 
reichischen Alpen, von alpinem Areal eingenommen wurde, während 
mbalpine Wälder (wohl ausschließlich Nadelwälder) im Westen nur 
in den schmalen Hußebenen, im Osten (abgesehen von den Kbcnen) 
nur in den niedrigsten Teilen des Wienerwaldes und der Buckligen 
\Wli existieren konnten. Das Gebiet zwischen den Alpen und dem 
nordischen Inlandeis, also Sttddeutschland, Böhmen, Mähren, das 
oberiteterreichische Muhlviertel und das niederösterreichische Wald- 
riertel durfte, aus den gegenwärtigen Verbältnissen im hohen 
Norden ZU schließen, von Tundren bedeckt gewesen sein, bäum- 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Niederöst. 135 

losen Flächen, deren stark durchfeuchteter, in den untersten Schichten 
das ganze Jahr hindurch gefrorener Boden mit Flechten, Moosen, 
wenigen Blütenpflanzen und niedrigen Sträuchern, besonders Weiden 
bewachsen war. Diese Tundren waren von einer Fauna bewohnt, 
die durch das nach Süden vorrückende Inlandeis aus ihrer ur- 
sprünglichen Heimat, dem Norden Europas, nach Süden getrieben 
worden war. Man ist heute der Uberzeugung, daß das Tierleben 
der von dem nordischen Inlandeis bedeckten Gebiete während der 
Eiszeit vollständig vernichtet wurde, soweit es nicht imstande war, 
nach Süden auszuweichen. Diese nach Süden vertriebenen Formen 
belebten während der Eiszeit Mitteleuropa. Dasselbe Schicksal er- 
eilte die tertiäre Fauna Mitteleuropas, die ebenfalls entweder ver- 
nichtet oder aus ihren früheren Wohnplätzen nach Süden getrieben 
wurde, während von den von ihr verlassenen Gebieten im Süden 
Mitteleuropas die nordischen Elemente Besitz ergriffen. Von der 
alten Gebirgsfauna der Alpen konnten sich in den nördlichen Alpen 
nur diejenigen Arten erhalten, die schon vor der Glazialzeit hoch- 
alpines Areal bewohnten, da solches ja auch während der Glazialzeit 
in größerem Maßstabe vorhanden war ; die Fauna der subalpinen und 
der Bergregion wurde dagegen in weitgehendem Maße dezimiert, da 
es den ausschließlich das Gebirge bewohnenden Arten nicht möglich 
ist, auf die aus lockerem Gestein bestehenden Ebenen hinauszutreten, 
weil sie eben nur auf festem Felsboden zu leben vermögen. 1 ) 

Wenn ich bis jetzt von einer Eiszeit oder Glazialperiode 
gesprochen habe, so war das nicht ganz richtig, es sind vielmehr 
nicht eine, sondern vier Eiszeiten gewesen, vier Höhepunkte der 
Vergletscherung, auf deren jeden ein weitgehender Rückzug des 
Eises, eine Interglazialzeit folgte. Während dieser Eiszeiten war 
das Klima nicht nur milder als während der Eiszeiten, sondern, 
wie Fossilfunde interglazialer Pflanzen lehren, sogar milder als 
gegenwärtig. Hohe Sommertemperatur, große Trockenheit und vor- 
herrschend östliche Winde kennzeichnen das Klima der letzten 
großen Interglazialzeit als Steppenklima, für welche Annahme die 
Funde fossiler Säugetiere aus dieser Zeit eine glänzende Bestäti- 
gung bilden. Eine Reihe von Säugetieren, die heute aus Mittel- 



*) Holdhaus, Verh. d. L int. Entom.-Kongr., p. 321— 44, 1910. 



136 



H. Zeruy. 



europa verschwunden sind, dagegen in den Steppen Rußlands und 
Zentralasiens zu den charakteristischen Erscheinungen gehören, 
wie Saigeantilope, Bobak, Pferdespringer und Pfeifhase, fand man 
in einer interglazialen Ablagerung, dem Löß. Der Löß ist der Hoch- 
wasserschlamm der Flüsse, der, zu Staub getrocknet, von den 
Ostwinden der Interglazialzeit gegen nach Osten gewendete Ge- 
hänge angeweht wurde und hier mächtige Ablagerungen bildet. 
In Niederösterreich findet er sich besonders am Ostrande der 
böhmischen Masse, im nördlichen Alpenvorland, im Hügelland des 
V. U. M. B. und am südlichen Steilufer der Donau unterhalb Wiens. 
Sicher bevölkerten damals auch Lepidopteren, die aus den süd- 
russischen und zentralasiatischen Steppengebieten weit gegen Westen 
vorgedrungen waren, Mitteleuropa; besonders das Wiener Becken, 
das ja auch heute noch manche Steppenform beherbergt, dürfte 
für diese Arten geeignete Wohnplätze abgegeben haben. Die meisten 
dieser Steppenformen mußten jedoch durch den letzten Vorstoß des 
Eises wieder nach Osten zurückgedrängt werden. Als aber nun 
gegen Ende der Diluvialzeit das Eis sich endgültig zurückzog, ver- 
ließen auch die nordischen Tierformen, die während der Eiszeit 
die Ebenen des südlichen Mitteleuropas besiedelt hatten, diese ihre 
Wohnplätze und folgten dem sich zurückziehenden Eise einerseits 
nach Nordeuropa, ihrer ursprünglichen Heimat, andererseits zum 
Teile in die Gebirge Mittel- und Südeuropas, wo sie ähnliche kli- 
matische Verbältnisse fanden wie im Norden. Auf diese Weise erklärt 
Bich zwanglos die Tatsache, daß gegenwärtig eine Reihe von Arten 
dem Norden Europas, zum Teil auch Sibiriens und Nordamerikas 
und den Gebirgen Mittel- und Südeuropas gemeinsam ist, während 
sie im norddeutschen Tieflande vollständig fehlen oder nur ganz 
sporadisch auftreten. Wir bezeichnen solche Arten als boreal- 
alpine Arten. Zugleich mit den boreal-alpinen zogen sich auch 
die alten präglazialen alpinen Arten Immer mehr in die höheren 
Teile der Alpen zurück; an der Wanderung der boreal-alpinen 
Arien mich Norden konnten sie sich jedoch nicht beteiligen, da es 
Ihnen unmöglich war. die aus lockerem Gestein bestehende nord- 
deutsche Tiefebene zu überschreiten. 1 ) 

' II «.hl hu um, I. c, p. '.YM. 



Entwicklung und Zusammensetzung- der Lepidoptereulauna Xiederöst. 137 



Auf die letzte Eiszeit folgte nun in Mitteleuropa abermals 
eine Steppenperiode. Während derselben fand abermals eine Ein- 
wanderung von Steppentieren aus dem Osten statt, da aber in 
der Folgezeit keine so einschneidenden klimatischen Veränderungen 
mehr erfolgten, konnte sich ein verhältnismäßig hoher Prozentsatz 
derselben bis in die Gegenwart erhalten, in Niederösterreich be- 
sonders auf ursprünglichem, nicht der Kultur unterworfenem Terrain 
im Wiener Becken. Wenn aber gegenwärtig die Anzahl solcher 
Steppenarten relativ sehr gering ist, so ist als Grund hjefür anzu- 
sehen die bald nach dieser Steppenperiode, als das Klima weniger 
kontinental und niederschlagsreicher wurde, erfolgte Einwanderung 
von Formen in großer Arten- und Individuenmenge aus Sibirien, wo 
sie ihre ursprüngliche Heimat besaßen, nach Mitteleuropa, die bio- 
zentrisch kräftiger scheinend, die Steppenarten aus dem größten Teil 
Mitteleuropas verdrängten und bald eine Ausbreitung über den größten 
Teil von Europa erlangten. Dieses sibirische (baltische) Formen- 
element spielt gegenwärtig die Hauptrolle im Faunenbilde Mittel- 
europas, zu ihm gehören die häufigsten und verbreitetsten Arten. 
Zu gleicher Zeit wohl fand eine ebenfalls sehr starke Invasion von 
Arten nach Mitteleuropa aus Südosten statt, aus Südwestasien. Es 
sind die sogenannten orientalischen oder pontischen Arten, 
die aber in ihrer Mehrzahl keine so weite Verbreitung erlangten 
wie die sibirischen, sondern gegen Nordwesten eine starke Ab- 
nahme ihrer Artenzahl aufweisen. Eine relativ geringe Rolle in 
Mitteleuropa schließlich spielen die mediterranen Arten, die vom 
Mittelmeergebiete aus in relativ später Zeit nach Norden, besonders 
am Ostrande der Alpen, vordrangen. Wir sehen also, daß die gegen- 
wärtige Lepidopterenfauna Mitteleuropas und damit Niederösterreichs 
keineswegs einheitlichen Ursprungs ist, sondern sich aus mehreren 
ihrer Herkunft nach grundverschiedenen Elementen zusammensetzt, 
die nur zum geringen Teile an Ort und Stelle sich differenziert 
haben, zum weitaus größeren Teile aber aus zum Teile weit ent- 
fernten Gebieten eingewandert sind. 

Wenden wir uns nun der näheren Betrachtung der verschie- 
denen Faunenelemente zu und beginnen wir mit den autochthonen, 
d. h. im Gebiete zur Differenzierung gelangten Formen. 



138 H. Zerny. 

Es sind bisher 23 Lepidopterenarten ausschließlich aus 
Niederösterreich bekannt (Beilage 1), 5 davon sind allerdings 
sehr fragliche, auf einzelne Stücke vor langer Zeit aufgestellte 
Arten, die seither nicht wieder gefunden wurden; sie werden da- 
her besser hier übergangen. Es bleiben also 18. Von diesen sind 4 
auf das Schneeberggebiet beschränkt, 7 finden sich an der Thermen- 
linie bei Vöslau und Mödling, 2 in der Wachau und bei Retz, 
5 sind in der näheren Umgebung Wiens; eine auf den Mooren von 
Karlstift gefunden worden. Nur 2 von allen gehören den soge- 
nannten Makrolepidopteren, alle übrigen den Mikrolepidopteren an. 
Dieser Umstand weist darauf hin, daß es sich in der Mehrzahl der 
Fälle nicht um tatsächliche Endemismen handelt, sondern daß 
diese Arten bei näherer Durchforschung der Nachbargebiete sich 
auch in diesen auffinden lassen werden. Die wenig einheitliche 
Bodengestaltung und geologische Beschaffenheit Niederösterreichs, 
besonders aber die starke Dezimierung der Fauna durch die Eiszeit 
läßt auch von vorneherein das Vorhandensein einer größeren An- 
zahl von Endemismen als nicht wahrscheinlich erscheinen. Die 
Karlstifter Elachista wird sicher auch im benachbarten Böhmen 
und Oberösterreich aufzufinden sein, ebenso die 5 Arten aus der 
Umgebung Wiens in Ungarn und Mähren. Im Schneeberggebiete 
wären Endemismen am ehesten in der alpinen Zone zu erwarten, 
da alpine Arten während der Eiszeit sich allein in größerem Maß- 
stabe erhalten konnten; nun gehören aber Ephestia furcatella und 
Fitchsia lidiella der subalpinen Zone an und sind daher sicher 
anderwärts in den Alpen zu finden, während für Hiptelia llabichi 
und Scylhris leueogaster kein näherer Fundort zu ermitteln ist. 
Erst cre dürfte jedoch bei ihrer nahen Verwandtschaft mit ochrcago 
ebenfalls der subalpinen Zone angehören und eben deswegen bis- 
her in anderen alpinen Gebieten Ubersehen worden sein. Dagegen 
könnten sieh die beiden Arten aus dem Weingebiete der Wachau und von 
Retz möglicherweise als endemisch erweisen, die an diesen relativ 
beißen und geschlitzten Ortlichkeiten die Eiszeit tiberdauern konnten; 
mit etwas größerer Wahrscheinlichkeit ist dasselbe fllr die an der 
Thermenlinie vorkommenden 7 Arten anzunehmen, so besonders 
für Tephroclystia Mayeri % die bei ihrer nahen Verwandtschaft mit 
der prttgUtzialen graphata sicher ebenfalls präglazialen Ursprung 



Entwicklung und Zusammensetzung- der Lepidopterenfauna Mederöst. 1 B9 

ist und an ihrem Standorte bei Vöslau, wo sie übrigens ausge- 
storben zu sein scheint, die Eiszeit tiberdauert haben könnte. Bei 
den übrigen 6 Mikrolepidopteren ist man für eine Beurteilung ihrer 
Herkunft bei der überaus lückenhaften Kenntnis der Verbreitung 
dieser Tiere in den asiatischen Teilen der paläarktischen Region 
nur auf Vermutungen angewiesen; sie dürften wohl alle, wie die 
meisten für dieses Gebiet charakteristischen Makrolepidopteren, 
orientalischen Ursprungs sein, d. h. sie haben sich, wenn sie wirk- 
lich Endemismen sind, aus ursprünglich orientalischen Formen an 
ihrem gegenwärtigen Standort in präglazialer Zeit differenziert und 
die Eiszeit überdauert. 

In den folgenden statistischen Zusammenstellungen erscheinen 
nur die sogenannten Makrolepidopteren und die Pyraliden berück- 
sichtigt, wegen der eben erwähnten geringen Kenntnis der Ver- 
breitung der übrigen Gruppen. 

Neben den endemischen Arten nehmen naturgemäß diejenigen 
weiter verbreiteten Arten unser größtes Interesse in Anspruch, 
welche nicht aus weit entfernten Gebieten zugewandert, sondern 
im Lande selbst oder den Nachbargebieten sich differenziert haben ; 
die also die autochthone Fauna des Gebietes darstellen. Hierher ge- 
hören vor allem die sogenannten montanen (alpinen) Arten, das 
sind solche Arten, die ausschließlich in den Gebirgen Mittel- und Süd- 
europas, zum Teil auch West- und Zentralasiens vorkommen, den 
Ebenen Mittel- und Südeuropas und dem Norden jedoch vollständig- 
fehlen. Obwohl es auch montane Arten gibt, die nur die untersten 
Teile des Gebirges bewohnen, so habe ich hier nur diejenigen be- 
rücksichtigt, die hauptsächlich oder ausschließlich in der subalpinen 
und alpinen Region zuhause sind. In Niederösterreich reichen nur 
große Teile der Alpen und die höchsten Teile des Waldviertels in 
diese Region, und solche alpine Arten werden daher nur in diesen 
Gebieten anzutreffen sein. Von den 55 hierher zu zählenden Arten 
(Beilage 2) kommen aber nur 2, nämlich Larentia Kollariaria und 
wfidaria auch im Wald viertel an mehreren Stellen vor, alle übrigen 
sind auf die Alpen beschränkt. Sie bilden 4°/ des ganzen Faunen- 
bestandes. Die meisten dieser Arten finden sich außerhalb Nieder- 
österreichs nicht bloß in den übrigen Teilen der Alpen, sondern 
vielfach auch in den Pyrenäen, Apenninen, Karpathen, dem Kau- 



140 



H. Zerny. 



kasus, den Gebirgen der Balkanhalbinsel und Zentralasiens, einige 
wenige auch in den Sudeten und süddeutschen Gebirgen. Diese 
Tatsache findet ihre Erklärung dadurch, daß während der Glazial- 
zeit diese Arten in niedrigere Teile der Gebirge herabstiegen und 
von hier dann beim Rückzüge des Eises in die benachbarten Ge- 
birge überwanderten, was ihnen leicht möglich war, da ja alle 
mitteleuropäischen Gebirge miteinander entweder in unmittelbarem 
Kontakt stehen oder nur durch schmale Ebenen getrennt sind, die 
besonders von Lepidopteren leicht überflogen werden konnten. Die 
meisten alpinen Arten Niederösterreichs gehören der subalpinen 
Region an, während rein hochalpine Arten, infolge der geringen 
Ausdehnung des hochalpinen Areals, spärlich zu treffen sind. Eine 
ökologische Eigentümlichkeit der alpinen, besonders der hochalpinen 
Arten, die übrigens in gleicher Weise auch den boreal-alpinen zu- 
kommt, ist der relativ hohe Prozentsatz heliophiler Heteroceren, 
ein Umstand, der ja aus dem starken Sinken der Temperatur 
während der Nächte irf hochalpinen Gebieten leicht erklärlich ist. 
Von alpinen Heteroceren Niederösterreichs sind z. B. heliophil: alle 
Psodos- Arten, Hepialus cama und Hiptelia ochreago. 

Ein sehr altes Element in der Fauna Mitteleuropas bilden 
die sogenannten lusitanischen Arten (Beilage 3). Es sind dies 
Arten, die in Westeuropa an der atlantischen Küste, d. i. in Por- 
tugal. Frankreich und Großbritannien ihre Urheimat hatten und auch 
schon als Überreste der Bewohner des hypothetischen Atlantiserd- 
teilea gedeutet wurden, die in diesen Gebieten sich auch während 
der Eiszeit behauptet hatten und sich von dort bis nach Mittel- 
europa ausbreiteten, Osteuropa aber bereits nicht mehr erreichten. 
Drei davon (1,2,5) finden sich bezeichnenderweise nur im west- 
lichen Landesteile. 

Uber das Wesen der boreal-alpinen Arten habe ich bereits 
früher gesprochen. 4S boreal alpine Arten (Beilage 4) finden sich 
in Niederösterreich und bilden «J°/ des Faunenbestandes. Veuhält- 
DUmäßig viele davon, nämlich 10, bewohnen auch die höheren 
Teile des Wnldvicrtcls und bilden hier Kelikte aus der Glazialzeit, 
wo sie die Tundren bewohnten, die damals dieses Gebiet be- 
deckten Auch hier tritt die verhältnismäßig geringe Anzahl von 
ausschließlich hochalpinen Arten und die Häufigkeit heliophiler 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfnuna Niederöst. 141 

Heteroceren hervor. Von den boreal-alpinen nicht yollkonimen scharf 
zu scheiden sind die sogenannten nordischen Arten, von denen 
35 in Niederösterreich nachgewiesen sind (Beilage 5). Es sind dies 
solche Arten, die ihr Verbreitungszentrum in Nordeuropa besitzen 
und von hier in kontinuierlicher Verbreitung durch die norddeutsche 
Tiefebene, wo sie noch häufig sind, bis nach Mitteleuropa herunter- 
gehen, hier aber in den Alpen meist die Südgreuze ihrer Verbrei- 
tung erlangen. Im südlichen Mitteleuropa sind diese Arten sehr 
oft auf das Gebirge beschränkt. Die nordischen Arten dürften ge- 
meinsamen Ursprungs mit den boreal-alpinen sein, während aber 
diese in postglazialer Zeit in der norddeutschen Tiefebene sich 
nicht zu erhalten vermochten, behaupteten die nordischen Arten 
infolge ihrer größeren Anpassungsfähigkeit die nach dem Rückzug 
des Eises besiedelten Gebiete auch in der norddeutschen Tiefebene 
und besitzen daher auch gegenwärtig, zum Unterschiede von den 
boreal-alpinen Arten, ein kontinuierliches Verbreitungsgebiet in 
Nord- und Mitteleuropa. Manche dieser Arten sind ausschließlich 
oder vorwiegend Bewohner von Mooren, wie ja die Moore, da sie 
am unverändertsten die Lebensbedingungen, die während der Gla- 
zialzeit in Mitteleuropa herrschten, bewahrten, ein Asyl für die 
Glazialfauna bildeten und auch heute noch bilden, soweit sie nicht 
zum Zweck der Torfgewinnung abgebaut werden. Mit diesen Tat- 
sachen steht es in Einklang, daß in Niederösterreich die meisten 
nordischen Arten auf die Alpen und das Waldviertelplateau be- 
schränkt sind. 

Diejenige Faunenkomponente, die an der Zusammensetzung 
der Fauna Niederösterreichs wie Mitteleuropas überhaupt den her- 
Torragendsten Anteil nimmt, ist die der sibirischen Arten. 1 ) Ihr 
gehören 750 Makrolepidopteren und Pvraliden an, das ist gerade die 
Hälfte des gesamten Faunenbestandes. Es sind diejenigen Lepidopteren, 
die die weiteste Verbreitung in der paläarktischen Region besitzen 
(abgesehen von den kosmopolitischen, die meist tropischer Herkunft 
sind) und zu denen die häufigsten unserer Schmetterlinge gehören. 
Sie finden sich fast alle bis auf wenige Ausnahmen sowohl in der 
Ebene und im Gebirge und reichen hier, wie z. B. Vanessa urf>c«e 



*) Aus Raummangel konnten diese hier nicht aufgezählt werden, 



142 EL Zerny. 

und Macroglossa stellatarum, bis in die alpine Region. Eine ver- 
hältnismäßig geringe Zahl von sibirischen Arten besitzt in Europa 
eine beschränktere Verbreitung. So rinden eine Reihe von Arten, 
die vorwiegend an ein kälteres Klima angepaßt sind, darunter 
manche Charaktertiere der Moore, in den Alpen ihre südlichste und 
westlichste Verbreitung, jenseits der Alpen fehlen sie. Hieher ge- 
hören u. a. : Gollas palaeno, Argynnis pales, Acronycta meryanthistis, 
Arichaena melanaria. Andere wieder in Sibirien weit verbreitete 
Arten fehlen im Norden Europas und im nördlichen Mitteleuropa, 
sind dagegen in Südeuropa häufig. Hieher gehört z. B. Vanessa 
xanthomelas. 

Wieder andere Arten sind auf ihrer Ausbreitung gegen Osten 
nur bis ins ösjtliche Mitteleuropa vorgedrungen und erreichen zum 
Teil in Niederösterreich eine westliche Verbreitungsgrenze, wie 
Neptis aceris, Euclidia triquetra usw. Eine ganz eigenartige Ver- 
breitung unter den sibirischen Arten besitzt Parnassias apollo. Er 
ist in zusammenhängendem Areale von Ostsibirien durch Zentral- 
asien, Westsibirien bis zum Ural verbreitet. Hier teilt sich nun 
sein Verbreitungsareal gabelförmig: der eine Zweig reicht über 
Nordrußland und Finland nach Skandinavien, der andere durch 
Stidrußland über die Karpathen und übrigen Gebirge Mittel- und 
Südeuropas bis in die Sierra Nevada, Sizilien und Griechenland. 
Zweifellos Isl die Art sibirischen oder zentralasiatischen Ursprung! 
und bat sich postglazial in der angegebenen Weise teils nach 
Norden, teils nach Skandinavien 'verbreitet. Eine ähnliche, wenn 
auch nicht so vollkommen bekannte Verbreitung besitzen u. a. auclj 
MiHhymna itribeciUa und Larentia pupillata. So gewinnt das Vcr- 
breitungsgebiet dieser Arten grolle Ähnlichkeit mit den boreal alpinen 
Arten. Solche Verbreitungstatsachen haben Schar ff' 1 ) verleitet, 
auch für die boreal-alpinen Arten eine gleiche postglaziale in zwei 
gleichen Zweigen erfolgende Einwanderung aus Sibirien anzu- 
nehmen, wogegen aber schon die beiden Tatsachen sprechen, daß 
viele echl boreal-alpine Arten in Sibirien fehlen und daß sie all! 

1 European A nimals, London, 1907, p. 128 ff. Die in Fiff. 43 gegeben! 
Verbreitungskarte von P apollo Ist mangelhaft 8o stehl besonders das sibl 
rlfehi Verbreitungsgebiet Uber SUdrußland und Pinland mit den beide! 
ßMptTCftMreitUDgfgebieten Iii Kuropa in ZiiHaniinenhang. 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Nlederöst 143 

in Siidrußland fehlen, das sie aber nach Schar ffs Theorie auf 
ihrer Wanderung aus dem Osten hätten passieren müssen. 

Ein geringes Kontingent stellen die Arten, die aus der post- 
glazialen Steppenperiode als Relikte erhalten geblieben sind. 
Es sind ihrer nur 12 (Beilage 6), also kaum 1 °/ des Faunen- 
bestandes. Diese Zahl ist aber immerhin noch groß zu nennen im 
Vergleich zu dem kleinen Areal, das steppenartiges Terrain in 
Niederösterreich einnimmt. Solches findet sich einerseits im March- 
felde bei Oberweiden, andererseits im südlichen Wiener Becken 
bei Laxenburg und Münchendorf. Dort finden sich auch 8 von den 
12 Arten, während sich GucuUia scopariae auf den ebenfalls in ur- 
sprünglichem Zustand erhalten gebliebenen Schotterbänken am 
Ufer der Donau findet. Colins chrysotheme besitzt eine etwas weitere 
Verbreitung, sie ist aber ebenfalls auf die östliche Hälfte Nieder- 
österreichs beschränkt. 

In bezug auf ihr Vorkommen in Niederösterreich erinnern an 
die Steppenarten die sogenannten orientalischen oder ponti- 
ßchen 1 ! Arten; ihr Verbreitungszentrum liegt jedoch nicht in Süd- 
rußland und Zentralasien, sondern in Kleinasien und Armenien und 
ihre Einwanderungsrichtuug ist keine rein westliche, wie bei den 
Steppentieren, sondern eine nordwestliche. Ihre Einwanderung in 
Südosteuropa mußte bereits zu einer Zeit erfolgen, als noch eine 
Landverbindung zwischen der Balkanhalbinsel und Kleinasien be- 
stand, die erst im Diluvium aufgehoben wurde. Von der Balkan- 
halbinsel drangen die Arten dann weiter in nordwestlicher Eich- 
tling nach Mitteleuropa vor und einige von ihnen haben sich gegen- 
wärtig wie die sibirischen Arten über den größten Teil Europas 
ausgebreitet, während die meisten nur bis in das südöstliche Mittel- 
europa vordrangen und oft gerade in Niederösterreich eine Grenze 
ihrer Verbreitung erlangen. Die Zahl der orientalischen Arten in 
Niederösterreich beträgt 387, das ist gerade ein Viertel des gesamten 
Faunenbestandes. Mit Ausnahme der Arten, die eine weitere Ver- 
breitung in Europa erlangten und die auch über den größten Teil 
Niederösterreichs verbreitet sind, bewohnen die orientalischen Arten 
in Niederösterreich den ganzen Osten des Landes bis an den öst- 



*) Sie sind ebenfalls aus Raummangel nicht aufgezählt. 



144 



EL Zerny. 



lieben Bruclirand der Alpen, hier an der Tliermenlinie in größtem 
Arten- und Individuenreichtum auftretend, und bis an den Rand 
der böhmischen Masse, wo sie besonders für das Gebiet von Retz 
charakteristisch sind. Dort, wo von West nach Osten verlaufende 
Flußtäler mit breiten, sonnigen Siidhängen tief in das Gebirge ein- 
dringen, folgt ihnen auch die orientalische Fauna in das Gebirge, 
so in der Wachau und im Piestingtal. A ) Orte in Mitteleuropa, die 
sich durch einen besonderen Reichtum an typisch orientalischen 
Arten auszeichnen, pflegt man häufig mit dem Namen „xerother- 
mische Lokalitäten" zu bezeichnen, besonders dann, wenn sie rings 
von Gebieten mit rein sibirischer Fauna umgeben sind. Als 
solche Orte wären in Niederösterreich die eben genannten Gebiete 
am Ostrande der Alpen, besonders bei Vöslau, Baden, Mödling und 
die gegen Süden gerichteten Abhänge in der Wachau bei Spitz, 
Dürrenstein und Stein anzusprechen, da dort wirklich die orienta- 
lischen Elemente das Faunenbild beherrschen. 

Schließlich sind noch die in Niederösterreich wenig hervor- 
tretenden mediterranen Arten zu behandeln. Es sind 27 Arten 
(Beilage 7) und bilden 2°/ des Faunenbestandes. Sie sind aus dem 
Mediterrangebiete in wohl relativ später Zeit längs des Ostrandes 
der Alpen bis Mitteleuropa vorgedrungen. Sie bewohnen heiße, ge- 
schützte Örtlichkeiten vielfach ebenfalls an der Thermenlinie, zum 
Teil auch in der Wachau und am Ostrande der böhmischen Masse, 
einige wie Colias edusa, Pyrameis atalanta und Aciäalia virgiäaria 
haben eine weite Verbreitung gewonnen. In nahen Beziehungen 
zu den mediterranen Arten scheinen die 30 Arten tropischer Her- 
kunft zu stehen, die in den Tropen der alten und zum Teil auch der 
neuen Welt verbreitet, zum Teil aktiv bis nach Mitteleuropa vor- 
gedrungen sind, zum Teil aber durch den menschlichen Handels- 
verkehr versehleppl wurden. Die erster en, häufig gute Flieger, wie 
dir- Sphingiden, kommen meist in heißen Sommern in einzelnen 
Exemplaren nach Mitteleuropa, ohne liier festen Fuß fassen zu 
können, nur irenige scheinen sieh dauernd bei uns angesiedelt zu 
haben, wie Lampides baeticus an der Thermenlinic, Achcrontia 



] ) Y;'l Back, rioni von NiodoroHtn reich, |>. 28fi'., Kurte, wo das Gloichl 
für die. Klora naelig-i'w m-hcii wird, 



Entwicklung und Zusammensetzung- der Lepidopterenfauna Niederöst. 145 



atropos, Eüella Zinckenella, Nomophila noctuella, Phlyctaenodes pa- 
lealis, Pionea ferrugalis. 

Es bleiben nun noch eine Anzahl von Arten übrig, die vor- 
läufig mit Sicherheit zu keinem der bis jetzt behandelten Faunen- 
elemente zu stellen sind. Es sind Tiere der Ebene und des Hügel- 
landes, die bisher außerhalb Europas nicht gefunden wurden, die 
aber weder alpin, noch boreal-alpin, noch nordischer oder lusitani- 
scher Herkunft sein können. Für eine große Zahl dieser Arten wird 
sich in Zukunft bei genauerer Durchforschung der asiatischen Teile 
der paläarktischen Region noch ihre Zugehörigkeit zur Gruppe der 
orientalischen oder sibirischen Arten ergeben, für die anderen bleibt 
nur die Annahme übrig, daß es alte, präglaziale Faunenelemente 
sind, die in Südeuropa die Eiszeit überdauerten und von hier dann 
in postglazialer Zeit wieder naeh Mitteleuropa vorrückten. 

Fassen wir nun noch einmal das über die Zusammensetzung 
der Fauna Niederösterreichs Gesagte zusammen (Beilage 8): 90°/ aller 
Arten ist postglazial aus Sibirien, Zentralasien, Südwestasien und 
dem Mediterrangebiete zugewandert, davon weitaus die Mehrzahl 
aus Sibirien, ein geringere Zahl aus Südwestasien und eine ver- 
schwindende Zahl aus dem Mediterrangebiet und der Steppe 
Zentralasiens und Südrußlands; nur 10°/ sind autochthone Fauna, 
aber nur die alpinen Arten in strengem Sinne, die boreal-alpinen 
und nordischen Arten sind während der Eiszeit aus dem Norden 
eingewandert, die übrigen lusitanischen und sonstigen europäisch- 
endemischen Elemente mußten während der Eiszeit das Gebiet 
verlassen und konnten es erst in postglazialer Zeit wieder be- 
siedeln. 

Ein besonderes Interesse unter den Faunenbestandteilen eines 
Territoriums beanspruchen solche Arten, die innerhalb desselben 
eine Begrenzung ihres Verbreitungsgebietes erfahren. Je nach dem 
prozentualen Verhältnis solcher Arten zum Faunenbestand über- 
haupt wird sich die Feststellung machen lassen, ob und inwieweit 
in den betreffenden Gebieten faunistische Grenzen gelegen sind. 
165 Makrolepidopteren und Pyraliden erfahren in Niederösterreich 
eine Arealbegrenzung, das sind ca. ll°/o ^ es gesamten Faunen- 
bestandes. Und zwar verteilen sich diese Arten in folgender Weise: 
Eine reine Ostgrenze besitzen 10, Südgrenze 18, Westgrenze 14, 

Z. B. Ges. 62 Bd. 10 



146 



H. Zerny. 



Nordwestgrenze 29, Nordgrenze 82, Nordostgrenze 13 Arten. Nord- 
grenze besitzen also gerade die Hälfte aller Arten. 

Die geringste Zahl erreichen die Arten mit Ostgrenze (Bei- 
lage 9), nämlich 10, davon sind 2 alpine Arten, die in den Alpen 
und Sudeten, nicht aber in den Karpathen und weiter östlich vor- 
kommen. Eine davon, Larenüa infidaria, findet sich auch im Wald- 
viertel. 4 Arten sind boreal-alpin und nordisch, sie finden sich bei 
uns in den Alpen, eine davon (Hadena gemmea) auch im Wald- 
viertel, fehlen aber in den Karpathen. Eine Erklärung für das 
Fehlen dieser 6 Arten in den Karpathen ist nicht leicht zu geben 
und sie dürften sich vielleicht bei näherer Erforschung derselben 
dort noch auffinden lassen. Die übrigen 4 Arten schließlich sind 
lusitanischen Ursprungs und dürften auch tatsächlich in Niederöster- 
reich ihren östlichsten Fundort besitzen. 2 davon (Agroiis glareosa 
und AcidaUa contiquaria) sind bezeichnenderweise nur im Wald- 
viertel gefunden, eine (Agrotis lucernea) ist bei uns alpin geworden. 

Arten mit reiner Westgrenze sind ihrer 14 (Beilage 10). 
Sie finden sich sämtlich nur im Wiener Becken, am Bruchrande 
der Alpen und im tertiären Hügelland U. M. B., nur eine Art (Perm 
grapha cineta) reicht westwärts bis in die Wachau. Es gehören 
hieher die meisten der früher genannten Steppentiere, für die zul 
sagendes Terrain weiter im Westen nicht mehr vorhanden ist. 
Manche von ihnen sind nur an eng begrenzten Lokalitäten gefunden 
worden und zeigen so deutlich den Charakter als Relikte aus der 
postglazialen Steppenperiode. Nur 2 Arten besitzen eine weitere 
Verbreitung in Sibirien und gehören zur Gruppe jener sibirischen 
Arten, die mir bis in das östliche Mitteleuropa vorgedrungen sind. 

1 - Arten erreichen in unserem Kronlande eine Siidgrenzc 
ihrer Verbreitung (Beilage 11). Es sind dies zum Teil europäisch« 
endemische, zum Teil sibirische Arten. Von den ersteren sind 
einige nordischen Ursprungs, die anderen sind auf Mitteleuropa be- 
Schränkt; die sibirischen Arten könnte man als nordisch-sibirisch 

bezeichnen, da sie sich von Nordsibirien nach Nord- und Mittel- 
europa verl, leiteten, ohne aber die Alpen zu überschreiten. Einige 
von diesen Arten mit Siid-ren/c (1, 2, 12, 14) linden sieh in 
NiedenMerreieh mir in den Alpen, diese dürften aber mit großer . 
Wahricheinlicbkeii noch in den vollständig mit unseren Alpen 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Niederüst. 147 



übereinstimmenden Alpen Steiermark^ zu finden sein. Einige weitere 
Arten kommen im Wiener Becken vor, darunter zwei im Schilf 
lebende Arten, Charaktertiere der Ebene (Nonagria neurica und 
Calamia phragmitidis). 4 Arten (Dasychira selenitica, Mamestra 
splendens, Hadena pabulatricula und Nonagria nexa) sind der Sand- 
steinzone der Alpen eigentümlich. Schließlich bleiben noch 4 Moor- 
bewohner (15 — 18) übrig, die ausschließlich auf den Mooren des 
Waldviertelplateaus gefunden wurden und die wohl kaum noch 
weiter südlich aufgefunden werden dürften. 

Arten mit Nor dost grenze (Beilage 12) in Niederösterreich 
sind ihrer 13. Es sind bis auf 2 alpine Arten, die aber den Kar- 
pathen und den weiter östlich gelegenen Gebieten vollständig fehlen. 
Eine Art, nämlich Larentia Jcollariaria, die auch im Waldviertel 
vorkommt, dürfte auch in den Karpathen noch zu entdecken sein, 
sonst scheint der Einbruch des Wiener Beckens diese Arten an 
ihrer Verbreitung über die Karpathen gehindert zu haben. Die 

2 übrigen Arten (Hadena platinea und Marihatta biviella) sind 
wohl uralte Faunenelemente, die hier die Eiszeit überdauerten und 
an ihrem gegenwärtigen Fundort bei Mödling als präglaziale Relikte 
aufzufassen sind. 

27 Arten besitzen eine Nordwestgrenze in Niederösterreich 
(Beilage 13). 19 von diesen sind orientalischer Herkunft. Sie finden 
sich in Niederösterreich fast ausschließlich im östlichen Teile des 
Landes, also im Wiener Becken, am Bruchrand der Alpen, auf dem 
Leithagebirge und den Hainburger Bergen, im Hügelland U. M. B., 
einige sind in der Wachau bis Spitz vorgedrungen. Sie fehlen aber 
sowohl den Alpen wie dem Waldviertelplateau vollkommen. Eine 
Art, Siona decussata, dürfte ihr Verbreitungszentrum auf der Balkan- 
halbinsel besitzen. Sie findet sich nur im südlichen Wiener Becken. 

3 andere (Bebelia sapplw, Hypoclialcia rubiginella und dignella) 
sind in ihrer Herkunft nicht sicher und bisher nur aus Stidost- 
europa bekannt. 3 Arten (Mamestia cavernosa, Garadrina lenta und 
Erastria obliterata) sind sibirischen Ursprungs, bewohnen aber in 
Europa nur den Süden. 

Die höchste Artenzahl erreichen die Arten mit nördlicher 
Verbreitungsgrenze in Niederösterreich, nämlich 82 (Beilage 14). 
Hieher gehören wieder eine Reihe (30) von alpinen Arten, und 

10* 



148 



H. Zerny. 



zwar solche, die sowohl die Alpen wie die Karpathen, zum Teil 
auch die Gebirge Südeuropas und Zentralasiens bewohnen, die in 
den Sudeten und den übrigen deutschen Gebirgen aber vollständig 
fehlen. Keine derselben findet sich im Waldviertel. Es sind dies 
meist Arten der subalpinen und der alpinen Zone, die infolge der ge- 
ringen Höhe der genannten Gebirge daselbst keine geeigneten Lebens- 
bedingungen gefunden haben. Eine ebenso große Zahl von Arten 
(31) ist orientalischen Ursprungs. Bei ihnen tritt die nördliche 
Verbreitungsgrenze nicht so deutlich hervor, da sie zum größten 
Teile in den unmittelbar südlich gelegenen Gebieten, d. h. den 
zentralen Teilen der Ostalpen, wie ja den Alpen überhaupt, fehlen, 
dagegen in Italien, in Frankreich, zum Teil auch in Südwestdeutsch- 
land wieder auftreten. Im Osten hängt dieses westliche Verbrei- 
tungsgebiet durch die illyrischen Länder und Ungarn mit dem 
niederösterreichischen zusammen. Bezüglich des Vorkommens dieser 
Arten in Niederösterreich gilt dasselbe wie für die Arten mit nord- 
westlicher Verbreitungsgrenze. 6 Arten (Lampides baeticus, Calophasia 
platyptera, Grammodes algira, Larentia emataria, Etiella zinckA 
nella, Diasemia ramburialis) sind mediterranen Ursprungs, es sind 
meist Zugtiere, die nur in einzelnen Exemplaren gefunden wurden 
und sich nicht dauernd zu erhalten vermochten, nur Lampides 
baeticus und Etiella zinclcenella scheinen sich dauernd angesiedelt 
zu haben. 8 Arten sind sibirischer Herkunft und bewohnen in 
Europa nur den Süden. (Joenonymplia oedipus möchte ich (bei seiner 
weilen Verbreitung in Sibirien) insofern als Relikt aufgefaßt wissen, 
als, da ihr Vorkommen an Wiesenmoore gebunden scheint, sie durch 
die fortschreitende Zerstörung solcher Ortlichkcitcn durch den 
Menschen aus einem großen Teil ihres Verbreitungsgebietes in 
jüngster Zeil verdrängt wurde und jetzt nur mehr an einzelnen 
weit getrennten Ortlichkeiten vorkommt. 5 Arten sind schließlich 
bisher nur aus Südeuropa bekannt geworden, vielleicht aber orien- 
taliselien Ursprungs und in Siidweslasien noch aufzufinden. 

Aus den bisherigen Ausführungen ist zu entnehmen, daß 
1. die größte Zahl von Arten mit Arealbegrenzung in Nicdcröstcr- 
reich, Dämlich 60, d. j. mehr ;«ls ein Achtel aller niedcröstcrrcichi- 
selien orientalischen Arten, das orientalische b'auncnclement auf- 
weist und dali '1. alle diese Arien nur den östlichen, niedrigen 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Niederöst. 149 



Teil Niederösterreichs bis an den Rand der Alpen und der böhmi- 
schen Masse bewohnen, den Alpen aber und dem Waldviertel- 
plateau selbst fehlen. Es ist nun der Schluß berechtigt, daß diese 
beiden Gebirge für die Ausbreitung der orientalischen Arten gegen 
Nordwesten ein wirksames Hindernis bildeten, bedingt durch ihr 
rauhes Klima, ihren Niederschlagsreichtum und das Vorherrschen 
von Nadel-, besonders Fichtenwäldern, lauter Momente, die den an 
warmes, trockenes, mit Gebtisch oder Eichwald bestocktes Terrain 
angepaßten Arten die Besiedlung unmöglich machten. 

Eine nicht viel geringere Zahl von Arten mit Arealbegrenzung 
in Niederösterreich zeigen die alpinen Arten. Für sie boten wieder 
die den Alpen im Norden und Westen, besonders nach dem Ein- 
bruch des Wiener Beckens vorgelagerten Ebenen und Hügelländer 
untibersteigliche V erbreitungshindernisse. 

Die übrigen Faunenelemente sind in zu geringem Ausmaß an der 
Zahl von Arten mit Verbreitungsgrenze beteiligt, als daß sie irgend 
eine faunistische Grenze innerhalb des Gebietes unterscheiden ließen. 

Versuchen wir nun Niederösterreich, den bisher angeführten 
Verbreitungstatsachen entsprechend, in faunistisch gleichartige Ge- 
biete zu gliedern, so kommen wir zu folgendem Resultat: Wir 
können unterscheiden: 1. Eine Region der orientalischen 
Fauna, in welcher die orientalischen Arten wohl nicht die Haupt- 
masse bilden — diese fällt in allen Teilen des Landes mit Aus- 
nahme der alpinen Region den sibirischen Arten zu — , wohl aber 
einen bedeutend höheren Prozentsatz an Arten aufweisen, als in den 
übrigen Gebieten; zu ihr gehören das Wiener Becken, der Bruch- 
rand der Alpen mit dem Bisamberge, die randlichen Teile des Leitha- 
gebirges, der Eilender- Wald, die Hainburger Berge, das Hügelland 
im V. U. M. B. bis an den Ostrand der böhmischen Masse (mit 
Ausschluß des Rohrwaldes) und die Wachau. 2. Die Region 
der sibirischen Fauna, in welcher diese allein herrscht und 
alle übrigen Faunenelemente, so besonders auch das orientalische, 
vollständig zurücktreten. Zu ihr gehören: die Bucklige Welt, das 
Rosaliengebirge, der Kamm des Leithagebirges, die Sandsteinzone 
der Alpen und der der Bergregion angehörige Teil der Kalkzone 
mit Ausnahme des östlichen Bruchrandes, der Rohrwald, das nörd- 
liche Alpenvorland, der Dunkelsteiner Wald und das Waldviertel- 

I 



150 



H. Zerny. 



plateau. 3. Die Kegion der alpinen Fauna, in welcher die 
alpinen und boreal-alpinen Arten einen verhältnismäßig hohen Prozent- 
satz bilden, besonders in den unteren Teilen der Kegion aber stark 
mit sibirischen Elementen gemischt sind. Ihr gehört die subalpine 
und alpine Zone unserer Alpen an, etwa von 1000 m an aufwärts. 
Naturgemäß sind diese drei Regionen nicht scharf geschieden, son- 
dern gehen vielfach ineinander über, aber in typischer Ausbildung 
bieten sie charakteristische Züge genug, um die hier vorgeschlagene 
Einteilung als begründet erscheinen zu lassen. 

Innerhalb jeder dieser drei Regionen ist die Fauna natürlich 
nicht überall die gleiche, sondern die verschiedenen Pflanzengemein- 
schaften und Kulturarten, wie Wald, feuchte oder trockene Wiese, 
Ackerboden, Weingarten, Moor, Au, die wenigstens in den Regionen 
der orientalischen und sibirischen Fauna miteinander abwechseln, 
haben jede ihre charakteristischen Arten, es würde aber zu weit 
führen, diese hier anzuführen. In der Region der alpinen Fauna 
läßt sich eine deutliche Verschiedenheit zwischen den östlichen und 
westlichen Alpen konstatieren: einige Arten, wie Argynnis tliore 
und amathusia, Erebia nerine und eriphyle fehlen sicher dem 
Schneeberggebiet; ob es auch Arten gibt, bei denen das Umge- 
kehrte der Fall ist, läßt sich bis jetzt infolge der bedeutend inten- 
siveren Durchforschung des Schneeberggebietes nicht sicher be- 
haupten, jedenfalls aber sind eine Anzahl von alpinen Arten des 
Schneeberggebietes in den westlichen Alpen bisher nicht gefunden 
worden. Was das Wechselgebict betrifft, so scheint trotz der ge- 
ringen Durchforschung des Gebietes sicher zu sein, daß die alpine 
Fauna dieses Gebirges relativ sehr arm ist, was auch mit den 
floristischen Befunden übereinstimmt. Bestimmend dafür mag so- 
wohl die verhältnismäßig geringe Höhe des Gebietes sein, wie auch 
Mine starke Exposition gegen Nordost, Bezüglich der interessanten 
Fauna dei Wald vierteis verweise ich auf die eben erschienene zu- 
sammenfassende und erschöpfende Darstellung von Dr. Galvagni 
und PreiBecker. 1 ) 

Kin Vergleich der Fauna unseres Territoriums mit der der 
benachbarten Gebiete erschien sehr verlockend, erwies sich aber 



1 Jabreaber. Wim. Knt. Vit. 1011 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Niederöst. 151 



infolge des Fehlens jeder zusammenfassenden Bearbeitung beson- 
ders für Mähren und Steiermark ohne äußerst zeitraubendes Herum- 
stöbern in der Literatur als undurchführbar und wäre auch bei der 
großen Zahl unsicherer und nicht kontrollierbarer Angaben von 
sehr fragwürdigem Werte gewesen. Nur soviel läßt sich im allge- 
meinen sagen, daß der Prozentsatz der orientalischen Arten in 
Ungarn rasch steigt, auch in Mähren noch relativ hoch, wenn auch 
geringer als in Niederösterreich ist, in Steiermark nur im Südosten 
noch von einiger Bedeutung, in Oberösterreich aber bereits äußerst 
gering ist. Die Anzahl der alpinen Arten dürfte in Oberösterreich 
annähernd dieselbe ; in Steiermark aber bereits bedeutend größer 
sein, da schon die niederen Tauern eine Anzahl für die Zentral- 
alpen charakteristischer Arten besitzen, die in den nördlichen Kalk- 
alpen fehlen. Die südrussisch-zentralasiatischen Steppenarten nehmen 
naturgemäß in Ungarn rasch zu, in Mähren kommt auch noch die 
eine oder die andere vor, in Steiermark und Oberösterreich fehlen 
sie aber bereits vollständig. 

Zum Schlüsse möchte ich noch die Intensität der Durch- 
forschung der verschiedenen Gebiete unseres Kronlandes berühren 
und besonders auf diejenigen Gebiete hinweisen, die bisher von 
Seite der Sammler etwas stiefmütterlich behandelt worden waren. 
Als sehr gut durchforscht können nur diejenigen Gebiete betrachtet 
werden, die bereits seit Jahrzehnten das häufigste und in manchen 
Fällen auch einzige Ausflugsziel der Wiener Sammler gebildet 
haben, nämlich das Gebiet am Bruchrand der Alpen bei Mödling, 
Gumpoldskirchen, Baden, Vöslau, der Schneeberg, der Bisamberg 
und der Bohrwald. Ziemlich gut durchforscht sind besonders dank 
der Tätigkeit der Herren Dr. Galvagni und Pr ei Becker der 
größte Teil des Waldviertels, ferner die Gegend von Moosbrunn 
und Oberweiden, der Wienerwald, das obere Traisental bei St. Ägyd, 
das Piestingtal durch Herrn Dr. Schawerda; über das Gebiet der 
westlichen Alpen steht eine Publikation von Herrn Dr. Schawerda 
in Aussicht. Ziemlich schlecht durchforscht sind das Leithagebirge, 
das Wechselgebiet, das südliche Wiener Becken mit Ausnahme 
der Gegend von Moosbrunn, das Marchfeld mit Ausnahme der 
Gegend von Oberweiden. Sehr schlecht durchforscht ist das Hügel- 
land im V. U. M. B., das Tullner Becken, die westliche Sandsteinzone 



152 



H. Zerny. 



der Alpen und das nördliche Alpenvorland von der Enns bis zur 
Traisen, das bereits zur böhmischen Masse gehörige Plateau von 
Neustadtl, ferner die Raxalpe und die Hainburger Berge. Es wären 
also bei Exkursionen, die die Erforschung unserer Fauna zum 
Zwecke haben, die von mir eingangs erwähnten Ortlichkeiten schon 
im Interesse der Erhaltung unserer Fauna zu meiden, dafür aber 
den zuletzt genannten Gebieten umsomehr Aufmerksamkeit zu 
schenken. 

Beilage 1. 

Endemische Arten (4, 23). 



1. Hiptelia Habichi Rbl. (Schnee- 
berg). 

2. Tephroclystia Mayeri Mn. ( Voslau). 

3. Crambus ermutatellus H.-S. (?) 
(Schneeberg [Waxriegel, Heu- 
plagge]). 

4. Ephestia furcatella H.-S. (Schnee- 
berg [Alpeleck]). 

5. Euxanthisdorsimaculana Preiss. 
(Wachau, Retz). 

0. Phtheochroa singulana H.-S. (?) 
(Prater). 

7. Xystophora luteella Hein. (Mauer 
bei Wien). 

8. Aristotelia Leonhardi Krone (Mbd- 
ling) 

9. lihinosia monastricella F. B. (Geis- 
berg hei Rodann). 

10. FVchria (BorJchausenia ) luteella 

Hein. i(i;ilins. Brandstätt wiese). 



11. Epcrmenia Kroneella Rbl. (Möd- 
ling). 

12. Scythris leueogaster Mn. (Schnee- 
berg). 

13. — flavidella Preiss. (Wachau, 
Retz). 

14 Tetanocentria ochraceella Rbl. 

(Schönbrunn, Gumpoldskirchen)* 
15. Coleophora Kroneella Fuchs (Möd- 

ling). 

L6. — Medelichensis Krone (Mödling). 

17. Elachista extensella Stt. (Möd- 
ling). 

18. — Preisseckeri Krone (Karlstift). 

19. Lithocolletis Manni Z. (Tivoli, 
Laaerberg). 

20. — acaciella Z. (Prater). 

21. Ncpticula subnitidella Z. (?). 

22. — nobilclla Hein-Woeke (?). 

23. lncurvaria aenella Hein. (?). 



I. Colitis jiliiconione 10sp 

'. Metttaea eynHMa Hb. 

:;. Erebui cri/ihylt I rr. 

4. - pkafti Hl». 

5. — memto Elp. 

6. — ormi IIb. 

7. — ntygne 0. 



Boilage 2, 

.Montane (alpine) Arten (5, r >). 

8. Erebiu nerine Fit. 
[). pronoe Elp. 

lo. Hßsperia cacaHae Rbr, 

\ gm Iis lielrelinu l>. 



dtcora Hb. (V). 
tttnplonia H. (», 
Hadma ttta Tr, 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Niederöst. 153 



15. Leucania Andereggi B. 

16. Caradrina gilva Donz. 

17. Hiptelia ochreago Hb. 

18. Plusia aemala Hb. 

19. Larentia aptata Hb. 

20. — Kollariaria H.-S. 

21. — austriacaria H.-S. 

22. — aqueata Hb. 

23. — inftdaria Lah. 

24. — cyanata Hb. 

25. — tophaceata Hb. 

26. - verberata Sc. 

27. — nebulata Tr. 

28. — incultaria H.-S. 

29. — scripturata Hb. 

30. — alpicolaria H.-S. 

31. — alaudaria Fit. 

32. Tephroclystia silenata Stdf. 

33. Phibalopteryx aemulata Hb. 

34. Gnophus ambiguatus Dup. 

35. — serotinarius Hb. 



36. Gnophus Zellerarius Fit. 

37. — operarius Hb. 

38. Psodus alpinatus Sc. 

39. — noricanus Wagn. 

40. — quadrif arius Sulz. 

41. Scioptera Schiffer milier i Stgr. 

42. Hepialus cama Esp. 

43. Crambus combinellus Schilf. 

44. — pyramidellus Tr. 

45. — speculalis Hb. 

46. — luctiferellus H.-S. 

47. Scoparia manifestella H.-S. 

48. — phaeoleuca Z. 

49. — valesialis Dup. 

50. — petrophila Sulz. 

51. Pyrausta austriacalis H.-S. 

52. — uliginosalis Steph. 

53. — alpinalis Schiff. 

54. — rhododendralis Dup. 

55. — nigralis F. 



Beilage 3. 

Lusitanische Arten (6). 



1. Agrotis interjecta Hb. 

2. — glareosa Esp. 

3. Aporophyla lutulenta Bkh. 



4. Pofo'a xanthomista Hb. 

5. Acidalia contiguaria Hb. 

6. Tephroclystia pulchellata Steph. 



Beilage 4. 

Boreal-alpine Arten (48). 



Argynnis thore Hb. 
Erebia euryale Esp. 
Hesperia andromedae Wallgr. 
Selenophora lunigera Esp. 

5. Agrotis hyperborea Zett. 

6. — collina B. 

7. — sincera H.-S. (auch Waldviertel). 

8. — speciosa Hb. 

9. — cuprea Hb. 

10. — grisescens Tr. 

11. — recussa Hb. (auch Waldviertel). 

12. Dianthoecia proxima Hb. (auch 
Waldviertel). 



13. Miana captiuncula Tr. 

14. Hadena Maillardi H. G. 

15. — rubrirena Tr. 

16. Plusia variabilis Pill. 

17. — Hochenwarthi Hoch. 

18. Larentia cognata Steph. 

19. — taeniata Steph. (auch Wald- 
viertel). 

20. — munitata Hb. 

21. — turbata Hb. 

22. — cambrica Curt. 

23. — incursata Hb. (auch Wald- 
viertel). 



154 



H. Zerny. 



24. Larentia caesiata Bkh. (auch 
Waldviertel). 

25. — flavicinctata Bkh. 

26. — nobiliaria H.-S. 

27. — molluginata Hb. (auch Wald- 
viertel). 

28. — ruberata Fr. 

29. Tephroclystia scriptaria H.-S. 

30. Biston lapporarius B. 

31. Gnophos sordarius Thbg. (auch 
Waldviertel). 

32. — dilucidarius Hb. (auch Wald- 
viertel). 

33. — myrtillatus Thbg. 

34. Psodos coracinus Esp. 



35. Lithosia cereola Hb. 

36. Sterrhopteryx Stand fussi Hb. 

37. Hepiahis fusconebulosus Dej. 

38. Crambus conchellus Schiff. 

39. Asarta aeihiopella Dup. 

40. Scoparia centuriella Schiff. 

41. — sudetica Z. 

42. — murana Curt. (auch Wald- 
viertel). 

43. Orenaea alpestralis F. 

44. Titanio SchranMana Hochenw. 

45. — phrygialis Hb. 

46. Pionea inquinatdlis Z. 

47. — nebulalis Hb. 

48. — decrepitalis H.-S. 



Beilage 5. 

Nordische Arten (35). 



1. Endromis versicolora L. 

2. Panthea coenobita Esp. 

3. Agrotis strigula Tlmbg. 

4. — vestigialis Rott. 

5. lladena gemmea Tr. 

6. Anarta myrtilli L. 

7. Thalern putata L. 

8. Larentia juniperata L. 

9. — firmata IIb. 

10. — didymala L. 

11. - wMafa Bkh. 

12. — affmitata Steph. 

13. — minoratn Tr. 

14. albulata Schiff. 

15. Tci>}i>oclystia contcnninata Z. 
IG. strobilata IIb. 

17. ussimilata Obld. (V). 

18. — immunilnta Z. 



19. Thephroclystia tenuiata Hb. 

20. — nanata Hb. 

21. — sobrinata Hb. 

22. Biston pomonarius Hb. (V). 

23. Boarmia jubata Thbg. 

24. Comaela senex Hb. 

25. Trochilium melanoccphalum D.ilm. 

26. /S'csia scoliiformis Bkh. 

27. — spheciformis Gem. (V). 

28. Bembecia hylaeiformis Esp. 

29. Hepinlus lupulinus L. 

30. Crambus margaritellus Hb. 

31. — ericellus IIb. 

32. Salebria betulae Gze. 

33. Gataclysta lemnata L. 

34. Pionea elutalis Schill. 

35. — prunalis Schiff. 



Boilago 6. 

Sttdrut Nische Bteppenarten (12). 
l OWfaM ehry$oihem Bsp. 4. CuaUUa $ooparia4 Dfm. 

2. A(frf>h.H fugax Tr. 5. MetOtfOltü signalis. 

?, QuculHa bßUamitae B< TAgnyoptera fümidaria IIb. 



Entwicklung und Zusammensetzung der Lepidopterenfauna Xiederöst. 155 



7. Chondrosoma fiduciaria Ank. 10. Crambus matricellus Tr. 

8. Epichnopteryx undulella F. K. 11. Phlyctaenodes sulphuralis Hb. 

9. Sesia bibioniformis Esp. | 12. Pyrausta palustralis Hb. 



Beilage 7. 



Colias edusa Z. 
Pyrameis ataJanta L. 
Satyrus alcyone Schiff. 
— statilinus Hufn. 
Eesperia sao Hb. 
Daphnis nerii L. (trop.). 
Ocneria rubea F. 
Pofta flavicincta F. 
Dryobota monochroma Esp. 
Tapinostola muscidosa Hb. 
Calophasia platyptera Esp. 
Cucullia chamomiUae Schiff. 
Hypenodes costaestrigalis Steph. 
AcidaUa viryularia Hb. 



Mediterrane Arten (27). 

15. AcidaUa emutaria Hb. 

16. Chesias ruf ata F. 

17. Tephroclystia irriguata Hb. 

18. Metrocampa honoraria Schiff. 

19. Tephronia sepiaria Hufn. 

20. Pachycnemia hippocastanaria Hb. 
(?)• ' 

21. Platytes alpinella Hb. 

22. EpJiestia calidella Gn. 

23. Euzophera pinguis Hw. 

24. Scoparia frequentella S.-H. (?). 

25. Pionea repandalis Schiff. 

26. Pyrausta sanguinalis L. 

27. — aurata Sc. 



Beilage 8. 

Üb er sieht st ab eile. 

Sibirische Arten 750 50°/ 

Orientalische Arten 387 25°/ 

Europäisch-endemische Arten-. ...... 143 10% 

Montane Arten 58 4°/ 

Boreal-alpine Arten 48 3° 

Nordische Arten 35 2°/ 

Tropische Arten 30 2% 

Mediterrane Arten 27 2°/ 

Südrussische Steppenarten 12 l°/ 

Lusitanische Arten ö_ 1 : < 2 °lo 

1496 

Beilage 9. 

Arten mit Ostgrenze (10). 

Agrotis interjecta H.-S. (lusitan.). I Larentia infidaria Lah. (alp.). 

— glareosa Esp. (lusitan.). Biston lapponarius B. (bor.-alp.). 

— lucernea L. (lusitan.). ! Crambus conchellus Schiff, (bor.-alp.). 
Hadena gemmea Tr. (nord.). Asartia aethiopella Dup. (bor.-alp.). 
AcidaUa contiguaria Hb. (lusitan.). Scoparia petrophila Stdf. (alp.). 



156 



H. Zerny. 



Beilage 10. 

Arten mit Westgrenze (14). 



Agrotis fugax Tr. (siidruss.). 
Mamestra Leinen Fit. (siidruss.). 
Perigrapha cincta F. (siidruss.). 
Cucullia balsa?nitae B. (siidruss.). 
— scopariae Dfm. (siidruss.). 
3Iesotrosta signalis Tr. (siidruss.). 
Enclidia triquetra F. (sib.). 
Lignyoptera fumidaria Hb. (siidruss.). 



Chondrosoma fiduciaria Anker (siid- 
russ.). 

Eubolia arenacearia Hb. (siidruss.). 
Epichnopteryx undulella F. R. (siid- 
russ.). 

Sesia bibioniformis Esp. (siidruss.). 
Crambus matricellus Tr. (siidruss.). 
Pyrausta palustralis Hb. (siidruss.). 



Beilage 11. 

Arten mit Südgrenze (18). 



Chrysophanus amphidamas Esp. (sib.). 
Dasyclrira selenitica Esp. (mitteleurop.). 
A gratis molothina Esp. (mitteleurop.). 
Mamestra spendens Hb. (sib.). 
Hadena pabulatricida Brahm. (mittel- 
europ.). 

Nonagria nexa Hb. (mitteleurop.). 

— Edelsteni Tutt (mitteleurop.). 
Tapinostola extrema Hb. (sib.). 

— Hellmanni Ev. (sib.). 



Calamia phragmitidis Hb. (sib). 
Anaitis paludata Thbg. (sib.). 
Loboplwra appensata Ev. (sib.). 
Larentia vittata Bkh. (nord.). 
Tephroclystia conterminata Z. (uord.). 
Aricharna melanaria L. (sib.). 
Comacla senex Hb. (nord.). 
Crambus alienellus Zck. (sib.). 
Pyrausta nyctemeralis Hb. (sib.). 



Beilage 12. 

Arten mit Nordostgrenze (14). 



Erebia eriphyle Fit. (alp.). 

Agrotis sim/donia II. G. (alp.). 
Ihnhmi jdatinca Tr. (stidwesteurop.). 
Caradrina gära DOOZ. (alp.). 

TjorenHa hoUo/nafia H.-S. (alp.). 

— austriacaria H.-S. (alp.). 

— alpicolaria H.-S. (alp.). 



Biston alpinus Sulz. (alp.). 
Gnophus zellcrarius Frr. (alp.). 
P8odos HoricuHHs Wagn. (alp.). 
Scioptera Schiffermüleri Stgr. (alp.) 
Crambus combinellus Schiff, (alp.). 
Manhatta biviella Z. (süd Westeuropa 
Pyrausta rhododendralis Dup. (alp.). 



Sfitxrni'i sjiini Schifl'. (orient.). 

MhiiikIki cavernaa Fv. (tib.)i 

Ca , <iil ri im lenmUx Tr. (.sib.j. 
HtÜOthit <<><i)iiilu Iii. <»ri<!iit.). 

HtUodti mpieola Bb. (orient»)i 

ThulfiodtarrH rasen III», (oricnt. 



Beilage 13. 

Art (;n mit Nord west grenz c (27). 

Eraslna oblücrata, Rbr. (sib.). 
Mctoponia Jcockcrüziana IIb. (orientj 
Coli, nila hymenara Schin". (Orient.?)] 
Acidulin flaccidaria Z. (oriont.). 

8iofM dectuiüto Bkh. (Balk.). 
Phibalopteryx corlicata Tr. (orient.). 



Entwicklung- und Zusammensetzung- der Lepidopterenfauna Niederöst. 157 



Stegania dilectaria Hb. (Orient.). 
Caustoloma flacicaria Hb. (orient.). 
Jlicrinia cordiaria Hb. (orient.). 
fno siibsolana Stgr. (orient.). 

— budensis Spr. (sib.?). 
Rebelia sappho Mill. (Balk.?). 
Sesia astatiformis H.-S. (orient.). 

— chalcidiformis Hb. (orient.). 



Talis quercella Schiff, (orient.). 
Hypochalcia rubiginella Tr. (Balk.?). 

— dignella Hb. (Balk.?). 
Stenia stigmosalis Tr. (orient.). 
Metasia carnealis Tr. (orient.). 
Pyrausta perlucidalis Hb. (orient.). 

— obfuscata Sc. (orient.). 



Beilage 14. 



Arten mit No 
Colias pliicomone Esp. (alp.). 
Melitaea cynthia Hb. (alp.). 
Argynnis hecate Esp. (orient.). 
Erebia pharte Hb. (alp.). 

— manto Esp. (alp.). 

— oeme Hb. (alp.). 

— nerine Frr. (alp.). 

— pronoe Esp. (alp.). 
Coenonympha oedipus F. (sib.). 
Lampides baeticus L. (inedit.). 
Hesperia cacaliae Rbr. (alp.). 
Smerintkus quercus Schiff, (orient). 
Phalera bucephaloides 0. (orient.). 
Agrotis ocellina Hb. (sib.). 

— helvetina B. (alp.). 

— birivia Hb. (orient.?). 

— - hastifera Donz. (orient.). 
Luperina Stand fussi Wisk. (alp.?). 
Hadena zeta Tr. (alp.). 
Pohjphaenis sericata Esp. (orient.). 
Leucania Andereggi B. (alp.). 
Caradrina terrea Frr. (sib.). 
Riptelia ochreago Hb. (alp.). 
Scotochrosta pulla Hb. (südeurop.). 
Calophasia casta Bkh. (orient.). 

— platyptera Esp. (medit). 
Cucullia xeranthemi B. (sib.). 
Thalpocharis Dardouini B. (orient.). 

— respersa Hb. (orient.). 

— communimacula Hb. (orient.). 
Plusia aemula Hb. (alp.). 
Grammodes algira L. (medit.). 
Catocala puerpera Giorna (orient.). 



»rdgrenze (81). 

Catocala dilecta Hb. (orient.). 

— nymphagoga Esp. (orient.). 
Toxocampa lusoria L. (orient.). 
Nemoria pulmentaria Gu. (orient.). 
Acidalia obsoletaria Rbr. (orient.?). 

— rabraria Stgr. (südeurop.). 

— emutaria Hb. (medit.). 
Triphosa sabaudiata Dup. (orient.). 
Larentia cyanata Hb. (alp.). 

— tophaceata Hb. (alp.). 

— nebulata Tr. (alp.). 

— incultaria Hb. (alp.). 

— scripturata Hb. (alp.). 

— alaudaria Frr. (alp.). 

— lugdunaria H.-S. (europ.). 
Tephroclystia gueneeata Mill. (orient.). 

— alliaria Stgr. (orient.). 

— euphrasiata H.-S. (südeurop.). 

— graphata Tr. (europ.). 
Phibalopteryx aemulata Hb. (alp.). 
Boarmia maculata Stgr. (sib.). 
Gnophus serotinarius Hb. (alp.). 
tfesz'a colpiformis Stgr. (orient). 
Hepialus carna Esp. (alp.). 
Crambus speculalis Hb. (alp.). 

— luctiferellus Hb. (alp.). 

— lucellus H.-S. (sib.). 
Ancylolomia palpella Schiff, (orient.). 
Scirpophaga praelata Sc. (sib.). 
Ephestia Welseriella 7a. (orient.). 
Pempelia sororiella Z. (orient.). 
Euzophera bigella Z. (orient.). 
Etiella sirckenella Tr. (medit.). 



158 



H. Zerny. 



JEucarphia vinetella F. (sib.). 
Epischnia illotella Z. (Orient.). 
Salebria cingillella Z. (orient.). 
Acrobasis fallouella Rag-, (orient.). 
Bhodophaea dulcella Z. (orient.). 
Actenia brunnealis Tr. (orient.). 
Cledeobia bombycalis Schiff, (orient.). 
Scoparia ingratella Z. (orient.). 



| — quadripunctatis Schiff, (enrop.). 



Scoparia manifestella H.-S. (alp.). 

— phaeoleuca Z. (alp.). 

— valesialis Dup. (alp.). 
Diasemia ramburialis Dup. (medit.). 
Pyrausta austriacalis H.-S. (alp.). 

— fascialis Hb. (orient.?). 

— nigralis F. (alp.?). 



Hochgebirgsseen in Tirol und ihre Fauna. 



(Mit Angabe der chemischen Zusammensetzung- des Wassers von 
Prof. Hermann Klein.) 

I. Beitrag. 

(Eingelaufen am 29. April 1912.) 

Zur Ausführung der Untersuchungen, Uber deren Ergebnis 
hier berichtet wird, hat das k. k. Ministerium für Kultus und 
Unterricht eine Subvention, das k. u. k. Oberstkämmereram] 
den nötigen Urlaul) bewilligt. Für diese Unterstützungen sei an 
erster stelle mein ergebenster Dank ausgesprochen. 

Ferner bin ich sehr verpflichtet: 

Beim Prof. Hermann Klein ( Wien), der es übernommen hat, 
die chemischen Analysen der Stißwasserproben durchzuführen; damit 
ist meiner Arbeit eine wichtige, von mir sehr erwünschte Ergäffi 
Hing zuteil geworden. 

Herrn Prof Dr. K. v. Dalla Torre (Innsbruck) für die Bei 
tarwortang des Subventionsgesuehes und mannigfache Anregung. 

Der k. k. meteorologischen Zentralanstalt (Wien) für 
die DberUssnng eines Korr. -Thermometers, wobei mir die Herren 
Dr Pireber, Dr. Kofier und Dr. Defant Uber Wassertemperatun 
mcHRiingeii in zuvorkommenster Weise mündliche Aufklärung gabenj 



Von 



Dr. Otto Pesta. 



Hochgebirgsseen in Tirol und ihre Fauna. 



159 



Dem Deutseben Fischerei-Verein in Berlin für die be- 
willigte Entlehnung einschlägiger Literatur aus seiner Bibliothek. 

Ich bitte die genannten Herren, beziehungsweise Institute, 
auch an dieser Stelle meinen besten Dank entgegennehmen zu 
wollen. 

Die Wahl einer passenden Begleitung, der man auf einer 
Sammelreise im Hochgebirge aus verschiedenen Gründen nicht gut 
entbehren kann, ist mir durch die Zusage meines Bruders, Prof. 
Dr. Theodor Pesta (Wien) erspart geblieben. Er hat mir die Auf- 
gabe, über die besuchten Lokalitäten Messungen und Angaben zu 
gewinnen, fast vollständig abgenommen und so meine Arbeit be- 
deutend erleichtert und gefördert; er war mir während der oft er- 
müdenden Wanderungen stets unverdrossen zur Seite. Ich sage 
ihm meinen besonderen Dank und hoffe, daß er einigen Lohn für 
seine Mühe im Schauen und Genießen der Bilder und Augenblicke 
gefunden hat, wie sie die unvergleichliche Gebirgswelt unserer 
Heimat dem zeigt, der sie von Herzen begrüßt. 



Von jenen Wasserbecken Tirols, welche in einer Höhe von 
2000 — 2500 m über dem Meeresspiegel liegen und somit der hoch- 
alpinen und subnivalen Region angehören, ist bis jetzt nur eine 
geringe Zahl faunistisch untersucht. Aus dem Gebiete der Zentral- 
alpen wurde durch Brehm und Zederbauer [2, 4] J ) die Tierwelt 
folgender Seen bekannt: 

1. Vorder-Finstertalersee (Seilraintal), 2235 m. 

Enthielt: Nauplien von Cyclops strenuusP. 

2. Hinter-Finstertalersee (Sellraintal), ca. 2250 m. 

Enthielt: Chydorus spliaericus, Cyclops sp. iuvenis, 
Nauplien. 

3. Ober-Plenderlesee (Sellraintal), ca. 2250 m. 

Enthielt: Keine tierischen Bewohner! 2 ) 

4. Unter-Plenderlesee (Sellraintal), ca. 2250 m. 

Enthielt: Keine tierischen Bewohner! 2 ) 

x ) Siehe Literaturverzeichnis am Schlüsse! 

2 ) Diese Angabe ist sehr unwahrscheinlich und bedarf dringend einer 
Revision. 



160 



Otto Pesta. 



5. Lauterersee (Gscbnitztal), ca. 2400 m. 

Enthielt: Bosmina longirostris. 

6. Pfitscherjochsee (Pfitschertal), ca. 2000 m. 

Enthielt: Cyclqps serrulatus. 

7. Lichtsee (Obernbergtal — Gschnitztal), ca. 2200 m. 

Enthielt: Diaptomus denticornis, Gyclops sp. iuvenis. 

8. Schwarzensee (Zillertal), ca. 2500 m. 

Enthielt: Gyclops strenuus. 

9. Zirmsee, ca. 2500 m. 

Enthielt: Chydorus sphaericus, Cyclops strenuus. 
In das nämliche Gebiet fällt der von mir [14] besuchte 
10. Schlickersee (Stubaital), ca. 2500 m. 

Enthielt: Mona affinis, Chydorus spliaericus, Cyclops 
vernalis. (Insektenlarven, Agabus solieri, Pisidium 
sp.) 

Aus der nördlichen und südlichen Kalkalpenzone liegen — 
soweit mir bekannt ist — gar keine Beobachtungen über die Tier- 
welt von Seen der erwähnten Region vor. Es ist daher vor allem 
notwendig, möglichst viele solche Wasserbecken aufzusuchen, um 
festzustellen, welche Formen die Hochgebirgsseen Tirols überhaupt 
ein halten. Mit diesen rein faunistischen Ergebnissen wird gleich- 
zeitig ein Bild über die Verteilung der Arten in den drei Haupt- 
gebirgszügen gewonnen werden, das geeignet ist, über die Frage 
Aufschluß zu geben, ob ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Wasser- 
fauna und der chemischen Zusammensetzung des Seewassers nach- 
weisbar ist oder nicht; da das chemische Verhalten desselben in 
direktem Zusammenhang mit der geologischen Beschaffenheit der 
Umgebung steht, so ist auch die Korrelation zwischen Fauna und 
Gebirgsformation hergestellt. Von allen Faktoren, die ihren Einflul 
auf die Zusammensetzung der Wasserfauna geltend inachen, wie 
Höhenlage, Größe und Tiefe, Ufer- und Grundbeschaffenheit, Niveau- 
Veränderungen. Wasserflora, Temperatur, Eisbedeckung und che- 
mische Beschaffenheit des Wassers, ist die Wirkung des zuletzt 
genannten am wenigsten bekannt geworden. Ich verweise hiezu 
auf die Angaben A. Steuers [16, p. 22—29], Die neuesten Er- 
gebniste der Untersuchungen von Brttnstedt und Wesenberg- 



Hochgeüirgsseen in Tirol und ihre Fauna. 



161 



Lund [5] sind noch nicht abgeschlossen erschienen. 1 ) So bilden 
die Arbeiten von W. Weith [18], Pavesi [13] und Monti [12] 
einstweilen noch die wichtigsten Aufschlüsse über unsere Frage. 2 ) 
Allerdings spricht der um das Studium der Alpenseen hochverdiente 
Forscher Zschokke [20, p. 39] derselben jene Bedeutung ab, die 
ihr die beiden älteren Autoren beilegten; vielleicht mit Recht, in- 
soferne diese ganz allgemein den Tierreichtum eines Wasserbeckens 
nach seinem Gehalt an Kalkkarbonaten bemessen wollten. Wenn 
aber auch, wie Zschokke [20] anführt, „faunistisch sehr arme Seen 
mitten in den Kalkmassen des Rhätikon, sehr reiche Becken da- 
gegen in die Urgebirgsformationen des St. Bernhard eingeschlossen 
liegen", so ist damit unsere Frage keineswegs erledigt. Die Mög- 
lichkeit einer Existenz von „Leitorgauismen" für Seen von ver- 
wandter chemischer Beschaffenheit ihres Wassers, beziehungsweise 
der Geologie ihrer Umgebung kann trotzdem nicht geleugnet werden. 3 ) 
Zur Untersuchung des Einflusses der chemischen Faktoren wird es 
notwendig sein, solche Becken auszuwählen, denen annähernd die 
gleichen physikalischen Verhältnisse zukommen. Jene Hochgebirgs- 
seen Tirols, von denen eingangs gesprochen wurde, scheinen mir 
aus diesem Grunde zur Lösung der Aufgabe besonders geeignet. Die 
folgenden Zeilen liefern den ersten Beitrag für diesen Versuch. Neben 
kurzen allgemein-faunistischen Mitteilungen wird nur die Gruppe 
der Copepoden und Cladoceren eingehender behandelt werden. 



1. Die Böden- (oder Dreizinnen-) Seen. 

(Besuchsdatum: 6. August 1911.) 

Höhe über dem Meeresspiegel: ca. 2300 m. (Dreizinnen- 
hütte 2390 m.) 

Lage und Umgebung: Die sogenannten Bödenseen, zwei 
kleine Wasserbecken, die durch eine kurze versumpfte Stelle mit- 



*) Nach Abschluß dieser Notizen ist nun auch der zweite Teil in: Int. 
Rev. Hydr. Vol. 4, Heft 5 u. 6, p. 437, publiziert worden. 

2 ) Ich verweise hier auch auf eine neuere Abhandlung von Kuhl- 
mann [10] und die dort zitierte Literatur. 

3 ) Vergl. Zschokke [20, p. 39, 4. Absatz] und Holdhaus [7, p. 742 
sub 2. und Anmerkung!]. 

Z. B. Ges. 62. Bd. 11 



162 



Otto Pesta. 



einander in Verbindung- stehen, liegen im Gebiete der Sextener 
Dolomiten, und zwar an der Ostseite des Toblinger-Riedl, einem 
Sattel, der den Zugang zu den gewaltigen Felswänden der „Zinnen" 
vermittelt. Bezüglich des geologischen Aufbaues der Gegend ent- 
nehme ich aus Blaas [1, p. 667/8]: „Der unwirtliche Anstieg zu 
den Rienzquellen über rauhen Schutt erhält uns dauernd im Schiern- 
dolomit. Vor uns das bekannte malerische Bild der Dreizinnen: 
die aus wohlgeschichtetem Dachsteindolomit erbauten drei Zacken 
ruhen auf einem Sockel aus Schierndolomit, der eine Decke von 
Raibierschichten trägt. Denselben Bau zeigt zur Linken der Schwal- 
benkofel. Am Übergang über das Toblinger-Riedl hat man die Decke 
der Raibierschichten erreicht. Der Bödensee liegt in ihnen." 

Ein einziges spärliches Rinnsal speist von der nordwestlichen 
Felsstufe her den größeren See; die übrige Wasserzufuhr muß von 
jenen Bächen besorgt werden, die bei Schneeschmelze und Regen 
durch das Kalkgeröll der umgebenden Kare herabrieseln oder viel- 
leicht auch als unterirdische Quellen den See zuströmen. Aus einer 
teilweise starken Versumpfung der Uferränder ist zu entnehmen, 
daß die Größe der Seen je nach dem Maße der Niederschläge einer 
geringen Schwankung unterliegt. Ein Abflußbach, der in der Rich- 
tung gegen das Fischlei ntal verlaufen müßte, konnte nicht auf- 
gefunden werden. Die Seeufer sind flach, von üppigem Grasboden 
der Alpenweiden umgeben, die viel mit Wollgras (Eriophorum) be- 
standen sind; nur auf der Südostseite rücken Geröllhalden und einzeln 
vorgeschobene Felsblöcke des Höhenzuges (Paternkofel) näher heran. 

Größe: Der größere Bödensee ist ungefähr 180 Schritte lang und 
150 Schritte breit, der kleinere 1 60 Schritte lang und 130 Schritte breit. 

Beschaffenheit des Scebodens. Wasserflora: In einer 
Entfernung von 2 m vom Ufer messen die tiefsten Stellen nicht 
mehr wie 1 1 m; Wasserfarbe und überall sichtbare, ausgedehnte 
Rasen von r<>/(tmo(/rfon lassen auf die geringe Tiefe beider Becken 
sehließen. Der größere See besitzt nahe der Mitte eine ganz be- 
wachsene Insel. Der Seegrund ist größtenteils von schlammig- 
lehmiger Beschaffenheit, mit ein wenig Geröll im kleineren Becken. 
Die Wasserflora steht in reicher Entfaltung; neben den Beständen 
von Potamogeton linden sich zahlreiche Algen, teils als Überzüge, 
teils frei flottierend. Auch ist, eine starke Mikrollora entwickelt. 



Hochgebirgsseen in Tirol und ihre Fauna. 



163 



Wassertemperatur 1 ): Dieselbe betrug an der Oberfläche 
des größeren Bödensees um 10 h 30' a. m. (bei Insolation seit 8 h a. m.) 
16-2° C, an der Oberfläche des kleineren Bödensees um 4 h 45' p. m. 
(bei Ende der Insolation) 18-7° C. 

Die Temperatur des Zuflusses belief sich um 10 h 30' a. m. 
auf 11-2° C. 

Fauna: Es wurden beobachtet: Wasserwanzen, Wasserkäfer 
(Agabus solieri Aube, Hydroporus palustris L., Hydroporus griseo- 
striatus Dep. 2 ), verschiedene Insektenlarven, Planarien, Trematoden, 
Nematoden, Pisidium sp., Wassermilben, der Alpenmolch (Triton 
alpestris Laur.). Die Planktonfänge enthielten folgende Entomo- 
straken: 

Großer Bödensee. 

Uferfänge, 5 m — Oberfläche, 9 h 30' — 10 h 30' a. m. 

Biaptomus gracilis Sars. 
Cyclops serridatus Fischer. 
Cyclops strenuus Fischer. 
Simoceplialus vetulus (O. F. Müller). 
Mona affinis Leydig. 
Polyphemus pedicidus (Linne). 

Uferfang, Oberfläche, 9 h 15' p. m. 
Cyclops serridatus Fischer. 
Cyclops strenuus Finher. 
Cyclops sp. iuvenis. 
Mona affinis Leydig. 
Daphnia longispina O. F. Müller. 
Chydorus sphaericus 0. F. Müller. 

Kleiner Bödensee. 

Uferfänge 0*5 m — Oberfläche, 4 h 30' — 5 h 30' p. m. 

Cyclops serridatus Fischer. 
Cyclops sp. iuvenis. 

l ) Zur Vermeidung von fehlerhaften Angaben über die Temperatur 
wurde die Ablesung am untergetauchten Thermometer vorgenommen. 

*) Die Bestimmung verdanke ich Herrn Dr. K. Holdhaus (Wien). 

11* 



164 



Otto Pesta. 

• 



Simocephalus vetulus (0. F. Müller). 
Daphnia longispina (0. F. Müller). 
Mona äff bris Leydig. 
Polypliemus pediculus (Linn6). 
Ghydorus sphaericus 0. F. Müller. 

Ans den beiden Fanglisten des größeren Bödensees ist zu er- 
sehen, daß Diaptomus, Simocephalus und Polypliemus, die in den 
Tagfängen zahlreich vertreten waren, dem Nachtfang fehlen; an 
ihre Stelle ist hier Daphnia und Chydorus getreten. Es dürfte dieses 
Ergebnis wohl teilweise nicht auf Zufall beruhen. 

Von Diaptomus gracilis sei erwähnt ; daß kein Exemplar die 
sogenannte „alpine" Rotfärbung zeigte. 

Auffallend ist das Vorkommen von Polypliemus pediculus, 
das für die Alpen Tirols neu ist. Sven Ekman [6, p. 79] gibt 
über die Verbreitung an: „In allen arktischen Gebieten gemein. Im 
mittleren Europa seltener, jedoch häufiger auf der Tatra; fehlt in 
den Hochgebirgsregionen der Alpen." Während seither die Form 
von Zacharias [19] im Kiesengebirge, von Brehm [3] im Lunzej 
Obersee, von Keilhack [8] in den Hochgebirgsseen der Dauphine- 
Alpen, von Langhaus [11] in einigen Salzkammergutseen ge- 
funden wurde, ist sie aus den Schweizer Alpen nach Stingelin 
[17] noch nicht bekannt. Es ist fraglich, ob die Art zu den nord- 
östlichen Einwanderern Ekmans [6] gerechnet werden kann. 

Daphnia longispina wurde nach Keil hack [9] als var. Ion- 
gispina gl st r. forma typica (0. F. Müller) determiniert. 

Ohemische Zusammensetzung des Wassers. Das Wasser 
war klar und ungefärbt, gegen Lackmusfarbstoff ohne Reaktion* 
Die außerordentlich geringe Menge von Schwebestoffen bestand aus 
mikroskopisch nur erkennbaren Algenzellen, Kesten von lnsekten- 
organismeu und im besonderen nicht bestimmbaren Anteilen von 
anorganischen Stoffen, in Summe in 11 5*2 mg. 

Beim Offnen der Flasche, in der das Seewasser gesammelt 
wurde, konnte der (ierueh nach Schwefelwasserstoff zwar nicht 
aufdringlich, aber immerhin deutlich wahrgenommen werden. Olfen 
bar war diese Verbindung im Seewasser nicht schon ursprünglich 
vorhanden, sondern «'ist in der Flasche durch Zersetzung der am 
Boden derselben vorgefundenen Krebskörper entstanden. Die Ulci- 



Hochgebirgsseen in Tirol und ihre Fauna. 



165 



azetatreaktion ließ durch eine kaum merkliche Verfärbung des zur 
Probe verwendeten Wassers eine quantitative Bestimmung des 
Schwefelwasserstoffes nicht notwendig erscheinen. 

Der Abdampfrüekstand eines Liter Wassers hatte ein Gewicht 
von 119-88 mg. 

Der Glühverlust wurde nicht ermittelt wegen der Unzuver- 
lässigkeit der Bestimmung der organischen Substanz auf diesem 
Wege. 

Si 2 1-34 mg. 

Al 2 3 + Fe, 0, .... 1-60 „ 

Ca 61-59 „ 

MgO 232 „ 

Alkalien konnten infolge der geringen Menge des zu unter- 
suchenden Wassers quantitativ nicht bestimmt werden; qualitativ 
ist aber sowohl Natrium wie auch Kalium durch die Flammen- 
reaktion zu erkennen gewesen. 

H, S0 4 berechnet als S0 3 . 0-01 mg. 

I Cl „ 

H N0 3 „ 

HN0 2 „ 

NH 3 in Spuren; mit Xesslerschem Reagenz nur 
außerordentlich schwache Gelbfärbung. 

Die vorhandene organische Substanz verbrauchte zur Oxy- 
dation 0*14 mg. 0. 

Kohlensäure im freien Zustand nur in Spuren, erkennbar 
durch das Rosolsäurereagenz. 

Zur quantitativen Bestimmung der gebundenen und halb- 
gebundenen Kohlensäure fehlte die notwendige größere Menge von 
Wasser. 

2. Der Mutterbergersee. 

(Besuchsdatum: 12. August 1911.) 

Höhe über dem Meeresspiegel: 2483 m. 

Lage und Umgebung: Der Mutterbergersee gehört dem 
Quellgebiete des Rutzbaches (Stubaital), und zwar dem Unterberg- 
talarm desselben an; er liegt am Südostfuße der vorderen Hö)l- 
talerspitze (3282 m) und der Seespitze oder des Bockkogel (3298 m). 



166 



Otto Pesta. 



Die geologischen Verhältnisse beschreibt Blaas [1, p. 419 sub 6.]: 
„Von Schönglair (= Tschöngelar!) herrscht im ganzen Mutter- 
bergertal bis zur gleichnamigen Alpe Gneiß, öfter Granaten führend, 
nördlich Kuderhofspitze, Hölltalspitz, südlich Maierspitz mit Horn- 
blendeschiefer-Einlagerungen oberhalb der Alpe und unter der 
Grabawand. Der Weg über das Mutterbergerjoch bezeichnet die 

Südgrenze des Gneißes Der See erhält seinen Zufluß aus 

dem Gletscher, der sich am Südhange der beiden oben genannten 
Spitzen hinzieht. Drei kleine, nahe aneinander gelegene Rinnsale 
am Südende des Wasserbeckens bilden den Abfluß. Die Ufer sind 
ziemlich steil und werden von einem einige Meter hohen Felsriegel 
umrahmt; oft stehen große Felsblöcke direkt an. Kleineres Geröll 
reicht nur an der Zuflußseite in den See hinein. 

Größe: Die größte Längsausdehnung beträgt zirka 300 Schritte, 
die Breite 200 Schritte. 

Beschaffenheit des Seebodens. Wasserflora: Schon die 
klare, tiefgrüne Färbung des Wassers und die trichterförmige Form 
des Beckens läßt auf größere Tiefen schließen. Knapp am Ufer- 
rand konnte an dieser Stelle bereits eine Wasserhöhe von 3 m ge- 
messen werden. Den Seegrund bedecken meist große Schiefer- 
platten; in kleineren Buchten zeigt der Boden feinsandige Be- 
schaffenheit. In der Seemitte ragen zwei kleine felsige Inseln auf. 
Die Wasserflora ist sehr spärlich entwickelt; außer einer ktimtj 
merlichen Alpen Vegetation an den Steinen konnte nichts beobachtet, 
werden. 

Wassertemperatur: Dieselbe betrug an der Oberfläche um 
ll h a. in . (bei Insolation) 13'6° C. 

Fauna: Die makroskopische Untersuchung läßt ausschließlich 
Pbryganidenlarven erkennen, die ihre Gehäuse aus angewehten 
Pflanzenteileo (Grashalmen und Stengeln) aufgebaut haben. Nach 
Aussage des Senners der Kuderhofalpe sollen bis in die letzten 
Jahre Saiblinge (Salmo Salvelinus L.) den See bewohnt haben, die 
ein OtZtaler Jäger einsetzte. (Eine natürliche Besicdehmg des Sees 
durch Fische vom Talbach aufwärts aus ist unmöglich!) Angeblich 
sind die Tiere durch Legen von Dynainitpatronen ausgerottet 
worden. Man würde jedoch auch ungezwungen annehmen dürfen, 
daß der Ki8c.li aus Mangel an genügender normaler Nahrung seine 



Hochgebirgsseen in Tirol und ihre Fauna. 



167 



eigene Brut angegriffen und für die Ausrottung selbst gesorgt hat. 
Außer den erwähnten Phiyganiden enthielten die Fänge nur einige 
wenige Planarien, Tardigraden, Nauplien und folgende Entomo- 
straken 1 ): 

Mona affinis Leydig. 

Chydorus spliaericus 0. F. Müller. 

Cyclops sp. iuvenis (Copepoditstadien). 

Die Körpergestalt von Chydorus spliaericus steht nahe der 
rundlichen Grenztype Stingelins [16, Taf. VIII, Fig. 46 A]. Die 
Polygone der Schalen struktur gehen am unteren Schalenrand in 
Rechtecke über, so daß die zwei äußeren Reihen ungefähr parallel 
zum Umriß verlaufen; die Oberfläche der Felder besitzt mehrere 
Granula. 

Die jungen Cyclopiden wiesen lebend Rotfärbung auf. 

Chemische Zusammensetzung des Wassers. Das Wasser 
war ganz klar, ungefärbt und geruchlos und enthielt sehr wenig 
organische, fast gar keine anorganischen Schwebestoffe; da größere 
Mengen von Wasser nicht zur Verfügung standen, konnte ihr Ge- 
wicht nicht ermittelt werden. 

Der Abdampfrückstand eines Liters Wasser beträgt 104 83 mg. 
Der Glühverlust wurde nicht bestimmt. 

Si0 2 1-96 mg. 

Al 2 3 + Fe 2 3 .... 3-22 „ 

CaO 51-59 „ 

MgO 268 „ 

Alkalien konnten aus demselben Grunde wie in 1. und 3. 
quantitativ nicht festgestellt werden; qualitativ ist aber Natrium 
und auch Kalium durch die Flammenreaktion nachweisbar. 

H 2 S0 4 nicht wägbare Spuren. 

I CI . 

H N0 3 

H N0 2 

N H 3 

Die organische Substanz verbrauchte zur Oxydation 09 mg 0. 



x ) Die Fänge beziehen sich wie früher auf Ufer und Oberfläche; Fang- 
zeit 12 h mittags. 



168 



Otto Pesta. 



Freie Kohlensäure ist nur in Spuren vorhanden, erkennbar 
durch das Rosolsäurereagenz. 

Zur quantitativen Bestimmung* der gebundenen und halbgebun- 
denen Kohlensäure fehlte die notwendige größere Menge von Wasser. 

3. Unterer Seebisee. 

(Besuchsdatum: 15. August 1911.) 

Höhe über dem Meeresspiegel: 2229 m. (Memminger- 
hütte des D. u. Ö. A. V., 2250 m.) 

Lage und Umgebung: Nördlich der Parseierspitze, der 
höchsten Erhebung in den Lechtaleralpen (3040 m), nimmt aus 
dem oberen Seebisee der gleichnamige Bach seinen Ursprung, speist 
bald darauf ein zweites kleines Wasserbecken, den mittleren Sebi- 
see, und mündet endlich in den Parseierbach, der sein Wasser 
nach Vereinigung mit dem Alperschonbach dem Lechflusse zuführt. 
Auf der Strecke vom mittleren Seebisee bis zum Seekogel, wo der 
Seebibaeh in steilem Absturz die Höhen von 2000 m verläßt, liegt 
abseits seines Laufes, also nicht von seinem Wasser gespeist, der 
untere Seebisee. Da auch andere sichtbare Wasserläufe nicht vor- 
handen sind, so wird sein Becken ein Sammelreservoir von Grund- 
wasser darstellen, dessen Zufluß unterirdisch erfolgt. Blaas [1, 
p. 463] gibt über den geologischen Bau der Umgebung an: „Von 
der Ochsenalpe südlieh folgt neuerdings eine stark gestörte Lias- 
iniilde. östlich Seekogel (Seebisee, Memmingerhütte), westlich Rote 
Platte . . . u Die Seeufer sind sehr (lach und rundum von steinigen, 
aber mit .Moos bewachsenen Hügelwellen umgeben. Am Südost! 
ende erreicht den See das Kar des vorderen Seekopfes. 

Größe: Die größte Ausdehnung der Wasserfläche beträgt in 
der Länge ungefähr 100 Sehritte, in der Breite 1()0 Schritte. 

Beschaffenheit des Setibodens. Wasserflora: Der untere 
Seebisee stellt einen Flachsee dar. Bis in eine Entfernung von 2 m 

vom Ufer messen die tiefsten Stellen nicht mehr als 25 0*5 in. 

Der Seegrand ist schlammig; bei größerem Wellengang tritt infolge 
dieser Kigensehaft eine, Trübung des Wassers ein. Ks zeigt sich 
eine ziemlich Stark entfaltete A Igenvogetation. 

\\ a sserl ein per:» t ur: Dieselbe betrug um 5 b p. m. (bei 

sehwacher Beeonnnng) an der Oberfläche 18*6° 0. 



Hochgebirgsseen in Tirol und ihre Fauna. 



169 



Fauna: Es wurden beobachtet: Insektenlarven (am zahl- 
reichsten, insbesondere Chironomus), Planarien, Nematoden, Pisi- 
mum sp. Die Liste der Entomostraken besteht aus folgenden Arten: 

Uferfänge, Oberfläche 5 h p. m. 

Diqptomus bacillifer Koelbel. 

Cyclops serrulatus Fischer. 

Cyclops sp. (nivenis). 

Macrothrix hirsuticornis Norm, et Brady. 

Alona affinis Leydig. 

Ghydorus sphaericus 0. F. Müller. 

Hierzu ist zu bemerken, daß Diaptomus bacillifer quantitativ 
sehr hervortritt; die Exemplare waren im Leben auffallend zinnober- 
rot gefärbt. 

Macrothrix hirsuticornis wurde bei Zügen durch aufgewühlten 
Schlamm gefangen; die sonst durchscheinenden Tiere zeigten starke 
Verunreinigung durch kleine Sandkörner. Es stimmt dies mit der 
Angabe Zschokkes [20, p. 158] überein, der die Form als 
„typischen Schlammbewohner" bezeichnet. Interessant ist auch die 
Zusammenstellung über die Verbreitung der Art in den Alpen, 
wonach sie im Rhätikon und in den Alpen bei Briancon verzeichnet 
wird, dem St. Bernhaid- und St. Gotthardgebiet jedoch fehlt. 
Macrothrix hirsuticornis gehört übrigens zu den kosmopolitischen 
Cladoceren. 

Chemische Zusammensetzung des Wassers. Das Wasser 
war klar, ungefärbt und geruchlos, auf Lackmusfarbstoff ohne 
Einfluß. 

Schwebestoffe, vornehmlich aus dem Reiche der Algen, waren 
in ziemlich bedeutender Menge suspendiert, anorganische Schwebe- 
stoffe in unwägbarer Menge vorhanden; durchschnittlich in einem 
Liter in Summe . . . 29-79 mg. 

Der aus einem Liter erhaltene Abdampfrückstand wog 95*2 mg 
Der Glühverlust wurde aus demselben Grunde wie bei 1. nicht 
bestimmt. 



Si0 2 . . . 
Al 2 3 + Fe 2 3 




CaO 
MgO 



170 



Otto Pesta. 



Alkalien quantitativ unbestimmbar mangels größerer Mengen 
Wassers; qualitativ sowohl Natrium als auch Kalium durch die 
Flammenreaktion erkennbar. 



H 2 S0 4 nicht wägbare Spuren. 

Cl 

H N0 3 

H N0 2 

NH 3 . 



Die vorhandene organische Substanz verbrauchte zur Oxi- 
dation 095 0. 

Kohlensäure in freiem Zustand nur in Spuren, erkennbar 
durch das Rosolsäurereagenz. 

Zur quantitativen Bestimmung der gebundenen und halb- 
gebundenen Kohlensäure fehlte die notwendige größere Menge von 
Wasser. 

Literaturverzeichnis. 

(Aus der zahlreichen benutzten Literatur sind hier nur die Arbeiten der im 
Text zitierten Autoren aufgenommen. Die Numerierung bezieht sich auf die 
dem Autornamen in eckiger [ ] Klammer beigefügte Zahl.) 

1. Blaas J., „Geologischer Führer durch die Tiroler und Vorarlberger Alpen." 

Verlag Wagner, Innsbruck, 1902. 
'2. Brehm V., „Beiträge zur faunistischen Durchforschung der Seen Nord- 

tirols". Ber. naturw.-mediz. Ver. Innsbruck, XXXI. Jahrg., 1907. 
3. — „Über das Vorkommen von Diaptomus tatricus Wierz. in den Ostalpen 

und über Diaptomus Kupehvieseri nov. sp. w , Zool. Anz., Bd. 31, 1907. 
I. Iii ( hm und Zederbauer, „Beitrügt! zur Planktonuntersuchung alpine! 

Seen", Verhandlungen d. zool.-bot. Ges. Wien, Bd. 54 und 55; 190* 

und 1905. 

.">. Brönstcdt und Wesenberg-Lund, „Chemisch-physikalische Untersuchun- 
gen dänischer Seen." Bit. Uev. Ilydrob., Vol. 4, Heft 3 U. 4, 1911. 

<;. Eckman S., „Die Phyllopoden, Cladocercn und freilebenden Copopoden 
der DOrdfChwedischeo Hochgebirge". Zool. Jahrb., Syst., Vol. 21, 
Hefl 1. 1904. 

7. Soldhaui K.. „Über die Abhängigkeit der Fauna vom Gestein". Abhandig. 
dei VIII Internat. Zool. Kongr., (Jraz 1910; Verlag (l Fischor, 

.ICTIM, 1911. 

s. Keilback I... „Zur Biologie de« Polyphemus pediculus (Linne)". Zol. And 
Bd 80, 1». 911, 1006. 

JJ. — „l'hyllopod.'i". In: Die Süßwasserfauna Deutschlands, ed. Brauer, 

Heft H>, ( '- Ptooher, Jena, L909. 



\ 

Hochgebirgsseen in Tirol und ihre Fauna. 



171 



10. Euhlmann, „Die chemische Zusammensetzung und das biologische Ver- 

halten der Gewässer". Landw. Jahrb., Jahrg. 1911. (Druck v. F. Stoll- 
berg, Merseburg.) 

11. Langhaus V. H., „Cladoceren aus dem Salzkammergut". Natarw. Zeit- 

schrift „Lotos", Bd. 59, Heft 3—5, 1911. 

12. Monti R., „Recherches sur quelques lacs du massif du Ruitor". Annal. 

Biol. Lac, Vol. 1, 1906. 

13. Pavesi P., „Notes physiques et biologiques sur trois petits lacs du bassin 

tessinois a . Arch. sc. phys. nat., Vol. 22, 1889. 

14. Pesta O., „Zur Fauna einiger Gebirgsseen in Kärnten und Tirol". Ver- 

band!, d. zool.-bot. Ges. Wien, Jahrg. 1911. 

15. Steuer A., „Planktonkunde". Leipzig-Berlin, Verlag Teubner, 1910. 

16. Stingelin Th., „Cladoceren der Umgebung von Basel". Revue Suisse de 

Zoologie, Vol. 3, Genf, 1895. 

17. — „Phyllopoda". In: Catalogue des Invertebres de la Suisse. Mus. Hist. 

Nat. Geneve, 1908. 

18. Weith W., „Chemische Untersuchungen der schweizerischen Gewässer mit 

Rücksicht auf deren Fauna". Internat. Fischereiaussteil. Berlin 1880, 
Katalog der Schweizer Beteiligung, p. 96. 

19. Zacharias 0., „Zur Biologie und Ökologie von Polyphemm pediculus 

(Linne)". Zool. Anz., Bd. 30, 1906. 

20. Zschokke F., „Die Tierwelt der Hochgebirgseen". N. Denkschr. Schweiz. 

naturf. Gesellsch., Bd. 37, Zürich, 1900. 



Die paläarktischen Gattungen der Familie 
Psammocharidae (olim Pompilidae, Hym.). 

Von 

Oldrich Sustera, Smichow bei Prag. 
Mit 7 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 24. April 1912.) 

Das stete Schwanken in der Begrenzung und Benennung der 
Gattungen der Familie Psammocharidae bringt eine solche Ver- 
wirrung mit sich, daß die Sicherstellung dieser Gattungen oft fast 
unmöglich ist und die Determination der Arten selbst zu der 
schwierigsten Aufgabe gehört. Dieser Umstand wird einerseits durch 
den morphologisch einheitlichen Bau des Körpers, andererseits durch 



172 OldHch Sustera. 

das Fehlen von generischen Kennzeichen bei vielen Männchen her- 
vorgerufen. Es gibt hier sehr wenig Unterschiede, welche für die 
natürliche Gruppierung der Arten von wirklicher Bedeutung wären, 
weshalb auch für den systematischen Aufbau der Gattungen oft 
zwar in die Augen fallende, jedoch vom phylogenetischen Stand- 
punkte aus unbrauchbare Unterschiede benützt wurden. Wie es bei 
einer solchen künstlichen Begrenzung kein Wunder ist, wurde die 
herrschende Unsicherheit noch dadurch erhöht, daß die verschiedenen 
Autoren eine und dieselbe Gattung auch mehr oder weniger ver- 
schieden auffassen. 

F. F. Kohl legte in seiner Arbeit: Die Gattungen der 
Pompiliden (in diesen „Verhandlungen", 1884) die erste Grundlage 
zu einer wissenschaftlichen Systematik der ganzen Familie. Bereits 
hier sind aber alle die Schwierigkeiten, mit welchen die natürliche 
Auffassung der Gattungen verbunden ist, ersichtlich. Die über- 
wiegende Mehrzahl der Arten wird in zwei breit gehaltene Gat- 
tungen, Salius F. und Pompilus F. eingereiht und gruppenweise 
geordnet, wobei die Ponqnlus-Gru^en später (in diesen „Verhand- 
lungen", 1886) noch reduziert werden. In so breiten generischen 
Grenzen ist aber bei den schwierigsten Gruppen die richtige Ver- 
wandtschaft nicht gut auffindbar. 

Die zweite, die ganze Familie umfassende Arbeit von W. A. 
Ashmead, Classification of the Fossorial, Predaceous and 
Parasitic Wasps, or the superfamily Vespoidea (Canauj 
Entom., L900, 1902) steht auf dem entgegengesetzten Pole. Während 
I I . Kohl bestrebt war, alles Künstliche zu vermeiden, zersplittert 
Ashmead die ganze Familie in eine Unmenge von künstlichen 
Gattungen, in welchen sieh die späteren Autoren nicht zurecht- 
zufinden wissen, und nimmt nebstdem viele bis jetzt beschriebene 
and oft sehr fragliehe Gattungen unkritisch auf. 

Die weiteren Arbeiten, welche für die Systematik der palttj 
arktisdien Gattungen dieser Familie von Bedeutung sind, wurden 
i alteren Porschern', wie V. d. Linden, Dahlbom, Lepel-j 
1 et i<-r. Wesmael, Taschenberg etc., vor allem von Costa, 
Badoszkowski, Tournier, Auriwillius und Schulz geliefert; 
nebstdem müssen aber auch einige Saussuresche Arbeiten und 
vor allem die neueste Arbeit von N. Banks: PsammocharidaM 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 173 



Classification and Descriptions. (Journal of the New-York 
Ent. Soc, 1911), wo viele Ashmeadsche Gattungen ihre Erklärung 
finden, berücksichtigt werden. Der Zweck dieser Arbeit ist nicht, 
eine lange Historie über die Erforschung dieser Familie zu schreiben, 
weshalb alle diese Arbeiten nur an den betreffenden Stellen bei 
den Gattungen angeführt erscheinen. 

Die Ursache, warum die Systematik der Wegwespen so lange 
wenig Fortschritte machte, liegt in der unbefriedigenden Kenntnis 
der Phylogenie dieser Familie. Es war mir leider nicht möglich, 
die zu diesem Zwecke höchst nötigen anatomischen Untersuchungen 
zu machen, da mein Material größtenteils alt war und mehrere 
seltenere Arten nur in vereinzelten Exemplaren vorlagen; man 
kann jedoch auch aus den äußeren Merkmalen manche Belehrung 
schöpfen. 

Dabei handelt es sich aber um keine mehr oder weniger 
phantastischen Stammbäume, sondern um Sicherstellung von solchen 
morphologischen Kennzeichen, welche für die natürliche Begrenzung 
womöglich aller Artenkreise wirklich von Bedeutung sind, sowie 
auch um Erforschung von gegenseitigen Beziehungen einzelner 
Artenkreise. Erst für den Fall, als diese Kennzeichen, resp. Be- 
ziehungen einen phylogenetischen Charakter tragen, wird auch die 
geahnte Entwicklungsrichtung verfolgt. 

Bereits aus der sehr nahen Verwandtschaft mit den anderen 
Familien der Superfamilie Scolioidea, wohin man die Psammochariden 
jetzt einreiht, geht hervor, daß die bei den Scoliiden, Thynniden 
und Mutilliden eine so große Rolle spielende Querfurche auf der 
Basis der Ventralseite des Abdomens auch bei den Psammochariden 
von höchster Bedeutung ist. Je nachdem, ob diese Furche gut 
entwickelt ist oder ob sie ganz fehlt, läßt sich die ganze Familie 
in zwei große Abteilungen spalten, was zuerst von M. Wesmael 
(Bull. Acad. sc. Belgique, 1851), welcher zwei Divisionen: Pom- 
pilidae Jiomogastricae und Pompilidae typogastricae unterscheidet, 
durchgeführt wurde. Obzwar diese Furche besonders bei vielen 
Männchen der ersten Division nicht mehr entwickelt ist, dagegen 
aber bei einigen Weibchen der zweiten Division noch derer sicht- 
bare Überreste vorkommen, helfen mehrere sekundäre Kennzeichen, 
vor allem die Flügelnervatur und die Bedornung der Füße, die 



174 



Oldfrich Sustera. 



richtige Zugehörigkeit der Arten deutlich zu erkennen. Aus der 
Analogie mit den obgesagten verwandten Familien, sowie auch aus 
dem allmählichen Verluste der Querfurche im Rahmen der Familie 
selbst geht hervor, daß die erste Division mit der Querfurche phylo- 
genetisch als ältere bezeichnet werden muß, aus welcher die zweite 
Division hervorkam. Aus diesem Grunde dürfen die Arten der 
beiden Divisionen nicht vermischt werden, denn wenn auch hie 
und da eine äußere Ähnlichkeit vorkommt, so ist dies nur eine 
täuschende Konvergenz, welche mit der natürlichen Verwandt- 
schaft dieser Arten nichts Gemeinsames hat. Ein klassisches Bei- 
spiel dafür bieten die Gattungen Clavelia Luc. und Pedinaspis Kohl. 

Bei dieser Gelegenheit muß auch die Querrunzelung des 
Mittelsegmentes näher besprochen werden, da dadurch etwas Licht 
in die schwierigste Unterfamilie Psammocharinae kommt. Die Quer- 
runzelung des Mittelsegmentes ist ein Merkmal, welches fast alle 
Gattungen der ersten Division begleitet und fast nur dort fehlt, 
wo es sich entweder um verkümmerte Formenkreise oder um hoch 
differenzierte Männchen handelt. Bei der zweiten Division findet 
man sie dagegen nur ausnahmsweise bei einer Artengruppe, wo- 
hin z. B. Psammochares vespiformis Kl. gehört, und welche neuer- 
dings den Gattungsnamen Eidestus Bks. bekam. Wenn man weiter 
erwägt, daß bei dieser Gruppe nebstdem oft noch die Überreste der 
Querfurche auf dem zweiten Ventralsegmente erhalten sind und 
daß auch die Parallelader bei einigen Arten nicht bogenförmig, 
soliden) ziemlich gerade verlauft, was alles die Kennzeichen der 
ersten Division sind, so ist es mehr als wahrscheinlich, daß diese 
Gruppe ein phylogenetisch ältestes Element der zweiten Division 
vorteilt, lud wirklich läßt sich nicht nur der allmähliche, beiden 
Männchen beginnende Verlust dieser Querrunzelung, sondern auch 
die Übergänge zu einigen bereits mehr differenzierten Artengruppen 
verfolgen. 

Eine höhere Aufmerksamkeit wurde in dieser Arbeit der 
[Ü&nenbezabnung gewidmet. Wenn man den Prozeß der Bczahnunl 
studiert, so wird man finden, daß die gezahnten Klauen walir- 
seheinlich durch die Chitinisierung von einigen Klauenwimpern aus 
den einfachen Klauen entstanden und daß die bifiden Klauen nur 
ein Produkt der in der Mitte mit einem Zahne bewaffneten Klauen 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 



175 



vorstellen. Die allmähliche Chitinisierung der Wurzel einiger dicht 
stehenden Haare auf dem bereits vorhandenen Basalaustritte der 
Klauen führte bei der Gattung Mygnimia oft zu der Ausbildung 
eines zweiten Zahnes, und die so beginnende Entwicklungsrichtung 
setzte sich fort, bis wir bei der Gattung Tetraodontonyx Ashm. 
sogar vier Zähne finden. Die ganze Gattung Chyphononyx Dahlb. 
stellt beispielsweise nur eine Artengruppe vor, welche aus der 
Gruppe Cryptochilns annulatus F. durch die Spaltung von Klauen 
entstanden ist. Man kann nicht leugnen, daß solche Gattungen, 
welche nur auf der Verschiedenheit der Klauenbewehrung be- 
gründet sind, oft keinen guten generischen Wert haben. In der 
Voraussetzung aber, daß nicht viele Übergänge vorhanden sind 
und daß alle so begrenzten Arten wirklich aus einem einzigen 
Stamme herkommen, was durch einige andere Merkmale bestätigt 
werden muß, kann auch eine so begrenzte Gattung gut bestehen, 
da die Bedingungen einer guten Gattung, nämlich die phylo- 
genetische, natürliche Verwandtschaft aller hierher gehörenden 
Arten und die womöglich festen Grenzen gegen andere nächst- 
stehende Gattungen, erfüllt sind und dem Ziele der Systematik, 
eine nötige Übersicht zu schaffen, entsprochen wurde. Selbstver- 
ständlich muß man dabei höchst kritisch vorgehen und vor allem 
beide Geschlechter in Betracht nehmen. Bei den an die phylo- 
genetischen Charaktere tragenden Kennzeichen so armen Psam- 
mochariden ist dann die Verschiedenheit in der Klauenbewehrung 
oft ein Kriterium, welches mehrere natürliche Gruppen gut zu unter- 
scheiden ermöglicht. Die Spaltung der Klauen beginnt hier viel- 
leicht immer bei den Männchen und mehrere Formenkreise sind 
dadurch gut charakterisiert (Anoplius, Varaferreola). Wie es aber 
verfehlt wäre, eine Gattung unkritisch nur auf Grund dieser Merk- 
male errichten zu wollen, zeigt uns z. B. die Gattung Batazonus 
Ashm. 

Große Schwierigkeiten bei der Determination nicht nur ein- 
zelner Arten, sondern auch Gattungen bereiten die Männchen, da 
ihnen die generischen Kennzeichen oft fehlen oder nur sehr schwach 
entwickelt sind, wie z. B. die Querfurche auf dem zweiten Ventral- 
segmente, die Bedornung der Hintertibien etc., oder weil ihr 
Körperbau ein anderer ist als bei den Weibchen. Aus diesen 



176 



Oldfich Sustera. 



Gründen wurden auch oft beide Geschlechter einer Art als zwei 
verschiedene Arten beschrieben oder eine Art aus nicht zusammen- 
passenden Geschlechtern zweier verschiedener Arten oder sogar für 
ein Geschlecht eine eigene Gattung errichtet. In dieser Arbeit 
werden deshalb womöglich beide Geschlechter berücksichtigt. Leider 
ist mein Material nicht so reich, um dieser Bedingung immer ent- 
sprechen zu können und so mußte ich z. B. die künstliche Gattung 
Aporus noch behalten, da die geringe Zahl der mir sicher bekannten 
Männchen eine natürliche Einteilung nicht erlaubte. 

Tabellarische Übersicht der paläarktischen Gattungen. 

1. Zweites Ventralsegment bei den g mit einem deutlichen Quer- 

eindrucke in oder vor seiner Mitte. Die Basalader der Vorder- 
flügel entspringt gewöhnlich vor dem Nervulus, seltener 
interstitial; die Medialader läuft meist hinter der Basalader 
ein wenig schräg hinunter und von dem Nervulus an wieder 
etwas hinauf. Die zweite Diskoidalzelle der Fliigelwurzel zu, 
da die Parallelader gerade verlauft, unten nicht in einen 
Zipfel ausgezogen. Die Tarsen entweder mit ziemlich 
gleichmäßigen Dornen besetzt oder Uberhaupt unbedornt 
(Pepsinae) 2 

— Zweites Ventralsegment bei den g ohne Quereindruck oder nur 

mit dessen schwachen Überresten. Die Basalader der Vorder* 
fltigel mit dein Nervulus interstitial, seltener etwas vor ihm 
entspringend, die Medialader aber immer bis zum Ende defl 
Brachialzelle gerade verlaufend. Die zweite Diskoidalzelle 
yorne unten gewöhnlich in einen Zipfel ausgezogen, da die 
Parallelader bei ihrem Ursprünge eine Biegung nach oben 
Hineilt. Die Tarsen außer gleichmäßigen Dörnchen an deij 
Unterseite Doch mit einigen längeren Dornen bewehrt, selten 
unbedornt 10 

2. Bintersehionen des n sägezälmig. Zweites Ventralsegment bei 

den d* gewöhnlich mit den Resten eines Quereindruckes 
(Pepsini) 3 

— BiotcrHeliicnen des ( nur schwächer oder überhaupt nicht be- 

dornt. Zweites Ventralsegment bei den d" ohne jegliche] 
Spuren eines Quercindruekes ( l)rtilrray<mini) .... 7 



Die palä'arktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 177 



3. Klauen aller Beine bifid (zweiteilig*). Mittelsegment grob quer- 
gerunzelt, mit einem mehr oder weniger starken Höckerehen 
vor jedem Stigma, auf beiden Seiten der Länge nach wellen- 
förmig vertieft und darüber etwas kantig aufgetrieben. Die 
Hintertarsen bei den cf unten mit aufrecht stehenden Härchen 
dicht bedeckt Ghyphononyx Dhlb. 

— Klauen mit einem oder mehreren Zähnchen, nicht bifid . 4 
4 Kubitalader gegen das Ende der zweiten Kubitalzelle stark 

nach unten gebogen, die dritte Kubitalzelle infolgedessen 
beinahe einmal so breit als die zweite. Alle drei Kubitalzellen 
an der Kubitalader ziemlich gleich lang (oder die erste nur 
wenig länger), da die erste Kubitalquerader sehr schräg ge- 
stellt ist. Die Radialzelle nicht lanzettlich, sondern ziemlicb 
gleich breit, die Radialader am Ursprünge der ersten und 
dritten Kubitalquerader gewöhnlich winkelig gebrochen. Die 
erste Kubitalquerader mündet am Ende der zweiten Kubital- 
zelle oder dicht vor demselben. Mittelsegment wie bei 
Chyphononyx. Klauen an ihrem Innenrande gewöhnlich mit 
zwei Zähnen Mygnimia Shuck. 

— Kubitalader gegen das Ende der zweiten Kubitalzelle nicht auf- 

fallend nach unten geschwungen, die dritte Kubitalzelle in- 
folgedessen nur etwas breiter als die zweite. Die erste 
Kubitalzelle an der Kubitalader gewöhnlich so lang wie die 
beiden anderen zusammen, immer aber viel länger als die 
zweite. Klauen mit einem Zahne. Mittelsegment nicht mit 
aufgetriebenen Seiten, sondern regelmäßig gewölbt . . 5 

5. Körper glatt, dicht bereift, oft mit groben, zerstreut stehenden 

Punkten. Das letzte Glied der Hintertarsen des q unten be- 
dornt. Die Radialzelle am Ende oft abgerundet. Bei manchen 
cT ist der Thorax sehr verlängert . . . Cryptochilus Pz. 
— Körper fein und dicht punktiert. Das letzte Glied der Hinter- 
tarsen des £ fast immer unten unbedornt. Die Radialzelle 
am Ende immer spitzig. Kleine oder mittelgroße Arten 6 

6. Die Basalader der Vorderfliigel entspringt deutlich vor dem 

Nervulus. Die Kubitalader erreicht selten den Flügelrand. 
Das Pronotum vorne gleichmäßig gewölbt. Die zweite Kubital- 
querader stark nach innen gebogen. Prionocnemis Schiödte. 

Z. B. Ges. 62. Bd. 12 



178 



Oldrich Sustera. 



— Basalader der Vorderflügel interstitial oder nur wenig vor dem 

Nervulus entspringend. Die Kubitalader erreicht den Flügel- 
rand. Das Pronotum vorne senkrecht abstürzend. Augen 
gegen den Scheitel etwas konvergierend. Die zweite Kubital- 
querader kurz, gerade verlaufend. Die dritte Kubitalzelle 
viel länger als breit Calicurgus Lep. 

7. Klauen bifid oder einfach, dann aber dick und am Ende stark 

gebogen. Vordere Tarsen des 9 mehr oder weniger verkürzt. 
Die Parallelader erreicht den Flügelrand nicht. Die drei 
letzten Glieder der Maxillarpalpen ziemlich kurz . . 8 

— Klauen mit einem Zahne. Die Parallelader erreicht den Flügel- 

rand. Die drei letzten Glieder der Maxillarpalpen sehr lang 9 

8. Kopf bei den q flach. Klypeus viel enger als der Kopf unten 

zwischen den Augen, eine abgeflachte (9), vorspringende 
Platte bildend. Bei den cf der Kopf, Thorax und das erste 
Fühlerglied dicht behaart, die Fühler oft mit lappigen Fort- 
sätzen am Ende ihrer Geißelglieder. Klauen bifid oder (die 

hintersten) einfach Clavelia Luc. 

— Kopf zwischen den Augen erhöht, die Fühler unter dieser Er- 
höhung entspringend. Klypeus normal. Flügel oft auffallend 
verkürzt Parapompilus Sm. 

9. Die Kubitalader der Vorderflügel erreicht den Flügelrand. Die 

dritte Kubitalzelle reicht nicht so weit wie die Kadialzelle. 
Die Fühler entstehen in der Nähe des Klypeus. Klypeus 
normal. Körper fein und dicht punktiert. Deuteragenia n. nom. 

— Die Kabitalader der VorderflUgel erreicht den Fltigelrand nicht. 

Die dritte Kubitalzelle, welche immer viel länger als breit 
ist. reicht so weit wie die Radialzelle oder noch weiter. 
Die Fühler stehen in einer ziemlich großen Entfernung 
vom Klypeus. Klypeus oft winkelig vorgestreckt (9) oder 
zweimal ausgeschnitten ( o ), sehr gewölbt, Das erste Ab- 
dominalsegment etwas stielartig . . . Pseudagenia Kohl 
10. Augen nierenftrmig, Kopf zwischen den Augen gegen den 
Klypeus fast um die Hälfte enger als gegen den Scheitel. 
Oberlippe weit unter dem Klypeus hervorragend. Die Stachel- 
•cbeide bei den y r«gt aus dem Abdomen hervor. Die 
BefolC nur sehr wenig oder überhaupt nicht bedornt, Die 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 179 

Hinterbüften auffallend größer als die Mittelhüften. Die 
Hinterfüße den vorderen gegenüber sebr verlängert. Die zwei 
vorderen Klauenpaare bifid, die hintersten einfach, jedoch 
verdickt und am Ende rechtwinkelig gebogen. Die Kubital- 
ader erreicht den Flügelrand. Die Fühler verdickt und auch 
bei den 9 nicht eingerollt (Ceratopalinae) Geratopales Latr. 
— Augen innen nur schwach ausgerandet, mehr oder weniger 
elliptisch, der Kopf zwischen den Augen gegen den Klypeus 
nicht so stark verengt. Stachelscheide bei den 9 äußerlich 
nicht sichtbar. Die hintersten Klauen normal gebildet, ent- 
weder mit einem Zahne oder bifid (Psammocharinae) . 11 



11. Vorderflügel mit drei Kubitalzellen 12 

— Vorderflügel mit zwei Kubitalzellen 26 

12. Klauen aller Beine bifid 13 

— Höchstens das vorderste Klauenpaar bifid, die zwei hinteren 

Paare an ihrem Innenrande mit einem Zahne ... 21 



13. Hinterkopf senkrecht abstürzend oder ausgehöhlt. Klypeus mehr 
oder weniger verlängert, gewöhnlich abgeflacht, enger als 
der Kopf unten zwischen den Augen. Mittelsegment hinten 
immer ausgeschnitten oder steil abstürzend. Prothorax, Mittel- 
segment und die beiden ersten Abdominalsegmente neigen 
zur Verlängerung. Kopf und Prothorax kahl oder fast kahl. 
Kubitalader der Hinterflügel hinter dem Abschlüsse der 
Analzelle entspringend oder interstitial. Thorax oben ab- 
geflacht, bei seitlicher Ansicht eine gebogene, fast ununter- 
brochene Linie bildend. Die Vordertarsen (9) ohne Wimper- 



kamm 14 

— Hinterkopf selten senkrecht abstürzend, dann aber der Kopf 
deutlich behaart. Klypeus normal, Oberlippe oft sichtbar. Die 
Vordertarsen (9) gewöhnlich mit Wimperkamm ... 16 



14. Mittelsegment hinten ausgeschnitten, jedoch ohne Querkante, auf 
beiden Seiten stark kegelförmig ausgezogen. Die Analader 
der Hinterflügel winkelig gebrochen. Kopf hinten stark aus- 
gehöhlt Homonotus Dahlb. 

— Mittelsegment hinten abstürzend oder ausgeschnitten, mit einer 
deutlichen Querkante. Analader der Hinterflügel gebogen 15 

12* 



180 



Oldrich Sustera. 



15. Kopf über den Fühlern buckelig* erhöht. Mittelsegment kahl. 

Platyderes Guer. 

— Kopf vorne zwischen den Augen flach. Mittelsegment oben mit 
anliegenden Härchen dicht bedeckt. Pseudopompilus Costa 

16. (Weibchen.) Die Mandibeln an ihrem Innenrande mit einem 

Zahne. Oberlippe vorne abgerundet oder abgestutzt, nicht 
geteilt. Die Fühler ziemlich kurz, das dritte Fühlerglied etwa 
so lang wie das erste und zweite zusammen und nur wenig 
länger als das vierte. Die inneren Augenränder fast parallel. 
Schildchen abgeflacht, mit dem Mesothorax eine einzige 
Fläche bildend. Stigma klein, unvollkommen ausgebildet. 
(Männchen.) Das Mittelsegment oben abgeflacht und größten- 
teils kahl, der Hinterrand jedoch so dicht behaart, daß die 
Skulptur nicht zu sehen ist. Die Wangen gut entwickelt. Das 
erste Fühlerglied etwa so lang wie das dritte, unten . be- 
haart und oft gelblich. Mandibeln, Oberlippe, Schildchen und 

Stigma wie bei 5 17 

Weibchen.) Die Mandibeln an ihrem Innenrande mit zwei 
Zähnen. Oberlippe vorne durch eine Längsfurche geteilt. Die 
Fühler lang, das dritte Fühlerglied meist deutlich länger als 
das erste und zweite zusammen und auch viel länger als das 
vierte. Die inneren Augenränder gegen den Scheitel deutlich 
konvergierend. Schildchen etwas buckelig. Stigma meist gut 
ciii wickelt. (Männchen.) Das Mittelsegment kahl, behaart 
oder beschuppt, die Skulptur des Hinterrandes jedoch immer 
wahrnehmbar, nicht durch auffallende Behaarung verdeckt L8 

17. Die Kubitalader der Hinterfltlgel präfurkal. Das Mittelsegmcnlj 

, hinten ausgeschnitten, jedoch ohne Querfurche, an beiden 
Seiten etwas kegelförmig ausgezogen. Vari\c,\i\fp\io)\on])X Grib. 
Die kubitalader der Hinterfltlgel meist interstitial oder post- 
farkal. Das Mittelsegment hinten gewölbt, höchstens mit einer 

seichten Längffurcfae Fompiloidcs ttad. 

Bei (khißtosaliwi Sauss. ist das Mittelsegment hinten stark 
ausgeschnitten und mit einer Querfurche (9) versehen.) 

18. Kopf breiter als lang, die Augen dem Klypeuszu sehr deutlico 
konTergierend. Mittelsegroenl hinten senkrecht abstürzend, 
seitlich und in der Mille zahnartig vorspringend, auf der 



Die pala'arktischen Gattungen der Familie Psammocliaridae. 



181 



ganzen Oberseite mit kurzen, aufrecht stehenden Härchen 
dicht bedeckt. Oberlippe vorne abgerundet. Schildchen ab- 
geflacht Paraferreola n. nom. cT 

— Kopf dem Klypeus zu nicht auffallend konvergierend. Das 

Mittelsegment hinten gewölbt 19 

H>. Mittelsegment, die Oberseite des ersten Abdominalsegmentes 
und gewöhnlich auch das Pronotum mit schuppenartigen 
Härchen mehr oder weniger dicht bedeckt. Die Flügel deut- 
lich längsfaltig, wodurch über die Medialader eine scheinbare 
Längsader gebildet ist. Die Kubitalader der Hinterflügel immer 
präfurkal Episyron Schiödte 

— Mittelsegment kahl, behaart oder seidenartig bereift, nicht be- 

schuppt 20 

20. (9, cT) Die Kubitalader der Hinterflügel immer präfurkal. Das 

Pronotum oben in der Mitte bei den bunt gefärbten Arten 
durch eine geschwärzte Längslinie geteilt. Die dritte Kubital- 
zelle in der Anlage quadratisch. Die Klauen ohne Wimper- 
kamm Batazonus Ashm. (part.) 

— (cf) Die Kubitalader der Hinterflügel selten präfurkal, dann aber 

die Klauen mit einem deutlichen Wimperkamm. Die Ober- 
lippe nicht durch eine Längsfurche geteilt, höchstens etwas 
ausgerandet. Erstes Fühlerglied mindestens zweimal so lang 
als breit Anoplius Duf. d 

21. (9) Mittelsegment hinten senkrecht ausgeschnitten, seitlich mit 

je zwei Zähnchen versehen, ganz kahl. Die Kubitalader der 
Hinterflügel fast immer vor dem Ende der Analzelle ent- 
springend. Pronotum hinten bogenförmig, etwas verlängert. 

Paraferreola n. nom. 9 

— Mittelsegment verschieden geformt, jedoch seitlich ohne Zähn- 

chen ...... ' ... 22 

22. Die vordersten Klauen bei den q bifid, die hinteren zwei Paare 

nur mit einem Zahne. Die Kubitalader der Hinterflügel vor 
dem Ende der Analzelle entspringend. Das Pronotum oben 
in der Mitte durch eine geschwärzte Längslinie geteilt. Die 
dritte Kubitalzelle quadratisch. Größere, oft bunt gezeichnete 
Tiere Batazonus Ashm. (part.) 

— Alle Klauen mit einem Zahne oder einfach 23 



182 Oldrich Sustera. 

23. Kopf bei den g vorne abgeflacht, Seheitel hinten kantig und 

das Pronotum vorne senkrecht abstürzend, mehr oder weniger 
verlängert. Die Vordertarsen (5) auffallend verkürzt, ohne 
Wimperkamm. Klypeus bei beiden Geschlechtern deutlich 
schmäler als der Kopf zwischen den Augen, besonders bei 
den 9 eine abgeflachte, oft stark vorspringende Platte bildend, 
bei den c? sehr dicht und lang behaart. Das erste Fühler- 
glied (cT) unten dicht behaart. Die Analplatte (cf) mit kantig 
aufgehobenen Seitenrändern und einem niedrigen, jedoch 
scharfen Längskiele Pedinaspis Kohl 

— Kopf und Klypeus normal gebildet 24 

24. Die Parallelader der Vorderflügel erreicht den Flügelrand. Die 

dritte Kubitalzelle quadratisch. Die Flügel gewöhnlich glas- 
hell und mit dunklen Flecken. Fühler lang und dünn. Das 
Mittelsegment mit seidenartigen, anliegenden Härchen be- 
deckt. Pronotum hinten bogenförmig. Kleine, an Pseudagenia 
erinnernde Tiere Sericopompilus Ashm. 

— Die Parallelader der Vorderflügel erreicht den Flügelrand nicht, 

die Flügel mehr oder weniger angeraucht oder gelblich 25 

25. Das letzte Dorsalsegment mit dicken Borsten besetzt. Klauen- 

kamm immer gut entwickelt .... Anoplius Duf. 9 

— Das letzte Dorsalsegment nur mit feinen Haaren mehr oder 

weniger dicht besetzt Psammochares Latr. 

26. Pronotum mehr oder weniger verlängert. Kopf bedeutend ab- 

geflacht. Die Fühler unmittelbar über den schmalen Klypeus* 
eingefttgl und deshalb tiefstehend. Die Vorderschenkel und 
die Vordertarsen bei den y verdickt, das zweite bis vierte 
Glied sehr kurz Planiceps Latr. 

— Pronotnm, Kopf and Vorderfüße normal. Eine künstliche, aus 

verschiedenen Kleinenten zusammengesetzte Gattung. 

Aporus Spin. 

i. Subfam. Pepsinae. 

L. CryptoehUus Panz. (Krit. Revis., M, L806). 
Salms F., Homonotus Dahlb. L845, nee 1843, Entypus Dalilh., 
PrioenemU Dalilh. et aut. pari., nee Schindle, Priocncmi- 

oides Rad., HemipogotwM Sauss. 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 183 



Der Name CrypiocheUus oder in verbesserter Schreibweise 
Qryptochilus Panz. wurde durch Fox (Entom. News, Philad., 1901) 
für den präokkupierten Namen Salins F. ersetzt. Die Gattung ist 
hier aber in viel engerem Sinne inbegriffen, als es bis jetzt der 
Fall war, denn nicht nur diejenigen Formen, welche bereits in 
die Gattungen Mygnimia und Chyphononyx gestellt waren, sondern 
auch mehrere bis jetzt als echte Gryptochilus gehaltene Arten 
wurden aus dieser Gattung ausgeschieden und unter dem alten 
Namen Frionoenemis Schiödte in eine eigene Gattung gestellt. 

Bei allen diesen genannten Gattungen und nebstdem auch bei 
Calicurgus Lep. handelt es sich jedenfalls um sehr nahestehende 
Formen, deren natürliche Gruppierung viele Schwierigkeiten be- 
reitete. Alle sind im weiblichen Geschlechte nebst der scharfen 
Querfurche auf dem zweiten Ventralsegmente noch durch die säge- 
artige Bedornung der Hintertibien charakterisiert. Meiner Meinung 
nach ist die Gattung Oryptochüus der Stamm, aus welchem die 
anderen Gattungen dieses Kreises — Pepsini Bks. {Fepsinae Ashm.) 
— entstanden sind. Dafür spricht die morphologische Verschieden- 
heit der hierher gehörenden Arten und mehrere Beziehungen zu den 
anderen genannten Gattungen, welche alle einen viel geschlosseneren 
Charakter tragen. Es gibt zwei phylogenetische Richtungen, und 
zwar einerseits die Mygnimia- und Chyphononyx-, andererseits die 
Frionoenemis- und Calicurgus-Formen. Dieser Zwiespalt ist auch im 
Rahmen der Gattung ersichtlich. Ein Teil, meist große, bunt ge- 
färbte Arten, erinnert durch die Länge der dritten Kubitalzelle sehr 
an die ersten zwei Gattungen, wobei besonders die feine Behaarung 
auf der Unterseite der Hintertarsen bei den d 1 einiger Arten für 
die engen Beziehungen zur Chyphononyx spricht. Bei der zweiten 
Gruppe, mit der am Ende abgerundeten Radialzelle, ist die dritte 
Kubitalzelle dagegen meist wie bei Frionoenemis viel enger. 

Ein charakteristisches Merkmal stellt die oft vorkommende 
auffallende Verschiedenheit der gegen die zugehörigen 9 vor, 
denn der Kopf bei diesen cT ist meist hinten ausgeschnitten und 
der Prothorax sowie auch das Mittelsegment mehr oder weniger 
verlängert, wobei das letztere oft die bei den 9 üblichen Quer- 
runzeln verliert. Eben für diese Männchen hat Fabricius (Syst. 
Piez., 1804) die Gattung Salius aufgestellt. Obzwar bereits Spinola 



184 



Oldrich Sustera. 



(Annal. Soc. ent. France, 1838) die Zusammengehörigkeit beider 
Geschlechter erkannte, waren später (Dahlbom, Taschenberg etc.) 
alle Weibchen der sägeartigen Bedornung der Hintertibien wegen 
in die Gattung Priocnemis Schiödte gestellt, und erst Costa (Atti 
ist. incorr. Napoli, 1886) hat ihnen wieder den richtigen Platz an- 
gewiesen, wobei dieser Autor allerdings die ganze Gattung Salius 
F. unnatürlicherweise zu eng begrenzte und viele hierher gehörende 
Arten auch unter die Gattung Priocnemis einreihte. Auch Dahl- 
bom (Hymen. Eur., I, 1843—1845) war in dieser Hinsicht nicht 
glücklich, denn zuerst beschrieb er unter Salius F. den S. sanguino- 
lentus F., eine Art, welche mit den echten SaMtis-artigen Formen 
nichts Gemeinschaftliches hat und erst für den Fall, als es nicht 
ein echter Salius sein sollte, beantragt er für diese Form den 
Gattungsnamen Ilomonotus. Später definiert er aber seinen Ilomo- 
notus irrtümlich in solcher Weise, daß er mit der Gattung Salius F. 
wirklich übereinstimmt. Dieser Irrtum wurde durch Stein (Berl. 
ent, Zeitschr., 1859) entdeckt und richtiggestellt. Nebstdem hat 
Dahlbom noch eine fragliche Gattung Entypus aufgestellt, welche, 
wie es Kohl gemacht hatte, aller Wahrscheinlichkeit nach als Sy- 
nonym hierher und nicht als eine gute Gattung in den großen 
Formenkreis der echten Psammochariden (Ashmead) gehört. Le- 
pelletier (Hist. nat. Ins. Hym., III, 1845) stellte zwar einige 
richtig unter Salm*, schaffte aber für die 9 eine neue, breite Gat- 
tung Calicurgus und beschrieb nebstdem auch einige Arten unter 
der unnatürlich begrenzten Gattung Anoplius. Smith (Catal. of 
Ihm., Ins.. 1855) ist bei Salius derselben Meinung wie Lepel- 
leticr. reiht aber die Mehrzahl der hierher gehörenden Arten unter 
PompÜU8, der bei ihm einen Umfang fast wie noch bei Fabricius 
annimmt F. F. Kohl ersetzte in seiner Grundarbeit die für diese 
Gruppe .jedoch in weiterem Sinne) damals übliche Benennung 
L'rior.ncniLS mit Salms F., stellt sieh jedoch diese Gattung in einer 
breiteren Weise vor, welche unseren (■rifplochilns, Mi/guhnia, Chy- 
pho)iony.r und l/rionocncmis entspricht. Kndoszko wsk i (Bull. Soc. 
nat. Moscou, \HHH) stellte eine weitere neue Gattung J'riocncmwiilrs 
auf, welche, wie bereits Ashmead (irrtümlich ist dort Priocnemoidd 
SausH. angeführt) zeigte, auch als Synonym hierhergehört und nach 
den nordaijiei ik.-iiiischen Arten nur eine schwer zu begrenzende 



Die paläarktischeu Gattungen der Familie Psammocharidae. 185 



Sippe dieses Gattungskreises ist. N. Banks unterscheidet zwar in 
seiner neuesten Arbeit beide Gattungen je nachdem, ob das letzte 
Glied der Hintertarsen unten bedornt oder ob es unbedornt ist. 
Dieses Merkmal ist aber, wie es scheint, oft nur von der Größe 
der Arten abhängig. In- 
folgedessen sind Cryptochei- 
Jus und Priocnemoiäes bei 
Banks zusammengesetzte 
Gattungen, und zwar be- 
steht die erste Gattung aus 
solchen Arten, welche unter Fig. 1. Cryptochilus annulatus F. 

Cryp tochi Ins , Prionocnemis 

und Calicurgus gehören, bei der zweiten dann sind die Cryptochilus- 
und Mygnimia- Arten vermischt. 

Endlich soll nach Schulz (Zool. Annalen, 1911) auch Hemi- 
pogonius Sauss. nichts anderes als ein Synonym von Cryptochilus 
sein (aller Wahrscheinlichkeit nach nicht aber Prionocnemis, wie es 
in dieser Arbeit angeführt ist). 

Bis jetzt wurde auch nach Ausscheidung der Mygnimia-, 
Chyphononyx- und Calicurgus- Formen diese Gattung so definiert, daß 
sie auch unseren Prionocne- 
mis umfaßt. (Die zweite Sa- 
Zws-Gruppe Priocnemis bei 
Kohl, Salius bei Ashmead.) 
Hier wurde aber eine große 
Sippe der Arten als eine selb- 
ständige Gattung Prionocne- Fi &- 2 - Cryptochilus versicolor Scop. 
mis Schiödte abgetrennt, und 

zwar aus Gründen, welche einerseits in der analytischen Tabelle, 
andererseits bei der- genannten Gattung näher bezeichnet erscheinen. 
Type: Cryptochilus annulatus F. 

Von den paläarktischen Arten gehören hierher z.B.: affinis Lind, 
bicolor F., discolor F., egregius Lep. (= vulneratus Costa), elegans 
Spin., femoralis Spin., notatus Rossi, octomaculatus Rossi, rubellus 
jEv., sexpunctatus F., versicolor Scop. etc., und überhaupt alle solche 
bisherige Cryptochilus- Arten, deren cT einen verlängerten Thorax be- 
sitzen oder bei welchen die Radialzelle am Ende abgerundet ist. 





186 



Oldrich Sustera. 



2. Mygnimia Shuck. (Lardner, Cyclop. Nat. ar. Ins., 1840). 
Hemipepsis Dahlb. 1843, Pallosoma Lep. 1845. 
Was die richtige Benennung der Gattung betrifft, so folge ich 
W. A. Schulz (Zool. Annal., 1911, p. 102), welcher zeigte, daß 
Smith die Autorschaft von Mygnimia ablehnte und diese Shuck ard 
zuerkannte, und daß die von Shuck ard errichtete Gattung wirklich 
mit Hemipepsis Dahlb. (und deshalb auch mit Pallosoma Lep.) tiber- 
einstimmt. In dem Hauptkriterium der natürlichen Begrenzung dieser 
Gattung weiche ich aber von den bisherigen Autoren etwas ab. Es 
wurde nämlich bis jetzt entweder die Stellung der ersten Diskoidal- 
ader oder die Bezahnung der Klauen berücksichtigt. Beide diese 

Kennzeichen sind aber 
besonders bei den cf 
oft nicht gut kennt- - 
lieh, weshalb auch F. 
F. Kohl und mehrere 
andere Autoren diese 
Fig. 3. Mygnimia barbara Lep. Gattung als eine bloße 

Untergattung von Gryp- 

loch Uns (Salias) annahmen. Da aber bei der großen Verwirrung, 
welche eben bei diesen sich so ähnlichen Wegwespen herrscht; eine 
feste Grundlage dringendsl nötig wäre, so nehme ich diese Gruppe als 
eine gute Gattung an, lege aber dabei das Hauptgewicht auf die Form 
und Länge der Kubitalzellen. Dieses Kriterium ist bei den beiden 
Geschlechtern gleich entwickelt, variiert mindestens nach dem Ma« 
teriale, welches ich besitze, nicht so sehr, um die richtige Stellung 
der Arten zo bedrohen, und außerdem gehören hierher alle Arien, 
welche bis jetzt in die (Unter-) Gattung Hemipepsis, resp. Pallosoma 
richtigerweise gestellt wurden. Fs gibt einig«; Ori/plocItilus-Artcn, 
welche allerdings eine ähnliche Fliigelnervatur besitzen und welche 
früher besonders der Stellung der ersten Diskoidalquerader wegen 
in die Gattung HemipepBiB gestellt werden könnten, über auch in 

diesen Millen erlaubt die viel kürzere und breitere zweite Kubitalzellti 

eine sichere Entscheidung. 

Außer der Form der Kubitalzellen ist auch die Form der Radial* 
/.eile und des .M ittelsegnienlcs für diese Gattnngsgruppe charaktcri- 




Die paliiarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 



187 



stiscb. N. Banks (1911) stellte die Mygnimia- Arten unter Prioc- 
nemoides Rad. 

Type: Mygnimia barbara Lep. 

Es ist dies eine exotische Gattung, welche fast nur auf den 
Grenzen gegen die ethiopische und orientalische Region auch in 
die paläarktische Fauna eindringt. 

3. Chyphononyx Dablb. (Hym. Eur., I, 1845). 
Diplonyx Sauss. 

Cyphononyx oder nach der von Schulz verbesserten Schreib- 
weise Chyphononyx Dahlb. wurde für solche Cryptochilus- (früher 
Priocnemis- oder Salius-) Arten aufgestellt, deren Klauen zweiteilig 
(bifid) sind. Dies ist in der Tat eine nicht vollkommen hinreichende 
Grundlage für eine generische Trennung, weshalb auch die hierher 
gehörenden Formen meist nur als eine Cryptochilus- (Salius-) Gruppe 
angesehen wurden. Da aber bis jetzt nur in einem einzigen Falle 
(Schulz, Zool. Annalen, 1911, p. 132) verwiesen wurde, daß zu 
dem cT mit biflden Klauen (Chyphononyx) ein 9 mit nur wie bei 
Cryptochilus mit einem Zahne bewaffneten Klauen zu gehören 
scheint, und weil außerdem die Form des Mittelsegmentes von der 
bei der Cryptochilus üblichen Form etwas abweicht, scheint es der 
Übersicht wegen besser, auch die hierher gehörenden Formen, 
welche nebstdem im männlichen Geschlechte durch die Behaarung 
der Unterseite der Hintertarsen übereinstimmen, als eine eigene 
Gattung anzuführen. 

Type: Chyphononyx Bretoni Guer. 

Auch eine wie Mygnimia fast ausschließlich exotische Gattung. 

4. JPrionocnemis Schiödte (Nat. Tidsskr., I, 1837). 
Priocnemis Dahlb. et aut. part. 

Schiödte hat die Gattung Priocnemis (ich folge wieder der 
verbesserten Schreibweise von Schulz) für solche Pomjnlus- Arten 
aufgestellt, deren 9 sägeartig bedornte Hintertibien besitzen. Eine 
so begrenzte Gattung entspricht unseren Cryptochilus, Mygnimia, 
Chyphononyx, Prionocnemis und Calicurgus, und in diesem breiten 
Umfange wurde sie auch — nach Ausschluß von Calicurgus — von 
F. F. Kohl als Salius F. angeführt. Jedoch auch nach der Ab- 



188 



Oldfich Sustera. 



trennung von Mygnimia und Ghyphononyx blieben in dem Reste — 
Cryptocheilus Ashmead, Banks — mehrere Arten, welche mit den 
übrigen Cryptochilus*F ormen generisch nicht ganz übereinstimmen. 
Es fehlt ihnen hauptsächlich die Entwicklungstendenz der Cryp- 
tochilus Männchen, bei welchen der Thorax zur Verlängerung neigt, 
dagegen zeigt sich da eine andere Tendenz, und zwar die Fleck- 
artigkeit der Flügel. Vom phylogenetischen Standpunkte aus handelt 
es sich hier um eine Sippe der etwas verkümmerten Cryptochüu® 
Formen. Außer der verschiedenen Punktierung des Körpers, welche 
bei Prionocnemis immer sehr fein und dicht ist, bei Cryptochilul 
aber entweder nur sehr fein quergerieft oder glatt, oder auch so 
fein und dicht punktiert wie bei Prionocnemis, dann aber nebstdem 
mit größeren, zerstreut stehenden Punkten besonders auf dem zweiten 
Abdominalsegmente versehen, ist auch die Form der dritten Kubital- 
zelle charakteristisch. Diese Zelle ist höchstens etwas länger als 
breit und unten, der Flügelwurzel zu, in einen scharfen Zipfel aus- 
gezogen, da die zweite Kubitalquerader stark gebogen ist. Diese 
Form zeigen zwar auch einige GryptocMlus- Arten, welche aber in 
diesem Falle eine am Ende zugerundete Radialzelle besitzen. Außer- 
dem mündet bei Prionocnemis die zweite Diskoidalquerader immer 
For der Mitte der dritten Kubitalzelle. 

Ks ist dies eine neu errichtete Gattung, da aber alle von 
Schiödte unter Priocnemis angeführten Arten hierher gehören, so 
muß dieser Name als der Gattungsname gewählt werden. 

T \ pe : Prionocnemis fuscus F. 

Die Gattung ist mir bis jetzt aus der paläarktischen und ne] 
arktischen Kegion bekannt. Ks gehören hierher z. B. coriaceus Dhlh., 
r.ralffifns F., (emoralis Dhlh. (= notatus Dhlb., nec Rossi), lenco- 
CoeUiM Costa, maculipennis Schenck, minulus Lind., ob/nsivenkis 
Schiödte, opacus Per., parvulus Zett., pogonoides Costa, pusillus 

Sehiödte. VachalA Kert. ete. 

5. CaHcurgus Lep. (Hist. aat. Hymen., [, L846), 

Auf Grund von Pompil/us hyaUnatm V. und einiger ähnlichen 
amerikanischen Arten, welche eine eng geschlossene (»nippe vor- 
stellen, hat I 1\ Kohl eine neue Gattung unter dem alten Lepel 
let i ersehen Namen aufgestellt. Die Stellung der Basaladcr allein 



Die paläarktisehen Gattungen der Familie Psammochm-klae. 189 

könnte zwar, wie es be- 
reits N. Ba n k s sagte, kaum 
für eine generiscke Tren- 
nung- ausreichen, denn es 
findet sich in dieser Hin- 
sicht eine ziemliche Varia- 
bilität, das vorne abstür- Fi »- 4 - Calicurgus hydlinatus F. 
zende Pronotum und die 

Flügelnervatur bilden aber noch einige andere gute Unterschiede. 
Bei N. Banks finden sich die Calicurgas- Arten unter Cryptoclieilus. 
Type: Calicurgus hydlinatus F. 

Von den paläarktischen Arten gehört hierher nach W. A. Schulz 
noch C. rubicans Lep. 

Die Männchen siud sehr schwer zu unterscheiden, denn sie 
erinnern einerseits sehr auf Deuter agenia oder Prionocnemis, ande- 
rerseits sogar auf Sericopompilus. 

6. JPseudagenia Kohl (in diesen „Verhandlungen", 1884). 

Agenia Dahlb. non Schiödte, Pilpomus Costa, Stenagenia 
Sauss.? Ageniella Bks. 

Mit dieser Gattung kommen wir zu den Arten, deren g glatte 
oder nur unregelmäßig bedornte Hintertibien besitzen. Es ist dies 
ein großer Formenkreis, Deuter agenini (Ageniellini Bks.), welcher 
sonst sehr schwer zu charakterisieren ist. Die Gattungen Pseuda- 
genia Kohl und Deuter agenia sind gewiß mit den vorgeschilderten 
Gattungen näher venvandt, dagegen scheinen aber Clavelia Luc. 
und Parapoynpüus eher einem besonderen Formenkreise anzu- 
gehören. 

Bei den Autoren, welche sich neuerdings mit diesen Gattungen 
beschäftigten, herrscht in der Begrenzung eine große Unsicherheit. 
F. F. Kohl errichtete die Gattung für solche Dahlbomsche Agenia- 
Arten, deren $ die Maxillen an der Basis mit keinem bartartig 
geschwungenen Büschel langer Haare behaftet haben wie die echten 
Agenia Schiödte-Arten. Dieses Merkmal jedoch kommt, wie W. A. 
Schulz (1911) zeigte, bei beiden Gattungen vor, weshalb dieser 
Autor geneigt ist, beide zu vereinigen. N. Banks (1911) hofft ein 
anderes Kriterium in der Behaarung des Mittelsegrnentes zu finden 




190 



Oldfich Sustera. 



und reibt die Arten mit einem behaarten Mittelsegmente zu Pseud- 
agenia, die Arten mit einem nackten Mittelsegmente zu Ageniella, 
welcher Name auch der Ersatz für den präokkupierten Namen Agenia 
sein soll. Der Autor kannte aber nicht die eigentlichen Vertreter 
der letztgenannten Gattung aus dem paläarktischen Gebiete, welche 
diesem Merkmale nach zu Pseudagenia eingereiht werden müßten. 
Seine Gattungen sind deshalb auf einer anderen Grundlage, als es 
F. F. Kohl meinte, errichtet, und aus dieser Kreuzung der generi- 
schen Kennzeichen entsteht, wie es bei der Systematik oft vor- 
kommt (Periodizität), ein ganz anderes Bild von beiden Gattungen. 
Meiner Meinung nach ist die Behaarung des Mittelsegmentes ein 
Kennzeichen, welches schwer als ein selbständiges generisches 

Kriterium benützt werden 
kann, denn einerseits finden 
sich in dieser Hinsicht oft 
Übergänge und anderer- 
seits gibt es im Rahmen 
einer sonst natürlichen Ar- 
Fig. 5. Pseudagenia carbonaria Scop. tengruppe Arten mit oder 

ohne Behaarung. Der an- 
gegebenen Type nach muß Ageniella Bks. zum Synonymuni von 
Pseudagenia Kohl werden. 

In der Überzeugung, daß hier wirklich zwei Formenkreise 
existieren, suchte ich nach solchen Merkmalen, welche die Ageniai 
und Pseudagenia- Arten im Sinuc von F. F. Kohl voneinander 
trennen könnten und hoffe, dieselben vor allem in der Flügel^ 
nervatur gefanden zu haben, wie dies in der analytischen Tabelle 
Bogegeben ist. Die weitaus Uberwiegende Mehrzahl der Arten ge- 
hört zu Pseudagenia und einige wenige, vielleicht nur paläarktischfl 
und ncarktischc Arten, zu Dealer agoda. 

Ks isl mir nicht, ganz klar, ob ,S/rnagrnia Sauss. hierher als 
Synonym gehört oder ob dieser Name statt Agenia Dahlb. ge- 
braucht werden Sollte, da aus der von W. A. Schulz ge- 
gebenen Frgünzung der Beschreibung die; hier angeführten generi- 
Hchcn Unterschiede nicht sicher zu entnehmen sind. Auch über die 
vergessene (iattung l'ilpomus Costa weiß ich nicht mehr zu sagen, 
als was bereit! F. F. Kohl gesagt hat. 




Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharklae. 191 



Type: Pseuäagenia carbonaria Scop. 

Die Gattung- ist vielleicht über die ganze Welt verbreitet. 

7. Deuteragenia n. nom. 

Agenia Schiödte nec Dablb., Pogonius Dablb. 

Nach dem, was bereits bei Pseuäagenia über die Gattung 
•Ageniella Bks. gesagt wurde, 
bleibt noch zu bemerken, daß 
nach der brieflichen Mittei- 
lung des Herrn N. Banks 
auch der Name Pogonius prä- 
okkupiert ist. So wie hier 
die Arten im Rahmen der Fig. 6. Deutercujenia variegata L. 
Gattung begrenzt sind, stellen 

sie nur eine kleine Sippe vor, welche auch viel Ähnlichkeit mit 
einigen Prionocnemis- und Calicurgus- Arten hat. 

Die Gattung hat ähnliche Verbreitung wie Prionocnemis. 

Type: Ageniella variegata L. 

8. JParapompüus Sin. (Cat. Hym. Ins., 1855). 

3Iieropteryx Lep., nec Parapompilus Cress., Lissocnemis Kohl. 

Die Gattung wurde von Lepelletier besonders auf Grund 
der ungewöhnlich verkürzten Flügel errichtet, und seitdem be- 
schrieb man nur einige wenige Arten, alle weiblichen Geschlechtes. 
Leider sind mir die paläarktischen Vertreter der Gattung nicht be- 
kannt, besitze aber einige, wie es scheint, neue Arten aus Süd- 
afrika (besonders durch die Güte des Herrn Dr. H. Brauns),, 
welche einen Einblick in diese Gattung erlauben. Soweit ich weiß, 
zeigt sich bei den Psammochariden die Verkürzung der Flügel 
vielleicht ausschließlich bei den Arten, welche ein altes Element 
vorstellen und meist zu der Subfamilie Pepsinae gehören, wie über- 
haupt die Reduzierung der Flügel bei den Hymenopteren als ein 
Merkmal der mehr oder weniger vorgeschrittenen Rückbildung 
wahrscheinlich nur bei den phylogenetisch alten Gattungen oder 
Artenkreisen auftritt. Es scheint mir aber ebenso wie W. A. Schulz 
(Hym. Stud., 1905, p. 26) zweifelhaft, ob alle als Parapompilus 
beschriebenen Arten wirklich zu dieser Gattung gehören, da die 




192 



OldHch Sustera. 



Flügelreduzierung allein keinen generischen Charakter tragen muß. 
Andererseits müssen wieder unter diese Gattung auch solche Arten 
eingereiht werden, welche zwar noch gut entwickelte Flügel be- 
sitzen, morphologisch aber nicht besonders abweichen. Solche Arten 
sind mir teils aus Südafrika, teils aus der orientalischen Region 
bekannt. (IAssocnemis Kohl, Denkschriften d. kais. Akad. d. Wiss. 
Wien, 1907.) Da dadurch die bisherigen generischen Grenzen be- 
trächtlich erweitert werden, ist es ratsam, die Gattung etwas näher 
zu besprechen. 

Der Kopf nicht immer so linsenförmig wie bei den anderen 
Psammochariden, sondern oft fast halbkugelig, da die breite Stirn 
zwischen den Augen mehr oder weniger aufgetrieben ist. Die dicht 

über den Klypeus einge- 
fügten Fühler ziemlich 
kurz. Die Mandibeln 
innen mit einem Zahne 
versehen. 

Das hinten etwas 
Fig. 7. Parapompüus. winkelig ausgeschnittene 

Pronotum gut entwickelt 
bis verlängert, breiter als das Mesonotum, vorne steil abfallend, 
seitlich der Quere nach deutlich vertieft und einen sichtbaren Hall 
bildend. Das Mittelsegmenl gewölbt, quergerunzelt. Das erste Ilin- 
terleibssegmenl vorne sehr schmal, fast kurz stielartig. Zweites 
Ventralsegmenl mit einer Querfurche. Peine glatt oder behaartj 
jedoch auch deutlich bedornt, Die Klauen bifid. Der Körper dich! 
bereift und mehr oder weniger behaart. Flügel normal oder ver- 
kürzt. Die Radialzelle lanzettlicb. Die zweite und dritte Kubitafi 
Kelle fasl gleich lang und hoch, beide oben etwas verengt, zusammen 
BO lang wie die erste K ubitalzelle und die betreifenden Diskoidal- 
queradern beinahe gegen die Mitte aufnehmend. Die dritte Zelle 
reicht niebl ganz so weit wie die Radialzelle. Die Kubital- und 
hiralleladern erreichen den Flllgelrand nicht, obzwar beide ziem* 
lich weil verlaufen. Die Basal ad er vor dem Nervulus entspringend, 
stark gebogen. Die Kubitalader der NintcrflUgel interstitial oder 
ein weni^ vor dem Absehiiisso der Analzelle entspringend. 
Männchen bis jetzt unbekannt. 




Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 



193 



Die eben beschriebene Flügelnervatur wiederholt sich bei 
Clavelia Luc. (sowie auch bei einigen eigentümlichen, Planiceps- 
ähnlichen südafrikanischen Formen). Dieser Umstand, mit überein- 
stimmender geographischer Verbreitung der bis jetzt bekannten 
afrikanischen Arten verbunden, gab W. A. Schulz (Hym. Stud., 
1905, p. 25) Anlaß, beide Gattungen als eine einzige zu betrachten, 
und zwar desto eher, als von Parapompilus nur die Weibchen, 
von Clavelia dagegen nur die Männchen bekannt waren. Es sind 
mir zwar nicht nur die nordafrikanischen Vertreter beider Gattungen, 
sondern auch die Parapomp to-Männchen überhaupt nicht bekannt, 
die südafrikanischen Arten aber zeigen, daß hier zwei verschiedene 
Gattungen bestehen. Dabei muß ich betonen, daß die südafrika- 
nischen Psammochariden eine überraschende Menge von nordafrika- 
nischen Elementen aufweisen, so daß, wenn man auch die überein- 
stimmenden Beschreibungen in Betracht zieht, die südlichen Ver- 
treter beider Gattungen mit den nördlichen gewiß kongenerisch 
sind. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei Para- 
pompilus um einen archaistischen, in der Rückbildung sich befin- 
I denden Formenkreis. % 

Type: Parapompilus brevipennis F. 

Nur an der südlichen Grenze des Gebietes. 

9. Clavelia Luc. (Ann. Soc. Ent. France, 1852). 

Ctenocerus Dahlb., Pedinaspis Kohl part. 

Das Bild dieser eigentümlichen Gattung ändert sich nach dem 
Materiale, welches ich durch die Güte des Herrn Dr. H. Brauns 
; aus Südafrika besitze, in einer unerwarteten Weise. Bis jetzt waren 
nur einige auffallende Männchen mit Sicherheit bekannt, da das 
einzige beschriebene Weibchen von Ctenocerus ramosus Sm. nach 
den vom Autor gegebenen Merkmalen nicht wieder zu erkennen 
war. Erst Herrn Dr. H. Brauns ist es gelungen, beide Geschlechter 
dieser und einiger anderen Arten zu fangen und sicherzustellen, 
daß diese Wegwespen ihren Weibchen nach auch mit Pedinaspis 
Kohl übereinstimmen (in litt.). Bei der Bearbeitung von paläarkti- 
! sehen Pedinaspis- Arten wurde mir nun klar, daß Pedinaspis Kohl 
eine von zwei grundverschiedenen Elementen zusammengesetzte 
Gattung ist. Insoweit die Arten mit dem typischen P. operciäatus 

Z. B. Ges. 62. Bd. 13 



194 



Ol df ich Sustera. 



Kl. übereinstimmen (die Basalader interstitial, die Klauen mit einem 
Zahne etc.), müssen sie die wirkliche Gattung Pedinaspis bilden, 
die anderen Arten aber (die Basalader gewöhnlich vor dem Ner- 
vulus entspringend, die Klauen bifid etc.) stellen nur die bisher 
verkannten Weibchen von Clavelia vor. Die Querfurche auf dem 
zweiten Ventralsegmente, obzwar oft nicht mehr so gut entwickelt 
wie bei den übrigen Gattungen der Subfamilie Pepsinae, weist der 
ganzen Gattung den richtigen Platz an. 

Damit ist aber alles noch nicht erschöpft. Die Ausbildung von 
Fühlerfortsätzen bei den Männchen erscheint als eine bloße Ent- 
wicklungstendenz, welche nur bei den letzten, am höchsten fort- 
geschrittenen Gliedern der ganzen Reihe in vollem Maße auftritt, 
dagegen aber bei den ersten Stufen dieser Reihe noch verdeckt 
ist. Wir finden hier ähnliche Verhältnisse wie bei Salms F., wo 
die genannte Gattung zuerst auch nur für die auffallenden Männchen 
errichtet und erst später der volle Gattungsbegriff aufgeklärt wurde. 
Und auch hier wurden bereits von Cameron einige Clavelia- 
Männchen mit fast normalen Fühlern als Anoplius, welcher Name 
den Ersatz für Pompilus bildete, beschrieben. 

Die Ähnlichkeit in der Kopfbildung von Clavelia- und PedU 
naspis -Weibchen ist wirklich überraschend und läßt sich bei den 
phylogenetisch so weit voneinander stehenden Formen nur als durch 
die ähnliche Lebensweise hervorgerufene Konvergenz erklären. 
Diese Hypothese muß allerdings erst durch die direkte Beobachtung 
bestätigt werden, denn über die Lebensweise der Clavelia-kxi&H 
wissen wir bis jetzt nichts. Die Pedinaspis- Arten (crassitarsis Costa, 
pUcatus Costa) jagen, wie uns M. Ch. Fcrton lehrt, die Spinnen 
■a\i< der Gattung Xrmrsia, welche in einem aus der Erde ver- 
fertigten und mit festem Deckel versehenen Röhrchen nisten. 

I)i<' kam Gattungsbeschreibung der beiden Geschlechter lautet: 

Weibchens Der Kopf abgedacht, hinten etwas ausgeschnitten, 
breiter als der Thorax. Klypeus bedeutend schmäler als der Kopf 
unten zwischen den Fühlern, eine vorspringende, (lache Platte 
bildend. Die Mandibeln innen mit einem Zahne. Die Fühler stehen 
dicht Uber dem Klypeus in zwei großen und ziemlich tiefen Gruben. 
I);is erste Ftthlerglied (scapUS) verbreitert, zusammengedruckt und 
etwas gekrümmt. D;is hinten bogenförmig oder winkelig ausgc- 



Die paliiarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 



195 



schnittene Pronotum mehr oder weniger verlängert, oben abge- 
flacht, nach vorne etwas verengt und entweder steil oder in einer 
mäßigen Krümmung in den Hals übergehend. Das Mittelsegment 
quergerunzelt, hinten ziemlich steil abfallend. Das zweite Abdominal- 
segment mit einer Querfurche. Der Hinterleib mindestens gegen das 
Ende seitlich zusammengedrückt. Die Tarsen unten mit kurzen 
Domen besetzt, die vordersten deutlich verkürzt. Die Hintertibien 
nur mit sehr kurzen und feinen Dörnchen bewaffnet. Die Klauen 
bifkl. Die etwas verkürzten Flügel mit derselben Flügelnervatur 
wie Parapompüus, nur kann die Basalader auch fast interstitial 
und die dritte Kubitalzelle größer sein als die zweite. Kopf und 
Thorax oft mit langer, jedoch nicht dichter Behaarung. 

Männchen: Der Kopf zwischen den Augen aufgetrieben, so 
breit oder breiter als der Thorax. Klypeus wie bei den Weibchen 
schmäler als der Kopf zwischen den Fühlern und auch etwas ver- 
längert, jedoch nicht ganz flach, sondern mehr oder weniger ge- 
wölbt. Fühler dick mit kurzen Gliedern; einzelne oder alle Geißel- 
glieder oft mit einer Verlängerung oder lappenartigen Fortsätzen 
versehen. Das Pronotum kürzer als bei den Weibchen, vorne immer 
steil abfallend. Das Mittelsegment etwas verlängert, wie Kopf und 
Thorax dicht punktiert, nicht quergerunzelt. Das erste Abdominal- 
segment oft verlängert und verengt, das zweite ohne eine Quer- 
furche. Klauen aller Beine entweder bifid oder die hintersten wie 
bei Ceratopäles zwar einfach, jedoch stark und am Ende recht- 
winkelig gebogen. Der Kopf samt Klypeus. das erste Fühlerglied 
(besonders unten), der Thorax, die Hüften und teils auch das erste 
Dorsalsegment des Abdomens mit ungewöhnlich dichter und langer 
Behaarung. 

Type: Glavelia pompiliformis Luc. 

Nur an der südlichen Grenze des Gebietes. 

2. Subfam. Psammocharinae. 

Diese Subfamilie wird, wie es bereits der Fall war, den 
Systematikern noch die größten Schwierigkeiten bereiten. Es findet 
sich hier eine große Menge von Artenkreisen, welche ineinander 
tibergehen, so daß eine feste Begrenzung einzelner höherer syste- 

13* 



196 



Oldrich Sustera. 



matischen Gruppen oft fast an die Unmöglichkeit grenzt. Die An- 
sichten der Autoren sind auch nach dem Standpunkte, von welchem 
sie ausgehen, sehr verschieden. F. F. Kohl nimmt die ganze Sub- 
familie als eine gute Gattung Pompilus auf, teilt dieselbe zuerst 
auf 18, dann auf 8 Gruppen und später erkennt er einige wenige 
Untergattungen an. Ashmead schuf für die Mehrzahl der Gruppen 
die Subfamilie Aporinae, einen Teil trennte er aber unter seine 
unnatürliche Subfamilie Planicepinae ab und erhöhte die bisherigen 
Gruppen auf eine Menge schwer übersichtlicher und meist künst- 
licher Gattungen. N. Banks endlich hebt die Subfamilie Plani- 
cepinae auf, umgrenzt die ganze Subfamilie in dem auch in dieser 
Arbeit angenommenen Umfange und erklärt mehrere von den bis 
jetzt rätselhaften Ashmead sehen Gattungen. 

Damit ist aber der systematische Aufbau noch nicht beendigt, 
denn einige von den für die Scheidung der Gattungen benützten 
Merkmale scheinen keinen so hohen Wert zu besitzen. Ashmead 
und teilweise auch F. F. Kohl haben den Verlauf der Kubitalader 
der Hinterflügel ganz besonders berücksichtigt. Dieses Merkmal ist 
zwar, meiner Meinung nach, nicht wertlos, kann jedoch in einer 
tabellarischen Übersicht nur sehr vorsichtig mit Nutzen angewendet 
werden, da viele von den Gattungen in dieser Hinsicht sehr variieren, 
abgesehen davon, daß sich oft auch je nach dem Geschlecht oder 
Her Größe der Exemplare einer Art eine gewisse Veränderlich- 
keit zeigt. 

Aber auch die von N. Banks benützten Merkmale, nämlich 
die Länge des Pronotums und vor allem die Behaarung des Mittel- 
segmentes entsprechen, dem paläarktischen Materiale nach, in dieser 
Richtung nicht vollkommen, da, wie es an den betreifenden Stellen 
gezeigt wird, die so begrenzten Gattungen oft nur Bruchteile der 
wahren Gattungen enthalten. 

In dieser Arbeil wurde große Rücksicht auf die Beschaffenheit 
der KlanenbezabnuDg genommen, und zwar aus den bereits oben in 
der Vorrede näher besprochenen Gründen. Auch dieses Kriterium 
hat gewifi seine Nachteile, da aueh hier einige (Ibergänge vor- 
kommen, trotzdem hin ich jedoch der Meinung, daß dadurch der 
wahre Begriff mindestens der paläarktischen Vertreter der Gattungen 
noch am besten /um Ausdruck kommt. 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 197 



Wir finden, daß die Klauen bei den Gattungen Homonotus, 
Platyderes, Pseudopompilus, Episyron, Parachyphononyx und Pom- 
piloides bei beiden Geschlechtern bedingungslos bifid, bei den Gat- 
tungen Paraferreola und Anoplius beim weiblichen Geschlecht aber 
immer bezahnt, beim männlichen Geschlecht dagegen immer bifid 
und endlich bei den Gattungen Pedinaspis, Sericopompilus, Plani- 
ceps und Psammocliares bei beiden Geschlechtern ausschließlich be- 
zahnt sind. Nur die Gattungen Aporus und Batazonus machen in 
dieser Hinsicht eine Ausnahme. Bei Aporus findet aber diese Aus- 
nahme in der künstlichen Zusammensetzung dieser Gattung ihre 
Erklärung, da die hierher gehörenden Arten je nach der Beschaffen- 
heit der Klauen mehr Verwandtschaft als untereinander mit den 
Gattungen zeigen, welche nebst anderen morphologischen Kenn- 
zeichen ähnliche Klauenbezahnung besitzen. Es bleibt deshalb nur 
Batazonus, welcher wirklich im Gattungsrahmen verschiedene 
Klauenbewehrung aufweist. 

Wie bereits früher gesagt wurde, scheint die Psammochares- 
Gruppe mit einem quergerunzelten Mittelsegmente den phylogene- 
tischen Stamm der ganzen Unterfamilie vorzustellen. Die weitere 
reiche Entwicklung geschah in mehreren Richtungen, welche aber 
den bisherigen Kenntnissen nach nicht genau zu verfolgen sind. In- 
soweit diese Entwicklungsäste keinen besonders abweichenden 
Charakter tragen und von der Stammgruppe nicht durch feste Merk- 
male zu unterscheiden sind, bilden sie die große Urgattung Psam- 
\mochares, wogegen die bereits mehr differenzierten Äste die weiteren 
Gattungen vorstellen. Einige von diesen Gattungen sind nur für 
sich mehr oder weniger abgeschlossene, in einer gewissen Eichtling 
| entwickelte Artenkreise, wie z. B. Pedinaspis oder Sericopompilus, 
andere scheinen dagegen ganze Aste zu bilden, wie die Gattungen 
Pompiloides und Parachyphononyx oder Batazonus und Episyron. 

über den Wert mehrerer hier angeführten Gattungen kann 
man großes Bedenken haben, denn in Wirklichkeit bildet die ganze 
Unterfamilie nur einen einzigen großen Formenkreis. (Ähnlich wie 
die großen Gattungen Crabro L. oder Odynerus Latr.) Bei einer 
so großen Menge von Arten jedoch ist es eben am höchsten nötig, 
die Arten je nach der natürlichen Verwandtschaft übersichtlich zu 
'ordnen. Dieses Bedürfnis fühlt man desto mehr, als der Versuch 



198 



Oldfich Sustera. 



Asbmeads vollkommen mißglückte und die bisherige Unsicherheit in 
eine wahre Verwirrung veränderte. Aus diesem Grunde halte ich es für 
zweckmäßiger, die oft sehr schwachen Gattungen, insoweit es über- 
haupt möglich ist, lieber bestehen zu lassen. Dadurch wird auch die 
verwickelte Synonymie für die späteren Arbeiten viel übersichtlicher. 

10. Homonotus Dalilfo. (Hym. Eur., I, 1843, nec 1845). 

Wesmaelinius Costa, (Rad., Ashm.), Hemisalius Sauss., Homo- 
notus Kohl part., Isonoüts Dahlb. 

Über die richtige Benennung war man lange nicht klar, da 
Dahlb om den für diese Gattung zuerst beantragten Namen Homo- 
notus später der Gattung Salius übergab, was aber bereits durch 
Stein (Berl. Ent. Zeit., 1859) und später auch durch Kohl richtig- 
gestellt wurde. Der Name Wesmaelinius Costa muß deshalb zum 
Synonymum werden. W. H. Schulz nach gehört hierher weiter 
auch die Gattung Hemisalius Sauss. So wie hier die Gattung be- 
griffen ist, deckt sie sich vollkommen mit Wesmaelinius Costa und 
Kadoszkowski; ob aber die Analader der Hinterflügel immer ge- 
brochen ist, weiß ich bei der Seltenheit der Arten nicht zu sagen. 

Type: Homonotus sanguinolentus F. 

Aus dem paläarktisehen Gebiete gehören hierher den Be- 
schreibungen nach weiter noch: aegyptiacus Rad., albocalcaratus Kad. 
rftttcastcus Bad., Costae Tourn. (= Wettsteini D. T.), Steint Schulz 
(= affinis Stein) und transcaspicus Bad., unter denen aber gewil 
mehrere Synonyme vorhanden sind. 

11. Flatyderes <*uer. (Icon. regn. anim., VII, Ins., 1844). 

Salixs Dahlb. 1845 nec 1843, Ferreola Lep. (Smith et aut. 
part., nec Rad. u. Ashm.), Homonotus Kohl part. (Ash- 
mead), Pseudoferreola Rad., I'rosalius Auriw. 

Es ist eine schwere Aufgabe, die Synonymie dieser Gattung 
zu ermitteln and i<-h wein tatsächlich nicht, ob es mir immer gm 
langen Ist, dafl Richtige ZU treffen, da die gegebenen Beschreibungen 
gewöhnlich nicht dazu hinreichen. Die rätselhaften UrbeschreibungeJ 
der Ftatyderei Arien wurden erst durch \V. A. Schulz (Zool. Annafl 
1911, p. 120 122) in solcher Weise ergänzt, daß ich die 0l>er- 
zeuguiitf gewonnen habe, daß dieselben mit Homonotus Kohl kon- 



Die palaarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 



199 



generisch sind und daß der Name Platyderes Guer. als der älteste 
vor allen anderen den Vorrang- haben muß. Bei dieser Gelegenheit 
hat W. A. Schulz sichergestellt, daß sich auch die Gattung Fer- 
reola Lep. mit Platyderes deckt. Dahlbom hat im Jahre 1845 die 
meist hierher gehörenden Arten unter Salius beschrieben, Smith 
vereinigte wieder unter Ferreola verschiedene Arten mit hinten 
ausgeschnittenem Mittelsegmente, zwischen denen auch einige Platy- 
deres-Avten zu finden sind. F. F. Kohl nahm den Namen Homo- 
notus für beide Gattungen Homonoüis und Platyderes an und später 
wurden ihm nach die hierher gehörenden Arten meist als Homo- 
notus beschrieben. Die Ashmeadsche Gattung Homonoüis deckt 
sich mit Platyderes und Pseudopompilus. Damit ist aber die Syno- 
nymie noch nicht erschöpft, denn die bis jetzt rätselhafte Gattung 
Pseudo ferreola Rad. kann nur hierher gehören und auch die Gat- 
tung Prosalius Auriw. (Ent, Tidskr., 1906) deckt sich der Be- 
schreibung nach mit Platyderes. 

Alle drei Gattungen Homonoüis, Platyderes und Pseudopom- 
pilus bilden eine Gruppe, welche gut als die Unterfamilie Homo- 
notini bestehen könnte, jedoch in einem beträchtlich verschiedenen 
Sinne als bei Ashmead. Wie bereits in der analytischen Tafel 
angegeben wurde, unterscheidet sich die Gattung Platyderes von 
Homonoüis durch die Form des Mittelsegmentes und den Verlauf 
der Analader in den Hinterflügeln, vom Pseudopompilus durch die 
gewölbte Stirn und die Behaarung des Mittelsegmentes, wobei auch 
die Anlage der Kubitalzellen bei Homonoüis und Pseudopompilus 
eine andere ist als bei Platyderes. 

Type: Platyderes clypeatus Kl. 

Hierher gehören, meist den Beschreibungen nach (ohne die 
Synonymie lösen zu wollen): algirus Lep., Barre i Rad., germani- 
cus Stein, incisus Rad., orchesicus Kohl, rectangulus Mor v Schiödtei 
Dahlb. (denürulatus Tschb.?), sagax Kohl, striatus Rad., suecicus 
Auriw. Besser vielleicht hierher als zu Paraferreola gehören weiter 
Ferreola nubilla, Tournieri und Pici Tourn. 

12. JPseiidopomjnhis Costa (Prosp. Imen. Ital., II, 1887). 

Costa hat die Untergattung Pseudopompilus für eine sonder- 
bare Pompilus-kxt errichtet, welche sich am meisten der Platyderes- 



200 



Oldi-ich Sustera. 



Gattung nähert. Da die Art sehr selten ist, wurde seitdem diese 
Untergattung nirgends näher erwähnt. Mit Rücksieht auf die flache 
Stirn, dicht anliegend behaartes Mittelsegment und etwas abweichende 
Flügelnervatur wird es vielleicht am besten sein, Fseuäopompilus 
als eine selbständige Gattung zu betrachten. 

Type: Pseudopompilas Antonini Costa (cyanopterus Mor.). 

Der Beschreibung nach könnten hierher auch Salms Humboldti 
Dahlb. und Homonotus signativentris Mor. eingereiht werden. 

13. JParaferreola n. noin. 

Ferreola Smith (Kohl, Costa, Tourn.) part., Rad., Ashm., 
nec. Lep. 

Unter den Psammochariden gibt es eine große Menge von 
Arten mit hinten ausgeschnittenem Mittelsegmente, was Smith 
dazu Anlaß gab, unrichtig alle in der Gattung Ferreola Lep. zu 
vereinigen, obzwar sich da mehrere morphologische Unterschiede 
zeigen. Bereits alle drei vorher geschilderten Gattungen und nebst- 
dem Schistos alins und Calopompilus sowie teilweise auch einige 
weitere Gattungen sind durch dieses Merkmal charakterisiert. In 
allen diesen Fällen handelt es sich aber nicht immer um wirklich 
verwandte Gattungen, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach um 
die höchsten Stufen mehrerer Entwicklungsäste. Diese Gattung 
führte eine lange Zeit den Namen Ferreola Lep. und erst 
W. A. Schulz (1011) hat diesen Irrtum richtiggestellt. Die ur- 
Bprüngliche Beschreibung von Ferreola bestätigt diese Ansicht, 
denn die Worte: „nietatliorax plus long que les deux autres partiei, 
du corselct prises cnsemble" können nur auf einige Platyderes- 
Arten, nicht aber auf unsere Gattung angewendet werden. Gleich- 
zeitig hat W. A. Schulz ftlr die Gattung Ferreola im Sinne 
F. I". Kohls den Namen Schislosalins Saus, beantragt, Ferreola 
Kohl besteht aber, soweit mir bekannt ist, mindestens aus zwei Ele- 
menten, von denen (las mit F. UT8U8 F. repräsentierte Clement gewiß 
nicht mit Srfusfosalius kongeneriscli ist, sondern weit eher das andere 
Clement mit der interstitialcn Analader in den Ilinterflllgeln und 
bitiden Klauen mich bei den Weibchen. I );i dann kein anderer Name 
vorhanden ist. so muH fllr die Gattung Ferreola im Sinne Radosz- 
ItOWfkil und Ashmcads ein neuer Name gewählt werden. 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 



201 



Am nächsten steht die mit Parachyphononyx eng verwandte 
Gattung Schistosaliiis Sauss. Die Weibchen unterscheiden sich von 
allen anderen ähnlichen paläarktischen Arten vor allem durch die 
bezahnten, nicht bifiden Klauen, die Männchen durch die ziemlich 
stabile Form des Kopfes und des Mittelsegmentes. 

Type: Paraferreola ursus F. 

Es ist unmöglich, alle die paläarktischen Paraferreola-Arten 
genau herauszufinden, da die Beschreibungen meist sehr unvoll- 
kommen sind. Persönlich sind mir außer ursus F. noch stygia Costa 
(retusa Costa) und einige andere Arten, welche nicht sicher zu 
deuten sind, bekannt. Weiter sollten hieher gehören: caucasica 
Rad. {caucasicola D. T.), distincta Sm. (albanorum D. T.) = ? 
fasciata Sm. (mariannae D. T.), grandis Rad. (asinus D. T.), 
Hellmani Ev., Lichtensteini Tourn., manicata Pall., micans Rad., 
Komaroivi Rad., nigra Rad. (batrachiorum D. T.), rossica Rad., 
sirdariensis Rad., syraensis Rad. 

14. Parachyphononyx Orib. (An. Mus. Civ. Stor. Nat. Gen., 1884). 

Gribodo hat die Gattung Paracyphononyx (was nach Schulz 
besser Parachyphononyx lauten soll) für Pompilus- Arten mit bifiden 
Klauen errichtet. Eine so motivierte Gattung konnte aber nicht 
lange bestehen, denn es gibt eine ganze Menge von Arten mit je 
nach dem Geschlechte bifiden oder bezahnten Klauen. Magretti 
änderte deshalb den Gattungsbegriff und ihm nach reiht Ashmead 
die Gattung in seine Tabelle ein. Kohl zählt aber die Parachy- 
pliononyx- Arten unter Episyron auf. 

Meine Ansichten darüber sind folgende: Mit dieser Gattung 
kommen wir zu einer Reihe sehr ähnlicher Gruppen, wohin nebst- 
dem noch Schistosaliiis, Pompiloides, Episyron und Batazonus ge- 
hören. Alle diese Gattungen sind mit Ausnahme einiger Batazonus- 
Arten durch bifide Klauen ($, cT) charakterisiert; andere Gattungen, 
welche auch bifide Klauen besitzen, wie Homonotini und Para- 
/erratfa-Männchen sind gut, die J.Mö2Äs-Männchen dagegen oft 
sehr schwer zu unterscheiden. 

Es existieren hier zwei Formenkreise, und zwar Parachy- 
phononyx, Schistosalius und Pompiloides einerseits, Episyron und 
Batazonus andererseits. Die erste Gruppe ist durch die innen nur 



202 



Oldfieh Sustera. 



mit einem Zahne bewehrten Mandibeln (mindestens bei den 
Weibchen), durch die in der Anlage gewöhnlich trianguläre dritte 
Kubitalzelle und durch kleines, meist unvollkommen gebildetes 
Stigma gekennzeichnet. Bei allen Männchen dieser Gruppe ist der 
Hinterrand des sonst vorne nicht behaarten Mittelsegmentes immer 
mit sehr dicht stehenden Härchen vollkommen verdeckt. Die Augen 
erreichen meist die Basis der Mandibeln nicht. Bei der anderen 
Gruppe sind dagegen die Mandibeln mit zwei Zähnchen ver- 
sehen, die dritte Kubitalzelle in der Anlage immer quadratisch und 
das Stigma meist gut entwickelt. Wenn bei den Männchen der 
Hinterrand des Mittelsegmentes behaart ist, so ist auch die Ober- 
fläche behaart oder beschuppt. Die Augen erreichen fast immer 
die Basis der Mandibeln. Außerdem ist die Kubitalader der Hinter- 
fliigel immer präfurkal, was bei der ersten Gruppe nur bei Para- 
chyphononyx vorkommt. Wie ich hoffe, genügen diese Unterschiede, 
um beide Gruppen voneinander gut trennen zu können, wobei 
auch noch weitere Merkmale zur Unterscheidung einzelner Gattungen 
beitragen. 

Zur Unterscheidung dieser Gattung muß man deshalb zuerst 
bifide Klauen, präfurkale Kubitalader der Hinterfltigel, kleines 
Stigma und in der Anlage trianguläre dritte Kubitalzelle berück- 
sichtigen. Bei den Weibchen ist dann das Mittelsegment hinten 
ausgeschnitten, jedoch ohne deutliche Querkante, an beiden Seiten 
schwach kegelförmig ausgezogen und die Mandibeln innen nur 
mit einem Zahne bewaffnet, Die Ausrandung des Mittelsegmentes ist 
aber bei den Männchen nicht gnt sichtbar, da der Hinterrand dicht 
behaart ist, eben diese auffallende Behaarung jedoch unterscheidet 
diese d* gut von den ö 1 ähnlicher Gattungen, wie Batazonus, Epi4 
syron, Paraferreola und AnopMue. Am ähnlichsten sind die Episyrottä 
Männchen, welch«; aber ein gutentwickeltes Stigma, quadratisch« 
dritte Kubitalzelle, kurze Wangen, rundlichen, nicht triangulären 
Kopf, fad symmetrische vorderste Klauen (bei Parachyphononyq 
deutlich unsymmetrisch) und eine interstitiale Basalader in den Vor- 
derflttgeln (welche hei Pa/rachyphononyx etwas präfurkal ist) haben. 

T\ p<-: Parachyphonongx metemmensis tfagr. 

laue sehr ähnliche Gattung ist Schistosalius Sauss. Wie 
bereits schon oben gesagt wurde, hat \V. A. Schul/ diesen Namen 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psamniocharidae. 203 



für Ferreola Kohl beantragt, was jedoch meiner Meinung nach nur 
teilweise zutrifft, und zwar für solche bisherige Ferreola- Arten, 
bei welchen auch die Weibchen bifide Klauen besitzen. Diese 
Gattung hat alle Merkmale von Parachyphononyx, aber die Anal- 
ader der Hinterflügel ist interstitial, die dritte Kubitalzelle bei den 
größeren Arten breit quadratisch und das Mittelsegment hinten 
stärker ausgeschnitten, so daß eine deutliche Querkante gebildet 
ist und die Seitenecken schärfer austreten. Die Spornen der 
hintersten Beinpaare sind verhältnismäßig dick und ihrer ganzen 
Länge nach deutlich gekämmt. Ich kenne bis jetzt keine Schistosalius- 
Art aus dem paläarktischen Gebiete, bin jedoch überzeugt, daß auch 
diese Gattung ebenso wie Parachyphononyx mindestens in Nord- 
afrika vorkommt. 

15. JPompüoides Rad. (Horae soc. ent. Ros., 1887). 

Pompilioides Rad. park, nec Pompiloides Ashm. und Banks. 

Zuerst muß betont werden, daß diese Gattung hier anders 
begriffen ist, als es bis jetzt der Fall war. Radoszkowski selbst 
hat seine neue Gattung sehr kurz charakterisiert: „Les caracteres 
du genre Pompilus. Cellule radiale triangulaire ; troisieme cubitale 
petiolee." Wenn man nun solche Pompilusen in Betracht zieht, deren 
dritte Kubitalzelle stielartig ist, so kommen wir zu den kleinen, meist 
schwarzen Arten, welche einerseits durch Pompilus nigerrimus Scop. ; 
andererseits durch Pompilus ruficrus Kl. (tibialis Kl.) vertreten sind. 
Diese zwei Arten gehören aber zu zwei verschiedenen Gruppen. 
P. nigerrimus hat im weiblichen Geschlechte bezahnte Klauen und 
ein mit dicken Borsten dicht besetztes letztes Dorsalsegment des 
Abdomens, im männlichen Geschlechte aber bifide Klauen, also, 
wie später noch näher gezeigt wird, ist es ein Anoplius und sogar 
die Type dieser Gattung. P. ruficrus dagegen hat in beiden Ge- 
schlechtern bifide Klauen und das Mittelsegment bei den d 71 hinten 
wie bei Parachyphononyx-WäiXiiiQ\\e\i sehr dicht behaart; stellt uns 
also eine andere Gruppe vor, welche, soweit mir bekannt ist, bis 
jetzt keinen Namen getragen hat. Radoszkowski beschreibt zwei 
Arten P. einer eofasciatus und unicolor (pompiliformis D. T.), welche 
aber nicht näher bekannt sind, und reiht außerdem auch P. tibialis 
seiner Gattung zu. Obzwar aller Wahrscheinlichkeit nach beide ge- 



204 



Oldi-icli Sustera. 



nannten Arten mit P. tibialis nicht kongenerisch sind, sondern eher 
zur P. )ii<ierri))U{s-Gnvp])e gehören, wird es vielleicht am besten sein, 
den Namen Pompiloides Rad. an die mit P. ruficrus Kl. charakteri- 
sierte Gruppe zu übertragen, da sonst Pompiloides als Synonym 
von Anoplius zu betrachten wäre. Pompiloides Banks (und Ashmead) 
ist aber mit Anoplins kongenerisch. 

Diese Gattung reiht sich zu Paracliyphononyx und Schistosalius, 
von welchen sie sich durch ein gewölbtes Mittelsegment und meist 
postfurkale Analader der Hinterflügel unterscheidet. Es gehören des- 
halb hierher alle bisherigen Pompilus- Arten mit in beiden Ge- 
schlechtern bifiden Klauen, einem gewölbten Mittelsegmente (bei 
den Weibchen in der Mitte der Länge nach mit einer schwachen 
Furche), interstitialer oder postfurkaler Analader und triangulärer 
bis stielartiger dritten Kubitalzelle. Die Stielartigkeit dieser Zelle 
ist aber kein generisches Kriterium, da es bei einer Art sehr 
variieren kann. Bei den Männchen ist das Mittelsegment hinten sehr 
dicht behaart, was zum Unterscheiden vom ungemein ähnlichen 
Anoplius-M&imchen dient, wo dasselbe entweder seidenartig bereift 
oder zerstreut behaart ist. 

Type: Pompiloides ruficrus Kl. 

Von den pali'tarktischen Arten gehört hierher z. B. P. iim- 
brosus Kl. 

H» Episyron Schiödte (Nat. Tidsskr., 1837). 

sdiisfonyx Sauss., Spilopompüus Ashm. 

Diese \on Schiödte auf Grund von Pompilus rufipes L. auf* 
gestellte Gattung Würde von den späteren Autoren nicht berliek- 
»ichtigt. dn der Gattungsbegriff den damaligen Kenntnissen nach 
nicht klar war. Heule wird sie zwar überall angeführt, nicht in 
gleichem Sinne jedoch; so z. 1>. bei F. F. Kohl ist es eine viel 
breiter gehaltene Gattung, welche auch l'nrnchyphononyx und eine^ 

Teil der BcUaMonus-Arieu umfaßt. Eis gehören hierher alle bisherigen 
PompUuß-Arten mit in beiden Geschlechtern bifiden Klauen, prä 
turkabi K iibitulader in den Binterflttgeln, interstitialer liasaladcr 
in den Voi du flli-eln. in der Anlage quadratischer dritter Kubital- 

/.<•]]<•. gut entwickeltem Stigma und gewölbtem Mittelsegmente. Die 

Mandibeln innen mit zwei Zähnen verseilen. Außerdem ist für 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 



205 



diese Gattung auch die Körperbehaarung charakteristisch; Gesicht, 
Pronotum, Mittelsegment und das erste Dorsalsegment des Abdomen 
sind nämlich mehr oder weniger schuppenartig behaart, was einen 
Unterschied zu Batazonus bildet. Die Flügel sind deutlich längs- 
faltig, der Kopf beim Weibchen zwischen den Augen gegen den 
Scheitel etwas konvergierend, nicht aber so deutlich wie bei 
Batazonus, Klypeus groß und gewölbt. Nach N. Banks gehört 
hierher als Synonym Spüopompilus Ashm., was der Beschreibung 
nach vollkommen begründet erscheint. Weiter kann nach dem, was 
W. A. Schulz (1911) über Schistonyx gryps Sauss. sagt, wahr- 
scheinlich auch diese Gattung hierher gerechnet werden. 
Type: Episyron rufipes L. 

Hierher gehören z. B.: albonotatus Wsm., argyrolepis Costa, 
capiticrassus Fert., coccineipes Saund., tripunctatus Dahlb. etc. 

17. Batazonus Ashm. (Canad. Entom., 1902). 

Foecüopompilus Ashm., Agenioxenus Ashm. 

Als F. F. Kohl seine dritte PomjÄs-Gruppe bildete (vgl. 
diese „Verhandlungen", 1886), hat er bereits diese Gattung vorgeahnt, 
aber erst Ashmead gab ihr den Namen, oder, wie N. Banks 
zeigte, eigentlich drei Namen; Batazonus algidus Sm., Type der 
Gattung, gehört nämlich mit Rücksicht auf das bifide erste Klauen- 
paar unter die Fompilus pygidialis-Grwßipe Kohls. Die in nichtigen 
Unterschieden begründete Gattung Foecüopompilus Ashm. stimmt 
aber morphologisch mit Batazonus vollkommen überein und auch 
Agenioxenus Ashm. muß hierher gerechnet werden, da die Type, 
Ceropales rufiventris Walsen mit Pompilus interruptus Say, den 
typischen Foecüopompilus, identisch ist. 

Die Klauen haben im Gattungsrahmen mehrere Entwicklungs- 
stufen durchgemacht, denn es gehören hierher die Arten mit über- 
haupt bezahnten {Foecilopompilus) oder bei den cT bifiden und bei 
den 9 mit Ausnahme des ersten Paares bezahnten oder schließlich 
überhaupt bifiden Klauen. Es sind dies große, meist bunt gefärbte 
Wespen, mit einer präfurkalen Kubitalader in den Hinterflügeln, einem 
gewölbten Mittelsegmente und breit quadratischer dritten Kubital- 
zelle. Der Kopf ist kreisrund bis querelliptisch, die Stirn zwischen 
den Augen breit und die Augenränder gegen den gutentwickelten 



206 



Oldrich Sustera. 



Scheitel bei den Weibchen deutlich konvergierend. Mandibeln innen 
mit zwei Zähnen, Klypeus groß, gewölbt, an seiner Basis zweimal 
scharf ausgeschnitten. Pronotum hinten bogenförmig bis schwach 
winkelig, bei den bunten Arten in der Mitte durch eine geschwärzte 
Längslinie geteilt. 

Insoweit die Arten bifide Klauen besitzen, können nur die 
Gattungen Ejrisyron und teilweise Jjio^ues-Männchen in Betracht 
gezogen werden. Episyron ist aber der schuppenartigen Behaarung 
nach gut zu unterscheiden und die Anoplius-Männciieii sind be- 
sonders nach dem längeren ersten Fühlergliede (bei Batasonus nur 
etwas länger als breit, mindestens unten dicht behaart) und großem 
Klanenkamme (bei Batasonus fehlend) zu erkennen. Die Arten mit 
bezahnten Klauen können nur mit einigen Psammochares- Arten 
oder Anoplius- Weibchen verwechselt werden; die letzteren sind 
nach dem flachen Schildchen, kürzeren dritten Fühlerglied, großen 
Klauenkamme etc. zu unterscheiden, die ersteren scheinen da- 
gegen keine festen Grenzen gegen Batasonus zu besitzen, obzwar 
auch da die allgemeine Körperform eine richtige Deutung erlaubt. 
Am besten sind die Weibchen mit bifiden vordersten Klauen zu 
erkennen, da solche Klauen nur noch bei Arachnopliroctonus Ashm. 
vorkommen. Die Letztgenannte Gattung ist auch nur eine etwas 
abweichende :v>^(s-Gruppe, bei welcher das MittelsegmenJ 

etwas ausgeschnitten und die Kubitalader der Hinterflligel inter« 
stitial ist. 

Type: r><ti<i:.<n<nt <tl<it<I/i* Sm. 

Ans dem paläarktisehen Gebiete gehören hierher z. B. Batfa 
zonus festivus Kl., fuUginosus Kl., omatus Kl., quadripunetatus F. 
und truchmenus Mor. sowie auch Ferioni Saund. (9 nec ö"). 

L8. Anoplius Duf. ( L830). 

Lo/ihnpom/filus Rad., Pomplloides lUd. part. (Ashm., Hanks), 
ro)n/>il<>(/(is/ra Ashm., Nnnnopnmpilns Ashm., Pompi- 
Iinhs Ashm., Aphiloclmus Ashm. ( Ararlniophila Ashm.?). 
Eine große, natürliche Gruppe, welche aber einen genetische! 
Wert kaum verdient. In größerem Maße wurde dieser Name zuerst 
von Lepelletier (flist uat. Ins. Hym., III, L845) benützt, und 
zwar für solche Wegwespen, welche keinen Tarsenkamm haben, 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 207 



so daß diese Gattung- aus einigen späteren Pompilus- Arten, Pseud- 
agenia, Agenia und vielen Männchen anderer Gattungen zusammen- 
gesetzt war. Deshalb wurde sie später nicht berücksichtigt und 
kam erst als Ersatz für den laut Fox präokkupierten Namen Pom- 
pilus wieder zur Geltung. Ashmead benützte aber bei der Teilung 
der alten Gattung Pompilus (Anoplius) die Benennung Anoplius 
für solche Pompiliden, welche durch A. nigerrimus Scop. repräsen- 
tiert sind, was auch der ursprünglichen Deutung Lepelletiers noch 
am besten entspricht. Die ganze, wirklich durch A. nigerrimus Scop. 
repräsentierte Gruppe wurde jedoch bis jetzt nicht erkannt, sondern 
in einige, wie ich meine, künstliche Gattungen (resp. Untergattungen) 
zerlegt. 

Zu Anoplius müssen solche bisherige Pompilus- Arten gehören, 
welche im weiblichen Geschlechte bezahnte, im männlichen Ge- 
schlechte aber bifide Klauen mit gut entwickeltem Klauenkamme 
besitzen, bei denen das Mittelsegment gewölbt ist (oft mit einer 
Längsfurche in der Mitte) und wo bei den Weibchen das letzte 
Dorsalsegment des Abdomens mit dicken Borsten mehr oder 
weniger dicht besetzt ist. Solche Merkmale findet man aber nicht 
nur bei Anoplius im Sinne Ashmeads, sondern auch bei Lopho- 
pompilus Rad. (— Pompilogastra Ashm., wie bereits N. Banks 
zeigte) und Pompiloides, wie diese Gattung N. Banks deftiniert 
(Pompilinus Ashm.). Außerdem gehört hierher der Type nach Aplti- 
loctenus Ashm. und der Beschreibungen nach auch Nannopompilus 
Ahsm. (Die Gattung Arachnophila Ashm. scheint auch als Synonym 
hierher zu gehören, ich kenne aber den typischen Pomp, divisus 
Cress. nicht, um es mit Sicherheit sagen zu können.) N. Banks 
unterscheidet zwar Pompiloides als eine eigene Gattung und reiht 
Lopliopompilns und Anoplius als Untergattung zu Psammochares, 
aber die Unterschiede, welche für diese Trennung benützt erscheinen 
(behaartes oder bereiftes Mittelsegment, ausgeschnittener Klypeus 
und das Fehlen des Dorsalk^ammes), halte ich nicht für .so wichtig, 
um die bereits oben angeführten gemeinsamen Merkmale aller 
dieser drei Gruppen in den Hintergrund zu verdrängen. Es sind 
dies vielleicht nur für die Gruppierung der Arten brauchbare Unter- 
schiede, da sie bei den sonst verwandten Arten variieren und teil- 
weise nur bei den Weibchen vorkommen. 



208 



Olclfich Sustera. 



Die Männchen können einerseits mit Pompiloides (wie diese 
Gattung in dieser Arbeit begriffen ist), andererseits mit Batazonus 
verwechselt werden, sind jedoch von den ersteren durch das hinten 
nicht auffallend dicht behaarte Mittelsegment, von den anderen durch 
die bereits beim Batazonus angeführten Merkmale gut zu unterscheiden. 
Sehr schwer ist aber oft die Trennung der Weibchen von Psammo- 
chares, da die dicken Borsten am Ende des Hinterleibes hie und 
da verdeckt, abgerieben oder auch nicht gut entwickelt sind. 

Type: Anoplius nigerrimiis Scop. 

Hierher gehören z. B. approximatus Sm., piliventris Mor., 
chalybeatus Schiödte, dispar Dahlb., fuscus L. (viaticus F.), sama- 
riensis Pal. etc. 

19. ^Pedinaspis Kohl (in diesen „Verhandlungen", 1884, part.). 

Parapompilus Cress. nec Sm., Meracus Tourn. 

Nach dem, was bereits bei der konvergenten Gattung Clavelia 
Luc. über diese Gattung gesagt wurde, gehören hierher nur solche 
bisherige Pedinaspis Kohl-Arten, bei welchen die Basalader inter- 
stitial, Klauen bezalint und das zweite Ventralsegment des Abdomen 
ohne eine Querfurche ist. Die Kopfform sowie auch die Verkürzung 
der vordersten Klauen ist dieselbe wie bei Clavelia. Die dritte 
kubitalzelle ist entweder quadratisch oder triangulär. Die Männchen 
sind schwer fod einigen Psammochares-Mihmvhcn zu unterscheiden, 
da der Klypeus der dichten Behaarung wegen oft nicht gut zu sehen 
im und die anderen, hei den $ so abweichenden Merkmale entweder 
überhaupt nicht oder mir schwach entwickelt sind. 

Type: Pedinaspis opercidatus Kl. 

Soweit mir hekannt ist, gehören hierher weiter: alligatns Tourn., 
AuriiriKnisi Tourn., burrphtdns Tourn., crassUarsis Costa, Damryi 
Tourn., plicatus Costa« 

1 Sericopompilus 4shm, (Oanad. Entom., L902). 
Agenoideus Ashin., Aporoideu* Ashm. 

Diese Gattung stellt eine kleine Sippe, früher zu Pompilm 

gerechnetes Wespen vor, «reiche durch ihre Flllgelnervatur und 
leidenartig bereiftes Mittelsegment charakterisiert int. Der vorderste 

IfetatarSOI bat BWel oder drei zwar ziemlich langt;, jedoch schwache 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 



209 



Kammborsten (9). N. Banks rechnet in seiner bereits in der Vor- 
rede zitieren Arbeit zu Sericopompilus auch die Gattung Agenoideus 
Ashm., da er die Type der letztgenannten Gattung, Pompilus humilis 
Cress., als einen Sericopompilus betrachtet. Aber auch Aporideus 
Ashm. muß als Synonym hierher gestellt werden, denn die Type 
dieser Gattung, Pompilus sericeus Lind., ist mit den amerikanischen 
Sericopompilus- Arten kongenerisch. Ob hier auch solche Arten vor- 
kommen, bei denen die Klauen bei den Weibchen bifid sind, wie 
es Ashmead schreibt, ist mir nicht bekannt. 
Type: Sericopompilus sericeus Lind. 

Hierher muß außer var. nubecula Costa z. B. acrobates Fert., 
cinctellus Lind., gentilis KL, pubescens Mor., etc. gestellt werden. 

21. JPsammochares Latr. (Pr6c. car. g6n. Ins., 1796). 

Pompilus F. (Anoplius Lep.), Pycnopompilus Ashm., Sophro- 
pompilus Ashm., Schis anoplius Cam., Ridestus Bks. 

Alle phylogenetisch alten Gattungen, welche den Ursprung 
den in gewissen Richtungen mehr differenzierten Formenkreisen 
gaben, sind besser negativ als positiv zu charakterisieren, denn 
unter solche Gattungen gehören alle Arten, deren morphologische 
Entwicklung nicht so weit fortgeschritten ist, um ein begründetes 
Abtrennen zu erlauben. Eine solche Gattung stellt uns auch Psam- 
mochares vor. Am besten wäre es, zu sagen, daß hierher alle 
Psammocharinae gehören, welche nicht gut unter andere Gattungen 
dieser Unterfamilie eingereiht werden können; die Zahl solcher 
Arten ist auch nach Vermehrung selbständiger Gattungen gar nicht 
gering. Diese Arten bilden mehrere Artenkreise, welche aber (be- 
sonders im männlichen Geschlechte) nicht durch feste Merkmale zu 
unterscheiden sind, sondern allmählich ineinander übergehen. So- 
weit mir bekannt ist, könnte noch nur eine einzige, durch ein 
hinten abfallendes, auf jeder Seite in einen kegelförmigen Fortsatz 
ausgezogenes Mittelsegment gekennzeichnete Gruppe (sexmaciäatus 
Spin.) eine selbständige Gattung bilden. Einige von anderen Gruppen 
| haben aber bereits ihren Namen erhalten. Das phylogenetisch älteste 
Element, die Gruppe, wohin alle Arten mit quergerunzeltem Mittel- 
segmente (mindestens bei den 9) gehören, wurde neuerdings von 
N. Banks Bidestus benannt. Aber diese Gruppe kann schwer als 

Z. B.Ges. 62. P,d. 14 



210 



Oldrich Sustera. 



eine selbständige Gattung- betrachtet werden, da sich die Quer- 
runzelung bei den cT allmählich verliert und mehrere Übergänge 
zu den anderen Gruppen bildet. Außerdem hat bereits früher Ca- 
meron für dieselbe Gruppe den Namen Schis anopliiis (Ree. Albany 
Mus., 1904) angewendet. (Die mir in beiden Geschlechtern bekannte 
Type, S. violaceipennis Cam., ist nur eine unserem P. rufieeps Ev. 
sehr nahestehende Art und P. rufieeps Ev. sowie auch z. B. vespi- 
formis KL, melas KL, cliens Kohl, apicalis Lind. etc. bilden eben 
diese Gruppe.) Die bekannte Gruppe P. pectinipes Lind, bekam 
weiter den Namen Sopliropompilus Ashm. und die Gruppe endlich, 
welche in Europa durch P. fumipennis Dahlb. vertreten ist, den 
Namen Pycnopompilus Ashm. 

Die Benennung Psammochares Latr. wurde erst in neuester 
Zeit für diese Gattung, welche früher allgemein Pompilus F. hieß, 
in Gebrauch genommen, da sie um zwei Jahre älter ist. Den An- 
laß dazu gab eigentlich Fox (Ent. News Philad., 1901), nach dessen 
Anschauung der Name Pompilus präokkupiert war. Deshalb be- 
antragte er statt Pompilus die Benennung Aporus Spin, und für 
die ganze Familie statt Pompilidae den Namen Ceropalidae. Nach 
ihm wurde auch die Familie oft Ceropalidae genannt, aber für 
Pompilm später nieist der Name Anoplius Lep. (Duf.) gebraucht. 
\\ . A. Schulz zeigte zwar noch (llym. Stud., 1905), daß Pom 
pilu8 F. nicht als präokupiert zu betrachten ist, aber N. Banks 
hat im Jahre 1910 zuerst auf den ältesten Gattungs- und deshalb auch 
Familiennamen Psammochares Latr. hingewiesen (Journ. of the New 
Kork, Ent. Sog.). Neuerdings ist auch W. A. Schulz geneigt (Zool. 
Annal.. l'.'ll), den Namen Psammochares, resp. Psammoeharidae 
anzunehmen. 

Da alle bis jetzt angegebenen Typen an andere Gattungen 
yergeben sind oder unter diese Gattungen eingereiht werden müssen, 
wärt- \ iellcieht gut, nun den Psammochares plumbeus F. als Type 
zu wühlen. 

' PlatUceps Latr. (Nouv. dick bist, oat., L822). 

Aporm ToaiH, nee Spin. 

Mehrere sonderbar gestaltete Wegwespen mit nur zwei Kubital« 
/.eilen, bei denen der Kopf vorne abgeflacht und der Klypeus ver- 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 



211 



engt ist, die Fühler tief unten stehen, das Pronotum mehr oder 
weniger verlängert und die vordersten Tibien verdickt sind, kann 
man gut von den anderen Wespchen mit nur zwei Kubitalzellen 
trennen. Ich stimme mit der Meinung- des W. A. Schulz überein, 
daß diese Gattung mit Pedinaspis Kohl nicht vereinbart werden 
kann, denn es handelt sich da um zwei verschiedene Entwicklungs- 
richtungen: bei Plcmiceps neigt der Klypeus zur Verkürzung, bei 
Pedinaspis zur Verlängerung. Die Männchen sind von ähnlichen 
Aporus-Ai'ten oft sehr schwer zu unterscheiden, da ihnen die bei 
den 9 so auffallenden Merkmale fast fehlen oder viel schwächer 
entwickelt sind. 

Type: Planiceps Latreillei Lind. 

Hierher gehören: castor Kohl, fidviventris Costa, hirtipennis 
Saund., Eadosskowskii Tourn. 

23. Aporus Spin. (Ins. Lig., II, 1808). 

Wenn hier die Synonymie nicht angeführt erscheint, so ist es 
durch die künstliche Begrenzung dieser Gattung begründet. Bereits 
F. F. Kohl hat darauf hingewiesen, daß Aporus Spin, als eine 
selbständige Gattung nicht bestehen kann, da er aus verschiedenen 
Elementen zusammengesetzt ist und aus diesem Grunde hat der 
genannte Hymenopterolog mehrere J^on<s-Gruppen zu den be- 
treffenden Pomp i^<s-Gruppen eingereiht. W. A. Ashmead war dann 
bestrebt, durch Zerlegung der alten Gattung in mehrere neue Gat- 
tungen diesen Übelstand zu beseitigen. Mein Material ist leider zu 
gering, um eine bessere Übersicht zu erlauben und vor allem fehlen 
mir auch die meist bis jetzt unbekannten Männchen von mehreren 
Arten, so daß der Versuch einer natürlichen Gruppierung der Arten 
leicht mißglücken könnte. Fast alle Arten, welche nur zwei Kubital- 
zellen besitzen, sind aus der Unterfamilie Psammocliarinae ent- 
standen, jedoch aus verschiedenen Gruppen, resp. Gattungen und 
gewiß auch in verschiedener (geologischer) Zeit, so daß sie mor- 
phologisch und phylogenetisch keine homogene Gruppe bilden. 
Dieser Verlauf ist vielleicht noch nicht beendet, denn wie N. Banks 
(1911) schreibt, ist die Type des Melanaporus Ashm. nur eine 
Form des Anoplius (bei Banks Pompiloides) argenteus Cress. mit 
nur zwei Kubitalzellen. Etwas Ähnliches können wir zwar hie und 

14* 



212 



Oldfich Sustera. 



da auch bei den anderen Psammocharinen wahrnehmen, es ist 
dies aber immer nur eine Abnormalität in der Nervatur, welche 
sehr leicht von der Flügelnervatur der wahren Aporiden zu unter- 
scheiden ist. Diese gemeinsame Entwicklungsrichtung, welche 
schwer durch eine funktionelle Adaptation zu erklären wäre, spricht 
für die große phylogenetische Verwandtschaft vieler Gattungen der 
Unterfamilie. 

Unter die Gattung Aporus in diesem breiten Sinne fallen, 
soweit mir bekannt ist, folgende neuere Gattungen: Evagetes Lep., 
Telostegus Costa, Actenopoda Ashm., Xenaporus Ashm., Gonaporus 
Ashm., Aporinus Ashm., Melanaporus Ashm., Microphadnus Cam. 
und Aporinellas Bks. Es wäre der leichteren Übersicht wegen viel- 
leicht besser, die Apoms-kxiva Dß i der späteren Zerlegung der 
Gattung nicht an die Gattungen oder Gruppen mit noch drei Kubi- 
talzellen direkt anschließen zu wollen, sondern als selbständige 
Gattungen zu betrachten, da die verminderte Zahl der Kubitalzellen 
gewiß einen systematischen Wert hat, obzwar die natürliche Ver. 
wandtschaft meist noch ersichtlich ist; so z. B. der wahren Gattung 
Aporus der Type nach mit der Psammochares trivialis Dhlb. -Gruppe, 
der Gattung Evagetes mit der Soph/ropornpilus-QYXJLißpe, der Gattung 
Aporinellus (Kohls 14. Gruppe) mit der Psammochares sexmaem 
latus Spin. -Gruppe etc. 

Type: Aporus imicolor Spin. 

3. Subfam. Ceratopalinae. 

24. Veratopales Latr. (Pr6c. ear. g6n. Ins., L796). 

Die einzige Gattung der Subfamilie Ceropales oder nach W. A. 
Schulz besser ( 'rralojjalrs Latr. ist nach den in der analytischen 
I bergicbl angeführten .Merkmalen leicht zu erkennen, da alle hier- 
her gehörenden Arten — Parasiten anderer Psammochariden — 
untereinander eine übereinstimmende; Körperform haben. Die Gat- 
tung Agenioxenus Ashm., welche; wegen der verlängerten Oben 
lippe der Type irrtümlich unter diese Subfamilie; von Ashmcad 
eingereiht winde, ist, wie bereits früher gesagt wurde, nur ein 
Synonym von Batazonm Ashm. Eine andere Gattung, welche der 
Qattnng Geratopales ähnlich sein soll, Ceropaleoides Kad. (Bullj 



Die paläarktischen Gattungen der Familie Psammocharidae. 



213 



Soc. nat. Moscou, 1888), blieb mir der bloßen Beschreibung- nach 
rätselhaft. 

Type: Geratopales maculätus F. 

Verzeichnis der Gattungen. 



Seite 

Actcnopoda Ashm 212 

Agenia Schiödte 191 

Ageniella Bks 189 

Agenoideus Ashm 208 

Agenioxenus Ashm 205 

Anoplius Duf 206 

ApJnloctemis Ashm 206 

Aporinellus Bks ; . . 212 

Aporinus Ashm 212 

Aporoideus Ashm 208 

Aporus Spin 211 

Arachnophila Ashm 206 

Arachnophroctonns Ashm. . . . 206 

Batazonus Ashm 205 

Calicurgus Lep 188 

Ceratopales Latr 212 

Ceropcdoides Rad 212 

Chyphononyx Dahlb 187 

Clavelia Luc 193 

Cryptochilus Panz 182 

Ctenocerus Dahlb 193 

Deuter agenia n. nom 191 

Diplonyx Sauss 187 

Episyron Schiödte 204 

Entypus Dahlb 182 

Evagetes Lep 212 

Ferreola Lep 198 

Gonaporus Ashm 212 

Hemipepsis Dahlb 186 

Hemipogonius Sauss 182 

Hemisalius Sauss 198 

Homonotus Dahlb 198 

lsonotus Dahlb 198 

Lissocnemis Kohl 191 

Lophopompilits Rad 206 

Melanaporus Ashm 212 

Meracus Totirn 208 

Microphadnus Cam 212 



Seite 

Micropteryx Lep 191 

Mygnimia Shuck 186 

Xannopompilus Ashm 206 

Pallosoma Lep 186 

Parachyphononyx Grib 201 

Paraferreola n. nom 200 

Parapompilus Sm 191 

Pedinaspis Kohl 208 

Püpomus Costa 189 

Planiceps Latr 210 

Platyderes Guer 198 

Poeciloponqnlus Ashm 205 

Pogonius Dahlb 191 

Pompilinus Ashm 206 

Pompilogastra Ashm 206 

Pompiloides Rad 203 

Pompilus F 209 

Priocnemoides Rad 182 

Prionocnemis Schiödte 187 

Prosalius Auriw 198 

Psammochares Latr 209 

Pseudagenia Kohl 189 

Pseudo ferreola Rad 198 

Pseudopompilus Costa 199 

Pycnopompilas Ashm 209 

Bidcstus Bks 209 

Salius F 182 

Schistonyx Sauss 204 

Schistosalius Sauss 202 

Scliizanoplius Cam 209 

Sericopompilus Ashm 208 

Sophropompilus Ashm 209 

Spilopompilus Ashm 204 

Stenageyiia Sauss 189 

Telostegus Costa 212 

Wesmaelinius Costa 198 

Xenaporus Ashm 212 



214 



F. Siebenrock. 



Testudo chilensis Gray und Testudo 
sulcata Mill. 

Von 

Kustos F. Siebenrock. 

Mit 2 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 7. Mai 1912 ) 

Nach den internationalen nomenklatorischen Regeln hat die 
argentinische Landschildkröte Testudo chilensis Gray, Ann. Mag. 
nat. Hist. (4), Vol. 6, 1870, p. 190, und nicht Testudo argentina 
Sclater, Ann. Mag. nat. Hist. (4), Vol. 6, 1870, p. 471, wie sie in den 
letzten drei Dezennien allgemein genannt wurde, zu heißen. Es war 
von Sclater entschieden ein Akt der Willkür, den Namen chilensis 
in argentina abzuändern, weil die Schildkröte in Chile, wie es sich nach- 
träglich herausstellte, nicht vorkommt. Für die Priorität des Namens 
ist es gänzlich belanglos, ob eine Art an der Örtlichkeit vorkommt, 
nach der sie benannt worden ist, oder nicht. Solche Fälle finden sich 
in der Literatur zu wiederholten Malen vor, ohne daß es Jemanden 
eingefallen wäre, deswegen eine Namensänderung vorzunehmen. 

So hat auch Strauch, MCm. Ac. St.-Petersbourg (7), Vol. 38, 
Nr. 2. L890, p. 50, den Sclaterschen Namen argentina nach dem 
Beispiele Boulengers, Cat., 1889, p. 159, angenommen, obwohl 
er selbst eingesteht, daß die Art nach dem Hechte der Priorität 
chilensis heißen müßte. 

Ferner ist hei der zweiten hier zu besprechenden, abissi- 
Dischen Spornschildkröte der bisher gangbar gewesene Name Tes/ndo 
calcorata Schneider, Samml. venu. Abhandl., 17H4, p. 317, in den 
ursprünglichen Namen Testudo sulcata Miller, Icon. anim. et plant., 
London, 177») 1782, umzuändern. Diese; Art, wurde schon 177!) 
ron .i"lin I i< (l. Miller auf Tafel 26 nach der Natur abgebildet und 
sowohl in der Tafelerklärung als auch auf der Tafel selbst als Tcslndo 
sulcata bezeichnet Die drei Figuren der zitierten Tafel in Grofl 
folio, welche Schneider bedeutend verkleinert, wiedergegeben hat, 
Stellen die Schildkröte mit den charakteristischen Merkmalen, aus- 



Testudo chilensis Gray und Testudo sulcata Mill. 



215 



genommen die zu starke Wölbung- der Rückenschale, so treffend 
dar, daß sie auch ohne den fehlenden Text leicht zu erkennen ist. 
Somit kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, daß Miller und 
nicht Schneider das Prioritätsrecht für den Namen dieser Art hat. 

Millers künstlerisches Tafel werk, das ich in der hiesigen 
Fideikommißbibliothek des Kaiserhauses einzusehen Gelegenheit 
hatte, führt kein Titelblatt, sondern es beginnt sofort mit den 
Tafelerklärungen, welche bei der Tafel 26 lautet: „Linn., Syst. Nat., 
Class. III, Ord. I, Genus C XIX, spec. — Habitat: in India occi- 
dentalis". Das Werk dürfte in Lieferungen erschienen sein, deren 
Umschläge den interimistischen Titel in Parenthesen: „[Icones ani- 
malium et plantarum] of [London] 1776 — 82" geführt zu haben 
scheinen. So lautet auch das Zitat in C. D. Sherborns Index 
animalium, 1892. Dagegen hat das Werk in Engelmanns Bibl. 
Hist. Nat., 1846 folgenden Titel: „Various subjects of natural hi- 
story, wherein are delineated birds, animals, and many curious 
plants, all of which are drawn and coloured from nature (In Nos) 
in Imp. fol. London 1785". Daß diese Jahreszahl nicht richtig 
sein kann, erhellt aus der Tatsache, daß Schneider die Mi 11 er- 
sehe Tafel in seinen Samml. verm. Abhandl. kopiert hat, und die 
sind 1784 erschienen. 

Über die Abänderung des Mi 11 ersehen Namens Testudo sul- 
cata von Seiten Schneiders in Testudo calcarata schreibt Strauch, 
1. c, folgendes: „Daß Schneider den Mill ersehen Namen als nicht 
geeignet verworfen und durch eine mehr zutreffende Benennung 
ersetzt hat, ist eine Eigenmächtigkeit von seiner Seite, die schon 
deshalb nicht gebilligt werden kann, weil es zu einer heillosen 
Konfusion in der zoologischen Nomenklatur führen würde, wenn 
jeder sich herausnäh me, einen ihm aus irgend einem Grunde nicht 
zusagenden Namen nach Belieben abzuändern." Dabei hat aber 
Strauch ganz übersehen, daß er bei Testudo chilensis Gray auf 
der vorhergehenden Seite seiner Abhandlung den gleichen Fehler 
wie Schneider begangen hatte. 

Testudo chilensis Gray wurde bis 1870, wo sie Gray, 1. c, 
als eine selbständige Art beschrieben hat, mit Testudo sulcata Mill. 
für identisch gehalten, obwohl diese Schildkröte schon Dumeril 
et Bibron, Erpet. gen., Vol. 2, 1835, p. 75, nach einem jungen 



216 



F. Siebenrock. 



Exemplar von d'Orbigny bekannt war. Über diese Tatsache hat 
bereits Strauch, M6m. Ac. St.-Petersbourg (7), Vol. 38, Nr. 2, 1890, 
p. 51, in ausführlicher AVeise berichtet. Strauch, Chelon. Stud., 
1862, p. 7 ( .) ? war der Erste, welcher dagegen Bedenken erhob, daß 
Testudo sulcata MilL, eine ausgesprochen afrikanische Art, auch in 
Patagonien endemisch sein könne. Da aber Strauch kein Exem- 
plar zu sehen Gelegenheit hatte, wagte er es nicht, dieselbe als 
eine neue Art anzusprechen. Dies geschah erst von Gray, 1. c, 
nach einem lebenden Exemplar, das in den zoologischen Garten 
in London gelangt war. 

Bisher war es nicht leicht, die beiden Arten Testudo chilens^ 
Gray und Testudo sulcata Mill., abgesehen von ihrer bedeutenden 
Verschiedenheit in der Größe bei ausgewachsenen Individuen, nach 
den gangbaren Diagnosen streng unterscheiden zu können. Selbst 
die Beschreibungen von Boulenger in seinem gewiß ausgezeich- 
neten Schildkrötenkatalog bringen so wenige und nicht genug präg- 
nante l liierseheidungsmcrkmale der beiden Arten, daß man kaum 
im Stande ist. darnach Exemplare mit absoluter Sicherheit bestimmen 
zu können, wenn zuverlässige Fundortsangaben fehlen. Sogar die 
Form der Schale, welche als ein besonderes Unterscheidungsmerk- 
mal hervorgehoben wird, gibt keinen absolut sicheren Anhaltspunkt 
zur Trennung der beiden Arten, denn sie variiert sogar nach In- 
dividuen sehr stark. Insbesondere bei größeren Exemplaren von 
Trslmlo sulcata Mill. übertrifft die Länge der Schale ihre Höhe 
mehr als um das Doppelte, wie die nachfolgende Zusammenstellung 
ror Augen fQhrt. Nach den bisherigen Erfahrungen sollte dies 
aber bl<>({ bei Testudo chilensis der Fall sein. 



Ii IkiIo Llingo 
'l'iltnsi» 1 der Schale 


Ihre Höhe 


Testuäo 

SU I Cd tu 


Länge 

der Schule 


ihre Höhe 




1. M2 min 


Di nun 


1. 


180 nun 


(!7 min 




2. 1.V7 # | 


71 „ 


2. 


m n 


94 „ 






88 ff ' 


8. 


890 n 


1 80 n 




4. m * 




4. 


480 „ 


195 n 




5. 108 „ 


1 




490 u 


280 n 





Testudo chilensis Gray und Testudo sulcata Mill. 



217 



Aber trotz der großen Ähnlichkeit im Habitus der beiden 
Schildkröten glaube ich dennoch einige Merkmale gefunden zu haben, 
durch die sich Testudo chilensis Gray mühelos von Testudo sulcata 
Hill, sofort unterscheiden läßt. Dazu gehört in erster Linie die 
Form und Beschaffenheit der Axillaria, die ja auch bei den Testudo- 
Arten der Geometrica-GcYuipipe eine nicht unwesentliche Rolle spielen, 
wie ich (Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss., Wien, Bd. 113, 1904, 
p. 307) nachgewiesen habe. Auch bei lestudo chilensis Gray und 
Testudo sulcata Mill. zeigen die Axillaria ein so verschiedenes, aber 
zugleich konstantes Verhalten, daß ein Blick auf diesen Teil der 
Schale genügt, um die beiden Arten mühelos unterscheiden zu 
können. Die Axillaria sind nämlich bei Testudo chilensis Gray. 
Fig. 1, stets in zwei .Hälften, Ax. 1 und Ax. 2, geteilt, bei Testudo 
sidrata Mill., Fig. 2, Ax., aber einfach. Die beiden Hälften der 
ersteren Art gleichen sich bei jungen Tieren nahezu an Größe, bei 
zunehmendem Wachstum der Schale aber übertrifft der hintere Schild 
den vorderen bedeutend an Breite und zuweilen auch an Länge. 
Die Axillaria sind bei Testudo sulcata Mill. groß und breit, immer 
einfach; nur ist zwischen diesen und dem vorderen Piastrallappen 
ein kleines Schildchen (Fig. 2, y) eingefügt, das den losgetrennten 
Fortsatz des Humeralschildes vorstellen dürfte. Angenommen, dieses 
kleine Stück sei bei Testudo sulcata Mill. auch als ein Teil des 
Axillare aufzufassen, so läge in der Größenverteilung der Axillaria 
der beiden Arten ein so krasser Unterschied vor, daß dieselben 
unmöglich verwechselt werden könnten. 

Ebenso scheinen mir die übrigen Merkmale, welche den nach- 
folgenden Beschreibungen neu hinzugefügt wurden, die beiden Arten 
viel schärfer zu trennen, als es bisher der Fall war. 

Testudo chilensis Gray. 

Testudo (Gopher) chilensis Gray, Ann. Mag. nat. Hist. (4), 

Vol. 6, 1870, p. 190. 
T. argentina Boulenger, Cat. 1889, p. 159. 
T. argentina Siebenrock, Synopsis, Zool. Jahrb., Sappl. 10, 

Heft 3, 1909, p. 521. 
Rückenschale stark deprimiert, Vorder- und Hinterrand auf- 
wärts gebogen und gesägt, sechstes Marginale immer schmäler als 



218 



F. Siebenrock. 



Ax.1. 



das erste Costale; Nuchale nicht vorhanden, Supracaudale ungeteilt; 
Schilder stark gefurcht; Vertebralia viel breiter als lang- und min- 
destens ebenso breit wie die entsprechenden Costalia. 

Plastron groß, Vorderlappen schmäler als der Hinterlappen 
und als die Brücke, Gulargegend etwas verlängert und bifid, Hinter- 
lappen tief ausgeschnitten. Pectoralia 
in der Mitte sehr schmal, gegen die 
Seiten hin allmählich breiter werdend; 
gulare Mittelnaht ungefähr halb so lang 
wie die humerale und länger als die 
pectorale; Axillaria in zwei Schilder ge- 
teilt, von denen der vordere Schild ge- 
wöhnlich schmäler als der nachfolgende 
ist; Inguinalia mäßig groß, ziemlich breit; 
Kopf mäßig groß, zwei deutliche Prä- 
fontalia immer, ein Frontale seltener vor- 
handen; Schnauze kurz, Kiefer in der 
Mitte hakenförmig vorspringend tri- 
kuspid; Kieferkanten stark gezähnt; auf der Alveolarfläche des 
Oberkiefers eine stark höckerige Mittelkante vorhanden; Vorder- 
fläche des Vorarmes mit ungleich großen Schuppen bedeckt, welche 
kurz und breit sind; auf der Plantarfläche des Fußes große Schuppen 
vorhanden, welche an der Ferse am größten sind, aber nicht sporn- 
artig hervorragen; eine Gruppe großer, hornartiger Tuberkel auf 
der I linterfläche des Oberschenkels vorhanden. 

Etttckenschale dunkelbraun, die Areolen der Schilder gelb ge-j 
färbt; Plaatron schmutziggelb, in der Mitte braun gefärbt, eine 
große, mehr oder weniger regelmäßige Figur bildend; Kiefer und 
Krallen der Gliedmaßen immer schwarz gefärbt. 




Fig. 1. Testudo chilensis Gray 

Linke Axillargegend. 



Testudo »ulcata JWill. 

l< tudo sulcata Miller J. F., Econ. anim. et plant,, London, 

177«; 82, Taf. 96; 
'/'. ealcarata Boulcnger, Oat. JHSU, p. 159. 



x ) Di« Original«! z.n den beiden Textfiguron wurden von meinem Kollege! 
Herrn Or. V PfettOhlDftDI angefertigt, wofür ich Ihm herzlichst danke. 



Testudo chilensis Gray und Testudo mlcata Mill. 



219 



T. calcarata Siebenrock, Synopsis, Zool. Jahrb., Sappl. 10, 

Heft 3, 1909, p. 521. 
T. calcarata Masi L., Boll. Soc. zool. Italiana (2), Vol. 12, 

1911, p. 31. 

Rückenschale stark deprimiert, Vorder- und Hinterrand auf- 
wärts gebogen und gesägt; sechstes Marginale viel breiter, sogar 
oft doppelt so breit als das erste 
Costale ; Nuchale nicht vorhanden, 
Supracaudale ungeteilt; Schilder 
stark gefurcht, Vertebralia viel 
breiter als lang und mindestens 
ebenso breit als die entsprechen- 
den Costalia. 

Plastron groß, Vorderlappen 
breiter als der Hinterlappen und 
breiter oder mindestens ebenso 
breit wie die Brücke; Gular 
gegend etwas verlängert und bifid; 
Hinterlappen tief ausgeschnitten; 
Pectoralia in der Mitte sehr schmal, 
gegen den Axillarausschnitt hin 
plötzlich breiter werdend; gulare Mittelnaht halb so lang wie die 
humerale und doppelt so lang als die pectorale; Axillaria einfach, 
groß; Inguinalia mäßig groß, schmal; Kopf mäßig groß, zwei deut- 
liche Präfrontalia und ein großes Frontale vorhanden; Schnauze kurz, 
Kiefer in der Mitte hakenförmig vorspringend, trikuspid; Kiefer- 
kanten stark gezähnt; auf der Alveolarfläche des Oberkiefers eine 
stark höckerige Mittelkante vorhanden; Vorderfläche des Vorarmes 
mit ungleich großen Schuppen bedeckt, welche besonders an der 
Ulnarkante lang und zugespitzt sind; Schuppen auf der Plantar- 
fläche des Fußes klein, an der Ferse sind sie groß und ragen 
spornartig hervor; zwei bis drei lange, spitze Tuberkeln auf der 
Hinterfläche des Oberschenkels vorhanden. 

Rückenschale lichtbraun, die Areolen der Schilder hellgelb 
gefärbt; Plastron durchaus gelb; Kiefer und Krallen der Gliedmaßen 
immer hornfarben, also licht gefärbt. 




220 



K. Babic und E. Rößler. 



Beobachtungen über die Fauna von Pelagosa. 

Von 

Prof. Dr. K. Babic und Prof. Dr. E. Rößler. 

(Eingelaufen am 8. Mai 1912.) 

Mit Unterstützung der südslavischen Akademie für Wissen- 
schaft und Kunst in Agram, welcher wir auch an dieser Stelle unseren 
herzlichsten Dank aussprechen, unternahmen wir Mitte Mai 1911 
eine längere zoologische Sammelreise auf die Insel Lissa, wo wir in 
Comisa unser Hauptquartier aufschlugen. Während unseres Aufent- 
haltes auf Lissa wollten wir uns die sich bietende Gelegenheit, 
auch die weltferne Inselgruppe Pelagosa zu besuchen, nicht ent- 
gehen lassen und stachen am 23. Mai 7 Uhr morgens auf einer 
Segelbarke in See, um am Abend desselben Tages um 9y 2 Uhr 
auf dem Felseneilande zu landen. Hier verbrachten wir 4 Tage 
(24. — 27. Mai) und verließen am 28. Mai 8 Uhr morgens wieder 
die einsame Insel, um nach langwieriger Fahrt erst am 29. Mai 
um dieselbe Zeit am Morgen in Comisa wieder an Land zu gehen. 

Line ausführliche Beschreibung von Pelagosa hier zu geben, 
haiteil wir für vollkommen überflüssig, da dies bereits von E. 
(lalvagni in diesen „Verhandlungen" (Bd. LII, 1902, p. 362) auf 
p. 364 und von Dr. A. Ginzberger in seinem Artikel „Fünf Tage 
auf Österreichs fernsten Eilanden" in der Zeitschrift „Adria" 
i .Jahrg. III, 191 1, p. 161) mit großer Genauigkeit geschehen ist. 

Während unseres Aufenthaltes auf der Insel durchstöberten 
wir dieselbe mit kleinen Unterbrechungen täglich mehrere Male, 
besuchten auch am 20. Mai Pelagosa piecola und widmeten unsere 
ganz« Zeil der Sammeltätigkeit und der Beobachtung der gesamten 
'l ierwelt 

Am Abende hatten wir dann noch Gelegenheit, die auf PelaJ 
gosii befindlichen Comisaner Fischer zum Sardellenfange ZU bc- 
gleiten und ergötzten uns dabei an dein Treiben der den Fischern 
verhauten Delfine, nrelche oft zu 60, 60 und vielleicht auch mehr 
Sttick unsere Fischerbarke in tollem Treiben umgaukeltcn, sich 
nicht um die wii den Fischern auf sie abgegebenen Schlisse kümj 



Beobachtungen über die Fauna von Pelagosa. 



221 



mernd und ihnen durch das Vertilgen einer Unmasse von Sardellen 
und Zerreißen ihrer Netze sehr erheblichen Schaden zufügend. 
Diese Episoden erwähnen wir nur zu dem Zwecke, um das massen- 
hafte Vorkommen des Delfins, des einzigen Säugers, den wir wäh- 
rend unseres Aufenthaltes zu Gesicht bekamen, zu konstatieren. 

Im folgenden übergeben wir die zoologischen Ergebnisse 
dieser Exkursion der Öffentlichkeit und erachten es zugleich als 
unsere Pflicht, allen jenen Herren verbindlichst zu danken, w T elche 
uns durch Bestimmung des ziemlich reichhaltigen und verschieden- 
artigen Materials mit großer Liebenswürdigkeit an die Hand gingen. 
Es sind dies: Prof. A. Körle vi 6- Zagreb (Insekten), Prof. Dr. A. 
Steuer-Innsbruck (Plankton) 1 ) und Dr. A. Wagner-Diemlach bei 
Bruck a. d. Mur (Landgastropoden). 

Meeresfauna. 

Von Prof. Dr. K. Babic. 

Über die Meeresfauna von Pelagosa habe ich wegen unseres 
kurzen Aufenthaltes daselbst nicht viel zu sagen. Von den ubiquisti- 
schen Vertretern der adriatischen Litoralfauna werde ich nur einige 
Formen hier anführen, die ich damals trotz der sehr unruhigen See 
flüchtig sammeln konnte, während ich andererseits auch die hier 
massenhaft auftretenden Tierformen, wie z. B. Anemonia sulcata, 
Actinia equina, Aster ■las- Arten und andere nicht erwähnen werde. 

Hervorheben möchte ich, daß sich unter dem gesammelten 
Material zwei interessante und so viel mir bekannt ist, für die 
Adria neue Formen befinden; es sind dies: eine Polychaetenart 
Hermodice carunculata (Pall.) und ein parasitischer Isopode aus der 
Bopyridengruppe, Athelges (Fhryxus) cladoplioms ? Hesse. 

Im Plankton sah ich öfters mehrere Eucharis multicornis Esch, 
schwimmen. 

Auf hoher See hatten sich während unserer Fahrt von Lissa 
nach Pelagosa einige Exemplare von Petromyzon marinus L. am 
Steuer unserer Segelbarke festgeheftet, welche auch erbeutet wurden. 



*) Die Resultate dieser Untersuchungen wurden in diesen „Verhand- 
lungen" (Bd. LXII, 1912, Heft 2, p. 64) veröffentlicht. 



222 



K. Babic und E. Rößler. 



In der Nacht vom 27. auf den 28. Mai näherte sich den 
Sardellenfischern von Pelagosa ein „cavo d'ojo", wahrscheinlich 
Lamna cornnbica Flem., da dieser Volksname nur für diese Tier- 
art im Gebrauche ist. 

Würmer. 

Hermodice carunculata (Pall.), Lange rh ans (Amphinome ca- 
runciäata, Zeitschr. f. wiss. Zoologie, Bd. 33, p. 279, Taf. XIV, 
Fig. 8). — M' Intosh (Report of the Voyage of „Challenger", Vol. 
XII, Part 34, p. 24, PI. V, lila, Fig. 1—4). 

Eine sehr schöne Polychaetenart, welche in mehreren Exem- 
plaren unweit von der Insel Pelagosa erbeutet wurde. Die Fischer 
furchten diesen Wurm sehr, weil seine Borsten bei Berührung sehr 
leicht abbrechen und ein heftiges Brennen auf der Haut verur- 
sachen sollen. 

Krustazeen. 

Von Isopoden sind zu erwähnen Geratothoa oestroides Sch. 
et M. und Idotea acuminata White. Von letzterem erbeutete ich 
nur ein einziges Exemplar, welches 19 mm lang und gelbbraun ge- 
färbt war. In der Mitte des Kopfes ragt ein Höcker mit zwei rot- 
violetten Spitzen hervor, ebensolche Höcker finden sich auch nahe 
dem unteren Bande auf jedem Thoraxsegmente, welche gegen die 
rückwärtigen Partien des Körpers stets schwächer werden. Das 
erste Thoraxsegment ist auch an den Seiten mit einem rotvioletten 
Böcker, das zweite und dritte mit je zwei hintereinander stehen- 
den und die anderen Segmente wieder mit je einem solchen Höckel 
versehen, An den Füssen sind auch am Ende ein oder zwei rötjj 
liehe Blecke zu sehen. Die Schwanzplatte ist gelblichweiß. 

Athelgei (Phrpxus) cladophorus? 1 ) Hesse, d 1 und 9 auf einer 
Pagaridenar! angeklammert. Über diese interessante Bopyridenartj 

•reiche fllr die Adria und überhaupt für das Mediterran bis jetzt 
noch Dicht konstatiert wurde, wird noch an anderer Stelle Näheres 

herielitet werden. 

1 Iii«' BeetimmtiDg dieser Art habe Ich Herrn Dr. A Brian -GcnuJ 
zu rerdaftkeu. 



Beobachtungen über die Fauna von Pelagosa. 



223 



Von den Dekapoden-Makruren wurden erbeutet: 
Palinurus vulgaris Latr. (sehr häufig-), 
Palaemon treülianus Desmarest (2 juv.), 
Eupagurus lucasi Heller, 
Paguristes maculatus Heller (29,1 cT), 
Clibanarius misanthropus Heller. 

Von den Brachiuren: 

Eriphia spinifrons Sav., 
Portunus corrugatus Leach., 
Pachygrapsus marmoratus Stimpson. 

Von den Meeresgastropoden wären zu erwähnen: 
Pisania maculosa (Lam.) Grube, 
Natica hebraea (Martyn) Recl., 
Cassidaria echlnopltora (L.) Lam. 

Von Fischen kamen uns zu Gesicht: Gonger vulgaris Cuv., 
Serranus scriba C. V., S. scabrilla Cuv., Oblata melanura L. 3 Muttus 
barbatus L., Scorpaena scrofa L., Labrus menda L., Goris jidis 
Günther, Crenüabrus mediterranem C. V., G. quinquemacidatus Risso, 
Heliastes chromis L., Trigla (lineata) adriatica L., Maena vulgaris 
C. V., Blennius galer ita L., B. sanguinolentus Pall. und Lepado- 
gaster gouani Lacep. 

Landfauna. 
Gastropoden (bestimmt von Dr. A. Wagner). 
MeUx vermiculata Müller (Zwergform), 
Cocldicella acuta Drap., 
Gantareus apertus Born, 

Ühondrula pelagosana Sturänyi (auf Pelagosa piccola), 
Glausilia gibbula pelagosana Böttg. (auf Pelagosa grande und 
piccola). 

Terrestre Isopoden (bestimmt von Dr. K. Babic). 
Armadälläinm frontirostre B. L. (auf Pelagosa grande und piccola), 
Porcellio laevis Latr. - 

Arachnoideen (bestimmt von Dr. K. Babic). 
Euscorpius carpathicus (L.), mehrere Exemplare, 



224 K. Babic und E. Rößler. 

Thomisus albus (G-mel.) (== onustus Walck.) (I), 1 ) 

Argiope löbata (Pall.) (4), 

Arglope bruennichi (Scop.) (3 5 und Kokone), 

Epeira circe Savig. (1), 

Teuiana grossa C. L. Koch (2), 

Drassodes (Brassus) lutescens L. Koch (3) (auf Pelagosa grau de 

und piccola), 
Bysdera erythrina Latr. (1). 

Myriopoden (bestimmt von Dr. K. Babic). 

Scutigera coleoptrata (L.) (3), 
Lithobius forficatus (L.) (2), 

Mus (Pachyiulus) flavipes C. Koch (3 ad. und 1 juv. Exemplar 
von 2*5 cm). 

Insekten (bestimmt von Prof. A. KorleviC). 
Koleopteren von Pelagosa grande. * 
Oplwnus sahulicola Puz. var. columbinus Germ. (14), 
Banacaea picicomis Küst. (1), 
Blcerca moesta F. (1), 
Oedemera flavipes F. (4), 
Tentyria italica Sol. (auch auf piccola) (12), 
IUa]>s gibba Latr. (16), 

Pedmus meridianus Muls. (auch auf piccola) (14), 
Phylax (Bendaruß) dälmatinus Germ, (auch auf piccola) (6), 
GvnocephaUwi rusticum Oliv. (1), 
Uclojis f/Histfuilins Strm. (1). 

Nur auf Pelagosa piccola: 
llar/jahis (oiebrosus Dej. var. solicri l)ej. (1), 
Stfhosis nugnslala Hrbst. subsp. pelagosana J. Müll. (3), 
PimeUa rugülosa Germ, subsp. pelagosana J. Müll. (5). 

Hymenopteren: 

( '(I)hjh,)ioIhs silruticwi Oliv. var. aeihiops Latr. 
Tetramorium racspifum L., 

l ) in«' Zfthltn in Klammern geben <li<' Anzahl der erbeuteten ICxom- 

|#l;tr«: au. 



Beobachtungen über die Fauna von Pelagosa. 



225 



Aphenogasier barbara L., 
Crematogaster sordidula Nyl. 

Lepidopteren: 

Pieris brassicae L. (I, eine Raupe im August zugeschickt), 

Beilephila euplwrbiae L. (2), 

Macroghssa stellatarum L. (1). 

Saturnia pyri Schiff. (2), 

Acantlwpsyclie opacella? H.-S. (ein Sack), 

Euprepia pudica Esp. (eine Raupe im August zugeschickt). 

Rhynchoten: 

Brachypelta aterrima Forst. (4), 
Globiceps spec? (1, schwach erhalten). 

Orthopteren: 

Loboptera decipiens Germ. (6), 
Ameles decolor Charp. (1), 
Becücus albifrons F. (1). 

Reptilien. 

Von Prof. Dr. E. Roß ler. 

1. Lacerta serpa var. pelagosae Bedr., die einzige endemische 
Vertreterin der so unendlich formenreichen Gruppe der Mauer- 
eidechsen, welche in sehr großer Anzahl das kleine Felseneiland 
Pelagosa grande bevölkert, wurde in 13 Exemplaren erbeutet, und 
zwar waren davon 4 cT , 4 9 und 5 juv. 

Die von P. Kammerer in seiner „Scoglienfahrt" (Zool. Anz., 
Jahrg. LI, 1910, p. 321) auf p. 362 ausgesprochene Meinung, daß 
„die Autotomie des Eidechsenschwanzes auf den Scoglien einge- 
schränkt ist" und dafür sehr häufig Mehrfachbildungen desselben 
dadurch auftreten, daß es nicht so leicht zu vollkommener Ab- 
trennung des alten Schwanzes kommt, scheint für Pelagosa grande 
nicht vollkommene Giltigkeit zu besitzen; unter den 13 Exemplaren 
befinden sich nämlich 5 mit einfach regeneriertem Schwanz, wäh- 
rend bei 3 beim Fange der Schwanz verhältnismäßig sehr leicht 
und rasch abbrach. Von Mehrfachbildungen bekamen wir während 
unseres viertägigen Aufenthaltes überhaupt nichts zu sehen und 
auch später erhielt ich nur einen einzigen solchen Schwanz vom 

Z. B. Ges. G2. Bd. 15 



226 



K. Babic und E. Rößler. 



Sohne des Leuchtturmkommandanten J. Coda, den ich hier noch 
später etwas näher beschreiben werde. 

Die Großenverhältnisse der von uns erbeuteten Eidechsen 
sind folgende: Die totale Länge variiert bei den cT zwischen 186 
und 188 mm, 1 ) bei den $ zwischen 182 und 188 mm, bei denjuv. 
zwischen 144 und 159 mm; die Körperlänge: cT 62 — 74 mm, 9 60 
bis 66 mm, juv. 45—55 mm, worin wir eine Bestätigung der An- 
gabe Werners in „Beiträge zur Kenntnis der Fauna einiger dal- 
matinischer Inseln" (in diesen „Verhandlungen", Bd. LII, 1902, 
p. 362) auf p. 385 sehen, daß die Angabe v. Bedriagas betreffs 
der Kleinheit dieser Rasse nicht stimmt. Kopflänge: cT 14 — 18 mm, 
9 13— 14, juv. 11 — 12mm; Halslänge: cT 9— 10 mm, 9 7— 8 mm, 
juv. 5 — 6 mm; Rumpflänge: cT 39 — 46 mm, 9 40— 45 mm, juv. 28 
bis 36 mm; Schwanzlänge: 9 121 — 122, juv. 90— 127 mm. Schon 
diese Zahlen beweisen uns, daß die cT im großen Ganzen stets 
kräftiger gebaut und größer gewachsen sind als die 9, was durch 
die entsprechenden Zahlen für die Kopfhöhe, Kopfbreite, Pileus- 
breite, Länge der Extremitäten wie auch für den Umfang der ein- 
zelnen Körperteile nur noch bekräftigt wird, von deren Angabe ich 
aber hier Abstand nehmen will. 

Was das Verhältnis zwischen Schwanz- und Körperlänge be- 
trifft, will ich hervorheben, daß die Angabe Lehrs „Zur Kenntnis 
der Gattung Lacerta und einer verkannten Form: Lacerta jonica" 
fZool. Anz., Bd. XXV, 1902, p. 225) auf p. 228, „daß der Schwanz 
bei serpa (auch beim 9) fast nie weniger als doppelt so lang 
wie Kopf und Rumpf zusammen ist", für die var. pelagosae nach 
meinen] Material nicht ganz stimmt, denn bei den 9 ist das Ver- 
hältnis 1 : 1-84 bis 1 : 1*95 und bei den juv. 1 : 189 bis 1 : 2 26 
(in einem einzigen Falle). Ebenso verhält es sich mit der Angabe 
Lehn auf p. 230 fttr das Verhältnis zwischen Kopf- und Körpen 
l&nge bei L. serpa 1:4, denn bei meinen Exemplaren fand ich 
bei den 1:.T11 bis 1 : 342, beiden 9 1:335 bis 1 : 3'71 und 
bei den juv. 1 : bis 1 : 3*58. 

Die Grundfarbe der Oberseite ist bei den cT ein helles Grüns 
nrelobes bei zwei Exemplaren von der RUckenmitte an sukzessive 

Di< '• Ifafio bezichen sich auf Exemplare mit regeneriertem »Schwann 



Beobachtungen über die Fauna von Pelagosa. 227 



in ein Braungrün, resp. Lichtbraun übergeht; bei den 9 hellbläu- 
lich- resp. bräunlichgrün, was auch bei den juv. der Fall ist. Das 
mittlere schwarze Fleckenband entspricht nur bei 2 cT , 1 9 und 
1 juv. der Beschreibung- Bedriagas in „Beiträge zur Kenntnis 
der Lacertidenfamilie", p. 211, während es bei 1 d", 2 9 und 4 juv. 
sich als ununterbrochener schwarzer Längsstreifen längs des ganzen 
Kückens hinzieht und bei 1 c? und 1 9 sich wieder gleich am An- 
fange in eine Längsfleckenreihe auflöst. Die Rumpfseiten zeigen 
nur bei 1 9 und 1 juv. die typischen zwei dunklen Fleckenbänder, 
bei 2 cT sind sie genetzt und bei allen übrigen Exemplaren treten 
hier klar ausgeprägte Augenflecke, hauptsächlich in der rückwär- 
tigen Hälfte, auf. Der Oberkopf ist bei den cf braungrün, in einem 
Falle hell nußbraun, bei den 9 olivgrün, wie auch bei den juv., 
bei denen aber auch die bräunlichgrüne oder hell nußbraune Farbe 
auftritt. Die dunkle Zeichnung auf dem Kopfe ist meist spärlich, 
nur bei 1 cT finden wir große Flecke, bei 1 9 und 1 juv. sehr 
viele kleine Punkte. Kein einziges von meinen Exemplaren zeigt 
eine weiße Unterseite, wie sie Werner (1. c, p. 385) für diese 
Form als die häufigste angibt; bei den cT ist sie bläulich oder 
bläulichgrün, bei den 9 gelblich oder bläulich grüngelb und bei den 
juv. gelblichgrün oder bläulich; 3 cf , 2 9 und 1 juv. zeigen, meist 
am Bauche, einen stärker oder schwächer ausgeprägten rötlichen 
Anflug, während ich bei keinem Exemplare ein kräftiges Rot be- 
obachten konnte, wie es Lehrs (1. c, p. 229) erwähnt. 

2. Lacerta serpa var. adriatica Wem. wurde von uns am 
26. Mai auf Pelagosa piccola in 7 Exemplaren (3 cf, 2 9 und 2 juv.) 
erbeutet. Der Fang war trotz der schwierigen Terrainverhältnisse 
ziemlich leicht, da sich die Eidechsen, wahrscheinlich wegen des 
ungünstigen Wetters und herrschenden starken Windes, unter Stei- 
nen aufhielten, nach deren Fortwälzung sie stets einen Augenblick 
verdutzt ausharrten und verhältnismäßig leicht erhascht werden 
konnten. Alle Exemplare sind mit Ausnahme eines 9 mit regene- 
riertem Schwanz vollkommen unversehrt. 

Die totale Länge meiner Exemplare beträgt bei den cf 180 
bis 190 mm, bei den 9 184 mm und bei den juv. 125 — 157 mm; 
Körperlänge: c? 67 — 70 mm, 9 67 mm, juv. 47 — 63 mm, was die 
Angabe Werners (1. c, p. 386), daß diese Form hinter jener von 

15* 



228 



K. Babic und E. Rößler. 



Pelagosa grande nicht zurücksteht, vollkommen bestätigt. Kopf- 
länge: cf 15 — 17 mm, 9 14mm, juv. 11 — 14 mm; Halslänge: d 71 
9 — 10 mm, 9 8 mm, juv. 6 — 8 mm; Rumpflänge: cT 43— 44 mm, 
9 45 mm, juv. 30 — 41mm; Schwanzlänge: cT 112 — 121mm, 9 
117 mm, juv. 78 — 94 mm. Auch bei dieser Form sind die cf meist 
kräftiger und größer, was auch noch aus den anderen Dimensionen 
ersichtlich ist, welche ich aber auch hier nicht näher anführen will. 

Die schon bei var. pelagosae erwähnte Angabe Lehrs, das 
Verhältnis zwischen Schwanz- und Körperlänge betreffend, stimmt 
nach meinem Material auch für var. adriatica nicht, denn dasselbe 
ist bei den cf 1 : 157 bis 1 : 1*75, bei den 9 1 : 174, bei den juv. 
1 : 148 bis 1 : 165. Dasselbe ist auch bei dem Verhältnis zwischen 
Kopf- und Körperlänge der Fall, welches bei den cf 1 : 311 bis 
1 : 3 46, bei den 9 1 : 3 78 und bei den juv. 1 : 3*27 bis 1 : 3-50 
beträgt. 

Die Grundfarbe der Oberseite ist bei den cf graugrün oder 
blaugrau, bei den 9 und juv. tritt außer letzterer Farbe auch noch 
braungrün auf. Das dunkel graubraune mittlere Fleckeoband ist 
bei 1 cf und 1 9 vollkommen in unzusammenhängende Flecke 
aufgelöst, während es bei 1 cf und 1 juv. in der vorderen Rücken- 
hälfte aufgelöst, in der rückwärtigen aber zu einem Längsstreifen 
zusammengeflossen ist; bei 1 9 endlich bildet es eine in ihrer 
ganzen Länge zusammenhängende Fleckenreihe. Die Rumpfseitel 
entbehren bei 2 c? vollkommen jeder Längsstreifung, welche bei 
1 9 nur ganz schwach angedeutet ist, und sind sonst mit Augen] 
flecken versehen. Der Oberkopf ist bei den Männchen graugrttl 
oder nußbraun, bei den 9 braungrün und bei den juv. blau braun- 
grfln oder bell nußbraun. Die dunkle Zeichnung tritt meist in 
Form verhältnismäßig großer Flecke auf und ist nur bei 1 9 und 
1 juv. als spärliche Punktierung zu sehen. Die Unterseite ist blau] 
grau, nur bei einem , rorne graugrün, während bei dem anderen 
die \h\\<\ einen rötlichen Anflug zeigt; bei 1 cf ist die ganze Unter- 
seite, bei 1 juv. der Bauch schwarz gefleckt. Die Beine sind bei 
allen Exemplaren graubraun. 

Obzwar Werner in „Die zoologische Reise des naturwissed 
lebaftHcnen Vereins nach Dalmatien im April 1906" (Mitt. d. naturwj 
\u d I m\. Wien, Jahrg. VI, 1908, p. 44) den Eidechsen der Pelaj 



Beobachtungen über die Fauna von Pelagosa. 229 

gosagruppe jede Spur von Melanismus abspricht, so glaube ich mit 
Rücksicht auf die im ganzen düstere, dunkle Färbung der var. 
adriatica sie doch gleich Kamm er er (1. c, p. 355) den Insel- 
nigrinos zuzurechnen. 

Die kleinste juv. (125 mm Totallänge) dieser Form glaube ich 
besonders genauer beschreiben zu müssen, da sie sich durch den 
vollkommenen Mangel jeder Spur von Streifung von allen anderen 
unterscheidet. Die Oberseite des Körpers ist braungraulich, mit 
vielen kleinen rundlichen Punkten gesprenkelt, welche vorne von 
bläulicher, rückwärts von weißlicher, resp. ganz hell bräunlicher 
Farbe sind. Der Schwanz ist etwas heller graubraun, an der Basis 
ebenfalls mit ganz kleinen bläulichen Punkten versehen. Der Kopf 
hell nußbraun mit spärlichen dunklen Punkten. Die Beine wie die 
Oberseite, nur ist die Farbe etwas lichter graubraun. Die Unter- 
seite blaugrau, Unterkiefer und Kehle blaugrün, die Bauchrand- 
schilder blau. 

Nachdem ich unsere Ausbeute an Eidechsen auf Pelagosa 
etwas weitläufiger besprochen habe, will ich noch jener, schon ein- 
gangs erwähnten, Mehrfachbildung eines Eidechsenschwanzes einige 
Worte widmen. Da uns nur der Schwanz allein übergeben wurde, 
kann die Stelle, an der die Neubildung eintrat, nicht genau be- 
stimmt werden, was auch für die Gesamtlänge des Schwanzes gilt. 
Auf zwei, zusammen 4 mm lange Schwanzglieder folgt die Gabelung 
in zwei Aste, von denen der eine vor seinem Ende noch zwei 
Neubildungen trägt. Der einfache Ast mißt 66 mm, der zweite bis 
zu jener Stelle, wo er sich aufs neue gabelt, 56 mm, weiter bis 
zum Ende dann noch 21 mm; dieser Teil ist gegen die Median- 
linie nach aufwärts abgebogen. Die eine längere Neubildung (15 mm) 
hat beiläufig dieselbe Lage wie der Hauptast, nur mit schwächerer 
Aufwärtskrümmung, und ist am Ende hakenförmig nach einwärts 
gebogen; sie trägt an ihrer Basis noch ein 4mm langes, sich ihr 
vollkommen anschmiegendes, gekrümmtes Ästchen. 

3. Zamenis gemonensis var. carbonarhis Bonap., die einzige 
auf Pelagosa in großer Anzahl vorkommende Schlangenart, wurde 
auch von uns in vier Exemplaren erbeutet, von denen drei einen 
regenerierten Schwanz haben. Das unverletzte Exemplar mißt 1015 mm, 
wovon 275mm auf den Schwanz entfallen; die Zahl der Ventral- 



230 



K. Babic und E. Rößler. 



Schilder beträgt 197, die der Subcaudalschilder 104/104 -f 1. Die 
Exemplare mit regeneriertem Schwänze messen 840 mm, 895 mm 
und 800 mm, die Schwanzregenerate 167 mm, 143 mm und 80 mm. 
Die Zahl der Ventralschilder bei diesen Exemplaren ist 198, 197 
und 198, während jene der Subcaudalschilder 58/58 -f- 1, 52/52 -f- 1 
und 29/29 -f- 1 beträgt. Die Farbe ist auf der Oberseite dunkel 
schwarzbraun, auf der Unterseite braungrau und bei zweien fehlt 
auch hier der triibgriine Längsstreifen. 

Von Coda erhielten wir auctrein im August 1911 gefangenes 
juv. von 573 mm Länge, wovon der Schwanz 148 mm mißt. Die 
Zahl der Ventralschilder beträgt 197, jene der Subcaudalschilder 
106/106 + 1. Die Farbe ist graugrün und die Zeichnung stimmt 
vollkommen mit der Beschreibung Werners in „Die Reptilien und 
Amphibien Österreich-Ungarns und der Okkupationsländer", p. 54, 
für die junge Forma typica von Z. gemonensis tiberein. 

4. Zum Schlüsse möchte ich noch erwähnen, daß wir eben- 
falls von Coda zwei im August 1911 auf Pelagosa gefangene 
HemidacAylus turcicus L. erhielten, welche 67 und 83 mm messen; 
der Schwanz ist 22, resp. 30 mm lang. Die Farbe derselben ist 
ganz hell graubräunlich. 

Das hier beschriebene Material bestätigt wieder die schon 
früher durch Belegexemplare verbürgten Angaben, daß die Reptilien- 
fauna der Pclagosagruppe eine Geckonidenart, zwei endemische 
LacertidenformeD und eine Schlangenart umfaßt. 

Vögel. 

Von Prof. Dr. E. Rößler. 

Die Vogelfauna der Pclagosagruppe ist, wie es bei diesem 
weit im Meere gelegenen kleinen Felseneilande gar nicht anders 
zu \ • Hunten isl. ziemlich arm an Arten und auch verhältnismäßig 
an Individuen. 

Die Angabe Code/s aber nach den Berichten der Leucht- 
tiirina Kli nten, wie sie ( ', i n zb e r ge r in „Fünf Tage in OsteJ 

reich* fernsten Eilanden (Adria, Jahrg. III, 1911, p. 161) auf p. 248 
anfthrt dal) cur /\\<'i Arten seßhafter Vögel, Turmfalke und Blau- 
dronelj rorkommen, entsprich! doch nicht ganz den Tatsachen] 



Beobachtungen über die Fauna von Pelagosa. 



231 



denn ich konnte Ende Mai, also zu einer Zeit, wo der Zug bereits be- 
endet ist, eine größere Anzahl von Arten und sogar auch junge Vögel 
konstatieren, welche nur hier ausgebrütet worden sein konnten. 

Im folgenden will ich nun in Kürze nach meinem Tagebuche 
jene Arten anführen, welche es mir entweder zu erbeuten gelang 
oder welche ich durch genaue Beobachtung zweifellos feststellen 
konnte. 

1. Pufßnus Kühli (Boie). Am 27. Mai abends in der Dämme- 
rung beobachtete ich drei Stück, welche sich in ungestümem Fluge 
um unsere Fischerbarke herumtrieben, mit der wir zum Sardellen- 
fange ausgezogen waren, dabei öfter ihre rauhe, rabenartige Stimme 
erschallend lassend. 

2. Laras cachinnans Pall. sind stets in größerer Anzahl zu 
beobachten, wie sie in ruhigem, elegantem Fluge längs der Küste 
hin- und herstreicben, die Klippen umkreisen und selbst starkem 
Sturme erfolgreich Trotz und Widerstand bieten. . 

3. Buteo buteo (Linn.). Am 26. Mai beobachtete ich zwei 
Stück, welche von E kommend einige Zeit über der Insel kreisten 
und dann gegen SW weiterzogen; am 27. zog wieder ein Stück 
von E gegen W über die Insel. 

4. Falco Feldeggi Schi. Der Leuchtturmkommandant J. Coda 
besaß ein junges Stück, welches er einem Horste auf Pelagosa 
piccola entnommen hatte. In öfterer Ermanglung anderer Kost 
hatte er sich an Fischnahrung gewöhnt, die er anstandslos annahm 
und dabei ganz gut gedieh. 

5. Cerchneis tinnuncukts (Linn.). Ein Paar hatte ich mehrere 
Male auf Pelagosa grande, wie auch auf Pelagosa piccola Gelegen 
heit zu beobachten. 

6. Erythropus vespertinus (Linn.). Am 27. Mai kreiste ein cf 
längere Zeit ganz niedrig über der Insel und strich dann auf Pela- 
gosa piccola ab. 

7. Gaprimulgus europaeus Linn. Am 25. Mai fand ich am öst- 
lichen Ende der Insel im Grase ein teilweise von Käfern zerfres- 
senes, schon ganz eingetrocknetes Stück, welches ohne Zweifel 
während des Frühjahrszuges hier seinen Tod gefunden hatte. 

8. Cypsehts murinus (Brehm). Fast täglich war wenigstens 
ein Segler zu sehen, welcher um die Steilküsten der Insel herum- 



232 



K. Babic und E. Rößler. 



schoß; am 27. Mai nachmittags tummelte sich ober dem östlichen 
Ende der Insel ein großer Flug in der Luft herum, aus dem es 
mir drei Stück zu erlegen gelang. Ihre Schlaf- und wahrscheinlich 
auch Nistplätze befinden sich in den steilen Felswänden ober dem 
„Zalo" auf der Südseite der Insel. Nachdem die erlegten Stücke 
sehr gut im Fleisch, ja sogar fett waren, so muß die Individuen- 
zahl der geflügelten Insektenformen doch eine sehr beträchtliche 
sein, da sich diese Vogelart doch nur ausschließlich von diesen 
nährt, wenn jene auch nach Ginzberger in „Beiträge zur Kennt- 
nis der Fauna einiger dalmatinischer Inseln" (Verhandl. d. k. k. 
zool.-bot. Gesellsch., Bd. LH, 1902, p. 362) von den ungeflügelten 
Formen entschieden übertroffen werden. 

9. Hirundo rustica Linn, wurde am 24. Mai in zwei Exem- 
plaren auf Pelagosa grande und am 26. in drei Exemplaren auf 
Pelagosa piccola beobachtet. 

10. Muscicapa grisola Linn, sah ich ebenfalls zweimal; ein 
Stück erlegte ich am 24. Mai, welches wie die Segler sehr gut ge- 
nährt war. was die dort erwähnte Angabe betreffs der geflügelten 
Insekten bestätigt. 

11. Peiroplnla cyanns (Linn.) flog am 26. Mai morgens von 
Pelagosa grande auf Pelagosa piccola hinüber. 

12. Pltoenicurus titys (Scop.). Je ein cf beobachtete ich ein- 
mal auf Pelagosa grande und einmal auf Pelagosa piccola. 

13. Haxkola, und zwar eine schwarzweiße Art wurde mehrere 
Male beobachtet. Da die Vögel aber außerordentlich scheu und 
vorsichtig waren, konnte ich keines einzigen Exemplars habhaft 
werden, weshalb auch die Art nicht näher bestimmt werden konnte. 

14. Enneoctontts collitrio (Linn.). Am 2(5. Mai fand ich auf 
PelagOM piccola ein von einem Raubvogel geschlagenes und teil- 
weise gerissenes 9. 

1:"). Mofacilla flava Linn, wurde auf beiden Inseln öfter in 
größerer Anzahl beobachtet; unter denselben befanden sich auch 
juv., dir doch lieber nur daselbst ausgebrütet wurden. 

16. Anlhns ranijies/ria (Linn.) waren auch in ziemlicher An- 
zahl rorhanden und gehören sicher auch zu den Bratvögeln der 

Inselgruppe 



Beobachtungen über die Fauna von Pelagosa. 



233 



Nachdem mir momentan die Arbeiten von Godez nicht zu- 
gänglich sind, kann ich nur nach meinen Beobachtungen urteilen, 
welchen aber ganz sicher keine Vogelart entgangen ist, die sich 
auf Pelagosa aufhielt, da wir doch fast ununterbrochen die Insel 
kreuz und quer durchstreiften, was bei ihrer Kleinheit täglich 
mehrere Male geschehen konnte. 

Zur Beobachtung gelangten im ganzen 16 Arten, welche sich 
auf 10 Familien aufteilen und von denen sicher 11 als seßhafte 
Vögel, welche auch dort brüten, zu betrachten sind, während drei 
Arten wahrscheinlich nur auf dem Zuge, resp. gelegentlich weiteren 
Streichens sich hier kurze Zeit aufhalten und zwei Arten endlich, 
Puffinus Kuhli und Larus cachinnans, zu den ständigen Gästen 
der Inselgruppe gehören. 



Zweifelhafte Gestalten unter den Caraben 
Mitteleuropas. 

Von 

Dr. Fr. Sokolär, 

Hof- und Gerichtsadvokat in Wien. 

(Eingelaufen am 18. Mai 1912.) 

Man kann sich bei der Beurteilung dieser Gestalten dermalen 
nur auf Vermutungen und auf aus allen begleitenden Umständen 
hervorleuchtende Wahrscheinlichkeiten stützen, da es uns leider 
immer noch an rationeller Züchtung von Caraben und an durch 
kontrollierbare Experimente festgestellten Tatsachen während der 
ontologischen Ent Wickelung mangelt. Derlei sonderbare Individuen 
lassen sich nach dem derzeitigen Stande unseres Wissens, bezie- 
hungsweise Nichtwissens in zwei Gruppen einordnen: 

Zu der ersteren sind alle die Individuen zu zählen, die nament- 
lich durch die abnorme Entwicklung der Skulptur an ihren schein- 
bar sonst nicht alterierten Flügeldecken auffallen. Manche derlei 
Individuen wurden als sogenannte Aberrationen sogar mit Namen 
belegt, wie z. B. Carabus auronitens ab. intercostatus von Gredler, 



234 



Fr. Sokalar. 



wahrscheinlich auch Gehins anomalns und rugatinus, ebenso Birth- 
lers rugulosus, möglicherweise auch Heers helveticus vom Car. 
moniliSj sicher Ganglbauers Dürclcianus sowie Sulcs sobotlcaensis 
vom Car. hortensis. In neuester Zeit ist man endlich mit Recht 
davon abgekommen, derlei abweichende Einzelerscheinungen im 
System zu führen, beziehungsweise zu benennen, mögen sie mit ihrer 
absonderlichen Skulptur noch so sehr in die Augen stechen. Unge- 
zählte Individuen bleiben meist unbeachtet, insolange die Decken- 
skulptur nur partiell oder aber nur auf einer der Decken irritiert 
zum Ausdrucke kommt. Namentlich das Erstere stößt sehr häufig 
auf. Als Grund und Ursache dieser Skulpturabnormitäten habe ich 
bereits in früheren Arbeiten ausgeführt, daß höchst wahrscheinlich 
ein äußerer, auf den Thorax des Tieres während des Puppen- 
zustandes wirkender Druck eines harten Gegenstandes, wie einer 
Wurzel, eines Steinchens oder dergleichen die Entwickelung der 
sonst normalen Rippenelemente behindert, beeinflußt, wobei auch 
dargetan wurde, durch welche Tatsachen und begleitende Umstände 
ich zu diesem Schlüsse in den vielen ganz analogen Einzelnfällen 
gedrängt wurde. 

Die zweite, relativ wichtigere Gruppe der zweifelhaften Ge- 
stalten sind aber die Hybriden unter den Caraben. Daß es solche 
gibt, darüber kann gegenwärtig gar kein Zweifel bestehen; es ist 
nur die Frage, welche von den bisher bekannten zweifelhaften Ge- 
stalten mit Recht als Hybriden vermutet werden können, inso- 
lange Züchtung sowie Kreuzung zweier verschiedener Arten nicht 
volles Liclit in die Sache gebracht haben werden. 

Ziehen wir hiebei vorerst die historisch älteste Gestalt, den 
Cur. hclrrJicus Heer in Betracht! Die sonst gründliche Arbeit meines 
lieben Freundes Herrn I*. Horn über diese Gestalt, jetzt richtiger 
EWei derlei Gestalten (Soeietas Kntoniologiea, XXIV, 1. 2.) läßt 

Doch immer Zweifel zu, ob es sieb da um Hybriden überhaupt, 
nach seiner Ansieht um solche zwischen cancellatus und monim 
bandle. Vor allem wäre es nicht ohne Interesse zu erfahren, welchen 
Geschlechtes jedes der zwei bisher bekannten Individuen ist. Auch 
das Vorhandensein der acht Rippen wirkt nicht ganz überzeugend. 
Meine in dieser Richtung über die „Flügeldecken-Skulptur der 
Caraben" in der Deutschen Entomolog, National-Bibliothek, II, L91S 



Zweifelhafte Gestalten unter den Caraben Mitteleuropas. 



235 



p. 175 ff. veröffentlichten Erfahrungen mahnen da zu besonderer 
Vorsicht. Im übrigen muß ich bekennen, daß ich weder den ersten 
noch den zweiten lielveticus selbst gesehen habe und mir daher 
durchaus kein entscheidendes Urteil darüber anmaßen möchte. 

Dagegen war ich in der Lage, einen der von Herrn Paul 
Alb recht, Berlin, wie es scheint wiederholt „im Beiziger Forst ge- 
fundenen" hybriden Caraben zu sehen. Es ist ein unanfechtbares 
Kreuzungsprodukt zwischen Carabus violacens und coriaceus. Schade 
nur, daß der Forceps dieses einen von mir besichtigten männlichen 
Individuums nicht herauspräpariert war. Aus dem Beiziger Forst 
habe ich weder die eine noch die andere Species der Parentes ge- 
sehen; es läßt sich also nichts Näheres über das Verhältnis der 
beiden Eltern zu dem Abstämmling sagen. Soviel ich jedoch weiß, 
zUchtet Herr Alb recht C. clathratus. Es ist ihm daher ein leichtes 
und sicher von großem Interesse, den Versuch zu machen, ob es 
denn nicht gelingen sollte, auch im Zwinger violacens mit coriaceus 
zu kreuzen. Bei künstlicher Zucht wäre das Ergebnis der Kreuzung 
für die Wissenschaft jedenfalls erfolgreicher und auch lohnender 
als eine nicht kontrollierbare Hybridisation in der freien Natur. 

Wenn nun die Möglichkeit der Hybridisation sogar zwischen 
C. violaceus und coriaceus außer Zweifel gestellt erscheint, so ist 
es nicht zu verwundern, daß in der Natur Kreuzungen zwischen 
G. clepressits mit Fabricii vorkommen, wie Herr Born in den Mit- 
teilungen der Schweizer, entomol. Gesellsch., XI, H. 3 des Näheren 
ausführt. Fabricii, depressus und Crenüeri stehen einander so nahe, 
daß man fast versucht wäre, sie für Rassen einer und derselben 
Art zu halten. Dort, wo ihre geographischen Wohngrenzen sich 
berühren, dürften zahlreiche Mischlinge von ihnen gar nicht selten 
sein, wie etwa auch im nördlicheren Teile von Tirol zwischen 
depressus und Fabricii, im südlicheren zwischen depressus und 
Greutzeri. 

Auffallender dagegen sind Mischlinge zwischen G. irregularis 
und Greutzeri. Es spricht vieles dafür, daß G. pseudonothus Kr. als 
ein solches Kreuzungsprodukt sich darstellt. Das Wiener Hofmuseum 
besitzt jetzt mehrere Exemplare dieses Tieres beiderlei Geschlechtes, 
ich selbst verdanke ein Pärchen der besonderen Güte der bekann- 
ten Koleopterologen Krains, nämlich der Herren Oberkontrollor J. 



236 



Fr. Sokoläf. 



St us sin er und Obergeometer Alf. R. v. Gspan, beide in Laibach. 
Auch bei diesem pseudonoihus muß vorderhand abgewartet werden, 
ob die nicht von der Hand abzuweisende Vermutung der Bastar- 
dierung zwischen irregularis und Greutzeri durch etwaige Züch- 
tungen als Tatsache bestätigt wird oder nicht. Es sprechen trotz 
gegenteiliger Ansichten nicht allein viele morphologische Merkmale, 
sondern auch andere begleitende Umstände für die Bastardierung. 
Beide obgenannte, sicherlich verläßliche Gewährsmänner geben 
übereinstimmend an, daß pseudonotlius nur in Lokalitäten zu finden 
ist, wo irregularis und Greutzeri hausen, daß aber erst unter einer 
sehr großen Anzahl der beiden vermeintlichen Elternarten ein oder 
das andere Stück pseudonotlius zu finden ist. Das spricht deutlich 
für die Hybridisation. 

Von Bastarden Fabricii und irregularis habe ich in der Lite- 
ratur noch keine Nachricht gefunden ; allein es existieren solche, 
[ch selbst besitze ein von Herrn Joh. Brand, Wien, in Salzburg 
bei Obertauern gefundenes 5 , das mit großer Wahrscheinlichkeit 
als ein solches Kreuzungsprodukt anzusehen ist. 

Es gibt aber unter den Caraben noch eine sehr auffällige 
Gestalt, die früher allgemein als eine var. des G. monilis betrachtet 
wurde, höchst wahrscheinlich jedoch einer Kreuzung ihr Dasein ver- 
dankt. 'Es ist dies der Simulator Kr. Er wird derzeit allgemein zu 
der Schcidleri-Gn\])\)e des monilis gezogen; eine plausible Erklärung 
oder Begründang dafür ist nirgends ersichtlich. Seit ich dieses Tier, 
das ja auch nicht gar häufig zu sehen ist, kenne, war es mir ein 
Rätsel. Erst in neuester Zeit scheint letzteres gelüftet zu sein, wenn 
es auch noch nicht gelöst ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist 
nämlicli Simulator Kr. ein Bastard zwischen G. Ullrichi aus der 
Gruppe des fastuosus-arrogans und der serbischen moniUs-Reim 
negoÜHen§i$9 Bttr.) ans der XbWan-Gruppe von Majdanpek, wo- 
Selbst er nach der gewiß ganz verläßlichen Nachricht des be- 
kannten Koleopterologen Herrn F. Tax, Graz, gefunden wurde. 
Dieser rimulator hat im männlichen Geschlecht ganz zweifellos den 
Forceps, im allgemeinen auch das Ilalsschild und den Habitus vom 
monüii (negotineniis?), die Deckenskulptur jedoch ganz entschieden 
rom 0, Ulbricht aus der Gruppe des fasUiosus-arrogans. Von einer 
$i heidleri 8k nlpl nr kann bei dem Simulator nicht im entferntesten 



Zweifelhafte Gestalten unter den Caraben Mitteleuropas. 237 

die Rede sein. Wer dies behauptet, kennt deren Charakter und 
Struktur gar schlecht. Das mechanische Abzählen der Rippenelemente 
kann da nicht maßgebend sein. Es ist aber auch geographisch ein 
Ding der Unmöglichkeit, daß mitten in das Gebiet der 16 — 18-rip- 
pigen Kollari-Gi'wppe des monilis plötzlich und unvermittelt ein 
14-rippiger Scheidleri wie vom Himmel herabgeschneit käme. 

Darüber, daß die Deckenskulptur des Simulator eine Skulptur 
des Ullrichi fastuosus-superbus ist, gibt es für den Kenner nicht 
den geringsten Zweifel. Aber auch die Färbung, auf die man doch 
zu Kraatz' Zeiten so große Stücke gehalten hatte, spricht ganz 
entschieden für Ullrichi und dessen Deckenskulptur; denn die blaue 
var. Serbiens Hopff. entspricht gleichfalls dem blauen Ullrichi 
fastuosus-superbus-arrogans. 

Gar sonderbar gestaltet sich mitunter der Verlauf der Dinge; 
ein einziger Lichtstrahl erhellt plötzlich die ganze Situation. Die 
Vermutung der hier geschilderten Mesallianzen der beiden Eltern- 
teile unseres Simulator und dessen verdächtige Abstammung stand 
für mich schon lange fest, als es mir plötzlich einfiel, auch noch 
Herrn F. Tax zu ersuchen, mir sein Simulator- Material zur Ansicht 
zu senden und mir nähere Angaben zu machen über das Vorkommen 
des Tieres. In sehr entgegenkommender Weise wurde von ihm 
meinem Ersuchen entsprochen. Nicht minder wie ich werden ihm 
auch alle Koleopterologen hiefür dankbar sein. Herr Tax hatte im 
Jahre 1901 von Graz einen Abstecher nach Serbien gemacht, um 
dort zu sammeln; er hielt seine erste Station in Majdanpek. Es 
wurde ihm aber das Sammeln daselbst verboten, zugleich auch das 
ebenso höfliche als dringende „Ersuchen" an ihn gestellt, das Land 
zu verlassen. Schließlich hat man ihm jedoch einige Tage Aufent- 
halt im Orte gestattet, damit er seine müden Glieder aufs Grade 
richte. In dieser seiner Not- und Zwangslage hatte er durch seinen 
Träger unter den bäuerlichen Inwohnern verlautbaren lassen, daß 
er Käfer kaufe. Und da brachten ihm die Leute in dieser kurzen 
Frist nichts als Carabus Ullrichi von der Gruppe fastuosus-arro- 
gans in einer Anzahl von uugefähr 400 (!) Stück, daneben etwa 
15 (!) Stück Simulator verschiedener Färbung von fast Schwarz über 
Blau bis Goldgrün, ganz analog der Färbung der ganzen Fastuosus- 
Gruppe von Ullrichi, wie ich dies an den mir von ihm zur Ansicht 



238 



Fr. Sokoläf. 



gesendeten 4 cT ganz deutlich ersehe. Soll nun diese verläßlich ver- 
bürgte Tatsache unbeachtet bleiben? Mich bestärkt sie vielmehr 
nicht wenig in meiner bisherigen Ansicht. 

Wenn nun eine erfolgreiche Kreuzung monilis X Lllrichi in 
Serbien möglich sein sollte, dann wird sie auch bei uns im Norden 
durch Einzwingerung der gleichen Arten, z. B. monilis Scheidleriy^ 
l'Urklii germanicus bewerkstelligt, zugleich aber auch in ihren Er- 
gebnissen genau kontrolliert werden können. 

In ähnlichem Sinne dürften möglicherweise auch der ost- 
rumelische versicolor Friv., wie auch Apfelbecks bjelasnicensis 
als auffällige Gestalten gedeutet werden; der eine wie der andere 
sind sehr selten!! 

Ob künstliche Kreuzungen von Caraben in irgendwelcher 
Richtung von Bedeutung wären oder nicht, diese Frage bleibe hier 
unerörtert; für den Systematiker wären sie aber unbedingt von 
Wert. Es möge dies daher als Anregung dienen, daß namentlich 
besser gestellte, hiezu berufene Anstalten die hier angeregten Ver- 
suche zur Tat werden lassen, um an Stelle von Vermutungen Tat- 
sachen zu setzen. 



M 

Uber erzogene Chalcididen 

aus der 

Sammlung der k. k. Landwirtschaftlich-bakteriologischen 
and Pflanzenschutzstation in Wien. 

Von 

Dr. Franz Ruschka (Wien). 
Mit 2 Figuren in Texte. 

(VAnfrv.hxiWMi am '21. .Mai 1912.) 

Durch dai freundliche Entgegenkommen von Seite des Herrn 
Dr Leo Fnlmek war et mir gestattet, die Chalcididensammlund 
den k k. landwirtschaftlich -bakteriologischen und Pflanzenschutz] 
itation in Wien einzusehen. 



Über erzogene Chalcidideu. 



239 



War das vorhandene Material auch nicht sehr umfangreich, 
enthielt es doch manches Interessante und Neue insbesondere des- 
halb, weil fast alles aus verläßlichen Zuchten stammte. 

Bei den Neubeschreibungen habe ich nur erzogene Arten, 
welche in mehreren Stücken beider Geschlechter vorhanden waren, 
berücksichtigt. 

Bezüglich der Literatur und Synonymie der bereits bekannten 
Arten verweise ich auf Dalla Torre, Catalogus Hymenopte- 
roruin, Tom. V. 



1. Podagrion pachymerum Walk. 

Diese Art scheint in ihrer Färbung ziemlich bedeutend zu 
variieren. Eine Serie von 42 g und 12 d\ welche aus einem auf 
der Insel Delos gesammelten Eikokon von Mantis religiosa L. ge- 
zogen wurden, unterscheidet sich durch weitaus dunklere Färbung 
auf den ersten Blick von der Stammform. 

Der Kopf und Rumpf ist fast schwarz, nur mit leichtem 
grünen Metallschimmer. Beim 9 sind Hüften und Schenkel ebenso 
gefärbt, Trochanteren, Knie und Tarsen gelbbraun, Vorder- und 
Mitteltibien bis auf die helle Basis und ebensolche Spitze kastanien- 
braun, hintere Tibien schwarz. Beim ö' sind die ganzen Vorder- 
und Mittelbeine bis auf das schwarze, verbreiterte erste Tarsenglied 
der letzteren gelbbraun. 

2. Monodontomerus dentipes Boh. 

Fünf 9 , zusammen mit Pimpla brassicariae Poda und P. ca- 
pidifera Kriechb. (det. Schmiedeknecht) aus Puppen von Lymantria 
monacha L. erzogen, die im April 1910 in Heiligenberg bei Olmütz 
gesammelt wurden. 

3. Cheiropachys intermedia Forst. 

Ein aus Tetrops praeusta L. in dürren Zweigen des 
Zwetschkenbaumes (Groß-Siegharts, N.-O.). 

4. Encomys scutellata Swed. 

Eine Anzahl 9 aus Lecanium Douglasi Sulc. auf Betida verru- 
cosa Ehrh. gesammelt in Trieglitz in der Priegnitz (Brandenburg) 
im August 1911. (Aus einem Faszikel der von Otto Jaap heraus- 
gegebenen Coccidensammlung.) 



240 



Franz Ruschka. 



Die von Sclimiedeknecht in seiner Bearbeitung der Chal- 
eididen in Wytsmans „Genera Insectorum" angeführten Gründe 
für die Beibehaltung des Gattungsnamens Eucomys statt Eucyrtus 
sind wohl überzeugend; die als Eucomys Siuederi Dalm. bezeich- 
nete Fig. 6 auf Tafel 6 desselben Werkes stellt jedoch nicht diese 
Art, sondern Eucomys scutellata Swed. vor. 

5. Eucomys infelix Embleton. 

Drei 9 aus Lecanium hemisphaericum Targ. auf Asparagus 
plumosus Baker in einem Gewächshause in Mürzzuschlag. 

6. Baeocharis pascuorum Mayr. 

Zwei 9 aus Eriopeltis festucae Sign, auf Weingaertneria ca- 
nescens L. aus Trieglitz in der Priegnitz, Prov. Brandenburg. Die 
beiden Stücke fanden sich in Otto Jaaps Coccidensammlung. 

7. Eucyrtus festucae Mayr. 

Drei 9 aus Eriopeltis festucae Sign, auf Weingaertneria cd- 
nescens zusammen mit Nr. 6 und ein 9 aus derselben Schildlaus- 
art auf Aira flexuosa L. aus Volksdorf bei Hamburg. Ebenfalls aus 
Jaaps Coccidensammlung. 

8. Eucyrtus cyaneus Mayr. 

Ein 9 zusammen mit Nr. 6 aus derselben Schildlausart an 
derselben Pflanze. 

9. Ceraptocerus mirabilis Westvv. 

Zwei 9 und ein cT ebenfalls aus Eriopeltis festucae Sign, auf 
Weingaertneria canescens L. zusammen mit Nr. 6. 

Die beiden Th 0111 so n sehen Arten dieser Gattung, C. mnlti- 
radiaius und p'dkomis, sind wohl nur Varietäten, welche sich bloß 
durch geringe Abweichungen der dunklen Fitigelbinden und durch 
die Färbung der Beine unterscheiden. C. multiradiatus Thoms. halte 
ich übrigens für identisch mit der Stammform. Zwei Stücke meiner 
Sammlung, welche ich seinerzeit von Prof. Dr. Gustav Mayr als 
0. mirabüi* Westw. erhielt, gehören der Fltlgelzeicbnung nach zur 
var. pHicornis ThomS. Von den oben genannten beiden 9 gehört 
cum - zu var. umltiradiata, das ander«; zu var. piiieornis. 

10. (Jxyglypta rugosa nov. spec. 

\on dieser Art wurden 22 9 und 8 zusammen mit zahl- 
reichen Individuell einer Vlatygoster-kxt aus den Gallen von Oligo- 
trophui Bergen$tamm\ Wachtl an Birnbaumzweigen, welche am 



Heber erzogene Chalcididen. 



241 



9. März 1911 in Groß-Enzersdorf, Niederösterreich, gesammelt wur- 
den, erzogen. 

Die durch sichere Merkmale kenntliche Gattung O.njghjpta 
wurde von Förster im zweiten Teile der Hymenopterologischen 
Studien im Jahre 1856 aufgestellt, ohne daß bisher eine Art dazu 
beschrieben worden wäre. 

Von der vorliegenden Art (Fig. 1) ist das Q 2 A / 4 — 2 1 / 2 mm 
lang, das cf etwas kleiner; Kopf und Rumpf sowie Hüften und 
Schenkel dunkel erzfarben, stellenweise 
violett überlaufen. Beim Q sind die Fühler 
schwarz, Schaft und erstes Ringel, zweiter 
Schenkelring, Knie, Schienen und Tarsen 
bräunlichgelb, Schienen außen mit dunk- 
lem Längsstreif. 

Kopf quer mit gerundeten Wangen, 
hinter den Augen verschmälert, Scheitel 
schwach ausgehöhlt. Mandibeln beiderseits 
dreizähnig. Fühler zwölfgliedrig mit zwei 
Ringeln, deren erstes sehr klein, fünfgliedri- 
ger Geißel und dreigliedriger Keule. Schaft 
spindelförmig, ein Drittel so lang wie die 
Geißel ohne Wendeglied. Thorax mitten 
so breit wie der Kopf, nach vorne und 
hinten verschmälert. Collare vorne nicht 
begrenzt. Mesonotum querrunzelig, Para- 
psidenfurchen vollständig, auf die Axillen 

treffend. Scutellum gestreckt, mit feiner Netzskulptur, Frenum durch 
feine Linie getrennt, abfallend. Medialsegment runzelig, mit feinem 
Mittelkiel, Stigmen oval. Abdomen sitzend, schmal, oben flach, 
trocken eingefallen, unterseits kompreß; Seitenrand bis zu drei Vier- 
teln der Hinterleibslänge gerade, nur wenig divergierend, dann 
plötzlich zusammenlaufend. Bohrerklappen etwas vorragend. 

Flügel hyalin, Nerven dunkelbraun ; Verhältnis der Länge der 
Marginal-, Radial- und Postmarginalnerven wie 2:l:l 1 / 2 ; Knopf 
des Radialnerven stark verdickt. Beine normal, Hinterschienen mit 
zwei Enddornen, jedoch ragt der kleinere nur wenig über den Stachel- 
kranz des Tibienendes vor und ist daher nur schwer zu sehen. 

Z. B. Ges. 62. Bd. 16 




Fig. 1. 

Oxyglypta rugosa nov. spec. 

a Fühler, cf ; b Fühler, 9 ; c Flü- 
gelnervatur, 9; (l Mandibeln, 9. 



242 



Franz Ruschka. 



Das cT unterscheidet sich vom 9 durch ganz schwarze Fühler 
und außen stark geschwärzte Tibien. 

Die Fühler sind ebenfalls zwölfgliedrig mit zwei Ringeln, 
deren erstes kaum erkennbar, das zweite kleiner als beim $; Geißel 
sechsgliedrig, die einzelnen Glieder dicker und stärker behaart, 
Keule nur zweigliedrig. 

Abdomen nach hinten kaum verbreitert; Hintertibien mit zwei 
deutlichen, an der Spitze stark gebräunten Sporen. 

11. Lamprotatus alpestris nov. spec. 

Im August 1891 wurden auf der Schneealpe bei Neuberg 
(Steiermark) Minen von Phytomyza asclepiadeae Hdl. gesammelt, 
welche folgende Parasiten ergaben: 

Lamprotatus alpestris nov. spec. 

Solenotus pliytomyzae nov. spec. (vid. unten Nr. 18). 

Chrysocharis aeneiscapa Thoms. (vid. unten Nr. 19). 

Von Lamprotatus alpestris liegen drei Pärchen vor. Körper-, 
länge 2 nun. Metallgrlin, stellenweise mit goldigem oder blauem 
Schimmer. Fühlergeißel schwärzlich, Schaft metallisch. Hüften und 
zwei Drittel der Schenkel ebenfalls metallgrün ; Trochanteren, Tibien 
und Tarsen gelb, letztere mit dunkler Spitze; Mittel- und Hinter- 
tibien am Streckrande und an der Spitze geschwärzt. Hinterleib 
beim cT durchscheinend. 

Kopf und Thorax schuppig punktiert, Frenum deutlich gel 
trennt, Medialsegment jcdcrseits mit einem Zahn. Petiolus qua- 
dratisch mit deutlichen Knötchen, fein gerunzelt. Abdomen oben 
fast flach, bei trockenen Stücken eingefallen, Flügel hyalin, Nerven 
blaß, Marginalnerv ziemlich kräftig; Knopf des Radialnerven dick, 
unten ausgerandet mit schlanker Spitze. 

12. Stenomalus laetus nov. spec. 

Von dieser Art wurden 25 $ und 6 d 1 aus Chlorops taeniopui 
M< iu. aus Novavics ((ializienj im Sommer HM 1 erzogen. 
Körp erlange — •^ :t /i ,,,In - 

9: Kopf. Thorax samt I lüften und Abdomen hell metallgrlin 
biH crzgrlin. Mesothoraxrlicken und IJasis des Abdomens bei den 
beUeren Stücken oft lebhaft blauschimmernd. Abdomen an den 
Begmenträndern mit dunkleren Binden, bei dunklen Stücken ganz 
ichwarzviolett. Flllilerschaft gelbbraun, Geißel schwärzlich. Heine 



reber erzogene Chaleicliden. 243 

schwefelgelb, Hüften metallisch, Schenkel mehr oder weniger ge- 
bräunt bis ganz metallisch; Vorder- und Mitteltibien mit bräun- 
lichen Streifen; Tarsenspitzen schwärzlich. 

cf: Körper lebhaft metallgrün, meist ganz blau überlaufen; 
Hinterleib an der Basis mit gelb durchscheinendem Fleck. Beine 
mit Ausnahme der metallischen Hüften hell schwefelgelb, nur die 
Hinterschenkel wenig gebräunt, bei einem Stück metallisch. 

Kopf des 9 breiter als der Thorax, Hinterleib verlängert herz- 
förmig, etwas kürzer als der Thorax; das cf bedeutend schlanker. 
Clypeus mit spitzem Mittelzahn und jederseits einem breiten, 
stumpfen und viel kürzeren Seitenzahn; Wangen in beiden Ge- 
schlechtern aufgetrieben. Medialsegment runzelig punktiert mit 
schwacher Spiracularfurche, Plicae bis gegen die Mitte reichend, 
Mittelkiel nur beim cf deutlich. 

Flügel hyalin, Nerven gelb. Verhältnis von Marginal-, Radial- 
und Postmarginalnerv wie 2*j 3 :l: l 1 /^ 

Die Art unterscheidet sich von dem nächstverwandten Steno- 
malus muscarum L. durch lebhaftere Färbung, aufgetriebene Wan- 
gen und metallische Vorderhüften des cf. 

13. Eutelns düectus Walk. 

In vielen Stücken zusammen mit Becatoma biguttata Swed. 
aus den Gallen von Andricus grossulariae Gir. von Dimburg an 
der March (Ungarn) erzog